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Michael Koser: Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988)

Erzählerin: Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser.

Hatch: Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6. Juni 1903, wir saßen beim Frühstück, und fühlten uns wohl, es war rundherumschön.

Hatch: Herrliches Wetter Prof.

vanDusen: Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise.

Hatch: Aber Prof, ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter.

vanDusen: Ganz recht, und was hätten sie sagen sollen.

Hatch: Weiß ich doch nicht, ich bin schließlich kein Metero Meteo na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wirds doch ganz anders.

vanDusen: Nicht nur ein Meteorologe, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken, wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigen Lokalitäten herangeführt wird, der wolkenlose oder allenfalls.

Hatch: Little Bacon ist ein idyllisches Dörfchen in Mittelengland, nicht weit von der Stadt Worchester, wo sie die berühmte Soße machen, da gibt es eine Kirche aus dem Mittelalter, einen soliden Gasthof mit ländlicher Küche und gepflegtem Bier, romantische Fachwerkhäuser, Efeu, Heckenrosen, ein richtiges kleines Paradies, und wenn sie noch nicht in Little Bacon waren, meine Damen und Herren, dann gebe ich ihnen einen guten Rat, lassen sie es auch in Zukunft bleiben.

Baconsfield: Morgen die Herren, herrliches Wetter heute, was?

Hatch: Sie meinen ein dynamisches Hochdruckgebiet wodurch Warmluft aus den Subtropen.

vanDusen: Hatch, und was sie betrifft, Sir, ich habe sie nicht aufgefordert, an meinem Tisch platzzunehmen.

Baconsfield: Ach wissen Sie, Prof, was brauchts der Formen unter artverwandten Seelen, Milton oder Shakespeare egal, sie sind doch Prof van Dusen, dieser Superschnüffler aus Amerika.

vanDusen: Sir.

Hatch: Stehen Sie auf Fremder, gehen sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet äh wollte sagen sein Assistent und Chronist Hatch, Hutchinson Hatch.

Wirt: Herr Prof wünschen.

vanDusen: Haben sie die Güte, Herr Wirt dieses, dieses Subjekt von meinem Tisch zu entfernen.

Wirt: Aber Herr Prof, das geht nicht, das ist doch Mr Alastair.

vanDusen: So und wer oder was ist Mr Alastair.

Hatch: Mr Alastair war ein drahtiges Kerlchen ungefähr so alt und so groß wie der Prof, außerdem war er der ehrenwerte Alastair Baconsfield, der jüngere Bruder von Lord Hogsford und Lord Hogsford war in der Gegend die absolute Nr. 1, seit Jahrhunderten saß er d.h. seine Familie auf Schloß Hogsford, nur ein paar Minuten von Little Bacon entfernt, ihm gehörte fast alles Land um uns herum, sein Wort war Gesetz und darum war natürlich auch sein Bruder eine Respektsperson.

vanDusen: Das ist mir ganz und gar gleichgültig Sir, für mich sind sie ein Flegel.

Baconsfield: Regen Sie sich ab Prof und lassen sie mich auch mal zu Wort kommen, ich hab was für sie, ein Angebot.

vanDusen: Ich wünsche es nicht zu hören.

Baconsfield: Ein kriminologisches Angebot, auf Schloß Hogsford ist nämlich was passiert, das Verbrechen des Jahrhunderts könnte man sagen.

vanDusen: In der Tat Mr Baconsfield, äußern sie sich genauer, aber knapp, wenn ich bitten darf, präzise.

Hatch: Und von Anfang an.

Baconsfield: Ja also es geht um die Marquise von Hogsford.

vanDusen: Ein Mitglied ihrer Familie Mr Baconsfield.

Baconsfield: Das denn nun doch nicht, allerdings wenn sie meinen Bruder Cecil fragen, die Marquise gehört ihm müssen sie wissen.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen Mr Baconsfield.

Baconsfield: Sie ist eine Sau, die Marquise.

vanDusen: Wie bitte.

Baconsfield: Ein Schwein, na kennen sie doch Prof, so ein dickes fettes Tier das grunzt und sich im Dreck suhlt.

vanDusen: Ja ich weiß was ein Schwein ist, Mr Baconsfield.

Baconsfield: Na wunderbar, dann wirds ihnen ja nicht schwer fallen die Marquise zu finden, sie ist nämlich verschwunden, aus ihrem Stall, wahrscheinlich geklaut von unserem Nachbar Sir Pelham Grenville auf Woodhouse.

vanDusen: Mr Baconsfield.

Baconsfield: Die Marquis ist der Augapfel meines Bruders, wissen Sie, eine Berkshiresau, edelste Rasse, schon dreimal hat sie den großen Preis auf der Landwirtschaftsausstellung gewonnen in Worcester und in diesem Sommer holt sie den Preis zum vierten Mal, deshalb ist ja Sir Pelham so sauer weil für sein Vieh immer nur der zweite Platz bleibt.

vanDusen: Mr Baconsfield, gehe ich fehl in der Annahme, daß sie mir zumuten, den unbekannten Aufenthaltsort eines verschwundenen womöglich entwendeten Hausschweins, sus scrofa domesticus zu eruieren.

Baconsfield: Spucken Sie doch nicht so große Töne Prof, sie sollen rauskriegen, wo die Marquise steckt und was mit ihr passiert ist, so was ist doch ihr Job wie sie da drüben in Amerika sagen oder.

vanDusen: Entfernen sie sich Sir, auf der Stelle.

Baconsfield: Ist das ihr Ernst.

vanDusen: Mein voller Ernst, das versichere ich ihnen, hinaus.

Baconsfield: Alright, aber ich sag ihnen was, wir sprechen uns wieder, und zwar bald, wissen sie die Menschen hier sind ein besonderer Schlag, kernig, ein bißchen schlicht, aber treu, und auf den Adel lassen sie nichts kommen und sie finden es gar nicht schön, wenn man seiner Lordschaft in die Suppe spuckt, das werden sie noch merken Prof.

vanDusen: Ein besonderer Menschenschlag, wie wahr, vor einer halben Stunde belästigt mich der hiesige Krämer mit dem Ansinnen einen des Nachts stattgehabten Einbruchs Diebstahl in seinem Laden aufzuklären, einen Einbruchdiebstahl bei welchem gestohlen worden sein soll, was wars noch gleich.

Hatch: Ein großer schwarzer Luftballon und ein Eimer mit Farbe.

vanDusen: Und nachdem ich dieser, ich kann es nicht anders ausdrücken unverfrorenen Dreistigkeit die gebührende Abfuhr habe zu teil werden lassen, wagt man es mir, eine noch wahnwitzige Anmutung zu unterbreiten, ich Prof van Dusen der größte Amateurkriminologe, den die Welt je gesehen hat, ich soll eine abhanden gekommene Sau wieder zur Stelle schaffen, in der Tat, in dieser rustikalen Abgeschiedenheit scheinen Degeneration, Debilität, Idiotie, kurz der blanke Schwachsinn zu grassieren, wir reisen ab, gleich morgen.

Wirt: Tut mir leid Herr Prof, aber sie reisen heute noch, sofort, ihr Gepäck steht schon auf der Straße, hier ist die Rechnung.

Hatch: Wir wurden vor die Tür gesetzt, kurz aber nicht schmerzlos und ohne Begründung von ein paar kräftigen Hausknechten, telefonieren durften wir übrigens auch nicht.

Wirt: Nur wenn sie auf Schloß Hogsford anrufen und mit Mr Alister sprechen wollen, nein, dann machen sie daß sie weiterkommen.

Hatch: Wir wanderten zum kleinen Bahnhof von Litte Bacon, finster beäugt von den Dorfbewohnern, sauer und schwer bepackt, letzteres bezog sich natürlich nur auf meine Wenigkeit, auf dem Bahnsteig erfuhren wir eine neue Hiobsbotschaft.

Bahnhofsvorstand: Der nächste Zug, keine Ahnung, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, vielleicht in einem Monat, vielleicht noch später, eine unvorhergesehene Fahrplanänderung, bis auf weiteres hält kein Zug in Little Bacon.

Hatch: Schöne Bescherung, wie sollen wir denn wegkommen.

vanDusen: Lassen sie das Lamentieren, tun sie etwas, mieten sie uns einen Wagen.

Bahnhofsvorstand: Ein Automobil, im Dorf gibts keins, nur auf Schloß Hogsford.

vanDusen: Dann von mir aus auch ein Pferdefuhrwerk.

Bahnhofsvorstand: Zwecklos keiner wird sie fahren.

Hatch: Ok gehen wir eben zu Fuß.

Bahnhofsvorstand: Können sie ja gern versuchen, aber ich würds nicht tun an ihrer Stelle, auf den Wiesen wimmelt es von wilden Bullen.

Hatch: Da standen wir nun und sahen uns an und ich hatte das Gefühl, auch Prof van Dusen wußte nicht, wie es weitergehen sollte, aber da hatte ich ihn unterschätzt.

vanDusen: Hören sie.

Hatch: Ja ein Zug, was solls, der fährt ja doch durch.

vanDusen: Nicht wenn sie sich quer über die Schienen legen.

Hatch: Was.

vanDusen: In diesem Falle sehe sich der Zugführer zum Halten genötigt, wir könnten zusteigen.

Hatch: Schwierig mit abgefahrenen Beinen.

vanDusen: Sie haben Bedenken.

Hatch: Das können sie laut sagen, zufällig ist mir heute gar nicht nach Selbstmord, wissen sie was, statt mit lebensgefährlichen Ideen zu jonglieren, sollten sie lieber diesen ulkigen Schweinefall lösen, das ist doch für sie ein Klacks und dann sehen wir zu, daß wir von hier verschwinden.

Baconsfield: Sehr gut Mr Hatch nicht wahr, und sie Prof inzwischen auch vernünftig geworden.

vanDusen: Angesichts der empörenden ja unglaublichen Verfolgungen und Beeinträchtigungen welchen wir meine Person und Mr Hatch uns ausgesetzt sehen, auf ihre Veranlassung Mr Baconsfield, daran kann ja wohl kein Zweifel bestehen, angesichts dieser Situation bleibt mir keine Wahl, ich übernehme den Fall.

Baconsfield: Na bitte Prof, nur ein bißchen gut zureden und schon klappt die Sache, Fahrplan wieder in Kraft, Kidney.

Bahnhofsvorstand: In Ordnung, Mr Alastair.

Baconsfield: Kommen Sie, meine Herren, mein Automobil steht auf dem Vorplatz, ihr Gepäck lassen sie am besten hier, in 5 Minuten sind wir im Schloß, gerade richtig zum Lunch.

Hatch: Lunch im Speisesaal von Schloß Hogsford war eine trübselige Angelegenheit, nicht nur was das Essen betraf, Cecil Baconsfield, Lord Hogsford, Schloßherr und Gastgeber, tränte vor sich hin, vermutlich sorgte er sich um sein geliebtes Borstenvieh, ein bißchen munterer wurde er nur, wenn die Rede auf Schweine kam zB als Bruder Alastair ihm den Professor vorstellte.

Lord: Zoologe ja.

vanDusen: Unter anderem Milord.

Lord: Großartig, verstehen Sie was von Schweinen.

vanDusen: In der Tat Milord.

Lord: Großartig, großartig, dann müssen sie sich meine Marquise ansehen, Prof, wundervolles Geschöpf, ganz wundervoll, nur leider momentan nicht da, sozusagen verschwunden, jawoll, traurige Sache.

vanDusen: So scheint es Milord.

Lord: Sie kennen Mr Whiffle, Prof, Augustus Whiffle, unseren großen britischen Schweineexperten.

vanDusen: Selbstverständlich ist Mr Whiffle Ruf mir bekannt, Milord, allerdings hatte ich noch nicht das Vergnügen.

Lord: Können Sie nachholen, auf der Stelle, hier sitzt er, direkt neben ihnen.

Hatch: Der große britische Schweinepapst mit dem interessanten Vornamen Augustus sah aus, als habe sein Spezialgebiet sehr intensiv auf ihn abgefärbt, fett, rund, rosa, borstig, außer ihm gab es noch 2 Gäste auf Schloß Hogsford.

Baconsfield: Mr Osgood P. Quackenbush, Millionär und ein Landsmann von ihnen.

vanDusen: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt.

Hatch: Mir übrigens auch nicht, zweimal waren wir uns über den Weg gelaufen, in NewYork während der Affäre um das Auge des Zyklopen und erst vor ein paar Tagen im englischen Glastonbury beim Fall des unheimlichen Schwarzen Ritters, in dieser Sache hatte Quackenbush eine recht zwielichtige Rolle gespielt, vielleicht wirkte er deshalb wie das personifizierte schlechte Gewissen.

Baconsfield: Dann kennen Sie wohl auch seine reizende Tochter, Ms Iris Quackenbush.

Iris: Das hat sich bisher leider nicht ergeben, aber ich habe natürlich von ihnen gehört, Prof.

vanDusen: Wer hätte das nicht, Ms Quackenbush.

Baconsfield: Und der junge Mann an Ms Quackenbush Seite, ja der mit dem Monokel und dem eingeschlafenen Gesichtsausdruck, das ist mein Neffe, Cecils Sohn und Erbe, der ehrenwerte Ronald Baconsfield.

Ronny: Ronny, sagen Sie Ronny Prof, alle sagen Ronny.

Hatch: Van Dusen sagte nicht Ronny zu ihm, er sagte überhaupt nichts zu ihm, sondern unterhielt sich mit seinem schweinekundigen Nachbarn.

vanDusen: Wenn ich recht informiert bin, Mr Whiffle, empfehlen sie in ihrem Werk über die sachgerechte Aufzucht des Hausschweins die nicht unumstrittene Wolf-Lehmann-Kolimowski Diät.

Whiffle: Koli waas.

Lord: Großartige Diät, ganz großartig, gibt nichts besseres, was Whiffle.

Whiffle: Gewiß Milord, prima Diät, die Schweine nehmen ab wie ein geölter Blitz.

vanDusen: Sie nehmen ab?

Lord: Kleiner Scherz, was Whiffle, sie nehmen zu, dick und fett werden sie, wie meine Marquise, ach ja, die arme Marquise.

Whiffle: Natürlich, natürlich, sie nehmen zu.

Lord: Müssen sie ja auch, bei 50000 Kalorien.

vanDusen: Mrs Quackenbush, hätten sie wohl die Güte, mir das Salzfaß zu reichen.

Iris: Sicher Prof, wo, ah hier.

vanDusen: Das ist ihre Fingerschale, Mrs Quackenbush.

Quackenbush: Wie oft hab ichs dir schon gesagt, Iris, du brauchst eine Brille.

Hatch: Nach dem Lunch wanderten wir durch den Garten zum Schweinestall, es wurde langsam Zeit, den geheimnisvollen Fall der verschwundenen Marquise in Angriff zu nehmen und das tat der Prof denn auch, er verhörte den Schweinewart seiner Lordschaft.

vanDusen: Wann ist das ihrer Wartung anvertraute Tier verschwunden.

Wart: Jo, weiß ich nicht.

vanDusen: Dann lassen sie mich die Frage anders formulieren, wann und wo haben sie die Sau zuletzt gesehen.

Wart: Ja gestern beim Mittagessen, hier, dann bin ich eingeschlafen ja und wie ich aufgewacht bin, war sie weg die Marquise, ja.

Hatch: Wann war das.

Wart: Was.

vanDusen: Wann sind sie aufgewacht.

Wart: Gegen 5.

vanDusen: So, und pflegen sie jeden Tag einen so ausgedehnten Mittagschlaf zu halten.

Wart: Nö nie.

vanDusen: Und gestern.

Wart: Kann ich mir nicht erklären.

vanDusen: Hatten sie getrunken.

Wart: Ne, nur mein Dünnbier, wie immer, können sie die junge Dame aus Amerika fragen, die hat es mir nämlich gebracht, gestern, aus der Küche.

vanDusen: Mrs Quackenbush.

Wart: So heißt sie.

Quackenbush: Prof, hallo Prof.

vanDusen: Mr Quackenbush.

Hatch: Mr Quackenbush steckte hinter einer Hecke und winkte heftig, weil er unbedingt und sofort mit van Dusen sprechen wollte.

Quackenbush: Ich weiß Bescheid, Prof sie sind doch nicht als Zoologe auf Schloß Hogsford, so was können sie dem vertrottelten Lord erzählen oder seinem noch dämlicherem Sohn, also sie sind hier als Detektiv.

vanDusen: Kriminologe, Mr Quackenbush, Amateur-Kriminologe.

Quackenbush: Wie sie wollen Prof, jedenfalls sollen sie rauskriegen, wer sich an dieser gottverdammten Sau vergriffen hat.

vanDusen: Durchaus möglich, Mr Quackenbush.

Quackenbush: Ich weiß, was sie können Prof, ich hab ihnen schon zweimal zugesehen und darum will ich lieber gleich reinen Tisch machen.

vanDusen: Ja Mr Quackenbush.

Quackenbush: Also ich wars, ja ich hab das Unglücksvieh aus dem Stall geholt.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Mr Quackenbush.

Quackenbush: Ich hatte es nicht geplant, glauben Sie mir, aber als ich gestern hier vorbeikam, auf meinem üblichen Spaziergang nach dem Lunch.

vanDusen: Gestern, wann genau.

Quackenbush: Kurz vor zwei würde ich sagen, die Sonne schien, alles war still, dieser Kerl der Schweinewart schnarchte in seinem Schuppen und ja da hab ich einfach die Tür im Gatter aufgemacht und das Schwein rausgescheucht mit meinem Spazierstock.

Hatch: Nur so aus Jux und Dollerei, oder hatten sie einen bestimmten Grund.

Quackenbush: Natürlich hatte ich einen Grund, meine Tochter Iris hat sich verliebt, in Ronny Baconsfield, ja sie will ihn heiraten, das paßt mir gar nicht, gar nicht, sie haben Ronny ja kennengelernt, degeneriert, dumm wie Bohnenstroh, aber Iris besteht darauf, und wenn sie sich mal was in den Kopf setzt.

Hatch: Kann Daddy nicht nein sagen.

Quackenbush: So ist es, Mr Hatch, leider.

Hatch: Soweit alles klar, ich verstehe bloß nicht was Lord Hogsford Sau mit der Sache zu tun hat.

Quackenbush: Sehen Sie, ich kenne Lord Hogsford seit Jahren und ich weiß immer wenn was mit seinem geliebten Tier was nicht stimmt, ist er völlig daneben, übermorgen reisen wir ab, Iris und ich, und wenn die Marquise solange verschwunden bleibt, also hab ich mir gedacht, wird der Lord nicht ansprechbar sein, auch nicht für Ronny und seine Heiratspläne.

vanDusen: Ah ich verstehe, Mr Quackenbush, wo befindet sich die Marquise.

Quackenbush: Da drüben im Wäldchen, ich hab sie mit dem Stock hingetrieben und in eine leerstehende Holzfällerhütte gesperrt.

Hatch: Fall schon gelöst, so sah es aus. Als Quackenbush uns eine viertel Stunde später die Tür zur Hütte aufmachte, erlebten wir eine Überraschung.

Quackenbush: Leer, das Schwein ist weg.

Hatch: Aber es hat was hinterlassen, auf dem Boden, das heißt, es war da.

vanDusen: Jedoch nur sehr kurze Zeit, mein lieber Hatch, ansonsten wäre die von ihnen konstatierte Hinterlassenschaft wesentlich umfangreicher, Moment, was ist denn das hier.

Hatch: Ein Monokel, sagen sie mal, Quackenbush, die Marquise hat doch wohl kein Monokel getragen.

Quackenbush: Unsinn, es gibt nur einen auf Schloß Hogsford, der mit so einem Stück Glas im Auge rumläuft, der ehrenwerte Ronny, ja, den sollten sie sich mal vorknöpfen Prof.

Hatch: Auf seinem Zimmer im Schloß nahm van Dusen den edlen Sproß aus blauem britischem Blut ins Gebet, der versuchte zuerst, sich noch dümmer zu stellen, als er schon war, aber damit kam er beim Prof natürlich nicht weit, bald fing er an zu beichten.

Ronny: Es war Iris Idee, Prof, bestimmt, ich wär nie auf so was gekommen.

Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.

VanDusen: Hatch, weiter Mr Baconsfield.

Ronny: Wir klauen Papas Sau, hat Iris gesagt, wir verstecken sie ein zwei Tage ja und dann finden wir sie, hat Iris gesagt, und bringen sie Papa zurück, der ist selig, hat Iris gesagt und wenn ich ihm klarmache, daß Iris mich heiraten will, ich meine daß ich Iris daß wir.

vanDusen: Schon gut, um ihren Plan ungestört durchführen zu können, haben sie gestern ein Schlafmittel in das mittägliche Dünnbier des Schweinewarts praktiziert.

Ronny: Ich nicht Prof, das war Iris, deshalb hat sie ihm es ja gebracht das Bier, ja und wie wir uns zum Stall schleichen, so eine Stunde später, wen sehn wir da.

vanDusen: Mr Quackenbush.

Ronny: Genau, Prof, Iris alten Herrn, woher wissen sie.

vanDusen: Die Quelle meiner Erkenntnis ist im Augenblick ohne jeden Belag, Mr Baconsfield, fahren sie fort.

Ronny: Stellen Sie sich vor, der alte Quackenbush holt Papas Marquise aus den Stall und treibt sie weg.

vanDusen: In einen nahen Wald zu einer Hütte.

Ronny: Genau, und wie er weg ist der alte.

vanDusen: Haben Sie das Schwein anderswo hingebracht.

Ronny: In einer Schubkarre, schweres Stück Arbeit, gottseidank ist sie nicht weit weg, die Villa Waldeslust.

vanDusen: Villa Waldeslust.

Ronny: Ja, die hatten wir uns ausgeguckt, als Versteck für die Marquise, weil sie leersteht, die Villa, sie gehört nämlich dem alten Admiral Malenspeik und der segelt gerade in der Nordsee, oder wars die Ostsee.

vanDusen: Sie verbargen also das Schwein in der Villa Waldeslust.

Ronny: Im Bad, und wenn sie es ganz genau wissen wollen, in der Badewanne, sicherheitshalber.

vanDusen: Worauf sie wie ich annehme ins Schloß zurückkehrten.

Ronny: Ja Prof und da war der Teufel los, Papa hat inzwischen spitzgekriegt, daß die Marquise weg war, er hat getobt wie, wie tausend nackte Kannibalen, da wollte ich lieber nicht mehr mitmachen und Iris hat auch getobt und gesagt, ich soll mich schämen und sie zieht die Sache alleine durch, Iris hat ihren eigenen Kopf wissen Sie.

Hatch: Ja und sie sind ein richtiger Held, tapfer, furchtlos wagemutig.

Ronny: Finden Sie, Mr Hatch.

vanDusen: Holen Sie Hut und Stock, Mr Baconsfield, führen sie mich zu Villa Waldeslust.

Ronny: Wenn sie wollen Prof gern, aber es hat keinen Zweck, das Schwein ist nicht mehr da.

vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo ist die Sau.

Ronny: Keinen Schimmer, Prof, großes Ehrenwort, da müssen sie schon Iris fragen, die ist nämlich heute ganz früh zur Villa, praktisch zu nachtschlafender Zeit, um die Marquise zu füttern und als sie zurückkam war sie ganz durcheinander, eine unglaubliche Geschichte hat sie erzählt.

Hatch: Und die erzählte sie van Dusen gleich nochmal, ich mußte dem ehrenwerten Ronny recht geben, es war wirklich eine ganz und gar unglaubliche Geschichte, am frühen Morgen kurz vor 6 war Iris Quackenbush zur Villa Waldeslust geschlichen mit einem Eimer gekochter Kartoffeln, die sie in der Schloßküche organisiert hatte, sie hatte die Haustür geöffnet, war über den Korridor gegangen, hatte die Tür zum Bad aufgemacht und das Schwein.

Iris: Lag ganz ruhig in der Wanne, ich denke, es schlief noch, als ich dann die Kartoffeln reinschüttete, wurde es wach, es fing an sich zu bewegen, grunzte ein bißchen, alles in Ordnung, und wie ich gerade vorsichtig die Haustür aufmache höre ich was, im Bad, ein lautes Geräusch, eine Art Knall, ich sofort zurück ins Bad, und was soll ich ihnen sagen Prof, das Schwein war verschwunden.

vanDusen: In der Tat Mrs Quackenbush.

Iris: Die Wanne war leer, bis auf die Kartoffeln und den Dreck natürlich, das ganze Bad war leer, nirgends ein Schwein.

vanDusen: Fenster, Mrs Quackenbush.

Iris: Eins, Prof, ca 20 mal 30 cm, unmöglich und durch die Tür ist auch kein Schwein gekommen, ich war ja direkt davor, im Korridor.

vanDusen: Sie hörten einen Knall, Mrs Quackenbush, sind sie sicher.

Iris: Ja Prof, einen lauten scharfen kurzen Knall.

Hatch: Vielleicht ist das Vieh geplatzt.

vanDusen: Mein lieber Hatch, gestatten sie mir die Bemerkung daß gerade in diesem Augenblick sie mich an ein wie sie sich auszudrücken belieben Vieh gemahnen.

Hatch: Zu gütig Prof.

vanDusen: Ich meine jenes sprichwörtliche Huhn, welchem es trotz seiner mangelnden Sehfähigkeit gelegentlich doch gelingt, ein Körnlein zu entdecken, das kleine Fenster im Bad, Mrs Quackenbush, stand es offen.

Iris: Warten sie, Prof, es war angelehnt.

vanDusen: Soso, gestern Nachmittag hatten sie, sofern ich recht unterrichtet bin, bin eine verbale Auseinandersetzung mit Mr Ronald Baconsfield.

Iris: Auseinandersetzung, gestritten haben wir uns, daß die Fetzen flogen, ich hätte nie gedacht, daß Ronny so ein Feigling ist.

vanDusen: Sie haben sich also gestritten.

Iris: Ja.

vanDusen: Laut.

Iris: Sehr laut, aber wieso.

vanDusen: Wo.

Iris: Wenn sie es unbedingt wissen wollen, Prof, in der Bibliothek.

vanDusen: Waren sie beide allein.

Iris: Moment, hinten in der Ecke saß einer, aber der schlief.

vanDusen: Wer.

Iris: Dieser Schweinemensch glaub ich, Whaffle oder wie heißt er.

vanDusen: Whiffle, danke Ms Quackenbush, wenn sie mich nunmehr zur Villa Waldeslust geleiten wollten, ich wünsche den Ort in Augenschein zu nehmen, an welchem die Marquise von Hogsford sich auf so mysteriöse Weise in Luft auflöste, was sie betrifft, mein lieber Hatch.

Hatch: Ich komme natürlich mit, Prof.

vanDusen: Mit nichten mein lieber Hatch, erheischt die Notwendigkeit gebieterisch den Einsatz des kriminologischen Assistenten, so hat der Chronist und Begleiter zurückzustehen, für sie habe ich einen Sonderauftrag, sie werden sich ins Dorf Little Bacon begeben, dortselbst den Krämer aufsuchen und ihm folgenden Fragen stellen.

Hatch: Anfangs war der Krämer ja etwas muffig, weil van Dusen ihn morgens im Gasthof so heftig abgebürstet hatte, aber er beruhigte sich wieder und erzählte mir was ich bzw. der Prof wissen wollte.

Krämer: Der Ballon, schwarz und groß, größer als ein normaler Luftballon, haben sie ihn nicht gesehen Mister, er hat doch wochenlang hier gehangen, da über dem Regal, seit der Kirmes, da ist er übriggeblieben.

Hatch: Und der Einbrecher hat ihn mitgenommen.

Krämer: So wie er war, Mr. und einen kleinen Eimer Farbe, weiße Farbe, damit ist er raus auf die Straße zu seinem Automobil und ist.

Hatch: Haben sie den Einbrecher gesehen.

Krämer: Aber ja doch Mr, von meinem Schlafzimmerfenster im 1. Stock, bloß erkennen konnte ich ihn nicht, weil er sich ein Tuch vors Gesicht gebunden hat, wie im wilden Westen Mr.

Hatch: Wie sah er aus.

Krämer: Dick, sehr dick.

Hatch: Das Automobil, welche Marke.

Krämer: Gott Mr, von so neumodischen Sachen versteh ich nichts, ich weiß bloß, daß er damit weggefahren ist.

Hatch: Welche Richtung, Schloß Hogsford.

Krämer: Genau anderslang, da wos zum Wald geht.

Hatch: Wie wir es verabredet hatten, traf ich den Prof vor der Villa Waldeslust, er hörte sich meinen Bericht an und war offensichtlich zufrieden.

vanDusen: Sehr schön, mein lieber Hatch, dank ihrer Tätigkeit zeichnet sich die von mir zunächst rein theoretisch konzipierte und postulierte Lösung des Falles nunmehr immer präziser, immer schärfer konturiert ab, sie sehen die Fußspuren, direkt am Mauerwerk, unter dem Fenster zum Badezimmer.

Hatch: Groß und breit.

vanDusen: Und tief eingesunken, die Spuren eines gewichtigen Mannes, welcher sich geraume Zeit vor dem Fenster aufhielt, weitere Spuren allerdings ganz anderer Art stellen wir vor dem Tor fest.

Hatch: Reifeneindrücke von einem Automobil.

vanDusen: Wohin führt dieser Weg, Mrs Quackenbush.

Iris: Nach Woodhouse, Prof, das ist das Anwesen von Sir Pelham Grenville.

vanDusen: Ah, der neidische Nachbar, welchen Mr Alastair Baconsfield als den Hintermann, die graue Eminenz der Affäre verdächtigt, mein lieber Hatch, wohin treibt es sie.

Hatch: Nach Woodhouse, Prof, den Reifenspuren nach.

vanDusen: Später, mein lieber Hatch, später, zunächst gilt es nach Schloß Hogsford zurückzukehren, um durch die nur dort zu entdeckenden bislang noch fehlenden Mosaiksteine das Bild einfürallemal zu komplettieren, während ich einige Worte mit Mr Whiffle, dem sog. Schweineexperten zu wechseln gedenke, werden sie, lieber Hatch einen zweiten speziellen Auftrag auszuführen haben.

Hatch: Worum es dabei ging, werden sie jetzt noch nicht erfahren, meine Damen und Herren, wegen der Spannung, und weil es ein Geheimauftrag war, hier nur soviel, alles ging glatt, ich machte Meldung, der Prof rieb sich die Hände.

vanDusen: Mein lieber Hatch, der Fall ist gelöst.

Hatch: So.

vanDusen: Sie zweifeln, mein lieber Hatch.

Hatch: Das würde ich mir nie erlauben, Prof aber wenn sie mich fragen, mir ist noch längst nicht alles klar.

vanDusen: Das ist nicht mehr als recht und billig, sie sind der Assistent, ein in diesem Falle recht zufriedenstellender ja lobenswerter Assistent, doch doch, ich möchte nicht versäumen das hinzuzufügen.

Hatch: Danke, ich weiß selber daß ich kein kriminologischer Großmeister bin, aber ein bißchen weiß ich doch, ich weiß, wer das Vieh aus der Villa geklaut hat und wo es jetzt steckt, aber was ich nicht weiß ist, wie hat der Kerl das Ding gedreht, wie hat er das fette Vieh in wenigen Sekunden mit einem Knall verschwinden lassen.

vanDusen: Ein im Prinzip höchst simpler Trick.

Hatch: Den sie natürlich durchschauen.

vanDusen: Natürlich.

Hatch: Und wie ich sie kenne, wollen sie ihn mir auch nicht verraten.

vanDusen: Dies mein lieber Hatch wäre ein krasser Verstoß gegen jede kriminologische Tradition, aufgeklärt wird bekanntlich erst zum guten Schluß in Anwesenheit aller Beteiligten.

Hatch: Das weiß ich.

vanDusen: Warum lösen sie das Rätsel nicht selber, sie kennen alle Indizien, prüfen sie sie, werten sie sie, nach dem Grundsatz.

Hatch: 2 plus 2 geschenkt Prof, sagen sie mir lieber was für Indizien ich prüfen und werten soll.

vanDusen: In aller kürze diese, mein lieber Hatch, a Mrs Quackenbush ist stark kurzsichtig, weigert sich jedoch aus Eitelkeit eine Brille zu tragen, b die Marquise von Hogsford gehört der Rasse der Berkshireschweine an, c beim Krämer von Little Bacon wurde ein großer schwarzer Luftballon entwendet, wenn sie ferner die Spuren an der Villa Waldeslust in Betracht ziehen.

Hatch: Dann weiß ich ehrlich gesagt immer noch nichts.

vanDusen: Auch wenn ich in der Regel keine intellektuellen Meisterleistungen von ihnen erwarte, mein lieber Hatch, enttäuschen sie mich dieses mal doch ein wenig, nun gut, der eine hats, der andere nicht, kommen sie, wir werden Sir Pelham Grenville einen Besuch abstatten, präziser seinem Schweinstall, bitte verständigen sie Mr Quackenbush, ich wünsche seine Begleitung.

Hatch: Den alten, nicht Iris.

vanDusen: Mr Osgood P. Quackenbush, ich habe meine Gründe.

Hatch: Quackenbush wunderte sich, aber er wußte, wenn Prof van Dusen ruft, gilt kein Zögern und nein sagen erst recht nicht, eine knappe Stunde später, es war inzwischen 5 geworden, standen wir vor Sir Pelham Grenvilles Schweinestall am Zaun, alles war still, kein Mensch zu sehen, außer uns drei natürlich, im Koben suhlte sich ein Schwein.

Quackenbush: Aber das ist nie und nimmer die Marquise von Hogsford.

vanDusen: Meinen Sie, Mr. Quackenbush.

Quackenbush: Die Marquise ist ein Berkshireschwein und Berkshireschweine sind schwarz, von der Schnauze bis zum Ringelschwanz, das Vieh hier ist.

Hatch: OK Kopf ist schwarz, Hinterteil auch, aber dazwischen ist es weiß, eindeutig.

vanDusen: Wie es den Anschein hat, handelt es sich um ein Tier vom Typ Wessex Saddleback, ein Typ welcher gekennzeichnet ist durch einen großen weißen Sattel oder Ring um den Rumpf, wenn sie jedoch meine Herren an diesem weißen Ring mit dem Fingernagel kratzen, igitt, wie ich es jetzt tue, so werden sie feststellen.

Hatch: Die Farbe geht ab.

vanDusen: So ist es, erinnern sie sich, beim Krämer wurde nicht nur ein Ballon gestohlen sondern auch ein kleiner Eimer voller weißer Farbe und hier hier steht er auf der Fensterbrüstung, mitsamt dem noch feuchtem Pinsel, kein Zweifel, meine Herren, die Sau, welche wir hier sehen, ist ein mittels weißer Farbe in ein Wessexsaddleback transponiertes quasi verkleidetes oder auch maskiertes Barkshireschwein, kurz die Marquise von Hogsford.

Quackenbush: Bravo Professor, ja und was tun wir jetzt.

Hatch: Wir lassen die Sau raus und bringen sie zurück, nach Schloß Hogsford.

Quackenbush: Das müssen wir wohl Mr Hatch, ja dann mal los.

vanDusen: Bitte meine Herren vorsichtig, ich werde die Tür aufmachen, halten sie die Sau solange fest.

Hatch: Drei Stunden später, im Speisesaal von Schloß Hogsford hatten sich alle Beteiligten versammelt, um sich bester amateurkriminologischer Tradition entsprechend vom Prof über den sensationellen Schweinefall aufklären zu lassen, sie erfuhren erstaunt oder schuldbewußt, je nachdem, wie die Marquise zuerst von Quackenbush und dann von dessen Tochter Iris in Zusammenarbeit mit dem ehrenwerten Ronny geklaut worden war und warum die Diebe sich diesem in amerikanischen Millionärskreisen nicht gerade üblichen Tun hingegeben hatten.

vanDusen: Nach dem sie ihre Beute in der Villa Waldeslust verborgen hatten, kehrten Mrs Quackenbush und der ehrenwerte Ronald Baconsfield hierher zurück, in der Zwischenzeit war das Verschwinden der Marquise entdeckt worden, und Lord Hogsford gab seiner Empörung Ausdruck, auf so entschiedene so vehemente Weise, daß Mr Baconsfield kalte Füße bekam, so lautet das ja wohl volkstümlich, sein Entschluß fürderhin seine Hände in Unschuld zu waschen, führte zu einem heftigen Streit zwischen ihm und seiner Mitverschworenen, dieser Streit wurde belauscht, dabei erfuhr der Lauscher unter anderem zwei ihn höchstlich interessierende Tatsachen, daß das Schwein sich in der Villa Waldeslust befand und daß Mrs Quackenbush die Absicht hatte, es am kommenden Morgen zwecks Fütterung aufzusuchen, beide Tatsachen beschloß der geheime Mitwisser sich zunutze zu machen, hatte er doch ohnehin die Absicht, die Marquise von Hogsford zu stehlen.

Baconsfield: Und wer war nun dieser Lauscher an der Wand, Prof.

vanDusen: Kein anderer als der Mann, welcher sich Augustus Whiffel nennt.

Lord: Was, Mr. Whiffle, das ist doch blühender Blödsinn, Prof, so was würde Mr. Whiffle nie tun, was Mr Whiffle.

Whiffle: Niemals Milord.

vanDusen: Mr Whiffle, Milord ist nicht Mr Whiffle, um wen es sich bei dieser Person in Wahrheit handelt, hat dankenswerterweise mein Assistent ermittelt, indem er das Zimmer des Verdächtigen einer Durchsuchung unterzog, dabei entdeckte er zwei äußerst bemerkenswerte Dokumente, bitte Mr Hatch.

Hatch: Erstens eine Lizenz als Privatdetektiv, ausgestellt auf einen gewissen Blister, Percy Blister, wohnhaft in London, zweitens ein Schreiben worin Sir Pelham Grenville Blister 500 Pfund verspricht, wenn er für ihn die Marquise klaut.

Baconsfield: Sir Pelham, hab ich ja gleich gewußt, daß der dahinter steckt.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, ich fahre fort, dem falschen Mr Whiffle, welcher beiläufig bemerkt eine beklagenswerte Unkenntnis in Bezug auf Schweine an den Tag zu legen pflegt, bot sich nunmehr die heißersehnte Gelegenheit, er beschloß, die Marquise aus der Villa Waldeslust zu entführen und Sir Pelham Grenville zuzustellen, doch damit nicht genug, indem er in raffinierter Inszenierung die Sau auf quasi magische Weise verschwinden ließ, wollte er die Angelegenheit zusätzlich verwirren, komplizieren, einnebeln, wenn sie so wollen, um dieses sein Vorfahren durchzuführen entwickelte Mr Blister in der vergangenen Nacht eine bemerkenswerte geradezu hektische Aktivität, als erster unternahm er einen Einbruch in den Kramladen von Little Bacon, wobei er den wie ihm wohlbekannt war dort befindlichen großen schwarzen Ballon nebst einem Eimer weißer Farbe entwendete, sodann begab er sich in seinem Automobil zur Villa Waldeslust, er verschaffte sich Einlaß, wie ich vermute mittels eines sog Dietrichs, kein Problem für einen privaten Detektiv, praktizierte die Marquise in seinen Wagen und transportierte sie zum Schweinestall von Sir Pelham Grenville, wo er mit der gestohlenen Farbe das Berkshireschwein in ein Wessexsaddleback umwandelte.

Lord: Wessexsaddleback, tatsächlich, inferiore Rasse.

vanDusen: Kurz vor dem Morgengrauen suchte Mr Blister zum zweiten Mal die Villa Waldeslust auf, er legte den schwarzen Ballon in die Badewanne, befestigte an ihm eine Schnur, deren zweites Ende er durch das leicht geöffnete Fenster nach draußen verlegte, bezog vor dem Fenster Posten und wartete, auf Mrs Iris Quackenbush, von der er wußte, wer auf Schloß Hogsford wußte dies nicht, daß sie sich trotz ihrer ungenügenden Sehfähigkeit weigerte, ein Brille zu benutzen, als Mrs Quackenbush im Bad erschien, gab Blister Grunztöne von sich und zog gleichzeitig an der Schnur, der Ballon bewegte sich, Mrs Quackenbush sah, was sie sehen sollte, eine lebendige Marquise von Hogsford, sie verließ das Badezimmer und Mr Blister kam zum Höhepunkt seiner Illusionsschau, er brachte den Ballon zum platzen.

Baconsfield: Wie Prof.

Iris: Besser gefragt womit.

vanDusen: Mittels seines Spazierstock, wie ich annehme, an dessen Ende er eine Nadel angebracht hatte, die schlaffe Ballonhülle zog er an der Schnur durchs Fenster, worauf er sich ungesehen entfernte, Iris Quackenbush stand vor einem Rätsel, das von ihr soeben noch wahrgenommene Schwein war in Sekunden-schnelle verschwunden, dies würde sie beschwören, und sich so, da niemand ihr glauben würde, selbst aufs schwerste belasten, alle Spuren, so glaubte Blister, welche auf ihn bzw seinen Auftraggeber Sir Pelham Grenville deuteten, seien verwischt, doch hat er, und damit, komme ich zum Ende meiner Ausführungen, doch hatte er Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen nicht in seine Rechnung einbezogen.

Lord: Gut und schön, Prof, großartig kombiniert, alles was recht ist, aber das wichtigste, nichtwahr das fehlt doch noch.

vanDusen: Euer Lordschaft meinen.

Lord: Die Marquise, was denn sonst, wo ist sie, wo steckt sie.

Baconsfield: Hast du doch gehört, Cecil, bei Sir Pelham Grenville.

vanDusen: Sie irren, Mr Baconsfield.

Lord: Ja wo dann, sagen sies doch endlich Prof.

vanDusen: Ich werde sie zu ihrem Tier führen, Milord, folgen sie mir.

Hatch: Kurz darauf bewegte sich eine interessante Prozession durchs Gelände, vorneweg der fette Butler, dahinter van Dusen und wir anderen, der Lord nebst Bruder und Sohn, die beiden Quackenbushs und meine Wenigkeit, nur der unglückselige Blister alias Whiffle war nicht dabei, der saß im tiefsten Schloßverließ, nach einer guten viertel Stunde erreichten wir ein einsam gelegenes unschönes Gebäude, das Armenhaus von Little Bacon, wir traten ein, gingen über den Flur, dem immer stärker werdenden würzigen Duft nach und kamen schließlich in einen großen Raum, auf einem gewaltigen Herd brutzelten zahllose Töpfe und Pfannen, um den riesigen Holztisch beladen mit vollen Tellern und Schüsseln hockten die Dorfarmen und futterten wie die Scheunendrescher.

vanDusen: Milord, meine Herrschaften, wir sind am Ziel.

Lord: Am Ziel, ja wirklich, ja wo ist die Marquise.

vanDusen: Hier Milord.

Lord: Tatsächlich, Prof, ich seh sie nicht.

vanDusen: O doch, Milord, sie sehen sie bzw das, was von ihr übrig ist, sie sehen sie überall in diesem Raum, auf dem Herd, auf dem Tisch, in Töpfen, Schüsseln, Pfannen, Tellern, in Form von Wellfleisch, Blutwurst.

Lord: Meine Marquise.

vanDusen: Braten, Kotelett.

Lord: Geschlachtet.

vanDusen: Ja.

Arme: Wir danken dem edlen Spender. Rülps.

Lord: Rache, blutige Rache, alle festnehmen, alle festnehmen, einsperren, hinrichten, alle, diesen, diesen Blister auch und Sir Pelham Grenville.

Ronny: Aber Papa.

Lord: Und du Ronny, du wirst enterbt, was sie betrifft, Quack, Quackenbush, nehmen sie ihre Tochter und gehen sie mir aus den Augen.

Quackenbush: Mit Vergnügen.

Lord: Polizei.

Iris: Nichts lieber als das.

Lord: Scotland Yard.

Ronny: Aber Papa, Iris und ich wollen doch heiraten.

Lord: Die Feuerwehr, die Armee, die Marine.

Iris: Das ist vorbei, einen Schlappschwanz nehme ich nicht.

Lord: Der Henker, Henker seiner Majestät, aufhängen, alle miteinander, an den Kielern von Schloß Hogsford.

Hatch: Lord Hogsford wurde ohnmächtig, während die Verwandtschaft sich um ihn kümmerte und die Armen von Little Bacon nicht wußten, wie ihnen geschah, entfernten wir, van Dusen, Quackenbush und ich uns unbemerkt im Getümmel, wir hatten es eilig, der letzte Zug nach Worcester fuhr in einer halben Stunde, und während wir zum Bahnhof eilen, drehe ich für sie, meine Damen und Herren, die Uhr kurz zurück, sie erinnern sich, der Prof, Quackenbush und ich waren mit der Marquise unterwegs nach Schloß Hogsford, es war keine muntere Landpartie, vor allem van Dusen wirkte verkrätzt.

Baconsfield: Na los dumme Sau, sie sagen ja gar nichts, Prof.

vanDusen: Ich denke nach, Mr Quackenbush.

Hatch: Über ihre atomare Strukturtheorie.

vanDusen: Nein mein lieber Hatch, über den massiven Affront, welchen man meiner Person angetan hat, Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen wurde durch die Anwendung hinterhältiger ja schändlicher Methoden gezwungen, einen tief unter seiner amateurkriminologischen Würde liegenden Fall zu übernehmen, dekadente Aristokraten haben mir morbide Spiele getrieben.

Baconsfield: Los jetzt.

Hatch: Müssen wir ihnen zu allem Überfluß das Vieh auch noch zurückerstatten, mit rosa Schleifchen und schönen Grüßen.

vanDusen: Müssen wir das, mein lieber Hatch.

Hatch: Naja, immerhin haben sie den Fall übernommen, Prof.

vanDusen: Und gelöst, mein lieber Hatch, ganz gleich was mit dem corpus delicti will sagen der Sau noch geschehen mag.

Baconsfield: Wissen sie, was ich denke, wenn das Schwein wieder da ist, wird Lord Hogsford einverstanden sein, daß Iris diesen Idioten Ronny heiratet, entsetzlich.

vanDusen: Andererseits käme das Tier nicht zurück, gäbe es keine Hochzeit.

Baconsfield: Ja, das wär eine Idee.

vanDusen: Sehen sie das Gebäude vor uns.

Hatch: Grau und häßlich.

vanDusen: Das Armenhaus von Little Bacon, man hat es weit außerhalb der Dorfgrenzen errichtet, weil man mit den Insassen möglichst wenig zu tun zu haben wünscht, diese führen, so fürchte ich, ein nicht eben angenehmes Leben, der zweifellos seltene Genuß einer reichhaltigen, schmackhaften Mahlzeit wäre ihnen von Herzen zu gönnen.

Hatch: Ah, ich habe eine Idee.

Baconsfield: Ich auch Mr Hatch.

Hatch: Gehen sie voraus, Prof, Quckenbush und ich kommen in ein paar Minuten nach.

Baconsfield: Sobald wir eine Kleinigkeit erledigt haben. Ja.

Hatch: Wir banden die Marquise an den Türpfosten des Armenhauses und dann malte Quackenbush ihr große weiße Buchstaben auf die schwarze Haut, Farbeimer und Pinsel hatten wir mitgenommen, um sie dem Krämer zurückzugeben, eine Spende, guten Appetit, so mein kleines dickes Etwas.

Baconsfield: Hatch, ziehen sie die Glocke, und jetzt nichts wie weg und um die Ecke, kommen Sie.

Hatch: So kam es, daß die Armen von Little Bacon ein fröhliches Schlachtefest feierten, daß Iris Quackenbush nicht Ronny Baconsfield heiratete und daß Lord Hogsford in Ohnmacht fiel, übrigens falls es sie interessiert, als er wieder zu sich kam, wurde er strenger Vegetarier und verlegte sich auf die Kürbiszucht, und noch ein Wort zum Schluß, meine Damen und Herren, Sie kennen Prof. van Dusen, Sie wissen, er ist ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, aber wenn man ihn so richtig ärgert, dann kann es passieren, daß auch ein so bedeutender Zeitgenosse mal kurz die Sau rausläßt, in diesem Sinne, meine Damen und Herren, bis zu nächsten Mal.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Cecil Baconsfield, Lord Hogsford: Hans Madin
Alastair Baconsfield, sein Bruder: Klaus Jepsen
Ronald (Ronnie) Baconsfield, sein Sohn: Hubertus Bengsch
Osgood P. Quackenbush: Christian Rode
Iris Quackenbush, seine Tochter: Lisa Adler
Augustus Whiffle alias Percy Blister: Walter Pfeil
Bahnhofsvorstand: Krikor Melikyan
Schweinewart: Heinz Rolfing
Krämer: Gerd Holtenau
Wirt: Otto Czarski

Michael Koser: Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988)

Hatch: Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor…

vanDusen: Ich wäre Ihnen sehr verbunden, mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten.

Hatch: Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen.

vanDusen: Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist, so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich.

Hatch: Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig.

vanDusen: Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente Persönlichkeit wie ich, daß ich meinen Geburtstag weder selbst zu feiern noch von anderen feiern zu lassen gedenke, dies mein lieber Hatch sollten sie nun wirklich wissen.

Hatch: Und ob ich das wußte, weil Prof van Dusen ein so gewaltiger Geburtstags-muffel war, mußten wir ja Nachts bei Unwetter und klirrender Kälte durch die unwegsamen Felsen der Sierra Nevada irren, aber da sollte ich wohl ein bißchen ausführlicher erklären. In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Prof und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar um mich vor dem Irrenhaus zu retten siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später, um Dampf abzulassen.

vanDusen: Haben sie die heutige Ausgabe des San Francisco Examiner schon gelesen.

Hatch: Nein steht was Interessantes drin.

vanDusen: Das kann man wohl sagen, Seite 3 unten.

Hatch: Bürgermeister eröffnet Schule, Großfeuer, ah hier, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren wird Prof van Dusen der bekanntlich zurzeit in unseren Mauern weilt, in kürze, nämlich am 2. März seinen 60 Geburtstag begehen, Prof van Dusen, einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit und auch als Amateurdetektiv von bedeutendem Ruf.

vanDusen: Kriminologe muß es heißen.

Hatch: Kann an diesem seinem Jubeltag Ehrungen in der Qualität und Quantität erwarten, wie sie seiner herausragenden Persönlichkeit.

vanDusen: Und so weiter, sie wissen was das bedeutet.

Hatch: Aber ja, in aller Früh ein Ständchen der freiwilligen Feuerwehr, Telegramme, Besuche und Reden, Reden, Reden.

vanDusen: Ach, es ist entsetzlich.

Hatch: Dafür müssen sie doch Verständnis haben.

vanDusen: Derartiges war mir schon immer ein Gräuel und ist es ganz besonders zum jetzigen Zeitpunkt, da ich von meinen aktuellen Forschungen voll und ganz in Anspruch genommen bin.

Hatch: Am besten verschwinden sie für ein paar Tage aus San Francisco, die Frage ist nur wohin.

vanDusen: Eine Frage, welche bereits beantwortet ist.

Hatch: Wieso.

vanDusen: Wie es der Zufall will, erhielt ich heute Morgen dieses Schreiben.

Hatch: Von wem.

vanDusen: Von einem alten bekannten, Mr Thomas Alva Edison.

Hatch: Sieh an, und was schreibt er.

vanDusen: Hören sie, sehr verehrter Prof van Dusen hochgeschätzter Kollege und Freund, ein wenig sehr vertraulich, finden sie nicht.

Hatch: Naja.

VanDusen: Oft habe ich mit Freude und Dankbarkeit an unser denkwürdiges Zusammentreffen im Canyon Delware zurückgedacht, an gemeinsam durchlebte Gefahren und an unsere Rettung, die wir großenteils ihrer Ingenuität verdanken, großenteils, der unmittelbare Anlaß meines Schreibens ist dieser, bereits vor geraumer Zeit habe ich das bekannte in der wildromantischen Landschaft des Yosemite Nationalparks gelegene Hotel Wawona ab 1. März exklusiv gemietet, um ungestört in winterlicher Einsamkeit erfinderisch zu wirken, nun sehe ich mich jedoch bis etwa mitte März anderweitig unaufschiebbar beschäftigt und erlaube mir daher ihnen besagtes Hotel als Refugium zu offerieren, sehr aufmerksam von Edison und hoch willkommen obendrein, sie erreichen das Hotel auf folgende weise.

Hatch: So kam es daß wir am Abend des 1. März im kleinen Ort Raymond am Fuß der Sierra Nevada aus dem Zug stiegen, der uns aus San Francisco hierher gebracht hatte, über Stockton, Merced und Berenda, Raymond war die Endstation, von hier ging es anders weiter und daß es weiterging dafür war gesorgt vor dem Bahnhof wartete ein Chauffeur mit einem Automobil, einem Pope Toledo. Wir fuhren nach Westen in die Berge, die Straße stieg immer mehr an, es wurde immer kälter, van Dusen saß zurückgelehnt, in Gedanken, abwesend, ich hatte ja keine Ahnung, was für eine Last auf seiner Seele lag, seine gewaltige Erfindung, die Nachstellungen des hinterhältigen Rüstungsindustriellen Cesselman, sie kennen ja die Hintergründe, und sie wissen, zu welch tragischem Ende sie im April führen sollten, Wind kam auf, es fing an zu schneien, plötzlich blieb der Wagen stehen.

vanDusen: Was ist, warum gehts nicht weiter.

Butler: Tut mir leid, Sir, die Straße ist zu steil, zu glatt durch den Schnee, der Wagen macht nicht mehr mit, dürfte ich die Herren vielleicht bitten kurz auszusteigen und ein bißchen zu schieben, wenn das nicht zu viel verlangt ist.

Hatch: Hören sie mal, ist das wirklich nötig, so schlimm sieht die Straße nicht aus, ich bin selbst Automobilist.

vanDusen: Hatch, der Mann kennt den Wagen und die Strecke, folgen sie seiner Anregung.

Hatch: OK Prof und jetzt hau ruck.

Butler: Vielen Dank meine Herren.

Hatch: He, halt, kommen Sie zurück, halt.

vanDusen: Lassen sie das fruchtlose Geschrei, sparen sie die Kraft ihrer Lungen, sie werden sie brauchen.

Hatch: Was sagen sie dazu Prof, setzt der Kerl uns hier einfach aus, mitten in der Wildnis, was sollen wir denn jetzt machen.

vanDusen: Laufen, mein lieber Hatch, laufen.

Hatch: Wir liefen über Stock und Stein, durch Busch und Wald, und wir stiegen durch Felsen, Gletscher und Schneefelder. Das Wetter wurde zum Unwetter, dann zum Schneesturm oder Blizzard wie der Fachmann sagt. Wir verloren den Weg, wußten nicht mehr wo wir waren und stapften eigentlich nur noch voran um nicht zu erfrieren.

Hatch: Ah das ist ja schlimmer als damals in Alaska. 12 Uhr, Mitternacht, 2. März, ihr Geburtstag Prof.

vanDusen Ich wäre ihnen äußerst dankbar, wenn sie den Tag meiner Geburt in Zukunft unerwähnt lassen würden.

Hatch: Moment mal wo schlägt denn mitten in der Wildnis in der Sierra Nevada eine Turmuhr.

vanDusen: Dort oben, auf jenem hohen Felsen.

Hatch: Und da brennt ja auch ein Licht, da oben muß ein Haus sein.

vanDusen: So scheint es, möglicherweise eine Jagdhütte, auf jeden Fall werden wir dort Obdach finden, kommen sie.

Hatch: Über einen steilen Pfad kraxelten wir auf das Licht zu und allmählich trat unser Ziel aus Schatten und dunkler Nacht, das war keine Jagdhütte, das war ein fantastisches Gebilde aus Mauern, Zacken, Zinnen und Türmen, eine Burg, eine richtige Burg, die aussah wie.

vanDusen: Wie Draculas Schloß in Transsylvanien.

Hatch: Ich dachte eher an Burg Glenmore oder die Mafiavilla Palermo oder Urganza in den Pyrenäen.

vanDusen: Ergehen sie sich nicht in unergiebigen Reminiszenzen, ziehen sie lieber die Torglocke.

Hatch: Machen wir. Schon nach wenigen Sekunden näherten sich gemessene Schritte, das Tor knarrte auf und dahinter erschien ein untadeliger Butler in gestreifter Weste und Schwalbenschwanz, und mit einer formvollendeten Verbeugung direkt aus dem höheren Lehrbuch für Butler und Kammerdiener von Reginald Geves, ansonsten hatte er eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Chauffeur, der uns sitzen gelassen hatte.

Butler: Treten Sie näher, meine Herren, sie werden erwartet.

Hatch: Erwartet.

Butler: Gewiß, sie sind doch Prof van Dusen und Mr Hatch.

Hatch: Ja aber.

Butler: Bitte folgen Sie mir.

Hatch: Das war wieder so eine mysteriöse Sache, eine richtige Hintertreppen-geschichte, der Prof zieht so etwas an, hätte ich geahnt, wie hintertreppig der Fall werden sollte, wäre ich gerannt, in die Wälder, in die Berge, ganz egal wohin, nur nicht in die Burg. Aber Hutchinson Hatch ist kein Hellseher, der Prof war offensichtlich nicht in Form und so folgten wir dem Butler durch einen kleinen Gang über einen Innenhof, vorbei an einem Brunnen, wieder durch einen Gang, bis zu einer geschnitzten Tür, der Butler öffnete beide Flügel weit und trat vor.

Butler: Ladies und Gentleman, Prof Augustus van Dusen, Mr. H. Hatch.

Prendergast: Oh aha, endlich unser Ehrengast ist erschienen, meine Dame, meine Herren ich darf also bitten, drei vier, happy birthday to you…van Dusen happy birthday to you, hahaha.

vanDusen: Was soll das bedeuten.

Prendergast: Eine Überraschung, verehrter Prof, Ihnen zu ehren und deshalb bin ich ganz besonders froh daß sie doch noch eingetroffen sind, Sie und natürlich auch Mr Hatch, treten Sie näher, meine Herren, Brimstome.

Butler: Madame befehlen.

Prendergast: Geleiten Sie die Herren zu ihren Plätzen.

Butler: Sehr wohl, Madame, folgen Sie mir bitte.

Prendergast: Meine übrigen Gäste dürften Sie kennen, Prof, Madame Maigret, private Detektivin aus Paris.

Maigret: Ich freue mich sehr Prof.

vanDusen: Ganz meinerseits Madame, wie geht es dem kleinen Jö.

Hatch: Mordfall Manulesco in Monte Carlo und die kuriose Affäre um die Rose von Kairo.

Prendergast: Mr. Sherlock Holmes.

Holmes: Ja Prof.

Hatch: Van Dusens Konkurrent beim großen Wettbewerb der Detektive 1903 in England.

Prendergast: Kommissär Gallimard.

Gallimard: Der Profi von der Surete na wie läufts denn so sie alter Amateur samas he

Hatch: Eins zwei, eins zwei, siehe den rätselhaften Korb der Venus von Milo.

Prendergast: Kommissar Möllhausen Berlin.

Möllhausen: Von Möllhausen ist mir eine kolossale Ehre sie wiederzusehen Herr Prof

Hatch: Laterna Magica Mord, Millionenraub aus dem Juliusturm.

Prendergast: Chefinspektor Smiley von Scotland Yard.

Smiley: How do you do Prof.

Hatch: Ballonexplosion über dem schottischen Hochland, diverse Fälle in London, die Sache bei Madame Tussauds zum Beispiel oder der mysteriöse Mord im Chinesenviertel.

Prendergast: Detective Sergeant Caruso, NewYork.

Caruso: Hi Prof, Leben noch frisch alles ok.

Hatch: Bestens Caruso.

Caruso: Sie hab ich nicht gefragt Mr Hatch.

Hatch: Gaslichtmordfall, Leichenräuber, Vampir von Brooklyn, Massaker im Zirkus Barnum und Bailey usw usw, sechs alte Bekannte, Polizisten und Privatdetektive aus aller Welt, Mitarbeiter und Konkurrenten des Prof, vorzugsweise Konkurrenten, noch dazu blamierte, und die hatten sich hier zusammengefunden in einer seltsamen Burg in der Sierra Nevada, um van Dusen zum Geburtstag zu gratulieren, merkwürdig, äußerst merkwürdig.

Hatch: Die wilden Delawaren versammeln sich in Scharen.

vanDusen: Bitte.

Hatch: Nur eine Reminiszenz Prof, unwichtig.

Prendergast: Brimstone, bedienen Sie die Herrschaften.

Butler: Sehr wohl, Madame.

Prendergast: Ich bin übrigens Mrs Prendergast, mein erster Mann, der selige Mr Falcon, war Millionär und fasziniert vom finsteren Mittelalter, deshalb hat er sich diese Burg gebaut und auf den Namen Falcon Crest getauft, jetzt gehört sie mir, und meinem zweiten Mann, Mr Prendergast, er sollte eigentlich hier sein, um die mystische Zahl von 7 Detektiven vollzumachen, doch ist er leider in Sacramento aufgehalten worden, ihn kennen Sie ja wohl auch noch.

Hatch: Prendergast, weiland Schiffsdetektiv auf der Columbia, auch einer der vom Prof blamierten, vielleicht erinnern sie sich noch an die Affäre um die schwarzen Perlen der Kali, die Sache kam mir immer merkwürdiger vor, was wurde hier gespielt.

Prendergast: Der Zufall, werter Prof, Mr Hatch, nur der Zufall hat uns an diesem Orte zusammengeführt und als wir in Erfahrung brachten, sie, der von uns allen so geschätzte so verehrte Prof van Dusen feiert nun heute am 2. März ihren 60. Geburtstag.

vanDusen: Dann gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme daß Sie, Mrs Prendergast, mich hierhergelockt haben, Sie haben die Nachricht von meinem bevorstehenden Geburtstag in San Francisco verbreitet, Sie haben den angeblich von Mr Edison stammenden Brief verfaßt, ihr Chauffeur und Butler hat uns in Raymond erwartet.

Prendergast: Bitte Prof, diese unwichtigen Details haben doch sicher Zeit bis morgen, sie sind durchgefroren, müde, hungrig, greifen sie zu und feiern Sie, wenn schon nicht ihren Geburtstag, so doch das Wiedersehen mit den alten Freunden, die das Geschick ihnen in den Weg geführt hat. Jawohl.

Hatch: Eine schöne, eine wahrhaft herzerhebende Feier, abgesehen von ein paar freundlichen Worten zu Madame Maigret, für die er immer ein kleine Schwäche gehabt hatte, blieb der Prof stumm wie ein Fisch, Sherlock Holmes und Caruso guckten grimmig, ersterer auf van Dusen, letzterer auf meine Wenigkeit, er hatte mich ja nie ausstehen können der gute Detective Sergeant, alle schwiegen nur Mrs Predergast plauderte munter fürbaß.

Prendergast: Warum so schweigsam Prof beschäftigt Sie womöglich ein geheimnis-voller Fall oder eine epochale Erfindung, vielleicht fehlt Ihnen ja nur ein wenig Tafel-musik, bedauerlicherweise sind wir darauf nicht eingerichtet, Dudelsackkonzerte a la McMurdock können wir ihnen nicht bieten und essen tun sie auch nicht Prof, wünschen Sie ein anderes Menü, sollten wir den wackeren Caruso bitten Ihnen eine Portion Spaghetti zu servieren, sie sind alle so still, meine Herrschaften, hat denn niemand Lust zur Unterhaltung beizutragen, vielleicht sie Kommissar von Möllhausen.

Hatch: Und der ließ sich auch nicht lange bitten und gab die spannende Geschichte von der blutigen Botschaft zum besten, allerdings brachte er sie nicht zu Ende, es kam was dazwischen.

Möllhausen: Da standen wir also hoch auf der Zitadelle im schönen Spandau und plötzlich sahen wir einen Ballon, jawohl meine Herrschaften einen Ballon und da sagte ich zu Prof van Dusen, oh.

Prendergast: Entschuldigen Sie Herr Kommissar ich habe Sie nicht verstanden, was sagten Sie.

Möllhausen: Oh.

Holmes: Tot, oder was meinen Sie, Chefinspektor.

Smiley: Kein Zweifel, Mr Holmes, Kommissar von Möllhausen ist tot, allem Anschein nach vergiftet.

Prendergast: Oh wie schade, wo er gerade so schön am erzählen war, Brimston.

Butler: Madame.

Prendergast: Schaffen Sie ihn nach draußen.

Butler: Sehr wohl, Madame.

Hatch: Butler Brimstone, ein kräftiges Kerlchen, brach sich den reglosen Kommissar über die Schulter und trug ihn ohne Mühe aus dem Saal und das seltsame Dinner ging weiter, als ob nichts vorgefallen sei, war ich in einen Alptraum geraten, ich kniff mich kräftig, aber ich wachte nicht auf und van Dusen tat nichts, doch er legte die Serviette hin und stand auf.

vanDusen: Mrs Prendergast, meine Herrschaften, sie entschuldigen uns, wir hatten eine lange, sehr ermüdende Anreise.

Prendergast: Sie wünschen sich zurückzuziehen, Prof.

vanDusen: So ist es, Madame.

Hatch: Aber Prof, eben hat man Möllhausen vergiftet und Sie gehen seelenruhig ins Bett.

Prendergast: Geleiten Sie die Herren auf ihr Zimmer, Brimstone.

Butler: Sehr wohl Madame.

Hatch: Unser Zimmer lag im zweiten Stock und bestand hauptsächlich aus zwei Himmelbetten und einem Kamin, in dem ein müdes Feuerchen knisterte, an den Wänden hingen ein paar Portraits von abgrund tiefer Scheußlichkeit und zwei gekreuzte Säbel, das wars, abgesehen von unseren Koffern, die mitten im Raum standen, unsere Koffer, die waren doch im Automobil geblieben.

Butler: Sie haben sich eingefunden meine Herren, wünsche angenehme Ruhe.

Hatch: Ich verstehe Sie wirklich nicht, Prof hier ist doch alles oberfaul und Sie.

vanDusen: Mein lieber Hatch, bevor sie sich weiter echauffieren oder aufspulen, wie man sich wohl in ihren Kreisen ausdrückt, lesen Sie dies.

Hatch: Lieber Prof, bleiben Sie ruhig was auch geschieht werde ihnen später alles erklären ihre Madame Maigret.

vanDusen: Unsere alte Freundin hat mir den Zettel unter dem Tisch in die Hosentasche praktiziert.

Hatch: Ja und was soll das heißen.

vanDusen: Mein lieber Hatch, auch ohne diese uns zugespielte Information sollte selbst Ihnen klar sein, daß alle die rätselhaften Dinge, welche uns auf dem Weg hierher und dann in dieser Burg zugestoßen sind, zu einem Spiel gehören, zu einer, wenn sie so wollen kalkulierten Inszenierung, deren Publikum allem Anschein nach wir beide zu bilden haben.

Hatch: Aber Möllhausen, der ist doch tot.

vanDusen: Keineswegs mein lieber Hatch, der Kommissar hat die Leiche lediglich gespielt, nicht eben brillant wie ich mich hinzuzufügen genötigt sehe, trotz seiner großen kriminologischen Erfahrung.

Hatch: Wenn sie das sagen Prof, ja und was sollen wir jetzt tun.

vanDusen: Da wir uns den auf uns gezielten dummen Streichen vorerst wohl kaum entziehen können, bleibt uns nichts anders übrig als sie weiterhin mit Nichtachtung zu strafen und sie abzuwettern wenn sie mir den nautischen Terminus technicus gestatten, ich rate Ihnen jedoch sich nicht zu entkleiden und soweit ihnen das möglich ist wach und wachsam zu bleiben.

Hatch: Damit holte der Prof seelenruhig Papier und Bleistift aus der Tasche, er kann eben immer und überall arbeiten, ich döste ein bißchen vor mich hin, manchmal glaubte ich draußen Schritte zu hören oder ich hatte das Gefühl die Vorhänge bewegten sich (Kikeriki). Plötzlich wurde ich hellwach.

Smiley: Aah.

Hatch: Was war das?

vanDusen: Was schon, mein lieber Hatch, ein Schrei.

Hatch: Hört sich aber gar nicht gut an Prof, richtig kriminologisch, Prof.

vanDusen: Ja.

Hatch: Es hat geklopft.

vanDusen: Das ist mir nicht entgangen, öffnen Sie die Tür.

Smiley: Prof van Dusen, machen Sie auf.

Hatch: Meinen Sie wirklich Prof, wer weiß was das ist, vielleicht gibts hier ein Burggespenst.

Smiley: Aufmachen Prof schnell.

vanDusen: Ihr Burggespenst mein lieber Hatch ist Chefinspektor Smiley, nun öffnen Sie doch schon.

Smiley: Ich muß Ihnen was sagen, Prof, was wichtiges dringend, Möllhausen ist tot, wirklich tot obwohl das gar nicht geplant war und dahinter steckt ah…

Hatch: Ein Pfeil, Prof er hat einen Pfeil im Rücken.

vanDusen: Smiley ist tot.

Hatch: Sehen Sie mal Prof, am Pfeil hängt ein Zettel.

vanDusen: So ist es, mein lieber Hatch, folgen Sie dem Klang der Totenglocke.

Hatch: Was für eine Totenglocke, Prof, das ist kein Spiel mehr.

vanDusen: Mein lieber Hatch, sie haben recht die Situation hat sich grundlegend gewandelt, sie führen ihre elektrische Handlampe mit sich.

Hatch: Ja hier ist sie.

vanDusen: Auch ihren Revolver.

Hatch: Leider nicht, ich konnte ja nicht ahnen, daß wir ihn brauchen aber warten sie, ich hole mir einen Säbel von der Wand, besser als nichts, so Hutchinson Hatch ist zu allem bereit.

vanDusen: Sehr gut, mein lieber Hatch kommen Sie.

Hatch: Wohin Prof.

vanDusen: Wir folgen der Empfehlung unseres anonymen Korrespondenten und gehen dem Klang der Glocke nach.

Hatch: Die Morgendämmerung war schon angebrochen, als wir den Hof betraten und wir konnten die Anlage der Burg gut erkennen, ein Gebäudeviereck um einen Innenhof, an den Ecken Türme, drei kleine und ein hoher, an die 40-50 m, nichts zu sehen, nichts zu hören, bis auf das enervierende Gebimmel, das offenbar aus einem der kleinen Türme kam, in der Mauer darunter war eine Tür, ich klemmte den Säbel unter den Arm und drückte auf die Klinke, in diesem Augenblick wurde es still.

Hatch: Das Bimmeln hat aufgehört, Prof.

vanDusen: Halten Sie mich für taub, machen sie die Tür auf.

Hatch: Schwerer Brocken, oh Gott Prof, da drin hängt einer, am Glockenseil.

vanDusen: Anscheinend halten sie mich auch für blind, leuchten sie mir, es ist Kommissar von Möllhausen, und diesmal ohne jeden Zweifel tot.

Hatch: Kein Wunder, erst vergiften, dann aufhängen, das hält der stärkste Mann nicht aus.

vanDusen: Haben Sie die Güte, die Absonderungen weiterer Geschmacklosigkeiten zu unterlassen und stattdessen den Raum mit ihrer Lampe auszuleuchten, vor allem diese Ecke, ja dort.

Hatch: Prof, da steht eine Guillotine.

vanDusen: Wie recht sie schon wieder haben, mein lieber Hatch.

Hatch: Und auf dem Brett da liegt einer, angeschnallt.

vanDusen: Auch diese ihrer Feststellung trifft präzis ins Schwarze, lassen sie sehen, um wen es sich handelt.

Hatch: Es war Monsieur Gallimard, der zackige Kommissar von der Pariser Surete, jetzt war er gar nicht zackig, er war ganz still, weil er nämlich den Kopf verloren hatte, der lag vor ihm in einem Korb, in ganz kurzer Zeit drei Detektive tot, ermordet, Wahnsinn, und der Wahnsinn war anscheinend noch nicht zu Ende.

Maigret: Hilfe, hilfe.

vanDusen: Kommen sie, Hatch.

Hatch: Hört sich an wie Madame Maigret, wo steckt sie.

vanDusen: Hier, im Brunnen, hallo, Madame Maigret.

Maigret: Prof.

vanDusen: Kann ich etwas für sie tun.

Maigret: Ein Glück, das sie gekommen sind, retten sie mich, ich bin gefesselt, das Wasser steigt.

vanDusen: Halten sie noch einige wenige Augenblicke durch, Madame, Hatch, Errettung aus einem Brunnenschacht gehört fraglos zu den Aufgaben eines kriminologischen Assistenten, setzen sie sich in den Eimer, ich werde sie mittels der Winde nach unten befördern.

Hatch: Der armen Madame Maigret reichte das Wasser schon bis zur Taille, ich verlor keine Zeit und sägte mit dem Säbel an ihren Fesseln, als sich plötzlich oben am Brunnenrand ein Getümmel erhob, ehe ich ihn festhalten konnte, wurde der Eimer hochgenudelt, er kam aber gleich wieder runter, sehr schnell, mit dem abgeschnittenen Seil und mit einem Passagier.

Hatch: Der Prof, er ist doch nicht tot.

Maigret: Nur bewußtlos, das kalte Wasser wird ihn schnell wieder zu sich bringen, Prof, Prof van Dusen, wie fühlen Sie sich.

vanDusen: Danke Madame den Umständen entsprechend, jemand hat mir einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt.

Hatch: Wer.

vanDusen: Verschonen Sie mich mit sinnlosen Fragen die ich ihnen nicht beantworten kann, lassen sie mich nachdenken und schalten sie die Lampe ein, so Wassertiefe bis dato, Durchmesser des Brunnens in etwa, dazu die fundiert geschätzte Steiggeschwindigkeit, Madame, mein lieber Hatch, uns bleibt noch eine gute Stunde bis das Wasser eine unser Leben gefährdende Höhe erreicht haben wird, nutzen wir diese Zeit, ziehen wir a Bilanz und schmieden wir b Pläne, ans Werk.

Hatch: Der Prof war wieder ganz der alte, nicht mehr trübe, abwesend, desinteressiert, sondern energisch, optimistisch, voller Elan, wozu ein Schlag auf den Schädel doch manchmal gut sein kann.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Zuerst zu ihnen, Madame Maigret, was steckt hinter der ungewöhnlichen Detektivansammlung, berichten sie, präzise detailliert.

Hatch: Und von Anfang an.

Maigret: Gern, Prof, aber ich weiß nicht alles.

vanDusen: Dafür Madame haben sie ja Prof van Dusen, bitte.

Maigret: Von Anfang an, sagten sie, Mr Hatch, nun angefangen hat die Sache im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit, da bekam ich einen Brief aus Amerika, von einem Mr Prendergast, er stellte sich vor als Ex Schiffsdetektiv auf der Atlantikroute, doch diese Beschäftigung gehört nun der Vergangenheit an, ich habe geheiratet und bin so Besitzer nicht nur eines Schloßes in Kalifornien geworden, sondern auch einiger Dollarmillionen, ein Teil dieses Vermögens will ich dazu benutzen, mir einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, sie kennen Prof van Dusen, die Denkmaschine, sie haben wie ich mit ihm zutun gehabt und ich bin sicher daß sie wie ich sich nichts schöneres vorstellen können als den großen Kriminologen einmal so richtig aufs Glatteis zu führen, sollten sie dem zustimmen und bereit sein, mir dabei zu helfen, so lassen sie es mich kurz wissen, ich werde ich ihnen dann die notwendigen Mittel für eine Reise nach San Francisco zukommen lassen, wo wir alles nähere besprechen werden und verbleibe. Ich bin nach San Francisco gefahren, nicht um sie aufs Glatteis zu führen.

vanDusen: Das höre ich mit Freuden Madame.

Maigret: Ich hatte gerade nichts besseres vor und ich war neugierig, ich wollte erfahren, was dieser Prendergast gegen sie ausheckte, um sie notfalls zu warnen, vor einer Woche bin ich in San Francisco angekommen, ich stieg weisungsgemäß im Farmont Hotel ab und hier traf ich am nächsten Abend Prendergast und die anderen fünf, Gallimard, Möllhausen, Smiley, Caruso und Holmes.

Prendergast: Leider hatten einige ihrer Kollegen mit denen ich ebenfalls in Kontakt trat, keine Zeit oder kein Interesse, Inspector Boggles aus Singapur etwa, Sheriff Burp, Superintendent Boomer, Sam Steel von den Mounties, Kommissar Bidet, Kriminalpolizeioberrat van Blümchen, die Inspectoren Lecoq und Poubelle etc etc, nun wir sind 7, 7 Detektive, eine durchaus hinreichende, eine sinnvolle Zahl für eine anti van Dusen Koalition.

Gallimard: Sie reden zu viel, Monsieur Prendergast, auf marsch marsch, das ist mein Motto.

Möllhausen: Immer feste druff, wie seine kaiserliche Majestät so feinsinnig zu bemerken pflegen.

Maigret: Aber Monsieur.

Smiley: Kurz, was haben sie uns vorzuschlagen, Prendergast.

Prendergast: Hören sie zu, Madame, meine Herren, am 2. März hat der Prof Geburtstag, den 60, wir locken ihn in meine Burg.

Holmes: Auf welche Weise. Ja wie denn.

Prendergast: Warten sie nur ab meine Herren und wenn er erstmal dort ist dann haha.

Maigret: Dann sollte ihnen Prof ein kriminologische Schauerstück vorgespielt werden, wir alle würden ermordet, auf möglichst bizarre Art und Weise, einer nach dem anderen, wie im Lied von den zehn kleinen Negerlein, wissen sie.

vanDusen: Nein ich weiß es nicht, Madame, volkstümliche Lyrik gehört nicht zu meinen vorrangigen Interessen.

Hatch: Das Lied geht so, Prof, zehn kleine Negerlein, die gingen mal ins Heu.

vanDusen: Schweigen Sie Hatch und sie Madame haben die Güte fortzufahren.

Maigret: Angesichts der mysteriösen Morde wären sie Prof völlig rat- und hilflos, meinte Predergast.

vanDusen: Meinte er, soso.

Maigret: Und schließlich würden wir alle aus unserem Versteck auftauchen, lebendig natürlich und sie auslachen, so wars geplant.

vanDusen: Doch es kam anders, aus dem albernen Spiel wurde tödlicher Ernst, Smiley, Möllhausen und Gallimard sind tot, wir drei befinden uns in größter Gefahr.

Hatch: Und was ist mit Caruso und mit Sherlock Holmes.

vanDusen: Das ist im Augenblick nicht von Belang, sie erwähnten, Madame, der angebliche Prendergast habe mit heiserer Stimme gesprochen.

Maigret: Fast tonlos, er sei erkältet, hat er behauptet.

vanDusen: Aha, der Fall ist klar.

Maigret: Sie wissen Bescheid, Prof.

vanDusen: Ja Madame.

Maigret: Sie kennen den wirklichen Hintermann.

vanDusen: Nur daß es nicht um einen Hintermann handelt, vielmehr verzeihen sie das ungelenke Wortspiel, um eine Hinterfrau, unser Gegner ist das Phantom.

Prendergast: Das Phantom, alias Mr Prendergast, alias Mrs Prendergast, bravo Prof.

Hatch: Das Phantom, die größte Verbrecherin unserer Zeit, die alles maskieren und verbergen konnte, ihr Geschlecht, ihr Aussehen, ihren Charakter, viermal hatte sie mit van Dusen die Klingen gekreuzt, in Biarritz und Berlin, am schwarzen Meer und in Kairo, viermal war sie entlarvt und besiegt worden.

Prendergast: Bravo Prof, brillant wie immer, leider zu spät, sie haben mich nicht erkannt, sie konnten mich nicht erkennen, ich hab mir ein neues Gesicht schneidern lassen, übrigens durch ihren Bruder Tiberius, jetzt sitzen sie da wo ich sie seit unserem ersten Zusammentreffen haben wollte, in der Fall, in spätestens eine halben Stunde werden die Wasser über ihrem genialen Schädel zusammenschlagen und mit ihn müssen neben Mr Hatch natürlich 6 kleinere kriminologische Lichter dran glauben, 7 wenn ich den guten Prendergast mitzähle, den ich schon vor Monaten aus dem Weg geräumt habe, damit er meinen wunderschönen Plan nicht stört, daß sie zusammen mit Madame Maigret aus der Welt scheiden, Prof, das freut mich ganz besonders, denn mit dieser Dame habe ich, sie wissen es, ein spezielles Hühnchen zu rupfen wegen der Affäre um die Rose von Kairo, genug geplaudert, Brimstone.

Butler: Chefin.

Prendergast: Du bleibst in der Nähe, guckst ab und zu über den Rand, und wenn sie am ersaufen sind, rufst du mich, das Schauspiel will ich mir nicht entgehen lassen, hahaha.

Hatch: Der Fall war klar aber hoffnungslos, Madame Maigret stand das Wasser an den Schultern, mir an den Achselhöhlen, dem Prof reichte es sogar schon bis ans Kinn, aber er verlor weder Mut noch Kombinationsgabe, er hatte eine Idee.

vanDusen: Helfen sie mir ihre Schulter zu erklimmen, mein lieber Hatch.

Hatch: Wenn sie ihr Leben dadurch ein bißchen verlängern wollen Prof.

vanDusen: Unsinn, nun heben sie mich schon hoch und richten sie den Strahl ihrer Lampe auf diese Stelle hier, sie sehen, ein kreisrundes Stück Mauerwerk, dessen Färbung sich auf eklatante Weise von seiner Umgebung abhebt, so stehen sie doch still Hatch.

Hatch: Nicht gerade ein Leichtgewicht, der Prof, erstaunlich, wo er doch so klein ist, wahrscheinlich der Kopf.

vanDusen: Wenn ich an diesem in die Mauer eingelassenen Haken drehe.

Maigret: Eine Tür.

vanDusen: Ja eine Geheimtür, hinter welcher sich ein Geheimgang erstreckt, in jeder Burg welche auf sich hält pflegen sich derartige bauliche Besonderheiten zu finden, wo bleiben ihre Manieren Hatch.

Hatch: Bitte.

vanDusen: Seien sie Madame Maigret behilflich.

Hatch: Der enge Gang führte schräg nach oben und endete in einem finsteren Kellerraum, wir krochen aus dem Loch im Boden, schüttelten uns und sahen uns um, zum Glück hatte die Lampe noch immer nicht den Geist aufgegeben.

Maigret: Wo sind wir Prof.

vanDusen: Nun vergegenwärtigen wir uns den Ausgangspunkt unseres Fluchtwegs, sodann den Neigungswinkel und die Länge der zurück gelegten Stecke, setzen wir dies alles ins rechte trigonometrische Verhältnis, eine höchst simple mathematische Operation.

Hatch: 2 plus 2 ist 4.

vanDusen: So stellen wir fest, wir befinden uns in der Nordwestecke der Burg, das heißt unter dem Rundturm, welchen wir meine ich durchaus Burg- oder Bergfried nennen dürfen, auch wenn er sich nicht in der Mitte, sondern am Rande der Anlage erhebt.

Caruso: Ah.

Maigret: Was ist das.

Hatch: Vorsicht, vielleicht spukt hier doch ein Burggespenst herum.

Maigret: Das kommt aus diesem Nebenraum, mondieu, kommen sie schnell, meine Herren.

Hatch: An der Wand hingen Ketten, in einer Ecke hockte ein staubgraues Gerippe, und auf dem Boden lag Detektiv Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei in den letzten Zügen.

Caruso: Gestoßen und gestürzt durch eine Falltür, ich machs nicht mehr lange, Mr Hatch.

Hatch: Ja Caruso.

Caruso: Schreiben sie mir einen Nachruf.

Hatch: Ja Caruso sobald ich hier raus bin.

Caruso: Aber einen schönen, ohne ihr Spitzen und ohne ohne Ironie, bitte.

Hatch: Ich versprech es Ihnen, Caruso.

Caruso: Danke danke Mr Hatch, ach.

vanDusen: Er ist tot.

Butler: Hierher, Chefin, hier sind sie.

Maigret: Hier ist eine Treppe, schnell meine Herren, nach oben.

Hatch: In Windeseile kletterten wir aus dem Keller in den Turm, 10 Stockwerke mindestens, die Treppe wurde schmaler, steiler und hörte dann ganz auf, unter einer Falltür, wir quälten uns durch und schoben innen den Riegel vor, wir waren im obersten Stockwerk in einer Art Rumpelkammer oder besser in einem kleinen Museum ala Glastonbury, altmodische Möbel standen herum, eine Ritterrüstung, und in den Ecken lagen mittelalterliche Waffen, eine Leiter führte durch eine zweite Falltür in der Decke aufs Dach, viel Zeit zum Luftholen hatten wir nicht, auf Anordnung des Prof verrammelten Madame Maigret und ich die Klappe mit allem, was sich im Zimmer fand, Schränke, Kommoden, Stühle, ein Tisch.

vanDusen: Auch die Rüstung mein lieber Hatch.

Hatch: Ayai Sir, ist die schwer.

Holmes: Seien sie so freundlich Mr Hatch die Hände von meiner Person zu lassen.

Hatch: Da steckt ja einer drin.

vanDusen: In der Tat, Mr Sherlock Holmes, wenn ich nicht irre, sie haben sich in dies ungewöhnliche Versteck geflüchtet.

Holmes: Geflüchtet, ich muß doch sehr bitten, eine vorläufige strategische Absatz-bewegung.

vanDusen: Wenn sie es so bezeichnen wollen, Mr Holmes, entsteigen Sie nun gefälligst ihrem Harnisch, gehen sie Mr Hatch zu Hand.

Holmes: Ich verbitte mir diesen Ton, Prof, Sherlock Holmes nimmt von keinem Mensch Befehle entgegen und von ihnen schon gar nicht.

vanDusen: Wie sie wünschen Mr Holmes, es steht ihnen frei, dies Domizil zu verlassen.

Holmes: Ich denke nicht daran, ich war zu erst hier.

Butler: Die Tür ist zu Chefin.

Prendergast: Dann brich sie auf, du Idiot.

Butler: In Ordnung Chefin, es geht nicht Chefin.

Prendergast: Hören Sie Prof.

vanDusen: Madame.

Prendergast: Sie haben sich verbarrikadiert, aber das wird ihnen nichts nützen, ich werde warten, bis sie aufgeben oder verhungert sind oder sich vom Dach in den Abgrund stürzen, eine andere Wahl haben sie nicht.

vanDusen: Glauben Sie, Madame Maigret, sie haben, wie ich sehe, noch immer ihre Handtasche bei sich.

Maigret: Davon trenne ich mich nie Prof.

vanDusen: Ich vermute daß sich in der Tasche unter anderem Nadel und Faden kurz alle zum Nähen benötigten Utensilien befinden.

Maigret: Ja Prof aber.

vanDusen: Sehen sie dies hier.

Maigret: Die Fenstervorhänge, ziemlich schmutzig.

vanDusen: Aber aus reiner fester Seide.

Maigret: Ah sie denken.

vanDusen: An Leonardo da Vinci.

Hatch: Leonardo da Vinci, also jetzt versteh ich gar nichts mehr.

vanDusen: Das macht nichts, helfen sie Madame beim Zuschneiden und Nähen, sie ebenfalls, Mr Holmes, sofern sie es nicht vorziehen, allein hier zurückzubleiben.

Hatch: Die Nadeln qualmten, die Finger taten uns weh, wir nähten wie wild gewordene Putzmacherinnen und das war gut so, gerade als wir fertig waren, verlor das Phantom die Geduld.

Prendergast: Das dauert mir zu lange, Brimstone.

Butler: Chefin.

Prendergast: Lauf runter zur Pulverkammer im Erdgeschoß, hol eine Stange Dynamit, wir werden die Klappe aufsprengen.

Butler: Jawohl Chefin.

vanDusen: Die Pulverkammer im Erdgeschoß richtig, ich habe sie bei unserer eiligen Passage flüchtig zur Kenntnis genommen, ausgezeichnet, das was es uns zugedacht hat, werden wir dem Phantom zurückerstatten, mit Zins und Zinseszins, wir werden dafür sorgen, daß diese Massenmörderin die gerechte Strafe für ihre zahllosen Untaten erhält und daß sie keine Gelegenheit haben wird, weitere abscheuliche Verbrechen zu begehen, Madame Maigret, meine Herren, wer von ihnen ist der treffsicherste Schütze.

Hatch: Also mich können sie streichen Prof.

Holmes: Ich Prof.

Maigret: Nichts gegen sie, Mr Holmes, aber sehen sich doch ihre Finger an, die zittern ja, ich habe eine ruhigere Hand Prof.

vanDusen: Ich stimme ihnen zu, Madame, glauben sie, daß sie mit einer Armbrust umzugehen im Stande sind.

Maigret: Viv Professeur…

vanDusen: Tre bien Madame, mein lieber Hatch, ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie Zündhölzer bei sich tragen.

Hatch: Hab ich, Prof, ah schon wieder trocken.

vanDusen: Sehr schön, hören sie zu.

Hatch: Zehn Minuten später standen wir vier auf des Turmes Zinnen, die eigenhändig genähten Fallschirme aus roter Vorhangseide auf dem Rucken und spähten in die Tiefe, 50 m Turm und dann runde 300m steiler Felsen, schöne Aussichten, ich fühlte mich wie damals in Athen auf dem Hochseil nur womöglich noch schlimmer.

vanDusen: Wiederholen sie ihre Instruktionen Madame Maigret.

Maigret: Ich entzünde die Lunte, den mit der brennenden Lunte versehenen Armbrustbolzen werde ich beim Vorüberschweben in das von ihnen bezeichnete Fenster im Erdgeschoß schießen.

vanDusen: Exzellent Madame, und nun springen.

Maigret: Vive la France.

Holmes: God save the King.

vanDusen: 2 plus 2 gibt 4.

Hatch: Ach du dicker Pater.

Hatch: Madame schoß ins Fenster der Pulverkammer, das nehm ich jedenfalls an, wie immer in solchen unangenehmen Situationen hatte ich die Augen fest zugedrückt, wir kamen unten an, eine mittelweiche Landung, würde ich sagen, wir standen auf, rissen die Fallschirme runter und rannten so schnell wir konnten ins Gelände, weg von der Burg, die Pulverkammer flog in die Luft, wir blieben stehen und sah uns um, Feuer breitete sich aus, der Turm schwankte, in einer Fensteröffnung tauchte das Phantom auf, von Flammen eingehüllt, dann verschwand es, der Turm stürzte ein, die ganze Burg war ein Trümmerhaufen.

vanDusen: Der Götter Ende dämmert nun auf, oder auch finis phantomae und diesmal ohne jeden Zweifel endgültig.

Holmes: Ein Automobil, ein Pierce-Arrow.

Hatch: Schöner Wagen, ich habe selber einen zuhause in New York.

Maigret: Das Automobil kommt näher.

Holmes: Es hält.

Futrelle: Prof van Dusen nehm ich an.

vanDusen: So ist es.

Futrelle: Happy birthday to you…

vanDusen: Nein bitte, danke danke mein bester, danke sie würden mir eine größere Freude machen wenn sie mich und meine Begleiter auf schnellstem Weg nach San Francisco brächten.

Futrelle: OK Prof steigen sie ein.

Hatch: Es war ein langer Weg zurück zur Küste, Sherlock Holmes schmollte, er mußte mit dem hinteren Klappsitz vorlieb nehmen, was ihm sehr mißfiel, unser Fahrer redete.

Futrelle: Seit gestern bin ich hinter ihnen her, Prof, ich hab sie von Raymond aus verfolgt und dann aus den Augen verloren.

Holmes: Unangenehme Situation.

Maigret: Geben Sie doch Ruhe Holmes.

Futrelle: Seitdem kreuze ich in den Bergen herum wenn das kein glücklicher Zufall ist

vanDusen: Jaja.

Futrelle: Ich will sie nämlich interviewen, zu ihrem Geburtstag, exklusiv.

Hatch: Ach, sie sind auch Journalist.

Futrelle: Bin ich, Futrelle ist mein Name, Jack Futrelle.

Hatch: Was, sie sind dieser Typ, der die Frechheit hat, mir ins Handwerk pfuschen und auch über den Professor zu schreiben.

Futrelle: Ja ich habe mir erlaubt, einige Fälle der Denkmaschine journalistisch aufzuarbeiten.

Hatch: Dann will ich ihnen mal was sagen Mr. Futrelle, in Zukunft lassen sie ihre Finger davon, Prof. van Dusen hat nur einen Chronisten und der heißt Hutchinson Hatch.

Futrelle: Aber Mr Hatch, der Prof. ist eine Figur des öffentlichen Lebens und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf von mir.

Hatch: Außerdem haben sie keine Ahnung, was sie zum Beispiel aus dem Gaslichtmord gemacht haben, das ist alles falsch, das stimmt doch hinten und vorne nicht, Prof, warum sagen sie denn nichts.

vanDusen: Weil ich dem verbalen Wettbewerb der Schreiberlinge lausche, mein lieber Hatch, mit Interesse und äh ich muß es gestehen mit einem gewissen Amüsement, Sie mein lieber Hatch sind mein Assistent, mein Begleiter, und vor allem diejenigen Abenteuer, welche uns auf unseren ausgedehnten Reisen zustießen, können und dürfen nur sie adäquat beschreiben, doch was meine übrigen Fälle betrifft, so steht es selbstverständlich auch Mr Futrelle frei, sich an ihnen zu versuchen, Prof. DrDrDr Augustus van Dusen ist ein zu großes Thema für nur einen Biografen, möge der bessere gewinnen.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Mrs. Prendergast: Liane Rudolph
Mr. Prendergast: Liane Rudolph
Madame Maigret: Evamaria Miner
Shemlock Homes: Lothar Blumhagen
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Commissaire Gallimard: Gerd Duwner
Chefinspektor Smiley: Rolf Marnitz
Kommissar von Möllhausen: Edgar Ott
Butler Brimstone: Till Hagen
Jacques Futrelle: Wolfgang Condrus

Michael Koser: Prof van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988)

Chef: Frage, was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister? Antwort, nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben, Mr. Hatch.

Hatch: Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch.

Chef: Und zweitens.

Hatch: Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef.

Chef: Ich will Ihnen sagen was ich finde Mr. Hatch, ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich sie feuern jetzt hier auf der Stelle, leider wäre ihr Vater.

Hatch: Leider wäre mein alter Herr damit gar nicht einverstanden und der hat nunmal die Aktienmehrheit von unserem Weltblatt, tut mir ja leid Chef, aber so werden sie Hutchinson Hatch nicht los.

Chef: So nicht Mr Hatch, aber vielleicht anders, mir ist da gerade was eingefallen und zwar.

Hatch: Immer dasselbe, der Chefredakteur des Daily NewYorker war anderer Meinung als sein Reporterass, genau wie sein Vorgänger, sie erinnern sich, van Dusens erster Fall und die Sache mit dem Leichenräuber, ich konnte meinen Chefs einfach nicht beibringen wie eine Zeitung gemacht werden muß mit Pfeffer und Paprika nämlich und ohne Respekt vor der Staatsgewalt, deshalb diese unerfreuliche Diskussion am 27. Juli 1899, eine von vielen dachte ich zuerst aber da hatte ich mich geirrt, dem Chef war tatsächlich was neues eingefallen.

Chef: Und wissen sie was, Mr Hatch, wir haben schon lange nichts mehr aus Alaska gebracht, von den Goldfeldern am Klondike meine ich, fahren sie mal rauf, machen sie uns eine schöne aktuelle Reportage.

Hatch: Chef, das ist doch ein alter Hut, in Alaska buddeln sie schon seit Jahren nach Gold.

Chef: Keine Widerrede, Mr Hatch, Gold, Goldrausch, Goldgräber, das ist interessant, das will man lesen, auch wenn es vielleicht nicht mehr ganz taufrisch ist, sie fahren Mr Hatch, am besten gleich morgen, und wenn ihnen das nicht paßt können sie ja kündigen, das steht ihnen frei, na Mr Hatch was sagen sie.

Hatch: Ich fahre, sagte ich, gleich darauf tat es mir schon leid, eine lange anstrengende Reise in den hohen Norden nur um den Chef zu ärgern, Schwachsinn, aber wenn H. Hatch einmal ja gesagt hat dann bleibt er dabei, ich packte meine Sachen und am Abend trat ich bei Prof van Dusen an, ich wollte mich verabschieden, aber da erlebte ich die zweite Überraschung an diesem denkwürdigen Tag.

vanDusen: Alaska, eine exzellente Idee mein lieber Hatch und ein hochinteressantes Gebiet, wir werden es gemeinsam aufsuchen.

Hatch: Was, sie wollen mich begleiten, Prof.

vanDusen: Das denn nun wohl doch nicht, mein lieber Hatch, ich bin ProfDrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Genannt die Denkmaschine, der größte Wissenschaftler und Amateurkriminologe unserer Zeit.

vanDusen: Wenn nicht aller Zeiten, und da der Meister nicht seinen Assistenten zu begleiten pflegt und der Held nicht seinen Chronisten.

Hatch: Begleite ich sie, Prof, von mir aus, wissen sie, wer von uns beiden mit wem fährt, das spielt doch keine Rolle.

vanDusen: Nun.

Hatch: Ich muß, weil mein Chefredakteur ein Ekel ist, aber sie, Prof, was treibt sie ins wilde Alaska.

vanDusen: Nun, für meine ein wenig angegriffene Gesundheit wird, davon bin ich überzeugt, ein nicht zu knapp bemessener Aufenthalt in der erfrischenden Atmosphäre jener nördlichen Gefilde sich als wohltuend, ja regenerierend erweisen, vor allem jedoch sehe ich mich der Wissenschaft halber genötigt für eine gewisse Zeit das Refugium geografischer Abgeschiedenheit aufzusuchen, es gilt ein neues, geradezu revolutionäres physikalisches Konzept, die atomare Strukturtheorie der Elemente betreffend präziser zu erfassen, in all seinen Verästelungen und Konsequenzen zu durchdenken, fernab von den Anforderungen des akademischen Lehrbetriebs, von den kleinlichen Störungen des Alltags, ja mein lieber Hatch, es ist entschieden, begeben sie sich stehenden Fußes ans Telefon, lassen sie sich mit dem Auskunftsbüro im Zentralbahnhof verbinden, erfragen sie die Abfahrtszeit des nächsten Zuges gen Westen.

Hatch: Es wurde eine lange und mühselige Reise, erste Etappe eine Woche mit der Eisenbahn quer durch den Kontinent von New York bis nach Seattle an der Westküste, der Prof blieb die ganze Zeit im Abteil, um an seiner revolutionären Atomtheorie herum zugrübeln und ich hätte mich zu Tode gelangweilt, wenn mir im Salonwagen nicht zwei gleichgesinnte Seelen über den Weg gelaufen wären, zwei Herren namens Smith und Jones, die auch nach Alaska wollten, gemeinsam frönten wir fortan dem großen amerikanischen Nationalsport.

Jones: Was fünf Dollar Einsatz, Gott wir spielen Poker und nicht Mensch ärgere dich nicht, 50 Dollar mindestens.

Smith: Sagen wir 25, Mr Jones, wir wollen doch keinen Profit machen oder, sondern uns nur ein wenig die Zeit vertreiben.

Hatch: Einverstanden 25 Dollar und der Höchsteinsatz.

Jones: Quatsch Höchsteinsatz.

Smith: Kein Limit Mr Knickerbocker, das ist unnötig unter Gentlemen.

Hatch: Meinen Sie Mr Smith.

Jones: Hören Sie auf zu zicken, Knickerbocker, fangen sie endlich an zu spielen.

Hatch: Knickerbocker, das war ich und wie ich zu diesem ausgefallenen Namen gekommen bin, das muß ich wohl ein bißchen ausführlicher erklären, also es war noch in New York auf dem Bahnsteig kurz bevor unser Zug abfuhr.

vanDusen: Fast hätte ich es vergessen, um Störungen und Belästigungen seien sie allgemeiner oder auch amateurkriminologischer Natur auszuschließen, werden wir unter Pseudonym reisen, inkognito wenn sie verstehen, was ich meine.

Hatch: Klar verstehe ich, von jetzt ab sind sie nicht mehr Prof van Dusen, sondern sagen wir Mr Miller.

vanDusen: Mein lieber Hatch, wo denken sie hin, ein Pseudonym von derart banaler Ubiquität für eine Persönlichkeit meines Ranges.

Hatch: Na vielleicht van Miller.

vanDusen: Seien Sie nicht albern, lediglich die klangvollsten, die erlauchtesten Namen Amerikas dürfen die Ehre haben, einem Prof van Dusen als zeitweiliges Pseudonym zu Diensten zu sein.

Hatch: Na dann nennen sie sich doch gleich Präsident Washington.

vanDusen: Nun warum nicht, allerdings Präsident erscheint mir dann doch ein klein wenig.

Hatch: Übertrieben.

vanDusen: Sagen wir unangemessen, die schlichte Benamsung Mr George Washington mag genügen, ja und welchen Namen wünschen sie zu wählen, als mein ständiger Begleiter sind ja auch sie der Öffentlichkeit nicht gänzlich unvertraut.

Hatch: Ja wenn sie unbedingt George Washington sein wollen, kann ich mich kaum Johnson oder Miller nennen, wie wäre es denn mit Ripper.

vanDusen: Bitte.

Hatch: Jack Ripper, das hat doch was.

vanDusen: Unterstehen sie sich.

Hatch: Keinen Sinn für Humor, dann eben Knickerbocker und dabei bleibe ich, da können sie sagen was sie wollen.

Hatch: In Seattle stiegen die Herren Washington und Knickerbocker um auf den Küstendampfer Oregon, der sie in einer Woche nach Alaska brachte, zur Station St. Michael an der Mündung des Yukon River, unterwegs die selbe Situation wie im Zug, der Prof unsichtbar in seiner Kabine, sein Begleiter in der Bar mit einem doppelten Whiskey, Pokerkarten nebst Mr Smith und Mr Jones, merkwürdige Burschen, die beiden, sie sahen sich ähnlich wie Zwillinge und hatten doch ganz verschiedene Charaktere, Smith war elegant, ein richtiger Dandy und Jones ein eher ruppiger Typ, aber Pokerspielen konnten sie beide, fast so gut wie ihr ergebener Diener Hutchinson Hatch.

Smith: Wenn sie gestatten, geh ich mit.

Hatch: So ich auch und noch 50 Dollar dazu.

Jones: Nicht kleckern Knickerbocker, klotzen, ihre 50 Mäuse und 200 dazu, was sagen sie jetzt, das ist kein Fliegenschiß, so spielt der Könner.

Hatch: In St. Michael wartete der Schaufelraddampfer Sara, auf dem müllerten wir uns 14 Tage lang den Yukon rauf, vorbei an kahlen menschenleeren Ufern, es wurde kühl, wir pokerten in Pelzmänteln weiter.

Jones: Also dann Hosen runter.

Smith: Bitte sehr, full house mit Assen, ich nehme nicht an daß einer der Herren ein besseres Blatt aufzuweisen hat.

Jones: So und was ist das, na, vier neun, da können sie ihr mickriges Full House in den Yukon schmeißen, Smith, Vater ist der beste, her mit dem Pott.

Hatch: Moment, Mr Jones, Moment hier sitzt ja noch einer, wollen sie nicht sehen was ich in der Hand habe.

Jones: Wozu, was kann das schon sein.

Matrose: Dawson, Dawson City voraus.

Hatch: Nichts besonderes Mr Jones, nur ein simpler Straight Flush, Pik Ass, König Dame, Bube, 10.

Hatch: Eine halbe Stunde später standen wir auf dem Pier und sahen uns um, Dawson City, die Metropole der Goldfelder hatte ich mir ganz anders vorgestellt, eine typische Goldgräbersiedlung hatte ich erwartet, eine Wildweststadt, Baracken und Holzschuppen, schlammige Wege, raue Männer mit Vollbärten und Revolvern, Schmutz, Unordnung, Gesetzlosigkeit.

Skinflint: Sie kommen zu spät, meine Herren, das war einmal vor 2 3 Jahren, unser Städtchen hat sich gemausert, natürlich ist Dawson City nicht New York.

Hatch: Weiß gott nicht.

Skinflint: Nicht einmal Calgary oder Winnipeg, aber wir sind stolz darauf daß wir die wilde Gründerzeit hinter uns gebracht haben und nunmehr in einem soliden geordneten Gemeinwesen leben, Dawson City besitzt 30.000 Einwohner meine Herren, 5 Kirchen.

Hatch: Hut ab.

Skinflint: 2 Zeitungen, 3 Hotels.

Hatch: Respekt, und welches würden sie uns empfehlen.

Skinflint: Das Regina, meine Herren, das größte und beste Haus am Platze, sie sehen es da drüben rechts, das Hochhaus an der Frontstreet.

Hatch: Hochhaus.

Skinflint: 4 Stockwerke, mein Herr, 4 stattliche Stockwerke.

Hatch: Kaum zu glauben.

Skinflint: Ferner rühmt sich Dawson City, wie ihrer Aufmerksamkeit kaum entgangen sein dürfte, mehrerer gepflasterter Straßen, mit echten Steinen gepflastert, meine Herren.

Hatch: Sagen Sie bloß noch sie haben schon Elektrizität.

Skinflint: Soweit sind wir noch nicht, leider, aber am Stadtrand arbeitet ein kleines Gaswerk und die Gebäude im Zentrum, an der Wallstreet und an der Frontstreet sind mit modernster Gasbeleuchtung ausgestattet.

Hatch: Sehr eindruckvoll, aber sagen sie mal, lieber Freund, kann man sich in ihrer Weltstadt auch ein bißchen amüsieren.

Skinflint: Wenn Ihnen der Sinn nach alkoholischen Getränken, steht, mein Herr, nach Kartenspiel und Damenbekanntschaft, auch für derartigen Zeitvertreib ist bestens gesorgt, diverse gut geführte Saloons und Dance Halls erwarten sie, in erster Linie das weithin bekannte Montecarlo mit seinem internationalen Showprogramm, doch beachten sie, nur von Montag bis Sonnabend, Sonntags nie, wir sind in Kanada, hier herrscht britische Sabatruhe.

Hatch: Und Gesetz und Ordnung, darauf würd ich wetten.

Skinflint: So ist es mein Herr, so ist es, und daß es so ist dafür sorgt dieser Herr da der gerade die Straße überquert.

Hatch: Meinen sie den in der roten Jacke mit dem gewaltigen Hut.

Skinflint: Eben diesen, Mr Sam Steele Superintendant der North West Mounted Police oder Mounties wie wir kurz sagen, übrigens falls sie Wertsachen zu deponieren oder Nuggets in Banknoten zu wechseln wünschen, Dawson City verfügt auch über ein hochmodernes Geldinstitut mit dem sicherten Panzerschank nördlich von Vancouver, die Handelsbank von Kanada, welche ich ihnen wärmstens anempfehle, habe ich doch die Ehre, als ihr lokaler Manager zu fungieren, Skinflint ist mein Name, Jeremiah Skinflint, hier ist meine Karte, besuchen sie mich doch gelegentlich und meine Herren seien sie in Dawson City willkommen.

Hatch: Wir stiegen im Regina ab, wo die Zimmer ganz passabel waren und die Preise astronomisch, der Prof verbuddelte sich gleich wieder in seine Forschungen und ich trieb mich in und um Dawson City herum, um Material für meine Reportage zu sammeln, ich besichtigte die Grabungen am Klondike River, interviewte ein paar Goldgräber, sah mir ihre Ausbeute an, machte mir Notizen, ich vertrieb mir die Zeit so gut es ging, fast jeden Abend außer Sonntags natürlich saß ich im Montecarlo, die Show konnte sich sehen lassen, die Girls waren so weit an- oder ausgezogen wie es sich mit der britischen Moral von Superintendent Steel vereinbaren ließ und der Star des Hauses, eine gewisse Miss Caprice, sang ein bißchen, warf die Beine, machte Kunststücke mit dem Lasso und sah hinreißend aus, leider war sie in festen Händen, in denen von Mr Skinflint, unserem geschwätzigen Freund von Pier, mit dem hatte ich mich in der Zwischenzeit etwas angefreundet, wir trafen uns ab und zu abends in der Handelsbank zu einem guten Schluck und zum Pokern, so verging der September.

Smith: Wer fängt an.

Jones: Immer wer fragt.

Smith: Also ich, wenn ich sie um 3 Karten ersuchen dürfte, Mr Skinflint.

Skinflint: 3 Karten für Mr Smith. Danke. Wieviel brauchen Sie, Mr Knickerbocker.

Hatch: Danke, Skinflint, keine, wunschlos glücklich.

Jones: Sie bluffen.

Hatch: Wenn sie meinen, Jones.

Jones: Diesmal fallen sie auf die Schnauze, das sag ich ihnen. Machen sie schon Skinflint. Bitte sehr. Und sie Superintendent.

Steel: Die Staatsgewalt begnügt sich mit einer Karte.

Hatch: Außerdem drückte sie ein Auge zu, die Staatsgewalt alias Sam Steele von den Mounties, es war nämlich Sonntag, Sonntag der 1. Oktober 1899, wir saßen im Schalterraum der Handelsbank um den großen Tresen, auf dem sonst Schecks ausgeschrieben, Geldscheine gezählt und vor allem Goldkörner abgewogen wurden, wir waren fünf, Skinflint der Hausherr, Steele, der sein Polizistengewissen damit beruhigte, daß wir unser sündiges Tun nicht in der Öffentlichkeit trieben, die unvermeidlichen Herren Smith und Jones und meine Wenigkeit, es war Winter geworden, den ganzen Nachmittag hatte es geschneit, der Schneefall ließ erst nach, als wir so gegen 6 mit unsern Spielchen anfingen.

Skinflint: Haben alle gesetzt.

Smith: Ja, bis auf Sie Mr Skinflint.

Skinflint: Ach tatsächlich, das wird sofort nachgeholt, nanu wo ist denn meine Brieftasche.

Steel: Vergessen.

Skinflint: Ja sieht so aus, ja meine Herren, dieser kleine Lapsus läßt sich zum Glück schnellstens bereinigen, ein kurzer Gang zum Panzerschrank, ach dabei fällt mir ein, Mr Jones, Mr Smith, Mr Knickerbocker, ich glaube sie kennen dieses Meisterwerk hochmoderner Sicherheitstechnik nicht, kommen sie mit, sehen sichs an.

Hatch: Gut aber die Karten mitnehmen.

Hatch: Wir kamen alle mit, durch eine Tür hinter dem Tresen, die in ein kleines fensterloses Bad führte, und dann durch eine zweite Tür in ein Hinterzimmer, hier gab es nur zwei Einrichtungsstücke, ein Bett an der Wand unter dem Fenster und ein gewaltiger Panzerschrank mitten im Raum, Skinflint zündete die Gaslampe an und schloß mit einem kompliziert aussehenden Schlüssel den Schrank auf.

Skinflint: Na meine Herren, ist das ein Anblick.

Hatch: Herzerwärmend, Stapel über Stapel von Dollarnoten und diese vielen Ledersäckchen.

Skinflint: Wir nennen sie Pockes, Mr Knickerbocker und jeder Pock enthält pures Gold, Staub, Nuggets, Körner, na da ist sie ja die Brieftasche.

Smith: Was mag er wohl wert sein, der Inhalt ihres Panzerschranks, Mr Skinflint.

Skinflint: Eine runde Million Mr Smith.

Smith: So viel, und da können sie nachts ruhig schlafen.

Skinflint: Wie ein Säugling Mr Smith und zwar in diesem Bett, eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, eigentlich überflüssig, sehen sie sich den Panzerschrank an, von Newton und Burger Pittsburgh, massive Stahlwände, hören sie, praktisch einbruchsicher, es gibt nur einen einzigen Schlüssel, und der befindet sich stets in meiner Hosentasche, Zugang ist nur möglich vom Schalterraum, und das Fenster ist wie sie bemerken durch ein starkes Gitter unpassierbar gemacht, kein Verbrecher kann eindringen, Geld und Gold von Dawson City ruhen im Tresor der Handelsbank so sicher wie in Abrahams Schoß.

Jones: Hören sie auf zu quatschen Skinflint, machen sie das Ding wieder zu und kommen sie endlich, wir sind hier nicht zum Panzerschrank beglotzen sondern Pokerspielen.

Hatch: Und das taten wir denn auch fast 5 Stunden lang, Skinflint gewann mit dem sprichwörtlichen Glück des Geldmenschen, Steel verlor ein bißchen, ich kam mit plus minus null raus und was die Herren Smith und Jones anging, die hatten anscheinend unglaublich schlechte Karten, jedenfalls passten sie meist schon am Anfang, so läpperte sich die Sache dahin, bis plötzlich was passierte, es war genau 5 Minuten vor 11, ich weiß das, weil ich mit dem Instinkt des geborenen kriminologischen Assistenten sofort auf die Uhr guckte.

Smith: Was war das.

Jones: Da ist was hochgegangen.

Hatch: Hört sich an wie im Hinterzimmer.

Skinflint: Um Gottes Willen, der Panzerschrank, das Geld.

Steel: Superintendent Sam Steel von den Mounties übernimmt das Kommando, folgen sie mir meine Herren.

Hatch: Das Hinterzimmer war voller Qualm und Gestank als wir die Tür aufrissen aber beides zog schnell ab durch den offenen Fensterrahmen, die Scheibe war zersprungen und rausgefallen, in der Wand des Panzerschranks klaffte ein großes unregelmäßiges Loch und der Inhalt.

Skinflint: Verschwunden, nichts mehr da, kein Schein, kein Krümel Gold.

Hatch: Sauber ausgeräumt.

Steel: Merkwürdig, sehr merkwürdig, wann hat es aufgehört zu schneien.

Hatch: So gegen 6.

Steel: Der Schnee reicht fast bis ans Fensterbrett, keine Fußspuren, überhaupt keine Spuren und das Gitter, völlig intakt, höchst merkwürdig.

Hatch: Durch die Tür kann auch keiner gekommen sein, schließlich sitzen wir seit 5 Stunden direkt davor.

Steel: Äußerst merkwürdig, jemand dringt in diesen Raum ein, aber weder durch die Tür noch durchs Fenster, zündet eine Sprengladung, räumt in wenigen Sekunden den Panzerschrank restlos aus und verschwindet mit seiner gewichtigen Beute ebenso spurlos wie er gekommen ist.

Skinflint: Unmöglich.

Steel: Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund Skinflint, ein unmögliches Verbrechen, ein Rätsel, ein schlichter Mountie ist da überfordert, was wir brauchen ist ein Meisterdetektiv, jemand wie Mr Sherlock Holmes oder wie dieser berühmte amerikanische Professor.

Hatch: ProfDrDrDrAugustus van Dusen, die Denkmaschine.

Steel: Genau den, Mr Knickerbocker, aber der ist leider weit weg in New York.

Hatch: Meinen Sie Superintendant.

Hatch: So schnell es ging, wühlte ich mich durch den dicken Schnee zum Hotel Regina, van Dusen war noch wach, bekanntlich braucht er wenn überhaupt nur sehr wenig Schlaf und er war höchst ungnädig als ich ihm erzählte was sich gerade in der Handelsbank von Kanada abgespielt hatte.

vanDusen: Mein lieber Mr Knickerbocker, sie sind an der falschen Adresse, sie sprechen nicht mit Prof van Dusen sondern mit Mr George Washington und Mr Washington ist kein wie beliebte ihr Freund Superintendant Steele sich auszudrücken kein Meisterdetektiv.

Hatch: Amateurkriminologe.

vanDusen: Auch kein Amateurkriminologe, Mr Washington wünscht ungestört seinen epochalen Forschungen nachzugehen.

Hatch: Aber Prof, ein unmögliches Verbrechen.

vanDusen: Lassen sie ab davon, mich mit kriminologischen Versuchungen vom geraden Pfad der Wissenschaft fortzulocken, entfernen sie sich, suchen Sie die Hotelbar auf.

Hatch: Geschlossen.

vanDusen: Dann gehen sie zu Bett, gute Nacht.

Hatch: Am nächsten Morgen beim Frühstück sah die Sache schon ganz anders aus, unter uns, es hätte mich auch gewundert wenn der Prof standhaft geblieben wäre.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich habe nachgedacht.

Hatch: Moment Prof.

vanDusen: Bitte.

Hatch: So das Ei muß man nämlich mit Andacht essen, immerhin kostet es drei Dollar, worüber haben sie nachgedacht.

vanDusen: Über den gestrigen Raub in der Handelsbank natürlich.

Hatch: Ach und was haben sie gedacht.

vanDusen: Folgendes, da sie mich mit solcher Verve, solcher Überzeugungskraft bedrängen.

Hatch: Was sie nicht sagen.

vanDusen: Habe ich mich entschlossen schweren Herzens wie ich betonen möchte, die Wissenschaft für eine kurze Zeit hinanzustellen und mich des Falles anzunehmen.

Hatch: Wer hätte das gedacht.

vanDusen: Ja also kommen sie schon.

Hatch: Immer mit der Ruhe, lassen sie einen hungrigen Menschen doch erstmal zu Ende frühstücken.

vanDusen: Nichts da, essen können sie später, kein Zaudern, kein Zagen, es ruft die Kriminologie, geleiten sie mich umgehend zum Ort des Geschehens.

Hatch: Leichter gesagt als getan, der Schnee lag hoch und van Dusen ist bekanntlich von nicht eben stattlicher Statur, mir blieb nichts anderes übrig als den kleinen großen Mann huckepack zur Bank zu schleppen, Sam Steel nahm uns vor der Tür in Empfang.

Steel: Morgen Knickerbocker, gut machen sie sich als Maulesel.

Hatch: Hat sich ausgenickerbockert, Superintendant, denn hören und staunen sie, der vergeistige Herr auf meinen Schultern.

Steel: Mr Washington.

Hatch: Ist in Wahrheit kein anderer und kein geringer als Prof van Dusen.

Steel: Der Prof van Dusen, die Denkmaschine.

vanDusen: Ja wer denn sonst, Vorsicht, lassen sie mich endlich herunter, Hatch.

Hatch: Und ich brauche nicht mehr als Knickerbocker durch die Gegend zu laufen, Hatch ist mein Name, Hutchinson Hatch, Journalist, Chronist, kriminologischer Assistent.

vanDusen: Etc etc. Verlieren wir keine Zeit, wo befindet sich der Tatort, gehen sie voran, Superintendant.

Hatch: Im Hinterzimmer hatte sich nichts verändert und auch der Prof war ganz der alte, sie wissen ja wie er sich bei seinen kriminologischen Untersuchungen benimmt, er wanderte durch den Raum scheinbar geistesabwesend, sah sich um, dachte nach.

Hatch: Wo steckt denn Skinflint.

Steel: Bei Miss Caprice nehm ich an, er will sich ein bißchen ablenken.

Hatch: Und Smith und Jones.

Steel: Ja Smith und Jones, da hat sich was neues ergeben, Mr Knicker Mr Hatch wollte ich sagen, gestern habe ich die beiden zum ersten Mal gesehen und da hatte ich gleich so ein Gefühl, der 6. Sinn des Polizisten, wissen sie, ich hab meine alten Steckbriefe durchgesehen und das hier gefunden.

Hatch: Das sind sie, unerkennbar.

Steel: Lesen sie was unter den Bildern steht Mr Hatch.

Hatch: Chicago November 1897 gesucht werden wegen vielfachen Einbruchs-diebstahl (Spezialität: Safe, Tresore, Panzerschränke) Panzerschränke.

Steel: Interessant, nicht wahr, lesen sie weiter.

Hatch: Die Anführer der berüchtigten Panzerknackerbande, die Brüder Frank Clancy genannt Dandy.

Steel: Mr Smith.

Hatch: Und Elmar Clancy genannt Hooligan.

Steel: Mr Jones.

Hatch: Die haben also Skinflints Geldschrank geknackt.

Steel: Ohne jeden Zweifel, Mr Hatch.

Hatch: Augenblick mal, Superintendant das kann nicht stimmen, als es geknallt hat, haben wir alle 5 am Tresen gesessen und Poker gespielt, alle auch Smith und Jones.

Steel: Richtig aber irgendwas müssen sie mit der Geschichte zu tun haben, jedenfalls hab ich ein paar meiner Leute in ihr Hotel geschickt, das Viktoria, eine Flohkiste am Stadtrand, um die beiden festnehmen zu lassen.

vanDusen: Eine durchaus korrekte Entscheidung, Superintendant, die Brüder Clancy alias Smith und Jones haben in der Tat diesen Panzerschrank geknackt, so lautet ja wohl der polizeiliche terminus technicus.

Hatch: Ja aber der Knall Prof.

vanDusen: Die Explosion, mein lieber Hatch, war lediglich ein Akzidenz, eine im Prinzip überflüssige Zutat geeignet zur Verwirrung der Zeugen und vor allem zur Verschleierung des wahren Tathergangs beizutragen, richten sie gefälligst ihre Aufmerksamkeit auf die durch die Explosion herausgesprengten Trümmerstücke der Stahlwand, was sehen sie hier und hier und auch entschuldigen sie einen Moment, gehen sie mal zur Seite und auch hier an dieser Stelle.

Hatch: Linien, Schnittlinien, sieht aus als ob man in den Stahl geschnitten hat.

Skinflint: Und an den Linien ist der Stahl geschmolzen und später wieder hart geworden.

vanDusen: Sehr richtig, meine Herren, diese Fakten sprechen eine deutliche Sprache, sie verraten uns, daß der Panzerschrank bereits vor der Sprengung geöffnet wurde, er wurde, Mr Hatch hat daraufhingewiesen, aufgeschnitten.

Hatch: Womit Prof, mit einem Büchsenöffner.

vanDusen: Mit einer extrem heißen Stichflamme, wie sie bei der Verbindung von reinem Sauerstoff mit Leuchtgas entsteht, Superintendant Steel dürfte diese neuartige Methode wie sie von unternehmenden und wenn sie mir den Ausdruck gestatten progressiven Mitgliedern der Verbrecherwelt angewandt wird nicht gänzlich unvertraut sein.

Steel: Ich hab davon gehört Prof, aber dazu braucht man doch einiges, Sauerstofflaschen, einen sog Schneidbrenner, Zugang zu einer Gasleitung.

vanDusen: Bitte sehr, kommen sie, hier, schauen sie, da oben der Arm einer Gaslampe, Schirm und Zylinder liegen zerstört am Boden.

Steel: Durch die Sprengladung.

vanDusen: Möglich, Superintendant, doch spricht nichts dagegen, daß sie bereits vorher entfernt abgelegt und durch einen Kautschukschlauch ersetzt wurden, welcher zum Schneidbrenner führte, was nun diesen selbst und die benötigten Sauerstoffbehälter angeht.

Steel: Die hätten wir sehen müssen, als wir vor dem Spiel hier im Zimmer waren.

vanDusen: Haben sie wirklich überall gründlich nachgesehen, Superintendant, zum Beispiel unter dem Bett.

Steel: Unter Skinflints Bett, nein.

vanDusen: Würden sie das freundlicherweise jetzt nachholen.

Steel: Warum nicht.

vanDusen: Nun Superintendant, was sehen sie.

Steel: Nichts.

vanDusen: Machen sie die Augen auf, sie sehen frische Kratzer im Holzfußboden, und in den Kratzern.

Steel: Farbreste.

vanDusen: Sehr gut Superintendant, und auch der leichte metallische Schimmer wird ihrer geschulten Aufmerksamkeit nicht entgangen sein, Fazit, hier, unter dem Bett waren die Utensilien verborgen, mit welchem die Öffnung des Panzerschranks bewerkstelligt wurde.

Steel: Mag ja sein Prof, aber wie haben die Clancys das Ding gedreht.

Hatch: Und wann, das muß doch Stunden gedauert haben.

vanDusen: Angesichts der Stärke der Stahlwand ca eine und eine dreiviertel Stunde.

Hatch: Nabitte und die beiden waren doch bei uns vorne im Schalterraum am Tresen.

vanDusen: Sind sie ganz sicher, daß sie sich ständig in ihrer Gegenwart aufhielten, gestern Abend mein lieber Hatch haben sie mich informiert, daß beide ganz gegen ihre Gewohnheit des öfteren wie sagten sie doch paßten, frühzeitig das Spiel aufgaben, was taten sie dann, blieben sie sitzen, sahen sie ihnen zu.

Skinflint: Nein, sie sind aufgestanden, herumgelaufen, haben sich die Beine vertreten, wir haben nicht darauf geachtet.

Hatch: Wissen sie Prof beim Poker braucht man Konzentration.

vanDusen: Wenn schon nicht Intelligenz, haben die Brüder Clancy womöglich mehrmals das Bad aufgesucht.

Hatch: Jetzt wo sies erwähnen, ja, Smith hat sich dauernd die Hände gewaschen.

Steel: Und der andere mußte alle Nase lang verschwinden, weil er was unrechtes gegessen hatte, sagte er.

vanDusen: Und wenn sie die häufigen Abwesenheitszeiten der Brüder addieren, werden sie, davon bin ich überzeugt als Summe eine Spanne Zeit erhalten welche zur Öffnung des Geldschranks mittels eines Schneidbrenner mehr als hinreichend gewesen sein dürfte.

Steel: Gut und schön Prof, aber wie haben die Safeknacker danach das Werkzeug aus diesem Raum geschafft.

vanDusen: Auf demselben Weg Superintendant, auf dem sie sich auch ihrer Beute entledigten, hier bei jenem dem Fenster gegenüberliegenden vom ihm durch einen abschüssigen, etwa 20m breiten Hof getrennten Gebäude handelt es sich um.

Steel: Das Montecarlo, die Rückseite natürlich.

vanDusen: Aha, merken sie auf, meine Herren, bereits vor der Explosion war das Fenster, wie aus der Stellung des Riegels hier zu ersehen ist geöffnet, ferner erkennen wir an der Kante des Fensterbretts die Spur eines kürzlich stattgehabten Abriebs und hier vor dem Panzerschrank liegt ein kleines Ende Seil, angekohlt, diese eindeutigen Hinweise, meine Herren.

Walker: Chef, das ist ein Ding Chef.

Steel: Walker, was fällt ihn ein, nehmen sie gefälligst Haltung an, so und jetzt erstatten sie Bericht, haben sie die Kerle erwischt, diese Gebrüder Clancy.

Walker: Jawohl Chef.

Steel: Wo sind sie, bringen sie sie rein, Mann.

Walker: Das geht nicht so einfach, Chef, wir haben sie erstmal an der Tür abgelegt.

Steel: Abgelegt.

Walker: Jawohl Chef, sie sind nämlich tot Chef.

Hatch: Wovon wir uns gleich selbst überzeugen konnten, die Brüder Clancy lagen vor der Bank auf dem Gehweg, starr und steif und erstaunlicherweise ohne ihre Pelzmäntel.

Walker: So haben wir sie gefunden Chef, hinter dem Hotel Viktoria, zwischen zwei Schuppen.

Skinflint: Offensichtlich erfroren, haben sie ihre Zimmer durchsucht, Walker.

Walker: Jawohl Chef.

Steel: Und was gefunden, Geld, Gold, Einbruchswerkzeug.

Walker: Nichts Chef.

vanDusen: Die beiden wurden ermordet.

Steel: Was sagen sie da Prof.

vanDusen: Ein durchdringender Geruch nach Alkohol, Hämatome an den Hinterköpfen, unzureichende und was noch aufschlußreicher ist, stark zerknitterte Kleidung, ein zumindest für Frank Clancy zubenamt Dandy höchst untypisches Merkmal, kein Zweifel, Superintendant, man hat Frank und Elmar Clancy betrunken gemacht, niedergeschlagen, mit Wasser übergossen und ins Freie geschafft, wo sie alsbald erfroren, man wollte sich ihrer entledigen als Mitwisser und Teilhaber an der Beute.

Steel: Man, wer ist man.

vanDusen: Der Auftraggeber natürlich.

Steel: Auftraggeber.

vanDusen: Vier Personen waren an der Tat beteiligt, Superintendant, die Brüder Clancy, ein weiterer Komplize und der Auftraggeber, der Kopf, der Drahtzieher des Verbrechens.

Steel: Woher wollen sie das wissen Prof.

Hatch: Der Prof weiß alles, Superintendant, und wie ich ihn kenne, ist der ganze Fall für ihn schon so klar wie Kloßbrühe.

vanDusen: Auch wenn wie so häufig die Wahl ihrer Worte nicht meine volle Zustimmung finden kann, in der Sache haben sie durchaus recht, folgen sie mir, meine Herren, am Tatort soll ihnen volle Aufklärung über Ablauf und Hintergrund des Verbrechens zu teil werden.

Hatch: Das Publikum, Steel, Walker und ich nahm auf dem Bett platz, der Prof stellte sich zwischen Fenster und Panzerschrank in Positur und wollte gerade loslegen, als die Tür aufging und Mr Skinflint erschien, er wollte wissen, was sich inzwischen getan hatte und war nicht schlecht erstaunt als er hörte, wer die Herren Knickerbocker und Washington in Wirklichkeit waren.

Skinflint: Die Denkmaschine.

Steel: So ist es Skinflint und sie können sich freuen, der Prof hat den Fall schon aufgeklärt, restlos.

Skinflint: Was, unmöglich.

vanDusen: Setzen sie sich zu den übrigen, Skinflint und verhalten sie sich ruhig, ich beginne, zwei plus zwei meine Herren gibt vier.

Hatch: Immer und überall.

vanDusen: Ja danke.

Hatch: Bitte.

vanDusen: In diesem Sinne lassen sie uns nunmehr zur Rekonstruktion des am gestrigen Abend in diesem Raum stattgefundenen Verbrechens schreiten.

Hatch: Der Prof beschrieb, wie die Herren Smith und Jones alias Frank und Elmar Clancy in ihren Spielpausen während sie sich angeblich im Bad aufhielten, den Panzerschrank geknackt und ausgeräumt hatten.

vanDusen: Danach warf ihnen der bereits erwähnte Komplize aus dem gegenüber-liegenden Haus ein Seil zu, welches sie, siehe Abriebspur auf dem Fensterbrett am unteren Teil des Fenstergitters befestigten, über dieses schräg nach unten führende Seil ließen sie sodann vermutlich mittels Haken und Rollen den Inhalt des Schrankes, Banknoten, Bündel und Beutel voller Gold dem Komplizen zukommen, der Beute folgten die bei ihrem verbrecherischen Tun benutzten Hilfsmittel, schließlich brachten sie über der aufgeschnittenen Stahlwand die ebenfalls unter dem Bett verborgen gehaltene Sprengladung an und befestigten an ihrem Zünder das vom Gitter gelöste Ende des Seils, nachdem eine gewisse Zeit verstrichen war, die Brüder Clancy hatten ihre Plätze am Spieltisch längst wieder eingenommen, bewegte der Komplize das Seil, und löste so die Explosion aus, nach welcher er das Seil eilens einzog, sie meine Herren stürzten in diesen Raum und standen vor einem unerklärlichen Verbrechen, unerklärlich für sie, jedoch nicht für Prof DrDrDrAugustus van Dusen, auf diese Weise hat sich die Tat abgespielt, meine Herren genauso wie sie vom Auftraggeber der Brüder Clancy geplant und minutiös vorbereitet war.

Steel: Schon wieder dieser mysteriöse Auftraggeber, wer soll denn das sein.

vanDusen: Denken sie nach, Superintendant.

Hatch: Zählen sie zwei und zwei zusammen.

vanDusen: Hatch bitte, wer muß gewußt haben, daß und wo die beim Verbrechen verwendeten Utensilien versteckt waren, wer hat die Brüder Clancy gerade an diesem Abend in die Bank eingeladen und vor allem wer hat in so auffälliger Weise Wert darauf gelegt zu Beginn des Abends ihnen Superintendant und natürlich auch ihnen mein lieber Hatch den gefüllten Panzerschrank ad oculos zu demonstrieren.

Steel: Skinflint.

vanDusen: Mr Jeremiah Skinflint, Manager der Handelsbank von Kanada, wollte sich nicht mehr damit zufrieden geben, die ihm anvertrauten Werte lediglich zu verwalten, er beschloß sie sich anzueignen und zwar auf eine höchst raffinierte Art, welche ihn so glaubte er von jedem Verdacht freistellen würde, aus den Vereinigten Staaten ließ er zwei Spezialisten, sogenannte Safeknacker, nach Dawson kommen.

Skinflint: Hören sie auf Prof, was sie da zusammenreden, sind doch nur Mutmaßungen, reine Spekulationen.

Steel: Das wird sich zeigen, Skinflint, sie sind festgenommen.

vanDusen: Und falls sie eines weiteren Beweises bedürfen, Superintendant, so wird ihnen dieser geliefert durch die Identität von Skinflints Komplizen, es handelt sich um.

Caprice: Hände hoch, meine Herren, du doch nicht Jeremiah.

vanDusen: Mrs Caprice, Star des Montecarlo, wo sie eine geräumige Garderobe ihr eigen nennt, im hinteren Teil des Gebäudes, Lassowerferin.

Caprice: Und Kunstschützin, also keine Dummheiten, meine Herren, nimm Steele und Walker die Waffen ab, Jeremiah, war doch gut, daß ich nicht gleich reingekommen bin, sondern vorher ein bißchen an der Tür gehorcht habe.

Steel: Sie sind der Komplize, Miss Caprice.

Caprice: Hören sie mal Steele, ich trag doch keinen Schnurrbart, Komplizin, wenn ich bitten darf.

Skinflint: Wo ist der Schlitten.

Caprice: Vor der Tür Jeremiah, ich hab alles besorgt, Decken, Proviant.

Skinflint: Und der Reibach.

Caprice: Sicher verstaut.

Skinflint: Gut, also dann, meine Herren.

vanDusen: Hören sie.

Skinflint: Ärgern sie sich nicht, Prof, einen Täter überführen und ihn erwischen, das sind zwei ganz verschiedene paar Stiefel.

Caprice: Küsschen ihr lieben.

Hatch: Wir waren eingesperrt. Wir waren eingesperrt, aber nicht lange, unsere beiden wackeren Mounties warfen sich mit solchem Pflichteifer gegen die Tür, daß sie bald nur noch aus Splittern bestand, trotzdem waren sie nicht schnell genug, als wir vor die Haustür stürzten, sahen wir den Hundeschlitten der Flüchtlinge gerade am Ende der Straße verschwinden.

Steel: Was jetzt.

vanDusen: Na hinterher natürlich.

Steel: Das ist nicht so einfach Prof, Skinflint hat das beste Huskygespann in ganz Dawson.

vanDusen: Na wenn schon.

Steel: OK versuchen wir es, laufen sie voraus zur Station, Walker, lassen sie anspannen.

Walker: Jawohl Chef.

Steel: Auch das noch. Walker so ein Trottel.

vanDusen: Bitte stehen sie auf Walker, beeilen sie sich, kommen sie ich helfe ihnen, stellen sie sich nicht so an, laufen sie zur Station, spannen sie die Hunde an.

Hatch: Im Hundeschlitten der Mounties, 8 kläffende Köter und ein Leithund folgten wir Skinflints Spuren, stundenlang jagten wir durch verschneite Wildnis in Richtung Süden, bis die Spur plötzlich nach Westen abknickte.

Steel: Das hab ich mir gedacht, unser Freund Skinflint ist kein Schischako.

Hatch: Was.

Steel: Greenhorn sagen sie in den Staaten, er will an die Küste nach Skagway und von da mit dem Schiff nach Seattle oder San Francisco, aber weil er natürlich weiß, daß es eine Telefonverbindung zwischen Dawson und unserem Grenzposten auf den White Pants gibt, versucht er es sozusagen durch die Hintertür, über den Malaspinagletscher, sehr riskant, aber er könnte es schaffen, los.

Hatch: Weiter jacherten unsere Huskies durch Eis und Schnee, bis sie Stunden später sich und uns mit letzter Kraft in ein kleines Goldgräbercamp schleppten.

Steel: Superintendant Steel, im Namen des Gesetzes, wir brauchen frische Hunde.

Goldgräber: Ich auch, Superintendant, ich auch.

Steel: Was soll das heißen.

Goldgräber: Vor einer halben Stunde waren zwei Fremde hier, Mann und Frau, haben sich meine besten Hunde ausgesucht und vor ihren Schlitten gespannt.

Steel: Na und, sie werden wohl ein übrig gelassen haben.

Goldgräber: Wie mans nimmt, Superintendant, meine anderen Hunde und die alten die liegen hier hinterm Blockhaus, sie haben sie erschossen.

Steel: Ja meine Herren, da kann man nichts machen, wir sind geschlagen.

vanDusen: Werfen sie die Flinte immer so schnell ins Korn, Superintendant, guter Mann, wie ich höre, arbeitet bei ihnen eine Motorpumpe.

Goldgräber: Ja hab ich mir aus den Staaten kommen lassen sauteuer, aber es lohnt sich.

vanDusen: Wären sie unter Umständen bereit, sie uns für eine gewisse Zeit auszuleihen gegen eine großzügige finanzielle Entschädigung versteht sich.

Hatch: Drei Stunden vergingen, dann setzte sich ein nie gesehenes Monstrum knatternd und qualmend in Bewegung und fegte über das bläuliche Eis des Malaspinagletschers, der Prof hatte den Pumpenmotor in unseren Schlitten gebaut, eine Kraftübertragung konstruiert und so ganz nebenbei den ersten funktionsfähigen Motorschlitten der Welt erfunden, Motorkraft ist stärker als Huskypower, bald sahen wir Skinflints Schlitten vor uns, zuerst nur als kleinen schwarzen Punkt, dann wurde er größer, immer größer, der Gletscher lief aus, vor uns lag eine Goldgräbersiedlung, wir fuhren fast gleichzeitig ein und hielten nebeneinander, Superintendant Steel sprang aus dem Schlitten.

Steel: Jeremiah Skinflint, Miss Caprice, ich verhafte sie im Namen der Königin.

Goldgräber: Langsam Freund, langsam, ihre Königin hat hier gar nichts zu sagen, sie auch nicht, sehen sie mal nach oben, die Fahne, das gute alte Sternenbanner.

Skinflint: Hipphipphurra, wir sind auf amerikanischem Boden, tut mir leid, meine Herren, wo sie sich so große Mühe gegeben haben, aber so ist das Leben.

Caprice: Angenehme Heimreise.

Goldgräber: Und zwar möglichst bald, sonst helfen wir nach.

Hatch: Augenblick Landsleute, ich bin amerikanischer Bürger und ich habe euch was zu sagen, dieser Typ der so unverschämt grinst, ist der Bankier Skinflint aus Dawson City und auf seinem Schlitten hat er eine runde Million in Gold und Scheinen, das hat er alles euren Kollegen in Dawson geklaut zusammen mit seiner Freundin.

Goldgräber: Stimmt das.

Steel: Jedes Wort.

Goldgräber: Dann sieht die Sache anders aus, wir sind hier nämlich sehr für Recht und Ordnung, he Kumpels, kommt mal her, hier ist eine Kleinigkeit zu erledigen.

Hatch: Es ging alles sehr schnell, eine halbe Stunde später hing Sklinflint am Fahnenmast.

vanDusen: Ein recht summarisches Verfahren.

Goldgräber: Das Gesetz der Grenze, Freund.

Hatch: Und Mrs Caprice, wollt ihr die etwa auch aufhängen.

Goldgräber: Aber woher Freund, wir sind Kavaliere, die Lady bleibt hier, lebenslänglich und macht sich nützlich, kochen, waschen und was noch so anfällt.

Caprice: Gotteswillen nur das nicht, lieber zurück nach Dawson, lieber ins Gefängnis, bitte meine Herren, helfen sie mir.

Hatch: Können wir das zulassen, Prof.

vanDusen: Wohl kaum, mein lieber Hatch, hören sie, Freund.

Hatch: Als wir im Motorschlitten nach Dawson City zurückfuhren, waren wir zu viert, van Dusen, ich, Superintendant Steel und Miss Caprice, der Prof hatte es geschafft, aber zu welchem Preis.

Steel: Eine Million, kein Mensch ist 1 Million Dollar wert.

vanDusen: Oh sagen sie das nicht.

Steel: Schon gar nicht dieses Tingeltangelflittchen.

Caprice: Sie sind aber nicht sehr galant.

Steel: Außerdem Prof, sie hatten gar nicht das Recht über Skinflints Beute zu verfügen.

vanDusen: Verehrter Superintendent, ich habe nicht wie sie zu implizieren scheinen Miss Caprice für 1 Mio Dollar eingehandelt, ich habe lediglich zugestanden, daß die Beute bis zur endgültigen juristischen Klärung in der treuhänderischen Obhut der Herren Goldgräber verbleibt.

Steel: Glauben sie denn im Ernst, daß wir davon noch was wiedersehen, keinen Dollarschein, Prof, kein einziges Körnchen Gold.

vanDusen: Vorsicht da ist eine Eisspalte, halten sie sich fest.

Hatch: Damit sollte er rechtbehalten, der gute Superintendant, als im Sommer eine kanadisch-amerikanische Kommission das Goldgräberlager aufsuchte, fand sie es leer vor, die Insassen waren verschwunden und mit ihnen Skinflints Millionen, soweit ich weiß, streiten Kanada und die USA sich noch heute um den Inhalt des Panzerschranks, wie sagte doch Skinflint, so ist das Leben.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Jeremiah Skinflint, Bankier: Helmut Ahner
Sam Steel von den Mounties: Helmut Krauss
Mr. Smith alias Frank Clancy: Wolfgang Condrus
Mr. Jones alias Elmer Clancy: Erwin Schastok
Miss Caprice, Künstlerin: Kerstin Sanders-Dornseif
Chefredakteur des Daily New Yorker: Eric Vaessen
Walker, ein Mountie: Hubertus Bengsch
1. Goldgräber: Till Hagen
2. Goldgräber: Norbert Schwarz
Matrose: Norbert Schwarz

Michael Koser: Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989)

Hatch: Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildromantische Bergwelt Montenegros, vorn auf dem Bock hockten Kutscher und Führer und innen stöhnte eine achtköpfige Reisegesellschaft.

Bernhardine: O Baltasar, es ist so heiß.

Bullrich: Wünschest du ein Taschentuch, teuerste, sudarium sudarii neutrum, meine Gattin ist blutarm.

Mayfair: Also wissen sie Dr. Bullrich, man braucht nicht blutarm zu sein, um bei dieser Hitze umzukommen, sehen sie mich an, ich hab eher zu viel Blut, was Franco.

Franco: Sisi Carissima.

Mayfair: Und ich schwitze wie verzeihen sie wie ein Schwein.

Bullrich: Sus Sus femininum.

Bernhardine: Und wie es hier riecht, Baltasar.

Hatch: Ihr Musterkoffer, Grenouille.

Grenouille: Missiö Hatch süwosapli, die edelsten Duftkompositionen aus Paris.

Tafelspitz: Nix da, von draußen stinkts eini, na was wollens, Montenegro, tschuschen, schauens doch aus dem Fenster, trostlos, Berge, nix wie Berge, kei Fabrik, kei Kaserne, kei Kultur, die schiere Wildnis, na wird halt zeit daß wir Österreicher auch hier a bißerl a Fortschritt bringen netwahr Herr Prof.

vanDusen: Bitte Herr von Tafelspitz, als amerikanischer Bürger fühle ich mich nicht berufen, zur nicht unumstrittenen Balkanpolitik ihrer Regierung Stellung zu beziehen.

Hatch: Immer weiter, immer höher, immer tiefer ins Gebirge, es war 12 Uhr mittags als wir endlich hielten, auf einer Felsplatte hoch über Schluchten und Abgründen, wir stiegen aus und unser Führer, ein munterer kleiner Grieche namens Dimitri erklärte uns die Landschaft.

Dimitri: Bitte sich umzuwenden hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu beachten am Horizont tiefblauen Schimmer. Oh. Adriatisches Meer, hochgeehrte Damen, hochgeschätzte Damen und daran anliegend wunderschönes Land Dalmatien.

Tafelspitz: Gehört uns.

Dimitri: Bitte nun Blick zu werfen auf rechte Seite, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, in ferne sie sehen Bosnien und Herzegowina.

Tafelspitz: Gehört auch uns.

Dimitri: Ein wenig weiterdrehen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, und was liegt vor ihren herrschaftlichen Füßen, gewaltige schwarze Berge in serbische Sprache genannt Tschernagora auf italienisch Montenegro.

Mayfair: Das gehört ihnen nicht, Herr von Tafelspitz.

Tafelspitz: Noch nicht gnä Frau Christian, noch nicht.

Dimitri: Nun hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, stehen sprachlos vor wunderbar schöner Landschaft, schöner als Maler kann malen, als photografischer Künstler kann fotografieren.

Bernhardine: Oh Baltasar wie wonnig.

Bullrich: Amönus amöna amönum.

Hatch: Der englische Schriftsteller Dr. Johnson hat mal gesagt ohne ein gemütliches Gasthaus im Vordergrund ist die schönste Landschaft keinen Pfifferling wert.

Bullrich: Banause, Philister, Homo obtusus.

Bernhardine: Ha, Baltasar.

Bullrich: Was ficht dich an, geliebtes Weib.

Bernhardine: Da Baltasar, da steckt einer, hinter dem Felsen. Ja.

Dimitri: Bitte sich nicht unberuhigen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu besichtigen Bergbewohner, Montenegriener, Tschernagorze, typisches Exemplar, romantisch wie Landschaft, malerisch in Pluderbeinkleid, goldbestickte Weste sowie Kappe, bitte ferner zu beachten hierzulande üblichen Schmuck der Waffen.

Hatch: Zwei Revolver, Säbel, Dolch, Patronengürtel, bißchen viel für einen einzelnen Herrn.

Mayfair: Sie haben aber auch immer was auszusetzen, Mr Hatch, ist doch sehr männlich so eine Aufmachung.

Bernhardine: Baltasar hier ist noch einer.

Franco: Ecco hier auch.

Bullrich: Und vor uns.

Mayfair: Und hinter uns.

Hatch: Und um uns herum.

Franco: Sie kommen näher.

Bullrich: Sollten wir nicht besser aufbrechen, meine Gattin ist nämlich blutarm.

Mayfair: Ach was machen sie sich nicht in die Hosen, Bullrich, das hat sich Firma Cook für uns ausgedacht, als Überraschung, was soll das werden, Dimitri, Volkstanz, lebende Bilder, Fruchtbarkeitsriten.

Gojko: Das ist Überfall, verhalten sie sich ruhig, folgen sie unsere Anordnungen, leisten sie keine Widerstand.

Tafelspitz: Jessasna.

Hatch: Die sehen mir nicht aus wie Angestellte der Firma Cook und wie biedere Bergbauern auch nicht.

vanDusen: Wohl kaum, ohne Zweifel handelt es sich bei diesen martialischen Herrschaften um wie der Dalmatiner sich ausdrückt, Molaken oder auch Uskopen, in Griechenland heißen sie Kleften, in der Ukraine Heidermarken, Dakeutz in Indien, Rugaruga in Ostafrika, hierzulande pflegt man sie sofern ich nicht irre Rasbonditschi oder auch Heiduken zu nennen.

Hatch: Ach ja und was würde ein sprachlich nicht so gebildeter Zeitgenosse sagen, einer wie ich zum Beispiel.

vanDusen: Nun Wegelagerer vermutlich Banditen, Räuber.

Bullrich: Latro latronus maskulin.

Gojko: So ist es ihr Herren, Räuber sind wir, ehrsame Räuber die im Schweiße ihres Angesichts ihrer Arbeit nachgehen, in aller Bescheidenheit.

Bernhardine: O gott Baltasar Räuber wie fürchterlich.

Tafelspitz: Na typisch Räuber auf offener Straße, a Wirtschaft ist das hier.

Mayfair: Was für ein Abenteuer, leibhaftige Räuber, bitte meine Herren, bedienen sie sich, meine Börse, meine Ringe, mein Strumpfband.

Gojko: Später, sie kommen alle mit.

Grenouille: Wohin missiö.

Gojko: In die Berge.

Bullrich: Zu Fuß.

Gojko: Selbstverständlich zu fuß, auf herrschaftliche Kutschen sind unsere bescheidenen Pfade nicht eingerichtet.

Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm.

Und der Kutscher.

Gojko: Den brauchen wir nicht. Ah. Los, ein bißchen munterer, wenn ich bitten darf, wir haben einen langen Weg vor uns.

Hatch: Lang und heiß und mühsam, rauf und runter, durch Felsen und Geröll über einen halsbrecherischen Klettersteig, auf dem sogar einer montenegrinischen Bergziege schlecht geworden wäre, trotzdem kamen wir zügig voran, auch die blutarme Frau Bullrich, dafür sorgte ab und zu ein Stoß mit dem Gewehrkolben, nach stunden, die Sonne fing schon an hinter die hohen Gipfel im Westen zu rutschen, erreichten wir unser Ziel, ein Mauerviereck, prekär an eine steile Bergwand geklebt, wir wurden über eine Zugbrücke getrieben, die man hinter uns hochzog und blieben im Innenhof stehen vor einem holzgeschnitzten Stuhl auf dem hochgewachsener Greis saß mit einem gewaltigen Walroßschnauzbart, er musterte uns scharf und hob die Hand.

Drako: Hochverehrte Gäste, seien sie gegrüßt ich freue mich daß so zahlreich der Einladung gefolgt sind, die mein Sohn Gojko an der Spitze unserer Männer ihnen überbracht hat und heiße sie willkommen auf Burg Urosch, dem Stammsitz der ruhmreichen Sippe Wassojewitsch, ich bin das Oberhaupt, der Poglawica, Drako Wassojewitsch und mit wem habe ich die Ehre, sie dort mein Sohn, treten sie vor, nennen sie mir ihren Namen.

Grenouille: Jean-Baptiste Grenouille.

Drako: Schante, aus Paris.

Grenouille: Mewie missiö.

Drako: Ah Paris die Hauptstadt der Welt, was ist ihre Profession, Mr Grenouille.

Grenouille: Ich bin Geschäftsreisender Missiö für unsere großen Parfümerien, hier mein Musterkoffer, gestatten sie daß ihnen bzw den reizenden Damen ihres Hauses ein paar Proben.

Drako: Eines nach dem anderen Monsieur Grenouille, haben sie Geld.

Grenouille: Ein paar Franc Missiö.

Drako: Aha und zu hause Mr Grenouille ein Sparstrumpf, ein Konto, Rentencoupons.

Grenouille: Nichts von alledem Missiö leider.

Drako: Leider, sie sagen es, Monsier Grenouille, kümmere dich um ihn Gojko.

Gojko: Ja Vater.

Grenouille: Ah.

Mayfair: Hören sie mal was fällt ihnen ein, der arme Mr Grenouille, wo sind wir hier eigentlich.

Drako: In Montenegro, Weib, und in Montenegro haben Frauen im Rat zu schweigen.

Mayfair: Was gehen mich ihre hinterwäldlerischen Sitten an, ich bin Engländerin, Rhoda Mayfair, weltberühmte Schriftstellerin, Verfasserin von Liebe in Fesseln, eine Insel für zwei, Lebwohl auf ewig, Flammen der Leidenschaft, usw usw Millionenauflagen, Übersetzung in alle besseren Sprachen, sie haben bestimmt schon was von mir gelesen das heißt falls sie lesen können natürlich.

Drako: Das Buch des Montenegrieners ist sein Revolver, sind sie reich Mrs Mayfair.

Mayfair: Miss Mayfair bitte, lassen sie ihre Flinte unten, Gojko oder wie sie heißen, ich hab genug, ich kann zahlen.

Franco: Und ich Carissima.

Mayfair: Für dich zahl ich auch Franco, das bin ich doch gewohnt, stell dich vor.

Franco: Si carissima, Franco Peroni, Italiano.

Mayfair: Mein Sekretär und wie ich immer sage Knabe für alles.

Drako: In Ordnung, jetzt sie, ja sie meine ich mit dem Kneifer.

Bullrich: Statum exemplum, domine referendissime, Bullrich, Baltasar Bullrich, Dr. der Philosophie, aus Hannover im deutschen Reich, Oberstudienrat, klassische Sprachen, mein Gattin Bernhardine, sie ist blutarm.

Drako: Oberstudienrat eine Person von Gewicht wie es scheint, auch von Vermögen.

Bullrich: Nun domine referendissime einerseits.

Drako: Gojko.

Bullrich: Andererseits ein wenig Geldes ist vorhanden, pecunia, pecunium femininum oder auch argentum argenti neutrum.

Drako: Gut mein Sohn, der nächste.

Dimitri: Ich nur Reiseführer großmächtiger gospodar, bescheidener Name Dimitri.

Tafelspitz: Gusch, las uns gütigst besseren Leuten den Vortritt, alsdann Nepomuk Edler von Tafelspitz, habe die Ehre, Offiziar im kaiserlichköniglichen Finanz-ministerium in Wien, leidlich vermögend.

Drako: Sieh da, im Gegensatz zu unseren Fürsten schätzen wir Wassojewitsch die Österreicher, und die letzten beiden Herren.

vanDusen: Prof van Dusen.

Hatch: Hutchinson Hatch, Journalist beim Daily Newyorker, Amerikaner wie der Prof.

Drako: So ein Gelehrter und ein Zeitungsschreiber, wahrlich keine fette Beute, sie gehören dir Gojko.

Hatch: Moment mal alter Knabe sie haben keine Ahnung wer vor ihnen steht, Prof DrDrDrAugustus van Dusen in aller Welt voll Ehrfurcht die Denkmaschine tituliert ist der bedeutendste Wissenschaftler, Erfinder und nebenbei Amateurkriminologe den die Erde je gesehen hat, seine zahllosen Patente haben ihn zum Krösus gemacht.

vanDusen: Mein lieber Hatch, sie übertreiben wieder mal.

Hatch: Klappern gehört zum Handwerk, ich selbst Hutchinson Jefferson Hatch nenne einen Herrn Vater mein eigen welcher mehr Dollars besitzt denn Dagobert Duck.

Drako: Wer soll sein Dagobert Duck.

Hatch: Von Rockefeller ganz zu schweigen, und was sie betrifft alter Knabe sie können uns überhaupt nicht imponieren, Räuberhauptmann in Montenegro was ist das schon, da kennen wir ganz andere, der Prof und ich, Präsident Theddy Roosevelt, König Edward von England, Kaiser Willhelm.

Drako: Schweigen sie, nun denn, als Lösegeld setze ich pro Person die Summe von 1000 Mariatheresiataler fest.

vanDusen: Rund 1060 Dollar.

Drako: Auch Mrs Mayfair und Frau Bullrich haben den vollen Betrag zu entrichten.

Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm.

Drako: Da in ihren Heimatländern die ausgefallene Ansicht vorzuherrschen scheint, eine Frau sei ebenso viel wert wie ein Mann, ich werde einen Boten nach Kataro entsenden, auf daß er sich bei ihren Konsulaten um das Geld bemühe, in drei Tagen am 19. August wird er sich wieder auf Burg Urschusch einstellen, wenn nicht übernimmt Gojko das weitere.

Hatch: Alles klar alter Knabe und wenn er mit den Talern pünktlich anmarschiert.

Drako: Werden sie alle entlassen, mit dank und unsern besten Wünschen.

Hatch: Wirklich, wer garantiert uns das.

Drako: Wir sind Ehrenmänner, mein Herr, ich gebe ihnen mein Wort.

Hatch: Na da bin ich aber beruhigt.

Drako: Seien sie in der Zwischenzeit unsere Gäste, sie dürfen sich innerhalb der Burg frei bewegen.

Hatch: Kunststück bei hochgeleierter Zugbrücke.

Drako: Sie können tun was immer sie wollen, mit zwei Ausnahmen, mein Vorkoster ist gestern ein Opfer eines Berufes geworden, ein Hammelknochen in der Luftröhre, ihr für mich ansonsten wertloser Führer wird seine Stelle einnehmen und meine Speisen kosten, bevor ich sie selbst zu mir nehme, eine hierzulande unumgängliche Vorsichtsmaßnahme.

Hatch: Pech für Dimitri, und die zweite Ausnahme.

Drako: Sie, Mr Hatch sind ein sympathischer Mensch, zurückhaltend, bescheiden, gerade sie darauf lege ich wert, sollen sich bei uns wie zu hause fühlen deshalb werden sie Gelegenheit erhalten, sich nützlich zu machen, in der Küche aushelfen, servieren, was so anfällt.

Hatch: Ok wenn sie mir den Lohn vom Lösegeld abziehen.

Drako: Genug, Gojko.

Gojko: Ja Vater.

Drako: Führe unsere Gäste in ihre Quartiere.

Hatch: Die Quartiere bestanden aus ein paar kahlen Löchern möbliert mit antiken Strohsäcken, an denen alles vermodert war, nur nicht die lieben Tierchen die putzmunter darin herumhüpften und krabbelten, waschen konnten wir uns an der sparsamen Pumpe im Hof und was die übrigen sanitären Einrichtungen betrifft die übergehe ich wohl besser mit schweigen, kein wunder daß wir sog. Gäste uns am nächsten morgen kaum von den Gastgebern unterschieden, nur Tafelspitz, der edle Wiener war sauber, glatt wie aus dem Ei gepellt, naja Adel verpflichtet, die Räuber schlichen trübe durch die Gegend, sie hatten nachts den Musterkoffer des seligen Mr Grenouille ausgetrunken und das war ihnen nicht gut bekommen, auch van Dusen wirkte finster, aus guten Grund, man hatte ihn bestohlen.

vanDusen: Sehen sie mein lieber Hatch, meine schwarze Tasche.

Hatch: Ihr chemophysikalisches Miniaturlabor, meinen sie Prof.

vanDusen: Eben dieses, mein lieber Hatch, des Nachts während ich schlief wurde es gewaltsam geöffnet.

Hatch: Ach ja und fehlt was.

vanDusen: wie es scheint wurde lediglich ein Fläschchen mit HCl vulgo Salzsäure entwendet.

Hatch: Sowas, die schlucken hier wohl alles.

vanDusen: Um gottes willen Hatch.

Hatch: Und sonst haben sie keine sorgen Prof, arbeiten sie lieber einen Fluchtplan aus.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich denke nicht daran, einige Tage relativer Unbequemlichkeit, der Verlust einer nicht allzugroßen Summe, deshalb das Risiko einer gefahrvollen Flucht durchs Gebirge einzugehen, lohnt wahrlich nicht, fassen sie sich ein bißchen in Geduld.

Gojko: Los, los, Mr Hatch an die Arbeit, in die Küche marsch.

Hatch: Und ich in der Küche wurde ich ganz schön in Atem gehalten, erst ausfegen dann Kartoffelschälen und schließlich Maisbrei rühren, stundenlang, eine verantwortungsvolle wenn auch reichlich stumpfsinnige Tätigkeit, Führer Dimitri, der zwischen den Mahlzeiten frei hatte, leistete mir Gesellschaft, an einer etwas abseits gelegenen Feuerstelle stocherte er in einem Topf herum.

Hatch: Was brutzeln sie denn, das riecht ja seltsam.

Dimitri: Sehen doch Knochen von Schaf.

Hatch: Abgenagte Hammelknochen und Wasser, was soll das werden wenn es fertig ist.

Dimitri: Sie nichts angehen Mr Hatch kümmern um eigene Angelegenheit, bitteschön, rühren fleißig Kukuruzs sonst brennen an und Räuber böse.

Hatch: Auch gut, ansonsten ereignete sich nichts an diesem Tag, oder doch, beim gemeinsamen Abendessen hatte der edle Tafelspitz eine Ankündigung zumachen.

Tafelspitz: Sans a bißl still ich bitt schön.

Drako: Ruhe.

Tafelspitz: Naja verehrte Anwesende, Damen und Herren Räuber sowie geschätzte Mitgefang wollte sagen Gäste, am morgigen Tag schreiben wir den 18 August und wie jeder brave Österreicher weiß, geruht sich am 18 August der holdselige Geburtstag seiner allergnädigsten kaiserlichköniglichen Majestät Franz Josef zu zu stattzufinden.

Hoch soll er leben.

Tafelspitz: Ich bin kei Redner verehrte anwesende, doch es drängt mich zu konstatieren, daß so ein glorreicher patriotischer Feiertag ja gefeiert werden muß, auch unter widrigen oder sagen wir ungewöhnlichen Umständen, nun ich machs kurz, anläßlich des erhabenen Anlaßes erlaube ich mir alle verehrten anwesenden zu einem Festmahl einzuladen, morgen abend soll hier aufgetischt werden, was Küche und Keller vermögen, zu ehren seiner Majestät.

Drako: Für die Kosten aber kommen sie auf Herr von Tafelspitz.

Tafelspitz: I zahl alles.

Die Getränke auch.

Tafelspitz: Na selbstverständlich.

Hatch: Da, jetzt steckt er sich schon wieder eine Havanna an.

vanDusen: Wen meinen sie, mein lieber Hatch.

Hatch: Den Tafelspitz, das ist jetzt die fünfte, ich habe mitgezählt und ich armes Schwein habe seit gestern nichts mehr zu rauchen.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, so hat unser erzwungener Aufenthalt in dieser Wildnis denn doch sein gutes, sie werden wenn auch wie ich zu befürchten Anlaß habe lediglich für wenige Tage dem Laster des Nikotingenußes entsagen müssen.

Hatch: Am 18 August gegen 6 Uhr abend fing es an das rauschende Festmahl für Kaiser Franzjosef und alle waren bester Stimmung alle bis auf Hutchinson Hatch ihren ergebenen Diener, und letzteres meine ich wortwörtlich, vom frühen morgen an hatte ich mir am Herd die Beine in den Bauch gestanden, und jetzt mußte ich sie mir wieder ablaufen, Schüsseln, Töpfe, Flaschen schleppen, vorlegen, eingießen, immer auf trab, auch der gute Dimitri machte übrigens keinen ganz glücklichen Eindruck, er war im Dienst und stand unter dem Stuhl des Häuptlings und sah ausgesprochen nervös aus, wahrscheinlich hoffte er inständig daß niemand auf die Idee kam den alten gerade jetzt zu vergiften, wie gesagt, es war ein rauschendes Fest, von Tafelspitz hielt eine Rede, alle schrien hurra, der Gusla, der lokale Barde griff in die Seiten das heißt in die Seite, denn das traditionelle Instrument dieser Landstriche, die Guslar hat nur eine, der Guslar besang endlos und steinerweichend die Heldentaten der edlen Räuber vom Stamme Wassojewitsch und es wurde gegessen.

Gojko: Der erste Gang, saure Kraupensuppe mit Kuttel.

Hatch: Es wurde gegessen, aber nicht einfach drauf los, sondern nach strenger Etikette, der Chef nahm seinen großen silbernen Löffel, tauchte ihn in seine Schüssel und reichte ihm gefüllt dem Vorkoster, der steckte ihn den Mund, schluckte, gab ihn zurück, eine Minute gespanntes warten und wenn der Vorkoster dann noch am Leben war, fing der Chef an zu essen und gab so das Signal zum Beginn der allgemeinen Brekelei.

Gojko: Der zweite Gang, Hammel am Spieß gebraten.

Bullrich: Hammel am Spieß.

Hatch: Mit Salz, Knoblauch, Zwiebeln und Fladenbrot, nicht raffiniert aber reichlich, das konnte man auch vom dritten Gang sagen, als Dessert gab es einheimischen Landwein blutrot und essigsauer oder Slibovicz ganz nach Wunsch und dabei meine Damen und Herren ist es dann passiert, ich entkorkte eine Weinflasche, goß dem alten Drako Wassojewitsch ein, der nahm einen großen Schluck, stellte das Glas ab, plötzlich sprang er auf mit verzerrtem Gesicht krampfte beide Hände um den Hals.

Gojko: Vater, vater, vater was hast du.

vanDusen: Er ist tot.

Gojko: Tot, vergiftet.

vanDusen: Ja ohne jeden Zweifel.

Gojko: Dann weiß ich, wer ihn auf dem Gewissen hat, du warst es.

Hatch: Ich.

Gojko: Ja du Hutchinson Hatch aus Amerika.

Hatch: Das ist doch nicht ihr Ernst, ich mach ja jeden Blödsinn mit aber.

Gojko: Du hast den Korken aus der Flasche gezogen, du hast den Wein eingeschenkt, und dabei hast du das Gift hineingetan, nur du konntest das tun.

Hatch: Aber warum sollte ich denn.

Gojko: Du hast meinen Vater getötet, unseren Häuptling, du bist der Blutrache verfallen, bindet ihn, du wirst deine Tat sühnen und diese Sühne wird schrecklich sein, holt einen Pfahl, spitzt ihn an.

Hatch: Wieso Pfahl.

Gojko: Weil wir dich pfählen werden du Hund.

Hatch: Und wie macht man das.

Gojko: Du wirst auf einen hohen spitzen Pfahl gesetzt hier vor unser aller Augen und wir werden zuschauen wie du schreist und dich windest wenn die Spitze in dein Gedärm dringt tiefer und tiefer, Höllenqualen wirst du leiden.

Hatch: Sagen sie mal wollen sich wirklich so viele Mühe machen.

Pope: Haltet ein meine Kinder, höret den Mann Gottes.

Gojko: Was willst du Pope, mach es kurz.

Pope: Seid ihr Türken, seid ihr Heiden, nein das seid ihr nicht, Christen seid ihr und so handelt denn auch an diesem Menschen wie es Christen geziemt mit Sanftmut und Milde.

Gojko: Nicht pfählen.

Pope: Nein mein Sohn dies wäre unchristlich.

Gojko: Was sollen wird dann mit ihm machen, schlag was vor Pope.

Pope: Nun mein Sohn warum schneiden wir ihm nicht einfach den Kopf ab, so haben schon unsere frommen Vorväter Mord und Totschlag geahndet.

Gojko: Das ist viel zu leicht für den Kerl Pope.

Pope: Nicht wenn wir ein ganz besonders stumpfes Messer benutzen mein Sohn.

Hatch: Prof tun sie doch was, helfen sie mir.

vanDusen: Meine Herren leihen sie mir für einen Augenblick ihr Ohr, bei allem Verständnis für ihren berechtigten Unmut, zügeln sie ihren Übereifer, begehen sie keinen Fehler den sie später bereuen könnten, Mr Hatch lassen sie sich das von mir gesagt sein, Mr Hatch ist nicht der Mörder.

Gojko: Sie können uns viel erzählen, sie sind sein Freund.

vanDusen: Zunächst einmal bin ich Prof DrDrDrAugustus van Dusen Amateur-kriminologe von nicht gewöhnlichem Ruf, und als solcher versichere ich ihnen, Mr Hatch ist unschuldig, hören sie auf mich, meine Herren, bei einem Gift welchem ihr dahin geschiedner Häuptling zum Opfer fiel, handelt es sich, der typische Bittermandelgeruch an seinen Lippen beweist es, um eine der Zyanverbindungen.

Gojko: Was.

vanDusen: Zyan Wasserstoff besser bekannt als Blausäure, oder Kaliumzyanatum, kurz Zyankali, beide gehören bekanntlich zu den rapiden in sekundenschnelle wirksam werdenden Giften.

Gojko: Natürlich der Wein.

vanDusen: Sie irren, mein bester, überzeugen sie sich selbst, weder die Flasche noch das Glas erhalten auch nur eine Spur von Zyan.

Gojko: Überzeugen ja wie denn.

vanDusen: Mittels ihrer Nase, mein bester riechen sie.

Gojko: Ah, nein, nein keine bittere Mandel.

vanDusen: Bitte.

Gojko: Das ist unmöglich Prof sie sagen das Gift wirkt sofort und wenn im Wein keins war wie ist mein Vater dann vergiftet worden, sicher er hat vorher Graupensuppe gegessen und Hammelbraten aber das lag eine halbe Stunde oder noch länger zurück und dann wäre ja auch der Vorkoster daraufgegangen, die ganze Sache ist.

vanDusen: Ein Rätsel wollen sie sagen, ich stimme ihnen zu, ein nicht uninteressantes kleines Problem, eine kriminologische Herausforderung, der ich mich stellen werde, ich übernehme den Fall.

Hatch: Für mich, danke Prof, ich danke ihnen.

vanDusen: Ihretwegen mein lieber Hatch ja dies auch doch in erster Linie sehe ich mich motiviert durch die mysteriösen Umstände, die scheinbare Unvereinbarkeit der Fakten, die Aura des auf den ersten Blick Unmöglichen, geben sie mir Zeit bis Morgen mein bester und ich werde ihnen den Täter präsentieren.

Hatch: Manchmal kann er recht innervierend sein der Prof aber wie ich immer sage besser ein enervierender Prof als ein angespitzter Pfahl, Gojko vertagte seine unfreundlichen Absichten, er blieb aber mißtrauisch, nicht nur mir gegenüber, Gojko sperrte uns acht Gäste alle zusammen in einen Kellerraum und stellte eine Wache vor die Tür, da saßen wir nun und versuchten uns auf die Ereignisse der letzten Stunden einen Vers zu machen.

Tafelspitz: Na was sag ich kein Anstand die Tschuschen, ausgerechnet an Kaisers Geburtstag muß er sich umbringen lassen, der Frechling, der Ausgschamte.

Dimitri: Herr Prof sagen bitte Wer ist Mörder.

Bullrich: Sicarius sicarii maskulin.

vanDusen: Doch wohl eher venefikus Dr Bullrich wir haben es mit einem Giftmischer zu tun, nicht mit einem Messerstecher.

Bullrich: Requie, Herr Kollege.

Bernhardine: Baltasar es ist ja alles zu furchtbar.

Bullrich: Beruhige dich teuerste, sie wissen ja meine Gattin ist blutarm.

Mayfair: Also ich glaube es war dieser Goyko, der hat seinen Vater umgebracht.

vanDusen: In der tat Miss Mayfair von wannen wart solche Weisheit.

Mayfair: Machen sie sich nur lustig, Prof ich weiß was ich sage, Gojko hat ein Motiv.

Bullrich: Causa causae femininum.

Mayfair: Jetzt ist er nämlich Häuptling oder poglawica wie die hier sagen gut kombiniert was.

Franco: Brava carissima, du bist so klug wie senior Sherlock Holmes.

Hatch: Auch das noch.

vanDusen: Kommen sie mein lieber Hatch.

Hatch: Der Prof winkte mich in eine Ecke und fing an mich über Dimitri auszufragen ob mir irgendetwas Ungewöhnliches an oder bei ihm aufgefallen sei, vielleicht in der Küche und ich erzählte ihm daß Dimitri gestern Hammelknochen ausgekocht hatte.

vanDusen: Aha hochinteressant mein lieber Hatch, vor allem in Zusammenhang mit der aus meiner schwarzen Tasche entwendeten Salzsäure, die Konturen des Falles beginnen sich zu klären.

Hatch: So na mir soll alles recht sein, wenn die Brüder mich nur nicht auf den Pfahl setzen oder mir den Kopf abschneiden.

vanDusen: Seien sie unbesorgt mein lieber Hatch, es ist spät, begeben wir uns zu Ruhe.

Hatch: Rotwein mit Sliwowiz ist ein ausgezeichnetes Schlafmittel, ich träumte von einer wunderbar duftenden Havanna, plötzlich gerade als ich anrauchen wollte, verwandelte sie sich in einen spitzen Holzpfahl.

Bernhardine: Ha.

Hatch: Ich schreckte hoch, riß die Augen auf, sah daß es schon hell war und hörte wie Frau Bullrich aus vollem Halse schrie.

Bernhardine: Da liegt er Baltasar auf seinem Strohsack und überall Blut.

Bullrich: Sanguies sanguie maskulinum, laß sehen geliebtes Weib, in der Tat, Dimitri ist tot, mortus, mortum.

vanDusen: Kein Zweifel Dr Bullrich, seine Kehle ist durchschnitten.

Bullrich: Und da sein offenes Taschenmesser blutbefleckt neben seiner rechten Hand liegt bedarf es keinerlei meisterdetektivischen Scharfsinns Selbstentleibung zu konstatieren, mors voluntaria.

vanDusen: Meinen sie, aus welchem Grund sollte unser Führer sich töten.

Hatch: Der Grund zeigte sich als wir die Taschen der Leiche durchsuchten, ein kleines Stück weißer Substanz das aussah wie das Ende einer Zuckerstange.

Bullrich: Oder wie Kreide, creta creatae femininum, lassen sich mich einmal kosten, Mr Hatch.

vanDusen: Um gotteswillen nicht in den Mund, legen sie das Stück ab mein lieber Hatch und waschen sie sich bei nächster Gelegenheit gründlichst die Hände, ja wie ich erwartet habe, Zyankali, bekanntlich wird dies hochgiftige Salz in form solcher Stangen gehandelt.

Hatch: Zyankali, na dann ist ja alles klar.

Mayfair: Dimitri hat den alten Häuptling vergiftet.

Franco: Nichte Gojko, carissima.

Bullrich: Und dann er gemerkt, daß sie ihm auf die Schliche gekommen sind, Herr Kollege.

Mayfair: Sie haben ja laut genug geredet gestern abend.

Bullrich: Und deshalb hat er sich eigenhändig entleibt.

Hatch: Aus Angst vor Blutrache.

Bullrich: Quod erat demonstrandum.

Bernhardine: Ja wer hat denn nun wen umgebracht Baltasar.

Bullrich: Ich werde es dir später explizieren, teuerste, meine Gattin ist ja so blutarm.

vanDusen: Auch ich werter Dr Bullrich meine Herrschaften bin mir des tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse nicht so sicher, wie sie es zu sein scheinen, in einem Punkte kann ich allerdings voll und ganz beipflichten, Dimitri unser Führer hat dem Oberhaupt der Sippe Wassojewitsch Zyankali appliziert.

Mayfair: Ja und das sagen sie so leicht dahin Prof.

vanDusen: Warum nicht, Miss Mayfair sie haben doch die gleiche Behauptung aufgestellt.

Mayfair: Naja wo er doch das Gift in der Tasche hatte aber sonst, wissen sie denn wie er den alten vergiftet hat Prof.

vanDusen: Gewiß weiß ich das, Miss Mayfair.

Mayfair: Ja und wollen sie es uns nicht verraten, bitte.

vanDusen: Meine Herrschaften, angesichts ihrer Inständigkeit erkläre ich mich gern bereit ihrem Ersuchen stattzugeben.

Hatch: Wie gern.

vanDusen: Jedoch nicht an diesem tristen Orte, Prof van Dusens Aufklärungsvortrag erheischt einen anderen, einen würdigeren Rahmen, Wächter rufen sie mir ihren Häuptling.

Hatch: Zehn Minuten später standen wir auf dem Hof, alle, auch der edle Tafelspitz, der sich aus dem Trubel um den toten Dimitri vornehm rausgehalten und derweil seelenruhig rasiert hatte, vor einem Taschenspiegel, natürlich hatten sich auch sämtliche Wassojewitsche eingefunden, schließlich wollten sie erfahren, wer ihren alten Chef ermordet hatte, der Prof stieg auf den großen Banketttisch, sah sich um, und fing an.

vanDusen: Wertes auditorium, zwei plus zwei, nicht zum ersten male finde ich Veranlassung auf diese unbestreitbare Tatsache hinzuweisen, zwei plus zwei ergibt vier.

Hatch: Immer und überall.

vanDusen: Oder lassen sie es mich anders ausdrücken, ausgekochter Hammelknochen plus Salzsäure ergeben nun.

Bullrich: Nesciore domine Kollege.

vanDusen: Die Summe heißt Gelatine, dieser Stoff hierzulande fraglos noch wenig bekannt findet Mrs Mayfair und Frau Bullrich werden es bestätigen, bei uns zuhause immer häufiger Verwendung in der feinen Küche, bei der Komposition von Gelee beispielweise.

Bernhardine: Aspik Prof, Aspik auch.

vanDusen: Daran zweifele ich nicht Frau Bullrich, auf welche Weise wertes Auditorium wird Gelatine hergestellt, man nehme Knochen, reinige sie sorgsam und befreie sie sodann mittels Applikation von Salzsäure von anorganischen Bestandteilen, das heißt von phosphorsaurem und kohlesaurem Kalk, zurück bleibt eine knorpelartige Substanz, welche man nun in Wasser solange kocht bis sie sich auflöst, den bei milder Hitze reduzierten Sud läßt man erstarren, möglichst in platten Formen, bei Ermangelung solcher tut es auch ein flacher Teller und fertig ist die Gelatine, ein spröder glänzender durchsichtiger Stoff, in praxi die reine Erscheinungsform von Glutin oder Knochenlaib.

Tafelspitz: Na dankschön für die Nachhilfe aber ich seh nicht ein was das damit zu tun hat.

vanDusen: Warten sies ab Herr von Tafelspitz, nach dieser Methode welche dies sei am Rande angemerkt nach meinem franz. Kollegen Darfi benannt zu werden pflegt hat Dimitri, unser Reiseführer, Gelatine produziert, hier auf Burg Urusch, er hat wie Mr Hatch bezeugt, Knochen gekocht, nachdem er diese, daran kann ja wohl kein Zweifel obwalten, mit hilfe der meiner Person entwendeten Salzsäure vorschriftsmäßig gesäubert hat.

Franco: Bene bene Prof, materke, warum.

vanDusen: Gelatine, Senior Peroni, wertes auditorium, stellt eine im Endstadium relativ resistente Substanz dar, eine Substanz welche von Säure, etwa der menschlichen Magensäure nur langsam aufgelöst wird.

Hatch: Aha.

vanDusen: Ganz recht mein lieber Hatch, aha, wir wissen Drako Wassojewitsch hat das Zyankali nicht im Wein zu sich genommen, angesichts der bekannt schnell Wirkung des Giftes kann es ihm auch nicht in der vorher genossenen Speise beigebracht worden sein, so dachte man, und so sollte man denken, wenn jedoch die Zyankalidosis in Gelatine eingeschlossen war, so mußte zwischen Einnahme und Resultat eine gewisse Zeitspanne liegen, eine halbe, eine ganze Stunde, je nach Stärke der Gelatine.

Bullrich: Das tödliche Gift befand sich also in einer der Speisen, cibus cibu maskulin.

vanDusen: Aber so werden sie fragen, wie konnte es in diesem Fall geschehen, daß der als Vorkoster fungierende Dimitri nicht am Gift zugrunde ging.

Hatch: Ja.

vanDusen: Zyankali, wertes Auditorium ist ein höchst intensives Gift, die tödliche Dosis liegt noch unter ein halben Gramm, das bedeutet die zur Ausführung des Mordes notwendige Gelatinekapsel brauchte nicht größer zu sein als sagen wir ein Getreide- oder Pfefferkorn, eine so winzige Kapsel kann mit Leichtigkeit für eine gewisse Zeit im Munde verborgen gehalten, unbemerkt auf einen Löffel geschoben und mit diesem in die Schüssel des Opfers praktiziert werden, besonders einfach erscheint eine solche Manipulation oder sollte ich korrekter Linguapulation sagen wenn es sich bei der betreffenden Speise um eine Graupensuppe handelt, sieht doch eine kleine Kapsel aus heller Gelatine mit einem ebenfalls hellen Zyankalikern einer Graupe täuschend ähnlich.

Hatch: Ah darum sah Dimitri beim vorkosten so angespannt aus, naja wenn er das Ding ausversehen runtergeschluckt hätte.

Gojko: Ein besonders heimtückischer Mord, aber plausibel, so wie sie es erklärt haben ProfvanDusen, ich bin überzeugt, wir alle sind überzeugt, Dimitri hat meinen Vater getötet, aber warum, Prof warum, das verstehe ich nicht.

vanDusen: Meine Ausführungen wertes auditorium sind noch nicht beendet, Dimitri der Mörder war lediglich ausführendes Organ.

Gojko: Ich muß sie unterbrechen Prof, Milosch, der Bote den mein Vater nach Kataro geschickt hat, ist zurück, Milosch hast du das Lösegeld.

Milosch: Jawohl Chef, hier.

Hatch: Der muntere Mann mit dem Geld war dar, und was dann auf Burg Urusch los war, das hätten sie erleben sollen meine Damen und Herren, welch ein Jubel welch ein Leben, alle drängten sich um Milosch und seinen Sack voll glänzender Silbertaler, Mord und Mörder waren vergessen oder wären vergessen gewesen wenn van Dusen sich nicht energisch gehör verschafft hätte.

vanDusen: Ruhe, ich ersuche um Ruhe, lassen sie mich wenn ich bitten darf meinen Vortrag in aller gebotenen kürze zu Ende führen oder haben sie kein Interesse daran zu erfahren wer Drako Wassojewitsch wirklich.

Hatch: Seid doch mal ruhig.

Gojko: Aber das wissen wir doch Prof, Dimitri.

vanDusen: Wie ich bereits anmerkte war Dimitri lediglich Handlanger, Helfershelfer, Befehlsempfänger, er hat den Mord begangen in der tat, doch ein anderer führte ihm die Hand, ein anderer plante, zog die Drähte, dieser andere ist der eigentliche, der wahre Mörder, der Mörder von Drako Wassojewitsch und von Dimitri.

Bullrich: Dimitri hat Selbstmord begangen.

vanDusen: Nullo modo Dr Bullrich, Dimitri wurde ermordet, zwei gewichtige Gründe hatte der Mörder für diese seine tat, erstens nachdem er meiner Unterredung mit Mr Hatch entnommen hatte ich sei seinem Komplizen auf der Spur, wollte er diesen daran hindern ihn zu verraten, und zweitens der vorgetäuschte Selbstmord hatte die Funktion Dimitri als Sündenbock auszuweisen und so die Aufmerksamkeit vom Drahtzieher im Hintergrund abzulenken.

Mayfair: Wieso vorgetäuscht sein blutiges Messer lag doch direkt daneben.

vanDusen: Eine präparierte falsche Spur welche uns in die irre führen sollte, wie das geschulte Auge des Pathologen zweifelsfrei festzustellen in der Lage ist, wurde die tödliche Halswunde nicht durch das aufgefundene Taschenmesser verursacht sondern durch ein Rasiermesser.

Hatch: Da war doch was.

vanDusen: Wessen Hand wertes Auditorium führte das Rasiermesser, der Schauplatz des Mordes an Dimitri, jenes verschlossene und bewachte Kellergewölbe in welchem sich allein die acht Mitglieder unserer Reisegesellschaft aufhielten läßt keinen anderen Schluß zu.

Bernhardine: Einer von uns, der Mörder ist einer von uns.

vanDusen: In der Tat Frau Bullrich und nur ein Mitglied der Gesellschaft besitzt ein Rasiermesser.

Hatch: Tafelspitz.

Bernardine: Ja Tafelspitz.

Tafelspitz: Hörens auf, Herr Prof, machens ihnen ned lächerlich.

vanDusen: Lassen sie mich bitte fortfahren, wie kommt es so lautet die nächste an meine Vorbemerkung anknüpfende Frage wie kommt es daß Herr von Tafelspitz und nur Herr von Tafelspitz im Besitz eines Rasiermesser ist.

Hatch: Ja und.

vanDusen: Ich, Mr Hatch, Dr Bullrich, Senior Peroni, wir führten dieses der männlichen Toilette so notwendige Instrument nicht mit uns, waren wir doch lediglich auf einen kurzen Tagesausflug vorbereitet, anders Herr von Tafelspitz, er rechnete ganz ohne Frage mit einem mehrtägigen Aufenthalt.

Hatch: Havannas hatte er sich auch genug eingesteckt.

vanDusen: Und diese hochinteressante Tatsache wertes Auditorium macht es möglich zu den Motiven, den Hintergründen der gesamten auf den ersten Blick so kompliziert wirkenden Affäre vorzudringen, Dimitri mit von Tafelspitz im Bunde und von ihm bezahlt führte uns auftraggemäß an einen Ort an welchem wir überfallen und gefangen wurden, Tafelspitz war im Bilde, weshalb keine Frage, er selbst hat den Überfall organisiert, zusammen mit Drako Wassojewitsch versteht sich.

Gojko: Sie könnten Recht haben Prof, es sind öfter Boten zu Vater gekommen aus den österreichischen Gebieten Bosnien Kataro und er hat uns nie gesagt worum es ging.

Bullrich: Incredible, warum sollte Herr von Tafelspitz mit einem Räuberhauptmann konspirieren.

vanDusen: Herr von Tafelspitz ist beim Finanzministerium in Wien angestellt, dieses Ministerium verwaltet bekanntlich die von Österreich besetzten Gebiete auf dem Balkan, ohne jeden Zweifel ist Österreich höchlichst daran interessiert seinen Besitz durch die Einverleibung des bis dato unabhängigen Fürstentums Montenegro abzurunden, Unruhen an der Grenze, Räubereien, Überfälle kämen der Wiener Politik durchaus gelegen, würden sie doch vor der Weltöffentlichkeit eine spätere österreichische Invasion rechtfertigen, welche nur so das Kalkül einem krisen- geschüttelten Landstrich Ruhe und Frieden brächte.

Mayfair: Raffiniert, dann ist Tafelspitz ja so was wie ein Geheimagent.

vanDusen: So scheint es Miss Mayfair, Drako Wassojewitsch, davon bin ich überzeugt, war in diese polische Dimension keinesfalls eingeweiht, für ihn ging es lediglich um eine geschäftliche Vereinbarung, Tafelspitz hatte sich erboten, ihm eine Gruppe finanziell potenter Opfer zuzuführen, damit die Motive die wirklich hinter der Sache standen auch fernerhin verborgen blieben, war Tafelspitz von anfang an entschlossen, den Mitwisser Häuptling Drako nach durchgeführtem Überfall zu töten, zu diesem Zweck hatte er sich mit einer Stange Zyankali versehen, die präzisen Details der Untat, welche sein Handlanger Dimitri auf seine Anweisung auf die bereits geschilderte Art durchführte, hat Tafelspitz wie ich annehme erst auf Burg Unrusch konzipiert, nach der Bestimmung Dimitri zum Vorkoster, ich bin am Ende wertes Auditorium, der Fall ist gelöst.

Franco: Bravo Prof.

Gojko: Du du warst es also du hast ihn getötet, die Blutrache wird dich verschlingen.

Tafelspitz: I sog nix, gor nichts sag i.

Bernhardine: Hättest du das gedacht Baltasar, vier Menschen hat er umgebracht, der nette Herr von Tafelspitz.

Bullrich: 4 teuerste quartur, ich zähle deren nur 2, den Räuberhauptmann und Dimitri.

Bernhardine: Na und der arme Monsieur Grenouille und der Kutscher, die hat er doch auch auf dem Gewissen.

Mayfair: Toll wie sie das alles rausgekriegt haben Prof, vielleicht mach ich ein Buch daraus, Räuber, Mörder, Detektive oder so ähnlich.

Hatch: Das lassen sie mal lieber, Miss Mayfair, Prof van Dusen darf nur einer literarisch ausschlachten und der heißt Hutchinson Hatch.

Mayfair: Naja ist ja eigentlich auch kein Stoff für Roda Mayfair, die ist eher für Liebe und Leidenschaft, was Franco.

Franco: Sisi carissima.

Gojko: Prof van Dusen wie können wir ihnen unsere Dankbarkeit beweisen.

Hatch: Na ganz einfach, rücken Sie sein Lösegeld wieder raus.

Gojko: Oh unmöglich Mr Hatch.

Hatch: Warum.

Gojko: Das würde gegen unsere Berufsehre verstoßen, ein Räuber gibt niemals etwas zurück, wie wäre es denn mit der Würde eines Ehrenhäuptlings der Sippe Wassojewitsch, würden Sie das annehmen Prof.

vanDusen: Prof van Dusen, Poglavica honoris causa, warum nicht.

Gojko: Abgemacht, sie sind frei, alle, ah, bis auf Tafelspitz natürlich, der bleibt hier.

Tafelspitz: No Schicksal.

Hatch: Und das verdiente Schicksal hat ihn dann ja auch ereilt den edlen Tafelspitz, was genau mit ihm geschah, wollten wir gar nicht wissen, am Abend dieses ereignisreichen Tages sahen wir restlichen sechs Kataro vor uns liegen, unser Abenteuer in Montenegro war zu Ende.

Bullrich: Finis finis maskulin. Was ich noch sagen wollte, meine Gattin ist blutarm.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Drako Wassojewitsch, Räuberhauptmann: Heinz Rabe
Gojko, sein Sohn: Friedhelm Ptok
Nepomuk Edler von Taflspitz: Peter Matic
Dr. Balthasar Bullrich, Oberstudienrat: Lothar Blumhagen
Bernhardine, seine Gattin: Gudrun Genest
Rhoda Mayfair, Schriftstellerin: Regina Lemnitz
Franco Peroni, ihr Sekretär: Helmut Stauss
Dimitri, Reiseführer: Joachim Grubel
Jean-Baptiste Grenouille, Parfüm-Vertreter: Jean Cuillerier
Pope: Hans Teuscher

Michael Koser: Prof. van Dusen im letzten Moment (RIAS 1989)

Hatch: Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von San Francisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen, die Todeszelle von Sing Sing, Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags.

Wärter: Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly.

Kelly: Lassen Sie mich in Ruhe.

Wärter: Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie wir sie aus der Zelle holen und über den Gang schleppen nicht weit Kelly nur bis zu dem kleinen Raum ohne Fenster gleich nebenan und was da auf sie wartet das wissen sie Kelly, der Stuhl, der elektr. Stuhl, sie nehmen Platz Kelly, wir schnallen sie an, wir machen die Kontakte fest an ihren Knöchel und auf ihren kahlgeschoren Schädel, sie sitzen da und warten warten, der Obmann der Jury gibt das Zeichen, ich schalte den Strom ein, aber sie sind gleich tot Kelly glauben sie das ja nicht, sie werden schmoren, Kelly Sekunden Minuten eine Ewigkeit, sie werden sich aufbäumen.

Kelly: Hören sie auf.

Wärter: Nur noch 30 Stunden Kelly.

Hatch: Versetzen sie sich aus der Todeszelle im Zuchthaus Sing Sing an einem wesentlich angenehmeren Ort, in das Haus von Prof van Dusen, zwei Personen befanden sich im Salon, der Hausherr und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, wir hatten uns ein paar Wochen nicht gesehen, ich war in Kanada gewesen wegen einer Reportage und der Prof. hatte in dieser Zeit am geheimnisvollen Element Radium herumgeforscht und sich jeder kriminologischen Abschweifung enthalten, ganz leicht konnte ihm das nicht gefallen sein sonst hätte er mich nicht gleich gefragt.

vanDusen: Nun mein lieber Hatch was bringen sie mir, einen mysteriösen Mord, ein kriminologisches Problem, welches unsere wackere Polizei wieder einmal vor ein unlösbares Rätsel stellt, gibt es etwas neues.

Hatch: Nicht daß ich wüßte, Prof, hm, der Fall Kelly natürlich aber der ist nicht neu und ein unlösbares Problem ist er auch nicht weil er nämlich abgeschlossen ist, Kelly ist rechtkräftig verurteilt, morgen abend kommt er auf den elektrischen Stuhl das ist so sicher wie das amen in der Kirche.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch.

Hatch: Da beißt keine Maus auch nur den allerkleinsten Faden ab, die Sache ist gelaufen, und dabei hat er ihn womöglich gar nicht umgebracht den alten Waldorf, na was solls, Kelly sitzt in der Todeszelle, und da holt ihn keiner raus.

vanDusen: Meinen Sie mein lieber Hatch.

Hatch: Nichts mehr zu machen, traurig, und wie siehts denn so bei ihnen aus Prof, leben noch frisch was macht die Wissenschaft erzählen sie doch mal dieses Radium.

vanDusen: Später später mein lieber Hatch, ihr Automobil.

Hatch: Vor der Tür aber was.

vanDusen: Komm sie schon.

Hatch: Ja wohin denn Prof.

vanDusen: Nach Sing Sing natürlich.

Hatch: Na also, wir fuhren los in meinem Pierce Arrow, aber nicht direkt in Richtung Sing Sing, ich machte einen kleinen Umweg über den Times Square, da stand schon jemand an der Straße und wartete mit Ungeduld, ich hielt, er stieg zu, ich gab Gas.

vanDusen: Was hat das zu bedeuten.

Hatch: Darf ich vorstellen, Mr Dolphin, Elmar S Dolphin, Anwalt der Rechte, Prof van Dusen die sog. Denkmaschine.

Dolphin: Wer kennt ihn nicht, den weltberühmten Wissenschaftler und Amateurkriminologen, ich freue mich Prof, ich freue mich wirklich sehr, daß sich bereit gefunden haben meinem Mandanten zu helfen.

vanDusen: Ihrem Mandanten Mr Dolphin.

Dolphin: Ja hat Hatch sie nicht informiert, ich bin der Verteidiger von Francis Kelly.

vanDusen: Ich verstehe, ein abgekartetes Spiel, ich wünsche nach hause zurück zu kehren, Hatch, haben sie die Güte zu wenden.

Dolphin: Warten sie Hatch, ja ich geb es ja zu, ich hab meinem alten Freund Hatch gebeten auf sie einzuwirken, sie für den Fall meines Mandanten zu interessieren.

Hatch: Und das hat ja auch geklappt, haha, gewußt wie.

Dolphin: Und warum hab ich so gehandelt Prof weil es gilt einen Justizmord zu verhindern, weil es gilt das leben eines unschuldigen zu retten, und weil nur ein Mensch fähig ist das Unmögliche möglich zu machen, nur ein Mensch in New York, in Amerika, in der ganzen Welt, sie Prof van Dusen.

Hatch: Bravo.

vanDusen: Hände ans Steuer, Hatch, da sie an den Menschen in mir appellieren.

Dolphin: An den Menschen, an den Kriminologen, an das Genie, sie dürfen sich ihrer humanitären Pflicht nicht entziehen.

vanDusen: So hat es den Anschein Mr Dolphin, nun gut, worum geht es, referieren sie, knapp summarisch jedoch präzise.

Hatch: Und von Anfang an.

vanDusen: Hatch bitte.

Hatch: Und der Anfang war das große Kostümfest im Hause Waldorf, Park Avenue am 25. Januar, das Ereignis der Saison, davon müssen sogar sie etwas gehört haben Prof.

vanDusen: Nicht das mindeste mein lieber Hatch.

Hatch: Sie leben eben auf dem Mond Prof.

vanDusen: Wie ihnen durchaus bekannt ist lebe ich in der 35. Straße West nicht weit von der öffentlichen Bibliothek, dort pflege ich mich den exakten Wissenschaften zu widmen, gelegentlich in meinen Mußestunden wohl auch der Kriminologie, keinesfalls jedoch törichten Zerstreuungen wie sie in der sog. guten Gesellschaft im schwange sind, insofern.

Hatch: Müssen wir sie wohl ein bißchen ausführlicher aufklären.

vanDusen: Darum bitte ich.

Hatch: Also das Fest stand unter dem Motto die Wunder des 20 Jahrhunderts und entsprechend waren die Kostüme, modern verwegen der Zeit voraus und wunderbar vor allem wunderbar, Mrs Morgan und Mrs Vanderbild hatten ihre Roben mit Phosphor bestrichen und strahlten um die Wette als Elektrizität und als Radium.

vanDusen: Radium.

Hatch: Der alte Rockefeller wandere in einer Art Goldene Kutte, er war nämlich der sog. Krösus.

vanDusen: Krösus im 20 Jahrhundert.

Hatch: Ja da das hab ich ihn auch gefragt, und er hat gesagt Geld braucht der Mensch in jedem Jahrhundert mein Sohn, dabei hat er Mrs Rockefeller angestoßen und die klirrte und klapperte weil sie Krösus Schatzkammer vorstellte und mit Schmuck behängt war wie ein Weihnachtsbaum, der einzige Mensch der kein Kostüm trug war der Gastgeber Mr Waldorf, als erfolgreichster Bankier der Ostküste hielt er eine Verkleidung wohl für unter seiner Würde und begnügte sich mit einem schlichten Frack, aber diesen Mangel machte die Gastgeberin mehr als wett.

vanDusen: Mrs Waldorf meinen sie.

Hatch: Nein ich meine Mrs Steuvesant, Waldorfs Schwester, er ist nämlich Witwer und wenn er zu feierlichen Anläßen eine Dame des Hauses braucht.

vanDusen: Ich verstehe ich verstehe bitte bemühen sie sich ihre Ausführungen ein wenig zu straffen.

Hatch: Ja keine Angst Prof, gleich wirds kriminell oder kriminologisch, wenn ihnen das lieber ist.

vanDusen: Ja bitte.

Hatch: Wo war ich denn.

Dolphin: Mrs Steuwesand.

Hatch: Richtig Mrs Steuwesand hatte sich mit Unmengen grauer Seide umwickelt und schwebte als Luftschiff über den ganzen.

vanDusen: Verrückt.

Hatch: Kurz, Glanz und Glamour allüberall, ganz New York war da, das heißt die Spitzen der Gesellschaft, die oberen 400.

Dolphin: Da durfte natürlich auch Hutchinson Hatch junior nicht fehlen, ein interessantes Kostüm hatten sie übrigens an Hatch was wars doch gleich.

Hatch: Damit brauchen wir uns jetzt nicht aufzuhalten.

Dolphin: Seien sie doch nicht so bescheiden, Hatch, war doch originell ihre Aufmachung, Brille, gelbe Perücke, altmodischer Rock, dann liefen sie so komisch mit eingeknickten Knien und murmelten dauernd vor sich hin, was war das noch.

Hatch: Auweia.

Dolphin: Irgendwas mathematisches 1 mal 1.

vanDusen: Das ist doch.

Dolphin: 2 plus 2, richtig 2 plus 2 gibt vier.

vanDusen: Hatch sie haben sich unterstanden.

Hatch: Prof da muß ich wohl beichten.

vanDusen: Darum möchte ich bitten.

Hatch: Ja ich war als sie auf dem Fest, als Prof van Dusen, ein Riesenerfolg, die Leute haben sich totgelacht, waren sehr beeindruckt, meine ich, wenn sie kein Wunder des 20 Jh, Prof dann weiß ich nicht.

vanDusen: Schweigen sie, Hatch, gehe ihr recht in der Annahme besagtes Kostüm sei auch von ihnen besucht worden Mr Dolphin.

Dolphin: Ja Prof ich war ein mechanischer Mensch, mein Schneider hatte mir ein.

vanDusen: Sehr interessant in diesem Falle seien sie so freundlich den Bericht fortzusetzen, was sie betriff Hatch ihnen empfehle ich mit aller Dringlichkeit sich auf die Führung des Automobil zu konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit ungeteilt dem Straßenverkehr zuteilwerden zu lassen, ich höre Mr Dolphin.

Dolphin: Nun es war mein Freund Hatch hat es ja bereits angedeutet ein rauschendes Fest, Jubel Trubel Heiterkeit, Eleganz, es wimmelte von lebenden Maschinen aller Art, von Unterseebooten.

vanDusen: Gewiß Mr Dolphin gewiß, kommen sie doch bitte zur Sache.

Dolphin: Sehr wohl Prof, gegen 10 Uhr gab es eine längere Tanzpause, das junge Volk begann bereits unruhig zu werden, und Mrs Steuvesand, ein Dame die ihre Pflichten als Gastgeberin sehr ernst nimmt, begab sich zur Orchesterempore um die Musiker zur baldigen Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu bewegen, Waldorf blieb an seinem Tisch und trank Champagner mit seiner Tochter und ihrem Verlobten.

Hatch: Ja das war ja überhaupt der Grund für das ganze Fest, die Verlobung von Diotima Waldorf und Lord Tilbury aus England, nett sah sie aus Diotima als neue Frau in ihrem kurzen engen Reformkleidchen, fanden sie nicht Dolphin, vor allem neben dem edlen Lord, der sich als Marsmensch verkleidet hatte, eine aufgeblasene grüne Kugel mit sechs Armen und 2 Antennen obenauf, die Schöne und das Biest.

vanDusen: Ihre mehr oder weniger munteren Impressionen aus der großen Welt mögen im Daily New Yorker am platz sein, in einem seriösen kriminologischen Vortrag muß ich sie mir aufs entschieden verbitten.

Hatch: Bitte.

vanDusen: Und sie Mr Dolphin.

Dolphin: Ich komme zur Sache, das heißt ich bin ja schon mitten drin, denn in der erwähnten Tanzpause sprang plötzlich ein Gast auf den Tisch, neben der den Waldorfs, ein Gast im Kostüm eines Aeronauten, er riß Lederhelm und Brille ab, verlangte Ruhe und als es nicht sofort still wurde, zog er aus seiner weiten Jacke einen gewaltigen Revolver und schoß in die Luft, dann richtete er die Waffe auf Waldorf, der war bleich geworden, offenbar kannte er den Mann.

Kelly: Ich sehe sie haben mich nicht vergessen Waldorf.

Diotima: Francis.

Kelly: Und du erinnerst dich auch noch an mich, Diotima, wie nett, den übrigen Anwesenden darf ich mich bekannt machen, mein Name ist Kelly, Francis Rian Kelly, vorbestraft 1 Jahr Gefängnis Betrug und Veruntreuung, sie wissen Waldorf, wem ich das verdanke, ihnen ganz allein ihnen.

Waldorf: Hören sie Kelly.

Kelly: Sie hören Waldorf, sie hören mir zu, sie alle hören mir zu, ich hab ihnen etwas zu sagen über unseren geschätzten Gastgeber den ehrenwerten Mr Walter Waldorf, Bankier und Börsianer von untadeligen Ruf, er ist ein Lump, unser lieber Mr Waldorf, ein Lügner, ein gemeiner Betrüger.

Waldorf: Was erlauben sie sich.

Kelly: Ganz ruhig Waldorf sonst geht mein Revolver los, ich liebte ihre Tochter, Waldorf ich liebe sie immer noch.

Diotima: Francis.

Kelly: Das mißfiel ihnen, Waldorf ich war ja nur ein kleiner Börsenmakler und sie hatten ganz andere Pläne für ihr Kind, sie versuchten uns auseinanderzubringen, aber es gelang ihnen nicht, und da beschlossen sie, mich auf andere Weise loszuwerden, sie kamen zu mir und sagten sie wollten mich reich machen, alles was ich hätte sollte ich in die Firma Chemopetrol investieren, ein kleines Unternehmen in Pittsburgh, ein neues technisches Verfahren und ein hoher Kredit würde den Wert der Aktien über Nacht verzehnfachen, ein todsicheres Geschäft, sie rieten mir die bei mir liegenden Kundengelder kurzfristig auszuleihen und damit Chemopetrol Aktien zu kaufen, ich wollte nicht, aber sie haben mich überredet, goldene Berge habe sie mir versprochen und die Hand ihrer Tochter.

Diotima: Francis.

Kelly: So wars doch, Waldorf am nächsten Tag ging die Firma Chemopetrol bankrott, kein neues Verfahren, kein Waldorfkredit, ich war ruiniert, ich stelle sie zu rede, sie stritten alles ab, ich beschwor sie mir Geld vorzustrecken damit ich meine Kunden auszahlen konnte, sie haben mich ausgelacht und die Polizei anrufen, sie haben mir eine Falle gestellt, sie haben mich ins Gefängnis gebracht und während ich meine Strafe absaß, haben sie ihre Tochter an einen englischen Lord verkuppelt und du hast dich verkuppeln lassen, Diotima.

Diotima: Aber Francis ich wußte nicht.

Kelly: Sie sind eine Kanaille Waldorf eine widerliche gemeine Kanaille sie haben mein Leben zerstört und dafür werden sie zur Rechenschaft gezogen, jetzt auf der Stelle.

Waldorf: Darüber können wir in Ruhe reden, Kelly, morgen.

Kelly: Heute werden sie reden Waldorf, sie werden eingestehen was sie mir angetan haben hier vor ihren Gästen, ihren Freunden, vor den Menschen auf deren Achtung sie wert legen und vor Diotima und ihrem Verlobten, und dann werden sie mich um Verzeihung bitten, machen sie den Mund auf Waldorf, sie wollen nicht, dann werden sie sterben.

Waldorf: Nein Kelly nicht.

Diotima: Oh was hast du getan Francis.

Kelly: Das versteh ich nicht.

Dolphin: Kelly hatte abgedrückt und Waldorf war zusammengebrochen, Lord Tilbury und ein paar andere Gäste, die in der Nähe waren, stürzten sich auf den Schützen, entrissen ihm die Waffe, überwältigen ihn, der Butler telefonierte nach der Polizei, Waldorf wurde in ein abgelegenes Zimmer getragen, aber der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen, Todesursache eine Schußwunde über dem Herzen.

vanDusen: Aha, wie verhielt sich Kelly.

Dolphin: Er ließ alles mit sich geschehen, wirkte verstört.

Hatch: Und machte ein ausgesprochen dummes Gesicht.

Dolphin: Beim Polizeiverhör erkläre er sich für unschuldig, er erzählte eine kuriose Geschichte, die er später vor Gericht wiederholte, daß er nämlich nach der Entlassung aus dem Gefängnis.

vanDusen: Bitte Mr Dolphin, was Kelly zu berichten hat, wünsche ich aus erster Hand das heißt aus seinem Mund zu vernehmen.

Dolphin: Einverstanden Prof aber das sollten sie wissen, als Kellys Revolver ballistisch untersucht wurde im Labor der Kriminalpolizei stellte sich eindeutig und einwandfrei heraus, daß die Kugel in Waldorfs Herzen aus dieser Waffe und keiner anderen stammte.

Hatch: Vergessen sie den Drohbrief nicht Dolphin.

vanDusen: Drohbrief.

Dolphin: Ja drei Tage vor dem Kostümfest hatte Waldorf einen mit der Maschine geschriebenen anonymen Drohbrief erhalten und in Kellys Zimmer fand die Polizei eine Schreibmaschine, eine alte Underwood.

Hatch: Und die ist genau diejenige welche.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Dolphin: Ohne jeden Zweifel Prof, wenn sie jetzt sagen sie wollen umkehren könnte ich es ihnen nicht verdenken, der Fall erscheint so einleuchtend, so absolut klar, einige hundert Tatzeugen dazu diverse gewichtige Indizien.

vanDusen: Ein wenig zu viel des guten, finden sie nicht Mr Dolphin.

Dolphin: Genau das ist auch mein Eindruck Prof, Kelly ist kein Idiot und nur ein Idiot würde einen Mord auf diese weise.

Hatch: Wir sind da, Sing Sing voraus.

Hatch: Die Uhr schlug vier, als wir den finsteren Gang mit den drei Gittertüren betraten, death row, die Todeszeile, nur eine Zelle war besetzt, der muffige Wärter schloß die Tür auf und bleib daneben stehen.

Wärter: Vorschrift.

Kelly: Hallo Dolphin.

Dolphin: Kelly.

Kelly: Was soll denn das werden, ne Abschiedsparty.

Dolphin: Francis Rayn Kelly.

Kelly: Zum Tode verurteilt und dennoch ungebrochen.

Wärter: Warts ab Freundchen das heulen und zähneklappern kommt noch in 26 Stunden.

Dolphin: Prof van Dusen, Mr Hutchinson Hatch.

Kelly: Was sie sind der berühmte van Dusen der Superschnüffler die Denkmaschine.

Hatch: Enttäuscht Kelly.

Kelly: Ehrlich gesagt ja, den hab ich mir anders vorgestellt, irgendwie imposanter.

vanDusen: Ich bedaure ihren Vorstellungen so wenig zu entsprechen Mr Kelly, kommen sie.

Dolphin: Bitte Herr Prof, bitte gehen sie nicht, jetzt hören sie mal zu Kelly, man hat mir alles abgeschmettert, Berufung, Eingaben, Gnadengesuch, Prof van Dusen ist ihre letzte Chance oder wollen sie auf den elektrischen Stuhl.

Kelly: Tut mir leid, danke daß sie gekommen sind, Prof bin ein bißchen nervös.

Wärter: Bißchen nervös.

vanDusen: Nungut Kelly angesichts der Situation in welcher sie sich befinden bin ich bereit, ihre mangelhaften Manieren zu übersehen, auch ein Flegel hat Anspruch auf Gerechtigkeit, sagen sie was sie zu sagen haben.

Kelly: Die Wahrheit, Prof ich werde ihnen erzählen was wirklich passiert ist, hören sie zu.

Hatch: Kelly bestätigte uns, was wir schon wußten, wie Waldorf ihn reingeritten, von seiner Tochter getrennt und ins Gefängnis gebracht hatte.

Kelly: Als ich rauskam übrigens genau am 1. Januar nahm ich mir ein Zimmer unten in Hesterstreet, besseres Viertel konnte ich mir nicht leisten, kaufte mir eine gebrauchte Schreibmaschine, versuchte wieder fuß zu fassen, als Agent, Vermittler, an der Börse war es vorbei, viel zu tun gabs nicht, ich krebse so rum, dann traf ich Quinn.

vanDusen: Wen.

Kelly: Den geheimnisvollen Quinn eines abends in der Kneipe, wir kamen ins Gespräch und stellten fest, daß uns was verband, die Abneigung gegen einen gewissen Bankier.

Quinn: Nieder mit Waldorf.

Kelly: Tod dem Blutsauger.

Quinn: Tod das ist wohl ein bißchen übertrieben Kelly aber heimzahlen sollten sie es ihm schon, was er mit ihnen gemacht hat, übrigens haben sie den Daily New Yorker von heute schon gelesen.

Kelly: Hab ich, Quinn, hab ich, Diotima Waldorf verlobt sich mit einem englischen Aristokraten und deshalb gibt Daddy nächsten Sonnabend Fest mit Kostümzwang.

Quinn: Da fällt mir was ein Kelly, eine interessante Sache, die vor ein paar Jahren passiert ist in Rio de Janeiro glaub ich, einem kleinen Beamten ist unrecht geschehen durch ein hohes Tier und dafür hat er sich auf ungewöhnliche Weise gerächt, er hat sich auf dem Empfang des Bürgermeisters eingeschlichen mit einer Pistole, hat ihm sein Sündenregister vorgehalten und ihn gezwungen, seine Schandtaten vor aller Welt zu bekennen, wie finden sie das, Kelly.

Kelly: Klingt nicht schlecht, Quinn.

Quinn: Nicht wahr wenn ich das mal auf ihren Fall übertrage, sie könnten Waldorf blamieren und vor der Öffentlichkeit rechtfertigen.

Kelly: Und vor Diotima.

Quinn: Auch das, Kelly denken sie mal drüber nach, ich habe Verbindungen, ich könnte ihnen, wenn sie wollen eine Eintrittskarte für Waldorfs Fest besorgen.

Kelly: Ich fing an mich mit der Idee anzufreunden, ein paar Tage vor dem Kostümfest kam Quinn zu mir, ich hatte ihm meine Adresse gegeben.

vanDusen: Ein paar Tage, wann genau.

Kelly: Das Fest war am 25. Januar und Quinn war bei mir am am 21. Dienstag, er brachte die Karte mit, wir setzten uns zusammen und machten einen Plan, wir berieten meinen Auftritt, das heißt was ich wann tun und sagen sollte, mein Kostüm und dann das wichtigste.

Quinn: Die Waffe, die brauchen sie unbedingt, Kelly, sie müssen sich doch Respekt verschaffen bei der ganzen Gesellschaft, vor allem bei Waldorf, gleich wenn sie loslegen schießen sie einmal in die Decke, damit ganz klar ist, sie meinen es ernst, und später wenn der alte Gauner nicht gestehen will, ein zweiter Schuß direkt auf ihn gezielt.

Kelly: Aber mit Platzpatronen.

Quinn: Natürlich mit Platzpatronen, sie wollen ihn doch nicht wirklich umbringen, sie tun nur so, aber da er das nicht weiß, wird er in seiner Todesangst auf alles eingehen, sie brauchen also eine Waffe, die nach was aussieht, die Angst macht, eben als ich durch die Hesterstreet ging, hab ich das richtige für sie gesehen im Fenster des Pfandleihers an der Ecke, Colt Peacemaker, Kaliber 45, die berühmten Revolver unserer Wildwesthelden, 20 cm langer Lauf, sehr eindrucksvoll, laufen sie gleich runter, kaufen sie sich so ein Ding, haben sie Geld.

Kelly: 10 Dollar sollte ein Revolver kosten, ich handelte die Pfandleiherin runter auf 8.

vanDusen: Einen Augenblick, Kelly, wenn ich recht verstehe, befanden sich im Besitz der Pfandleihanstalt 2 Coltrevolver der Marke Peacemaker.

Kelly: Na klar ein paar, das ist so im wilden westen, man hat zwei Revolver, einen rechts einen links, haben sie denn nie ein Buffalo Bill Heft gelesen.

Hatch: Wo denken sie hin Kelly.

vanDusen: Das betreffende Pfandleihinstitut, wo genau befindet es sich.

Kelly: Hester Ecke Norfolk Street.

vanDusen: So, sie erwarben also eine der beiden ausgestellten Waffen, während dieser Zeit befand sich Quinn in ihrem Zimmer.

Kelly: Ja.

vanDusen: Allein.

Kelly: Das nehm ich doch an.

vanDusen: Mit Zugang zu ihrer Schreibmaschine.

Kelly: Die stand auf dem Tisch.

Dolphin: Ich verstehe Prof der Drohbrief an Waldorf.

vanDusen: Darauf will ich hinaus Mr Dolphin, fahren sie fort Kelly.

Kelly: Als ich zurückkam, hatte Quinn es eilig, aber tags darauf war er wieder bei mir, wir besprachen nochmal alle Einzelheiten, vor allem auf den zweiten Schuß direkt auf Waldorf, hat Quinn größten Wert gelegt wegen der psychologischen Wirkung hat er gesagt, wir haben die Sache geübt richtig durchgespielt so wie es dann tatsächlich ablief.

Dolphin: Mit einem Unterschied, Waldorf wurde erschossen.

Kelly: Das versteh ich bis heute nicht.

vanDusen: Ihr Revolver enthielt Platzpatronen.

Kelly: Ja.

vanDusen: Wann haben sie ihn geladen.

Kelly: Am 25 abends kurz bevor ich das Haus Waldorf betrat.

vanDusen: Könnten die Platzpatronen danach gegen scharfe Munition ausgetauscht worden sein.

Kelly: Unmöglich der Revolver war die ganze Zeit in der Innentasche, ich hab ihn nicht aus der Hand gegeben, bis ich überwältigt und entwaffnet wurde, das war nach dem Schuß.

vanDusen: Nach dem Schuß, sie wurden also festgenommen, ins Polizeigefängnis eingeliefert, verhört.

Kelly: Tagelang, nächtelang, mal nett und freundlich, mal dritter grad, geglaubt haben sie mir kein Wort.

Dolphin: Also dennoch das muß ich zur Ehrenrettung der Polizei hier einflechten, man gab sich alle Mühe den mysteriösen Mr Quinn aufzuspüren, niemand kannte ihn, niemand hat ihn gesehen, als habe es ihn nie gegeben.

vanDusen: Wie sah Quinn aus, Kelly, beschreiben sie ihn.

Kelly: Ältlich, 50 bis 60, graue Haare, grauer Bart, ungepflegt, runtergekommen, schäbig angezogen, speckiger Mantel, grüne Brille, Typ der in der Gegend um Hesterstreet nicht auffällt, von der Sorte gibts da viele, Einwanderer, Schnorrer, Leute die bessere Tage gesehen haben.

vanDusen: Eine geschickte Maske, was meinen sie, Kelly könnte es sich bei Quinn auch um eine Frau gehandelt haben.

Kelly: Warum nicht, wenn die Dame eine tiefe Stimme hat und kräftigen Körperbau.

vanDusen: Die Polizei hat ihnen nicht geglaubt und das Gericht.

Dolphin: Genauso wenig, es gab nur zwei Menschen im Saal, die Quinn nicht für eine Fiktion hielten, Kelly und mich, der Richter erklärte die Aussage des Angeklagten sogar für eine nicht besonders intelligente Schutzbehauptung.

Kelly: Ein Märchen aus tausend und einer Nacht, hat er gesagt und da haben die Geschworenen mich schuldig gesprochen, im Eiltempo, und der Richter.

Wärter: Tod auf dem elektrischen Stuhl am 9 Mai 1902, 7 Uhr abends.

vanDusen: Kopf hoch, Kelly ich glaub ihnen, ich Prof DrDrDr Augustus van Dusen und ich werde mein möglichstes tun, sie zu retten, zurück nach New York, meine Herren, es gibt viel zu tun und wir haben wenig Zeit.

Wärter: 6 Uhr Kelly nur noch 25 Stunden.

Hatch: Zurück vom Städtchen Sing Sing an dem lieblichen Ufer des Hudson in die Häuserschluchten der Metropole, 40 km, ich fuhr was der Wagen hergab, ich wußte jede Minute, jede Sekunde zählte.

Dolphin: wir sind uns einig Prof, Kelly hat Waldorf nicht ermordet, frage wer dann.

vanDusen: Selbstverständlich jene Person welcher sich Quinn nannte.

Dolphin: Aber wer ist Quinn.

vanDusen: Das Mr Dolphin wird sich zeigen, Waldorf Testament ist wie ich annehme bereits eröffnet.

Dolphin: Vor zwei Monaten Prof.

vanDusen: Wer erbt das Vermögen des Ermordeten.

Dolphin: Haupterbin ist Waldorfs einziges Kind Diotima, außerdem geht eine größere Summe an seine Schwester Steuwesand.

vanDusen: Wie hoch.

Dolphin: Eine viertel Million, nur ein Bruchteil der gesamten Hinterlassenschaft.

Hatch: Aber trotzdem ein warmer Regen, der alte Steuwesand soll ja kurz vor der Pleite stehen.

vanDusen: Und sonst Mr Dolphin, wohltätige Stiftungen, Legate für die Dienerschaft.

Dolphin: Kein einziger Cent, Prof.

Hatch: Typisch Waldorf knickrig, bis zum letzten.

vanDusen: Nur 2 Erben und beide waren anwesend, als Waldorf erschossen wurde.

Hatch: Wissen sie was Prof, Mrs Steuwesant ist eine große kräftige Person, ein richtiger Dragoner.

vanDusen: Mein lieber Hatch, widmen sie sich wenn ich ihnen einen guten Rat geben darf, widmen sie sich ihren Chauffeurspflichten, überlassen sie die kriminologische Feinarbeit dem Kriminologen.

Hatch: Von mir aus, wir setzten Dolphin am Times Square ab, er versprach in seiner Kanzlei zu bleiben jederzeit erreichbar, der Prof ließ sich zur Mulberry Street fahren, wie jeder Kriminelle und Kriminologe weiß, liegt da im Haus Nr 3000 die Zentrale der New Yorker Polizei, unsere Jungs in blau sind immer für uns in Dienst, und so fand van Dusen im kriminaltechnischen Labor, wo er seit Jahren ein bekannter wenn auch nicht immer gern gesehener Gast ist einen kompetenten Gesprächspartner, Leutnant Bigshot legte ihm die Beweisstücke im Mordfall Waldorf vor und äußerte sich zum ballistischen Gutachten das er vor Gericht abgegeben hatte.

Bigshot: Die tödliche Kugel stammt eindeutig aus dem Revolver der von uns bei Kellys Festnahme sichergestellt wurde Prof.

vanDusen: Sind sie wirklich ganz sicher Leutnant.

Bigshot: 100 prozentig.

vanDusen: Kann es nicht lediglich eine ähnliche Waffe, ein Revolver der gleichen Marke.

Bigshot: Wollen sie mich beleidigen, ich weiß was ich sage, bin genau nach dem Lehrbuch vorgegangen, aus der vermuteten Tatwaffe habe ich eine Kugel abgefeuert und mit der bei der Obduktion des Opfers geborgenen Mordkugel verglichen, beide wiesen dieselben Zugrillen auf, dieselben Kratzer und Unregelmäßigkeiten, ich hab sie natürlich unters Mikroskop gelegt.

vanDusen: Ich kenne den Lakasanjatest, desgleichen seinen erst kürzlich durch meinen deutschen Kollegen Dr Paul Jeserich entwickelte Modifizierung, und ich weiß daß sie nicht zum ersten mal durchgeführt haben, ich akzeptiere ihr Ergebnis, wie ich auch bereit bin das Ergebnis ihres Schrifttypenvergleichs zu akzeptieren.

Bigshot: Das können sie auch Prof, der Drohbrief an Waldorf ist auf Kellys Maschine geschrieben worden.

vanDusen: Zweifellos Leutnant zweifellos, mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Wenn ich mich recht erinnere, behaupteten sie Waldorf habe während des für ihn fatalen Festes kein Kostüm getragen, vielmehr einen Frack.

Hatch: Ja das stimmt Prof.

vanDusen: In diesem Fach befindet sich mit den übrigen Beweisstücken auch die Kleidung des Ermordeten, wie sie sich selbst überzeugen können ist ein Frack nicht vorhanden.

Bigshot: Ja wirklich sie haben recht Prof kein Frack ist mir noch gar nicht aufgefallen.

vanDusen: Das glaub ich ihn aufs Wort Leutnant.

Bigshot: Ist das wichtig, Prof.

vanDusen: Wer weiß.

Bigshot: Vermutlich ist der Frack im Haus Waldorf geblieben.

vanDusen: Vermutlich ja vermutlich, kommen sie Hatch eine Inspektion des Tatorts steht ohnehin auf meinem gedrängten Programm.

Wärter: 9 Uhr Kelly, noch 22 Stunden.

Hatch: Im Hause Waldorf empfing uns der Verlobte der Tochter, Lord Tilbury und führte uns auf van Dusen Wunsch in den Ballsaal.

Tilbury: Bißchen spät für unangemeldeten Besuch, was Prof, aber keine Sorge habe volles Verständnis, kenne mich aus, alle Prof exzentrisch, anders als du und ich, wollte sagen anders als ich und sie, Mr.

Hatch: Hatch, Hutchinson Hatch.

Tilbury: Apropos exzentrisch, dieser Kelly verrückt, wie erschießt Schwiegerpapa vor 500 Menschen, muß verrückt sein, verrückt wie Hutmacher.

vanDusen: Meinen sie, Milord.

Tilbury: Bitte Mrs Waldorf entschuldigen, bißchen mitgenommen, Vater ermordet, ehemaliger Verehrer morgen hingerichtet, in 4 Wochen Hochzeit irgendwie tragisch, hat sich zurückgezogen, Migräne.

vanDusen: Durchaus verständlich.

Tilbury: Äh ja was kann ich für sie tun.

vanDusen: Lassen sie mir bitte eine hohe Leiter bringen.

Tilbury: Äh Leiter.

vanDusen: Ja Leiter.

Tilbury: Exzentrisch.

Hatch: Raten sie mal meine Damen und Herren, wer auf die hohe Leiter steigen mußte, richtig meine Wenigkeit und als ich oben war muß ich die Decke des Saals absuchen cm für cm besonders sorgfältig über die stelle wo Kelly gestanden und seine Tirade gegen Waldorf gehalten hatte.

Hatch: Nichts, sagen sie mal was suchen wir eigentlich.

vanDusen: Das was sie gefunden haben, mein lieber Hatch, nichts, steigen sie wieder herab.

Tilbury: Exzentrisch, wie ein Oxford.

vanDusen: Sagen sie bitte Milord, wurde dieser Saal seit jenem tragischen Fest renoviert.

Tilbury: Renoviert, kein Schimmer, äh Goosbury.

Butler: Nein Herr Prof.

vanDusen: Es wurden auch keinerlei Reparaturen ausgeführt.

Butler: Nein Herr Prof.

vanDusen: So, wo befindet sich der Frack, welcher ihr Herr an jenem Abend trug.

Butler: Das entzieht sich meiner Kenntnis, Herr Prof.

Tilbury: Muß da sein, Goosbury, weiß noch genau haben Waldorf Frack ausgezogen, vor Untersuchung durch Arzt und in irgendeine Ecke gelegt.

Butler: Sehr wohl Milord, ich kann nur erklären fraglicher Frack befindet sich nicht bei der Garderobe des seligen Herrn.

Hatch: Eine Stunde später saß ich wieder in van Dusens Salon, ich versuchte meinen knurrenden Magen durch einen doppelten Whiskey zu besänftigen und meine Wißbegierde durch gezielte Fragen an den Hausherrn.

Hatch: Was haben sie eigentlich mit Waldorfs Frack, Prof warum ist ihnen das gute Stück so wichtig.

vanDusen: Weil das gute Stück wie sie es zu nennen belieben, uns einen höchst bedeutsamen Hinweis auf die Ausführung des Mordes an Waldorf zu geben im stande ist.

Hatch: Na dann weiß ich alles, darf ich jetzt nach Hause und ins Bett Prof.

vanDusen: Warum nicht mein lieber Hatch, wenn sie mir versprechen sich gleich morgen früh um 7 Uhr bei Dienstbeginn im Archiv ihres von manchen geschätzten Blattes einzufinden und dort eine gewisse hochwichtige Recherche vorzunehmen.

Hatch: Sing Sing Todeszelle.

Wärter: Ungeduldig Kelly, dauert nicht mehr lange, nur noch 18 Stunden.

Hatch: Am nächsten Morgen gegen 9 trat ich befehlsgemäß beim Prof an, unausgeschlafen und ungefrühstückt.

vanDusen: Lassen sie das querulieren, wozu schlafen, wozu speisen, ein kriminologischer Assistent findet volle Befriedigung allein in den intellektuellen Wonnen, welches sein Tun gewährt, hatten sie Erfolg.

Hatch: Wie mans nimmt, so eine Geschichte wie Quinn sie Kelly erzählt hat ist tatsächlich passiert, vor 4 Jahren, 1898 aber nicht in Rio de Janeiro sondern in Kalkutta, in Indien beim Empfang des Vizekönig.

vanDusen: Sehr gut.

Hatch: Ich habs nur rausgekriegt weil unser Archivar ein so phänomenales Gedächtnis hat, in der Zeitung stand die Sache nicht, nur in einem unveröffentlichten Korrespondentenbericht.

vanDusen: Verstehe ich sie recht, besagter Bericht über die Affäre zu Kalkutta ist nicht im Daily New Yorker erschienen.

Hatch: Nicht im Daily NewYorker Prof und auch in keiner anderen Zeitung der Stadt.

vanDusen: Ausgezeichnet mein lieber Hatch kommen sie.

Hatch: Wir fuhren Südosten in die finstere Gegend zwischen Bowery und Eastriver.

Wärter: Na Kelly, 9 Stunden Kelly.

Hatch: Die Gegend war schmutzig, die Pfandleiher an der Ecke Hester Norfolk street waren noch schmutziger und am schmutzigsten war die alte Frau die beim Klang der Türglocke aus dem Hinterzimmer schlurfte.

Frau: Sie wollen kaufen, liebe Herren, verkaufen, etwas versetzen, sie brauchen Geld, sie bringen Geld.

vanDusen: Nichts von alledem gute Frau wir benötigen lediglich eine Information.

Frau: Sie wollen nicht kaufen verkaufen versetzen liebe Herren, sie brauchen kein Geld, sie bringen kein Geld, time is money.

vanDusen: Geben sie ihr etwas Hatch, fünf Dollar.

Hatch: Viel zu viel, einer ist genug.

Frau: Aber lieber Herr, 10 Dollar, hat das nicht der andere Herr gesagt.

Hatch: 10, zwei.

Frau: 8 Dollar lieber Herr.

Hatch: 6 Dollar wurden es schließlich, dafür erzählte sie uns daß sie tatsächlich ein Paar Colt Peacemaker besessen und eine davon an Kelly verkauft hatte am nachmittag des 21. Januar.

vanDusen: Und die zweite Waffe.

Frau: Hab ich auch verkauft lieber Herr am selben Tag eine halbe Stunde später, an einen anderen Herrn.

vanDusen: Etwa 55 Jahre alt grauhaarig, graubärtig, grüne Brille.

Frau: Ja das ist er, kennen sie ihn.

vanDusen: In der Tat, gute Frau, ich kenne ihn.

Hatch: Auf der Rückfahrt hielten wir am Telegrafenamt wo ich auf Anweisung des Prof. mehrere Kabel aufgab, die Mittagzeit war schon vorüber.

Wärter: Ein Uhr Kelly, sie haben ja gar nichts gegessen, aber aber, sie müssen doch groß und stark sein wenn es soweit ist, in 6 Stunden Kelly.

vanDusen: Hier ist die Residenz von Prof van Dusen, Prof van Dusen höchstpersönlich am Apparat.

Tilbury: Lord Tilbury, sagen sie mal Prof, sie doch haben vorhin was gesucht, am Plafonds vom Ballsaal.

vanDusen: Jaja so ist es Milord.

Tilbury: Und wegen Renovierung gefragt.

vanDusen: Ganz recht Milord.

Tilbury: Die ist jetzt tatsächlich nötig.

vanDusen: Bitte Milord.

Tilbury: Renovierung Prof, Diotima hat was entdeckt, gute Augen das Mädchen.

vanDusen: Lassen sie mich raten Milord ein Loch.

Tilbury: Genau ins schwarze, Prof ein Schußloch, noch was Prof, Frack hat sich auch eingefunden.

vanDusen: Ach ist es die Möglichkeit Milord, ich werde mich gleich bei ihnen einstellen.

Hatch: Na dann wollen wir mal wieder Prof.

vanDusen: Nicht sie mein lieber Hatch, Sie bleiben.

Hatch: Ach was.

vanDusen: Drei für die Lösung des Falles wesentliche Aufgaben hab ich ihnen zugedacht, zuerst werden sie bei der Kriminalpolizei anrufen, Leutnant Bigshot möge sich im Labor bereithalten, sodann werden sie die Antworten auf die von ihnen aufgeben Kabel erwarten und mit diesen Antworten schließlich werden sie sich nach Singsing begeben, ich erwarte sie dort spätestens um 6 Uhr abends.

Hatch: Ich telefonierte und ich wartete.

Wärter: Drei Uhr Kelly, bald haben sie hinter sich, nur noch 4 Stunden.

Hatch: Es war kurz vor 6 als ich in Sing Sing eintraf, in der Todeszelle und auf dem Gang davor herrschte ein Treiben wie sonnabends am Broadway, halb New York war da, Kelly und sein Wärter natürlich, Dolphin, Leutnant Bigshot, der Gefängnisdirektor, ein Geistlicher für den letzten Gang und ein paar sehr offiziell wirkende Herren, darunter ich traute meinen Augen nicht der Governor des Staats NY, ferner Familie Waldorf, das heißt Diotima, Mr Stewesand, Lord Tilbury, wo es dann noch ein freies Plätzchen gab stand todsicher ein Polizist, der Prof war natürlich auch schon da.

Tilbury: Unverschämtheit, Prof, angesehene Bürger, Damen, Lord aus England widerrechtlich hierher gebracht auf ihre Anordnung, Freiheitsberaubung, Zumutung, ich verlange Erklärung.

vanDusen: Die sollen sie erhalten, Milord, sie und die übrigen Anwesenden, meine Damen und Herren, ich ersuche um Ruhe und Aufmerksamkeit.

Wärter: Es hat 6 geschlagen, Kelly noch eine Stunde.

Hatch: Prof van Dusen begann seinen Vortrag mit einer kurzen Zusammenfassung der Vorgeschichte, die sie ja bereits kennen meine Damen und Herren, sodann berichtete er wie der mysteriöse Mr Quinn sich an Kelly herangemacht und ihn dazu gebracht hatte beim Kostümfest als Rächer aufzutreten.

vanDusen: Mr Quinn, lassen sie mich die betreffende Person fürs erste weiterhin mit ihrem selbstgewählten Namen bezeichnen, Mr Quinn war ebenfalls Gast des Kostümfestes im Hause Waldorf, selbstverständlich in seiner wahren Identität, als Kelly wie besprochen auf Waldorf zielte und schoß, schoß auch Quinn, keiner sah es, denn alle Augen waren auf Kelly gerichtet, Quinn presste seinen Revolver, den Zwilling der Waffe, die Kelly in der Hand hielt gegen Waldorfs Brust und drückte ab, gleichzeitig mit Kelly, er verbarg seine Waffe wieder, stürzte sich gemeinsam mit anderen Gästen auf Kelly, überwältige ihn, entriß ihm den Revolver und tauschte ihn im allgemeinen durcheinander unbemerkt gegen seinen eigenen aus.

Bigshot: Darum das ballistische Gutachten.

vanDusen: Ganz recht Leutnant, bei der Durchführung seines raffinierten Szenarios unterlief Quinn allerdings ein Fehler, er hatte nicht bedacht daß Kelly vorher bereits einmal geschossen hatte in die Luft und zwar mit seinem Revolver dh. mit einer Platzpatrone welche natürlich keine Spur am Plafonds hinterlassen konnte, als ich diesen untersuchen ließ versuchte Quinn seinen Fehler wiedergutzumachen, indem er Kelly abgenommen Revolver diesmal scharf geladen nachträglich in die Decke schoß, ich habe die Kugel entfernt und Leutnant Bigshot zur Untersuchung überlassen, ihr Ergebnis Leutnant.

Bigshot: Die Kugel stammt aus einem Colt Peacemaker.

Tilbury: Na bitte.

Bigshot: Aber nicht aus der Waffe mit der der tödliche Schuß auf Waldorf abgegeben wurde.

vanDusen: Aha, auch der Frack des toten hat er verschwunden lassen.

Hatch: Warum.

vanDusen: Warum mein lieber Hatch, weil die Pulverspuren im Gewebe verrieten, daß der Todesschuß aus nächster Nähe abgefeuert wurde, übrigens tauchte auch der Frack wieder auf, doch es war der falsche, ein starker Geruch nach Mottenpulver bewies, das Kleidungsstück war jahrelang nicht getragen und nur deshalb zur Stelle geschafft worden, weil ich mich für das Detail interessiert hatte, das Fazit meiner Nachforschungen und Schlußfolgerungen, Kelly diente lediglich als Sündenbock, nicht er hat Waldorf ermordet sondern.

Dolphin: Quinn, das ist klar Prof, aber wer ist Quinn.

vanDusen: Eine Person, welche sich während der Kelly verursachten Szene in Waldorfs unmittelbarer Nähe aufhielt und welche einen gewichtigen Grund hatte Waldorf zu töten.

Dolphin: Das Erbe.

vanDusen: In der Tat Mr Dolphin das Erbe und wer erbt Waldorfs Vermögen.

Kelly: Diotima.

vanDusen: Sie ist die Haupterbin, aber sie nicht die Mörderin ihres Vaters.

Diotima: O Francis.

vanDusen: Auf dem Fest trug Mrs Waldorf das Kostüm einer neuen Frau des 20 Jh. ein Kleid von derartiger Kürze und Knappheit, daß es nicht möglich war, eine gewichtige Waffe wie den Colt Peacemaker darunter zu verbergen.

Tilbury: Mrs Stewesand, war Luftschiff, hätte sogar Haubitze mit sich herum tragen können.

vanDusen: Zweifellos Milord doch als der Schuß fiel war Mrs Stewesand verzeihen sie das Wortspiel weit vom Schuß auf der Orchesterempore, auch sie kommt für den Mord nicht in frage.

Dolphin: Achherrje wer dann Prof.

vanDusen: Eine Person, welche sich in Waldorfs nähe befand und ein Kostüm trug, in dem sich ein großer Revolver ohne Probleme verstecken ließ.

Dolphin: Vielleicht das Kostüm eines Marsmenschen, Prof, eine dicke grüne Kugel mit 6 Armen und 2 Antennen.

vanDusen: Eben dieses Mr. Dolphin.

Dolphin: Lord Tilbury.

vanDusen: Bitte meine Herrschaften, lassen sich mich meine Ausführungen zuende bringen, ich habe auf telegrafischem Weg in England Erkundungen über Lord Tilbury eingeholt, lesen sie vor Hatch.

Hatch: Sehr wohl Prof, erstes Kabel Lord Tilbury ohne Vermögen hat Familienbesitz verspielt und vergeudet.

vanDusen: Das Motiv, meine Herrschaften, als Gatte der Haupterbin wäre Lord Tilbury in den Besitz der Waldorfmillionen gekommen, weiter Hatch.

Hatch: Zweites Kabel Lord Tilbury 1898 Attache in Kalkutta.

vanDusen: Das heißt er war Zeuge jener Affäre welche den komplizierten Mordplan anregte, um sich nicht bloßzustellen hat er sie im Gespräch mit Kelly nach Rio de Janeiro verlegt, das nächste Kabel Hatch.

Hatch: Zu Befehl, Lord Tilbury langjähriges Mitglied diverser amateurtheatrischer Zirkel.

vanDusen: Es war ihm also ein leichtes, sich in den ältlichen heruntergekommenen Quinn zu verwandeln, kein Zweifel, Lord Tilbury ist Waldorfs Mörder.

Tilbury: Dummes Zeug, schierer Nonsens, sie sind nicht exzentrisch, sie sind verrückt, verrückt wie Märzhase.

vanDusen: Seine Hand, halten sie seine rechte Hand fest, Bigshot, bei der Waffe welche seine Lordschaft soeben aus der Tasche zu ziehen versucht, handelt es sich sie sehen es alle um einen Colt Peacemaker Single Action Kaliber45.

Kelly: Diotima.

vanDusen: Sieben Uhr, die Stunde der Hinrichtung, Herr Gouvernor, die Entscheidung liegt bei ihnen.

Hatch: Natürlich wurde Kelly nicht hingerichtet, nach Erledigung der notwendigen Formalitäten ließ man ihn frei, Lord Tilbury wurde verhaftet und kam vor Gericht. Ein viertel Jahr später, die Todeszelle von Sing Sing.

Wärter: Zwölf Uhr, Milord, noch sieben Stunden, dann kommen Sie auf den Stuhl.

Tilbury: Verdammt unsportlich ihr elektrischer Stuhl, unfair, unaristokratisch, verlange anständig geköpft zu werden, gehört sich so für Edelmann.

Wärter: Tut uns ja so leid Milord aber wenn sie bei uns morden, werden sie auch bei uns hingerichtet, modern, bürgerlich, demokratisch, finden sie sich damit ab Milord, sie haben es ja bald überstanden, nur noch sieben kurze Stunden.

Hatch: Zur gleichen Zeit in der Greys Church, die Hochzeit von Miss Diotima Waldorf und Mr. Francis Rian Kelly, Trauzeuge war ich, eigentlich hätte es Prof. van Dusen sein sollen, aber er war nicht erschienen, sie kennen ihn ja meine Damen und Herren, wenn er nicht im Mittelpunkt steht.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Francis Kelly, in der Todeszelle: Christian Brückner
Elmer Dolphin, sein Verteidiger: Moritz Milar
Lord Tilbury (alias Mr. Quinn): Hermann Treusch
Wärter in Sing Sing: Henning Schlüter
Lieutenant Bigshot von der Kriminalpolizei: Arnold Marquis
Pfandleiherin: Traute Daniels-Paulschmidt
Butler im Hause Waldorf: Heinz Spitzner
Walter Waldorf, Bankier: Rainer Pigulla
Diotima, seine Tochter: Maren Kroymann

Michael Koser: Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989)

Wallace: Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren.

Hatch: Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten, würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel.

vanDusen: Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot.

Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace.

Hatch: Aber ich habe ihn doch nur ein ganz klein bißchen mit dem Finger.

vanDusen: Mein lieber Hatch, beruhigen sie sich, der Tod ist keinesfalls auf ihre törichte Einwirkung zurückzuführen, lassen sie sehen, ausgeprägter rigor mortis im Nacken und Schulterbereich, hm, anderseits muß natürlich der beschleunigende Effekt der dem Kamin entströmenden Hitze in die Rechung einbezogen werden, wie spät ist es.

Hatch: Mit dem Gongschlag genau 16 Uhr und 23 min.

vanDusen: Aha, dieser Mann meine Herren.

Wallace: Spargo.

vanDusen: Wie meinen sie Wallace.

Wallace: Das ist der alte Spargo, Roderick Spargo.

Hatch: Der Afrikaforscher.

Wallace: Ebendieser Mr Hatch.

vanDusen: Was immer er war und wie sich nannte er ist es seit 2einhalb Stunden tot.

Hatch: Das heißt, es hat ihn moment so gegen 2 Uhr mittags erwischt.

vanDusen: Exzellent haben sie diese schwierige Kalkulation ganz allein bewältigt.

Hatch: Eine typische van Dusen Spitze, ich zog es vor, sie vornehm zu überhören, darin hatte ich Übung, immerhin war ich nun schon 5einhalb Jahre Assistent Chronist und Begleiter des großen Mannes, als die mysteriösen Ereignisse vorfielen, die ich ihnen heute berichten will, befanden wir der Prof und ich uns in London, wir hatten, es war am 20 September 1903 im exklusiven Globetrotterclub im Westend Cliffard Street zu mittag gegessen mit Mr Alfred Russel Wallace, Prof van Dusen ansonsten sehr auf seine Würde bedacht, war ausnahmsweise der Einladung in den Klub gefolgt, schließlich war der 80 jährige Wallace der Nestor der britischen Zoologie, der Freund und Mitstreiter von Charles Darwin, ein Denkmal der Wissenschaft sozusagen, bei Tisch hatte es eine angeregte Unterhaltung gegeben über Menschenaffen und Affenmenschen und über irgendein ein fehlendes Glied, das beide Koryphäen offenbar schmerzlich vermißten, nach dem Essen geleitete Mr Wallace uns zur Tür und dabei, sie haben es gerade gehört, fiel uns eine Leiche direkt vor die Füße, Wallace bimmelte nach dem Clubdiener, ein paar Minuten später kam er angeschlurft, auch er eine Mumie, wie Wallace, wie der Tote, wie die beiden Greise die im Lesesaal noch immer vor sich hin schnarchten.

Toddles: Sie haben geläutet Sir.

Wallace: Sir Roderik Spargo hat uns verlassen, Toddles.

Toddles: In der Tat, Sir.

Wallace: Unangenehme Geschichte, Toddles, sehr unangenehm.

Toddles: Wenn ich mir einen Vorschlag erlauben dürfte Sir, es wäre zweifellos im Sinne aller Mitglieder Sir Rodericks sterbliche Hülle baldmöglichst aus den Räumen des Club zu entfernen und einem qualifizierten Bestattungsunternehmen zuzuführen.

Wallace: Ganz ihrer Meinung Toddles, leiten sie das in die Wege.

Toddles: Sehr wohl Sir.

vanDusen: Warten Sie, Toddles, sie haben das wichtigste vergessen.

Toddles: In der Tat Sir und das wäre.

vanDusen: Die Benachrichtigung der Polizei, begeben sie sich stehenden Fußes zum nächstgelegenen Telefonapparat, lassen sie sich mit Scotland Yard verbinden.

Toddles: Mr Wallace Sir.

Wallace: Ist das wirklich nötig van Dusen, die Polizei hier im Club.

vanDusen: Ich muß darauf bestehen, Sir Roderick Spargo ist keines natürlichen Todes gestorben,

Wallace: Ah, kein Herzschlag oder so was.

vanDusen: Gift, Wallace, genauer Zyankali, wenn sie ihre Nase den Lippen des Toten nähern, werden sie den spezifischen Geruch nach bitteren Mandel wahrnehmen können.

Wallace: Ich glaubs ihnen auch so, van Dusen, mit Giften kennen sie sich aus, das weiß ich, schließlich gehen sie ja des öfteren fremd.

vanDusen: Fremd, wie darf ich das verstehen Wallace.

Wallace: Daß sie nur zu gern die ihnen ehrbar angetraute Naturwissenschaft betrügen, indem sich den anrüchigen Amüsements der Kriminalistik in die Arme werfen.

vanDusen: Der Kriminologie, mein lieber Wallace, auch bei handelt es sich ganz ohne Frage um eine exakte Wissenschaft.

Wallace: Soll sein van Dusen, sie meinen also Spargo sei ermordet worden.

vanDusen: Sofern er nicht Selbstmord begangen hat, sie sind ja noch immer hier Toddels, nun gehen sie schon, läuten sie Scotland Yard.

Toddles: Ist dies auch ihr Wunsch, Mr Wallace, Sir.

Wallace: Tun sie was Prof van Dusen sagt Toddles, und bitten sie Mister Pomeroy hierher.

Toddles: Sehr wohl Sir.

Hatch: Mr. Pomeroy war der Sekretär des Globetrotter Clubs und Mr. Pomeroy war zur Abwechslung keine Mumie, ein reifer Jüngling mitte 30 mit einem hauchdünnen Schnurrbärtchen, gestriegelt und makellos gewandelt, Gehrock, perlgraue Krawatte, weiße Nelke im Knopfloch, auch als er sah was im Lesesaal des von ihm geleiteten Club auf dem Teppich lag, bewahrte er untadelige Haltung und gestattete sich nur ein leichtes Stirnrunzeln.

Pomeroy: Tot, Sir Roderick Spargo, kaum zu glauben, eben hab ich noch mit ihm gesprochen und nun.

vanDusen: Eben, wann genau.

Pomeroy: Wir sind uns glaub ich noch nicht vorstellt worden.

Hatch: Da glauben sie recht, alter Freund, lassen sie sich sagen, daß sie die Ehre und Freude haben von Prof Dr. van Dusen befragt zu werden, dem großen Wissenschafter und Amateurkriminologen, zubenamt die Denkmaschine, was mich betrifft, ich heiße Hutchinson Hatch, aber das brauchen sie sich nicht zu merken.

Pomeroy: Antony Pomeroy, durchaus erfreut, van Dusen der berühmte amerikanische Detektiv.

vanDusen: Amateurkriminologe.

Pomeroy: Prof van Dusen im Globetrotterclub, sie sehen mich überwältigt, warum bin ich nicht informiert worden, ich hätte für einen würdigen Empfang gesorgt.

Hatch: Roter Teppich, Posaunenchor, Ehrenjungfern.

vanDusen: Hatch, ich weiß ihre guten Absichten zu schätzen, Mr Pomeroy, wann und wo haben sie zuletzt mit Sir Roderich Spargo gesprochen.

Pomeroy: Hier Prof im Lesesaal, er saß in einem Lehnstuhl wie immer, direkt vor dem Kamin, weil ihm kalt war, ihm war immer kalt, wer so lange in Afrika war wie Sir Roderick.

vanDusen: Gewiß Mr Pomeroy, wann fand das Gespräch statt.

Pomeroy: Kurz vor 2 Uhr Prof.

vanDusen: Kurz vor 2 Uhr, höchst interessant, wären sie wohl in der Lage, Mr. Pomeroy diese ihrer Zeitangabe noch ein wenig präziser zu fassen.

Pomeroy: Zufälligerweise ja Prof, als wir anfingen zu reden, Sir Roderick und ich, war es genau viertel vor 2, und 10 min später bin ich gegangen.

vanDusen: Sie haben ihre Uhr zu rate gezogen Mr Pomeroy.

Pomeroy: Mehrmals Prof.

Hatch: Im Gespräch mit einer ehrwürdigen Mumie.

Prof: Hatch.

Hatch: Mit einem Greis, Mr Pomeroy, das gehört sich gar nicht.

Pomeroy: Wissen sie Mr äh.

Hatch: Hatch.

Pomeroy: Ich hatte um 2 einen wichtigen Termin in meinem Büro mit unserem Weinlieferanten, da wollte ich nicht zu spät kommen.

vanDusen: Verständlich Mr Pomeroy, sie verließen also Sir Roderick Spargo genau 5 min vor 2 Uhr, zu diesem Zeitpunkt war er noch am leben.

Pomeroy: Aber natürlich Prof, er hat mir sogar etwas nachgerufen, als ich schon in der Tür stand.

vanDusen: Tatsächlich Mr Pomeroy und wissen sie auch noch was Sir Roderick ihnen nachrief.

Pomeroy: Ja Prof, halten sie die Augen offen, hat er gerufen und geben sie mir sofort bescheid, wenn sie in der Nähe des Globetrotter Clubs eine Negerin sehen.

vanDusen: Eine Negerin.

Pomeroy: Eine Negerin Prof, er hatte entsetzliche Angst, Sir Roderik meine ich, deshalb wollte er ja mit mir reden.

Hatch: Berichten Sie Mr Pomeroy.

Hatch: Detailliert, präzise und von anfang an, sie kennen das ja meine Damen und Herren, Pomeroy berichtete, Sir Roderik Spargo hatte ihn zu sich rufen lassen.

Pomeroy: um mir was zu zeigen, eine Holzschnitzerei, eine Schlange, etwa 20 cm lang weißbemalt und Sir Roderick war auch weiß, weiß wie die Wand, der Todesfetisch hat er gesagt, heute morgen lag er vor meinem Bett und keiner weiß wie er dahin gekommen ist, sie ist hinter mir her, Pomeroy helfen sie mir.

vanDusen: Eine seltsame Geschichte, Mr Pomeroy.

Pomeroy: Nicht wahr, Prof.

vanDusen: Und weiter, Mr Pomeroy.

Pomeroy: Dann hat er die Schlange wieder in die Brusttasche gesteckt und einen Whisky in einem Zug ausgetrunken.

vanDusen: Die Brusttasche, ja das ist sie die Schlange, zentralafrikanische Arbeit ohne jeden Zweifel, Baluba wenn ich nicht irre.

Hatch: Sie irren nie Prof.

vanDusen: Eine Redensart, mein lieber Hatch.

Pomeroy: Baluba.

vanDusen: Ein Volk im südlichen Kongobecken, zwischen dem Kasei und dem Hochland von Katanga.

Hatch: Katanga, war Sir Roderick Spargo nicht in den 80er Jahren Distriktkommandeur von Katanga für König Leopold von Belgien.

Pomeroy: Sie haben Recht Mr. äh.

Hatch: Hatch und da hat er doch so gehaust daß es sogar den Belgiern zu viel wurde und die sind ja weiß gott nicht gerade zartbesaitet, rausgeworfen haben sie ihn.

Pomeroy: Bloody Spargo hieß er nicht so in der Presse Mr äh.

Hatch: Genau Mr Pomeroy, Spargo der blutige.

vanDusen: Bei den Bantuvölkern ist weiß die Farbe des Todes, insofern handelt es sich bei diesem kleinen Schnitzewerk wohl in der Tat um einen Todesfetisch, fahren sie fort Mr Pomeroy.

Pomeroy: Wo war ich.

Hatch: Sie ist hinter mir her, Pomeroy, helfen sie mir.

Pomeroy: Danke Mr äh, Sir Roderick war völlig verstört, ich verloren hat er immer wieder gejammert, und dann noch was von einer Priesterin die Macht über leben und tot hat, wem sie den Todesfetisch schickt, der muß sterben oder so ähnlich.

Hatch: Die Negerin.

Pomeroy: Jetzt hat sie mich gefunden, die Rache naht, sehr melodramatisch.

vanDusen: In der Tat Mr Pomeroy und was taten sie.

Pomeroy: Ich Prof nichts besonders, ich habe versucht ihm gut zuzureden, ihn zu beruhigen, ich habe ihm geraten sich von Toddles einen zweiten Whisky bringen zu lassen.

Toddles: Mr Pomeroy Sir.

vanDusen: Ah lupus in fabula.

Pomeroy: Ja Toddles.

Toddles: Verzeihen sie die Störung, Sir, die Herren von Scotland Yard werden in einer halben Stunde eintreffen.

Pomeroy: Danke Toddles, war da noch was.

Toddles: Wenn sie gestatten, Sir, wird den Herren von Scotland Yard Einlaß in die Clubräume gewährt.

Pomeroy: Ich verstehe nicht Toddles.

Toddles: Ich meine wo sie doch keine Mitglieder sind Sir.

Pomeroy: Aber Toddles, das spielt in diesem fall keine Rolle.

Toddles: Nicht, Sir, höchst bedauerlich wenn sie mir die Bemerkung gestatten Sir.

Pomeroy: Sicher Toddles aber leider nicht zu ändern, sagen sie dem Portier bescheid.

Toddles: Sehr wohl Sir.

vanDusen: Noch einen Augenblick, Toddles.

Toddles: Sie haben einen Wunsch Sir.

vanDusen: Eine Frage Toddles, sie haben Sir Roderick Spargo heute nach dem essen in diesem Raum zwei Gläser Whisky serviert.

Toddles: Nein Sir.

vanDusen: Nicht.

Toddles: Ich habe Sir Roderick 2 mal einen doppelten Whiskey kredenzt, Sir Roderick pflegt Verzeihung pflegte nur doppelte Whiskys zu sich zu nehmen.

Hatch: Das spricht für ihn.

vanDusen: Gut, gut Toddles, sie haben also Sir Roderick zwei doppelte Whiskys gebracht.

Toddles: Jawohl Sir, sehr merkwürdig Sir, wenn sie mir die Bemerkung erlauben.

vanDusen: Merkwürdig, inwiefern.

Toddles: Nach dem lunch pflegte Sir Roderick im Lesesaal stets nur einen doppelten Whisky zu trinken Sir.

vanDusen: Und diesmal zwei ausnahmsweise, hm, wann haben sie Sir Roderick bedient Toddles.

Toddles: Das erste mal um viertel vor 2 Sir wie jeden Tag.

vanDusen: Mr Pomeroy befand sich bereits bei Sir Roderick.

Toddles: Jawohl Sir, Mr Pomeroy stand neben Sir Rodericks Sessel, es hatte den Anschein, daß beide Herren sich unterhielten.

vanDusen: Worüber.

Toddles: Dies entzieht sich meiner Kenntnis, Sir, ich pflege nicht zu lauschen wenn sie mir diese persönliche Bemerkung gestatten Sir.

vanDusen: Sehr lobenswert Toddles und sie haben auch nicht zufällig das eine oder andere Wort.

Toddles: Was denken sie von mir Sir.

vanDusen: Nur gutes, Toddles, welchen Eindruck hat Sir Roderick auf sie gemacht, war er wie immer, war er verändert.

Toddles: Es steht mir nicht zu Sir, über das Verhalten von Mitgliedern des Globetrotter Clubs ein Urteil abzugeben.

vanDusen: So, wann haben sie Sir Roderick den zweiten doppelten Whisky gebracht.

Toddles: Wenige Minuten vor 2 Uhr Sir.

Pomeroy: Es muß genau 5 vor 2 gewesen ein, ich war nämlich gerade am gehen als Toddles mit dem Tablett aufkreuzte.

vanDusen: Wie hat Sir Roderick reagiert, hat er etwas gesagt, sich bedankt.

Toddles: Sir Roderick hatte nicht die Gewohnheit für geleistete Dienste zu danken, Sir, räumen sie das leere Glas weg hat er gesagt und stellen sie das volle auf den Kaminsims und da.

Hatch: Steht es immer noch.

vanDusen: Nicht angerührt.

Pomeroy: Nun Prof.

vanDusen: Reiner schottischer Maltwhisky.

Hatch: Kein Zyankali.

vanDusen: Nicht die Spur, mein lieber Hatch.

Hatch: Dann war das Gift also im ersten Whisky.

vanDusen: Glauben sie, bekanntlich ist Zyankali ein äußerst rapide wirkendes Gift, welches selbst in geringer Konzentration bereits Sekundenbruchteile nach der Einnahme zum Tod führt, nun hat aber Sir Roderick Spargo nach dem Genuß des ersten Glases Whisky noch minutenlang mit Mr Pomeroy konferiert, insofern.

Hatch: Kann auch der erste Whisky nicht vergiftet gewesen sein.

vanDusen: So scheint es, mein lieber Hatch.

Hatch: Seltsam.

Toddles: Höchst seltsam, wenn ich mir diese Steigerung erlaubten dürfen, sofern sie keinen weiteren Wünsche haben, meine Herren, gestatten sie daß ich mich entferne, die Pflicht ruft.

Pomeroy: Sie können gehen, Toddles.

Toddles: Sehr wohl Sir.

vanDusen: Ein nicht eben ergiebiger Zeuge.

Pomeroy: Aber ein loyaler Bediensteter Prof.

Hatch: Eine richtige Perle, lauscht nicht, klatscht nicht.

Pimpernel: Hahaha, daß ich nicht lache.

Mandrake: Sie haben ja keine Ahnung junger Mann.

Pimpernel: Schwerhörig ist er der alte Toddles.

Mandrake: Und gucken kann er auch nicht mehr richtig.

Pimpernel: Und außerdem ist er senil.

Mandrake: Total verblödet.

Pimpernel: Uns sollte er fragen der andere junge Mann, ja sie meine ich.

vanDusen: Äh mich.

Mandrake: Ja wer denn sonst los fragen sie uns, wir waren die ganze zeit hier.

Hatch: Was sich da so plötzlich einmischte, war das mumifizierte Zweiergespann das bisher friedlich vor sich hingeschlafen und geschnarcht hatte, das hatte ich wenigstens angenommen, aber.

Mandrake: Wir waren wach, junger Mann.

Pimpernel: Hellwach.

Pomeroy: Ich darf die Herren mit einander bekannt machen, Prof van Dusen, Mr Mandrake, Mr Mandrake, Prof van Dusen, Prof van Dusen, Mr Pimpernel, Mr Pimpernel, Prof van Dusen, Mr Äh Mr Mandrake, Mr Mandrake Mr Äh, Mr Äh Mr Pimpernel, Mr Pimpernel, Mr Äh, Mr Mandrake ist der berühmte Erforscher von Juenlun, Jangtsekiang, und in Mr Pimpernel sehen sie den nicht minder berühmten Reisenden welche als erster den australischen Kontinent von Südost nach Nordwest durchquerte, apropos ich muß springen, der Küchenzettel für die nächsten Tage.

vanDusen: Gewiß Pomeroy, gewiß, was sie betrifft, meine Herren, sowohl ihre Namen als auch ihre geografischen Verdienste sind mir keineswegs unbekannt auch wenn ich.

Mandrake: Schon gut, schmieren sie keinen Honig um den Bart, machen sie lieber weiter.

Pimpernel: Es muß doch rauszukriegen sein, wie der alte Spargo den Löffel abgegeben hat, übrigens komplett vertrottelt.

vanDusen: Sir Roderick Spargo.

Mandrake: Natürlich Spargo, von wem reden wir denn, sie scheinen mir aber auch nicht der hellste zu sein, junger Mann.

Pimpernel: Blind wie eine Fledermaus war er sowieso.

Mandrake: Die times hat er immer verkehrt rum gehalten.

Pimpernel: Und taub war er, stocktaub.

Mandrake: Darum mußte man immer brüllen wenn man sich mit ihm unterhielt.

Pimpernel: Und er brüllte natürlich auch.

Mandrake: Und wie vorhin mit Pomeroy kurz vor 2.

Pimpernel: Bei so einem Gebrüll kann kein Mensch schlafen.

Mandrake: Wir waren wach und haben zugehört.

Pimpernel: Und wir können ihn versichern junger Mann.

Mandrake: Was Pomeroy ihnen eben erzählt hat, das stimmt haargenau.

Pimpernel: Wort für wort.

Mandrake: Ein wahrheitsliebender Mensch, unser Tony Pomeroy.

Pimpernel: Aber ein miserabler Clubsekretär.

Mandrake: Den Portwein, den er besorgt, den kann man nicht trinken.

Pimpernel: Hört, hört.

Mandrake: Und der Fraß, also schlimmer als in der Wüste Gobi.

Pimpernel: Hört, hört.

Mandrake: Oder sehen sie sich mal die Zimmerpalme an, ja die vor dem Kamin, läßt alles hängen, was sie hat.

Pimpernel: Richtig runter gekommen der Globetrotter Club seit Pomeroy das sagen hat, früher.

Mandrake: Ja früher.

vanDusen: Gewiß, gewiß meine Herren, sie haben also die Unterredung zwischen Sir Roderick Spargo und Pomeroy akustisch verfolgt, auch optisch.

Mandrake: Sie meinen, ob wir auch zugesehen haben, junger Mann, na klar haben wir das.

Pimpernel: Unsere Augen sind nämlich noch gut in Schuß.

Mandrake: Auch ohne Brille.

vanDusen: Ja davon bin ich überzeugt, meine Herren, wie hat Sir Roderick sich während des Gesprächs verhalten.

Mandrake: Ja zuerst war er aufgeregt.

Pimpernel: Er hat mit den Armen gefuchtelt und geblubbert.

Mandrake: Ja aber dann hat er sich beruhigt.

Pimpernel: Nachdem er seinen Whisky gekippt hat, denn Whisky ist ein prima Beruhigungsmittel junger Mann.

Hatch: Wem sagen sie das.

vanDusen: Hatch, und dann.

Mandrake: Ja dann hat Pomeroy sich verdrückt, Spargo hat noch etwas gerufen Achtung Negerin oder so, sie habens ja gehört junger Mann.

vanDusen: Und weiter.

Pimpernel: Nichts weiter, junger Mann, wir sind ein bißchen eingedöst.

Mandrake: Ja um zwei, wir dösen immer um 2 ein, was Pimpernel.

Pimpernel: Genau, Mandrake, aber geschlafen haben wir nicht, junger Mann.

Mandrake: Wir waren weiter auf Posten.

Pimpernel: Melde gehorsamst, im Lesesaal alles ruhig.

vanDusen: Niemand hat ihn verlassen oder betreten.

Mandrake: Kein Mensch bis sie gekommen sind, junger Mann.

Pimpernel: Mit dem anderen jungen Mann und dem alten Wallace.

Toddles: Die Herren von Scotland Yard, Inspector.

Hatch: Smiley, wie gehts denn alter Knabe.

Smiley: O Mr Hatch, Prof van Dusen das ist ein Überraschung.

vanDusen: In der Tat Inspector.

Smiley: Ich hoffe sie sind mir nicht mehr böse Prof wegen dieser Geschichte neulich in Doncaster.

Hatch: Smiley meinte natürlich den berühmten Wettbewerb der Detektive bei der er selbst eine etwas zwielichtige Rolle gespielt hatte, deshalb gab sich der Prof zunächst kühl und zugeknöpft, aber legte sich bald, schließlich galt es, gemeinsam an einem hochinteressanten Fall zu arbeiten, Smiley überließ den Tatort seinen Untergebenen, die im Foyer gewartet hatten, verhörte Pomeroy, Toddles, die beiden Mumien und zog sich dann mit van Dusen und mir in ein stilles Hinterzimmer zurück.

Smiley: Das ist wieder so ein Fall Prof.

vanDusen: Sie meinen Inspektor.

Smiley: Ja ein richtiger van Dusen Fall, rätselhaft und undurchsichtig, ein unmögliches Verbrechen, unter uns Prof, ich bin ehrlich froh sie an meiner Seite zu wissen, wie beim Ballonmord in Schottland, sie erinnern sich.

Hatch: Whisky in den Wolken.

vanDusen: Selbstverständlich erinnere ich mich Inspektor und wie damals bin ich auch heute bereit ihnen kriminologisch unter die Arme zu greifen, lassen sie uns also die Fakten rekapitulieren, es handelt sich sie werden mir zustimmen ganz eindeutig um Mord.

Smiley: Keine Frage Prof, alles andere scheidet aus.

Hatch: Auch Selbstmord, ich meine könnte Spargo.

vanDusen: Unmöglich mein lieber Hatch.

Smiley: Ich werde es ihnen erklären, sehen sie Zyankali wirkt sehr schnell, bei Selbstmord hätten wir in der Hand des Toten ein leeres Behältnis gefunden, eine Flasche oder dergleichen oder in einer seiner Taschen Spuren des Gifts, sofern er es in fester Form eingenommen hat, da wir nun weder das eine noch das andere entdeckt haben.

Hatch: Ist Sir Roderick Spargo ermordet worden, alles klar.

vanDusen: Die Tatzeit Inspektor.

Smiley: Kein Problem, 13 Uhr 55 bis 14 Uhr.

vanDusen: Ja das könnte sein, und wie wurde der Mord ausgeführt.

Smiley: Ja da wirds schwierig, im ersten Whisky kann kein Zyankali sein und den zweiten hat der Tote nicht angerührt und auch sonst hat er während der fraglichen Zeit nichts zu sich genommen.

vanDusen: Sie akzeptieren die Aussagen der von ihnen befragten.

Smiley: Ja warum denn nicht, keine Widersprüche, keine eklatanten Unwahrscheinlichkeit.

vanDusen: Ja, was halten sie von Pomeroy, er ist der Hauptzeuge, mit seinen Angaben steht oder fällt der Fall, ist er vertrauenswürdig.

Smiley: Unbedingt, er ist einer der Worcercer, ein jüngerer Sohn von Lord Woster, persönlich, naja früher war er so eine Art schwarzes Schaf, als junger Mann da ist er ausgerissen nach Amerika, und hat sich als Tellerwäscher durchgeschlagen, als Cowboy, als Privatdetektiv, beim Circus war er auch, aber jetzt da hat sich die Hörner abgestoßen und ist ein verantwortungsbewußtes Mitglied der Gesellschaft.

vanDusen: Wenn sie das sagen.

Smiley: Außerdem wird er von Mr Mandrake und Mr Pimpernel voll und ganz bestätigt, wissen sie was, ich glaube, der Schlüssel zum Mord an Roderik Spargo liegt weit zurück, in Afrika, der Todesfetisch, die Negerin, Baluba, diesen Hinweisen sollten wir nachgehen.

Pomeroy: Wenn ich sie bei ihren kriminologischen Überlegungen mal kurz stören dürfte.

vanDusen: Treten sie näher Mr Pomeroy.

Smiley: Gut daß sie kommen, sind sie sicher, daß in den zurückliegenden Stunden keine Negerin im Club war.

Pomeroy: Völlig sicher, fragen sie von mir aus auch unseren Portier, der wird es ihnen bestätigen, eine solche Person würde einmal nicht ins Foyer gelassen werden.

Hatch: Weil sie schwarz ist.

Pomeroy: Weil sie eine Frau ist, Mr äh, niemals hat eine Frau die heiligen Hallen des Globetrotter Clubs betreten dürfen.

Smiley: Und heimlich durch die Fenster.

Pomeroy: Vergittert, Inspektor, und der Lieferanteneingang ist zugesperrt, genau deswegen dieser mysteriösen Negerin wollte ich sie sprechen, meine Herren, mir ist da was eingefallen, ein Plakat, das ich gestern auf der Straße gesehen habe, ganz in der Nähe, habs wiedergefunden und abgerissen, bitte sehr.

Hatch: Nur wenige Tage im Olympia, King Cole Boloski mit seiner sensationellen Völkerschau, kommen sie, sehen sie, staunen sie, wilde Kannibalen vom Stamm der Baluba, Baluba, Prof.

vanDusen: Sehr interessant, lesen sie weiter, mein lieber Hatch.

Hatch: Vom Stamm der Baluba aus dem dunkel Herzen des dunklen Erdteils, laszive Tänze, blutdürstige Riten, schwarze Magie, unglaublich, aber wahr, vor ihren Augen wird Kabora Bassa, Zauberpriesterin der Baluba, ihrer der Wissenschaft gänzlich unbekannten okkulten Fähigkeiten.

vanDusen: Ach das ist doch Unfug.

Hatch: Sie werden schaudern, sie werden sich entsetzen, sie werden sich glänzend unterhalten, Eintritt 2 Schilling, Kinder und Soldaten.

vanDusen: Das genügt, danke.

Smiley: Es gibt sie also wirklich die Negerin, die Zauberpriesterin und ich wette, sie hat was mit dem Mord zu tun.

Hatch: Wie denn, Inspektor, wenn sie nicht im Club war.

Smiley: Das werden wir feststellen Mr Hatch, das Olympia warten sie mal.

Pomeroy: In Kensington, Edison Road.

Smiley: Lassen sie uns bitte eine Kutsche kommen, Mr Pomeroy.

Pomeroy: Nicht nötig, mein Rolls-Royce steht der Polizei zu Diensten, ihnen natürlich auch Prof. Mr äh.

Hatch: Die Abendvorstellung fing gerade an, als wir der Prof, Smiley, Pomeroy und ich vor dem Olympia unserem hochherrschaftlichen Gefährt entstiegen, das große Amphitheater war gut besetzt, in der Arena sprangen zu Trommelklang fantastisch aufgeputzte schwarze Gestalten herum, vorgestellt und erklärt von einem kleinen Mann mit großer Stimme.

Boloski: King Cole Boloski, Ladies und Gentlemen, zu ihren Diensten, der König der Kannibalen, der Mogul der Menschenfresser, ich habe keine Kosten keine Mühen keine Gefahren gescheut, durch Urwald und Wüstensand bin ich gezogen, über reißenden Ströme und endlose Savannen, um für sie das interessante aufzuspüren, das amüsante, das sensationelle, doch was ich auch fand, es war nicht interessant, amüsant, sensationell genug, bis ich mich mit Todesverachtung dorthin wagte, wo der schwarze Kontinent am schwärzesten ist, tief in das finstere Becken des Kongo wo bisher noch niemals ein weißer Reisender den wagemutigen Fuß zu setzen wagte, denn dort hausen die wildesten der wilden, jenes Volk dessen Name allein ganz Afrika in Furcht und Grauen versetzt, die Baluba, Menschenfleisch ist ihre Nahrung, Menschenblut ist ihr Getränk.

Hatch: Usw, Ladies und Gentlemen, Mr Boloski tönte, die wilden Baluba produzierten sich, das Publikum war angetan und vertilgte Unmengen Bier, Limonade, Popcorn und Würstchen, eine kannibalische Bühnenschau wirkt offenbar appetitanregend, wir achteten natürlich vor allem auf die Zauberpriesterin, eine attraktive und sehr gelenkige schwarze Dame, die mir ohne ihre weiße Kriegsbemalung, ohne den Schmuck von Knochen und Schädel und ohne blutiges Schlachtemesser noch besser gefallen hätte. Nach anderthalb Stunden war die Vorstellung zu Ende, die Akteure verschwanden im Durchgang zu den Garderoben, wir folgen, und stießen im spärlich beleuchteten Korridor auf Boloski der erschöpft auf einer Kiste hockte und sich den Schweiz abwischte.

Boloski: Kabora Bassa wollen sie sprechen, warum was haben sie überhaupt hinter der Bühne zu suchen.

Smiley: Kriminalpolizei, es besteht der begründete Verdacht daß die Person welche wir zu befragen wünschen in einen Mordfall verwickelt ist.

Boloski: Mord.

Smiley: Jawohl Mord an Sir Roderik Spargo.

Boloski: Der ist ermordet worden, aber ich dachte.

Pomeroy: Reden sie nicht herum Mann, sagen sie uns lieber wo wir ihre schwarze Perle finden.

Boloski: In ihrer Garderobe natürlich.

Smiley: Und wo ist die.

Hatch: 10 m weiter den Korridor entlang links die Tür mit den schwarzen Stern, wir klopften und traten ein, bis auf Pomeroy, der mal schnell nach seiner kostbaren Benzinkutsche sehen wollte, die Garderobe war leer, das dachten wir, aber dann raschelte es hinter dem Wandschirm, ein schwarzes Gesicht tauchte auf und große Augen sahen uns an, wir stellten uns vor.

Bassa: Treten sie näher, meine Herren, sie gestatten, daß ich mich weiter umkleide, ich bin im Ritz verabredet und dort wäre ich in meinem Bühnenkostüm wohl kaum korrekt angezogen.

vanDusen: Sie sehen mich verwundert, Miss Bassa.

Bassa: Wirklich Prof, was vermag einen Mann wie sie in erstaunen zu versetzen.

vanDusen: Ihr Auftritt, verehrte Miss Bassa, die gesamte Show, vor allem jedoch die törichte ja abstruse Kommentierung ihrer Aktionen durch Mr Boloski, auch wer sich nur flüchtig mit afrikanischer Geografie und Ethnologie befaßt hat weiß, daß das Kongobecken längst erforscht und kartografiert ist und daß es sich bei den Baluba um ein kulturell hochentwickeltes Bantuvolk handelt, welches keinesfalls der Anthropophragie zugetan ist.

Smiley: Anthro was.

Bassa: Kannibalismus, Inspektor, Menschenfresserei, Sie haben natürlich recht Prof, was Broksi da faselt, ist Unsinn, fauler Zauber, genau wie das was wir auf der Bühne veranstalten, die Tänze, das Gebrüll, das blutrünstige Getue, aber so wollen sie uns schließlich sehen.

vanDusen: Wir Miss Bassa.

Bassa: Sie alle, das Publikum, die weißen.

vanDusen: Und sie Miss Bassa spielen ein so unwürdiges Spiel mit.

Bassa: Warum denn nicht, so steht es im Vertrag mit Boloski und wir haben einen guten Vertrag, Pauschalgage und Beteiligung an den Einnahmen, wenn die sog zivilisierten heulende wilde sehen wollen und dafür tief in die Tasche greifen, bitte sehr, uh uh umba umba wuf wuff, Menschenfleisch lecker.

vanDusen: Ein recht zynischer Standpunkt, Miss Bassa.

Bassa: Mag sein Prof aber sie ja wohl nicht zu mir gekommen um ethische Probleme im Showbusiness zu diskutieren, was kann ich für sie tun, meine Herren.

Smiley: Ist ihnen dieses Objekt bekannt Miss.

Bassa: Mein weißer Schlangenfetisch, haben sie ihn gefunden.

Smily: Wenn sie gestatten Miss wir stellen die Fragen diese Schnitzerei gehört ihnen.

Bassa: Aber ja ich habe sie schon vermißt.

vanDusen: Seit wann.

Bassa: Das kann ich nicht genau sagen, gestern abend bei der Vorstellung da hatte ich sie noch meine kleine nioka und als ich mich heute abend herrichtete war sie verschwunden.

Smiley: So, sagt ihnen der Name Spargo etwas, Sir Roderick Spargo.

Bassa: Spargo, Spargo der blutige, Spargo mubomo, jeder Muluba kennt diesen verfluchten Namen, vor 20 Jahren hat der König der Belgier ihn als Herr über uns gesetzt, er hat uns bedrückt, er hat uns ausgebeutet, er hat uns gequält, unsere Männer starben, unsere Frauen wurden unfruchtbar, unsere Kinder verhungerte, unsere götter wurden vertrieben, Spargo ist ein coebe, ein böser Dämon.

Smiley: Er ist tot, Miss.

Bassa: Tot, Spargo ist tot, ich danke ihnen dank für diese wundervolle Nachricht, mein Herz jubelt, wenn der Feind meines Volkes lebt nicht mehr.

Smiley: Er wurde ermordet, Miss auf bislang ungeklärte Weise, wissen sie was darüber.

Bassa: Auf ungeklärteweise rätselhaft geheimnisvoll unerklärlich mystisch okkultisch.

Smiley: Wissen sie etwas über den Mord Miss.

Bassa: Vielleicht, Inspektor.

Smiley: Wo waren sie heute mittag zwischen 1 und 2 Miss.

Bassa: Hier.

Smiley: Haben sie Zeugen.

Bassa: Oh ja einige tausend Menschen, die Besucher der Sonntagmittag-Sondervorstellung, keine Frage ich war hier, mein Körper war hier.

Smiley: Ihr Körper.

Bassa: Lassen sich durch meine Pariser Robe nicht täuschen, ich bin eine Muluba, ich bin eine Ninganga, eine Hexe, eine Zauberpriesterin, die Minganga hat Macht über die Geister, mahama ist ihr zu diensten, der Geist der Rache, und simbka der Geist der blitzschnell tötet, von der Ninganga ausgesandt überwindet simuka jedes Hindernis, unsichtbar, unhörbar, bis er das von der niganga bestimmte Opfer reicht hat und dann, dann tötet Simbuka auf geheimnisvolle unerklärte okkulte Weise.

Smiley: Wollen sie behaupten Miss, sie hätten Spargo aus der ferne getötet durch Geister und magische Kräfte.

Bassa: Topoal, ich habe gesprochen.

Smiley: Und was sagen sie dazu Prof.

vanDusen: Zwei Worte Inspektor, fauler Zauber.

Smiley: Na ich bin da nicht so sicher, solange wir keine bessere Erklärung haben, sie wissen doch, es gibt mehr dinge zwischen Himmel und Erde als.

vanDusen: Unsinn lassen sich nicht düpieren, Miss Bassa ist eine intelligente Frau.

Bassa: Danke Prof.

vanDusen: Sie hat den Globetrotterclub nicht betreten und für die Tatzeit hat sie ein unerschütterliches Alibi, sie kann nicht verhaftet oder gar vor Gericht gestellt werden, es ist daher für sie völlig ungefährlich sich in vagen Andeutungen okkulter Natur zu ergehen, die Presse wird erfahren, durch Miss Bassa selbst, durch Mr Boloski.

Hatch: Fetischmord im globetrotterclub schwarze Zauberin hext afrikaforscher zutode

vanDusen: Das Ergebnis, alle Vorstellungen werden ausverkauft sein, der Vertrag der Balubatruppe wird verlängert, zu womöglich günstigeren Bedingungen.

Bassa: Sie sind ein intelligenter Mann.

Pomeroy: Wie siehts aus, meine Herren können wir aufbrechen.

Smiley: Von mir aus, Mr Pomeroy, falls Prof van Dusen nicht noch ein paar fragen.

Pomeroy: Hilfe, hilfe.

Smiley: Das ist Boloski, kommen sie.

Pomeroy: Als ich eben durch den Korridor kam, saß er noch auf seiner Kiste.

Hatch: Boloski saß nicht mehr auf seiner Kiste, er lag daneben, sein Gesicht war blau, die Zunge hing ihm aus dem Hals, seine Augen starrten ins nichts.

vanDusen: Boloski ist tot, erwürgt.

Pomeroy: Ermordet.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel, Mr Pomeroy.

Pomeroy: Aber ich hab ihm doch erst vor ein paar Sekunden zugenickt und da war er noch am leben und allein.

Smiley: Als er schrie sind wir sofort nach draußen gelaufen.

Bassa: Es gibt hier kein Versteck und nur eine Tür zu meiner Garderobe.

Hatch: Wir hätten den Mörder sehen müssen.

Smiley: Also noch ein unmöglicher Mord.

vanDusen: Zwei anscheinend unmögliche Morde, mein Herrschaften, wenn wir sie im Zusammenhang sehen, gewissermaßen addieren.

Hatch: zwei plus zwei.

vanDusen: So ungefähr mein lieber Hatch, wenn wir sie addieren so erhalten wir.

Hatch: 4.

vanDusen: Mitnichten mein lieber Hatch, wir erhalten ein Verbrechen, ein plausibel ein erklärbares, ein durchaus mögliches Verbrechen, meine Herrschaften, der Fall ist gelöst, folgen sie mir in den Globetrotterclub, Prof Dr Augustus van Dusen lädt sie ein zu einem kriminologischen Spezialkolleg oder wenn sie so wollen zu einer Sonntagabend-Sondervorstellung.

Hatch: Eine Stunde später, 11 Uhr nachts im Lesesaal des Clubs hatten sich alle Beteiligten versammelt, Kabora Bassa, Pomeroy, der alte Wallace, Mandrake und Pimpernel, die munteren Mumien, Toddles, Smiley und seine Bobbys, ich natürlich und vor allem seine Genialität der Herr Prof.

vanDusen: Gestatten sie mir meine Herrschaften daß ich ihre Aufmerksamkeit auf eine Tatsache lenke, dessen große ja überragende Bedeutung für vorliegenden Fall ihnen womöglich entgangen sein dürfte, ich meine den nicht eben blühenden Zustand dieser Zimmerpalme, es handelt sich übrigens um eine curifa australis, eine neuseeländische Schirmpalme, ihre Wedel sie sehen es selbst sind von ungesund gelber Farbe und hängen schlaff herunter, aus gutem Grund.

Smiley: Warum.

Mandrake: Nicht gegossen.

vanDusen: Doch Mr Mandrake die Palme wurde gegossen, jedoch nicht mit Wasser, sondern mit Whisky, mit Whisky welche eine größere Menge Zyankali enthielt, dieser Tatbestand konnte ich bereits konstatieren bevor ich den Club verließ um die Völkerschau im Olympia aufzusuchen und auch jetzt noch läßt sich ein schwacher doch unverkennbarer Geruch nach Alkohol und bitteren Mandel wahrnehmen, was bedeutet das, es bedeutet das Gift welches Sir Rodrick Spargo tötete befand sich im ersten von ihm bestellten doppelten Whisky, er trank ihn und starb unmittelbar darauf

Pomeroy: Das stimmt nicht Prof, Sir Roderick hat danach noch mit mir geredet.

Mandrake: Ja wir haben es gehört was Pimpernel.

Pimpernel: Ganz deutlich Mandrake.

vanDusen: Zweifellos, ebenso deutlich wie ich selbst nebst Miss Bassa Smiley und anderen im Garderobentrakt des Olympia Bolsoskis Todesschreie zu hören glaubte, wir haben es hier nämlich mit einem Phänomen zutun, oder besser gesagt mit einer nicht gewöhnlich Fertigkeit welche gewisse darin geübte Personen in den stand setzt, Töne und Worte ohne bemerkbare Bewegung des Mundes auf eine weise wahrnehmbar zu machen daß die Hörer annehmen müssen, sie rührten von einem anderen unter umständen entfernt ort her, ich meine natürlich.

Bassa: Bauchreden, Prof.

vanDusen: In der Tat Miss Bassa, schon früh während der von mir durchgeführten Befragung in diesem Club mutmaßte ich, der Mörder sei ein Ventriloquist, ein Bauchredner, doch erst nach Boloskis Tod war ich meiner Sache sicher, erwürgen stellt eine relativ langwierige Tötungsart dar, zwischen dem Beginn der Aktion und dem Eintritt des Todes vergehen mehrere Minuten, als ich Boloski im Korridor untersuchte, war er bereits tot, er hätte also keinesfalls Sekunden vorher schreien oder gar Worte bilden können, die Folgerung was ich gehört hatte, war nicht Boloskis Stimme, sondern eine von seinem Mörder hervorgebracht ventriloqustische Imitation und weiter, was sie Mr Mandrake, Mr Pimpernel in diesem Raum vernommen haben.

Mandrake: Es hörte sich an wie Spargo, war aber nicht Spargo.

Pimpernel: War ein Bauchredner.

vanDusen: So ist es, der Mörder praktizierte Zyankali in Spargos Whisky, Spargo trank, der Tot trat ein, der Mörder nahm dem Opfer das Glas aus der Hand, goß den Rest in den Palmentopf und ließ sodann den Toten einige Minuten reden.

Toddles: Wenn ich mir eine Frage erlauben darf, den zweiten Whisky hat demnach der Mörder bestellt.

vanDusen: Mit Sir Roderich Stimme, jawohl Toddles.

Toddles: Da läuft es mir noch nachträglich eiskalt über den Rücken, wenn sie mir diese persönliche Bemerkung gestatten.

vanDusen: Erleichtert wurde die Täuschung durch die Tatsache, daß die Zeugen unter gewissen altersbedingten Wahrnehmungseinschränkung litten.

Mandrake: Vielleicht sind wir ein ganz kleines bißchen kurzsichtig.

Pimpernel: Und vielleicht hören wir auch nicht mehr ganz so gut.

Mandrake: Aber blöd sind wir nicht.

Pimpernel: Wir wissen jetzt, wer der Mörder ist.

Smiley: Ach wirklich.

vanDusen: Sie nicht Inspektor.

Smiley: Wenn ich ehrlich bin.

vanDusen: Nur eine Person kommt in frage, eine Person, welche sich bei beiden Morden zur Tatzeit am Tatort aufhielt, eine Person welche durch längeres Verweilen beim Zirkus geboten war die schwierige Kunst des Ventriloqusimus anzueignen.

Hatch: Pomeroy.

vanDusen: Wer denn sonst, mein lieber Hatch.

Mandrake: Das wundert uns nicht, was Pimpernel.

Pimpernel: Ganz und gar nicht Mandrake, vom unfähigen Clubsekretär zum Mörder ist es nur ein klitzekleiner Schritt.

vanDusen: Und damit wären wir auch beim Motiv des Täters angelangt, Pomeroy einem aristokratischen Hause entsprungen jedoch als jüngerer Sohn weder vermögend noch aussichtsreicher Erbe nennt ein nicht eben wohlfeiles Automobil sein eigen, während die Mitglieder des von ihm verwalteten Clubs sich mit zweit-klassigem Portweinen und minderwertigen Speisen abfinden müssen, kein Zweifel Pomeroy unterschlägt Gelder des Globetrotterclubs, eine kritische Durchsicht der Bücher welche ich ihnen überlassen kann Inspektor, Spargo hat Pomeroys Unterschlagung entdeckt und ihm mit Bloßstellung gedroht, deshalb mußte er sterben.

Bassa: Und darüber kann ich aus gutem Grund keine Trauer empfinden, aber warum hat Pomeroy auch Boloski umgebracht, was hat der mit Spargo zu tun.

vanDusen: Um das zu erläutern sehe ich veranlaßt ein wenig weiter auszuholen, als er von der Anwesenheit der Balubatruppe in London Kenntnis erhielt, beschloß Pomeroy angesichts der ihm wohl bekannten blutigen Vergangenheit Sir Roderisch, sie Miss Bassa zu belasten in dem er mystiösen fakischen Fetischmord inszenierte, dabei unterstützten ihn seine ventriloquistischen Fertigkeiten und ihr Schlangenfetisch welche er seinen Opfer zuspielte, um es in Todesangst zu versetzen, erhalten hat er ihn dessen bin ich sicher von Boloski, einem Bekannten dessen bin ich ebenfalls sicher aus alten amerikanischen Zirkustagen, wie seine Reaktion zeigte, wußte Boloski allerdings nicht, daß Sir Roderich ermordet werden sollte, er war entsetzt und Pomeroy trennte sich von uns, um ihn zu beschwichtigen, als er das nicht gelang, tötete er den gefährlichen Mitwisser, auch nach diesem Mord gab er eine Einlage als Ventriloquist um sich ein Alibi zu verschaffen, doch gerade dadurch ich hab es bereits ausgeführt dadurch hat Antony Pomeroy sich als Mörder entlarvt, als der skrupellose Doppelmörder von Sir Roderick und King Cole Boloski.

Smiley: Was ist denn jetzt.

Hatch: Wurde es plötzlich duster, Pomeroy hatte das Gaslicht abgedreht, im Lesesaal brach ein mittleres Chaos aus, alles rief und lief durcheinander und Prof van Dusen fing an mit sich selbst zu streiten.

vanDusen: Halten sie ihn, Inspektor.

Pomeroy: Lassen sie den Mann laufen.

Hatch: Ja was denn nun Prof.

vanDusen: Hören sie nicht auf ihn, Inspektor das bin ich nicht.

Pomeroy: Natürlich bin ich Prof van Dusen.

vanDusen: Nein, ich.

Hatch: Prof, was ist los, wo stecken sie.

vanDusen: Hier.

Pomeroy: Unsinn ich bin hier.

vanDusen: Nein hier bin ich, behalten sie kühlen Kopf, entzünden sie das Gaslicht mittels Streichholz.

Hatch: Wird gemacht Prof.

Smiley: Endlich. Wo ist Pomeroy.

Toddles: Wenn sie gestatten, meine Herrschaften, Mr. Pomeroy hat sich ohne Abschied empfohlen.

Smiley: Ja aber sie standen doch neben ihm, Miss Bassa, warum haben sie nicht an der Flucht gehindert.

Bassa: Ich habe keinerlei Veranlassung, ihnen den Mann festzuhalten, der Spargo getötet hat aus welchem Grund auch immer.

Smiley: Weit wird er jedenfalls nicht kommen, los Männer hinterher, jawohl, Spargo.

Hatch: Plötzlich waren sie überall, Prof, in jeder Ecke, sogar im Kamin.

vanDusen: Eine für den bewanderten Ventriloquisten nicht eben schwierige akustische Täuschung, mein lieber Hatch.

Hatch: Einen Augenblick lang dachte ich tatsächlich sie hätten sich vervielfacht.

vanDusen: Eine absurde Vorstellung mein lieber Hatch.

Hatch: Nicht wahr Prof.

vanDusen: Die Welt mein lieber Hatch ist zu klein um mehr als einen Professor van Dusen zu tragen.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Inspektor Smiley von Scotland Yard: Rolf Marnitz
Kabora Bassa, Zauberin aus Afrika: Ursula Heyer
Anthony Pomeroy, Sekretär im Globetrotter Club: Wolfgang Condrus
Toddles, Diener im Club: Heinz Spitzner
Mandrake, Club-Mitglied: Herbert Weißbach
Pimpernel, Club-Mitglied: Otto Czarski
King Cole Boloski, Chef einer Völkerschau: Hans Werner Bussinger
Alfred Russel Wallace, Wissenschaftler: Helmut Heyne

Michael Koser: Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989)

vanDusen: Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht.

Hatch: Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr.

vanDusen: Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19. Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es.

Hatch: 7 Min. nach 9.

vanDusen: Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts.

Hatch: Ich hatte Prof v. Dusen im chem. Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle verschneite Straßen zu ihm nach Hause, es war am, aber das könnten sie sich eigentlich selbst ausrechnen meine Damen und Herren, falls sie zur schnellen Truppe gehören und eben gut aufgepaßt haben, na nicht, machen sie sich nichts draus, wir können nicht alle Genies sein, also es war am 23. Dezember 1900 abends kurz nach 9, wie gesagt wir wanderten, van Dusen redete und ansonsten war alles still, oder doch nicht.

vanDusen: Seien Sie überzeugt, in 100 Jahren wird es keine Krankheiten mehr geben, keine Kriminalität, keine Kriege, alle politischen, alle sozialen Probleme werden gelöst sein, die Wissenschaft.

Hatch: Seien sie mal einen Moment still.

vanDusen: Sie wollen mir den Mund verbieten, wie ich mich soeben zu bemerken anschickte als ich von ihnen unterbrochen wurde, ist es die Wissenschaft.

Hatch: Entschuldigen sie Prof daß ich ihnen den Mund nicht nur verbiete sondern auch gleich noch zuhalte, aber da schleicht einer hinter uns her, hören sie, Schritte, leise vorsichtige Schritte, jetzt halten sie an.

vanDusen: Ein Straßenräuber.

Hatch: Werden wir gleich feststellen, gehen sie weiter Prof.

vanDusen: Was haben sie vor mein lieber Hatch.

Hatch: Ich schob den Prof um die nächste ecke, drückte mich daneben an die Hauswand und wartete, nicht lange, ein paar Sekunden, dann kam er angeschlichen unser Verfolger, ich griff ihn mir und verpaßte ihm einen Kinnhaken Marke Hatch.

Caruso: Au.

Hatch: So und jetzt ab mit dem Kerl zum nächsten Polizeirevier.

vanDusen: Die Mühe können sie sich sparen.

Hatch: Wieso.

vanDusen: Weil sich die Polizei bereits an Ort und Stelle befindet, sehen sich ihr Opfer genauer an.

Hatch: Das ist doch.

vanDusen: Caruso ganz recht.

Hatch: Detective Sergeant Caruso, Leuchte der Kripo, Schrecken der Unterwelt, sie sind also hinter uns hergeschlichen, Caruso.

Caruso: Aber deshalb brauchen sie mich doch nicht gleich halb tot zuschlagen.

Hatch: Tut mir schrecklich leid, Caruso würde ich sagen wenn ich höflich wäre, aber da ich ehrlich bin.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Lassen wir das.

vanDusen: In der Tat lassen wir das, ein bedauerliches Versehen welches sie sich weitestgehend selbst zuzuschreiben haben, Caruso, aus welchem Grund und zu welchem Zwecke sind sie uns gefolgt.

Hatch: Oder anders ausgedrückt welche Tatsache verdankt meine Faust den Vorzug mit ihrem schlecht rasierten Kinn in Kontakt gekommen zu sein.

Caruso: Ich wollte ihnen fröhliche Weihnachten wünschen, Prof.

vanDusen: Sehr aufmerksam mein lieber Caruso wenn auch ein wenig verfrüht, nehmen sie auch von mir die besten Wünsche anläßlich der bevorstehenden Festtage entgegen und leben sie wohl, kommen sie Hatch.

Caruso: Augenblick Prof, laufen sie doch nicht gleich wieder weg ich wollte.

Hatch: Uns auch noch ein glückliches neues Jahr wünschen, sehr nett Caruso.

vanDusen: Sie haben ein Anliegen Caruso.

Caruso: Ja wissen sie Prof wie soll ich mich ausdrücken.

Hatch: Wie wärs denn damit, ich habe einen Fall, ich komme nicht weiter, ich weiß nicht aus noch ein, ich flehe sie an, Prof van Dusen, helfen sie mir, bitte, bitte.

Caruso: Sehen sie Prof, deshalb hab ich sie nicht gleich angesprochen als sie aus der Uni kamen und bin ihnen erstmal nachgegangen weil sie Mr Hatch bei sich hatten und sie wissen doch wie der immer zu mir ist.

Hatch: Wir sind gute alte Feinde Caruso und ich, seit dem Fall des fliegenden Holländers, der übrigens auch van Dusens erster Fall war, ich darf mich kurz vorstellen, Hutchinson Hatch mein Name, Journalist um nicht zu sagen Starreporter beim DailyNewyorker, ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof van Dusen, sie wissen doch der Typ der hinter dem genialen Kriminologen hertrottelt, ihm seine Sachen schleppt und von tuten und blasen keine Ahnung hat.

vanDusen: Durchaus zutreffend formuliert, mein lieber Hatch wenn auch wie es nun einmal ihre Manier ist, ein wenig salopp, zu ihnen Caruso, was gibt es, ein unmögliches Verbrechen, vielleicht gar ein rätselhaften Mord im hermetisch verschlossenen Raum.

Caruso: Das nicht Prof, aber unmöglich ist die Sache schon, kein Mensch weiß wie Lady Liberty verschwunden ist, ein Rätsel.

vanDusen: Lady Liberty, eine Dame der Gesellschaft.

Caruso: Prof, Sie kennen Lady Liberty nicht, mein Gott wo leben sie denn.

Hatch: In den Wolken Caruso wie alle Genies, Lady Liberty ist keine Dame, Lady Liberty ist ein Stein, aha, ein Edelstein, ein Diamant, und der ist offenbar verschwunden, geklaut Caruso.

Caruso: Sieht ganz so aus, Mr Hatch.

vanDusen: Ein schlichter Juwelendiebstahl also, kein Fall für Prof van Dusen.

Hatch: Schlicht, ein Diamant von fast 250 Karat.

Caruso: Der größte und teuerste Klunker in den ganzen vereinigten Staaten Prof.

Hatch: Falls sie an den Maßen und sonstigen Details der Lady interessiert sind, kugelförmig, farblos, mit leichtem Blauschimmer von reinstem Wasser, Gewicht 243 Karat, runde 50 Gramm, Durchmesser etwa 3einhalb cm, ein Geschenk von Pedro dem zweiten Kaiser von Brasilien an das amerikanische Volk, zum 100jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit 1876, daher der Name, aufbewahrt im Metropolitan Museum of Art, Wert unschätzbar.

Caruso: Millionen.

vanDusen: Und wenn es sich um Milliarden handelte, der Fall ist und bleibt trivial sofern er dem erfahrenen und nunja verwöhnten Kriminologen nicht gewisse ausgefallene extraordinäre Elemente zu offerieren hat.

Caruso: Aber das ist es doch gerade, das drum und dran, wenn das nicht ausgefallen ist, Zauberei, Tricks, Magie, hokus pokus.

vanDusen: Was sie nicht sagen Caruso, erklären sie sich näher.

Caruso: Aber gern Prof also.

vanDusen: Nicht hier Caruso, die offene Straße ist wohl kaum der rechte Ort für kriminologische Berichterstattung, folgen sie mir, und was sie betrifft mein lieber Hatch.

Caruso: Vielleicht hat Mr Hatch ja wo anders zu tun.

Hatch: Oh Mr Hatch denkt gar nicht daran, ich werde mir doch ihre neueste Blamage nicht entgehen lassen, Caruso, alter Freund, außerdem bin ich der Begleiter von Prof van Dusen deshalb.

vanDusen: Begleiten sie mich, einverstanden sofern sie es meinen Gast nicht an der gebotenen Zurückhaltung fehlen lassen.

Hatch: Eine halbe Stunde später saßen wir in van Dusens Salon im Erdgeschoß seines zweistöckigen Backsteinhauses in der 35. Straße West Manhattan, nach dem aufregenden Nachtmarsch stärkten wir uns mit Whisky bzw im Fall des Prof mit Sodawasser und Caruso berichtete, so wie es sich gehörte, präzise, detailliert.

vanDusen: Und von Anfang an.

Caruso: Weiß ich doch Prof, also angefangen hat die Geschichte mit Mr Elliot, oder von mir aus mit Dr Miracel, das ist nämlich Elliots Künstlername, so nennt er sich wenn er auf der Bühne seine faxen macht.

Hatch: Damit sie das unqualifizierte Gerede des guten Caruso nicht länger als nötig über sich ergehen lassen müssen, schalte ich mich besser wieder ein, James William Elliot alias Dr Miracel war kein anderer als der weltberühmte Zauberkünstler, der unbestrittene Großmeister der Magie in Amerika.

Caruso: Soll ja sein Mr Hatch, jedenfalls ist dieser Elliot der Obermacker in so nem ulkigen Verein von Zauberern oder Gauklern oder Taschenspielern was weiß ich, Zirkusvolk, wissen sie, windige Typen.

Hatch: Caruso meinte das magische Hexagramm, einen hochexklusiven Club hochkarätiger Zauberkünstler, wie der Name schon sagte bestand das Hexagramm aus ganzen 6 Mitgliedern, wer dazugehörte war absolute magische Spitze und darum hatte jeder auch nur einigermaßen renommierte amerikanische Zauberer den Wunsch, in den elitären 6er club aufgenommen zu werden, das war nicht leicht, denn nur wenn ein Mitglied gestorben war, berief der Präsident, das heißt Elliot, in einsamer Entscheidung ein neues, jetzt hatte vor ein paar Wochen der große Lafayet zum unwiderruflich letzten mal eine Jungfrau zersägt, sein Platz im Hexagramm war frei und Elliot wußte nicht, wen er draufsetzen sollte, er hatte nämlich 3 gleichwertige Kandidaten.

Caruso: Ich hab sie mir aufgeschrieben, ja hier Richard Blaine Bühnenname Voltini, Spezialität Karten und Münzen, dann Bombasto grandioso alias Peter Paul Pudel, Namen haben manche Leute.

Hatch: Es kann nicht jeder Rigoletto Caruso heißen.

Caruso: Der dritte Kandidat ist eine Kandidatin, heißt Elison Bishop, tritt auf als Laila, Königin der Nacht, Gedankenlesern.

Hatch: Kenn ich, die anderen beiden auch, habe sie alle gesehen im Madison Square Garden, im Vanity Fair, im Circus Barnum und Baily.

vanDusen: Wie überaus interessant, haben sie die Güte den Referenten im weiteren Verlauf nicht mit derartigen Belanglosigkeiten zu unterbrechen, danke, fahren sie fort.

Caruso: Wie gesagt die drei waren in der Zauberei etwa gleich gut.

Hatch: Kann ich voll und ganz bestätigen.

Caruso: Und Elliot konnte sich für keinen entscheiden, da hatte er eine Idee, genauer gesagt jemand brachte ihn auf was, ein Freund, der Direktor des Metropolitan Museum oft Art, ein gewisser Franklin S Krauthaus, der zaubert übrigens auch, aber nur als Amateur und nicht sehr gut hab ich mir sagen lassen, es muß so eine Woche her sein, da saßen die beiden zusammen an der Bar von Hofmanhaus, da wo sie auch immer hingehen Mr Hatch.

Hatch: Nur kein Neid.

Caruso: Also sie saßen und brüteten was aus, ein richtige Schnapsidee.

Krouthouse: Drei Göttinnen paradierten vor Paris, dem trojanischen Königsohn, sie kennen die Geschichte Elliot, und Paris gab den Apfel der Schönsten, auf ihr Problem übertragen heißt das, sie geben ihren Apfel, die vakante Mitgliedschaft im magischen Hexagramm, dem besten der drei Zauberkünstler.

Elliot: So weit bin ich selbst Krouthouse, aber wer ist der beste.

Krouthouse: Das müssen sie feststellen Elliot.

Elliot: Und wie.

Krouthouse: Durch einen Test, eine Probe, eine Prüfung, stellen sie den drei eine Aufgabe, wer sie am besten löst, kriegt Lafayets Platz in Hexagramm.

Elliot: Eine Aufgabe, ich könnte zum Beispiel von den Kandidaten verlangen daß sie irgendein ein Objekt zum verschwinden bringen, eskamotieren.

Krouthouse: Ohne mechanische Tricks, ohne maschinelle Hilfsmittel nicht schlecht, die Frage ist was für ein Objekt.

Elliot: Es müßte schon was besonderes sein, keine Taube, kein Kaninchen, sowas wie wie die Freiheitsstatue.

Krouthouse: Viel zu unhandlich, wir wärs statt dessen mit lady liberty.

Elliot: Ihr berühmter Diamant, Krouthouse, und den würden sie zur Verfügung stellen.

Krouthouse: Wenn es der Magie dient, Elliot, aber da das gute Stück nicht mir gehört, sondern dem Museum, das heißt dem Staat müßte ich natürlich für gewisse Sicherheitsvorkehrungen sorgen.

Elliot: Versteht sich Krouthouse.

Krouthouse: Ich kenne John Delamir den Kripochef, ich werde mit ihm reden und ihn bitten uns einen kriminalistischen Experten abzustellen.

Hatch: Und da hat er sie ausgesucht Caruso.

Caruso: So ist es Mr Hatch.

Hatch: Ja kein Wunder daß die Sache schiefgegangen ist.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Aber das war doch nicht meine Schuld, ich hab alles getan.

vanDusen: Sie greifen vor, darf ich sie ersuchen in chronologischer Ordnung zu referieren, vor allem jede Abschweifung privater Natur zu unterlassen.

Caruso: Aber Mr Hatch.

vanDusen: Wird seinen Sarkasmus zügeln oder diesen Raum verlassen, weiter.

Caruso: Ja also heute vormittag um 9 da sollte diese Prüfung über die Bühne gehen, im Museum wo Krouthouse einen Raum hergerichtet hat, im Erdgeschoß hinten im Verwaltungstrakt, nicht weit von seinem Büro, ich hab ihn persönlich unter die Lupe genommen den Raum heute früh bevor die Geschichte losging, jeden qcm hab ich abgeklopft, ich kann ihnen sagen, keine Möglichkeit, aber auch nicht die allerkleinste irgendeinen faulen Trick abzuziehen.

vanDusen: Wenn sie das meinen, wie sieht der Raum aus, geben sie mir ein Beschreibung.

Caruso: Sehr wohl, nicht sehr groß, ca 5 mal 6 meter, zwei Türen, eine zum Gang, die andere zu einem Kabuff, kaum größer als ein Wandschrank, ein Fenster verriegelt und vergittert mit blick auf den central park.

vanDusen: Möbel.

Caruso: Kein Stück, nur ein kleines hochbeiniges Pult für lady liberty.

vanDusen: Wände Boden Decke.

Caruso: Alles nackt und kahl, kein Teppich, kein Bild, kein Vorhang, keine Falltür, kein doppelter Boden, nichts, null komma nix.

vanDusen: Unterstellen wir daß sie bei ihrer Untersuchung gründlich und gewissenhaft vorgingen.

Caruso: Das können sie unbesehen, ich bin vielleicht kein Geistesriese.

Hatch: Hört, hört.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Aber wie man einen Tatort auf den Kopf stellt, das hab ich gelernt.

vanDusen: Davon bin ich überzeugt, kommen wir nun zum eigentlichen kriminologischen Geschehen, die drei Prüfungskandidaten erschienen wie ich annehme.

Caruso: Pünktlich um neun, mit Mr Elliot, Mr Krauthouse war natürlich schon früher da um mich und meine Leute reinzulassen.

vanDusen: Ihre Leute.

Caruso: Zwei hatte Delamir zugeteilt, Wachtmeister Dalles vom nächsten Revier und Wärterin Denver aus dem Frauengefängnis, die drei Kandidaten mußten natürlich durchsucht werden und weil eine Dame dabei war, haben wir für sie eine weibliche Amtsperson vorgesehen, wir von der New Yorker Polizei legen nämlich allergrößten Wert auf Anstand und Sittlichkeit.

vanDusen: Gewiß, gewiß, die Prüfungskandidaten wurden also einer Leibesvisitation unterzogen.

Caruso: Jawohl im Kabuff, nacheinander.

vanDusen: Mit welchem Ergebnis.

Caruso: Astrein alle drei, keine Gummibänder, Federn oder sonst irgendwelche Trickapparaturen.

vanDusen: Was geschah dann.

Caruos: Dann ging Mr Krouthouse mit Mr Elliot und mir über den Gang in sein Büro, gestern abend als das Museum zumachte, hatte Mr Krouthouse nämlich lady liberty aus dem Ausstellungsraum geholt und in sein Safe gebracht, jetzt schloß er den Safe auf, holte das Glaskästchen mit dem Stein raus.

vanDusen: Sind sie sicher, daß es sich dabei wirklich um den wertvollen Diamanten handelte.

Caruso: Klar war das lady liberty, Aussehen, Größe Gewicht alles stimmte, haargenau.

vanDusen: Sie haben den Stein gewogen.

Caruso: Ja mit einer Goldschmiedswaage, die Mr Krouthouse auf seinem Schreibtisch stehen hatte, es sollte auch nicht der kleinste Verdacht aufkommen, daß es sich nicht um die echte lady handelte, weil der hochkarätige Test auch die passende hochkarätige Aura haben sollte, hat Mr Elliot gesagt, danach kam lady liberty wieder in den Kasten auf ihr dunkelblaues Samtkissen, und ich schleppte die gesamte Geschichte über den Gang ins Prüfungszimmer und da setzte ich den Kasten auf dem Pult ab und stellte mich am Fenster, Denver und Dallas blieben auf dem Gang vor der Tür, alles gesichert, alles unter Kontrolle.

vanDusen: Lobenswerte Organisation.

Caruso: Nicht wahr Prof und trotzdem, na sie werden es ja gleich hören, alle andern standen um das Pult herum, Mr Elliot sah auf seine Uhr.

Elliot: Verehrte Anwesende darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten, es ist nunmehr 10 Uhr, wenn die Uhr über dem Haupteingang des Museums die 10. Stunde schlägt beginnt ihre Prüfung, werte Kollegen, es gilt sie wissen es, diesen wunderschönen und überallemaßen wertvollen Diamanten genannt lady liberty vor unsren Augen verschwinden zu lassen, eine schwere Aufgabe, gewiß, doch bedenken sie, es winkt ein hoher Preis, die Mitgliedschaft im magischen Hexagramm, sie, werte Kollegen, sind die engere Wahl gezogen worden, die Hand ist schneller als das Auge, beherzigen sie diese hohe Maxime unserer edlen Kunst, hören sie die Uhr schlägt, möge die oder der beste gewinnen, viel Glück.

Pulaski: Ah.

Caruso: Was ist da los.

Eine Frau. Mit einer Pistole. Sie schießt. Jetzt läuft sie ins Gebüsch.

Caruso: Sie ist weg.

Elliot: Und nicht nur sie, Detective Sergeant.

Caruso: Lady liberty, der Kasten ist leer.

Caruso: Nur eine Sekunde, nur eine einzige Sekunde hatten wir den Diamanten aus den Augen gelassen und schon war er verschwunden, spurlos.

vanDusen: So und was taten sie Caruso.

Caruso: Erstmal ging ich zur Tür und schickte Dallas und Denver raus in den Park hinter der Frau mit dem Schießeisen her, war doch ein komischer Zufall, daß die gerade um 10 und ausgerechnet vor unserem Fenster ihre Show abzog.

vanDusen: Sie sagen es.

Hatch: Und haben ihre beiden Trabanten sie erwischt.

Caruso: Leider nicht Mr Hatch.

vanDusen: Das ist bedauerlich, die Aussage besagter rätselhafter Person hätte davon bin ich überzeugt Licht auf das nicht minder rätselhafte Verschwinden des Diamanten werfen können.

Caruso: Meinen sie Prof, wie auch immer, Denver und Dallas kamen zurück und wir warteten.

vanDusen: Worauf.

Caruso: Worauf, daß Mrs Bishop oder Mr Pudel oder Mr Blaine den Mund aufmachten und sagte hokus pokus, simsalabim, was Zauberkünstler so sagen, ich wars, ich hab lady liberty weggezaubert, bitte sehr, hier ist das gute Stück.

vanDusen: Doch dies geschah nicht.

Caruso: Nein, und als ich merkte daß die Kandidaten genauso dämlich aus der Wäsche guckten.

Hatch: Wie sie selbst.

Caruso: Wie alle anderen, da wurde mir langsam mulmig, und darum faßte ich den Entschluß was zu unternehmen.

Hatch: Bravo Caruso.

Caruso: Zuerst stelle ich die Frage, ob jemand Lady Liberty bei sich hätte, allgemeine Antwort, nein.

vanDusen: Mit dieser Auskunft gaben sie sich jedoch nicht zufrieden.

Caruso: Natürlich nicht, alle wurden durchsucht, Bischof, Pudle, Blaine, und dann auch Elliot und Krouthouse, beide Herren hatten das selbst vorgeschlagen.

Hatch: Und sie Caruso sie waren doch auch im Zimmer und der gute Kriminologe verdächtigt bekanntlich jeden, wenn sein muß sogar sich selbst.

Caruso: Weiß ich, ich hab mich von Wachtmeister Dallas durchsuchen lassen.

Hatch: Und.

Caruso: Was und.

Hatch: Hatten sie Lady Liberty in der Tasche.

Caruso: Weder ich noch sonst jemand, lady liberty war und blieb verschwunden.

Hatch: Und das machte sie stutzig.

Caruso: Sozusagen, ich schickte Wachtmeister Dallas ans nächste Telefon im Büro von Krouthouse und ließ aus der Zentrale Verstärkung anfordern, und bis die Leute kamen untersuchten wir nochmal den Raum, auch das Kabinett selbstverständlich und das Pult und den Glaskasten und das Samtkissen, Resultat nichts, und da machte ich mir so meine Gedanken.

Caruso: Denver, ich hab nachgedacht.

Denver: Ist das wahr.

Caruso: Wir haben das Zimmer durchsucht, und alle anwesenden, aber lady liberty haben wir nicht gefunden.

Denver: Brillant.

Caruso: Ich bin noch nicht fertig.

Denver: Tschuldigung.

Caruso: Es gibt noch eine Möglichkeit, ja, laufen sie zum nächsten drugstore, wie sagt Prof van Dusen immer, stehenden Fußes, und kaufen eine Flasche Rizinusöl.

Denver: Rizinusöl, ah verstehe Rizinusöl, sie vermuten, daß einer hier.

Caruso: Lady Liberty verschluckt hat, ganz recht.

Denver: Brillant.

Caruso: Danke Denver, und da wir den Fall bald abschließen wollen, werden wir den natürlichen Lauf der Dinge etwas beschleunigen.

Denver: Brillant.

Caruso: Schon gut Denver.

Denver: Melde mich ab.

Caruso: Lassen sie sich eine Quittung geben für die Polizeikasse, es handelt sich um eine für die kriminalpolizeiliche Ermittlungstätigkeit unerläßliche Anschaffung im sinne der öffentlichen Ausgabenverordnung.

Denver: Brillant.

Caruso: Dallas.

Dallas: Zur Stelle.

Caruso: Sie nehmen sich das Pult vor, zerlegen sie es in seine Bestandteile, hacken sie es kurz und klein.

Dallas: Zu Befehl, aber wie.

Caruso: Zeigen sie Initiative.

Dallas: Zu Befehl, Initiative, was ist das.

Caruso: Haben sie ein Taschenmesser, Wachtmeister.

Dallas: Ach so.

Caruso: Na also frisch ans werk, Wachtmeister.

Dallas: Zu Befehl, Initiative, Taschenmesser.

Hatch: Brillant, Wärterin Denver rennt so schnell die Plattfüße sie tragen nach Rizinusöl, Wachtmeister Dallas macht Kleinholz, und sie koordinieren und kontrollieren, kraft ihres überlegenen Verstandes, brillant und was hat diese grandiose geradezu heroische Aktivität des Polizeiapparats gebracht.

Caruso: Nichts Mr Hatch, alles umsonst, kein Geheimfach im Pult und das Rizinussöl das haben wir den Leuten zwar eingetrichtert, allen, sie haben mächtig protestiert, auch als sie in polizeilicher Begleitung aufs Örtchen durften, gewirkt hat es das Zeug und wie, aber lady liberty ist nicht zum Vorschein gekommen.

Hatch: Und sie selbst Caruso haben sie auch Rizinusöl eingenommen.

Caruso: In meinem Fall glaubte ich von dieser extremen Maßnahme absehen zu können.

Hatch: So, sehr verdächtig.

vanDusen: Sie werden doch wohl nicht im ernst den guten Caruso des Juwelendiebstahl bezichtigen.

Hatch: Niemals, das trau ich ihm doch nicht zu.

Caruso: Danke.

Hatch: Dazu fehlt ihm die wichtigste Voraussetzung, Intelligenz.

vanDusen: Und nach erwiesener Erfolglosigkeit verfielen sie auf den Gedanken, sich an meine Person zu wenden.

Caruso: Naja Prof es ist spät, meine 5 Verdächtigen werden immer saurer, ich komm nicht weiter, die Geschichte ist total verkorkst, mein einziger Trost, die Presse hat noch keine Ahnung.

Hatch: Was sie nicht sagen, Caruso, brillant.

Caruso: Mein Gott sie sind ja selber, bitte Mr Hatch könnten sie diesmal den Mund halten, ausnahmsweise.

Hatch: Kommt nicht in Frage, die Sache ist ein Knüller und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf die neueste Fehlleistung der Kripo zu erfahren, morgen stehts im Daily New Yorker, vielleicht schaff ich ja noch die Morgenausgabe.

vanDusen: Nicht so hastig, wann schließt die Redaktion ihres von manchen Zeitgenossen merkwürdigerweise geschätzten Blattes.

Hatch: Für die Morgenausgabe.

vanDusen: Ja.

Hatch: Um Mitternacht.

vanDusen: Das ist zu früh, und für die Spätausgabe.

Hatch: Morgen mittag.

vanDusen: Das sollte ausreichen, bis morgen mittag werden sie ihren Knüller haben, vollständig mit allen relevanten Details.

Hatch: Ok ich sehe schon die Schlagzeilen, lady liberty geraubt, Verbrechen des Jh.

vanDusen: Wie wärs mit Verbrechen des Jh aufgeklärt, lady liberty wieder zur Stelle.

Caruso: Zur Stelle, aber wieso.

vanDusen: Der Fall ist so gut wie gelöst, denn ich habe ihn übernommen, ich Prof van Dusen.

Hatch: Genannt die Denkmaschine, Wissenschaftler und Amateurkriminologe ohne gleichen.

vanDusen: Danke, schreiben sie.

Hatch: Moment, schießen sie los.

vanDusen: Diejenige Dame, welche sich gestern um 10 Uhr, präzise nach dem Glockenschlag im Centralpark hinter dem Metropolitan Museum of Art auf ungewöhnliche Weise zu schaffen machte, wird gebeten, sich in der 35. Straße West Nr 333 zu melden, es winkt eine hohe Belohnung, so und jetzt, jetzt begeben sie sich an den Telefonaparat im Foyer und geben diese Announce durch an den Daily New Yorker zu Veröffentlichung in der Morgenausgabe an prominenter Stelle und wenn sie sich dieser Aufgabe entledigt haben, rufen sie uns eine Droschke.

Hatch: Die Stimmung im Museum war ausgesprochen mies, in einer Ecke des Zimmers das Caruso uns so präzise beschrieben hatte, standen die fünf festgehaltenen beieinander, bleich offensichtlich mitgenommen von der polizeilich verordneten Rizinuskur, und verärgert, sehr verärgert, aber auch die Staatsgewalt in Form von Denver und Dallas war nicht in Hochstimmung.

Dalles: Endlich.

Denver: Gott sei dank sie sind wieder da.

Dalles: Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was diese Zauberkünstler mit uns gemacht haben.

Denver: Es war furchtbar.

Dalles: Mir haben sie die Handschellen geklaut.

Denver: Und mir die Polizeimarke.

Dalles: Dann haben sie mir heimlich die Hosenträger abgeknöpft.

Denver: Mir haben sie die Strumpfbänder aufgemacht.

Dalles: Eine Zigarre haben sie mir aus der Nase gezogen.

Denver: Und mir aus dem Ohr ein Alpenveilchen mit Topf.

Dalles: Und immerzu sollten wir uns eine Karte denken und im Kopf behalten.

Denver: Lassen sie die bloß laufen.

Elliot: Jawohl Caruso oder wie sie heißen, wir fordern unsere Freilassung.

Krouthouse: Und zwar sofort.

Caruso: Augenblick, was meinen sie, kann ich die 5 von der Leine lassen.

vanDusen: Warum nicht, immerhin haben sie alles getan, was in einem solchen Fall getan werden muß, sie haben die Leute durchsucht.

Caruso: Auseinandergenommen hab ich sie, auf den Kopf gestellt, mehr ist nicht drin, schließlich kann ich ihnen nicht in den Bauch kucken.

vanDusen: Sie könnten, mittels der kürzlich entdeckten x oder auch Röntgenstrahlen, doch angesichts ihrer gründlichen um nicht zu sagen durchschlagenen Maßnahmen erscheint mir der Einsatz derart aktueller Hochtechnologie unnötig und übertrieben, lassen sie die Leute gehen.

Hatch: Sie waren immer noch ärgerlich als sie von dannen zogen, die drei Kandidaten vorneweg, dann der lange dünne Krouthouse, und neben ihm Elliot der kaum halb so groß war, aber wir wissen ja, nicht in der länge liegt die größe, siehe Prof van Dusen, der hatte inzwischen angefangen das Zimmer unter die intellektuelle Lupe zu nehmen in seiner bekannten scheinbar geistesabwesenden art.

vanDusen: Was ist das.

Caruso: Der Glaskasten, wo lady liberty drin war.

vanDusen: Natürlich ist das der Glaskasten, ich meine dies hier.

Caruso: Das Samtkissen.

vanDusen: Sperren sie die Augen auf, was sehen sie hier.

Caruso: Sieht aus wie Staub, ein paar helle Staubkörnchen auf dem Samt, na und, ich wußte gar nicht daß sie so pingelig sind.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Mein Miniaturlaboratorium haben sies mitgebracht.

Hatch: Die schwarze Tasche, ja, wie könnte ich ihr wichtigstes kriminologisches Hilfsmittel vergessen.

vanDusen: Sehr schön, bringen sies zu mir.

Hatch: Hören ist gehorchen, o großmächtiger Sultan, bitte sehr.

vanDusen: Öffnen sie die Tasche, reichen sie mir das Mikroskop.

Hatch: Nachdem van Dusen den Staub durchs Mikroskop studiert hatte, kostet er ihn von der angeleckten Spitze des Zeigefingers, dabei muß ihm eine Erleuchtung gekommen sein, in seinen Augen zeigte sich nämlich das wohlbekannte Glitzern des Kriminologen, der sich auf der rechten Spur weiß, aber er war noch nicht fertig, von Caruso ließ er sich über den kahlen Gang in das fast ebenso kahle Büro des Mr Krouthouse führen, die Untersuchung dauerte nicht lange, es gab einfach nicht viel zu sehen, ein Wandsafe verschlossen, ein Schreibtisch mit zwei Schubladen, ein Stuhl und das, was auf der Schreibtischplatte stand, ein Telefon, eine Goldschmiedwaage und ein kleiner Weihnachtsbaum, der einzige Lichtblick in einem sonst eher spartanisch eingerichteten Zimmer.

vanDusen: Zweifellos eine Konzession an die weihnachtlichen Traditionen seiner germanischen Vorfahren, apropos Weihnachten ist das Museum morgen am heiligen abend für das Publikum geöffnet.

Caruso: Ja Prof von 9 bis 3.

vanDusen: Aha, kommen sie Hatch, meine Ermittlungen sind beendet.

Caruso: Ja aber der Fall.

vanDusen: Ist gelöst, mein guter Caruso.

Caruso: Und lady liberty.

vanDusen: Befindet sich in Sicherheit.

Caruso: Ach.

vanDusen: Hören Sie Hatch, gehen sie voraus, ich habe Caruso in diesem Zusammenhang noch einige Anweisungen zu geben.

Hatch: Am nächsten Morgen erschien ich schon früh, noch vor 8 beim Prof aber ich war trotzdem nicht sein erster besuch, im Salon fand ich nicht nur ihn vor, sondern auch eine gutaussehende vielleicht ein bißchen auffällig angezogene junge Dame.

vanDusen: Mein lieber Hatch, darf ich ihnen Miss Latorre vorstellen.

Latorre: Evelyn Latorre, das ist nämlich mein Künstlername, schick nicht, eigentlich heiße ich Dolly Pulaski.

Hatch: Sie sind Künstlerin, Miss Latorre.

Latorre: Ich tanze im Vanityfair das Varietetheater am Timesquare kennen sie sicher.

vanDusen: Wohl kaum, Miss Latorre.

Hatch: Aber ich, bin schon oft dagewesen.

Latorre: Ach, dann müssen sie mich gesehen haben, die dritte von rechts.

Hatch: Die mit den ganz besonders langen Beinen.

vanDusen: Zur Sache, wie sie sagten sind sie auf meine Announce im Daily New Yorker zu mir gekommen, was haben sie zu berichten.

Latorre: Langsam alter Herr, so nicht, hohe Belohnung stand in der Anzeige, das wollen wir doch erstmal klären.

vanDusen: Würden sie das übernehmen mein lieber Hatch.

Hatch: Mit Vergnügen Prof, an wieviel dachten sie denn so.

Latorre: 100 Dollar, und keinen Cent weniger, so viel hab ich von dem Rauschebart auch gekriegt.

vanDusen: Welcher Rauschebart, Miss Latorre.

Latorre: Ähäh, erst das Geld.

Hatch: Ich gab ihr einen Riesen und sie packte aus, vorgestern abend hatte sie ein Mann am Bühneneingang des Vanity Fair angesprochen und ihr 100 Dollar geboten wenn sie am 23. Dezember um 10 Uhr, genau nach dem letzten Glockenschlag im Central Park unter einem ganz bestimmten Fenster des Museums das täte, was sie denn auch tatsächlich getan hat.

Latorre: Ich bin nämlich zuverlässig, das wissen alle beim Theater.

vanDusen: Ja das ist interessant, die Pistole.

Latorre: Gehört mir, ein Mädchen von Ballet muß sich manchmal zur wehr setzen.

vanDusen: Soso, ja wie sah der Mann aus.

Latorre: Schwer zu sagen, viel war nämlich nicht von ihm zu sehen, Rauschebart, dunkle Brille.

vanDusen: Hochgeschlagener Mantelkragen, Schlapphut.

Latorre: Ja genau woher wissen sie.

vanDusen: Ganz offensichtlich eine Verkleidung wie groß war der Mann Miss Latorre.

Latorre: Nicht sehr groß, mittel.

vanDusen: Hat er ihren eine Begründung für die sonderbare Aktion angegeben welche sie für ihn ausführen sollten.

Latorre: Er hat was von einer Wette gemurmelt, aber das war eigentlich nicht nötig 100 Dollar sind Begründung genug oder finden sie nicht, alter Herr.

Hatch: Ich brachte Miss Latorre zu Tür und als ich zurückkam stelle ich mir einen festlichen Frühstückstisch vor, mit Kaffee und Tee und Toast und Brötchen mit Wurst und Käse und Marmelade, mit gekochten Eiern, Rührei und Spiegelei, mit geschmorten Nieren und Bücklingen und Bratkartoffeln, aber da hatte ich natürlich die Rechnung ohne van Dusen gemacht.

vanDusen: Wie spät ist es, mein lieber Hatch.

Hatch: Halb neun.

vanDusen: Kommen sie.

Hatch: Wohin Prof, zu Delmonico, frühstücken.

vanDusen: Wo denken sie hin, Frühstück ist die schlechte Angewohnheit kleiner Geister, auf ins Museum, wir werden erwartet.

Hatch: Wir wurden erwartet und zwar von Detective Sergeant Caruso und seinem sensationellen Duo Dallas und Denver, im Büro von Krouthouse, van Dusen stellte sich gleich am Schreibtisch in Positur, hinter dem bunten Bäumchen sah er aus wie ein Weihnachtsmann in zivil.

vanDusen: Wie sie wissen meine Herrschaften verlangt die Tradition die anwesenheit aller Beteiligten, wenn zum guten Schluß eines Falles die kriminologische Aufklärung das Wort ergreift, heute habe ich darauf verzichtet, Mrs Bischof, die Herren Elliot, Krouthouse, Blaine und Pudel haben am gestrigen Tag lange genug an diesem Ort ausharren müssen, daher fehlen sie heute, entschuldigt wenn sie so wollen, bis auf eine Person aus ihrem Kreise, welche sich demnächst hier einstellen wird, vorerst muß ich mit ihnen mein lieber Hatch, mein guter Caruso zufrieden geben und natürlich mit Denver und Dalles, den wackeren Staatsorganen welche diese Räume während der Nacht so pflichtgetreu im Auge behielten, ein vergleichsweise bescheidenes Auditorium, nunja beginnen wir, beginnen wir damit, daß wir das uns grundlegende Prinzip der Zauberkunst vergegenwärtigen, ich meine die Ablenkung, die Täuschung, die Irreführung, der Magier lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine rechte Hand, um mit der linken unbeobachtet seinen Trick auszuführen, so auch in diesem Fall.

Caruso: Das Theater draußen im Centralpark.

vanDusen: Sehr richtig Caruso, eben dieses hatte ich im Auge, während ihre Aufmerksamkeit auf das gerichtet war, was sich vor dem Fenster abspielte, auf die Schüsse, die Schreie, blieb eine der anwesenden Personen am Pult stehen, öffnete blitzschnell das Glaskästen, entnahm ihm das darin befindliche Objekt und schob es ebenfalls blitzschnell in den Mund.

Caruso: In den Mund, ist nicht drin, ich hab allen mit ner Lampe in den Mund geguckt und nicht nur in den Mund.

vanDusen: In dieser Zeit hatte der betreffende das Objekt längst verschluckt.

Caruso: Geht auch nicht, das Rizinusöl.

vanDusen: Konnte das Objekt nicht wieder ans Tageslicht bringen, da dieses sich inzwischen vollständig aufgelöst hatte.

Caruso: Aufgelöst, das versteh ich nicht.

Hatch: Ja ich auch nicht, ein Diamant kann sich doch nicht im Magen auflösen.

vanDusen: Ein Diamant nicht, das Objekt von welchem ich rede war jedoch kein Diamant, vielmehr eine Imitation, eine täuschend ähnliche Imitation, die hellen Staubkörner auf dem dunkelblauen Samtkissen gaben mir den entscheidenden Hinweis, es handelte sich um Zuckerkristalle, was bedeutet, auf dem Kissen hatte sich ein Stück Zucker befunden, präziser eine Nachbildung des lady liberty genannten Diamanten aus reinem klaren Kristallzucker, der Täter, manuell geschickt wie alle Zauberkünstler, hatte sie in häuslicher Muße angefertigt und in der Tasche mitgebracht um sie gegen das Original auszutauschen.

Caruso: Aber wie denn und wann.

vanDusen: Diese Fragen könnten sie sich selbst beantworten, wenn sie sich eine entscheidende Tatsache vor Augen hielten, alles was im und am sog. Prüfungsraum vor sich ging, nicht nur das Theater draußen war ein von langer Hand geplantes Ablenkungsmanöver, die Entwendung des echten Diamanten und sein Austausch gegen die süße Imitation wurde vorher durchgeführt, das heißt bevor der angebliche Diamant im Prüfungsraum ab und ausgestellt wurde.

Caruso: Aber den Stein, den Krouthouse aus seinem Safe geholt hat.

vanDusen: Der war ganz ohne Frage der echte Diamant, dafür steht ihre Aussage, Caruso und wenn sie wie sich selbst einschätzen kein Geistesriese sind.

Caruso: Kenne ich den Unterschied zwischen einem Stück Zucker und einem Diamant von 243 Karat, schon das Gewicht.

vanDusen: Daher muß der Austausch in der knappen Zeit zwischen dem Wiegen des Steins und dem wiederverschließen des Glaskästchen bewerkstelligt worden sein, der Diamant war in Bewegung, ging von Hand zu Hand, ihn durch die präparierte Imitation zu ersetzen war eine Kleinigkeit für einen geübten Prestititateur.

Hatch: Für einen geübten was.

vanDusen: Prestititateur, Eskamoteur, Taschenspieler, Illusionist, Manipulator, Palmeur, kurz Zauberkünstler.

Caruso: Aber welcher Zauberkünstler.

vanDusen: Nur drei Personen kommen in Frage, Sie Caruso, Elliot und Krouthouse.

Caruso: Krouthouse, der wars, der hat auch die Idee für die ganze verrückte Geschichte gehabt.

vanDusen: Ein interessanter Gesichtspunkt, Caruso, leider ist er nicht zu vereinbaren mit der Aussage von Miss Latorre, danach war der Auftraggeber der Ablenkung ein nicht eben hochgewachsener Mann, nun ist es zwar möglich daß ein weniger großer Mensch sich um einiges vergrößert etwa durch hohe Absätze, doch auf gar keinen Fall kann ein sehr großer Mann sich merklich kleiner machen.

Caruso: Und Mr Krouthouse ist ein langes ende.

Elliot: Oh Verzeihung.

vanDusen: Treten sie näher Elliot kommen sie, sie sind sehr pünktlich.

Elliot: Ich habe nicht erwartet daß hier jemand, dann will ich nicht weiter stören.

vanDusen: Bleiben sie nur, Caruso, Denver, Dallas, sorgen sie dafür daß Mr Elliot uns nicht gleich wieder verläßt, sie sind im rechten Moment erschienen Elliot, quasi aufs Stichwort, gerade wollte ich den Namen des gesuchten Juwelendieb verkünden, ihren Namen, Elliot, sie haben auf die von mir beschrieben Weise sich lady liberty angeeignet, wer denn sonst, unter den drei möglichen Personen ist er die einzige von geringer Körpergröße, darüber hinaus liefert sein Auftritt gerade jetzt kurz nach 9 Uhr das heißt nach der Öffnung des Museums, uns den letzten ausschlaggebenden Beweis, Elliot ist nämlich gekommen, seine Beute zu holen.

Caruso: Beute, ja richtig sagen sie mal Prof wo steckt das gute Stück eigentlich.

vanDusen: Direkt vor ihrer Nase, Caruso.

Hatch: Damit griff van Dusen in den Weihnachtsbaum, nahm eine der Kugeln ab, eine kleine, eher unscheinbare, und gab sie Caruso.

vanDusen: Fröhliche weihnachten, gestatten sie mir ihnen ein präsent zu überreichen

Caruso: Für mich.

vanDusen: Für das gesamte amerikanische Volk.

Caruso: Eine Christbaumkugel.

vanDusen: So ist es, eine Christbaumkugel mit einem Durchmesser von etwa 3,5cm und einem Gewicht von 243 Karat.

Caruso: Lady Liberty.

vanDusen: Dieser kleine Weihnachtsbaum direkt am Tatort bot dem Täter die einzige Möglichkeit seine Beute bis auf weiteres unauffällig, zu deponieren, mit schnellem Griff unbemerkt, am vorausschauend mitgebrachten Faden, bei sich behalten konnte er sie nicht wegen der mit Sicherheit zu erwartenden Leibesvisitation, und an jeder andern Stelle hier im Büro auf dem Gang oder im Zimmer gegenüber wäre der Stein sogleich bemerkt worden.

Caruso: Ist das die Möglichkeit, was sagen sie denn dazu Mr Elliot.

Elliot: Was soll ich sagen, Prof van Dusen hat alles gesagt.

Caruso: Sie geben es also zu.

Elliot: Das muß ich wohl Caruso, das ist doch ihr Name.

vanDusen: Noch ist der Fall nicht zu gänze abgeschlossen, meine Herrschaften, es fehlt das Motiv, warum haben sie den Diamanten entwendet, Elliot.

Elliot: Ja warum, zunächst war es nur Professionalität, beruflicher Ehrgeiz, ich wollte den jungen Kollegen zeigen wie mans macht, deshalb dachte ich mir den Plan aus als magische Trockenübung sozusagen.

Caruso: Wenn das so ist warum haben sie gestern nicht ausgepackt.

Elliot: Ich wollte es tun, glauben sie mir, ich konnte es nicht, ich konnte lady liberty nicht wieder hergeben, ich hatte mich in den Stein verguckt, regelrecht verliebt, halten sie ihn hoch, gegen das Licht, ist er nicht einmalig, überirdisch, wunderschön.

vanDusen: Romantischer Unfug, Elliot, was ist ein Diamant anderes als ein Stück Kohle wissenschaftlich betrachtet, ein tesseral kristallisiertes Mineral aus der Ordnung der Metalloide welches aus reinem Kohlenstoff besteht, ein Mineral von starkem Lichtbrechungsvermögen und extrem hohem Härtegrad, unter Ausschluß von Luft erhitzt wird der Diamant schwarz wobei er sich oberflächlich in Graphit…

Hatch: Der Meister dozierte, und der Assistent empfahl sich französisch, ich hatte eine Verabredung zum Weihnachtsfrühstück, bei Delmonico, mit Miss Evelyn Latorre, hoffentlich ohne Pistole.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Elliot, Zauberkünstler: Hans Teuscher
Krouthouse, Museumsdirektor: Heinz Rabe
Evelyn Latorre, Tänzerin: Christiane Leuchtmann
Wärterin Denver: Nina Herting
Wachtmeister Dallas: Klaus Jepsen
Allison Bishop, Zauberkünstlerin: Jutta Kausch

Michael Koser: Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990)

Kellner: Ihr Frühstück meine Herren.

Hatch: Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof, und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment, warten Sie, Sie kriegen noch was.

Kellner: Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren.

Hatch: Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof.

vanDusen: Danke, mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen.

Hatch: Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof.

vanDusen: Hm.

Hatch: Kann eine Kaffeekanne ticken.

vanDusen: Bitte?

Hatch: Die dicke Kanne hier auf dem Tisch, die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken.

vanDusen: Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen sie das Coupefenster.

Hatch: Wissen sie Prof ich bin ja auch sehr für frische Luft, aber sollten wir damit nicht bis nach dem.

vanDusen: Widersprechen sie nicht, tun sie was ich sage, schnell.

Hatch: Wenn sie so großen Wert darauf legen Prof.

vanDusen: Eilen sie.

Hatch: Bitte sehr.

vanDusen: Aus dem Wege.

Hatch: Prof, sie haben meine Kaffeekanne aus dem Fenster geschmissen, meine volle Kaffeekanne, warum Prof, warum.

vanDusen: Darum mein lieber Hatch.

Hatch: Eine Bombe.

vanDusen: Eine Bombe.

Hatch: In meiner Kaffeekanne.

vanDusen: In ihrer Kaffeekanne, mein lieber Hatch, läuten sie dem Kellner, lassen sie sich eine neue bringen.

Hatch: So fing es an im Orientexpreß am Morgen des 27. Juli 1904, durchaus passend und angemessen mit einem Knalleffekt, die Affäre um den doppelten König von Kravonien, den Grafen Zeppelin und die wunderschöne Prinzessin Dragina hat in der gewaltigen van Dusen Chronik einen ganz besonderen Stellenwert, weniger für Prof. van Dusen, zubenamt die Denkmaschine, den genialen Wissenschaftler und Amateurkriminologen, eher für meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, bekanntlich ist es mir ab und zu vergönnt, aus dem Schatten der Assistenten- und Chronistenrolle herauszutreten ins helle Licht kriminologischer Aktivität, sie erinnern sich vielleicht an das Rätsel der verschwundenen Millionäre oder an die ungewöhnliche Episode, die den Titel trägt, wo steckt Prof van Dusen, aber diese Geschichte, die mit der Bombe in der Kaffeekanne begann, steht für sich, sie ist unerhört und unvergleichlich, einmalig, einzigartig, beispiellos, warum sie werden es hören meine Damen und Herren.

vanDusen: Sie greifen ja gar nicht mehr zu.

Hatch: Mir ist der Appetit vergangen, das war ein Attentat, jemand wollte uns in die Luft sprengen, wer steckt dahinter, was meinen sie, die Ochrana.

vanDusen: Die russische Geheimpolizei, sie denken an unser Abenteuer in Sankt Petersburg vor wenigen Tagen, höchst unwahrscheinlich.

Hatch: Vielleicht das Phantom.

vanDusen: Wohl kaum, unsere ganz spezielle Gegnerin welche sich hinter diesem sensationellen Pseudonym verbirgt, pflegt sich auf andere Weise mit meiner Person auseinander zu setzen, raffinierter, weniger plump.

Hatch: Wissen sie.

vanDusen: Ja.

Hatch: Vielleicht waren sie gar nicht gemeint.

vanDusen: Wollen sie damit der Auffassung Ausdruck verleihen, der Anschlag habe ihnen gegolten, ist doch lächerlich, wer sollte Grund haben ihnen etwas antun.

Hatch: Keine Ahnung, na Kaffee, in der neuen Kanne keine Bombe, dann wollen wir uns mal auf den Schreck eine gute Tasse.

vanDusen: Vorsicht.

Hatch: Au, Sie haben mir die Tasse aus der Hand geschlagen, mit kochend heißen Kaffee, sehen sie meine Schuhe an, und meine schönen rotgrünkarierten Knickerbocker.

vanDusen: Schließen Sie ihren Mund und öffnen sie gefälligst ihre Nase, was riechen sie.

Hatch: Bittere Mandeln.

vanDusen: So ist es und spätestens seit unserem rencontre mit dem notorischen Leichenräuber von Manhattan sollte sie wissen.

Hatch: Zyankali in meinem Kaffee und ihrem Tee Prof.

vanDusen: Nicht die kleinste Spur einer toxischen Substanz mein lieber Hatch.

Hatch: So Zyankali in meinem Kaffee, eine Bombe in meinem Kaffee, sagen sie was sie wollen, mich haben sie auf dem Kicker, aber warum und weshalb, au.

vanDusen: Ein Schuß durchs geöffnete Fenster, offensichtlich wurde er aus einem der vorderen Wagen abgegeben, der Expreß fuhr soeben um eine recht scharfe Linkskurve, sind sie getroffen.

Hatch: Und wie, hier am Hals Blut.

vanDusen: Lassen sie sehen, ein Streifschuß, ein Kratzer.

Hatch: Tut aber weh.

vanDusen: Stellen sie nicht an, drücken sie ihr Taschentuch auf die Blessur und bleiben sie wo sie sind, neben dem Fenster außer Sicht.

Hatch: Jetzt ist es ja wohl endgültig klar, jemand hier im Zug hat was gegen mich.

vanDusen: So hat es in der Tat den Anschein, nun es war ja auch ihr Wunsch nicht der meinige, Kravonien aufzusuchen.

Hatch: Ganz recht hatte er da nicht der Prof, es lag nicht an mir, daß wir im Orientexpreß durch Kravonien fuhren, sondern an meinem Chefredakteur zuhause in New York, schließlich bin ich nicht nur Assistent, Chronist und Begleiter von Prof van Dusen, ich bin auch Reporter, und weil ich gerade in Europa und in der nähe war sollte ich natürlich über das Ereignis des Jahres berichten. Kravonien ein ansonsten zurecht weithin unbekanntes kleines Königreich auf dem Balkan stand seit kurzem im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit, am nächsten Tag Sonntag den 28 Juli 1904 sollte sie über die Bühne gehen, die romantische Hochzeit von König Bolko I und der Prinzessin Dragina Kralowitz in der kravonischen Hauptstadt Staropol, mit allem was dazu gehört, Jubel, Trubel, Heiterkeit, Ochsen am Spieß und Rotwein in Strömen für die pflichtschuldig begeisterten Untertanen, hohe und höchste ausländische Gäste, Glanz und Gloria, und als märchenhafter Höhepunkt sollte ein hypermodernes Luftschiff über der ganzen märchenhaften Show schweben als Symbol des 20 Jh sozusagen, Graf Ferdinand von Zeppelin höchstpersönlich war dafür gewonnen worden.

vanDusen: Und diese Tatsache betrachte ich als den einzigen Lichtblick an unserem Ausflug in den tiefsten balkanesischen Hinterwald, zu welchem sie mich, ganz gegen meine Meinung, überredet haben, sogleich nach unserer Ankunft in Staropol gedenke ich mit dem bekannten deutschen Pionier der Aeronautik in einen regen wissenschaftlichen Gedankenaustausch zu treten.

Hatch: Solange brauchen sie nicht zu warten.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen.

Hatch: Der Pionier der Aeronautik sitzt in unserem Zug.

vanDusen: Was.

Hatch: Gleich nebenan ein Abteil weiter, ich hab ihn vorhin gesehen.

vanDusen: Sind sie sicher.

Hatch: Runder Kopf, weißer Seehundschnauzbart weiße Schiffermütze unverkennbar Graf Zeppelin, ihren Gedankenaustausch können sie also sofort wenn sie wollen.

vanDusen: Und ob ich will auf der Stelle werde ich.

Schaffner: Bitte um die Fahrkarten meine Herren.

vanDusen: Ah Schaffner gut daß sie kommen, ich wünsche eine Beschwerde vorzubringen.

Hatch: 3 Beschwerden, 3mal hat man versucht mich ins jenseits zu befördern und das im Orientexpreß.

vanDusen: Sie scheinen nicht überrascht Schaffner.

Schaffner: Nein, meine Herren deshalb bin ich ja hier, das mit den Fahrkarten hab ich nur gesagt daß sie kein Verdacht schöpfen.

vanDusen: Wer ist sie.

Schaffner: Die schwarze Garde, die gefürchtete Staatpolizei von Kravonien, der Expreß wimmelt von Schwarzgardisten, heute nacht sind sie zugestiegen gleich hinter der Grenze, sie haben vorn im Speisewagen eine Befehlstelle eingerichtet.

Hatch: Im Speisewagen, dann war also der Kellner der uns das Frühstück gebracht hat.

Schaffner: Ein Schwarzgardist.

Hatch: In weißer Jacke, paradox, die ganze Geschichte ist paradox, was haben wir mit ihrer schwarzen Garde zu tun, wir sind Amerikaner, kravonische Politik interessiert uns nicht.

Schaffner: Verzeihen sie mein Herr aber das zu glauben fällt mir schwer, ich weiß nicht wer sie nicht und was sie vorhaben, aber das weiß ich, die schwarze Garde ist ihretwegen hier.

vanDusen: Was sie nicht sagen und was wünscht die kravonische Staatspolizei von uns.

Schaffner: Von ihnen gar nichts, mein Herr, umso mehr von ihrem Begleiter.

Hatch: Von mir, wieso ausgerechnet von mir.

Schaffner: Weil sie mein Herr unserem guten König Milan wie aus dem Gesicht geschnitten sind.

Hatch: Ach was und dafür wird man in Kravonien umgebracht, moment mal ich denke der König hier heißt Bolko.

Schaffner: König Milan war Bolkos Vorgänger, sein Licht war er, unsere Hoffnung, unser Geld, gott hab ihn selig.

vanDusen: Er ist tot.

Schaffner: Vor 2 Monaten ist er von uns gegangen, und durch sein hinscheiden verfinsterte sich der Himmel über Kravonien.

Hatch: Milan hatte sich was vorgenommen, als er ende 1903 nach dem tode seines Vaters König Danilo den kravonischen Thron bestieg, freie Wahlen, ein Parlament, Pressefreiheit, eine Bodenreform und die Menschenrechte wollte er seinem Volk bescheren, alles Dinge, die bis dato in Kravonien völlig unbekannt waren, der Adel, das Offiziercorps, die Gutsbesitzer waren natürlich gar nicht begeistert, aber Milan blieb bei seinen Plänen und da gerade als es mit den Reformen losgehen sollte, kam König Milan ums leben, ihm folgte sein jüngerer Bruder Bolko und in Kravonien blieb alles beim alten, dafür sorgten der neue König und die schwarze Garde mit Feuer und Schwert.

Schaffner: Unter ihrer Schreckensherrschaft stöhnt das Volk, meine Herren es stöhnt und es träumt von der wunderbaren Wiederkehr des guten König Milan.

Hatch: Aha deshalb.

vanDusen: Später, sagen sie Schaffner, auf welche starb König Milan.

Schaffner: Durch einen Unfall auf der Bärenjagd und dabei wurde er so so sehr entstellt daß man ihn kaum erkennen konnte als er in der Kathedrale auf der Bahre lag.

vanDusen: Ein Unfall.

Schaffner: So hieß es, mein Herr doch manche meinen gewisse interessierte Kreise hätten dabei ihre Hände im Spiel gehabt.

vanDusen: So so und diesem verhinderten Musterexemplar eines modernen Monarchen sieht mein Freund ähnlich.

Schaffner: Wie ein Zwillingsbruder wie ein Ei dem anderen.

Hatch: Muß ein gutaussehender Mann gewesen sein.

vanDusen: Hatch.

Schaffner: Ich bin Kravonier, meine Herren mein Herz schlägt noch immer für König Milan, daher hielt ich es für meine Pflicht sie zu warnen, seien auf der Hut meine Herren.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Der Fall ist klar.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Sie etwa nicht Prof, ein Spitzel hat mich im Zug gesehen und die schwarze Garde alarmiert und die gibt sich alle Mühe mich um die Ecke zu bringen.

vanDusen: Weil das Volk zu Staropol sie für den wiederauferstandenen Milan halten könnte, mit unvorhersehbaren Folgen sowohl für die Hochzeit als auch für die weitere Herrschaft des jetzigen Monarchen.

Hatch: Jaja.

vanDusen: Durchaus möglich, doch warum nimmt man sie nicht still und ohne aufsehen in Gewahrsam, um sie abzuschieben, warum ein derart drastisches und spektakuläres vorgehen.

Hatch: Vielleicht ist das hier so Sitte.

vanDusen: Mag sein, mag sein wenn auch nicht auszuschließen ist, daß hinter den Anschlägen auf ihre Person ein tieferes Geheimnis, wie dem auch sei, ich werde mein vor wenigen Minuten konstatiertes Vorhaben in die tat umsetzen und dem Grafen Zeppelin im Nachbarabteil einen besuch abstatten.

Hatch: Ja und ich.

vanDusen: Sie verschließen die Abteiltür sobald ich sie verlassen habe und öffnen sie nur dann, wenn ich Einlaß begehre, lassen sie nicht am Fenster sehen.

Hatch: Werde ich mich hüten.

vanDusen: Und halten sie sich tunlichst verborgen am besten unter der Sitzbank.

Hatch: Weil ich alles tue was der Prof will, tat ich auch das obwohl ich mir dabei schon ein bißchen albern vorkam, der Expreß ratterte durch die kravonische Landschaft, ich lag unter der Bank, dachte an dies und jenes und dabei muß ich wohl eingenickt sein, plötzlich wurde ich wach, zwei blankgewichste schwarze Stiefel standen vor mir, eine Hand packte mich am Arm, zog mich ans Licht, und ehe mir noch so richtig klar wurde was geschah drückte mir eine andere Hand ein Tuch aufs Gesicht, ein stechender Geruch in meiner Nase, diesmal keine bitteren Mandeln sondern Chloroform, ich wehrte mich und strampelte, aber das half nichts, nach ein paar Sekunden verlor ich das Bewußtsein.

vanDusen: In folge der momentan Indisposition des guten Hatch sehe ich mich genötigt den Bericht über die rätselhaften Vorkommnisse im Orientexpreß in höchst eigener Person fortzusetzen, so lassen sie mich denn.

Hatch: Lieber nicht, wissen sie, sie sind ein Wissenschaftler, ein großer Kriminologe sie können alles, nur ein können sie nicht.

vanDusen: In der Tat und das wäre.

Hatch: Sie können keine Geschichte erzählen Prof, sie sind entschuldigen sie zu trocken, zu steif, zu umständlich.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Ich meine und unser Publikum ist glaub ich auch dieser Ansicht, also treten sie zurück, lassen sie wieder den Fachmann ran.

vanDusen: Bitte.

Hatch: Danke, es geht weiter meine Damen und Herren, während seinem Assistenten ein schlimmes Geschick dräute, saß Prof van Dusen gemütlich nebenan und plauschte aeronautisch.

vanDusen: Erstaunlich mein lieber Graf Zeppelin eine Persönlichkeit ihres Ranges läßt sich herab dem gaffenden Pöbel eine aeronautische Zirkusvorstellung zu bieten.

Graf: Gott Prof was wollen sie das Geld, das leidige Geld, ohne Schmieröl will sagen ohne Moneten läuft auch die Luftfahrt nicht, und die Reklame, vergessen sie Reklame nicht, Märchenhochzeit, Weltpresse, Zeppelin in aller munde, unbezahlbar.

vanDusen: Gewiß Graf gewiß, Ihr Luftschiff wo befindet es sich zurzeit.

Graf: Mein LZ2 Nicht hier im Abteil, das kann ich ihnen flüstern.

vanDusen: Versteht sich Graf, versteht sich bei einer Länge von 128 m.

Graf: Durchmesser 11 Meter 70.

vanDusen: 16 Gashöhlen mit einem Gesamtfassungsvermögen von 10400 Kubikmeter.

Graf: In einem starren Gerüst als Aluminium in Form einer Zigarre.

vanDusen: 2 Daimlermotoren von je 85 PS.

Graf: Höchstgeschwindigkeit 42 Stdkm sowas hat die Welt noch nicht gesehen, ich habs vorgeschickt mit meinen Leuten heute wirds gefüllt auf einer Wiese vor der Stadt Staro Starodings direkt neben dem königlich kravonischen Gaswerk.

vanDusen: Eine klug gewählte Operationsbasis, mein lieber Graf.

Graf: Wissen sie was, Prof kommen sie doch heute abend mal vorbei, gucken sie sich mein LZ2 an.

vanDusen: Mit dem größten Vergnügen, mein lieber Graf doch auch die demonstratio ad oculos dürfte wie ich fürchte meine wohlfundierte Ansicht kaum ins wanken bringen.

Graf: Ihre Ansicht, Prof was für eine Ansicht.

vanDusen: Ja haben sie denn meine grundlegenden Studien zur aerodynamischen Theorie der Aeronautik nicht gelesen Graf.

Graf: Tut mir leid, Prof ehrlich gesagt Theorie liegt mir nicht so.

vanDusen: In diesem Falle Graf lassen sie mich in aller gebotenen kürze wiederholen was ich erst kürzlich in Schottland auf Schloß Glenmore auszuführen Gelegenheit fand.

Graf: Bei Sir Hector MacMurdock, erstklassiger Aeronaut der Mann, schade daß er so ein Ende nehmen muße.

vanDusen: Er hat es ganz allein sich selbst zuzuschreiben Graf, die Zukunft so sagte ich wird weder dem unstarren Luftschiff ala Santosdumont noch dem starren Zeppelin gehören, vielmehr dem Drachenflieger, dem Aeroplan, dem Flugzeug, was war das.

Graf: Ach Radau im Nachbarcoupe, unwichtig, das können sie doch nicht im ernst glauben, Prof der Aeroplan, diese technische Mißgeburt.

vanDusen: Im Nachbarcoupe, in meinem Coupe, Hatch, sie entschuldigen mich Graf.

Hatch: Wie ein geölter Blitz sauste er raus durch den Gang zu unserer Abteiltür und weil die abgeschlossen war, bollerte er wie ein Droschkenkutscher, öffnen sie Hatch, der ansonst so gesetzte so auf seine Würde bedachte, offenbar machte er sich wirklich Sorgen um mich.

vanDusen: Schaffner, öffnen sie die Tür, sie sind doch im Besitz eines Hauptschlüssel.

Schaffner: Gewiß, mein Herr.

vanDusen: Leer.

Schaffner: Vermissen sie etwas mein Herr.

vanDusen: Das kann man wohl sagen, mein Freund und Begleiter.

Schaffner: Der Herr der aussieht wie König Milan selig.

vanDusen: Eben diesen Schaffner.

Schaffner: Ich hatte sie gewarnt, mein Herr die schwarze Garde, sie hat ihn geholt.

vanDusen: Das ist zu vermuten, doch auf welche weise, ach das Fenster.

Schaffner: Es ist nicht völlig geschlossen mein Herr.

vanDusen: Das seh ich Schaffner und hier am rahmen ein Stückchen Stoff zweifarbig giftgrün und magentarot, diese abstoßende Kombination abstoßender Farben findet sich meines Wissens auf der ganzen Welt einzig und allein an Mr Hatch Reiseanzug.

Schaffner: Sie haben ihn aus dem Fenster gestürzt.

vanDusen: Wohl kaum, wäre es den Schergen der schwarzen Garde lediglich drauf angekommen meinen Freund schnellstmöglich zu töten hätten sie sich keinesfalls die Mühe gemacht ihn zu betäuben.

Schaffner: Betäuben.

vanDusen: Ja mittels Chloroform, ein leichter Hauch der potenten Chemikalie liegt noch immer in der Luft, kein Zweifel, Mitglieder der schwarze Garde drangen durch das Fenster ins Abteil, versetzen Mr Hatch in Bewußlosigkeit und entfernen sich sodann mit ihm wiederum durchs Fenster.

Schaffner: Und weiter übers Dach.

vanDusen: Wohin, nach vorn Richtung Speisewagen und Lokomotive, das ist ausgeschlossen, in diesem Falle hätten sie das Coupe des Graf Zeppelin überqueren müssen und da auch nicht das leiseste Geräusch einer solchen Passage an mein ungewöhnlich empfängliches Ohr drang.

Schaffner: Also nach hinten.

vanDusen: So ist es, Schaffner und was finden wir in dieser Richtung.

Schaffner: Nicht mehr viel, mein Herr, in diesem Wagon nur noch 2 Abteile, eines hat eine alleinreisende Dame belegt, das anders ist das Schaffnercoupe.

vanDusen: Die nächsten Wagen.

Schaffner: Nur noch ein Wagen mein Herr der letzte, der Packwagen.

vanDusen: Der Packwagen, aha folgen sie mir Schaffner.

Schaffner: Wenn sie gestatten mein Herr würde ich es vorziehen hier auf sie zu warten.

vanDusen: Sie weigern sich mich zu begleiten.

Schaffner: Ich wage es nicht, mein Herr sehen sie auf der Plattform vor dem Packwagen steht ein Wächter, in schwarzer Uniform.

Hatch: Davon ließ der Prof sich nicht abschrecken, eiligen Schrittes strebte er dem Packwagen zu, aber schon in Höhe des nächsten Abteils wurde er aufgehalten, eine große schlanke Dame in Reisedress, tief verschleiert, trat ihm den Weg.

Dragina: Prof van Dusen.

vanDusen: Bitte Madame lassen sie mich passieren.

Dragina: Sie sind doch Prof van Dusen, der weltbekannte amerikanische Detektiv.

vanDusen: Kriminologe, bitte Amateurkriminologe.

Dragina: Sie sind es.

vanDusen: Geben sie den Weg frei Madame.

Dragina: Prof van Dusen, ich flehe sie an, helfen sie mir, helfen sie dem unglücklichen Kravonien.

vanDusen: Später Madame später, treten sie zur Seite.

Dragina: Ich verstehe, Prof bevor sie sich meinem Anliegen widmen können, haben sie ein anderes ein vordringlicheres Problem zu erledigen.

vanDusen: Madame bitte.

Dragina: Ich machte einen Vorschlag, Prof ich helfe ihn, und dann helfen sie mir, einverstanden.

vanDusen: Keineswegs Madame sie wissen ja nicht.

Dragina: Zum Packwagen wollen sie Prof, ich gehe voran, halten sie sich dich hinter mir, und vertrauen sie mir.

vanDusen: Aber Madame der Wächter auf der Plattform.

Dragina: Den überlassen nur mir Prof.

Hatch: Damit schlug sie ihren Rock hoch und zog darunter einen gewaltigen Schießprügel hervor eine neunschüssige Armeepistole vom Typ Webley & Scott Kaliber 9 mm, sie öffnete die Tür am ende des Wagens und schoß dem Schwarzuniformierten vor dem Packwagen kaltblütig durchs Herz.

Schwarzgardist: Ah.

Dragina: So ein Schwarzgardist weniger, kommen sie Prof in den Packwagen.

vanDusen: Ja aber.

Dragina: Schnell bevor die andern schwarzen hier sind, meine Webley ist leider recht laut, aber sonst Prof eine ausgezeichnete Waffe, präzise und zuverlässig in allen Lebenslagen sehr zu empfehlen, nun kommen sie schon.

vanDusen: Wie sie wünschen, Madame.

Dragina: Gut so jetzt verrammeln wir die Tür und dann Prof.

vanDusen: Ja Madame.

Dragina: Dann erzählen sie mir was wir hier im Packwagen eigentlich suchen.

Hatch: So geschah es, der Prof ausnahmsweise einmal nicht Herr der Situation sondern zumindest zeitweilig konsterniert fast unverunsichert, schob brav den schweren Innenriegel vor, berichtete seiner mysteriösen Begleiterin kurz was ihn in den Packwagen geführt hatte und hielt dann mit ihr Ausschau, durch ein Fenster am hinteren Ende des Wagens fiel diffuses Licht auf Kisten, Kästen, auf Rollen, Ballen, Pakete.

vanDusen: Jedoch kein Assistent, kein Chronist, kein Begleiter, kein Hutchinson Hutch.

Dragina: Wo mag er nur stecken ihr Adlatus.

Hatch: Sind sie das Prof helfen sie mir.

Dragina: Was sagten sie Prof.

vanDusen: Nichts Madame das ist seine Stimme, Hatch wo befinden sie sich.

Dragina: Geben sie laut, Mr Hatch.

Hatch: Hier Prof, hier bin ich.

Dragina: Es kommt aus dieser Ecke hier wo der Sarg steht.

vanDusen: Der Sarg aber natürlich.

Dragina: Sie glauben Prof.

vanDusen: Ich bin sicher Madame helfen sie mir den Deckel zu öffnen, noch einen Augenblick mein lieber Hatch sie werden in kürze frei sein.

Hatch: Ach.

Hatch: Jawohl in einem Sarg hatte ich mich abgelegt meine unmenschlichen Entführer und wer weiß was sie noch alles mit mir vorgehabt hatten, ich stieg aus noch ganz benommen und da fiel mir plötzlich ohne Vorwarnung eine Frau um den Hals und drückte mich leidenschaftlich an ihr wohlgeformtes Herz.

Dragina: Milan geliebter du hier.

vanDusen: Nicht Milan, Madame, bei der von ihren Armen umschlungenen Person handelt es sich ohne jeden Zweifel um den vermißten Mr Hatch.

Hatch: Kann ich voll und ganz bestätigen, verstehen sie mich nicht falsch, gnädigste ich habe nichts gegen Impulsivität aber vielleicht könnten sie mir doch irgendwie erklären.

Dragina: Sogar die Stimme, Milan wie er leibt und lebt, eine gerade zu unglaubliche Ähnlich aber wenn ich sie mir eingehender betrachte, Mr Hatch fällt mir doch der eine oder andere kleine Unterschied ins Auge, Milan hätte nie den Mut einen Anzug von solch exquisiten Schnitt zu tragen, der kühne Ausdruck in ihren stahlblauen Augen sehr sympathisch.

Hatch: Ganz meinerseits.

Schwarzgardist: Im Namen des Königs öffnen sie.

Dragina: Die schwarze Garde.

Hatch: Was jetzt.

Dragina: Wir werden uns verteidigen Mr Hatch bis zum letzten Hauch, bis zur letzten Patrone.

vanDusen: Bei insgesamt noch 8 Patronen in 1 Pistole heroisch aber unvernünftig, in unserem Fall wäre Flucht angebrachter oder falls sie dies Wort nicht lieben eine kontrollierte temporäre Absetzbewegung.

Schwarzgardist: Öffnen sie, aufmachen.

Dragina: Sie haben recht, Prof setzen wir uns ab, fragt sich nur wie.

vanDusen: Wir befinden uns im letzten Wagen, Madame falls es uns gelingt ihn vom übrigen Expreß abzukoppeln.

Dragina: Großartige Idee Prof, aber dazu müßten wir die Kupplung erreichen und die ist draußen unter der Plattform, durch die Tür kommen wir nicht, das Fenster.

Hatch: Viel zu klein, da paßt ja nicht mal der Prof durch.

Dragina: Tja schade um ihren schönen Plan, Prof aber sie sehen ja wir kommen nicht raus.

vanDusen: Oh doch Madame es gibt noch eine Hintertür.

Dragina: Eine Hintertür Prof.

vanDusen: Ja die Bodenbretter Madame, zu unserm Glück sind sie von nicht eben imponierender Solidität, werden 2 oder 3 von ihnen herauslösen, tunlichst nah der Tür, durch die so entstanden Lücke wird eine gelenkige Person sich unter die Plattform hangeln und den Stift der Kupplung entfernen, zücken sie Taschenmesser und dann frisch ans Werk.

Hatch: Zu Befehl.

vanDusen: Madame würden sie unseren lästigen Belagerern freundlicherweise einen kleinen warnenden Hinweis zukommen lassen.

Dragina: Wird gemacht Prof so und nun lassen sie mich ein Blick aus dem Fenster werfen, aha, könnten sie in etwa einer halben Stunde mit ihrer Arbeit fertig sein, Mr Hatch.

Hatch: Ich tue mein bestes.

Dragina: Wir werden dann die Ausläufer der Matchagora passieren, der finsteren Berge, ich habe da ein ganz bestimmte Stelle im Auge, eine Steigung nach einer scharfen Kurve.

vanDusen: Ich verstehe.

Hatch: Gut für sie Prof, ich verstehe nur Bahnhof.

vanDusen: Das macht nichts, arbeiten sie nur weiter und wenn es an der zeit ist.

Dragina: Gebe ich das Kommando, vertrauen sie mir.

Hatch: Was anders blieb uns ja wohl nicht übrig, gut 20 min wütete ich mit dem Messer wie der Herrgottschnitzer von Oberammergau, dann lief alles nach Plan, die gelenkige Person, Hutchinson Hatch mit Namen oder was hatten sie gedacht, quälte sich durchs Loch im Boden, an den Beinen festgehalten von der interessanten Unbekannten und vom Prof, mit dem Griff eines alten Regenschirms, der sich im Packwagen eingefunden hatte, angelte ich nach dem Kupplungsstift, und als ich ihn endlich erreicht hatte, zog ich ihn raus unbemerkt von den Schwarzgardisten auf der Plattform über mir, der Expreß dampfte weiter, die Steigung hoch, unser Wagen rollte zurück, immer schneller, bog um die Kurve, zwei Schüsse fielen, und zwei Schwarzgardisten, die sich an die Wagentür geklammert hatten stürzten tot auf die Schienen und wir.

Dragina: Wir springen ab, meine Herren.

Hatch: Wenns unbedingt sein muß.

vanDusen: Es muß sein.

Dragina: Vertrauen sie mir, sprung marsch marsch, alles in Ordnung mein Herren.

vanDusen: Ja so scheint es, Madame was ist mit ihnen Hatch.

Hatch: Was soll sein Prof mir geht bestens, man hat mich bebombt, verbrüht, beschossen, chloroformiert, eingesargt, dann mußte ich als Holzhacker schuften, eine akrobatische Einlage geben, mich kopfüber in die Brennessel stürzen und wer weiß was jetzt noch alles kommt.

Dragina: Wir schlagen uns in den Wald, meine Herren folgen sie.

vanDusen: Wohin, Madame.

Dragina: Ich kenne den Weg, vertrauen sie mir.

Hatch: Ab durch den Wald, falls man diese verfilzte Wildnis überhaupt Wald nennen konnte, das war eher ein Dschungel, voll von knorrigen Bäumen, krummen Wurzeln, dichtem Unterholz, Bären und Wölfe sollte es hier übrigens auch noch geben, nach einem Gewaltmarsch von mehreren Stunden tauchte zwischen Blättern und Ästen ein roter Giebel auf, zu dem Giebel gehörte ein Anwesen, ein großes Haus mit ein paar Nebengebäuden, unsere Führerin öffnete die Tür und betrat eine mit schwerem Eichenmöbel ausgestattete Halle, auf dem Boden lagen Bärenfelle, Hirschgeweihe hingen an den Wänden.

Dragina: Treten sie näher, meine Herren, vertrauen sie mir.

vanDusen: Ein Jagdschloß wie ich vermute.

Hatch: Eher ein Hexenhaus, und wir beide sind Hänsel und Gretel.

vanDusen: Seien sie doch nicht töricht.

Diener: Hoheit haben geläutet.

Dragina: Bring uns einen Imbiß für 4 Personen.

Diener: Für 4 Personen sehr wohl Hoheit.

Hatch: Ein Imbiß, der erste positive Programmpunkt in dieser strapaziösen Geschichte, es kam noch besser, als wir uns zu Tisch setzen, schlug die unbekannte den Schleier zurück und demaskierte sich als gutaussehende junge Frau, was sage ich, gutaussehend, schön war sie wunderschön, schön über alle Maßen, ich übertreibe nicht, ich weiß, was ich sage, schließlich habe ich sie wenig später geheiratet.

Dragina: Hier sind wir vorerst in Sicherheit meine Herren, im alten Jagdschloß meines Geschlechts, umgeben von einer treuer Dienerschaft, ich bin Prinzessin Dragina Kralowitz.

vanDusen: Aha, Ihr Name Hoheit ist mir nicht unbekannt, werden sie sich nicht morgen mit König Bolko von Kravonien vermählen.

Dragina: Nein Prof das werde ich nicht, mein Herz gehört König Milan, ihn bin ich seit frühester Jugend verlobt, ihn werde ich heiraten.

Hatch: König Milan aber der ist tot.

Dragina: Meinen sie Mr Hatch.

Milan: Ach endlich teuerste, wurde auch Zeit, wer sind diese Subjekte.

Hatch: Ein Mann trat aus dem Wandschrank und dieser Mann war ich, dasselbe Gesicht, dieselbe Statur, mein Spiegel- und Ebenbild.

vanDusen: Eine erstaunliche Ähnlichkeit königliche Hoheit, in der tat nicht nur Größe Figur und Gesichtszüge meines Assistenten entsprechen dem ihrigen in einem so hohen Maß daß der Betrachter doppelt zu sehen glaubt, auch was Stimme und Tonfall betrifft ist Hatch ihr Doppelgänger, obgleich bei gründlicherer Observation ihre Ausdrucksweise königliche Hoheit ein wenig gemessener erscheint und sich insofern von der meines guten Hatch unterscheidet, welcher gelegentlich eine beklagenswerte Neigung zum vulgären ja aufweist, König Milan von Kravonien lebt also noch, diese Tatsache wirft Licht auf bislang dunkle Zusammenhänge.

Milan: Natürlich lebe ich sehn sie doch.

Hatch: König Milan war nicht durch Jagdunfall umgekommen, er war entführt worden von der schwarzen Garde im Auftrag Bolkos, während eine passende Leiche feierlich bestattet wurde, steckte der echte Milan in den finsteren Kasematten einer einsamen Burg tief in der Wildnis als geheimer Staatsgefangener auf Lebenszeit, aber einer der Wächter stand auf Milans Seite, und verhalf ihm in der vorigen Nacht zur Flucht, Milan gelang es Dragina zu erreichen, und die versteckte ihn in ihrem Jagdschloß, die schwarze Garde hielt Hutchinson Hatch für den entflohenen und schoß sich auf ihn ein, Dragina hatte derweil incognito den Orientexpreß bestiegen.

Dragina: Um sie zu konsultieren Prof, ich hatte gehört sie würden in Staropol erwartet, das weitere kennen sie.

vanDusen: In der tat Hoheit und was kann ich für sie tun.

Dragina: Zweierlei, meine Hochzeit mit Bolko verhindern und Milan wider auf den kravonischen Thron setzen.

vanDusen: Ihr Vertrauen in meine Fähigkeiten ehrt mich, Hoheit, daß ich als amerikanischer Staatsbürger keine große Neigung verspüre mich auf innenpolitische Auseinandersetzungen in Kravonien einzulassen.

Dragina: Das spielt jetzt keine Rolle mehr Prof, sie stecken längst in der Sache drin, sie und vor allem ihr Freund Mr Hatch, außerdem Recht und Moral sind auf unserer Seite.

vanDusen: So scheint es, Hoheit nun gut, Prof van Dusen steht zur ihrer Verfügung.

Milan: Na also, sie da Hatch oder wie heißen, drehen sie sich um, will ihr Gesicht nicht sehen, macht mich nervös.

Hatch: Bitte sehe ich eben die Prinzessin an, ist mir sowieso lieber.

Milan: Was meine Braut anglotzen, unterstehen sie sich.

Hatch: Dürfe ich königlicher Hoheit ergebens vorschlagen sich möglichst schnell in dero Wandschrank zu verziehen.

Milan: Impertinentes Subjekt.

vanDusen: Königliche Hoheit, mein lieber Hatch ich bitte sich nicht in läppische Kontroversen zu ergehen, vielmehr ihre Konzentration den vor uns liegenden von der Prinzessin so bewundernswert knapp umrissenen schwierigen Aufgabe zu widmen.

Hatch: Wir waren uns einig, König Milan mußte nach Staropol, wie das war die große Frage, die Hauptstadt Kravoniens war von der schwarzen Garde abgeriegelt, alle die in die Stadt wollten wurden genau überprüft, so ging das also nicht.

Milan: Dann eben anders, Prof van Dusen sie sind doch so ein großer Denker, sogar Denkmaschine, denken sie sich was aus.

vanDusen: Das ist bereits geschehen königliche Hoheit.

Dragina: Wunderbar, Prof was für eine Hintertür haben sie denn diesmal.

vanDusen: Keine Hintertür, Hoheit ich öffne ihrem Verlobten ein immenses Portal, würdig eines Monarchen.

Dragina: Ach und wo Prof.

vanDusen: In der Luft Hoheit.

Hatch: Aber ja Graf Zeppelin.

vanDusen: Sehr gut mein lieber Hatch.

Milan: Luft, Zeppelin verstehe kein Wort.

Hatch: Der Prof erkärte seinen Plan, ein typischer van dusen Plan, durchdacht fehlerfrei logisch ausgefeilt, Prinzessin Dragina war hingerissen, und was meint König Milan.

Milan: Total unmöglich, Luftschiff, abseilen, viel zu unsicher, lebensgefährlich, wenn mir was passiert, was wird dann aus Kravonien, außerdem werde ich seekrank, luftkrank sicher auch.

Dragina: Oh Milan geliebter wie kannst du nur so kleinmütig sein, das ist doch eine wunderbare Lösung, die Prof van Dusen sich ausgedacht hat, vom Himmel hoch.

Milan: Wenn dir die Sache so gut gefällt, flieg du doch mit dem Luftschiff über Staropol, und laß du dich am Seil runter.

Dragina: Aber Milan du weißt doch, nur einer kann das tun du, der rechtmäßige König den unser Volk liebt.

Milan: Ich, denke nicht daran, ohne mich.

vanDusen: Bedenken sie königliche Hoheit dies ist der einzige Weg zum angestammten Thron ihrer Ahnen.

Milan: Ist mir egal, niemals.

Hatch: Alles bitten und barmen nutzte nichts, ob Milan ein guter König war oder nicht, eins war er mit sicherheit, ein Angsthase, was nun.

vanDusen: Nur einer kann das tun, der rechtmäßige König den das Volk liebt, warum nicht auch eine Person, welche dem rechtmäßigen König zum verwechseln ähnelt.

Hatch: Moment mal.

Dragina: Großartig Prof, Mr Hatch in vollem königlichen Wichs.

Hatch: Also da hab ich ja wohl auch noch ein Wort mitzureden.

Dragina: Ach Mr Hatch, ich weiß sie werden es tun, ihr kühnes Auge sagt ja, ihre Tollkühnheit die sie heute so oft unter beweis gestellt haben.

vanDusen: Nur Mut mein lieber Hatch.

Dragina: Kravonien wird ihnen dankbar sein, ich werde ihnen dankbar sein, bitte Hutchinson.

Hatch: Ok, ehe ich mich schlagen lasse.

Milan: Was, dieser unverschämte Amerikaner soll als König Milan auftreten, Majestätsbeleidigung.

Dragina: Halt lieber den Mund Milan oder hast du es dir anders überlegt, du bleibst hier bis alles vorbei ist im Wandschrank damit dir ja nichts passiert, in einer Stunde fahre ich nach Staropol, sie kommen mit, Mr Hatch und sie natürlich auch Prof, vor der Stadt setze sie ab auf der Wiese beim Luftschiff.

Hatch: Die Dunkelheit brach herein als wir van Dusen und ich uns im Zelt des Grafen Zeppelin melden ließen, der Prof verlor keine Zeit, er schilderte dem berühmten Aeronauten kurz den Sachverhalt und machte ihm klar was er von ihm erwartete.

Graf: Mein LZ2 für einen Staatsstreich, nein nein nein nein das ist nicht drin, Prof, Graf Zeppelin ist kein Umstürzler.

vanDusen: Nicht um Staatsstreich geht es, mein lieber Graf, nicht um einen Putsch oder gar einen Umsturz, im Gegenteil es gilt dem legitimen König des Landes welcher durch eine heimtückische Intrige der Krone beraubt wurde wieder auf den ihm zustehenden Thron zu setzen.

Graf: Wenn das so ist Prof.

Hatch: Soweit die politisch moralische Seite Graf, aber sehen sie die Sache doch auch mal praktisch, zwei Superknüller auf einmal, Fürstenhochzeit und Auferstehung des toten Milan, Schlagzeilen vom Nordpol bis Feuerland, Reklame, Graf, Reklame.

vanDusen: Und ihr Luftschiff mein lieber Graf wird in dieser höchst aufsehend erregenden Affäre die unbestrittene Hauptrolle spielen.

Graf: Ja dann.

Hatch: Am nächsten Morgen in Staropol, die Sonne schien auf den großen Platz zwischen Schloß und Kathedrale, auf Fahnen und Transparente, auf gedrängte, festlich gekleidete Kravonier, und die eine oder andere schwarze Uniform, die aufpaßte, daß das Volk nicht auf dumme Gedanken kam, über den bunten Panorama brummte majestätisch das Luftschiff des Grafen Zeppelin, warf Konfetti ab, und zog ein Spruchband hinter sich her, worauf stand Glück und Segen dem hohen Paar, auf der Plattform vor dem Tor der Kathedrale war weithin sichtbar ein Altar aufgebaut, davor standen drei Menschen, der Patriarch von Staropol, dann ein dicklicher junger Mann im Hermelinumhang, eine Krone auf dem Kopf, das war natürlich König Bolko und Dragina, meine wunderschöne Dragina in einem langen weißen Kleid aus Atlas und Spitzen.

Patriarch: Wollen sie königliche Hoheit Bolko der erste von Kravonien die hier anwesende Prinzessin Dragina Kralowisch zur Gemahlin nehmen, sie lieben und ehren bis daß.

Bolko: Schon gut jawohl ich will.

Patriach: Wollen sie Hoheit Dragina Kralowitsch den hier anwesenden König Bolko.

Dragina: Nein.

Patriarch: Bitte Hoheit.

Dragina: Ich will nicht, Eminenz, Bolko hat weder ein Recht auf meine Hand noch auf den Thron von Kravonien, beide gehören König Milan.

Patriarch: Milan ist verschieden Hoheit.

Dragina: Nein, Eminenz schauen sie nach oben, dort steigt er nieder aus des Himmels Höhen.

Hatch: So war es, meine Damen und Herren, er schwebte herunter der gute König alias Hutchinson Hatch, aus der Gondel des Luftschiffs ließen die Mannen des Grafen Zeppelin langsam zwei Seile herab, die unten durch eine Stange verbunden war, auf dieser Stange saß ich in einer prächtigen rotweißgoldenen Uniform die Dragina noch schnell hatte nähen lassen, mit der linken Hand klammerte ich mich fest, mit der rechten winkte ich meinem Volk zu so huldvoll ich konnte, schließlich habe ich nicht König gelernt, und aus der Gondel tönte gewaltig die Stimme der Geschichte, Prof van Dusen mit Megaphon.

vanDusen: Volk von Kravonien sieh hier deinen wahren Monarchen, König Milan, er kommt seinen Thron wieder einzunehmen, den Neid und Bosheit ihm geraubt haben, nieder mit dem Usurpator Bolko, es lebe König Milan.

Hatch: Das Volk von Kravonien war begeistert und schrie sich heiser, die schwarze Garde wußte nicht was tun sollte und Exkönig Bolko machte ein ausgesprochen dummes Gesicht was in erster Linie darauf zurückzuführen war daß seine Exbraut ihm ihre Webley und Scott in die Rippen gerammt hatte, deshalb blieb ihm auch nichts anders übrig, als seinen Schwarzgardisten zähneknirschend zu befehlen die Waffen niederzulegen, König Milan hatte gesiegt, ohne Kampf, ohne Blutvergießen, übrigens war er inzwischen auf festem Boden gelandet und am überlegen wie er möglichst schnell Uniform und Rolle loswerden könnte, als die Dinge eine plötzliche unerwartete Wendung nahmen.

Patriarch: Das Volk, Majestät es verlangt, daß die Trauung stattfindet, König Milan und Prinzessin Dragina sollen auf der stelle heiraten, das Volk besteht darauf.

Hatch: Aber.

Dragina: Sie müssen mitspielen sonst werden sie mißtrauisch, der Wunsch unseres teuren Volkes spricht uns aus dem Herzen, nicht wahr Milan geliebter, walten sie ihres Amtes Eminenz.

Patriarch: Mit freuden Hoheit, Musik.

Hatch: So kam es daß wir feierlich vom Patriarchen getraut wurden, Prinzessin Dragina und ich, vor der Kathedrale von Staropol, inmitten des jubelnden Volkes von Kravonien. Am nachmittag dieses ereignisreichen Tages in den königlichen Gemächern.

Dragina: O Hutchinson sie waren wunderbar, jeder Zoll ein König.

Hatch: Ein guter kriminologischer Assistent muß eben alles können, Prinzessin trotzdem bin ich froh, wenn ich klammheimlich aus dem Schloß verschwinden und an König Milan übergeben kann, bin gespannt was er zu unserer Hochzeit sagt.

Dragina: Gehen sie nicht, Hutchinson.

Hatch: Was war das.

Dragina: Bleiben sie, als mein Gemahl als König Milan.

Hatch: Ja aber der echte Milan.

Dragina: Kommt ohne aufsehen zurück in die Kasematten zusammen mit seinem Bruder, dafür werde ich sorgen, er meint es gut ich weiß aber ich kenn ihn jetzt, er ist ein Schwächling, sie Hutchinson haben ein ganz anderes Format, sie werden Kravonien und mich glücklich machen, bleiben Sie, Hutchinson, bleiben sie bei mir, ich beschwöre sie.

vanDusen: Dennoch haben sie sich entschlossen, Kravonien mit mir gemeinsam den Rücken zu kehren, sehr vernünftig mein lieber Hatch.

Hatch: Vernünftig, ich weiß nicht, Prof hätte ich vielleicht doch bleiben sollen, diese Prinzessin Dragina ist eine tolle Frau, mindestens so energisch wie sie, Prof, aber viel viel schöner.

vanDusen: Das will ich neidlos konzedieren mein lieber Hatch.

Hatch: Und dann, Majestät, königliche Hoheit, das hat doch was.

vanDusen: Aber mein lieber Hatch, wer will schon König von Kravonien werden, wenn ihm das Schicksal ein weitaus besseres Los beschieden hat.

Hatch: Was meinen Sie Prof.

vanDusen: Sie sind Assistent, Chronist und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, mein lieber Hatch, was wollen sie mehr.

Hatch: Ach.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
König Milan von Kravonien: Klaus Herm
Prinzessin Dragina: Marietta Bürger
Graf Zeppelin: Jürgen Thormann
Schaffner im Orient-Expreß: Bernd Ludwig
Patriarch von Staropol: Herbert von Boxberger
Kellner/Schwarzgardist: Konstantin Netzband
Diener: Gerd Holtenau
König Bolko von Kravonien: Klaus Jepsen

Michael Koser: Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990)

Hatch: In der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel.

Page: Sir, Mr Hatch.

Hatch: Was ist.

Page: Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf.

Hatch: Wie spät.

Page: 3 Uhr Mr Hatch.

Hatch: Nachts.

Page: Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir.

Hatch: Ach soll wieder verschwinden.

Page: Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London.

Hatch: Kein Interesse.

Smiley: Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man.

Hatch: Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London.

Smiley: Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen.

Hatch: Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken.

Smiley: Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen Mr Hatch, es ist was schreckliches passiert.

Barnacle: Lassen sie mich Inspektor, Sie da Hatch oder wie sie heißen, sie müssen sofort aufstehen und ihren Freund wecken, diesen Prof van Dusen.

Hatch: Achwas warum wecken sie ihn nicht selber.

Barnacle: Ach wissen Sie.

Smiley: Sie kennen doch den Prof Mr Hatch.

Hatch: Schiß haben sie, aber mich aus dem Schlaf zu reißen, das trauen sie sich, wer sind sie überhaupt, ja sie mein ich den pensionierten Piratenkapitän mit der Augenklappe.

Barnacle: Falls sie in dieser unfeinen Weise auf die Tatsache anspielen daß ich nicht mehr im Besitz meines linken Auges bin, dann lassen sie sich gesagt sein junger Mann ich hab es in allen Ehren verloren für Königin und Vaterland vor 25 Jahren in der Schlacht von Olundi als ich an der Spitze meiner.

Smiley: Gewiß Sir G, gewiß ich bin sicher Mr Hatch wollte ihnen nicht zu nahe treten, Mr Hatch ich habe die Ehre ihnen Sir G Barnacle vorzustellen weiland General der Kavallerie, heute Governor des Tower zu London, er muß den Prof konsultieren in einer äußerst wichtigen und dringenden Angelegenheit.

Hatch: Was ist denn los.

Barnacle: Das brauchen sie nicht zu wissen junger Mann, stehen sie schon auf.

Hatch: Langsam ja, einen Prof van Dusen, eine Denkmaschine, einen Wissenschaftler und Amateurkriminologen von einsamer Klasse, scheucht man nicht wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen aus dem Bett, aber wenn es um die Kronjuwelen geht.

Smiley: Mr Hatch wie haben sie das erraten.

Hatch: Was heißt erraten, pure Kombination, Logik, Analyse, Synthese, nach dem guten alten Grundsatz 2plus 2 gibt 4, immer und überall, die englischen Kronjuwelen das weiß jeder werden im Tower aufbewahrt, der Gouvernor des Tower taucht nachts in heller Aufregung in Dover auf, um den größten Kriminologen der Welt um Hilfe zu bitten, den Kronjuwelen muß was passiert sein, sie sehen auch ein blinder Assistent findet manchmal ein kriminologisches Korn, trotzdem bestanden Sir G Barnacle und Inspektor Smiley darauf den Meister höchstpersönlich zu sprechen, ich tat ihnen also den Gefallen und schlich auf Zehenspitzen ins benachbarte Schlafzimmer des Professors, der schlief den Schlaf des Genies und atmete friedlich durch die Nase, ich beugte mich über ihn und flüsterte.

Hatch: Prof, ein Fall für sie, ein Superfall, die Kronjuwelen sind futsch Prof.

vanDusen: Was sie nicht sagen, Hatch, reichen sie mir Schlafrock und Pantoffel.

Hatch: Eine gute halbe Stunde später saßen wir im Nachtexpreß, wir fuhren zurück nach London, wo wir vor 3 Tagen aufgebrochen waren, der Prof und ich um nach Frankreich zu reisen.

Hatch: Aber wir sind bloß bis Dover gekommen weil die Fähre über den Kanal nicht fahren kann, wegen Nebel.

Smiley: Erbsensuppe, Mr Hatch.

Hatch: Nein danke bitte.

Smiley: Erbsensuppe, so nennen wir Londoner den Nebel.

Hatch: Von mir aus können sie auch Haferschleim sagen oder Kloßbrühe wenn er sich nur bald auflöst, ist doch kein Wetter so ein klammes graues Geschlabber.

Barnacle: Ich muß doch sehr bitten, junger Mann, unser Nebel ist eine uralte britische Institution, so britisch wie die magna charta, wie die Monarchie.

Hatch: Das warme Bier.

vanDusen: Und damit meine Herren ist der unvermeidliche topos Wetter wohl erschöpfend abgehandelt, zur Sache, sofern ich Mr Hatch recht interpretiere sind die Regalien der britischen Krone volkstümlich ausgedrückt die Kronjuwelen aus dem tower zu london verschwunden.

Barnacle: Absolut korrekt Prof, das heißt die Kronjuwelen stimmt nicht ganz, es geht nur um 3, die 3 wertvollsten, die große Krone von 1838 den Reichsapfel und das königliche Zepter.

Smiley: Zusammen fast 1 Mio Pfund.

Hatch: 2einhalb Mio Dollar.

vanDusen: In der Tat.

Barnacle: Und verschwunden kann man eigentlich auch nicht sagen, Prof, Krone Zepter und Reichapfel sind nämlich noch da, leider sind sie falsch.

vanDusen: Duplikate Sir G.

Barnacle: Jawohl Prof wertlose Kopien aus Glas und Messing.

Smiley: Wertlos aber hervorragend gemacht, Prof mit dem bloßen Auge ist kein Unterschied festzustellen.

vanDusen: Und dennoch wurde der Austausch bemerkt, auf welche weise, wann.

Barnacle: Gestern abend um 6 wird der tower für Besucher geschlossen, also etwa viertel nach 6 durch die Putzfrau, sie kennen sich aus Prof sie wissen wie es im Raum der Kronjuwelen aussieht.

Hatch: Klar wußten wir das, wir waren schließlich schon mal dagewesen, der tower ist bekanntlich nicht ein einziges Gebäude sondern eine ganze Anlage von Burgen und Häusern, und Plätzen und Türmen und einem dieser Türme dem wakefield tower mitten in einem großen runden Raum stehen 2 Vitrinen aus Stahl und Glas mit den weltberühmten englischen Kronjuwelen auf Plüsch und Samt, bestens gesichert durch eine hochmoderne elektrische Alarmanlage und durch die ständige Anwesenheit spezieller Kontrollorgane, in Pfannkuchenhüten und Pluderhosen, beefeater heißen sie, Rindfleischesser, warum weiß kein Mensch, wahrscheinlich wieder so eine uralte britische Institution, auch die Putzfrau die gestern abend Raum und Vitrinen zu scheuern hatte wurde überwacht vom obersten beefeater persönlich einem älteren Herrn namens Yorick.

Peabody: Nanu, Mr Yorick.

Yorick: Ja Mrs Peabody.

Peabody: Da ist eine Fliege Mr Yorick in der linken Vitrine.

Yorick: Unmöglich Mrs Peabody.

Peabody: Sehen sie doch selbst, Mr Yorick wie die wohl da reingekommen ist.

Yorick: Tatsächlich Mrs Peabody eine Fliege auf den Kronjuwelen, das ist nicht statthaft Mrs Peabody, Millerford, stellen sie mal kurz die Alarmanlage ab, so der Gerechtigkeit ist genüge geschehen und somit, Mrs Peabody was tun sie.

Peabody: Das hab ich mir immer mal gewünscht, Mr Yorick einmal im leben die Krone von unserem König in der Hand halten, ehrlich gesagt ich hab sie mir schwerer vorgestellt.

Yorick: Was unterstehn sie sich, Mrs Peabody, legen sie die Krone zurück auf ihren Platz auf der stelle Mrs Peabody.

Peabody: Regen sie sich ab, Mr Yorick, hoppla.

Yorick: Mrs Peabody, sie sie haben seiner Majestät allerhöchste Krone auf den Boden fallen lassen.

Peabody: Ist ja nichts passiert Mr Yorick.

Yorick: Nichts passiert, nichts passiert, und was ist das, Mrs Peabody, der Diamant, der große Diamant obendrauf zersplittert in tausend Stücke ogottogott.

Peabody: Oje oje Moment mal, Mr Yorick, ein Diamant kann doch gar nicht kaputt gehen, weil er doch viel härter ist als der Steinfußboden hier.

Yorick: Aber der Diamant ist kaputt Mrs Peabody.

Peabody: Dann ist es kein Diamant Mr Yorick.

Yorick: So so und was tun wir jetzt Mrs Peabody.

Peabody: Jetzt sagen wirs dem Governor Mr Yorick.

Hatch: Sir G Barnacle besah sich die Bescherung dann rief er scotland yard an und zwar gleich den Chef der Kriminalabteilung Commander Gore und der ließ seinen besten Mann kommen.

Gore: Inspektor Smiley, sie werden sich um die mysteriöse Affäre im tower kümmern, nehmen sie mit wen sie brauchen, in erster Linie wohl Experten für Edelmetall und Edelsteine und klären sie die Sache auf, wie die Morde im Globetrotterclub, im Chinesenviertel, im Savoyhotel etc gerade in den letzten Monaten haben sie ja ganz exzellente Arbeit geleistet.

Smiley: Danke Commander danke, allerdings wenn ich ehrlich bin, gebührt der Verdienst an den genannten Fällen nicht nur mir, auch Prof van Dusen.

Gore: Richtig der große amerikanische Kriminologe.

Smiley: Der größte Commander der größe, sagen sie Commander falls sich auch dieser neue Fall als ungewöhnlich kompliziert erweist, habe ich dann ihre Erlaubnis den Prof hinzuziehen.

Gore: Tja er ist Ausländer und was noch schwerer wiegt Außenseiter, Amateur.

Smiley: Aber ich verbürge mich für seine Diskretion, commander.

Gore: Nun gut Smiley, wenn sie nach den ersten Ermittlungen nicht weiterkommen, nun gut.

Hatch: Scotland Yard rückte im tower an und ermittelte, die mitgebrachten Experten stellten fest, 3 Kronjuwelen waren gegen Kopien vertauscht, von wem wie und wann das blieb ein Geheimnis.

Smiley: Und da faßte ich den Beschluß mich an sie zu wenden Prof, Sir G war davon zunächst nicht sehr angetan.

Barnacle: Das müssen sie verstehen, Prof es geht um die Symbole unserer Monarchie, um nationale Heiligtümer von unermeßlicher Bedeutung.

Hatch: Uralte britische Institutionen.

Smiley: Aber er ließ sich dann doch überzeugen.

Barnacle: Hauptsache ist schließlich daß die Kornjuwelen wieder rangeschafft werden.

Smiley: Wir brachten in Erfahrung, wo sie sich aufhielten Prof.

vanDusen: Den Rest kennen wir Inspektor, der Austausch wurde also gegen 6 Uhr 15 bekannt, wann wurden sie informiert Sir G.

Barnacle: Halb sieben, Prof ungefähr.

vanDusen: Scotland Yard haben sie wann angerufen.

Barnacle: Etwa 10 min später.

vanDusen: Wann sind sie im tower eingetroffen, Inspektor.

Smiley: Genau 20 Uhr 2 Prof.

vanDusen: Weshalb so spät.

Smiley: Der Nebel, Prof der Nebel auch eine Polizeidroschke kommt da nur langsam voran.

vanDusen: Ja ich verstehe und was geschah während dieser langen Wartezeit im tower Sir G.

Barnacle: Erstmal Alarm für alle beefeater, Parole wakefield tower besetzen und aufs schärfste bewachen.

Hatch: Brunnen.

Barnacle: Wie meinen.

Hatch: Brunnen, Sir G zugedeckt nachdem das Kind reingefallen ist.

vanDusen: Hatch, und sie Sir G was taten sie selbst.

Barnacle: Strategischer Rückzug in mein Herrenzimmer, Schock wissen sie Prof muß man tief durchatmen mit ner guten Havanna.

Hatch: Whisky auch.

Barnacle: Jawohl Mr Hatch, doppelstöckig, was dagegen.

Stationsvorsteher: London Victoria Station alles aussteigen.

Hatch: Vom Bahnhof stotterte sich eine Droschke mühsam und langwierig durch neblige Finsternis zum tower, am frühen morgen kurz nach halb 7 waren wir da, eine Einladung vor Sir G uns in seinen Gemächern mit einem opulenten Gabelfrühstück zu erfrischen schlug der Prof natürlich aus, ihn zog es zum wakefield tower, zu den drei falschen Kronjuwelen die da auf ihn warteten, unter der Obhut des wachsamen Mr Yorick.

vanDusen: Exzellente Falsifikate wie es den Anschein hat.

Yorick: Millimetergenau exakt wenn sie mir die Bemerkung gestatten Sir, exakt wie auf den Fotografien.

vanDusen: Fotografien, welche Fotografien.

Yorick: Diese hier, Sir.

vanDusen: Lassen sie sehen, bei den hier dargestellten Objekten handelt es sich wie ich annehme um die Originale der drei entwendeten Regalien das heißt um Krone, Zepter und Reichsapfel.

Yorick: Jawohl Sir.

vanDusen: Wann wurden die Fotografien angefertigt.

Barnacle: Vor einem viertel Jahr von Lord Stanhope, hatte ich ganz vergessen, die Fotografien.

Yorick: Ich nicht, Sir G während ihrer Abwesenheit habe ich mir erlaubt die Abzüge aus dem Archiv zu holen.

Barnacle: Lobenswerte Initiative, Yorick.

Yorick: Danke Sir G.

vanDusen: Wer ist Lord Stanhope.

Barnacle: Sie kennen Lord Stanhope nicht, Prof den Privatsekretär seiner Majestät des König.

vanDusen: Was sie nicht sagen, der Privatsekretär des Königs von Großbritannien hat die Kronjuwelen fotografiert.

Barnacle: Im Auftrag des Königshauses, für eine interne Dokumentation.

vanDusen: Aha, wie ich sehe hat er die Stücke wahrhaft gründlich dokumentiert, er hat sie von allen Seiten aufgenommen, sogar von unten, zu diesem Zweck muß er die Originale den Vitrinen entnommen haben.

Yorick: Hat er Sir, ich habs gesehen, ich war dabei, das gehört zu den Aufgaben des Oberaufsehers.

vanDusen: Gewiß, bei sorgfältigen Vergleich der Fotografien mit den Falsifikaten läßt sich feststellen, daß auch minimale Unebenheiten der Originale aufs exakteste reproduziert wurden, selbst an Stellen welche den Augen eines Betrachters vor der Vitrine nicht sichtbar sein konnte, hier sehen sie und hier, am unteren Rand der Krone, das heißt der Fälscher hat entweder direkt nach den Originalen gearbeitet.

Barnacle: Absolut unmöglich.

vanDusen: Oder nach präzisen Fotografien, diesen Fotografien.

Smiley: Glauben sie Prof übrigens einen Unterschied gibt es doch, zwischen den echten und den falschen Kronjuwelen, haben sie ihn bemerkt Prof.

vanDusen: Sie meinen den nicht völlig geschlossenen kleinen Kreis Inspektor, eine Gravur welche sich lediglich an den drei Kopien findet an nicht eben hervor gehobener Stelle.

Smiley: Genau Prof wissen sie, was das ist.

vanDusen: Wissen sie es Inspektor.

Smiley: Oh ja Prof wies aussieht hat diesmal der professionelle Kriminologe dem Amateur was voraus.

Hatch: Ausnahmsweise.

Smiley: Sehen sie Prof eine gutgemachte Fälschung ist auf ihre Art auch so was wie ein Kunstwerk, und darum ist ein Spitzenfälscher stolz auf seine Arbeit und pflegt sie zu signieren, mit seinem individuellen Zeichen.

vanDusen: In der Tat Inspektor und welcher kriminelle Künstler unterschreibt mit einem offenen Kreis.

Smiley: Poole, heißt der Mann, Graham Poole, Spitzname Goldstück, ein notorischer Falschmünzer und Kunstfälscher.

Hatch: Dann versteh ich nicht warum sie den Prof und meine Wenigkeit aus dem Bett geholt haben, der Fall ist doch klar, greifen sie sich diesen Poole und.

Smiley: Nicht mehr nötig, Mr Hatch wir haben ihn schon seit anderthalb Jahren.

vanDusen: Haben sie die Güte sich ein wenig präziser auszudrücken Inspektor.

Smiley: Goldstück Poole sitzt Prof, in Pentonville seit 1902 verknackt zu 10 Jahren, und darum kann er das Ding hier nicht gedreht haben.

vanDusen: Sind sie ganz sicher Inspektor, haben sie sich im Zuchthaus Pentonville informiert.

Smiley: Nein.

vanDusen: Dann tun sie es, rufen sie den Direktor an, auf der stelle.

Smiley: Wenns sie unbedingt wollen, Prof.

Hatch: Smiley trottelte los zum nächsten Telefon und als er 10 min zurückkam, sah er aus als ob ihm jemand den dünnen Scheitel mit einer Keule glatt gezogen hätte.

vanDusen: Nun Inspektor.

Smiley: Entlassen, Poole ist entlassen, im November schon.

vanDusen: Vor einem viertel Jahr, als auch die Fotografien angefertigt wurden.

Smiley: Spezieller Gnadenerlaß des König, überbracht von Lord Stanhope.

vanDusen: Lord Stanhope, höchst interessant mein guter Smiley.

Smiley: Und seine jetzige Adresse, halten sie sich fest Prof, tower london.

Barnacle: Poole, natürlich, wußte doch das ich den Namen kenne, habe den Mann persönlich angestellt als Gehilfe in der Rüstkammer im whitetower und da wohnt er auch.

Smiley: Sie haben ihn in der königlichen Rüstkammer angestellt Sir G, bei den Vorstrafen.

Barnacle: Ja er war mir empfohlen worden sehr empfohlen worden.

vanDusen: Von Lord Stanhop.

Barnacle: Woher wissen sie.

vanDusen: Sagten sie dieser Poole lebe im tower Sir G.

Barnacle: Sagte ich, Prof im Souterrain des Whitetower neben der Werkstatt.

vanDusen: Worauf warten wir, mein Herren auf zum Whitetower.

Hatch: Der Whitetower liegt im Zentrum der großen toweranlage, das mächtige viereckige Gebäude mit den runden Türmen an den Ecken das sie bestimmt von Ansichtskarten kennen, wir mußten über ein paar Höfe, um ein paar Ecken dann waren wir in einem schmalen Innenhof, links das Haus des Gouvernors, rechts der white tower, die unauffällige Holztür zur Werkstatt war verriegelt, von innen, wir klopften, wir riefen und als keiner aufmachte, brachen wir die Tür auf.

vanDusen: Licht, machen sie doch Licht, Smiley.

Smiley: Augenblick Prof Augenblick, wo ist denn, so hier.

Hatch: Hier liegt einer.

Smiley: Rührt sich nicht, ja das ist Goldstück Poole, das Gesicht hab ich oft genug im Verbrecheralbum gesehen.

vanDusen: Das war Poole.

Smiley: Sie haben recht, Prof er ist tot.

vanDusen: Ermordet, eine Stichwunde im Herzen, doch ich sehe keine Mordwaffe.

Barnacle: Sind sie blind Prof, wir sind in der Werkstatt der Rüstkammer, Mordwerkzeuge gibts hier wirklich genug, Degen, Säbel, Hellebarden suchen sie sich was aus.

vanDusen: Bedaure Sir G nichts von dem was sich in diesem Raum anbietet kommt in frage, die Wunde wurde durch eine Stichwaffe mit langer dreieckiger Spitze verursacht und ein solches Gerät.

Smiley: Ist weit und breit nicht zu entdecken, keine Mordwaffe, Tür von innen verriegelt, sieht aus wie ein typischer van Dusen Fall, was Prof.

vanDusen: So scheint es, Inspektor.

Smiley: Wie lange ist der Mann tot, was meinen sie Prof.

vanDusen: Ich meine nicht, Inspektor ich untersuche.

Smiley: Entschuldigen Prof also was wissen sie.

vanDusen: Nun die Bildung von Leichenflecken ist deutlich wahrnehmbar, rigor mortis hat bereits die Oberschenkel erfaßt, dabei ist allerdings der Tatsache Rechnung zu tragen, daß die Leiche durch ihre Position direkt unter einem offenstehenden Fenster niedrigen Temperaturen ausgesetzt war was bedeutet.

Hatch: Verzögerung des normalen Erstarrungsprozesses.

vanDusen: Sehr gut mein lieber Hatch, und sehr richtig, sie sehen mich überrascht.

Smiley: Alles gut und schön, meine Herren aber wann ist denn Goldstück Poole umgekommen.

vanDusen: Vor 14 Stunden, Inspektor.

Smiley: Das heißt warten sie mal jetzt ist es.

Hatch: 9 Uhr 10 genau.

Smiley: Also gestern abend kurz nach 7.

vanDusen: Bravo Inspektor, ein Faktum von immenser kriminologischer Relevanz.

Smiley: Die Todeszeit also ich weiß nicht.

vanDusen: Warum sollten sie auch, mein guter Smiley, lassen sie uns festhalten, der gewaltsame Tod von Poole nicht einmal eine Stunde nach Entdeckung der falschen Kronjuwelen beweist, daß es sich bei Poole tatsächlich wie schon nach der Signatur zu vermuten um den Fälscher handelt, er hat die Duplikate hergestellt hier im tower, in dieser Werkstatt gewissermaßen in der Höhle des Löwen.

Smiley: Klar Prof klar aber die Frage ist doch wie hat er die Kopien in die Vitrine rein und die drei echten Stücke aus der Vitrine raus gekriegt.

vanDusen: Eine Frage an Sir Barnacle.

Barnacle: An mich wieso.

vanDusen: Haben sie während des letzten viertel Jahres zugelassen, daß die ihnen anvertrauten Regalien ganz oder zum teil aus ihrem Gewahrsam entfernt wurden und sei es auch nur für kurze Zeit.

Barnacle: Nein Prof was denken sie von mir.

vanDusen: Niemals, Sir G.

Barnacle: Doch einmal aber das zählt nicht.

vanDusen: Dies festzustellen überlassen sie besser mir Sir G, berichten sie worum gehts.

Barnacle: Um die Parlamentseröffnung natürlich, da trägt seine Majestät Krone Zepter, Reichsapfel.

vanDusen: Krone Zepter Reichsapfel, genau die drei Stücke welche entwendet und gegen Kopien ausgetauscht wurden, wann fand die Parlamentseröffnung statt.

Smiley: Vor ein paar Tagen.

Barnacle: Vor 5 Tagen, am 31 Januar 1904.

Smiley: Aber dabei kann nichts passiert sein Prof, unsere nationalen Heiligtümer waren in den allerbesten Händen, sie wurden hier abgeholt und nach der feierlichen Zeremonie pünktlich wieder abgeliefert von vom Privatsekretär seiner Majestät.

vanDusen: Lord Stanhope.

Smiley: Schon wieder Lord Stanhope, Lord Stanhope fotografiert die Kronjuwelen, Lord Stanhope holt Poole aus dem Zuchthaus, Lord Stanhope bringt ihn im tower unter, Lord Stanhope hat die einzige Möglichkeit die Originale gegen die Duplikate austauschen, Lord Stanhope, immer wieder Lord Stanhope.

vanDusen: Wir sollten seiner Lordschaft schnellstmöglich einen Besuch abstatten, wo wohnt er.

Smiley: Werden wir sofort feststellen Prof.

Hatch: Ein kurzer Anruf bei Scotland Yard genügte, Lord Stanhope wohnte im Westen, in Chelsea, nicht weit von der Themse, Sir G Barnacle blieb im tower um sich seinen Gouvernorspflichten zu widmen, aber als wir der Prof Smiley und meine Wenigkeit uns auf den Weg machen und schon fast am Löwentor am Ausgang des tower waren.

Barnacle: Prof, Inspektor warten sie meine Herren.

Hatch: Sieh mal an, Sir G im sportlichen Sprint, haben sie es sich anders überlegt, wollen sie doch mit zu Lord Stanhope.

Barnacle: Nein nur was ausrichten, ein Anruf von Scotland Yard, gerade gekommen sehr wichtig, ganz neue Entwicklung, sie sollen gleich vorbeikommen.

Smiley: Dann werden wir wohl einen kleinen Umweg machen müssen, Lord Stanhope wird uns ja nicht weglaufen.

vanDusen: Hoffen wirs, Inspektor.

Hatch: Nach einer Stunde Bummelfahrt im Nebel erreichten wir Scotland Yard, falls sie nicht wissen wo das berühmte Hauptquartier der londoner polizei liegt, in white hall am viktoria embankment gegenüber Westminster Hall und als wir ankamen wollte niemand was von uns, die telefonische Botschaft war offensichtlich falsch gewesen, so falsch wie die Kronjuwelen also weiter nach Chelsea, noch eine Stunde, dann waren wir in einer engen Straße zwischen kaum sichtbaren kleinen Backsteinhäusern.

Smiley: Frühes 18 Jahrhundert, Chenwalk ist eine historisch recht interessante Straße, berühmte Leute haben hier gewohnt, Künstler und so, der Schriftsteller Thomas Karlar zB oder Dante Gareil Roselli der Maler.

Hatch: Sie haben ihren beruf verfehlt Smiley Fremdenführer hätten sie werden sollen.

Smiley: Nr 16 wir sind da, halten sie an Wachtmeister.

Hatch: Nichts zu sehen, und schon gar nicht zu hören.

vanDusen: Was war das.

Smiley: Hörte sich an wie eins von diesen neumodischen Booten mit Verbrennungsmotor auf der Themse, steigen wir aus, sie warten hier Wachtmeister, öffnen sie Milord, scheint nicht zu hause zu sein.

vanDusen: Glauben sie wirklich, Inspektor.

Hatch: Brechen wir die Türe auf.

vanDusen: Das dürfte nicht nötig sein, mein lieber Hatch, die Tür ist offen.

Smiley: Tatsächlich dann treten wir doch näher meine Herren.

Hatch: Als erfahrene Krimikenner ahnen sie es schon, meine Damen und Herren wir waren wieder zu spät gekommen, im geschmackvoll eingerichteten Salon von Lord Stanhope hing eine schmächtige Gestalt gehüllt in einen Schlafrock aus roter Seide an einem Strick vom Deckenbalken, es war der Hausherr und er war natürlich mausetod.

Smiley: Selbstmord, klare Sache.

vanDusen: Glauben sie, Inspektor.

Smiley: Sie etwa nicht Prof, eine umgestoßene Leiter, keine Hinweise auf einen Kampf ach und hier ist ja auch der obligatorische Abschiedsbrief, Stanhopes Schrift, ganz eindeutig, jeder der mal mit dem Hof zu tun gehabt hat kennt diese Krakel und Spinnenbeine, nicht zu imitieren.

vanDusen: Wenn sie das sagen, Inspektor und was schreibt seine Lordschaft, lesen sie vor.

Hatch: Ich habe die Kronjuwelen entwendet, ich allein, sieh mal an, ich habe Poole meinen Helfershelfer getötet, ich übernehme die Verantwortung und ziehe die einzige mögliche Konsequenz.

vanDusen: Das ist alles.

Smiley: Das ist alles.

vanDusen: Keine Unterschrift.

Smiley: Nein wozu.

vanDusen: Aha was haben wir denn hier, Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Mein Miniaturlaboratorium holen sie es aus der Droschke.

Hatch: Sogleich.

vanDusen: Eilen sie.

Hatch: Ich eilte und brachte das berühmte Minilabor des Prof, die schwarze Tasche mit ihren mysteriösen wissenschaftlichen und kriminologischen Geräten, Stoffen Ingredienzien, dann half ich dem Inspektor den dahingeschieden Lord abzunehmen und van Dusen machte sie ans untersuchen, dabei interessierter er sich vor allem für den Hinterkopf des toten, für seine Hände und für den Strick.

vanDusen: Ein offizieller Strick, ein Strick aus dem Bestand der königlichen Marine, wie der eingearbeitete rote Faden unschwer erkennen läßt.

Hatch: Der alleseits bekannte rote Faden.

vanDusen: Eben dieser, mein lieber Hatch, von diesem Strick wurde oben am Balken ein Stück abgeschnitten knapp am knoten und zwar nachdem dieser geknüpft wurde.

Smiley: Und was schließen sie daraus Prof.

vanDusen: Später, Inspektor später, wenden wir uns nunmehr der Leiche zu, anhand der klassischen Symptome, Zyanose das heißt Blaufärbung von Lippen und Ohrläppchen, Austritt der Zunge, Schaum vor Mund und Nase, Verletzung im Nacken und Kehlkopfbereich, etc läßt sich die Ursache des Todes von Lord Stanhope zweifelsfrei, Strangulation oder auch allgemeiner gefaßt Asphyxie.

Hatch: Und was heißt das in schlichten Worten fürs schlichte Gemüt.

vanDusen: Erwürgen und erstricken mein lieber Hatch

Smiley: Na bitte, Selbstmord.

vanDusen: Nicht so hastig, nicht so hastig Inspektor, desweiteren läßt sich ein ausgeprägtes Hämatom für sie mein lieber Hatch Bluterguß am Hinterkopf feststellen.

Smiley: Ach merkwürdig.

vanDusen: Nicht wahr Inspektor und noch merkwürdiger ist das was sich an den Händen des Toten findet.

Smiley: Sagen sie bloß kein Spuren von Strick, das ist Mord.

vanDusen: Kein Sorge Inspektor, die spuren sind da in form deutlich wahrnehmbarer Fasern, und diese sind ohne jede frage identisch an welchem Lord Stanhope hing.

Smiley: Also hat er den Strick in der Hand gehabt, das bedeutet er hat sich selbst aufgehängt.

vanDusen: Allem Anschein nach hat er dabei so fest zugefaßt daß er sich verletzt hat, sehen sie hier an der linken Handfläche eine ziemlich tiefe Schnittwunde.

Smiley: Wo, ach da, schwer zu erkennen, überhaupt kein Blut.

vanDusen: Und diese Tatsache wertester Inspektor, dürfte die merkwürdigste unter all den Merkwürdigkeiten sein, welche wir an diesem Ort angetroffenen haben, was bringen sie uns da mein lieber Hatch.

Hatch: Hier hab ich gerade vom Boden aufgelesen neben der Tür, ein Tuchstreifen, die Enden sind zusammengebunden, ob das was zu bedeuten hat Prof.

vanDusen: Unbedingt mein lieber Hatch, vor allem in Verbindung mit der auf dem Abschiedsbrief fehlenden Unterschrift.

Smiley: Sie sehen da einen Zusammenhang, Prof.

vanDusen: Sie nicht, Inspektor aber wie ich sie kenne halten sie sich lieber an die festen formen kriminologischer ermittlung wie lehrbuch und schema sie ihnen vorgibt.

Smiley: Wenn sie damit meinen daß ich Zahlen und Fakten der Spekulation vorziehe dann haben sie recht, Prof im Augenblick interessiert mich zB die genaue Todeszeit von Lord Stanhope wenn sie mir die.

vanDusen: Mit vergnügen, Inspektor vor einer Stunde.

Smiley: Jetzt ist es 3 min vor 1 also um 12.

vanDusen: Exakt.

Smiley: Etwa um 12 Uhr 30 sind wir hier angekommen.

vanDusen: Das heißt wären wir nicht durch Nebel und vor allem durch den zwecklosen Umweg über Scotland Yard aufgehalten worden, hätten wir den Mörder womöglich noch angetroffen.

Smiley: Mörder aber ich dachte.

vanDusen: Sie dachten falsch, Inspektor Lord Stanhope hat nicht Selbstmord begangen, Lord Stanhope wurde ermordet, präziser er wurde niedergeschlagen und im zustand der Bewußlosigkeit erhängt.

Smiley: Tja aber der Brief.

Hatch: Und was hat der Mord mit den Kronjuwelen zu tun.

Smiley: Wer ist der Mörder.

Hatch: Wie hat er gemacht.

Smiley: Warum und wozu.

Hatch: Und überhaupt.

vanDusen: Alles zu seiner Zeit, meine Herren, Inspector Smiley.

Smiley: Prof.

vanDusen: Sie werden sich mittels diesen Wandtelefons mit scotland yard verbinden lassen, und die bei derartigen Anläßen übliche kriminalpolizeiliche Mannschaft hier her zu zitieren, bis sie eintrifft werden sie Inspektor als Wächter am Tatort verbleiben.

Smiley: Und sie Prof.

vanDusen: Ich werde zunächst zum tower zurückkehren, es gilt dort und anderswo die Mosaik kriminologischer Aufklärung noch fehlenden Steinchen zu finden und an den rechten platz zu setzen, kommen sie.

Hatch: Es wurde ein langer nachmittag, als wir wieder im tower waren, zog van Dusen sich für eine knappe stunde in das ruhige Herrenzimmer des Gouvernors zurück, natürlich mit Erlaubnis von Sir G, er wollte die gewonnenen Einzelerkenntnisse zu einem logischen System vereinen, sagte er, Gelegenheit für mich was zu essen wenns auch nicht mehr war als ein Würstchen am Imbißstand vor dem Löwentor, dann spazierte der Prof durch das sog Verrätertor runter zur Themse und da, aber das werden sie später erfahren, meine Dame und Herren alles zu seiner zeit wie ein gemeinsamer bekannter gerade gesagt hat, auch die weiteren Stationen die er an diesem denkwürdigen 5. Februar 1904 ablief, werde ich vorerst für mich behalten, springen wir gleich vor auf den abend, 8 Uhr, wenn ich ihnen sage daß sich um diese zeit in Sir G Herrenzimmer eine kleine Gesellschaft eingefunden, bestehend aus dem Hausherrn, aus Inspector Smiley, aus Oberbeefeater Yorick und der Raumpflegenden Mrs Peabody, dann wissen sie Bescheid, meine Damen und Herren es folgt die Erleuchtung, die Aufklärung, das mehr oder weniger glückliche Krimiende, das Wort hat Prof van Dusen, die Denkmaschine.

vanDusen: Drei Kronjuwelen wurden entwendet, meine Herrschaften, Krone Zepter Reichsapfel, sie wurden entwendet und durch Kopien ersetzt, diese wiederum wurden angefertigt von Graham Poole einem Kriminellen nach ihm zur Verfügung gestellten Fotografien.

Smiley: Aber das wissen wir doch schon Prof, erzählen sie uns lieber wie der Austausch über die Bühne ging und wann.

vanDusen: Natürlich am 31 Januar Inspektor, bei der feierlichen Eröffnung des Parlaments, statt der ausgegebenen 3 Originale kamen 3 Falsifikate zurück und wurden im wakefield tower deponiert.

Barnacle: Lord Stanhope, er hat die Stücke aus der Vitrine genommen und später wieder reingelegt, eigenhändig.

vanDusen: Ein nicht vorhersehbarer Zufall brachte schon wenige Tage später den Austausch ans Licht.

Peabody: Zufall was heißt Zufall, das war ich, ich habs rausgekriegt und Mr Yorick aber der hat es erst später gemerkt.

vanDusen: Gewiß Mrs Peabody die von ihnen initiierte Entdeckung führte in direkter Konsequenz zum Mord am Fälscher Graham Poole, ihm würde scotland yard schnell auf die Spur kommen, er würde aussagen, Namen nennen, das mußte verhindert werden, Poole wurde getötet.

Smiley: Von wem Prof.

vanDusen: Von einem der Hintermänner.

Hatch: Hintermänner.

vanDusen: Hintermänner, selbstverständlich hat Poole nicht allein auf eigene Rechnung gearbeitet, er war lediglich Handlanger, ausführendes Organ, hinter ihm standen die Planer, die eigentlichen Täter, die drei Hintermänner.

Smiley: Und einer von denen hat Goldstück Poole umgebracht und wer, wenn ich fragen darf.

vanDusen: Einer welcher privilegiert durch seine Position frühzeitig von der Entdeckung des Austausches erfuhr, Sir G Barnacle.

Smiley: Was reden sie da, Prof Sir G ist kein krimineller, eine persönlichkeit von rang, governor des tower, überall hoch angesehen, sogar bei Hof wie kommen sie drauf.

vanDusen: Zwei Tatsachen empfehle ich ihrer Aufmerksamkeit Inspektor und natürlich auch ihnen meine Herrschaften, a die Zeit des Mordes kurz nach 19 Uhr am gestrigen abend, nachdem Sir G wurde jedoch bevor scotland yard im tower eintraf, und b der modus operandi.

Smiley: Wie ers gemacht hat, meinen sie, das würde ich auch gern wissen, Tür von innen verriegelt, keine Mordwaffe.

vanDusen: Nachdem Sir G sämtliche Aufseher zum wakefield tower beordert und sich auf dies weise freie bahn geschaffen hatte begab er sich von seinem Haus über den Hof zum whitetower, er klopfte, so läßt sich vermuten außen ans Fenster der Werkstatt, Poole öffnete und Sir G erstach ihn durchs offene Fenster.

Smiley: Geht nicht, Prof geht nicht, die Mauer ist über 1m dick.

vanDusen: Die Waffe welche Sir G benutzte, ist 3 meter lang.

Smiley: 3 meter ist so was gibts doch nicht.

vanDusen: Machen sie die Augen auf Inspektor, sie sehen besagte Waffe vor sich hier an der Wand neben den Kamin.

Smiley: Die Lanze.

vanDusen: Sir G war Soldat, Kavallerist, Ulan, dh Lanzenreiter, die vorschriftsmäßige Waffe der britischen Ulanen ist ein ca 3 m langer bambusstab mit einer dreieckigen Stahlspitze, nach seiner aktiven Zeit hat Sir G seine Lanze aufbewahrt als Souvenir und als er eine Mordwaffe benötigte, griff er wie selbstverständlich zum altvertrauten Gerät, welches er nach der Tat reinigte und wieder an seinen platz hängte, doch schon bei flüchtiger Examination wie ich sie vor wenigen stunden vorzunehmen Gelegenheit fand, zeigen sich an der spitze Reste menschlichen Blutes, des Blutes von Grahame Poole.

Smiley: Nehmen sie doch Stellung, Sir G oder wollen sie nichts sagen.

Barnacle: Ich wünsche einen Toast auszubringen, einen toast auf seine Majestät, es lebe König Edward der 7.

Smiley: Ist das alles.

vanDusen: Mehr hat Sir G offenbar nicht zu sagen, sehr aufschlußreich, finden sie nicht Inspektor.

Smiley: Ganz ihrer Meinung Prof, also wenn Sir G einer ihrer drei Hintermänner ist wer sind die anderen.

vanDusen: Da hätten wir zunächst einmal Lord Stanhope.

Smiley: Versteht sich.

vanDusen: Wie Poole geriet auch er bereits in einem frühen Stadium der Untersuchung unter verdacht und darum mußte auch er wie Poole sterben wieder war Sir G Barnacle der Täter, Lord Stanhope sollte am reden gehindert werden und als Sündenbock fungieren, während wir im Londoner Nebel umherirrten begab sich Sir G auf schnellsten Wege nach Chelsea.

Smiley: Ja wie denn.

vanDusen: Auf der Themse Inspektor in seinem Motorboot, ich hab es vorhin inspiziert an seinem Liegeplatz vor dem Verrätertor und dabei fand ich unter anderem einen zusammengerollten Strick aus Marinebeständen von welchem erst kürzlich ein stück abgeschnitten worden war.

Smiley: Motorboot, richtig als wir in Chelsea ankamen hören wir wie ein Motorboot auf der Themse wegfuhr.

vanDusen: Sir G ohne jeden Zweifel.

Smiley: Akzeptiert Prof, aber wie hat Sir G das mit dem falschen Selbstmord gedreht, den Abschiedsbrief hat doch Lord Stanhope selbst geschrieben.

vanDusen: Den Ablauf der Geschehens Inspektor meine Herrschaften können wir uns wohl folgendermaßen vorstellen, Sir G Barnacle betrat das Haus am Chenwalk und eröffnete dem darauf höchst verstörten Lord Stanhope, Scotland Yard sei den Dieben der Kronjuwelen dicht auf den Fersen.

Stanhope: Mein Gott Barnacle was soll wir tun.

Barnacle: Hören sie zu Stanhope ich habe mich entschlossen die ganze Geschichte auf meine Kappe zu nehmen.

Stanhope: Was.

Barnacle: Ich werde ein Geständnis ablegen dann mach ich ein ende.

Stanhope: Sehr nobel Banickel, richtig heroisch, naja sie sind ja auch Militär und ich bin bloß Zivilangestellter.

Barnacle: Aber sie müssen mir helfen, Stanhope, sie sehen ja, ich hab den rechten Arm verstaucht, wegen der Schlinge, kann nicht schreiben, nehmen sie mein Geständnis auf.

Stanhope: Wenns weiter nichts ist, so schießen sie los.

Barnacle: Ich habe die Kronjuwelen entwendet.

Stanhope: Entwendet, sehr gut, knapp und präzise.

Barnacle: Ich allein.

Stanhope: Ich allein.

vanDusen: Nach dem Diktat schlug Sir G Lord Stanhope nieder und erhängte ihn am mitgebrachten Strick danach zu spät fiel ihm ein schwerwiegendes Versäumnis ein, es ist eine auch unter kriminologischen Laien bekannte Tatsache daß eine Person welche Selbstmord durch Erhängen begeht stets mit Spuren des Stricks an den Händen aufgefunden wird, um das unterlassene nachzuholen, schnitt Sir G am oberen Knoten ein Stück des Strickes ab und zog es dem toten durch die Hände, in der eile so heftig daß es zu einer Hautverletzung kam, was der Täter nicht beachtete, aus der Wunde trat kein Blut aus, ein sicherer Hinweis daß sie keinem lebenden sondern einer Leiche widerfahren war.

Smiley: Sir G wollen sie sich jetzt nicht doch äußern.

Barnacle: Einen Toast meine Herrschaften auf König Edward den 7.

vanDusen: Ich verstehe ihr schweigen Sir G aber ich versichere ihnen es ist unnötig und nutzlos, so nutz und sinnlos wie die beiden von ihnen verübten Morde, vom wahren vom eigentlichen Motiv welches sie dazu veranlaßt, war bisher noch nicht die Rede, soll ich es verraten.

Smiley: Ja Prof reden sie.

vanDusen: Es ging und geht Sir G darum eine ganz bestimmte Person zu decken.

Smiley: Den dritten Hintermann.

vanDusen: Ja den dritten Mann, die Hauptperson, die zentrale Figur im rätselhaften Geschehen um die entwendeten Kronjuwelen, den Nutznießer für den hochgestellte Persönlichkeiten wie Lord Stanhope und Sir G Barnacle, Persönlichkeiten von ansonsten unanzweifelbarer Honorigkeit zu Dieben und Mördern wurden, ihn galt es.

Hatch: Aufzuspüren.

vanDusen: Mitnichten mein lieber Hatch, ich kannte ihn, ich wußte nur eine nur eine einzige Person kam in frage, diese galt es mit den Auswirkungen ihrer tat zu konfrontieren und um dies zu tun begab ich mich zum Buckingham Palace, seine Majestät König Edward der 7 ließ mich sogleich vor, er war nicht allein, sondern in Gesellschaft einer Dame, bei welcher es sich nicht um Königin Alexandra handelte.

König: Eine sehr gute Freundin, Mrs Caple, du kennst Prof van Dusen.

Geliebte: Aber ja Bertilein du hast mir so viel erzählt wie er den großen Sherlock Holmes ausgetrickst hat, damals bei Wettbewerb der Detektive, alle Achtung, Prof sie sind wirklich ein Superdetektiv.

vanDusen: Kriminologe, gnädige Frau, Amateur.

König: Na Prof was haben wir auf dem Herzen.

vanDusen: Eine Bagatelle, besser gesagt 3 Bagatellen, drei Kronjuwelen welche sie Majestät durch ihren Privatsekretär Lord Stanhope und durch Sir G Barnacle den Gouvernor des tower entwenden ließen von einen Täter dem kriminellen Poole gar nicht zu reden.

Geliebte: Bertilein, was muß ich da hören.

König: Ich Prof wozu sollte ich so was tun, die Dinger gehören mir doch sowieso.

vanDusen: Zweifellos Majestät und weltbekannte Preziosen dieser Art sind nirgendwo auf der Welt zu veräußern.

König: Eben.

vanDusen: Man kann sie jedoch beleihen wenn man wie sie Majestät sich in folge kostspieliger Liebhabereien ständig in finanziellen nöten befindet, und wenn man wie sie Majestät als notorisch unzuverlässiger Rückzahler gilt, sie Majestät haben die Kronjuwelen bei ihrem Bankier Baron Rothschild deponiert, als Pfänder für ein privates Darlehen welche ihnen ohne diese Sicherheitsleitung nicht gewährt worden wäre, leugnen sie nicht, Baron Rothschild von mir befragt hat alles zugegeben.

vanDusen: Letzter Behauptung, lassen sie mich in Parenthese hinzufügen meine Herrschaften, entsprach nicht zur gänze der Wahrheit, ich hatte Baron Rothschild nicht aufgesucht, was ich sagte war Vermutung, fundierte Spekulation, ein bluff wie sie sich ausdrücken wurden mein lieber Hatch.

Hatch: Wie ein ausgebuffter Pokerspieler Prof und hats was gebracht.

vanDusen: Seine Majestät glaubte mir und bestätige die von mir gegebene Darstellung in allen Details.

Geliebte: Seien sie nicht so streng mit Berti, Prof was soll er denn machen dieses knickrige Parlament hat ihm nur eine schäbige Apanage von einer halben mio pfund bewilligt für 1 ganzes jahr wie soll er damit auskommen, bei seinen vielen Interessen.

König: Ein gentleman muß die zeit doch standesgemäß totschlagen, man spielt, man wettet auf Pferde.

Geliebte: Man liebt und man lebt aber davon hat ein Bücherwurm wie sie ja keine Ahnung.

König: Und was ich mit den Kronjuwelen gemacht habe, Prof zugegeben die ganz feine englische art war es nicht, aber es war auch kein Verbrechen.

vanDusen: Gestatten sie mir, anderer Ansicht zu sein Majestät.

vanDusen: Ich berichtete dem König was er noch nicht wußte, die Entdeckung des Austausches und die beiden Morde welche Sir G Barnacle verübt hatte um den Ruf seines Monarchen zu schützen, seine Majestät war peinlich berührt.

König: Mein gott Prof es ist doch nicht meine schuld wenn der gute Barnickel überreagiert, ich habe das nicht angeordnet.

vanDusen: Sie tragen die Verantwortung Majestät, sie sind verpflichtet, die leidige Angelegenheit zu bereinigen soweit dies möglich ist.

König: Und wie mache ich das.

vanDusen: Indem sie die Kronjuwelen sofort auslösen Majestät.

König: Sie sind gut Prof wo soll ich denn auf die schnelle 300000 Pfund herkriegen.

vanDusen: Das ist ihre Sache, Majestät, geben sie Baron Rothschild Anweisung die drei Pfänder auszuhändigen, geschieht dies nicht, sehe ich mich veranlaßt die Affäre an die Öffentlichkeit zu bringen.

Geliebte: Um gottes willen, tu was er sagt, Bertilein, du hast schon genug Ärger mit den Zeitungen.

König: Einverstanden, aber dann verlaß ich mich darauf, daß sie dicht halten, Prof die Sache bleibt unter uns.

vanDusen: Nicht ganz, Majestät, meine amateurkriminologische Ehre, mit welcher sie Majestät beim Wettbewerb der Detektive höchst leichtfertig umgesprungen sind, darf nicht ein zweites mal strapaziert werden, der Fall muß gelöst werden, die unmittelbar beteiligten müssen die Wahrheit erfahren, wie sie damit umgehen.

vanDusen: Diese Entscheidung liegt bei ihnen, Inspektor, Mrs Peabody, Mr Yorick.

Smiley: Tja und Sir G den muß ich dann festnehmen, Sir G, was ist mit ihnen, sagen sie was.

vanDusen: Sir G wird nichts mehr sagen, er wird auch keine Toasts mehr ausbringen, und er wird nicht mehr für seinen König morden.

Smiley: Er ist tot.

vanDusen: Lassen sie auch wenn dies nur eine Formsache sein dürfte, den Inhalt seiner Portweinkaraffe auf toxische Substanzen untersuchen Inspektor, Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Leeren sie die Tasche, welche Baron Rothschild mir übergeben hat.

Hatch: Wird gemacht Prof.

vanDusen: Die Kronjuwelen, meine Herrschaften der Fall ist abgeschlossen.

Hatch: Wissen sie was, Prof, der Nebel hat sich gelichtet.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, wie spät ist es.

Hatch: Viertel nach zehn Prof.

vanDusen: Wenn wir eilen können wir den Nachtexpress nach Dover erreichen.

Hatch: Ab nach Frankreich.

vanDusen: Wo höchst interessantes uns erwartet, der Eifelturm, Monsieur Jules Vernes, der Großmeister der wissenschaftlichen Romantik.

Hatch: Nicht zu vergessen ein geheimnisvolles Cinematografenatelier und eine Leiche im Schrankkoffer, aber das meine Damen und Herren ist eine andere Geschichte.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Inspektor Smiley von Scotland Yard: Rolf Marnitz
Sir Guy Barnacle, Guverneur im Tower: Harry Wüstenhagen
Yorick, ein Beefeater: Rainer Pigulla
Mrs. Peabody, Putzfrau im Tower: Dorothea Hanke
König Edward VII. von Großbritannien: Krikor Melikyan
Mrs. Keppel, seine Geliebte: Hilde Doelker
Lord Stanhope, sein Privatsekretär: Klaus Jepsen
Stationsvorsteher: Bernd Ludwig
Commander Gore, Chef des C.I.D.: Kurt Lutz
Page im Hotel: Kurt Lareine

Michael Koser: Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990)

Kettle: Sagen Sie mal Mr. Hatch.

Hatch: Ja.

Kettle: Wie gefällt sie Ihnen denn so.

Hatch: Wer, Mr. Kettle.

Kettle: Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich.

Hatch: Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich.

Kettle: Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich.

Pozzo: Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch.

Hatch: Salute.

Pozzo: Salute Zahlmeister, ah, ah ah.

Hatch: Tot?

Kettle: Tot, Mr. Hatch, Nummer 4.

Hatch: Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama San Francisco, zuerst Mr. Darby, dann Frau von Pahlen, Mr. Phipps der Funker und jetzt Senior Pozzo, und der war noch lange nicht der letzte in den nächsten Tagen.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Was habe ich mich ohne Unterlaß bemüht ihnen einzuschärfen.

Hatch: Eine ganze Menge Prof.

vanDusen: Wie sollen sie berichterstatten, präzise, detailliert.

Hatch: Und von Anfang an, alles klar Prof in diesem Sinne meine Damen und Herren werde ich ihnen die schaudererregende Geschichte vom Totenschiff schön ordentlich der Reihe nach erzählen, eine Geschichte, die in der gewaltigen vanDusen Chronik einen makaberen Ehrenplatz einnimmt, ich beginne mit dem 1. Januar 1906 jenem Tag an dem der Prof, meine Wenigkeit und ein paar für diese Geschichte ganz unwichtige Figuren Robinsons Insel in einem selbstgebastelten Heißluftballon verließen, unser Ziel die Molukkeninsel Halmahera haben wir nie erreicht, ungünstiger Wind trieb uns weit nach Norden ab und schließlich mußten wir mitten im Pazifik niedergehen oder wassern, wie der Fachmann sagt, die Osakamaru, ein japanisches Kriegsschiff fischte uns auf und setzte uns in Yokohama an Land, und weil wir möglichst schnell weiterkommen wollen, suchten van Dusen und ich gleich das Büro der PMSSC auf, der Pacific Mail Steam Ship Company, der größten Schiffahrtlinie zwischen Asien und Amerika.

Angestellter: San Francisco, bedaure sehr meine Herren, in den nächsten 2 Wochen fährt nur ein einziges Schiff, die Kaiserin von China und die werden sie nicht nehmen wollen.

Hatch: So und warum nicht.

Angestellter: Weil die Kaiserin ein Kulischiff ist voll bis unter die Luken mit chinesischen Arbeitern für den Eisenbahnbau im Amerika.

Hatch: Wir haben nichts gegen Chinesen außer sie heißen Dr.TschuManFu was Prof

Angestellter: Ein lobenswerter Standpunkt, meine Herren, aufgeklärt und progressiv, doch bedenken sie, ein Kulitransporter wie die Kaiserin von China kann ihnen keinesfalls all jenen Komfort bieten welchen sie als zivilisierte Zeitgenossen beanspruchen dürfen, keine Soireen, keine Maskenbälle, keine Bibliothek, kein Schwimmbad.

Hatch: Aber ein paar Passagierkabinen wird es doch wohl geben.

Angestellter: Gewiß, 8 im ganzen, auf dem Achterdeck, ferner hat die Kaiserin zu bieten einen soliden Safe in der Kabine des Zahlmeisters für ihre Wertsachen und sogar eine Kühlkammer, falls sie verderbliche Waren mit sich führen.

Hatch: Nur Whiskey und den behalt ich lieber bei mir, von ihren 8 Kabinen sind da welche frei.

Angestellter: Lassen sie mich nachsehen Sir, sechs sind belegt, Singapur San Francisco, zwei wären frei.

Hatch: Na also, ist eine Bar an Bord.

Angestellter: Selbstverständlich Sir.

vanDusen: Wir nehmen die Kabinen, wann segelt die Kaiserin von China.

Angestellter: Moment Sir, ah hier, Ankunft Yokohama 11. Januar am frühen Morgen, Abfahrt Yokohama am gleichen Tag, abends 6 Uhr.

vanDusen: Und wann wir das Schiff San Francisco erreichen.

Angestellter: Genau 15 Tage später Sir.

Hatch: Also am 26. Januar.

vanDusen: Mitnichten, mein lieber Hatch, am 25. Januar.

Hatch: Das kann nicht sein, Prof 11 plus 15.

vanDusen: Ich werde es ihnen ein anderes mal erklären mein lieber Hatch.

Hatch: Pünktlich dampfte die Kaiserin von China in Yokohama ein, kein sehr beeindruckendes Schiff, Rost, abblätternder Farbe und ein alles durchdringender Geruch nach Sojasoße und ungewaschener Menschheit, das lag an den Kulis, oder besser an der Art wie sie verstaut waren, tausend Mann im Vorschiff und Zwischendeck übereinander und durcheinander geschichtet, so pünktlich wie sie gekommen war, segelte sie auch ab, die Kaiserin und während sie sich aus dem Hafen von Yokohama schob, fand im Speisesaal eine kleine Zeremonie vor dem Abendessen statt, ein großer kugelrunder Mann, der sein Doppelkinn in einen blauen Uniformkragen gezwängt hatte, machte die oevres, nicht für die Kulis natürlich, sondern für die Passagiere der ersten Klasse dh. für die beiden Neuzugänge.

Haddock: Kapitän Haddock, zu ihren Diensten, im Namen der Pmssc heiße sie an Bord herzlich willkommen, meine Leute und ich werden uns alle Mühe geben ihnen die Reise so angenehm wie möglich zu machen.

Hatch: Was man so sagt danach stellte der Käptn seine Offiziere vor, den ersten, den zweiten, den dritten, den Chefingenieur, den Schiffsarzt, eine Galerie unauffälliger Figuren in weiß und blau, dann kam der Zahlmeister Mr Kettle, und der fiel schon etwas mehr auf weil er nämlich genau so rund und speckig war wie der Kapitän.

Haddock: Wenden sie sich an Mr Kettle meine Herren wenn sie Fragen, Wünsche oder gar Beschwerden haben, aber natürlich stehen auch wir anderen ihnen jederzeit gern zur Verfügung, wir alle bis hinunter zu Mr Phipps dem Funker, obwohl der genaugenommen nicht zur Besatzung der Kaiserin von China gehört sondern uns von der Marconigesellschaft nur ausgeliehen wurde mitsamt seinem drahtlosen Wunderapparat, und nun meine Damen und Herren habe ich angenehme Pflicht den wenn ich so sagen darf alteingesessenen Passagieren die beiden neuen vorzustellen, es handelt sich um zwei Herren aus den USA.

Hatch: Wenn sie gestatten Käptn übernehme ich das.

Haddock: Bitte Mr Hatch.

Hatch: Danke sehr, Ladies und Gentlemen vor ihnen steht kein geringer als Prof van Dusen, der weltgrößte Wissenschaftler und bedeutendster Amateurkriminologe, die Denkmaschine wie man ihn zu titulieren pflegt, in NewYork wie in London, Paris und Berlin, in der Wüste Sahara wie in Transsylvanien und im wilden Tibet, was mich betrifft mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter von Beruf und aus Berufung Begleiter Assistent und Chronist des Prof.

Pozzo: Bravo seniore, grandioso, magnifica, imposonate, haben sie im Circus gearbeitet, eine wunderbare Präsentation, hätte ich selber kaum besser können ich der große Pozzo.

Haddock: Bitte Mr Pozzo, ladies first, Madame Berzelius aus Riga.

Berzelius: Eine Sucherin.

vanDusen: Nach wissenschaftlicher Erkenntnis Madame.

Berzelius: Nach dem guten, wahren, echten mein Herr, nach der geistigen Wahrheit die sich verbirgt hinter der Welt des materiellen Scheins, nach der unergründlichen Weisheit des Ostens, die zu finden wir durch Wüsten und Dschungel gepilgert sind bis hin zu den Gipfeln des erhabenen Himalaya.

Hatch: So wie sie redete, sah sie auch aus, bleich, hager, vergeistigt, ganz im Gegensatz zu ihrer korpulenten Begleiterin, die der Welt des materiellen Scheins offenbar noch nicht ganz abgeschworen hatte, jedenfalls was die Freuden der Tafel betraf.

Berzelius: Erinner mich daran teuerste Pomponia, daß ich dem Herr Prof ein signiertes Exemplar meiner kleinen Schrift Unter Gurus Lamas und Fakiren zukommen lasse.

Pomponia: Ich werde es nicht versäumen, liebste Sonja.

Hatch: Das männliche Gegenstück zum Duo Sonja Berzelius und Pomponia von Pahlen bildeten die Herren Pozzo und Klapperini, ersterer dick und fett, letzterer lang und klapperdürr, das mußte so sein, davon lebten die beiden.

Pozzo: Klapperini, das lebende Skelett, und ich Pozzo, der große Pozzo, ich bin sein Impressario, überall sind wir aufgetreten, auf der ganzen Welt, von hohen höchsten und allerhöchsten Herrschaften, und alle waren hingerissen, waren begeistert, alle waren erbaut.

Hatch: Erbaut.

Pozzo: Jawohl erbaut, meine Damen und Herren, denn Klapperini ist nicht nur das unbestritten magerstes Skelett unserer Zeit, er ist auch das bei weitem ausdrucksvollste im künstlerischen Sinne, zeig den Herrschaften, was du kannst Klapperini, mach eine Pose.

Haddock: Nach dem Essen Mr Pozzo bitte, Minher Swammerdam aus den Niederlanden.

Swammerdam: Tiersammler Tierfänger Amateurzoologe quasi ein Kollege von ihnen.

vanDusen: Quasi.

Swammerdam: Sie können sich gern mal ansehen, was ich in den letzten Monaten, so alles eingesackt habe in Australien auf den Inseln, unten im gesicherten Spezialfrachtraum, damit meine Lieblinge nicht auskneifen und sie nachts in ihren Betten besuchen.

Haddock: Und last not but least Mr Darby aus Washington.

Hatch: Soweit alles friedlich und normal, nicht wahr meine Damen und Herren, aber lassen sie sich von mir sagen 7 der Vorgestellten, 4 Passagiere und 3 Schiffsoffiziere sollten die Reise nicht überleben, in den ersten Tagen war noch nichts zu spüren, von dem schwarzen Schatten des Todes, der über uns hing, die Kaiserin von China zog ihre Bahn durch den nördlichen Pazifik, das Wetter war mäßig, die Gesellschaft im Speisesaal ebenfalls, keine besonderen Vorkommnisse, bis zum Morgen des 20. Januar 1906.

Haddock: Des 19. Januar Mr Hatch.

Hatch: Kann nicht angehen, Käptn, der 19 war gestern.

Haddock: Ganz recht Mr Hatch, gestern und heute auch, zweimal der 19 Januar.

Hatch: Sie nehmen mich auf den Arm, Käptn.

Haddock: Würde ich mir nie erlauben Mr Hatch, sehen sie wir haben heute Nacht den 180. Längengrad passiert.

Hatch: Ah ja und.

Haddock: Das ist die sog Datumsgrenze, und da wir von West nach Ost fahren haben wir einen ganzen Tag gewonnen.

Hatch: Versteh ich nicht.

Kettle: Ist doch gar nicht so schwer, Mr Hatch, passen sie mal auf, stellen sie sich vor sie befinden sich hoch über der Erde an einem festen Punkt, und die Erde dreht sich unter ihnen weg von Ost nach West.

Swammerdam: Umgekehrt Mr Kettle, von West nach Ost, und dann kommt es ja vor allem darauf an wo sich die Sonne.

Berzelius: Schweben im Weltenraum welch poetischer welch mystischer Gedanke.

Kettle: Finden sie Madame Berzelius.

Pozzo: Ach was Mystik hin Mystik her, wir haben einen Tag zusätzlich, darauf sollten wir was trinken.

Haddock: Ja.

Hatch: Und das taten wir, wie das mit dem doppelten Datum zustande kommt hat mir der Prof später eingehend erläutert, verstanden hab ich es trotzdem nicht, was solls, manchmal gibt 2 plus 2 eben 5.

Pomponia: Wenn ich die hochinteressante Diskussion wegen einer eher profanen Sache kurz unterbrechen dürfte, hat einer der Herrschaften Mr Darby gesehen.

Berzelius: Darby.

Haddock: Darby, richtig, sein Platz ist leer.

Hatch: Jetzt wo sies sagen, Frau von Pahlen, gestern zum Abendessen war er auch schon nicht da, ist mir gar nicht aufgefallen, weil er nie was sagt.

Berzelius: Vielleicht ist er erkrankt der arme Mensch.

Pozzo: Seekrank vermutlich.

Haddock: Mr Kettle sehen sie in Mr Darbys Kabine nach.

Hatch: Aber auch da war er nicht, der wortkarge Mr Darby und deshalb ging Kapitän Haddock kurz mit sich zu rat und gab dann befehl das ganze Schiff zu durchsuchen von oben nach unten, von hinten nach vorne, Ergebnis.

Kettle: Kein Mr Darby, Sir spurlos verschwunden.

Berzelius: Spurlos verschwunden.

Haddock: Dann sind wir gezwungen der traurigen Tatsache ins Auge zu sehen, Mr Kettle, meine Herrschaften, Mr Darby muß unbemerkt über Bord gefallen sein, es gibt keine andere Erklärung, ein tragischer Unglückfall, sehr bedauerlich und sehr peinlich für Schiff und Rederei.

Kettle: Leider Sir und wenn man bedenkt daß auf unserer letzten Fahrt schon mal so was passiert ist.

Pozzo: Ist da auch einer verschwunden.

Kettle: Direkt verschwunden nicht Mr Pozzo, aber ein Passagier hatte einen Unfall, Mr Hemingway der bekannte Großwildjäger, zurück von einer Tour in Pamir, hat sich erschossen, beim Gewehrreinigen, aus versehen, übrigens in der Kabine die jetzt Mr Darby hat hatte mein ich.

Berzelius: So rollt das Rad des Schicksals und so kehrt das ewiggleiche ewig wieder.

Hatch: Und was haben sie mit Hemingway gemacht Käptn.

Haddock: Im Kühlraum abgelegt, aufgebahrt, da ist ausreichend Platz, sogar für 2 Personen, wenns sein muß, und in San Francisco wurde er von einem Bestattungsunternehmen abgeholt, das hatten wir telegrafisch verständigt.

Kettle: Apropos, ich habe natürlich Mr Phipps angewiesen die Reederei von Mr Darbys Verlust in Kenntnis zu setzen.

Phipps: Käptn Haddock.

Haddock: Ja Mr Phipps, Auftrag ausgeführt.

Phipps: Leider nein, Sir das Funkgerät ist nicht in Ordnung, merkwürdig, ich habs erst gestern überprüft, eine Röhre ist hin glaub ich.

Haddock: Können sie das reparieren, Mr Phipps.

Phipps: Aber ja Käptn.

Haddock: Und wie lange wird das dauern.

Phipps: Ein zwei Tage.

Hatch: Na Prof wollen sie nicht eingreifen, immerhin sind der weltgrößte Experte für drahtlose Telegrafie nach Marconi.

vanDusen: Nach Marconi, mein lieber Hatch.

Hatch: Wenn sie wert darauf legen Prof auch mit Marconi oder von mir aus auch vor ihm, was ist, wollen sie Phipps helfen.

vanDusen: Das ist absolut unnötig und uninteressant, handelt es sich weder um ein wissenschaftliches noch um ein kriminologisches Problem.

Hatch: Diese Einschätzung mußte der Prof sehr bald revidieren, schon am nächsten Tag, ich saß an der Bar zusammen mit Pozzo, Zahlmeister Kettle und Frau von Pahlen, die der Obhut ihrer Freundin entflohen war um sich ganz speziellen geistigen Einflüssen hinzugeben in Form von Cognac und Sodawasser.

Pomponia: Ihr ganz besonders wohlergehen meine Herren.

Hatch: Prösterchen, sage sie mal Pozzo, ihr Freund Klapperini, sind sie sicher daß er wirklich ein lebendes Skelett ist.

Pozzo: Wie meinen sie das Senior Hatch.

Hatch: Er sagt nichts, sitzt steif da und wenn er sich mal bewegt, tut er das wie ein Automat, lebendig ist anders.

Pozzo: Aber seniore, das ist doch gerade die Kunst.

Berzelius: Pomponia, hier muß ich dich finden, und was sehe ich du trinkst, Alkohol am Vormittag.

Pomponia: Nur ein ganz kleiner Cognac, Sonja zur Gesellschaft, weil es doch zu kalt ist.

Berzelius: Verlasse auf der Stelle diesen Sündenpfuhl, begib dich in deine Kabine und versenke dich in die mystische Weisheit des tibetanischen Totenbuchs, bitte geh, so tun sie doch was, meine Herren, bitte helfen sie mir.

Hatch: Leicht gesagt, wir standen wie erstarrt und sahen zu wie Frau von Pahlen mit herausquellenden Augen die Hände um den Hals gekrampft keuchend durch den Speisesaal taumelte, aus der Tür über das offene Deck, nur Zahlmeister Kettle bewies Geistesgegenwart und versuchte sie aufzuhalten, vergeblich, die gewichtige Dame glitt ihm aus den Händen und stürzte über die Reling in den grauen Ozean.

Berzelius: Pomponia.

Haddock: Mann über Bord, wollte sagen Frau über Bord, Maschinen rückwärts volle Kraft.

Hatch: Die Kaiserin kam zum stehen, ein Boot wurde ausgesetzt, aber da war die unglückliche Frau von Pahlen schon längst untergegangen, der zweite Todesfall innerhalb von 2 Tagen, mir kroch ein merkwürdiges Gefühl über den Rücken, was sagte Prof van Dusen, als ich ihm in der Kabine von dem neuen Unglück berichtete.

vanDusen: Ein Unglück wohl kaum, mein lieber Hatch, alle Symptome welch sie mir so plastisch schildern vor das innere Auge stellen, deuten auf eine akute Atemlähmung hin wie sie durch die Einnahme gewisser tropischergifte hervorgerufen wird.

Hatch: Wissen sie woran ich denke.

vanDusen: Das ist nicht schwer zu erraten, an die Menagerie unseres Mitpassagiers Schwammadam.

Hatch: Aber bevor ich mir das alles mal gründlich und in Ruhe überlegen konnte, ging es schon weiter, Schlag auf Schlag, beim Abendessen verkündete Kapitän Haddock die nächste Hiobsbotschaft.

Haddock: Es ist Mr Phipps meine Herrschaften unser Funker, verschwunden, wir haben wieder einmal alles intensiv abgesucht aber.

Hatch: Über Bord.

Berzelius: Mr. Fips.

Haddock: Ja davon müssen wir ausgehen.

Berzelius: Wie Mr Darby, wie meine unglückselige Pomponia, zum dritten mal hat das Schicksal zugeschlagen.

Haddock: Drei Unglücksfälle, kurz hintereinander, schon sehr seltsam.

Berzelius: Seltsam, Kapitän sagen sie lieber unheimlich, sagen sie nicht geheuer.

Haddock: Ja und darum hab ich eine Bitte an sie Prof van Dusen, sie sind ein berühmter Detektiv.

vanDusen: Amateurkriminologe, mein lieber Kapitän, Amateurkriminologe.

Haddock: Klar Prof worum ich sie bitten wollte, können sie nicht ein bißchen forschen oder untersuchen oder ermitteln oder was ein Dete.

Berzelius: Amateurkriminologe.

Haddock: Ja Amateurkriminologe so macht.

Berzelius: Forschen sie nur, Prof, all ihre Wissenschaft wird zu schanden werden, die Mächte des Bösen sind über uns, jama der gott des todes, die Kali, die Würgerin.

vanDusen: Seien sie überzeugt Prof van Dusen ist jedem Dämon gewachsen.

Berzelius: Sie freveln Prof.

vanDusen: Wir werden sehen madam ist das funkgerät wieder funktionstüchtig käptn.

Haddock: Keine Ahnung ich kenn mich nicht aus damit, vielleicht sie, Prof.

vanDusen: Ein wenig, noch heute abend werde ich mich drum kümmern.

Hatch: Gegen 11 verließ der Prof seine Kabine, allein, auf seinen ausdrücklichen Wunsch, ich wartete, als der Prof um Mitternacht noch nicht wieder zurück war, fing ich an mir Sorgen zu machen, und ich machte mir nicht nur Sorgen, ich machte mich auch auf den Weg zur Funkkabine, und da fand ich ihn, im Licht der Sterne das durchs Bullauge fiel, reglos auf dem Boden, das vierte Opfer, gott sei dank er atmet noch, oh eine gewaltige Beule am Hinterkopf, naß, das muß Blut sein, kombiniere, niedergeschlagen, offenbar hat jemand an bord was dagegen daß der Prof sich einmischt, na machen wir erst mal Licht, ach du dicker Vater, eine Schlage zusammengerollt auf van Dusens Rücken, an die 2m lang längst gestreift, schwarz und knallrot, wie ich später aus kompetentem Mund erfuhr eine moment pseudechis pofiendi bendit, eine australische Schwarzotter, hochgiftig, aber daran dachte ich nicht, ich dachte überhaupt nicht, packte zu, instinktiv, direkt hinter dem Kopf, hob sie hoch, obwohl sie zischte und zappelte, öffnete mit der anderen Hand das Bullauge und raus mit den Vieh, so dann unterdrückte ich heldenhaft ein starkes Bedürfnis nach einem doppelten Whisky, raste zur Tür und brüllte einen Steward herbei und den schickte ich aus den Schiffsarzt zu holen, das dauerte seine Zeit, Dr Melville war voll bis zum Stehkragen wie jede Nacht.

Melville: Schütterung, Hirnerschütterung infolge Einwirkung eines harten Gegenstands auf den Schädel.

Hatch: Sonst nichts Doc.

Melville: Was wollen sie denn noch junger Mann.

Hatch: Schlangenbiß oder.

Melville: Ach was, nur Gehirnerschütterung, absolute Bettruhe, und kein Alkohol, kein Tropfen.

Hatch: Prof van Dusen trinkt nur Tee und Mineralwasser, ganz selten mal eine Flasche Champagner, außerdem ist er bewußtlos.

Melville: Wußtlos, richtig, kein Problem junger Mann das gibt sich.

Hatch: Wann Doc.

Melville: Bald junger Mann, zwei Tage, drei Tage, sagen sie mal junger Mann haben sie zufällig einen kleinen, kleinen Schluck da.

Hatch: Wir trugen den großen kleinen Mann in seine Kabine und legten ihn ins Bett, und da lag er blaß leise atmend, mit geschlossenen Augen, ein Tag verging, ein zweiter Tag, ein dritter, am dritten Tag, am Nachmittag des 23. Januar 1906 kam Prof van Dusen zu sich und schlug die Augen auf, hipp hipp hurra.

vanDusen: Mein lieber Hatch, was soll das Geschrei.

Hatch: Die reine Freude, Prof weil sie wieder da sind, wie fühlen sie sich.

vanDusen: Lassen wir irrelevante persönliche Details, mein lieber Hatch, kommen wir zur Sache, ich wurde außer Gefecht gesetzt.

Hatch: Ja Prof auf den Kopf gehauen in der Kabine des Funkers in der Nacht vom 20 zum 21 Januar.

vanDusen: Und wie ich dem Wandkalender entnehme, schreiben wir heute den 23 Januar, nach Lichtstärke und Schattenwurf ist es etwa 2 Uhr nachmittag.

Hatch: Genau 1 Uhr 54, Prof.

vanDusen: Was ist in den letzten 62 Stunden geschehen.

Hatch: Sehr viel Prof und nichts gutes.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, berichten sie.

Hatch: Ich berichtete, zuerst das, was dem Prof selbst widerfahren war, Gehirnerschütterung, Doc Melville und die Schlange.

vanDusen: Eine tropische Giftschlange interessant, ein weiterer Hinweis auf Swammerdams Sammlung mein lieber Hatch aber fahren sie fort.

Hatch: Mehr haben sie nicht zu sagen Prof.

vanDusen: Hab ich etwas übersehen mein lieber Hatch.

Hatch: Naja vielleicht eine kleine Anerkennung für Tatkraft und entschlossenes Handeln.

vanDusen: Aber mein lieber Hatch, das versteht sich bei ihnen doch von selbst, erzählen sie weiter.

Hatch: Wir haben sie also ins Bett gesteckt, Prof und ich habe auf sie aufgepaßt, wenn ich mal weg mußte zum schlafen und essen und so, dann hab ich dafür gesorgt daß sie gleich von mehreren Stewards bewacht wurden.

vanDusen: Unwichtig, mein lieber Hatch, insignifikant, haben sie die Güte, sich nun endlich der Referierung des 4. Mordes zuzuwenden.

Hatch: Woher wissen sie.

vanDusen: Wozu sonst hätte der noch unbekannte Mörder Prof van Dusen ausschalten sollen, um sich freie Hand zu verschaffen versteht sich, also wer war Opfer Nr 4.

Hatch: Senior Pozzo, sagte ich, am 21 Januar nachmittag im Speisesaal beim trinken aber das wissen ja, mein Damen und Herren.

vanDusen: Pozzo ging also nicht über Bord.

Hatch: Nein Prof er fiel um und war tot.

vanDusen: Eine stärkere Dosis diesmal wies scheint, was geschah mit dem Toten.

Hatch: In den Kühlraum Prof, da blieb er nicht lang allein, schon am abend kriegte er Gesellschaft.

Haddock: Meine Herrschaften trotz alledem wir wollen zeigen daß wir uns nicht unterkriegen von rätselhaften Unglücksfallen, erheben sie ihr Glas, trinken sie mit mir auf unser gutes Schiff, die Kaiserin von China, sie lebe hoch, hoch.

Kettle: Der Käptn um gotteswillen der Käptn, Doc schnell.

Melville: Wozu, ist ja doch nichts mehr zu machen, tot.

Berzelius: Der Fluch des Himmels lastet auf diesem Schiff.

Melville: Mag sein, Madame aber das Gift stammt von der Erde, wird Zeit daß der alte Doc mal wieder nüchtern wird, morgen, morgen kommen sie mir unters Messer, der Käptn und dieser Pozzo und dann sehen nach was ihnen nicht bekommen ist.

Hatch: Aber es wurde nichts aus der Autopsie, und warum nicht weil Doc Melville am nächsten morgen verschwunden war.

vanDusen: Was sie nicht sagen.

Hatch: Die übliche Sucherei, das übliche Ergebnis, der Doktor war nicht mehr aufzutreiben, und da wurde uns allen sehr, sehr mulmig, sechs Tote in vier Tagen, das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen, niemand wagte mehr zu schlafen oder zu essen, jeder schloß sich ein, zitterte und zagen, totenbleich von Angesicht, das grauen ging um an Bord, das grimme gräßliche grauen.

vanDusen: Heben sie sich diese grauenhafte Muster journalistischer Prosa auf für den Daily New Yorker, was wir jetzt benötigen sind Fakten, läuten sie dem Steward.

Hatch: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Meine Kleider, es gilt verlorene Zeit aufzuholen und dem rätselhaften Fall einer Lösung zuzuführen.

Hatch: Nicht mehr nötig, Prof legen sie sich ruhig wieder hin der Fall ist schon gelöst.

vanDusen: Was sagen sie da gelöst ohne Prof van Dusen.

Hatch: So ist es Prof.

vanDusen: Spannen sie mich nicht länger auf die Folter, berichten sie

Hatch: Machen wir, Prof heute morgen wurden wir alle zusammengetrommelt, Passagiere und Schiffsoffiziere, soweit noch am leben und an Bord, und zwar vom 1 Offizier, der nach Käptn Haddocks Tod das Schiff kommandierte, aber nicht er hatte uns was zu sagen, sondern Zahlmeister Kettle, er sah merkwürdig aus, um seinen Kopf hatte er einen dicken weißen Turban geschlungen.

Kettle: Ein Verband, meine Herrschaften, man hat mich heute nacht niedergeschlagen, um an den Safe in meiner Kabine zu gelangen.

Berzelius: Ein Unglückschiff.

Kettle: Meine Herrschaften in Anbetracht der ungewöhnlichen Ereignisse die in den letzten Tagen an Bord vorgefallen sind, sehe ich mich genötigt, ja geradezu verpflichtet, sie alle zu Mitwissern eines streng gehüteten Geheimnisses zu machen, auf dieser Reise besteht bzw bestand die Ladung der Kaiserin nicht nur aus den üblichen Kulis, sondern auch aus einem Schatz im Werte von rund 2 Mio Dollar.

Hatch: Der Radscha von Saran auf Borneo hatte die Bewaffnung seiner Krieger modernisiert, keine Blasrohre mehr, keine krummen Messer zum Kopfabschneiden stattdessen Hinterlader und Feldkanonen, was er brauchte kriegte er in den USA aus veralteten Heeresbeständen und weil er keine Landesbank und darum auch keine Banknoten hatte, zahlte er in Naturalien, Rubine, Smaragde, Diamanten, Jade, zwei große Lederbeutel voll, damit dieser Schatz unterwegs nicht abhanden kam, wurde er nicht offiziell mit großem Brimborium transportiert, sondern heimlich incognito sozusagen auf der Kaiserin von China, in Singapur kam der Schatz in einem Reissack versteckt an Bord und da gleich in den Safe.

Kettle: Nur 3 Personen an Bord wußte davon, Kapitän Haddock, ich und Mr Darby.

Berzelius: Mr Darby weshalb Mr Darby.

Kettle: Mr Darby, jetzt kann ich es ja enthüllen, gehörte zum Schatzamt der vereinigten Staaten und hatte den Auftrag den Transport der Wertsachen zu überwachen, nur 3 Personen, das hatten wir jedenfalls angenommen, doch wie sich nun herausstellt, war noch eine vierte Person im Bilde, eine Person die auf ihren Wanderungen durch die Inseln im indischen Ozean vom Schatz und vor allem von der Art seines Transports erfahren haben muß und die daraufhin den Plan faßte sich den Schatz anzueignen, was ihr heute nacht auch gelungen ist, gestern abend bei meiner regelmäßigen Safeinspektion war der Schatz des Radscha noch da, heute morgen war der Safe aufgebrochen, der Schatz verschwunden und nicht nur der Schatz war verschwunden auch ein Beiboot der Kaiserin von China, ganz offensichtlich hat es die fragliche Person zu Wasser gelassen, unbemerkt während des heute nacht herrschenden Gewitters und ist darin entflohen.

Berzelius: Minher Swammerdan.

Hatch: Richtig wo steckt er eigentlich.

Kettle: Jawohl meine Herrschaften Minher Swammerdam ist der Räuber des Schatzes, dieses kleine Stück Jade habe ich in seiner Kabine entdeckt.

Hatch: Dann muß Swammerdam auch der unheimliche Mörder sein.

Kettle: Ohne jeden Zweifel, Mr Hatch er hatte ja auch die beste Gelegenheit an tropische Gifte heranzukommen.

Berzelius: Aber warum denn nur, Mr Kettle warum.

Kettle: Nun Darby und der Kapitän wurden als Mitwisser als mögliche Störfaktoren ausgeschaltet.

Hatch: Und Pozzo, der Funker, der Arzt.

Berzelius: Und Pomponia.

Kettle: Was weiß ich, vielleicht wollte Swammerdam an Bord eine Atmosphäre des Grauens erzeugen um so unbehelligt sein eigentliches Ziel der Raub des Schatzes verfolgen zu können, wie auch immer, Madame Berzelius, meine Herren, der Schatz ist zwar verschwunden aber mit ihm sind wir auch den 6fachen Mörder los, der uns alle in furcht und schrecken versetzt hat, damit ist es nun vorbei, fassen sich wieder, genießen sie den letzten Abschnitt unserer Reise, in 2 Tagen werden wir San Francisco erreichen.

vanDusen: Swammerdam, eine saubere und klare Lösung, mein lieber Hatch nur leider nicht die richtige.

Hatch: Wie kommen sie darauf Prof.

vanDusen: Aus mehreren Gründen, Swammerdam hielt sich so gut wie niemals im Speisesaal auf, nun wirken die tropischen Gifte welche Frau von Pahlen, Senior Pozzo und Kapitän Haddock erlegen sind, sehr schnell, sie müssen also den Opfern unmittelbar von dem Tod verabreicht worden sein, ferner ist es nicht vorstellbar, daß ein begeisterter Amateurzoologe wie Swammerdam den Verlust höchst rarer Sammlerstücke wie etwa der Schwarzotter in Kauf genommen haben sollte, ich meine jenes Tier welches sie mein lieber Hatch so nonchalant über Bord befördert haben.

Hatch: Um ihr Leben zu retten Prof.

vanDusen: Gewiß, gewiß mein lieber Hatch es bleiben Fragen, weshalb hätte Swammerdam ohne Not 6 Menschen töten sollen, weshalb hätte er fliehen sollen in einem kleinen Boot auf dem weiten leeren Nordpazifik, wo es im Umkreis von 300 km nicht einmal ein Felsenriff gibt, geschweige denn eine bewohnte Insel, nein, nein mein lieber Hatch Swammerdam ist unschuldig, nach aller Wahrscheinlichkeit ist er das 7. Opfer des Massenmörders geworden, dieser mein lieber Hatch, dieser weilt noch immer unter uns, und es obliegt Prof van Dusen ihn zu entlarven und zur Rechenschaft zu ziehen, Fakten sind zu sammeln, Beweise zusammenzutragen, ans Werk.

Hatch: Immer mit der Ruhe, Prof die Sache ist gefährlich, der Mörder wollte sie schon einmal um die Ecke bringen und wenn er erfährt daß sie wieder bei sich sind.

vanDusen: Wird er es ohne frage ein zweites mal versuchen, dies gilt es tunlich zu vermeiden.

Hatch: Am besten bleiben sie bewußtlos Prof, offiziell meine ich.

vanDusen: Das dürfte kaum praktikabel sein, mein lieber Hatch, der Mörder könnte jederzeit unter einem Vorwand meine Kabine betreten und dabei feststellen daß ich nicht wie behauptet zu Bett liege, ich werde verschwinden.

Hatch: Sie meinen wie Darby und die anderen.

vanDusen: Exakt, und damit ich mich ungestört an Bord der Kaiserin von China bewegen kann werde ich mich unsichtbar machen.

Hatch: Einfach unsichtbar, Simsalabim hokuspokus.

vanDusen: Ganz recht, dazu benötige ich einige simple Paraphernalien, zunächst zwei Gummipflaster aus unserer Reiseapotheke, dann eine größere Quantität an Safran und Currypulver welches sie in der Kombüse organisieren werden, und schließlich, eine gewisse Kleinigkeit aus der Kabine von Madame Berzelius.

Hatch: Kurz vor Mitternacht gab es einen lauten Platsch, etwas schweres war ins Wasser gefallen aus van Dusens Bullauge, ein Mensch oder nur ein mit Werkzeug beschwertes Bündel Kleidungsstücke, wer konnte das sagen.

Hatch: Mann über Bord, Mann über Bord, oh Mr Kattle, geben sie Alarm, der Prof er muß wieder zu Bewußtsein gekommen sein, plötzlich war er aus dem Bett, ist durch die Kabine getaumelt und durchs Bullauge, konnte nicht festhalten, oh gott Mr Kettle tun sie doch was.

Hatch: 24 Stunden später, ich saß in meiner Kabine und hielt mich an einem Whiskey fest, da klopfte es an die Tür leise vorsichtig, eins zwei, eins zwei drei, das verabredete Zeichen, ich machte auf, vor mir stand ein Chinese, ein kleiner gelber Kuli, einer von den 1000 im Vorschiff.

vanDusen: Gehen sie zur Seite, lassen sie mich eintreten, mein lieber Hatch ich darf ja nicht gesehen werden.

Hatch: Umwerfend sehen sie aus, Prof absolut echt, wer hätte gedacht daß man mit 2 Pflastern wundelbare Schlitzaugen produzieren kann, und daß Safran nicht nur den Kuchen gel macht sondern auch einen ganzen Prof.

vanDusen: Ich hoffe nur Madame Berzelius hat sich mit dem Verlust ihres falschen Zopfes abgefunden.

Hatch: Jedenfalls hat sie nichts gesagt.

vanDusen: Ja, unmöglich, ganz unmöglich.

Hatch: Was meinen sie.

vanDusen: Die Unterbringung der Kulis, es ist unmöglich und unmenschlich nach unser Ankunft werde ich dem Präsidenten von diesen zuständen Mitteilung machen.

Hatch: Tun sie das und ich schreib was drüber im Daily New Yorker, aber wir sind noch nicht in San Francisco, was macht der Fall, gelöst.

vanDusen: Ja was dachten sie denn, selbstverständlich.

Hatch: Und wer wars.

vanDusen: Auf gar keinen Fall Smamerdam, alle seine Sammlungen, alle seine Aufzeichnungen befinden sich noch an Bord, damit steht endgültig fest, Swammerdam ist Opfer, nicht Täter.

Hatch: Ja also wer dann.

vanDusen: Der Zeitpunkt der letzten Enthüllung ist noch nicht gekommen, noch einen den abschließenden endgültigen Beweis gilt es abzuwarten.

Hatch: Sie spielen also wieder mal Spinx, wollen sie nicht doch ein bißchen mehr rauslassen, ausnahmsweise, damit ich weiß vor wem ich mich hüten muß.

vanDusen: Vor niemanden, es besteht keinerlei Gefahr mehr, nicht für sie und nicht für die übrigen Insassen dieses Fahrzeugs, die Mordserie ist abgeschlossen, sie hat ihren Zweck erfüllt.

Hatch: Ich weiß Prof wenn sie so was sagen, dann stimmt das auch aber könnten sie nicht trotzdem ein kleiner Tipp vom Meister der Kriminologie zum Assistenten.

vanDusen: Warum nicht, zwei Tatsachen empfehle ich ihrer Aufmerksamkeit und ihrer falls möglich geistigen Durchdringung, erstens nur ein Teil der Ermordeten, 5 wenn wir Swammerdam einbeziehen verschwand spurlos über Bord, der andre teil zwei Personen nicht, warum diese Diskrepanz.

Hatch: Ja warum und zweitens.

vanDusen: Die Statur der Toten.

Hatch: Die Statur, Frau von Pahlen, Ponzo und der Käptn waren ausgesprochen dick und rund, meinen sie das, meinen sie der Mörder hat was gegen Dicke, Klapperini das lebende Skelett der wars.

vanDusen: So kenne und schätze ich sie, mit Feuereifer auf der falschen Fährte, überlassen sie alles weiter mir.

Hatch: Damit verschwand er und der falsche Wilhelm an seinem Hinterkopf war das letzte was ich an Bord der Kaiserin von ihm sah, am nächsten Nachmittag, 25 Januar falls sie nicht mitgezählt haben liefen wir durchs golden gate in die Bucht von San Francisco ein, an der Reling stand der kläglich zusammengeschmolzene Rest der Passagiere, Klapperini sagte nichts, wie immer, vielleicht dachte er darüber nach, daß er zukünftig ohne Impressario künstlerisch klappern mußte, auch Madame Berzelius war ungewöhnlich zurückhaltend.

Berzelius: Mr Hatch.

Hatch: Ja Madame.

Berzelius: Ich hab ihn etwas mitzuteilen.

Hatch: Schießen sie los Madame.

Berzelius: Ich hab ihn geschaut Mr Hatch.

Hatch: Wen.

Berzelius: Ihren Freund Prof van Dusen.

Hatch: Ach was.

Berzelius: Ja seinen Astralleib meine ich.

Hatch: Ah.

Berzelius: Er schwebte nachts über den Gang zur Geisterstunde, Mr Hatch eine überirdische Aura war um ihn, ein goldener Schimmer.

Hatch: Soso.

Berzelius: Ja trösten sie sich Mr Hatch und zweifeln sie nicht, er ist glücklich dort wo er sich nunmehr aufhält, auf der höheren Ebene geistiger Existenz.

Hatch: Wir legten an, Vertreter der Reederei kamen an Bord, Zoll, Polizei und die Vertreter der Eisenbahn, die ihre Kulis einsammelten, etwas später fuhr der schwarze Wagen eines Bestattungsunternehmens vor, die beiden Leichen wurden aus dem Kühlraum geholt und weggebracht, dann durften die Passagiere von bord, vorläufig ohne Gepäck, das mußte erst durchsucht werden, ich wanderte ziellos durch das Hafenviertel, es wurde dunkel, was nun, wie gings weiter, plötzlich hielt neben mir ein Automobil eine große schwarze limousine typ talpoledo die Tür ging auf.

vanDusen: Stehn sie nicht wie angewurzelt auf dem Trottoir herum, steigen sie ein.

Hatch: Noch immer in der Kulimaskerade.

vanDusen: Keine zeit sie abzulegen, ich darf ihnen Mr Pollock vorstellen, Agenten des Schatzamtes der Vereinigten Staaten, die restlichen Herren gehören dem städtischen Polizeidepartment an, Mr Pollock ist über alles informiert.

Pollock: Seit gestern Nacht.

Hatch: Nanu.

Pollock: Prof van Dusen hat mir von Bord der Kaiserin von China ein drahtloses Telegram geschickt.

Hatch: Ach so.

vanDusen: Mr Pollock hat daraufhin seine Vorbereitungen getroffen, gemeinsam werden wir den Serienmörder dingfest machen.

Pollock: Und vor allem den Schatz sicherstellen, den Schatz des Radscha von Reserva, der jetzt Eigentum unserer Regierung ist.

Hatch: Den Schatz aber er ist doch irgendwo im Pazifik verschollen.

vanDusen: Glauben sie das wirklich.

Hatch: Also gut, laß mich überraschen wie immer, wo fahren sie hin.

Pollock: Wir sind da.

Hatch: Ein dunkles Haus in einer dunklen Straße, durch einen dunklen Korridor gingen wir in einen dunklen Raum, Pollack zündete eine Blendlaterne an, ihr Licht fiel auf ein Kruzifix, ein Vorhang aus schwarzen Samt und auf zwei geschlossene Särge, wo waren wir.

Pollock: In den Räumen der Firma Ruhesanft Erd und Feuerbestattung jeder Preislage und in diesen Särgen.

Hatch: Senior Pozzo und Käptn Haddock.

vanDusen: Ja wer sonst.

Hatch: Ach jetzt weiß ichs, ich weiß warum die beiden nicht über Bord gegangen sind und warum unter den opfern so viel dicke waren weil nämlich.

vanDusen: Leise er kommt, hinter den Vorhang, und löschen sie die Laterne, Pollock.

Hatch: Aber das ist ja.

vanDusen: Pst.

Kettle: Na bitte da ist er ja, Sack Nr 1.

vanDusen: Das dürfte genügen, Licht Pollock, der Täter meine Herren in flagrante delicto, nehmen sie ihn fest, wie sie sehen, nicht Klapperini.

Hatch: Tja und auch nicht Madame Berzelius.

vanDusen: Diese harmlose ja beschränke Person haben sie ebenfalls verdächtigt.

Hatch: Hatte ich und darum warum ich überrascht, wie immer, sie meine Damen und Herren sie wissen natürlich längst wer der Mörder war, klar Kettle, Zahlmeister Kettle, der einzige Mensch an Bord der über den Schatz informiert war und nicht dran glauben mußte, und der einzige überlebende Dickwanst dazu, da stand er zwischen zwei kräftigen Polizisten in der rechten ein Messer in der bluttriefenden linken einen blutigen Ledersack.

vanDusen: Der Schatz, der Schatz des Radscha, natürlich nur zur Hälfte, die andere Hälfte befindet sich in der Bauchhöhle der anderen Leiche, wenn sie gestatten ohne jeden Zweifel bin ich der einzige in diesem Raum anwesende Chirurg und Pathologe ihr Messer Kettle, danke sehr, öffnen sie den zweiten Sarg.

Hatch: Wenn sie unbedingt wollen.

vanDusen: Das gesamte mysteriöse makabre Geschehen an Bord der Kaiserin von China wurde, das versteht sich meine Herren, von einem einzigen Plan, einem einzigen Bestreben bestimmt, dem Bestreben Kettles sich den Schatz des Radscha anzueignen, seit er wußte, daß sein Schiff ausersehen war den Schatz zu transportieren war dies sein Ziel und er verwendete großen Fleiß und erhebliche kriminelle Energie auf die Ausarbeitung eines wie er meinte narren- oder sagen wir besser todsicheren Methode, wie ich vermute war es der tödliche Unfall des Mr Hemingway auf der vorherigen Reise welche ihm die Idee nahelegte, seine Beute in Leichen zu verstecken und so an Land zu schmuggeln, der zweite Sack, meine Herren, zwei Leichen benötigte Kettle, zwei voluminöse Leichen um darin nach Entfernung der Eingeweide die beiden Säcke unterzubringen, zwei Leichen für die der Kühlraum des Schiffes ausreichend platz bot.

Hatch: Zwei Leichen ok, Pozzo und Haddock aber der Rest.

vanDusen: Jeder einzelne Mord hatte in Kettles Kalkül seinen festen platz, als erster starb Darby, der Wächter des Schatzes, ihm folgte Pomponia von Pahlen, sie war vorgesehen als einer der beiden Transportmittel, wenn ich mich so ausdrücken darf, doch da sie völlig unplanmäßig über Bord fiel, trotz der Rettungsversuche ihres Mörders, mußte Kapitän Haddock als Ersatz herhalten, der Funker wurde getötet, damit er weder das Schatzamt alarmieren noch andere Schiffe die sich womöglich in der Nähe aufhielten über die angebliche Fluch Swammerdam informieren konnte.

Hatch: Die hätten dann nach ihm gesucht und natürlich nichts gefunden sehr verdächtig soweit alles klar aber was war mit Doc Melville.

vanDusen: Dr Melville der Schiffsarzt hatte die Absicht geäußert, die Leichen im Kühlraum zu obduzieren, zu diesem Zeitpunkt war aber Senior Pozzo bereits.

Hatch: Ausgestopft.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, danke der Versuch mich zu ermorden, ein versuch welcher dank des heroischen Einsatz meines Freundes Hatch zum scheitern verurteilt war, galt sowohl dem nicht unbekannten Amateurkriminologen als auch dem Experten für drahtlose Telegrafie, nachdem er den von ihm auserkorenen Sündenbock Swammerdam samt einem angebohrten Beiboot auf den Grund des Ozean geschickt hatte, hielt Kettle sein Spiel für gewonnen, aber Prof van Dusen war noch da und hatte nichts von seiner Fähigkeit verloren 2 plus 2 zu addieren.

Hatch: Gibt 4 immer und überall, außer im Nordpazifik.

vanDusen: Schon früh fiel mein Verdacht auf Kettle, bei den Giftmorden im Speisesaal war er stets anwesend, als Zahlmeister war er im Besitz von Schlüsseln für jede Tür an Bord, für jede Kabine, und für den Frachtraum, der Swammerdam giftige Fauna barg, nachdem ich das Versteck des Schatzes an Bord ermittelt hatte, stellte ich ihm mit ihrer Hilfe Mr Pollock diese Falle, daß er hier mit blutbefleckten Händen ertappt wurde, liefert uns den letzten, den unumstößlichen Beweis, der Fall meine Herren ist abgeschlossen.

Hatch: Am nächsten Nachmittag holte ich unser Gepäck von Bord und warf einen letzten Blick auf die Kaiserin von China.

Hatch: Auf Nimmerwiedersehen Majestät.

Berzelius: Ein Unglückschiff, Mr Hatch, ein Totenschiff.

Hatch: Oh gut daß ich sie treffe, Madame, ich muß ihnen was sagen, ja, der Geist, den sie neulich an Bord gesehen haben der war gar keiner Prof van Dusen lebt noch.

Berzelius: Ja, oh Mist, warum konnten sie nicht schweigen.

Hatch: Was haben sie denn, Madame, ich dachte das würde sie freuen.

Berzelius: Freuen, Mr. Hatch, Zeit meines Lebens habe ich eine übersinnliche Manifestation ersehnt, einen Kontakt mit der jenseitigen Welt, endlich, endlich ist dieser mein innigster Wunsch erfüllt worden, nun muß ich erfahren, das war kein Geist, es war ein Mensch, ein ganz gewöhnlicher Sterblicher.

Hatch: Gewöhnlich, Madame, lassen sie ihn das bloß nicht hören.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Kapitän Haddock: Ralf Schermuly
Zahlmeister Kettle: Joachim Bliese
Sonja Berzelius, eine Sucherin: Lieselotte Rau
Pomponia von Pahlen, ihre Begleiterin: Ingrid Kaehler
Pozzo, ein Impresario: Helmut Stauss
Reederei-Angestellter: Klaus Jepsen
Dr. Melville, Schiffsarzt: Otto Sander
Swammerdam, ein Tiersammler: Jürgen Thormann
Funker Phipps: Detlef Bierstedt
Pollock, Agent des Schatzamts: Otto Czarski

Michael Koser: Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990)

Hatch: Prost, Professor.

vanDusen: Prosit, mein lieber Hatch.

Hatch: Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof.

vanDusen: Unsere Fälle, mein lieber Hatch…

Hatch: Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Romantik gewiß doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja Prof.

vanDusen: Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren.

Hatch: Verquollene Prosa, das ist allerfeinste journalistische schreibe ich komponiere gerade eine besinnliche Betrachtung für den Daily New Yorker, bestens geeignet für Feiertage aller Art, Ostern, Pfingsten, Buß und Bettag.

vanDusen: Aber wir haben nicht Ostern, nicht Pfingsten, und schon gar nicht Buß und Bettag, vielmehr schreiben wir den 6. August.

Hatch: Im Jahre des Herrn 1904, jawohl Prof weiß ich aber, das Abteil ist besetzt guter Mann, suchen sich ein anderes, hören Sie mal, das hier ist ein Doppelabteil, Doppel, verstehen sie für zwei Personen, und hier sind schon zwei, sie sind überzählig, raus.

Mörder: Oh.

vanDusen: Der Mann scheint sie nicht zu verstehen, lieber Hatch, gehen sie, rufen sie den Schaffner.

Hatch: Machen wir, Prof, wenn sie schon nicht rauswollen, guter Mann, dann treten sie wenigstens zur Seite und lassen sie mich raus, rührt sich nicht der Kerl, he du weg von Tür verstehen.

Mörder: Ich verstehe sie sehr gut Mr Hatch.

Hatch: Prof der kann sprechen.

Mörder: Sie werden staunen was ich noch alles kann, Mr Hatch, öffnen sie das das Fenster, los.

Hatch: Ich wollte nicht, aber unser unbekannter Besucher hatte ein sehr überzeugendes Argument, eine große schwarze gefährlich aussehende Pistole, die er aus der Jacke zog und mir unter die Nase hielt, also ging ich zum Abteilfenster und machte es auf.

Mörder: Gut so, Mr Hatch, bleiben sie da stehen, Prof van Dusen sie stellen sich neben Mr Hatch und nun meine Herren, springen sie bitte hinaus.

Hatch: Aus dem Fenster, aber das ist lebensgefährlich.

Mörder: Eben, Mr Hatch, springen sie oder möchten sie dem Prof den Vortritt lassen.

Hatch: Sie wollen uns umbringen.

Mörder: Das ist mein Auftrag, Mr Hatch, hinaus.

Hatch: Aber warum und wozu was haben wir ihnen getan Prof sagen sie auch mal was.

Mörder: Bitte meine Herren, machen sie es uns doch nicht so schwer, lassen sie uns die wie ich zugeben muß vor allem für sie unangenehme Angelegenheit in Würde und Anstand zu ihrem unvermeidlichen Ende bringen.

vanDusen: Halten sie sich gut fest.

Mörder: Ah.

Hatch: Was was war denn das.

vanDusen: Ich habe die Notbremse gezogen mein lieber Hatch.

Hatch: Aha und der Mörder.

vanDusen: Ist von eben dem Schicksal ereilt worden welches er uns zugedacht hatte.

Hatch: Aus dem Fenster und weiter in die Landschaft, na der kommt nicht wieder, da haben wir noch mal Glück gehabt Prof.

vanDusen: Glück mein lieber Hatch, Glück, war es Glück, daß Masse und Standort unseres Angreifers ins rechte Verhältnis setzte zur Geschwindigkeit des Zuges, war es Glück daß im günstigsten Moment nämlich kurz vor dem Scheitelpunkt einer Kurve die Notbremse betätigte, so daß unser ungebetener Gast dem Gesetz der Trägheit folgend uns auf schnellstem Wege verließ durchs Fenster den Kopf voran.

Hatch: Sie meinen sie haben das so geplant, Prof.

vanDusen: Selbstverständlich mein lieber Hatch, ein relativ simples mathematisch physikalisches Exempel.

Hatch: Jedenfalls sind wir den Kerl los, merkwürdig, er hat was von Auftrag gesagt, und er wußte, wer wir sind, was hat zu bedeuten, Prof, warum will man uns umbringen.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich habe nicht die geringste Ahnung.

Hatch: Das glaub ich ihnen nicht Prof, sie wissen alles.

vanDusen: Ihr kindliches Vertrauen ehrt und rührt mich, doch ohne präzise Fakten, ohne exakte Hinweise kann selbst Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Die Denkmaschine, größter Wissenschaftler und bedeutendster Amateurkriminologe aller Zeiten.

vanDusen: Danke danke, kann selbst mein Intellekt nicht tätig werden.

Hatch: Und was machen wir jetzt Prof.

vanDusen: Na wir bleiben ruhig und warten ab.

Schaffner: Sie haben die Notbremse gezogen, meine Herren.

vanDusen: Ein Versehen, Schaffner, zahlen sie die hierfür festgesetzte Gebühr.

Schaffner: Das macht 50 Piaster, mein Herr.

Hatch: Ich zahlte, der Orientexpreß fuhr weiter, ich machte mir Sorgen, der Orient-expreß hielt, diesmal regulär im Bahnhof von Popelnik, 5 Min Aufenthalt stand im Fahrplan aber das konnte nicht stimmen, der Zug hielt und stand und stand und hielt.

Hatch: Schon eine halbe Stunde Verspätung, Unverschämtheit, he sie Stations-vorsteher, warum fahren sie nicht weiter.

Bahnhofsvorsteher: Weil wir den Gegenverkehr abwarten müssen, mein Herr, die Strecke durch Kravonien ist leider nur eingleisig.

Hatch: Aber der Zug in die andere Richtung ist doch schon durch.

Bahnhofsvorsteher: Jawohl mein Herr, pünktlich auf die Minute, aber es kommt noch einer, ein Sonderzug.

Hatch: Und auf den muß der Orientexpreß warten.

Bahnhofsvorsteher: Bedauerlicherweise ja mein Herr, ich habe telegrafische Anweisung aus Staropol von höchster Stelle, um sie für den unfreiwilligen Aufenthalt ein wenig zu entschädigen, lädt die königlich kravonische Eisenbahnverwaltung sie zu einem kostenlosen Imbiß im gastronomisch renommierten Bahnhofsbüffet von Popelnik ein, Speis und Trank von feinsten meine Herren, soviel ihr Herz begehrt.

Hatch: Prof van Dusen wollte nicht, er hatte keinen Appetit, er hat nie Appetit, aber ich klopfte ihn breit, das hätte ich nicht tun sollen, kaum hatten wir das völlig leere Bahnhofsrestaurant betreten, als auch schon die Tür hinter uns zugeschlagen und von außen abgeschlossen wurde.

Hatch: Zu, aufmachen, was soll das, lassen sie uns raus.

Bahnhofsvorsteher: Tut mir leid, meine Herren, Anweisungen, wie gesagt von höchster Stelle, zum Orientexpress nach Konstantinopel über Gnewutsch, Zaribrod, Sofia, Adrianopolis einsteigen und Türen schließen.

Hatch: Prof unser Zug da fährt er ohne uns jetzt verstehe ich gar nichts mehr sie Prof.

vanDusen: Wie es den Anschein hat, ist der Orientexpreß für uns auch weiterhin mit ungewöhnlichen und ausgefallenen Situationen assoziiert, denken sie nur zehn Tage zurück, an den 27. Juli.

Hatch: Sie meinen die explodierende Kaffeekanne, Prof.

vanDusen: Vor allem meine ich unsere sich aus jener kuriosen Episode entwickelnde singulären Abenteuer in Kravonien.

Hatch: Wenn sie den Abschnitt der großen van Dusen Chronik kennen der den Titel trägt Prof van Dusen sieht doppelt, dann wissen sie wovon die Rede ist, von der große wende im kleinen balkanesischen Königreich Kravonien, der böse König Bolko hatte den Thron verloren zugunsten seines guten wenn auch ziemlich schlappen Bruder Milan und sie wissen wer dazu entscheidend beigetragen hatte, Prof van Dusen, ja sicher der auch, nochmehr aber sein treuer Begleiter, Assistent und Chronist, meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, und sie wissen auch, wie es zwischen mir und der wunderschönen gar nicht schlappen Königin Dragina geknistert hatte.

Hatch: Dragina.

vanDusen: Soeben hat Mr Hatch von ihnen gesprochen, Majestät.

Dragina: Nur gutes, hoffe ich.

vanDusen: Von ihnen also kam die Weisung uns an diesem Ort festzuhalten.

Dragina: Ein ich gebe es zu ein wenig abruptes vorgehen, meine Herren, verzeihen sie, ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.

Hatch: Meinetwegen, Dragina.

Dragina: Sie glauben, übergroße Sehnsucht nach ihrer Person mein lieber Hutchinson habe mich zu diesem Schritt veranlaßt, seien sie nicht gekränkt, wenn ich das kategorisch ausschließe, meine sehnsucht gilt weniger ihnen als Prof van Dusen.

vanDusen: Ein neues Problem, Majestät.

Dragina: So ist es Prof.

vanDusen: Kriminologischer Natur.

Dragina: Kriminologisch nunja das auch in erster Linie handelt es sich jedoch um ein Problem von allergrößter politischer Tragweite.

vanDusen: Ah, berichten Sie Majestät.

Hatch: Gleich nach der denkwürdigen Hochzeitsfeier in Staropol hatte Königin Dragina ihren Mann in die Ecke gestellt und selbst die Regierung übernommen, noch in der Nacht ließ sie sich von den Ministern über die politische Situation Kravoniens informieren, und die sah gar nicht gut aus, das kleine Land das wie ein Puffer zwischen Serbien und Bulgarien lag war isoliert, alle Staaten auf dem Balkan hatten die Beziehungen abgebrochen angewidert vom Schreckensregiment König Bolkos und seine Geheimpolizei der schwarzen Garde, Kravoniens einziger Verbündeter Serbien war nur darauf aus, den kleinen Nachbarn im Süden bei nächster Gelegenheit zu schlucken, das mußte anders werden, meinte die Königin, Serbien vertrug sich nicht mit Bulgarien, Dragina beschloß mit Bulgarien anzubändeln und sie wußte auch schon wie.

Dragina: Mein Kollege Fürst Ferdinand von Bulgarien hat zwei große Leidenschaften, das Eisenbahnfahren und.

vanDusen: Die Entomologie.

Hatch: Entwowas.

Dragina: Prof sie wissen alles.

Hatch: Sag ich doch immer.

Dragina: Ferdinand von Bulgarien ist einer der bedeutendsten Käferkenner und Käfersammler der Welt, aber inmitten seiner gefüllten Terrarien und Insektenkästen ist er nicht glücklich, ein Käfer, ein einziger fehlt in seiner großen Kollektion, obwohl er sich seit langem um ein Exemplar bemüht, ich meine den kravonischen Riesenhirschkäfer.

vanDusen: Lucanus cervus giganteus, 10cm lang.

Hatch: 10 cm, da kann man ja Angst kriegen.

vanDusen: Und so gut wie ausgestorben.

Dragina: Sehr richtig Prof nur in den abgelegensten Schluchten der nadscha gora, der finsteren Berge, gibt es noch eine wenige Exemplare.

Prof: Ich verstehe Majestät, sie suchten sich in den Besitz jener Rarissima zu setzen.

Dragina: Um sie Ferdinand zu präsentieren, als Geste guten willen, das war mein Plan, ich scheuchte meine Förster und Wildhüter in die Berge und nach ein paar Tagen waren sie zurück, mit 6 Riesenhirschkäfer, drei Männchen und drei Weibchen.

Hatch: Da kann er eine flotte Käferzucht aufmachen der Ferdinand.

vanDusen: Hatch bitte.

Dragina: Ich schickte eine Depesche nach Sofia ins Fürstenschloß, und Ferdinand antwortet sofort, lesen sie vor Hutchinson.

Hatch: Ich bin immer für sie da, Majestät, bin überglücklich, sendet Käfer schnellstmöglich, biete Freundschaftspakt.

Dragina: Soweit so gut, am Abend des 4. August, vorgestern, fuhr ein Kurier los mit einem Käferpaar in der Botanisiertrommel.

vanDusen: Er fuhr, wie Majestät.

Dragina: Auf dem schnellsten und defacto einzigen Wege von Kravonien nach Bulgarien, mit dem Zug, das heißt mit dem Orientexpreß, wir haben wie das üblich ist, unseren königlich kravonischen Salonwagen hinten angehängt, der Kurier fuhr also los, Ferdinand wartete voller Ungeduld gleich hinter der Grenze in Zaribrod, und ich bekam gestern gegen Mittag diese Depesche, Hutchinson.

Hatch: Zu befehl Majestät, bin ungehalten, Pakt gefährdet, Kurier überfallen, Käfer verschwunden, sendet sofort neue, Ferdinand.

vanDusen: Was war geschehen, Majestät.

Dragina: Sie können den Mann selbst befragen, Prof, er kam vorhin zurück mit dem Salonwagen und ich hab ihn gleich hierbehalten.

vanDusen: Sehr vorausschauend, Majestät, wie reagierten sie auf die Depesche.

Dragina: Schnelles Handeln war gefragt, ich wartete die Rückkehr des Salonwagens nicht ab und setzte mit den zweiten paar Käfer auf der Stelle eine hochkarätige Sonderdelegation in Bewegung, meinen Außen- und meinen Verkehrsminister.

Hatch: Verkehrsminister, wozu denn den.

Dragina: Wegen der Lokomotive, der einzigen Lokomotive im Besitz unseres Landes und die kann nur der kravonische Verkehrsminister fahren, falls es sie interessiert meine Herren es handelt es sich um eine kleine Tenderlok vom Typ T3 gebaut von Henschel und Sohn in Kassel, der deutsche Kanzler Bismarck hat sie vor etwa 25 Jahren dem damaligen König Danilo geschenkt, eine sehr robuste Maschine, vielseitig einsetzbar.

Gewiß Majestät gewiß, wann ist ihre Delegation auf der Lokomotive aufgebrochen.

Dragina: Heute früh kurz nach mitternacht, am vormittag hätte sie in Zaribrod eintreffen müssen.

Hatch: Ist sie aber nicht oder.

Dragina: Lesen sie.

Hatch: Keine Lokomotive, keine Delegation, kein Käfer, äußerst ungehalten, Krieg nicht ausgeschlossen, Ferdinand.

Dragina: Diesmal ist die ganze Lokomotive einschließlich Inhalt verschwunden auf dem Streckenabschnitt zwischen Gnewutsch und Zaribrod.

vanDusen: Wie lang ist Strecke Majestät.

Dragina: Knapp 50 km gebirgig, sehr einsam, keine Städte, keine Dörfer, keine Menschen.

vanDusen: Könnte ihre Lokomotive verunglückt sein, womöglich entgleist.

Dragina: Nein Prof die Strecke ist frei und der Express aus Bulgarien der eben hier durchkam, hat nichts Verdächtiges oder nur Auffälliges wahrgenommen, die Lok hat Gnäwutsch passiert am morgen in Zaribrod ist nicht angekommen, sie ist verschwunden, spurlos.

vanDusen: Gibt es Nebenstrecken, Ausweichgleise.

Dragina: Weder noch, nur das eine Gleis für den Orientexpreß.

vanDusen: Ein Mysterium wie es scheint und politisch betrachtet eine erhebliche Komplizierung ihrer Situation Majestät.

Dragina: Das können sie laut sagen, Prof, Bulgarien ist vergrätzt, Serbien lauert, was tun, beim Mittagessen fiels mir ein, sie waren im lande, Prof van Dusen, Spezialist für schwierigste fälle, ich ließ sogleich in Erfahrung bringen wo sie sich aufhielten, im Orientexpreß hörte ich unterwegs nach Bulgarien, eine Depesche mit Anweisungen ging nach Popelnik, ich zu Pferde mit kleinstem Gefolge und im gestreckten Galopp hierher und nun Prof.

vanDusen: Tja nun stehen sie vor mir was kann ich für sie tun, wünschen sie daß ich das geheimnisvolle Scheitern ihrer beiden nach Bulgarien entsandten Missionen einer Aufklärung zuführe.

Dragina: Warum nicht Prof, von mir aus aber.

vanDusen: Aber vor allem liegt ihnen daran zu erfahren wer oder was für die bislang unerklärlichen Vorgänge verantwortlich ist.

Dragina: Nicht nötig Prof.

vanDusen: Was soll das heißen.

Dragina: Ich weiß, wer dahinter steckt, die schwarze Garde.

Hatch: Wie das so ist bei einer politischen Wende die alte Geheimpolizei wird zwar offiziell aufgelöst aber bis es gelingt ihren weitverzweigten Apparat zu zerschlagen arbeitet sie im Untergrund munter weiter, so war es auch in Kravonien, die gefürchtete schwarze Garde lebte noch, überall auch in den höchsten Kreisen saßen ihre Agenten, noch immer hingen sie am entmachteten König Bolko und versuchten die alte Politik fortzuführen.

Dragina: Und darum ist die schwarze Garde entschlossen, meine Annäherung an Bulgarien zu hintertreiben.

vanDusen: Mit allen Mitteln wie es scheint, durchaus glaubhaft, Majestät, doch wenn ihnen an der Einzelaufklärung wenig liegt und wenn ihnen die Drahtzieher im Hintergrund bereits bekannt sind, dann verstehe ich nicht was sie von mir erwarten.

Dragina: Ist doch ganz einfach, Prof sehen sie, ich muß mich mit Bulgarien arrangieren, ein paar, ein einziges paar Riesenhirschkäfer habe ich noch, und das muß jemand zu Ferdinand bringen.

vanDusen: Ja aber.

Dragina: Jemand der geschickt genug ist, den Anschlägen der schwarzen Garde zu entgehen, wissen sie, früher als ich noch einfache Prinzessin war, hätte ich es selbst versucht.

Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.

Dragina: Aber jetzt bin ich Königin und deshalb geht es nicht, leider, sie werden es übernehmen Prof und wenn sie mir bei dieser Gelegenheit gleich noch meine Lokomotive zurückbringen könnten.

vanDusen: Majestät ihr Auftrag.

Dragina: Ehrt sie Prof.

vanDusen: Mitnichten, Majestät, er ist unter meiner würde, Prof van Dusen.

Hatch: Etc etc.

vanDusen: Ist kein Laufbursche, ich bedauere Majestät.

Dragina: Ich auch, Prof, nun ja, es war ein Versuch, ich sehe ja ein, daß die Sache sogar für sie zu schwer ist, geradezu unmöglich.

vanDusen: Unmöglich, Majestät, dem wahrhaft intelligenten Menschen ist nichts wohlgemerkt nichts unmöglich, lassen sie das gesagt sein, selbstverständlich erfülle ich ihre bitte.

Dragina: Unter uns, Prof ich habe es nicht anders erwartet.

Hatch: Oje er hat sich austricksten lassen, der Prof.

vanDusen: Und sie mein lieber Hatch, sie kommen natürlich mit mir.

Hatch: Muß das sein, Kravonien, Bulgarien, Riesenkäfer das ist nicht mein Bier und ihres auch nicht, Prof.

vanDusen: Es geht nicht um balkanesische Politik, es geht nicht einmal um Kriminologie.

Hatch: Sondern.

Prof: Es geht um die Demonstration der unbegrenzten Macht des menschlichen Geistes.

Hatch: Hoch soll er leben.

vanDusen: Wann fährt der nächste Zug in Richtung Bulgarien.

Hatch: Das wußte der Stationsvorsteher, 23 Uhr 40, der Orientexpreß nach Konstantinopel, der zweite weil sonnabend war, sonst fuhr pro Tag nur einer, also noch gut anderthalb Stunden, van Dusen war zufrieden, Zeit genug meinte er für die nötigen Vorbereitungen und für gewisse Untersuchungen und weil er damit gleich anfangen wollte, gingen wir über den Bahnsteig zum königlich kravonischen Salonwagen, der auf einem Ausweichgleis abgestellt war.

vanDusen: Wer war von ihrer Absicht informiert mich in dieser Angelegenheit zu konsultieren.

Dragina: Nur mein engster Beraterkreis, Prof.

vanDusen: Das heißt.

Dragina: Meine erste Hofdame Gräfin Szlepynsky, eine kluge und erfahrene Frau und Baron Feschak, mein persönlicher und sehr privater Adjutant.

Hatch: Da haben sie sich aber schnell getröstet, Majestät.

vanDusen: Zwei Personen also Gräfin Slepinski und Baron Feschak.

Dragina: Ich werde sie ihnen sofort vorstellen, sie warten im Wagen mit Leutnant Boskoff, meinem Kurier.

Hatch: Zur Hälfte bestand der königlich kravonische Salonwagen wie der Name schon sagte aus einem feudal eingerichteten Salon, in der anderen Hälfte gab es drei kleine Abteile, eine noch kleinere Küche und ein Bad, das man nur mit der Lupe finden konnte, das Gefolge der Königin hielt sich im Salon auf, Gräfin Slispinksi wirkte kompetent und unauffällig, Baron Feschak war ein strammer Uniformständer mit Wespentaille, Schnurrbart und Kalbsaugen, Leutnant Boskoff ein langes elend sah womöglich noch törichter aus als der Baron, von ihm ließ der Prof sich zeigen wo er gegessen hatte als ihn auf seiner Kurierfahrt das Schicksal ereilte, im mittleren der kleinen Abteile auf der rechten Bank am Fenster.

vanDusen: Setzen sie sich, Leutnant.

Leutnant: Mit Herrn Prof Erlaubnis, vorgestern als ich hier so saß, wenn Herr Prof gestatten da höre ich.

vanDusen: Sagen sie nichts, Leutnant, ach ja sehen sie dies hier.

Hatch: Das kleine Loch in der Wand.

vanDusen: Was denn sonst, exakt in Ohrhöhe des Leutnants, und über seinem Scheitel am Gepäcknetz.

Hatch: Eine gewaltige Delle.

vanDusen: So ist es, ich bin gleich wieder bei ihnen, rühren sie nicht von der stelle Leutnant.

Leutnant: Auf gar keinen Fall Herr Prof, gehorsamster Diener.

Hatch: Der Prof verschwand und man hörte wir er im rechten Nebenabteil herumwurstelte, ein paar Minuten vergingen, plötzlich dröhnte laute Musik durch die Wand zu uns herüber, Leutnant Boskoff sprang auf, knallte mit dem Kopf gegen das Gepäcknetz, fiel hin und blieb liegen, die Musik brach ab, van Dusen kam zurück.

vanDusen: Sehr schön, sehr schön, das hatte ich erwartet.

Hatch: Was war das Prof.

vanDusen: Die kravonische Nationalhymne, präziser die Walze auf dem Phonografen, welchen ich nebenan unter der Bank entdeckte, ich zog ihn heraus, richtete den Schalltrichter auf das Loch in der Wand, drehte den Handgriff und voila.

Hatch: Ein schlagender Erfolg, Prof.

vanDusen: In der Tat, mein lieber Hatch, bringen sie den Mann wieder zu sich.

Hatch: Leutnant Boskoff bestätigte die Rekonstruktion des Prof in allen Einzelheiten, im letzten teil der Strecke zwischen Gnäwutsch und der Grenze war plötzlich die Hymne seines Landes sehr laut an sein Ohr gedrungen, als guter Patriot war er hochgeschnellt und hatte prompt das Bewußtsein verloren, als er in Zaribrod wieder zu sich kam, war seine Botanisiertrommel mit den beiden Riesenhirschkäfern verschwunden.

vanDusen: So, waren sie allein, Leutnant.

Leutnant: Melde gehorsamt ganz allein Herr Prof.

vanDusen: Es befand sich wirklich außer ihnen niemand im Salonwagen.

Leutnant: Kein Seele, Herr Prof, nur der königlich kravonische Salonwagenschaffner, aber der zählt ja wohl nicht, halten zu Gnaden.

Hatch: Van Dusen sah das anders, und zitierte den Schaffner zu sich, einen klapprigen Greis mit weißen Backenbart der nichts gesehen und gehört hatte, sagte er, und das wars auch schon, Untersuchung beendet, wir gingen in den Salon zu Königin Dragina und Gefolge, der Prof kam gleich zur Sache drückte ihrer Majestät einen Zettel in die königliche Hand.

vanDusen: Sorgen sie dafür Majestät, daß mir die vermerkten Wünsche noch vor der Abfahrt erfüllt werden.

Dragina: Generalstabskarte des kravonisch-bulgarischen Grenzgebiets, zwei Botanisiertrommeln, eine Mausefalle, ist das ihr ernst, Prof.

vanDusen: Mein voller Ernst.

Dragina: Wie sie wollen, eine Handlampe.

vanDusen: Eine weitere öffentliche Verlesung erscheint mir unnötig, Majestät.

Dragina: Aha gut Prof, ich werde mein möglichstes tun.

vanDusen: Beginnen sie damit, indem sie ihren königlich kravonischen Schaffner festnehmen lassen.

Dragina: Festnehmen aber warum.

vanDusen: Nur er kann die akustische Falle präpariert haben, welche Leutnant Boskoff so wirkungsvoll außer Gefecht setzte, die Trommel mit den beiden Käfern hat er natürlich ebenfalls beseitigt.

Hatch: Ex und hopp aus dem Fenster.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Dragina: Dann steht er im Dienst der schwarzen Garde.

vanDusen: Das läßt sich vermuten, Majestät.

Dragina: Er wird es gestehen und er wird es büßen, sonst noch was Prof.

vanDusen: Leihen sie mir ihren wackeren Leutnant Boskoff für einige Stunden aus.

Dragina: Auch länger wenn sie wollen Prof, ein besonderer Grund.

vanDusen: Das versteht sich, wenn dieser Salonwagen demnächst an den Orientexpreß in Richtung Bulgarien angekoppelt wird, soll der Leutnant in ihm mitfahren, darin verfügt er ja über eine gewisse Erfahrung und zwar bis Zaribrod, mit einer Trommel, einer leeren Botanisiertrommel wohlgemerkt.

Dragina: Ich verstehe, ein Ablenkungsmanöver.

vanDusen: Beziehungsweise wie Mr Hatch sich ausdrücken würde, ein Bluff, während wie zu hoffen steht das Interesse unserer Gegenspieler sich auf ihn, auf ihren Kurier konzentriert, werde ich und Mr Hatch natürlich unauffällig in einem normalen Waggon platz nehmen ebenfalls mit einer Botanisiertrommel und in dieser werden sich ihre letzten beiden Riesenhirschkäfer befinden.

Dragina: Brillant, was meinen sie, Szlepynsky.

Gräfin: Ein kühner Plan, riskant aber erfolgversprechend.

Hatch: Auch Baron Feschak war angetan nachdem die Königin ihm van Dusens Manöver lange und ausführlich erklärt hatte, nur Leutnant Boskopf wirkte recht unbegeistert, aber der wurde gar nicht gefragt, eine gute Stunde später, der Orientexpreß dampfte und schnaufte durchs nächtliche Kravonien hinten dran wieder mal der königliche Salonwagen mit Leutnant Boskoff, weiter vorn in einem regulären Schlafwagenabteil zwei unerschrockene Helden in geheimer Mission, der Prof studierte ausnahmsweise nicht die atomare Strukturtheorie, sondern die Generalstabskarte von Südostkravonien, die er kurz vor der Abfahrt von der Königin bekommen hatte, ich machte mir mal wieder sorgen, der Wagen in dem wir saßen war so leer und so stumm wie die dunkle Welt draußen vor dem Fenster, nichts zu sehen, nichts zu hören, unheimlich dann doch ein bißchen leben, der Schaffner zur Fahrkartenkontrolle.

Schaffner: Danke meine Herren, ihr Gepäck, soll ich es für sie in den Bagagewagen bringen.

Hatch: Nicht nötig guter Mann, um die zwei Stücke kümmern wir uns selbst.

Schaffner: Vielleicht die schwarze Tasche.

vanDusen: Mein Miniaturlaboratorium, unterstehen sie sich.

Schaffner: Oder die Botanisiertrommel.

Hatch: Finger weg.

Schaffner: Gut wenn sie nicht wollen meine Herren.

Hatch: Sehr verdächtig.

vanDusen: Sie sagen es.

Hatch: Wenn ich doch bloß rauchen dürfte, mit einer guten Zigarre ist alles halb so wild.

vanDusen: Die Luft verpesten, die Aktivität meiner Hirnzellen beeinträchtigen, auf gar keinen Fall.

Hatch: Ich könnte ja rausgehen auf den Gang.

vanDusen: Sie bleiben im Abteil, mein lieber Hatch, aus Sicherheitsgründen.

Hatch: Das galt offenbar nur für Assistenten, denn als der Zug ein paar Minute später hielt in Galuwtsch da stieg der Prof aus um wie er sagte eine Depesche an die Königin aufzugeben, als wir weiterfuhren mußte ich daran denken daß zwischen Gnäwutuz und Zaribrod Leutnant Boskoff ausgeschaltet worden war und hier war auch eine ganze Lok spurlos verschwunden mitsamt zwei Ministern.

vanDusen: Spurlos, das denn nun doch nicht, sie hat eine deutliche Spur hinterlassen die königlich kravonische Tenderlokomotive.

Hatch: Ach ja wo denn.

vanDusen: Auf dieser Karte, ich weiß jetzt an welcher Stelle die Lok abhanden kam und auf welche weise.

Hatch: Prof da vor dem Fenster ein Totenkopf.

vanDusen: Schädel nebst Kieferknochen eines Menschen, ganz recht, an einer Schnur offensichtlich vom Dach des Waggons heruntergelassen.

Hatch: Um uns einen Schrecken einzujagen.

vanDusen: Vor allem um unsere Aufmerksamkeit abzulenken, denn während sie wie gebannt das kindische Spektakel am Fenster starren, entgeht ihnen völlig was auf der entgegengesetzten Seite an der Tür geschieht.

Hatch: An der Tür da zischt was durchs Schlüsselloch, riecht irgendwie seltsam, Gas.

vanDusen: Gas, ein betäubendes vielleicht gar tödliches Gas.

Hatch: Ach du dicker Vater, wir müssen was tun, Prof Fenster auf, ach nein das geht nicht, da kommen sie von oben rein, Tür geht ja auch nicht, o gott, o gott was machen wir.

vanDusen: Halten sie zunächst einmal die Luft an mein lieber Hatch.

Hatch: Jawohl Prof und nun.

vanDusen: Nun stecken sie einen ihrer kleinen Finger ins Schlüsselloch das heißt in die Mündung des Schlauches durch welchen das Gas in unser Abteil geleitet wird.

Hatch: Paßt genau.

vanDusen: Sehr schön, das Gas strömt zurück und zeitigt wie sie hören draußen auf dem Gang bereits Wirkung.

Hatch: Ob ich mal nachsehe.

vanDusen: Tun sie das.

Hatch: Keiner mehr da, Gasbehälter und Schlauch haben sie mitgenommen, die Luft ist rein, das heißt so gut wie.

vanDusen: Na wie fühlen sie sich.

Hatch: Es geht, Prof leichtes Kopfweh.

vanDusen: Das Gas.

Hatch: Nicht das Gas, Prof sie.

vanDusen: Ich, wie darf ich das verstehen.

Hatch: Weil ihr großer Bluff schiefgegangen ist, um uns kümmern sie sich, die Schwarzgardisten, nicht um Boskoff.

vanDusen: Meinen Sie.

Hatch: Sagen sie mal, Prof wenn das mit dem Finger nicht funktioniert hätte.

vanDusen: In diesem Falle hätte ich ihnen und mir eine Gasmaske appliziert.

Hatch: Gasmaske.

vanDusen: Ja, aus königlich kravonischen Heeresbeständen in meinem Miniaturlaboratorium, dank Königin Dragina.

Hatch: Er ist eben auf alles vorbereitet der Prof immer und überall, auf Gas und Schwarzgardisten im Tunnel.

vanDusen: Ah der Kolotschitunnel ca 5 km lang, wappnen sie sich, hier erwarte ich den Generalangriff unserer Widersacher.

Hatch: Das Licht Prof.

vanDusen: Es ist ausgegangen, sehr gut beobachtet, verhalten sie sich ruhig, warten sie ab.

Hatch: Leicht gesagt, es war stockdunkel, der Expreß rauschte gleichmäßig durch den Tunnel wie der schwarze Strom der Unterwelt, da ein Luftzug an der Tür, leise ganz leise Geräusche, schritte und dann plötzlich.

Schaffner: Au.

Hatch: Prof was ist passiert.

vanDusen: Die Mausefalle welche ich in der Dunkelheit auf die Botanisiertrommel praktiziert hatte hat ein Opfer gefunden, die Erteilung eines Stromschlags mit einer elektr. Batterie wäre zweifellos eleganter gewesen doch hätte eine solche sich in der kürze der zeit sich kaum in Popelnik beschafft lassen entzünden sie ihre Handlampe.

Hatch: Bei Licht präsentierte sich eine aberwitzige Szene, ein Mann die Falle an der rechten Hand, hopste fluchend durchs Abteil, es war der Schaffner, na bitte den hatte ich gleich im verdacht gehabt, ein zweiter ein unbekannter stand daneben mit einem Messer und total verdattert, über ihm schwang Prof van Dusen, der auf die Bank gestiegen war, einen sehr professionell wirkenden Totschläger aus Hartgummi und knallte ihn mit Schwung dem Kerl auf die Birne, der machte sich lang, ich starrte auf den Totschläger auf den Prof und dann wieder auf den Totschläger, so was hatte die Welt noch nicht gesehn.

vanDusen: Aus dem persönlichen Besitz der Königin, schließen sie den Mund, und nehmen sie sich des zweiten Angreifers an.

Hatch: Wie denn und womit.

vanDusen: Na die Botanisiertrommel liegt neben ihnen.

Hatch: Die Käfer gehen die da nicht kaputt.

vanDusen: Schlagen sie schon zu.

Hatch: Auf ihre Verantwortung, Prof, so was jetzt.

vanDusen: Lassen sie sehen, wo ist die Karte ach ja hier, ja noch 10 km.

Hatch: Was bis zu Grenze.

Prof: Nicht doch nicht doch bis zu jenem punkt an welchem wir den Expreß verlassen

Hatch: Aber der Zug hält doch gar nicht, und wieso verlassen, ich dachte.

vanDusen: Warten sie es ab, eine viertelstunde müssen wir noch ausharren.

Schaffner: Das das schaffen sie nie, unsere Freunde im nächsten Wagen, gleich, gleich sind sie hier und dann gehts ihnen schlecht.

Hatch: Also Parole absetzen, mit dem Hauptschlüssel des Schaffners schloß ich die beiden Wichte im Abteil ein, dann machten wir uns auf die Socken, nicht nach hinten zum Salonwagen, da würden sie uns abfangen, meinte van Dusen, wir türmten nach vorn Richtung Lok erst durch unseren Wagen, dann durch den nächsten, der Prof war etwa 10m voraus, Kunststück, er brauchte auch nicht das Minilabor und die verflixte Trommel zu schleppen und plötzlich, sie müssen entschuldigen, daß ich schon wieder plötzlich sage aber das ist so eine Geschichte in der dauernd was plötzliches passiert also plötzlich ging direkt vor mir eine Abteiltür auf und heraus trat Gräfin Szlepynsky, erste Hofdame und Beraterin der Königin, wie kam die hierher.

Gräfin: Stellen sie keine Fragen, Mr Hatch, ihre Majestät hat mich beauftragt, mir die Käfer von ihnen aushändigen zu lassen, geben sie mir die Botanisiertrommel.

Hatch: Aber wieso.

Gräfin: Geben sie schon her.

Hatch: Naja, wenn die Königin das so angeordnet hat.

vanDusen: Sind sie wahnsinnig Hatch.

Hatch: Durchaus möglich Prof ich weiß schon längst nicht mehr wo wir der kopf steht.

vanDusen: Hören sie nicht auf die Gräfin, sie gehört zu unsere Gegnern.

Hatch: Ach was.

vanDusen: Denken sie nach, noch bevor wir selbst es wußten, war die schwarze Garde darüber informiert, daß sie Königin mich zu konsultieren wünschte und hat darauf gewisse Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Hatch: Das Attentat auf uns gestern abend im Zug.

vanDusen: So ist es, ein Mitglied des innersten Hofkreises muß mit der schwarzen Garde im Bunde stehen, das erscheinen der Gräfin Szlepynsky an diesem Ort, zu dieser Stunde.

Gräfin: Sparen sie sich den Rest Prof, dann also mit Gewalt, geben sie die Trommel her Mr Hatch oder ich drücke ab, mit einer Pistole kann ich ebenso gut umgehen wie die Königin.

vanDusen: Mein lieber Hatch, haben sie als junger Mann im college american football gespielt.

Hatch: Sicher interessantes spiel, bißchen ruppig.

vanDusen: Dann wissen sie woran ich denke allehop.

Hatch: Ich wußte, auch Hutchinson Hatch hat seine geistesgegenwärtigen Momente, blitzschnell stellte ich das Minilabor ab, blitzschnell warf ich die Trommel dem Prof zu über den Kopf der Gräfin hinweg, die sah ihr unwillkürlich nach, ich riß ihr die Pistole aus der Hand, schob die Gräfin ins Abteil und schloß ab, mit dem Hauptschlüssel dann gings weiter und zwar fix denn hinten im Gang tauchten ein paar finstere Figuren auf, noch ein Wagen und wir waren am Tender, was tun, wir krabbelten über die Kohlen, zum glück machten wir im moment nicht gerade rasante fahrt und ließen uns auf die Plattform am Führerstand fallen, Ende der Fahnenstange.

Boris: Papa, das sind zwei Männer Papa.

Ferdinand: Sieh nach vorn, Boris mein Sohn, halte Ausschau, und vor allem vergiß das heizen nicht, was auch geschieht, Konzentration Boris, Konzentration auf das wesentliche, das ist es, was die hohe Kunst des Lokomotivführens wie auch die des Regierens ausmacht, merke dies wohl mein Sohn.

Boris Jawohl Papa, darf ich an der Dampfpfeife ziehen.

Ferdinand: Später mein Sohn.

Hatch: Zwei merkwürdige Gestalten hielten sich im Führerstand auf, zwei Gestalten in weißseidenen offensichtlich maßgeschneiderten overalls, ein Mann um die 40 spitzbäuchig, spitzbärtig und ein junge von etwa 10 Jahren, dem älteren sehr ähnlich nur der Bart fehlte, der Prof stellte uns vor und erklärte knapp aber präzise worum es ging.

Ferdinand: Sehr erfreut, Prof höchst erfreut, außerordentlich erfreut und nun wollen sie sicher erfahren mit wem sie.

vanDusen: Nicht nötig Hoheit.

Ferdinand: Sie wissen.

vanDusen: Ich spreche mit seiner Hoheit Fürst Ferninand von Bulgarien und mit seinem Sohn Boris.

Boris: Kronprinz ich bin der Kronprinz.

vanDusen: Sie beide weithin bekannte Eisenbahnenthusiasten waren nicht länger gewillt in Zaribrod auf den Orientexpreß mit seiner kostbaren Fracht zu warten, sie kamen ihm entgegen.

Ferdinand: Bis Gnewutsch und dort habe ich den Platz des Lokomotivführers eingenommen um den Expreß sicher nach Bulgarien zu bringen.

Boris: Und ich bin der Heizer, ich kann heizen, fahren kann ich auch.

Schaffner: Da sind sie, auf der Lokomotive.

Ferdinand: Die schwarze Garde Prof.

vanDusen: In der Tat, Hoheit, mein lieber Hatch es wäre nicht unvorteilhaft wenn sie die Pistole der Gräfin Szlepynsky verwendeten um den einen oder anderen Schuß auf unser Verfolger abzugeben.

Hatch: Machen wir Prof.

Ferdinand: Boris mein Sohn auch du solltest dich nach Kräften an der Verteidigung beteiligen, indem du dich mit wie ich hoffe wohlgezielten Kohlewürfen den Feind am vorrücken hinderst.

Boris: Mit Kohle schmeißen darf ich Papa.

Ferdinand: Ja sicher.

Boris: Prima.

Hatch: Während wir schossen und schmissen und die Kerle auf Distanz hielten, besah van Dusen sich die Karte und im Licht der Scheinwerfer die Gegend durch die wir fuhren.

vanDusen: In wenigen Sekunden haben wir die Stelle erreicht, fahren sie langsamer, Hoheit und dampfen sie, dampfen sie was sie können, die Schwarzgardisten dürfen nicht sehen, was vor sich geht.

Ferdinand: Genügt das, Prof.

vanDusen: Durchaus Hoheit, Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Halten sie Laboratorium und Botanisiertrommel gut fest und springen sie, rechts, rechts, ich werde ihnen auf dem fuße folgen.

Hatch: Eine relativ weiche Landung, wir standen auf, klopften uns ab, sahen uns um, der Prof war guter dinge.

vanDusen: Sehen sie die Abdrücke im Sand, mein lieber Hatch, halten sie doch die Lampe gerade, hier haben noch vor sehr kurzer Zeit Schienen gelegen.

Hatch: Wenn sie das sagen, Prof, wie gehts denn jetzt weiter.

vanDusen: Wir folgen den Spuren zu jedem nahen Felsvorsprung hinter welchem.

Boris: Hallo.

Hatch: Boris, was hast du hier zu suchen.

Boris: Ich bin auch abgesprungen, auf der Lok wars mir zu langweilig, Papa hält mir dauernd vorträge.

Hatch: Wir müssen ihn wohl mitnehmen, Prof.

vanDusen: So scheint es, mein lieber Hatch, kümmern sie sich um ihn.

Hatch: Und um die Botanisiertrommel und um das Minilabor natürlich auch noch, ok, ok, hör zu du Ratte halt dich schön hinter mir und mach keine Zicken.

Boris: Wie reden sie mit mir, ich bin der Kronprinz.

Hatch: Und wenn du nicht tust was ich sage kriegst du was hinter deine prinzlichen Ohren kapiert.

Hatch: Hinter der Felsnase hörten die Spuren auf, stattdessen fing ein richtiges Gleis an und daneben lagen diverse Schienen und Schwellen das Gleis führte in den wald.

vanDusen: Und endet laut Karte an einem stillgelegten Kohlebergwerk etwa 3km von hier, die Karte verzeichnet ebenfalls daß eine Schienenverbindung zwischen diesem Gleis und der Hauptstrecke nicht mehr existiert, für einige kräftige und entschlossene Männer stellt es jedoch ein nicht eben unlösbares Problem dar, die fehlenden 200m Schienen provisorisch zu verlegen.

Hatch: Und wieder abzubauen sobald die Ministerlok darüber gerattert ist, so also nicht sehr mysteriös.

vanDusen: Wenn man eine Karte zu lesen versteht, und wenn man 2 und 2 zu addieren weiß.

Hatch: Die kräftigen und entschlossenen Männer, wo stecken die jetzt wohl.

vanDusen: Ganz ohne Frage im erwähnten Bergwerk, und dort dürfte sich auch die Lokomotive finden, welche Königin Dragina so schmerzlich vermißt.

Hatch: Mehr als ihre Minister jedenfalls.

Boris: Hatch, Hatch kann ich mal mit ihrer Pistole schießen.

Hatch: Untersteh dich, du Rübe.

vanDusen: Boris, mein lieber Hatch, wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, vorwärts.

Hatch: Drei unförmige Schatten wuchsen im Schein der Sterne vor uns auf, ein Schuppen in den die Gleise führten, ein Haus mit Förderturm und dazwischen eine gewaltige Kohlehalde, vor dem Schuppen stand ein Wächter, den schalteten wir aus in Gemeinschaftsarbeit, van Dusen leitete, Boris machte krach und lenkte ab, sehr begabt das Kerlchen, ich haute dem Wächter den Griff der Pistole über den Scheitel, dann in den Schuppen.

Mann: Ah.

vanDusen: Licht.

Hatch: Für sie tu ich alles, Prof.

Boris: Mann, eine T3, stark, und voll in Schuß, stark.

vanDusen: Halt doch mal den Mund Boris.

Außenminister: Retten sie mich.

Hatch: Im Führerstand da liegt einer gefesselt.

Boris: Den kenn ich, das ist Exzellenz Laverkan, der Außenminster von Kravonien.

vanDusen: Sehr schön, sehr schön, wir haben die Lokomotive, wir haben den Außenminister, fehlt nur noch der Verkehrminister.

Hatch: Der war im Haus, sagte der Außenminister bei seinen Schwarzgardisten, er hatte die Lok mit seinem ahnungslosen Kollegen über das schnell verlegte Verbindungsstück und über das Gleis in den Schuppen gesteuert und da hatte man den armen Außenminister gefesselt und ihm die Käfer weggenommen, wir banden ihn natürlich los.

vanDusen: Kannst du diese Lokomotive fahren, Boris.

Boris: Die T3, na klar aber dann müssen alle Dampf aufmachen, Kohle ist genug da, und Hatch muß tun was ich sage.

Hatch: Rabenaas aber so geschah es, weil van Dusen es wollte und weil wir so am schnellsten aus dieser Räuberhöhle rauskamen, mit dem technischen Einzelheiten des Dampfaufmachens will ich weder mich noch sie aufhalten, wir machten Dampf, die Schwarzgardisten im Haus kriegten nichts mit, wir fuhren aus dem Schuppen über die Gleise.

Boris: Hurra, schippen Hatch, man muß sich immer auf das wesentliche konzentrieren sagt Papa.

Hatch: Ich werd mich gleich auf deine Ohren konzentrieren, moment mal sollten wir nicht bremsen, da vorn am Felsen gehts nicht weiter, da ist das Gleis doch unterbrochen.

vanDusen: Nicht wenn Königin Dragina meinen Anordnungen gefolgt ist, noch in Popelnik habe ich ihr empfohlen, loyale Truppen in dieser Gegend zu postieren, und den exakten Ort nämlich diesen hab ich ihr mittels Depesche aus Gnewutch angegeben desgleichen die Anweisung das Gleis schnellstens vervollständigen zu lassen.

Boris: Schippen Hatch, schippen hurra.

vanDusen: Sehen sie, die Strecke steht oder sollte ich sagen liegt.

Hatch: Aber wie, ich werde seekrank.

vanDusen: Und am Rande stehen Soldaten hurra, es lebe die Königin.

Boris: Wir sind jetzt auf der Hauptstrecke, soll ich anhalten.

vanDusen: Keinesfalls, Zaribrord heißt das Panier.

Hatch: Der Rest ist schnell erzählt, im Morgengrauen liefen wir unter Volldampf in den bulgarischen Grenzbahnhof Zaribrod ein, wir wurden schmerzlich erwartet.

Boris: Papa, ich hab die T3 gefahren, ganz alleine, Hatch mußte schippen und ich bin gefahren.

Ferdinand: Schweig Boris, mein Sohn, meine Käfer Prof, warum haben sie sie beim Absprung mitgenommen, geben sie mir die Trommel, Mr Hatch.

Hatch: Bitte, bitte.

Ferdinand: Leer.

Hatch: Was.

vanDusen: Selbstverständlich ist die Trommel leer.

Ferdinand: Meine Käfer, was haben sie damit gemacht, wo sind mein kravonischen Riesenhirschkäfer.

vanDusen: Folgen sie mir, Hoheit.

Hatch: Wir gingen den Bahnsteig entlang, dahin wo der königlich kravonische Salonwagen stand, und im Wagen auf dem lila Sofa im Salon schlief Leutnant Boskoff den Schlaf des gerechten und gewissenhaften Kurier, van Dusen zog ihm vorsichtig die Botanisiertrommel unter dem Kopf hervor, machte sie auf und sofort flogen zwei gewaltige Käfer heraus, schwirrten durchs offene Fenster und ab in die gesunde bulgarische Morgenluft.

Ferdinand: Auf Boris, verfolge sie meine lucani cervi gigante, ich verdopple dein Taschengeld, wenn du sie fängst.

Boris: Das ist ein Wort.

Hatch: Ein Doppelbluff.

vanDusen: Ganz recht mit Königin Dragina unter vier Augen abgesprochen.

Hatch: Die Irreführung lief also genau andersrum, die Schwarzgardies sollten sich mit uns beschäftigen und den Leutnant mit dem Käfer in Ruhe lassen, raffiniert, raffiniert, aber sagen Sie mal Prof, hätten Sie den Fall nicht auch viel einfacher abschließen können, warum haben sie die Soldaten nicht gleich zum Bergwerk dirigiert, damit sie die Lok holen und die Schwarzgardisten einkassieren, wir hätten Ferdinand über die Käfer informiert, wären gemütlich im Zug geblieben und hätten uns einiges erspart.

vanDusen: Zweifellos mein lieber Hatch, so hätte ich es arrangieren können, doch was wäre das für ein Ende gewesen, prosaisch, glanzlos, fast banal, Prof DrDrDr Augustus van Dusen hat Anspruch auf Dramatik, auf Glanz und Gloria, auf einen spektakulären Schlußauftritt, das sollten sie wissen… und wenn nicht, dann merken sie es sich für die Aufarbeitung meiner künftigen Abenteuer.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Königin Dragina von Kravonien: Marietta Bürger
Leutnant Boskoff, ein Kurier: Thomas Vogt
Fürst Ferdinand von Bulgarien: Wolfgang Condrus
Boris, sein Sohn: Felix Leihberg
Mörder: Krikor Melikyan
Gräfin Szlepynsky, Hofdame: Katja Riemann
Bahnhofsvorsteher: Rainer Pigulla
Schaffner A: Ivan Gallardo
Schaffner B: Wolfgang Pregler
Außenminister von Kravonien: Helmut Ahner

Michael Koser: Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991)

Hatch: Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo.

Pingle: Hilfe, ein Arzt, hilfe, hilfe.

Hatch: Hören Sie Prof, ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen.

Hatch: Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber.

vanDusen: Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca.

Pingle: Hilfe, ein Arzt um Gotteswillen.

Hatch: Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab, auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessenen Schritts zum Zug aus Alexandria, der eben eingefahren war, ich folgte, das ist die Pflicht des kriminologischen Assistenten, es war eine grauhaarige europäische Dame die aus einem Abteilfenster der 1. Klasse um Hilfe schrie, und dazu hatte sie auch allen Grund, im Abteil lag ein Mann auf dem Boden, sein Gesicht war verzerrt, sein Körper verkrampft, er bewegte sich nicht, mit einem Blick erfaßte der Prof die Lage.

vanDusen: Aha.

Pingle: Sie sind Arzt.

vanDusen: Unter anderem, Madame, unter anderem, nicht daß ein Arzt hier noch was ausrichten könnte.

Pingle: Sie meinen.

vanDusen: Der Mann benötigt keine medizinische Hilfe mehr er ist tot.

Pingle: Tot, nicht zu fassen, vor 5 min hat er noch mit mir geredet, ganz munter und vergnügt.

vanDusen: Vor 5 Minuten, sehr aufschlußreich, was ist geschehen, berichten sie.

Hatch: Präzise detailliert und von Anfang.

vanDusen: Bitte.

Pingle: Ja mitten im Satz brach er ab, fing an zu würgen, bekam keine Luft, dann fiel er von der Sitzbank und wälzte sich in furchtbaren Krämpfen auf dem Boden.

vanDusen: Hochinteressante Symptome, Madame, hat er noch etwas geäußert.

Pingle: O ja, mir ist so schlecht, hat er gesagt, es tut so weh, und dann kalt mir ist kalt, und gestöhnt hat er, ganz schrecklich.

vanDusen: Kalt.

Pingle: Ja.

vanDusen: Aha die Pupillen erweitert, das stand zu erwarten, kommen sie her, Schaffner ja sie meine ich.

Stationsvorsteher: Ich bin der stellvertretende Stationsvorsteher, Effendi.

vanDusen: Um so besser, begeben sie sich stehenden Fußes zum nächstgelegenen Telefonapparat, verständigen sie die Kriminalpolizei, sie möge sich eilends hier einstellen.

Stationsvorsteher: Gewiß Effendi, ich eile.

Pingle: Mord, glauben sie.

vanDusen: Ich glaube nicht, Madame, ich weiß.

Hatch: Und wenn er sagt er weiß, Verehrteste, dann weiß er was er sagt.

Pingle: So, leider weiß ich noch immer nicht, mit wem ich es zu tun habe.

Hatch: Wir stellten uns vor, die Lady, eine Mrs Pingle aus Manchester, England, war gebührend beeindruckt, wer kennt ihn nicht, den großen Prof van Dusen.

Pingle: Da muß ich ihnen wohl glauben, ermordet der arme Pelotard.

vanDusen: Pelotard, Miss Pingle.

Pingle: Ganz recht der tote ist ich meine war Prof Pelotard.

vanDusen: Der bekannte französische Archäologe und Ägyptologe, der Verfasser von einige Bemerkungen zum Grabtempel des Cheop unter besonderer Berücksichtung seiner religiös-architektonischen Funktion im Pyramidenkomplex.

Pingle: Eben der Prof.

vanDusen: Oh ein herber Verlust für die Wissenschaft, sie kannten ihn also Miss Pingle.

Pingle: Seit Jahren wir sind alte Freunde, immer wenn wir uns treffen streiten wir uns.

vanDusen: Was sie nicht sagen Mrs Pingle, worüber.

Pingle: Über die große Pyramide natürlich, was ist sie, was sie bedeutet, was sie uns zu sagen hat, über die Geheimnisse der Pyramide, auch ich Prof bin auf meine bescheidene Weise eine Arbeiterin im Weinberg der Forschung, kennen sie mein Buch die große Pyramide eine Bibel aus Stein.

vanDusen: Mit Sicherheit nicht Miss Pingle.

Hatch: Aber ich kannte das Buch und wußte bescheid, Miss Pingle war eine Pyramidologin, für Pyramidologen ist die Cheospyramide kein Pharaonengrab sondern der mystische Hort uralter verborgener Weisheit, die Zahl pi, die Quadratur des Kreises, das genaue Datum des Weltuntergangs und noch viel mehr können Pyramidologen aus den maßen der Pyramide erschließen, van Dusen sagt dazu schlicht Pyramidiotie.

Pingle: 146m ist sie hoch die große Pyramide, das ist 270000stel des Erdumfangs oder ein Milliardstel der Entfernung der Erde von der Sonne und ihre Masse 2einhalb Mio Kubikmeter ist ein Trillionstel der Erdmasse, kann das Zufall sein, ich frage sie meine Herren.

vanDusen: Abstruse Zahlenspielereien, Miss Pingle, an den Haaren herbeigezogen, ohne jeden Belang, zur Sache, sie trafen Prof Pelotard im Zug.

Pingle: In Alexandria stieg er zu mir ins Abteil, sein Schiff war gerade gelandet, ich wunderte mich, sonst haben wir uns früher in Ägypten getroffen, zum anfang der Saison, im Oktober wenn der Nil fällt, wenn die Touristen schwärmen, und wenn die Archäologen ihre Grabungskampagnen eröffnen.

vanDusen: In diesem Jahr hat Pelotard sich verspätet, warum.

Pingle: Er war krank, der Magen, darum blieb er vorerst in Paris, und schickte seine Tochter voraus nach Ägypten, Rose Pelotard ist eine tüchtige Archäologin, die Schule ihres Vaters, seit 6 Wochen ist sie im lande und leitet die Arbeiten an Pelotars Grabungstelle im Pyramidenkomplex von Gizeh, ach gott der arme Pelotard, auf die Grabung in dieser Saison hat er sich ganz besonders gefreut, er konnte es kaum erwarten, kommen sie mich demnächst besuchen, hat er gesagt, dann werde ich ihnen etwas außergewöhnliches zeigen können, sie werden staunen Miss Pingle und die Fachwelt auch.

vanDusen: In der Tat Miss Pingle, der erkaltete Rauch einer Zigarre wenn ich recht rieche.

Hatch: Was heißt Zigarre, Prof das war eine echte Havanna, allerfeinste Qualität, das Stück 2 Dollar 50.

Hatch: Von Zigarren verstehe ich was und deshalb entdeckte auch schnell die Quelle des edlen Duftes unter der Bank, eine zerdrückte Corona corona, eben nur angeraucht, und abgebissen, nicht abgeschnitten.

vanDusen: Geben sie her, Hatch aha unter dem Tabakaroma ein zweiter Geruch, scharf beißend und hier sehen sie mein lieber Hatch.

Hatch: Meinen sie die hellen Körnchen am ende unter den Deckblatt Prof was ist das

vanDusen: Was ich zu finden erwartet habe, mein lieber Hatch, da ich kaum annehme Miss Pingle daß sie dem Laster des Zigarrenrauchens zu fröhnen pflegen.

Pingle: Wo denken sie hin Prof jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, das ist Pelotards Zigarre.

vanDusen: Sind sie sicher Miss Pingle.

Pingle: Absolut Prof, Pelotard hat seine Zigarren immer abgebissen und der andere Herr hat seine Zigarre mitgenommen.

vanDusen: Andere Herr, welcher andere Herr.

Pingle: Der bei uns im Abteil war, und der Prof Pelotard die Zigarre angeboten hat.

vanDusen: Und das sagen sie mir erst jetzt Miss Pingle.

Pingle: Sie haben mich ja nicht danach gefragt Prof.

Hatch: Das holte van Dusen natürlich sofort nach, der andere Herr, referierte Miss Pingle, war in Qalyub zugestiegen, eine halbe Stunde vor Kairo, ein Europäer, groß, gutgekleidet, stark bebartet, er hatte sich eifrig und kenntnisreich an der Pyramidendiskussion beteiligt, kurz vor der Ankunft in Kairo hatte er sich mit Miss Pingles Erlaubnis eine Zigarre angesteckt und auch Pelotard eine angeboten, der nahm sie mit dank, biß sie ab wie es seine Gewohnheit war, machte ein paar Züge.

Pingle: Und plötzlich packte ihn dieser entsetzliche Anfall.

vanDusen: Ein geradezu klassisches Exempel von Ursache und Wirkung, Miss Pingle, was ist aus dem unbekannten geworden.

Pingle: Gleich nach dem Halt ist er aus dem Zug gesprungen, um schnell hilfe zu holen, hat er gesagt, ich frage mich warum er nicht zurückkommt.

Hatch: Ich nicht, sie Prof.

Mayday: Halt, Kriminalpolizei, was ist hier los.

Hatch: Die Kriminalpolizei bestand aus 4 baumlangen sudanesischen Polizisten angeführt von einem drahtigen kleinen Mann in khaki mit Tropenhelm und Stöckchen unter dem Arm, Kapitän Mayday mit Namen, Engländer natürlich, theoretisch ist Ägypten ein souveränes Land, regiert von einem Vizekönig oder Khedive wie man hier sagt, aber praktisch ist es nicht viel mehr als eine britische Kolonie, in allen Schlüsselpositionen sitzen Engländer, auch bei der Polizei, Kapitän Mayday sah sich um, hörte sich an was wir ihm zu sagen hatten und reagierte ausgesprochen sauer.

Mayday: Und deshalb haben sie mich kommen lassen, schade um die Zeit, klarer Fall, alter Herr, schwüles Klima, Herzattacke, bedauerlich aber nicht zu ändern.

vanDusen: Sie befinden sich im Irrtum, Kapitän, hier liegt ein Mord vor.

Mayday: Mord, lachhaft, ich hab von ihnen gehört Prof van Dusen, auf ihre art sollen sie ja gelegentlich ganz brauchbar sein, aber wenn sie mich fragen, leiden sie an überhitzter Fantasie.

vanDusen: Captain Mayday noch nie hat jemand die Unverschämtheit besessen Prof van Dusen überhitzter Phantasie zu bezichtigen.

Mayday: Regen sie sich ab Prof, sie sind ein blutiger Amateur, sie kennen sich in Ägypten nicht aus, sie sehen Gespenster, Mord wie kommen sie bloß darauf.

vanDusen: Die von Miss Pingle ausführlich und plastisch geschilderten Symptome des Opfers, die mit weißem Pulver präparierte Zigarre, das verdächtige Verhalten des unbekannten Mitreisenden, eine Vielzahl schwerwiegender Hinweise auf eine planmäßig exekutierte Vergiftung.

Mayday: Ach ja, vermutlich mit einem rätselhaften der Wissenschaft bislang unbekannten Gift oder.

vanDusen: Keineswegs Kapitän es handelt sich um Akunitin.

Mayday: Akuniwas.

vanDusen: Akunitin, C34H47NO11 ein pflanzliches Alkaloid, gewonnen aus den Wurzeln des Eisenhuts Aconitum napellus bzw Wolfseisenhut Aconitum lycoctonum aus der Familie der Ranunculaceae.

Mayday: Kommen sie mal runter vom Katheter Prof, das ist mir viel zu hochgestochen, in New York oder London ja da bringt man sich vielleicht mit so einem schicken Gift um, aber bei uns nicht in Ägypten, Unsinn, kein Gift, kein Mord.

vanDusen: Und die Zigarre Kapitän.

Mayday: Können sie gerne behalten und zu ende rauchen wenn sie wollen.

Pelotard: Papa.

Mayday: Was ist denn das.

Pelotard: Lassen sie mich durch, Papa ich bin aufgehalten worden, mondieu papa was ist geschehen.

Mayday: Wer sind denn sie.

Pelotard: Rose Pelotard, ich verstehe nicht, mein Vater, was ist mit ihm.

Hatch: Rose Pelotard trug die praktische Kleidung der Nachwuchsarchäologin, kurzes Baumwollkleid, Sonnenhut mit Schleier, wie ihn hierzulande fast alle weißen Frauen tragen um ihren Teint zu schützen, dazu eine voluminöse Reisetasche für ausgebuddelte Schätze vermutlich, und auch ihre Trauer über Maydays Eröffnungen war kurz und praktisch.

Pelotard: Avre papa, Sie haben ganz sicher recht, mo capitan, es muß ein Herzanfall gewesen sein, so hat ihn denn ein barmherzig schneller Tod den Spaten aus der Hand genommen, in seinem geliebten Ägypten, cest la vie, apropos Spaten die Grabung wartet, sie entschuldigen mich, mo capitan, es drängt mich, meines Vaters Arbeit fortzuführen ihm zu ehren und in seinem Geist.

Hatch: Damit verschwand die pietätvolle Tochter, gefolgt von Miss Pingle, die es zur Cheopspyramide zog, Mayday und sein Gefolge machte sie auf die Socken zu nahen Polizeistation um den toten Pelotard erstmal auf Eis zu legen.

vanDusen: Kapitän, sie werden es bedauern.

Mayday: Ich habe zu tun Prof, sie entschuldigen mich, einen guten Rat auf den Weg, machen sie Urlaub von der Amateurkriminologie, tun sie das was alle Touristen tun, widmen sie sich unseren Sehenswürdigkeiten, besuchen sie das Museum, fahren sie zu den Pyramiden.

Hatch: Und genau das taten wir ein paar Stunden später am Nachmittag dieses ereignisreichen Tages, eine Droschke brachte uns von Kairo nach Gizeh, wo wir uns durch Horden von Souvenirhändlern, Fremdenführern und Eseltreiber durchkämpften bis zur Cheopspyramide, dann stiegen wir auf, von Stufe zu Stufe kein Kinderspiel, meine Damen und Herren auch wenn wir uns dabei von ein paar wackeren Beduinen ziehen und schieben ließen, nach einer halben Stunde hatten wir schnaufend die abgeplattete Spitze erreicht, und da erlebten wir eine Überraschung, bestehend aus einem gedeckten Teetisch und Miss Pingle.

Pingle: Willkommen Prof van Dusen und Mr äh.

Hatch: Hatch, Miss Pingle, Hutchinson Hatch.

Pingle: Treten sie näher, meine Herren, nehmen sie bitte Platz, Osiris Stühle für meine Gäste, eigentlich heißt er Ali, aber ich rufe ihn Osiris, klingt doch gleich viel mystischer, viel pyramidaler nicht wahr, haben sie bemerkt, daß an den Eingängen der Pyramide Polizisten stehen und niemanden ins innere lassen.

vanDusen: In der Tat Miss Pingle, aus welchem Grund.

Pingle: Keine Ahnung, deshalb bin ich hierher gekommen, um die Aura der Pyramide zu absorbieren, zu meditieren.

Hatch: Und Tee zu trinken.

Pingle: Warum nicht Mr Hatch, mens sana in corpore sano, ein Sandwich meine Herren.

Hatch: Sehr gerne, tolle Aussicht hier oben, fast wie vom Wolkenkratzer der Manhattan Lebensversicherung.

Pingle: Sie lästern, Mr Hatch spüren sie nicht das mysteriöse fluidum, die Atmosphäre des übersinnlichen.

Hatch: Alles was ich spüre, ist ein Sandfloh in meinem Kragen.

Pingle: Wer meine Herren wer vermag zu sagen, wann dies jedes menschenmaß übersteigende Gebilde geschaffen wurde und von wem.

vanDusen: Ich Miss Pingle, gestützt auf die Ergebnisse ägyptologischer Forschung, die Pyramide unter unseren Füßen wurde errichtet um das Jahr 2900 v.Chr von Cheops einem Pharao der 4. Dynastie bzw von seinem wesir und baumeister hemon.

Pingle: Selbst ein Geist wie sie Prof reiht sich ein in die zahl der beschränkten und kleingläubigen.

vanDusen: Ersparen sie mir eine Antwort Miss Pingle.

Pingle: Da wir gerade von Hemon reden, wußten sie daß Pelotard im letzten Jahr sein Grab entdeckt hat, er hats mir im Zug erzählt, gar nicht weit von hier, etwa 150 meter nach Nordosten hinter dem Totentempel.

Hatch: Ich seh nichts.

Pingle: Das können sie auch nicht, Mr Hatch, das Grab liegt natürlich unter der Erde im Felsen bessergesagt.

vanDusen: Bei der Grabung an welcher Mademoiselle Pelotard zur zeit arbeitet, handelt es sich also um Grab des Hemon.

Pingle: Ja so ist es Prof ich frage mich was sie da wohl besonders gefunden haben mag, mein gott was ist das ein Erdbeben.

vanDusen: Nein Miss Pingle, eine Explosion im innern der Pyramide.

Hatch: Auf diesen Schrecken hin ließen wir alles liegen und stiegen ab so schnell wir konnten, kaum waren wir auf festem Boden angekommen da lief uns eine bekannte Gestalt über den Weg, Captain Mayday, energischen Schritten strebte er dem Pyramideneingang zu, aber als er van Dusen sah blieb er stehen wie vom Donner gerührt.

Mayday: Schon wieder dieser verd lästige Prof, hab ich ihn nicht gesagt sie sollen sich raushalten.

Hatch: Sie haben gesagt wir sollen uns die Pyramiden angucken, und das tun wir, was war das für eine Explosion Kapitän.

Mayday: Geht sie nichts an Staatsgeheimnis, halten sie mich nicht auf.

vanDusen: Staatsgeheimnis, eine Explosion im inneren der polizeilich abgeriegelten Cheopspyramide, wenige Stunden nach dem Mord an einem Archäologen, welcher in unmittelbarer Nähe eben dieser Pyramide eine Grabung leitet.

Hatch: Sie meinen da besteht ein Zusammenhang, Prof.

vanDusen: Führen sie mich zum Grab des Hemon, Miss Pingle.

Hatch: Das Grab des Hemon lag inmitten einer archäologischen Mondlandschaft aus Stein, Sand und Ruinen, es bestand aus einem Loch im Felsenboden gesichert durch eine Eisentür und ein modernes Patentschloß, dahinter dumpfe Arbeits-geräusche, davor ein kräftiger Araber im blauen Nachthemd, einen Knüppel in der Faust und nach längerem klopfen und rufen unsererseits eine unbeugsame Rose Pelotard.

Pelotard: Scheregret, misodam, keine Besichtigung, keine Störung auch für sie verboten.

Pingle: Aber ihr Vater hat mich ausdrücklich eingeladen.

Pelotard: Wie dem auch sei, Madame, die Grabung untersteht mir, vielleicht später einmal, wenn meine Arbeit abgeschlossen ist, paß gut auf Mustafa.

Hatch: Nette Leute trifft man bei den Pyramiden, wir begleiteten Miss Pingle in ihr Hotel, das Menahouse, der Cheospyramide direkt gegenüber und fuhren zurück nach Kairo, auch uns zog es ins Hotel, ich hatte Hunger und van Dusen wollte nachdenken, dafür daß ihm der Stoff nicht ausging, sorgte ein Telegramm das in unsere Suite auf ihn wartete, an Prof van Dusen, Shepheards Hotel Kairo, aufgegeben in Gizeh, aha hören sie zu mein lieber Hatch.

Hatch: Ich bin ganz Ohr, Prof.

vanDusen: Betrifft Pelotard und Detonation in Pyramide, näheres erfahren sie heute abend 22 Uhr Schubraallee 17, ein Freund, kein Name.

Hatch: Wollen sie hingehen Prof.

vanDusen: Wir wollen hingehen, mein lieber Hatch, wozu sind sie mein Assistent und Begleiter.

Hatch: Und wenn es eine Falle ist.

vanDusen: Im vornehmsten Viertel von Kairo, unwahrscheinlich.

Hatch: Nacht lag über Kairo, die Schubra-Allee, im Norden der Stadt, tagsüber der Treffpunkt der eleganten Welt, war zu dieser späten Stunde einsam und verlassen, weit und breit nur 2 Menschen am Haus Nr 17, einer Villa im orientalischen Schnörkelstil, die zwei gingen leise und vorsichtig durchs offene Tor, durch den Palmengarten, durch die erstaunlicherweise weder bewachte noch verschlossene Haustür, weiter durch einen Gang und dann standen wir in einem großen Raum, es war dunkel, nur ein paar Sterne schienen durch die vergitterten Fenster, leise unbestimmte Geräusche um uns, Unheil lag in der Luft.

Hatch: Hier ist es nicht geheuer Prof, wo steckt denn ihr namenloser Freund und Informant.

vanDusen: Pst, entzünden sie die Laterne, mein lieber Hatch.

Hatch: Aye aye sir, ah, ach du dicker Pater, Prof wir sind im Harem, die Kerle mit den Säbeln das sind Eunuchen, ich kenne die Typen aus Konstantinopel, was sollen wir tun Prof.

vanDusen: Das Mißverständnis dürfte sich sehr bald aufklären, bleiben sie ruhig, mein lieber Hatch und wehren sie sich nicht.

Hatch: Ich dachte nicht daran, wehren sie sich mal wenn ganze Heerscharen säbelschwingender Eunuchen sich auf sie stürzen und sie verschnüren wie ein Postpaket, ich kam kaum dazu mal einen Blick zur Seite riskieren, wo diverse füllige Damen in spärlichster Bekleidung aufgeregt durcheinander schnatterten, plötzlich Stille, der Herr des Hauses trat auf, ein stattlicher Mann mit schwarzen Vollbart, in seidenen Morgenrock, der tarbus schief auf dem Schädel und im Bauch eine ungeheure Wut.

Manur: Ihr ungläubigen Hunde, ihr habt euch in meinen Harem eingeschlichen, ihr habt mein Haus geschändet, meine Ehre besudelt, ihr müßt sterben.

Hatch: Lassen sie uns doch erklären effendi oder was sie sind.

Manur: Schweigt du Wurm, schafft sie in den Hof und ersäuft sie im Springbrunnen.

Hatch: Moment, moment, hören sie doch mal zu, die ganze sache ist ein Irrtum, Prof sie sind die Denkmaschine, denken sie sich mal ganz schnell was aus, sonst ist das hier unser allerletzter Fall.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Manur: Denkmaschine, Hatch, Prof, etwa Prof van Dusen aus Amerika.

vanDusen: Kein anderer.

Hatch: Und ich bin Hutchinson Hatch sofern sie auch auf diese Auskunft wert legen.

Manur: Van Dusen und Hatch, oh glück o wonne, hamdudila bindet sie los auf der Stelle.

Hatch: Zehn Minuten später saßen wir in einem orientalischen Salon, auf weichen Seidenkissen und wie es die Sitte des Orients fordert, sorgte der Hausherr erst ausgiebig für unser leibliches Wohl, bevor wir zur Sache kamen, er ließ Kaffee auffahren, Süßigkeiten, Wasserpfeifen, auch Bauchtänzerinnen und Konkubinen bot er uns an, aber da sagten wir dann doch lieber nein danke.

Manur: Wirklich nicht, nun gut, ich bin Ibrahim Manur.

Hatch: Den Namen kenn ich sind sie nicht ein hohes Tier bei der ägyptischen Polizei.

Manur: Ein demütiger Diener meines Herrn des Khedive Mr Hatch ganz recht.

Hatch: Dann weiß ich, warum man uns gerade in ihr Haus gelockt hat, sie sollen jähzornig sein, eifersüchtig und entschuldigen sie ein unversöhnlicher Feind aller Weißen.

Manur: Aus gutem Grund, Mr Hatch aus gutem Grund, denn sind es nicht die Weißen, die Engländer vor allem, die unser Land besetzt halten, die den Khedive meinen Herr entmachtet und die Regierung an sich gerissen haben.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen Ibrahim Mamur.

Manur: Doch was sie nicht wissen Mr Hatch, was kaum jemand weiß, zwei weiße gibt es, die ich nicht hasse, die ich vielmehr verehre und über alles schätze, den großen Kriminologen Prof van Dusen.

vanDusen: Amateurkriminologen bitte.

Manur: Amateurkriminologe selbstverständlich Prof und den noch größeren Hutchinson Hatch.

vanDusen: Noch größeren, wie soll ich das verstehen.

Manur: Sie sind ein bedeutender Mann, Prof ohne frage, doch wer macht sie dazu.

Hatch: Meinen sie etwa mich.

Manur: Sie meine ich, Mr Hatch, wo wären sie, Prof wenn diese begnadete Feder nicht über sie schriebe, sämtliche Jahrgänge des Daily New Yorker nenne ich mein eigen, Mr Hatch immer wieder nehme ich sie zu hand, voll tiefster Bewunderung, für sie Mr Hatch, für ihre einzigartige Erzählergabe, ihre treffende Darstellung, ihren eleganten Stil.

Hatch: Das tat gut, und noch besser tat das Gesicht, das der Prof dabei machte, aber er schüttelte sich bildlich gesprochen und ging zur Tagesordnung über, naja Ibrahim Manur erfuhr was uns in sein Haus gebracht hatte, eine Falle ganz offensichtlich, wir sollten ausgeschaltet werden, doch wir blieben nicht nur am leben, ironischerweise geschah auch gerade das, was das Telegram fälschlich verhießen hatte, wir erfuhren näheres über die rätselhaften Ereignisse, in die wir verwickelt waren, Ibrahim Manur war ein gutinformierter Mann.

Manur: Mein Herr der Khedive hat mir die Gnade erwiesen, mich in diesem außergewöhnlichen Fall zu rate zu ziehen, wissen sie, meine Herren wer hinter der Explosion in der Cheopspyramide steckt, sie werden staunen, es ist das Phantom.

Hatch: Das Phantom, immer wieder das Phantom, die Dame wird allmählich lästig, dreimal sind wir schon mit ihr zusammengerasselt.

Manur: Ich weiß es, Mr Hatch dank ihrer brillanten Artikel kenn ich alle Einzelheiten ihrer recontrets mit dieser berüchtigten internationalen Verbrecherin von geradezu chameleonartiger Wandlungsfähigkeit, ihre Abenteuer in Biarritz, Berlin ja und erst kürzlich in Rumänien.

Hatch: Da ist sie doch mit ihrem Unterseeboot in die Luft geflogen.

Manur: Ich versichere ihnen meine Herren das Phantom lebt und befindet sich zur Zeit in Ägypten, sehen sie hier diesen Brief, nur eine Kopie versteht sich.

vanDusen: Lesen sie vor Hatch.

Hatch: Immer ich, man nennt mich das Phantom, die Welt kennt mich, die Welt fürchtet mich, sie werden mir die bescheidene Summe von 100000 ägyptischen Pfund zahlen, bescheiden ist gut eine halbe Mio Dollar, falls nicht werde ich die Cheopspyramide in die Luft sprengen, was sagen sie dazu Prof die Cheopspyramide.

vanDusen: Lesen sie weiter mein lieber Hatch.

Hatch: Damit sie an meiner Entschlossenheit nicht zweifeln, werde ich dafür sorgen daß heute nachmittag 17 Uhr genannte Pyramide durch eine limitierte Detonation erschüttert wird, ja das stimmt, genau um 5 hats geknallt, zur Teezeit, die gewünschte Summe werden sie mir auf folgende weise.

vanDusen: Einen Augenblick mein lieber Hatch, an wen ist dieses Schreiben gerichtet, Ibrahim Manur.

Manur: An mein Herrn den Khedive, heute mittag um 12 Uhr lag es auf seinem Schreibtisch, niemand kann sagen wie es dorthin gekommen ist, fünf Minuten vorher war der Schreibtisch leer gewesen.

Hatch: Ein typischer Phantomtrick.

vanDusen: Wie reagierte der Khedive.

Manur: Mein Herr berief sogleich den geheimen Rat ein, seine ergebendsten Diener in Polizei und Justiz, und Lord Chromar, den britischen Agenten, Allah verdamm ihn, eine volle Stunde haben wir beraten.

vanDusen: Mit welchem Ergebnis.

Manur: Die meisten glauben an einen Schwindel, aber ganz sicher konnten wir nicht sein und deshalb haben wir eine Polizeiabteilung nach Gizeh geschickt und die Cheopspyramide gründlich durchsuchen lassen.

vanDusen: Und Sprengstoff.

Manur: Kein Sprengstoff, Prof gar nichts, alles in Ordnung, nach der Durchsuchung haben wir beide Eingänge gesperrt, kein Mensch durfte die Pyramide betreten.

vanDusen: Und dennoch kam es zur angekündigten Explosion.

Manur: Ja Prof danach haben wir wieder alles durchsucht, und diesmal wurden wir fündig, im obersten der drei kleinen Hohlräume über der Königskammer, das heißt an der höchstmöglichen Stelle war eine geringe Menge Dynamit gezündet worden, die Spuren waren eindeutig.

Hatch: Aber wenn die Pyramide doch abgeriegelt war.

Manur: Das ist es ja gerade Mr Hatch, bei der ersten Durchsuchung war der Hohlraum leer, und danach gab es keine Möglichkeit Dynamit in die Pyramide zu schaffen und zur Explosion zu bringen und trotzdem ja die Sache ist unerklärlich, geradezu un.

Hatch: Sagen sie bloß nicht unmöglich.

Manur: Ich werde mich hüten, ich kenne die Idiosympasie des Prof.

vanDusen: Keine Abschweifungen, wenn ich bitten darf, fahren sie fort.

Manur: Der geheime Rat trat zum zweiten mal zusammen, diesmal waren alle dafür auf die Erpressung des Phantoms einzugehen, sie müssen das verstehen, wir haben Angst, die Cheopspyramide ist das bedeutendste Bauwerk der Welt, das Wahrzeichen unsere Landes.

Hatch: Und ein unschlagbarer Touristenmagnet.

Manur: Auch das, Mr Hatch, wie die Zahlung vor sich gehen soll, hat das Phantom im Brief genau vorgeschrieben.

Hatch: Und zwar kurz zusammengefaßt so: ein Koffer mit 100000 ägyptischen Pfund in Banknoten sollte übermorgen am 16. Dezember 1904, 9 Uhr morgens von einem unbewaffneten Mann in die Cheopspyramide getragen und dort in der oberen in der Königskammer abgestellt werden, danach durfte 1 Stunde lang niemand die Pyramide betreten.

vanDusen: Sie wollen also zahlen und es dabei bewenden lassen.

Manur: Was ich will oder nicht, Prof das spielt keine Rolle, die ganze Angelegenheit ist meinem Herrn dem Khedive und seinen untergebenen Dienern aus den Händen genommen worden, Anordnung von Lord Cromer allah verdamm ihn.

vanDusen: Wer leitet den Fall.

Manur: Der Chef der Kriminalpolizei von Kairo, ein gewisser Kapitän Mayday Allah verdamm auch ihn.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen, Ibrahim Manur.

Manur: Mayday plant die Pyramide morgen noch einmal zu durchsuchen und dann abzuriegeln bis zur Geldübergabe, er will sich an die befohlene Wartezeit halten und danach versuchen das Phantom zu fassen, entweder in der Pyramide oder wenn es die Pyramide verläßt.

vanDusen: Das wird ihm nicht gelingen.

Manur: Inshalah Prof.

vanDusen: Hören sie, Ibrahim Manur, ihnen sind die Hände gebunden.

Manur: Bedauerlicherweise Prof.

vanDusen: Doch ich unterstehe nicht den Weisungen Lord Cromers oder Kaptain Mayday.

Manur: Allah verdamm.

vanDusen: Schon gut, das Phantom hat mir den Fehdehandschuh hingeworfen, in form jenes tückischen Telegrams, ich Prof Augustus van Dusen hebe ihn auf, mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Auf zur vierten Runde, es gilt dem Recht und der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen.

Hatch: Ich kannte van Dusen, und ich wußte mehr als Recht und Wahrheit lag ihm der endgültige Sieg über das Phantom am Herzen, und vor allem wollte er dem arroganten Kapitan Mayday eins auswischen, am nächsten Morgen im Hotel, wir saßen beim Frühstück in einer Ecke des palmengeschmückten Speisesaal, natürlich sprachen wir über den Fall und über das phantom eins war mir immer noch nicht klar.

Hatch: Was hat die Pyramidenerpressung mit dem Mord an Pelotard zu tun.

vanDusen: Sehr viel mein lieber Hatch, der Mord an Pelotard, welchen das Phantom wie ich vermute mit eigener Hand ausführte, stellt die letzte und wichtigste Voraussetzung für das gelingen der Erpressung dar.

Hatch: Ja wieso.

vanDusen: Ach mein lieber Hatch, zählen sie 2 und 2 zusammen, denken sie an altägyptische Jenseitsvorstellungen, denken sie an die Tatsache daß Pelotard das Grab des Haemon entdeckt und ausgegraben hat.

Hatch: Ich denke Prof ich denke so sehr ich nur kann.

vanDusen: Bravo, bravo mein lieber Hatch.

Hatch: Aber mir fällt nichts ein moment doch ich glaube ich weiß wer das Phantom ist

vanDusen: Tatsächlich und wen haben sie im Verdacht.

Hatch: Miss Pingle, immer wenn was passiert ist sie dabei, im Zug auf der Pyramide.

Maigret: Sehe ich recht Prof van Dusen.

vanDusen: Oh Madame Maigret, welch angenehme Überraschung, setzen sie sich zu mir, was führt sie nach Kairo.

Hatch: Sie erinnern sich doch noch an Madame Maigret, genau Privatdetektivin aus Paris, beteiligt am Mordfall in Montecarlo und an der kuriosen Affäre um Hannibals Alpenübergang, von Prof van Dusen nicht nur in kriminologischer Hinsicht hoch geschätzt, ein interessanter Fall hatte sie nach Ägypten gebracht, vor 6 7 Wochen war auf dem Gelände des gar de lyon eine Tote gefunden worden, ermordet, entsetzlich entstellt, unkenntlich, die Polizei kam nicht weiter, die Eisenbahn verwaltung setzte eine Belohnung aus, Madame Maigret klemmte sich dahinter und schaffte es schließlich die unbekannte zu identifizieren.

Maigret: Als die Tochter eines Ägyptologen an der Pariser Universität namens.

vanDusen: Rose Pelotard.

Maigret: Ja woher wissen sie, Prof.

vanDusen: Auf welche weise haben sie die Identifizierung bewerkstelligt Madame.

Maigret: Das Gebiß Prof, sämtliche Zahnärzte in und um Paris hab ich abgeklappert, und wissen sie was geschah als ich die Belohnung einforderte, ausgelacht haben mich die Leute von der Bahnverwaltung, ich hätte mich geirrt, sagten sie, Rose Pelotard lebe und sei in Ägypten, ich wollte Prof Pelotard sprechen, aber der war auch gerade nach Ägypten abgereist, was blieb mir übrig ich kaufte mir eine Fahrkarte und hier bin ich, wer immer sich in Ägypten Rose Pelotard nennt, muß eine Hochstaplerin sein.

vanDusen: Und schlimmeres Madame, der letzte Mosaikstein befindet sich an seinem Platz, das Phantom ist entlarvt, es handelt sich nicht, wie sie mein lieber Hatch glauben, um unsere Freundin Miss Pingle.

Pingle: Das will ich doch stark hoffen.

Hatch: Miss Pingle, sitzen sie schon lange hinter der Palme.

Pingle: Oh ja Mr Hatch, ich sitze und ich lausche, gebannt und hingerissen, Pelotard, Phantom, Pyramide, eine fantastische Geschichte.

vanDusen: Gesellen sie sich zu uns, Miss Pingle, sie sind ohnehin beteiligt, sie sind bereits weitgehend informiert, vor allem benötige ich sie, ich gehe doch wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie die Cheopspyramide kennen wie.

Hatch: Wie ihre Westentasche.

Pingle: So ist es, nur daß ich keine Weste trage.

vanDusen: Sehrschön sehrschön meine Damen mein lieber Hatch dies ist mein Plan.

Hatch: 15 Stunden später, Mitternacht, im Licht des Mondes warf die Cheops-Pyramide ihren unheimlichen Schatten über die Polizeiposten zu ihren Füßen, über Gestein und Trümmer bis zu dem Sandhaufen neben dem Grab des Hemon, unserem Ziel, wir hatten freie Bahn, Mustafa der Mann mit dem Knüppel, hatte ein gewaltiges bakschisch neben einer Flasche Arag bekommen, und schlief sich irgendwo aus, die angebliche Rose Pelotard hielt sich in dem Haus auf das sie wie Miss Pingle wußte in dem nahen Dorf gemietet hatte, das moderne Türschloß war kein Problem für eine moderne Privatdetektivin, ein paar Handgriffe mit einem verdächtig aussehenden Instrument und die Tür sprang auf, vorsichtig schlichen die furchtlosen vier die Eingangsstufen hinter in eine leere staubige Kammer und da standen wir nun wie Ochs und Kuh vorm neuen Tor und bestaunten die 5000jährigen bunten Wandbilder, nur einer wußte wie es weiterging, Prof van Dusen, einen Kompaß in der linken machte sich mit der rechten an der hinteren Wand zu schaffen, auf die ein viereckiger Fischteich gemalt war, umgeben von Schilfrohr und Bäumen, er drückte hier, er drückte da und plötzlich.

Pingle: Der Fischteich.

Maigret: Er ist weg.

Hatch: Statt dessen ein Loch.

vanDusen: Die Pforte des geheimen Ganges, welche ich an eben dieser Stelle zu finden erwartete, meine Damen, mein lieber Hatch, vorwärts.

Hatch: Sollen wir wirklich durch das schwarze Loch.

Pingle: Was sonst Mr Hatch.

Maigret: Haben sie etwa Angst.

Hatch: Klar hatte ich Angst, vor allem aber hatte ich einen schweren Korb mit all den Dingen die van Dusen bei unserer Expedition für nötig hielt, Laternen, Stricke, mehrere Holzkeile, eine Pistole und Proviant erstaunlicherweise, das schleppte Kuli Hatch durch den engen niedrigen finsteren Gang, vor ihm Miss Pingle, Madame Maigret mit einer Laterne, und der Prof, der uns eine kriminologisch ägyptologische Vorlesung hielt.

vanDusen: Dieser geheime Gang stellt gewissermaßen den Dreh- und Angelpunkt jener mysteriösen Geschehnisse dar, deren Zeugen wir in den letzten Tagen sein konnten, Prof Pelotard hat ihn im vergangenem Jahr entdeckt, seine Absicht war es nach eingehender Untersuchung während dieser Grabungskampagne die Öffentlichkeit von seiner Existenz zu unterrichten.

Pingle: Das hat er also im Zug gemeint.

vanDusen: Ganz recht, Miss Pingle, wenden wir uns nunmehr dem Phantom zu, nach dem Unterseebootunfall vor Rumänien.

Hatch: An dem sie ja nicht ganz unschuldig waren Prof.

vanDusen: Nach jenem Unfall begab das Phantom sich nach Paris, lernte dort die Pelotards kennen, schlich sich in ihr Vertrauen, und erfuhr von der Existenz des Geheimgangs, ein pervertiertes Hirn wie das ihre erfaßte sogleich die sich dadurch eröffnenden kriminellen Möglichkeiten, wegen einer zweifellos durch Gift verursachten Magenerkrankung blieb Prof Pelotard vorerst in Paris, schickte seine Tochter Rose voraus nach Ägypten, diese.

Maigret: Augenblick, Prof da liegt was, eine Dynamitpatrone.

vanDusen: Ein deutlicher Hinweis darauf, auf welche weise die vorgestrige Explosion in der Cheopspyramide bewerkstelligt wurde, weiter, das Phantom ermordete Rose Pelotard noch auf dem Bahnhof, nahm ihre Stelle ein, fuhr nach Ägypten, bereitete als Rose Pelotard ihren Coup vor, und als Prof Pelotard seine verspätete Ankunft ankündigte.

Pingle: Mußte auch er sterben.

vanDusen: Durch eine mit Akunitin präparierte Zigarre, welche das Phantom in Verkleidung ihm präsentierte, sodann.

Maigret: Stop, der Gang ist zu Ende, was ist das, ein Griff, Prof.

vanDusen: Ziehen sie, Madame ziehen sie, Miss Pingle, Hatch, helfen sie.

Hatch: Wir zogen, der Schlußstein bewegte sich und dahinter lag wieder eine Felsenkammer, klein und kahl und grau und unheimlich, wo waren wir.

vanDusen: Diese Frage kann ihnen Miss Pingle beantworten.

Pingle: Wir sind in der großen Pyramide, genauer unter der Pyramide, in der sog. unterirdischen Grabkammer.

Hatch: Hier sollte ich mal kurz erklären, wie es in der Cheopspyramide aussieht, es gibt drei Kammern, die Königskammer etwa in der Mitte der Pyramide mit einem großen leeren Sarkophag ohne Deckel, ein Stück tiefer die Königinnenkammer und 32 m unter der Pyramidenbasis die unterirdische Kammer, alle Kammern sind durch ein System von Gängen mit einander und mit den Eingängen an der Nordseite verbunden, ja das wärs abgesehen von ein paar Luftschächten und drei Hohlräumen zur statischen Entlastung der Königskammer, der geheime Gang hatte uns also vom Grab des Hemon in die unterste Kammer der Cheopspyramide gebracht.

vanDusen: Sehen sie her, der bewegliche Stein wurde auf dieser Seite so kunstvoll in die Unebenheiten der Wand eingefaßt, daß seine Konturen unsichtbar bleiben, der von mir theoretisch konzipierte und postulierte unbekannte Zugang zur cheopyramide hier ist er.

Maigret: So hat das Phantom also das Dynamit in die Pyramide geschafft.

vanDusen: So gedenkt es die erpresste Summe und die eigene Person in sicherheit zu bringen.

Hatch: Ok, ok das ist mir klar aber was ich nicht verstehe, das Phantom hat doch gedroht die ganze Pyramide in die Luft zu sprengen.

vanDusen: Eine leere Drohung, welche auszuführen das Phantom weder die Absicht noch die Mittel hat.

Hatch: Also ein bluff, und noch was Prof, woher wußten sie daß der unbekannte Zugang zur Pyramide ausgerechnet im Grab des Hemon anfängt.

vanDusen: Eine simple ägyptologische Kombination, nach dem Glauben der alten Ägypter stand allein dem Pharao nach dem tode die Erhebung unter die Götter zu, ein mystischer Vorgang in seinem Grabmal der Pyramide, was lag nun für Hemon den Erbauer der Pyramide näher als sich insgeheim einen Weg zu schaffen, auf welchem sein kah, seine Seele sich nach dem tod in die Pyramide begeben konnte um hier zusammen mit dem Pharao der Vergöttlichung teilhaftig zu werden.

Hatch: Raffiniert, als Nassauer in den Himmel.

vanDusen: Wenn sie so ausdrücken wünschen, mein lieber Hatch, wie spät ist es.

Hatch: Zehn nach 2.

vanDusen: Meine Damen, sie werden sich nunmehr zurückziehen.

Maigret: Oh.

vanDusen: Achten sie darauf, keine Spuren zu hinterlassen, setzen sie die beweglichen Steine sorgsam so ein, wie wir sie vorfanden, überlassen sie alles weiter mir.

Pingle: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Ich werde das Phantom abfangen, und zu diesem zwecke bis morgen in der Pyramide verharren mit dem Korb und mit Mr Hatch natürlich.

Hatch: Die Damen gingen, obwohl sie lieber geblieben wären, bei mir wars genau umgekehrt, wir machten es uns in der oberen der Königskammer gemütlich versteckt im Sarkophag des alten Cheops, soweit es in einem Sarg gemütlich sein kann, ich aß und trank ein bißchen, schlief ein bißchen, und graulte mich ein bißchen und wartete, am nächsten Morgen um 9 plötzlich Licht und Geräusche, der Bote mit dem Geldkoffer, hastig stellte er ihn auf den Boden und verschwand, kaum war er weg, mußte ich über den Rand turnen und den Koffer zu uns in den Sarkophag holen, dann wieder warten, aber diesmal nur Minuten, vorsichtige Schritte, der zitternde Strahl einer Blendlaterne, und da stand sie, die angebliche Rose Pelotard, das Phantom, sie stand und guckte und stutzte und suchte.

vanDusen: Sie suchen vergebens Madame.

Pelotard: Wer ist das.

Hatch: Pharao Cheobs.

Pelotard: Lassen sie den Unsinn Mr Hatch, ich kenne ihre Stimme, die des Prof auch, zeigen sie sich, ach, ich hätte es mir denken können, sie Prof van Dusen wieder einmal sie, zum vierten mal kommen sie in die quere.

vanDusen: Zum vierten und zum letzten Male.

Hatch: Hände hoch keine Bewegung oder ich schieße.

Pelotard: Mit dieser Pistole, Mr Hatch, daß ich nicht lache, sie haben vergessen sie zu entsichern.

Hatch: Was da muß doch gleich.

vanDusen: Hatch vorsicht.

Hatch: Zuspät, nur einen moment hatte ich das Phantom aus den Augen gelassen, aber bei einer so gerissenen Verbrecherin ist sogar ein moment zu lang, jetzt hatte sie die Pistole, und richtete sie auf uns, mit der anderen Hand schlug sie den schleier zurück und zog sich die kunstvoll gearbeitete Kautschukmaske vom gräßlich zugerichteten Gesicht.

Pelotard: Sehen sie her Prof das ist ihr Werk, jetzt ist die Zeit der Rache gekommen sie werden sterben, Prof und sie natürlich auch Mr Hatch, sie werden sterben und ihr Tod wird lang andauernd und qualvoll sein, im unterirdischen Gang des Hämon bei verrammelten Türen werden sie langsam zugrunde gehen, im Paroxismus des Hungers werden sie sich gegenseitig anfallen, sich das Fleisch von den Knochen reißen.

Hatch: Keine Angst, Prof ich würde sie nie anknabbern.

vanDusen: Vielen dank mein lieber Hatch.

Pelotard: Ich bedauere nur eins, daß ich ihnen nicht zusehen und mich an ihren Qualen weiden kann, doch wenn ich morgen.

Maigret: Wollen sie auch mal zuschlagen, Miss Pingel.

Pingle: Mit Vergnügen Madame Maigret.

Maigret: Da stauen sie was Prof.

vanDusen: Aber meine Damen ich hatte sie angewiesen.

Pingle: Ach wissen sie draußen war es uns zu langweilig.

Maigret: Und wir wollten auch mal in der ersten Reihe sitzen.

Pingle: Darum sind wir dem Phantom nachgeschlichen.

Maigret: Ein Glück für sie meine Herren.

Pingle: Wer weiß wie es ihnen sonst ergangen wäre ja.

vanDusen: Ja äh.

Hatch: Van Dusen sprachlos, ein äußerst seltenes Phänomen und ein vorübergehendes, das Phantom wurde gefesselt und in den Sarkophag gelegt, dann traten wir vier den Rückzug an mitsamt Geldkoffer, hinter uns verkeilten wir die Türsteine des Geheimganges um der Gefangenen den Fluchtweg abzuschneiden, eine gute Stunde später standen wir vor dem Grab des Hämon und sahen mit wohlgefallen zu wie Captain Mayday mit seinen Mannen aus der Pyramide kroch und an uns vorbei defilierte.

Mayday: Ausschwärmen, Straßen sperren, das ganze Gelände absuchen.

vanDusen: Vermissen sie etwas Kapitän.

Mayday: Da sind sie ja schon wieder Prof, lassen sich mich bloß in Ruhe.

vanDusen: Vielleicht diesen Koffer.

Mayday: Das Geld, die 100000 Pfund, wie kommen sie zu dem Koffer Prof.

vanDusen: Ein wenig angewandte Amateurkriminologie, wie geht es dem Phantom.

Mayday: Dem Phantom wieso.

vanDusen: Ja haben sie es denn nicht dingfest gemacht.

Mayday: Nein.

vanDusen: Sie haben doch die Pyramide durchsucht Capitain.

Mayday: Selbstverständlich Prof.

vanDusen: Auch die Königskammer und den Sarkophag.

Mayday: Ja sicher, das heißt nicht ich persönlich, mein bester Mann, Hauptwachtmeister Musa, da vorne läuft er, Musa, Musa, zurück Marsch marsch, Musa bleib stehen.

Hatch: Aber Musa blieb nicht stehen, er bog um eine Ecke und war weg, den wirklichen Hauptwachtmeister Musa fand man wenig später im Sarkophag des Cheops, bewußtlos, in Unterhosen, merkwürdig.

vanDusen: Was erscheint ihnen merkwürdig, mein lieber Hatch.

Hatch: Das Phantom hat sich befreit, hat Musa überwältigt, und ist in dessen Uniform geflohen, da muß sie doch ganz nah bei uns vorbeigelaufen sein, ohne Maske, und sie haben sie nicht erkannt, Prof.

vanDusen: Glauben sie mein lieber Hatch, wäre es nicht möglich, daß ich es vorzog mich nicht einer Gegnerin zu berauben, welche wenn ich sie auch keineswegs als ebenbürtig erachten kann, mir doch das eine oder andere interessante Duell geliefert hat.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Miss Pingle, eine Pyramidologin: Gudrun Genest
Ibrahim Manur, ein ägyptischer Würdenträger: Volkmar Kleinert
Captain Mayday von der Kairoer Polizei: Helmut Wildt
Madame Maigret, Privat-Detektivin: Evamaria Miner
Rose Pelotard, Archäologin: Liane Rudolph
Stationsvorsteher: Helmut Ahner

Michael Koser: Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991)

Hatch: Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen.

Hatch: Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl.

vanDusen: In diesem Falle ersuche ich sie, sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten.

Hatch: Vulgär.

vanDusen: Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid.

Hatch: Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof.

vanDusen: Ah so.

Hatch: Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den Bauch beißen können, nicht daß es an mir lag, mein Chefredakteur hatte die grandiose Idee gehabt, den bekannten und beliebten Kriminalreporter des Daily NewYorker ins Hauptquartier der Kripo zu schickten, damit sie gleich am Ball sind, wenn was passiert, hat er gesagt, ich wollte gar nicht schon wegen Caruso, sie wissen ja.

vanDusen: Ich kenne ihre Aversion gegen den wackeren Detective Sergeant.

Hatch: Meine Aversion, er kann mich nicht leiden.

vanDusen: Nun gut wie dem auch sei, zur Sache, sie versprachen mir einen Fall.

Hatch: Den sollen sie auch kriegen, wenn es soweit ist ein, ein gewisser jemand hat mir nämlich eingebimst nicht einmal sondern tausend mal, wie ich Bericht erstatten soll, umfassend, detailliert und von Anfang an.

vanDusen: Präzis und konzentriert auf das wesentliche, in diesem sinne.

Hatch: Prost Prof auf das wesentliche, also wie gesagt völlige funkstille bei der new yorker kripo in der Mulbury Street, Caruso döste hinter seinem Schreibtisch, möchte wissen, wozu der einen Schreibtisch braucht, jedenfalls nicht zum schreiben, das kann er gar nicht,

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja schon gut, ich saß im Vorzimmer herum und spielte eine runde poker mit Wachtmeister Donovan, und dann so gegen 9 tauchte diese verhärmte Frau auf.

Donovan: Ich geh mit und erhöhe auf 2 Dollar.

Moody: Entschuldigen sie meine Herren bin ich hier wohl richtig.

Donovan: Moment, ich warte Mr Hatch.

Hatch: Passe Donovan.

Moody: Mein Mann ist nicht nachhausegekommen wissen sie und da dachte ich.

Donovan: Am besten gehen sie gleich durch zu Detective Sergeant Caruso, die rechte Tür.

Moody: Danke.

Donovan: Na Mr Hatch, auf ein neues.

Hatch: Nein sagte ich, Donovan hatte mir zu viel Glück, und ich hatte einen Riecher, diese bedrückte ärmliche Frau, vielleicht brachte sie den Knüller, auf den ich wartete, ich lehnte mich an die Wand neben Carusos offene Tür und machte die Ohren lang.

Caruso: Wo brennts denn gute Frau, setzen sie sich.

Moody: Mein Mann, Herr Inspektor, mein Calvin, er ist nicht nach Hause gekommen, gestern abend und ich mach mir Sorgen.

Caruso: Detective Sergeant, gute Frau nicht Inspektor, noch nicht.

Moody: Entschuldigen Sie Verzeihung ich versteh ja nichts von hohen Polizeisachen.

Caruso: Schon gut also Ihr Mann ist abhandengekommen, wissen sie gute Frau das ist nichts besonders das kommt immer wieder vor.

Moody: Aber nicht bei meinem Calvin, Herr Wachtmeister.

Caruso: Detective Sergeant immer korrekt nicht wahr gute Frau.

Moody: Verzeihung ich bin ganz durcheinander, mein Calvin ist immer pünktlich nach Hause gekommen jeden abend wenn sein Dienst zu Ende ist.

Caruso: Dienst was für Dienst gute Frau.

Moody: Mein Calvin ist bei der Bank von New York angestellt als Bote seit 20 Jahren, Herr Polizeipräsident.

Caruso: Detective Sergeant gute Frau.

Moody: Hat sich nie was zuschulden kommen lassen, immer ehrlich, immer fleißig, immer gottesfürchtig, und immer pünktlich zu hause.

Caruso: Kein kleiner Abstecher in die Kneipe.

Moody: Niemals Herr Superintendent, um halb 6 war er zuhause immer, das heißt gestern natürlich nicht, das ging ja nicht, weil mein Calvin nach dem Dienst erst zu diesem Rechtsanwalt mußte wegen der Erbschaft wissen sie.

Caruso: Weiß ich nicht gute Frau.

Hatch: Die gute Frau erzählte sehr umständlich eine seltsame Geschichte, zwei Tage vorher war ein Brief gekommen von einem Anwalt für ihren Mann, darin stand, der gottesfürchtige Calvin sei der Erbe eines beträchtlichen Vermögens, er möge baldmöglichst mal reinschauen, hochachtungsvoll usw.

vanDusen: Hatte die Frau den Brief bei sich.

Hatch: Nein Prof, den hatte der Mann eingesteckt, darum konnte sie Caruso auch nicht sagen wie der Anwalt hieß und wo er seine Kanzlei hatte.

Moody: In Manhattan hat Calvin gesagt, nicht weit von seiner Bank und deshalb ist er gleich am nächsten Tag hingegangen, das heißt gestern nach dem Dienst.

Caruso: Alles klar, gute Frau, ihr Calvin hat sein Glück ein bißchen begoßen, und dabei ist er versumpft, versackt.

Moody: Mein Calvin tut so was nicht, Herr Capitän.

Caruso: Sagen sie mal gute Frau haben sie denn nicht heute früh bei der Bank von New York angefragt ob ihr Mann zum Dienst erschienen ist.

Moody: Nein, Herr Hauptabteilungsleiter ich hab mich nicht getraut, und dann war ich auch so durcheinander.

Caruso: Na dann wollen wir das mal für sie erledigen, sie wissen doch die polizei dein Freund und Helfer, wie heißt ihr Mann.

Hatch: Caruso ließ sich mit der Bank verbinden, und fragte ob Calvin Moody am morgen seinen Dienst angetreten hatte.

vanDusen: Und.

Hatch: Er hatte, pünktlich um 8 wie immer.

Caruso: Aha, kann ich ihn mal sprechen, verstehe, wann kommt er zurück, nein machen sie sich keine Sorgen, gar nichts ist vorgefallen, ich wollte nur seine Frau beruhigen, aufwiederhören, also gute Frau alles in bester Ordnung, ihr Mann ist gerade für die Bank unterwegs, gehen sie nach hause, heut abend wird er auftauchen, reumütig und mit schlechtem Gewissen.

Moody: Wenn sie meinen Herr Oberpolizist.

Caruso: Detective Sergeant, Mrs Moody seien sie nicht so streng mit ihm, Donovan nehmen sie die Personalien auf, für alle fälle.

Hatch: Margarete Moody, wohnhaft in Brooklyn Concert Street nicht weit von der Brücke und dahin machte sie sich jetzt wieder auf die Strümpfe, zögernd und unsicher, Caruso mit all seinem plattfüßigen Charme hatte sie anscheinend nicht überzeugen können, ich dachte so bei mir Fehlanzeige, kein Knüller.

vanDusen: Sehr richtig, auch ich vermag dieser banalen Angelegenheit keinerlei kriminologisches Interesse abzugewinnen.

Hatch: Geduld, nur ein paar Sekunden geduld, ich verlor noch ein paar Dollar an Wachtmeister Donovan und dann Prof dann gings los, Carusos Telefon klingelte und ich bezog wieder meinen Horchposten.

Caruso: Kriminalpolizei New York, Detective Sergeant Caruso am Apparat, die Bank von NewYork, ja ich hab sie angerufen, eine viertel stunde ungefähr, genau wegen ihres Boten Calvin Moody, oder wie der Mann heißt was ist mit ihm, verschwunden, moment immer mit der ruhe, eins nach dem anderen, wer hat bei ihnen angerufen, die paritätische Lebensversicherung in der Nassau Street ach so und wann hätte der Bote da auftauchen müssen, viertel vor 9, so aber er ist nicht aufgetaucht, ja ich weiß wie spät es ist, kurz vor halb zehn, merkwürdig hatte er Geld bei sich, wieviel 300 Dollar, 300 000 donnerwetter, klarer fall, ihr Bote ist mit ihrem Geld abgehauen, durchgegangen, getürmt, das glauben sie nicht, jaja das sagt seine Frau auch, aber wenn so ein Tugendbold mal ausrastet, gut wir kommen sofort, Donovan die Polizeidroschke soll vorfahren, dalli, ach du lieber gott.

Hatch: Sie übertreiben Caruso, ich bins bloß.

Caruso: Was tun sie hier, Mr Hatch haben sie nicht Hausverbot.

Hatch: Das wollen wir doch nicht so eng sehen Caruso.

Caruso: Da gehts raus Mr Hatch, ich kann mich sowieso nicht mit ihnen abgeben, ich muß sofort weg, ein wichtiger Fall.

Hatch: Bei der Bank von Newyork ich weiß Bankbote verschwindet mit 300000 Dollar kleine schlechte Schlagzeile, wissen sie was Caruso, ich glaube ich komme mit.

Caruso: Ich glaub nicht, Mr Hatch, für sie ist kein Platz in der Polizeidroschke.

Hatch: Wer redet denn von ihrem klapprigen Dienstvehikel, Hutchinson Hatch fährt erster Klasse im eigenen Automobil, und mein Winton Sport steht direkt vor der Tür, wir sehen uns Caruso, in ein paar Minuten.

Caruso: Vielleicht fällt ihnen ja ein Ziegel auf den Kopf Mr Hatch oder sie fahren gegen einen Baum.

Hatch: Er gibt die Hoffnung nicht auf, unser lieber Caruso, um so saurer war er als er eine gute halbe Stunde später mit Donovan in der Bank von New York aufkreuzte.

Hatch: Ich bin schon hier Caruso, darf ich ihnen den Chefkassierer der Bank vorstellen, Mr Charles Everett.

Caruso: Lassen sie diesen.

Hatch: Sympathischen Herrn.

Caruso: Diesen Journalisten sofort vor die Tür setzen, Mr Everett.

Hatch: Warum Caruso.

Caruso: Weil er die Arbeit der Polizei behindert, darum.

Everett: Sie habens gehört, Mr Hatch, ich bedauer.

Hatch: Augenblick Everett, ich habe ein Konto bei ihnen.

Everett: Ständig überzogen, Mr Hatch bitte verlassen sie mein Büro.

Hatch: Dann muß sie sie daran erinnern Evert daß ich auch einen Vater bei ihnen habe, Hutchinson Hatch senior der bekannte Multimillionär sitzt im Aufsichtsrat der Bank von NY also wenn ich sie wäre Everett würde ich mich nicht rausschmeißen.

Everett: Da ist was dran Mr Hatch.

vanDusen: Sie durften also bleiben.

Hatch: Klar durfte ich, auch wenn Caruso himmelblau anlief und mit den Beinen strampelte.

Caruso: In der Tat.

Hatch: Bildlich gesprochen, er kriegte sich aber bald wieder ein und fing an Everett auszuquetschen, Wachtmeister Donovan schrieb mit und Hutchinson Hatch junior hörte aufmerksam zu.

Everett: Freitag, meine Herren, darum, heute ist Freitag.

Hatch: Völlig richtig Everett, nichts gegen zu sagen, Freitag, der 5. Oktober 1900.

Everett: Der erste Freitag im Oktober.

Caruso: Na und.

Everett: Jeden 1. Freitag im Monat ruft einer unser Großkunden die paritätische Lebensversicherungsgesellschaft einen höheren Betrag vom Konto ab für Gehälter wissen sie für Barauszahlungen bei Ansprüchen, heute waren es 300000 Dollar in 100 Dollarnoten.

Caruso: Und damit haben sie diesen Calvin Moody losgeschickt.

Everett: Wie immer Detective Sergeant, weil Moody unser verläßlichster Bote ist.

Caruso: Haben sie gedacht, wann hat Moody die Bank mit dem Geld verlassen.

Everett: Pünktlich 8 Uhr 20 wie immer.

Hatch: Und wie läuft es so bei ihnen ab, drücken sie dem Boten die Mäuse einfach in die Hand oder.

Everett: Mein lieber Mr Hatch, wo denken sie hin, die Bank von Newyork wickelt den Bargeldtransfer nach strikten Regeln ab.

Hatch: Erzählen sie uns doch mal wie es heute war.

Caruso: Jawohl Mr Everett berichten sie.

Everett: Gewiß meine Herren, um 8 Uhr trat Moody seinen Dienst an, wie immer, und wie immer am 1 Freitag im Monat kam er sofort zu mir in dieses Büro, ich öffnete den Kassenschrank, entnahm ihm die angeforderte Summe, zählte sie vor Moodys Augen nach und deponierte sie sodann in der Geldtasche.

Caruso: Die Tasche, wie sieht sie aus.

Everett: Eine normale Aktentasche aus braunem Schweinsleder, unauffällig, ich verschloß die Tasche, mein Kollege bei der paritätischen ist selbstverständlich auch im Besitz eines Schlüssels, überreichte sie Moody, und geleitete ihn zum Tor, wie immer, und Moody ging die Wallstreet hinunter nach rechts Richtung Nassau Street, wie immer.

Caruso: Also alles wie immer Mr Everett, nur daß Moody das Geld diesmal nicht bei der Versicherung abgeliefert hat.

Everett: Ja ich weiß nicht, irgendetwas war diesesmal anders, nicht wie üblich.

Hatch: Ach was war anders.

Everett: Moody ja Moody war anders als sonst er verhielt sich irgendwie ungewöhnlich.

Caruso: Kein Wunder, der Kerl war nervös, hatte die Hosen voll, unwichtig.

Hatch: Wie verhielt sich Moody, Everett, was tat er, was sagte er.

Caruso: Augenblick Mr Hatch ich stell die Fragen.

Hatch: Aber sehen sie denn nicht.

Caruso: Ich seh nur daß sie die polizeilichen Ermittlungen stören, Donovan, wir sind fertig, zurück zur Mulburystreet, und da leiten sie sofort die Großfahndung ein.

Hatch: Ich konnte Donovan gerade noch zuflüstern, er sollte mich über die weitere Entwicklung auf dem laufenden halten, und ihm 10 Dollar zustecken, ihre Türglocke.

vanDusen: Jaja, James wird sich darum kümmern, fahren sie fort.

Hatch: Ja das wars, von der Bank bin ich sofort zu ihnen gekommen, was sagen sie, ist das ein Fall für sie, dieser Trottel Caruso ist mal wieder auf dem total falschen Dampfer.

vanDusen: Herein.

James: Ein Knabe, Herr Prof ein Zeitungsknabe mit einer Nachricht für Mr Hatch.

Hatch: Ach sicher von Wachtmeister Donovan.

vanDusen: Ja führen sie den Knaben herein James.

James: Sehr wohl Herr Prof.

Hatch: Der Knabe war so 12, 13 Jahre alt, hatte Sommersprossen, und auf seinen roten Haaren eine viel zu große Schirmmütze, unter dem Arm hatte er einen Stapel Zeitungen, den Daily New Yorker wie ich interessiert feststellte und er hatte nur Augen für den Prof.

Dick: Ich kenn sie, aus der Zeitung, sie sind Prof van Dusen, die Denkmaschine, der größte Detektiv der Welt.

vanDusen: Kriminologe, mein lieber junger Freund, Amateurkriminologe.

Dick: Klar Amateurkriminologe, ich weiß bescheid, ich hab alles über sie gelesen.

Hatch: Na wunderbar und ich habs geschrieben, ich bin Mr Hatch.

Dick: Ich kenn den Leichenräuberfall ganz genau und den Mafiamord und ihre Abenteuer in Alaska, und ihre Flucht aus der Todeszelle.

vanDusen: Soso.

Dick: Ungeheuer, Prof ganz toll sie sind der größte, der allergrößte.

Hatch: So und jetzt kommst du netterweise mal wieder runter von der Wolke, du hast eine Nachricht für mich.

Dick: Hab ich, hier den Zettel soll ich ihnen geben, Moment ich kriege einen Dollar hat der Wachtmeister gesagt.

Hatch: Sehr großzügig mit meinem Geld, von mir aus, hier, Pottergebäude Büro E12, was soll das.

Hatch: Donovan hats mir später erklärt, mit der Mittagspost wie immer kam bei der Bank von New York ein anonymer Brief an, zwei Zeilen, sie finden Calvin Moody im Pottergebäude Büro E12, Evert rief sofort Caruso an, Caruso brach sofort mit Donovan auf, Donovan wußte daß ich bei van Dusen war, telefonieren konnte er nicht mehr, er schrieb die Adresse schnell auf einen Zettel und den gab er dem Zeitungsjungen der in der Mulberry Street den Daily Newyorker verkaufte.

vanDusen: Es geht weiter, mein lieber Hatch, auf zum Pottergebäude.

Dick: Ein Fall Prof, kann ich mitkommen.

Hatch: Untersteh dich.

Dick: Brauchen sie nicht einen Assistenten, ich mein einen richtigen, einer der mitdenkt.

Hatch: Vorsicht junger Mann übernimm dich nicht.

vanDusen: Sie haben ihr Automobil zur Hand mein lieber Hatch.

Hatch: Wir fuhren durch die 35 Straße, dann den Broadway runter, viel Verkehr wie immer, Automobile, Pferdedroschken, Fußgänger, Radfahrer, ein Radfahrer fiel mir auf, er klebte an meinem Hinterrad, egal wie schnell ich fuhr, Schirmmütze, rote Haare, Zeitungen auf dem Gepäckträger.

Hatch: Ihr Verehrer, Prof läßt nicht locker, das Kerlchen, hör auf uns nachzufahren, verzieh dich, verkauf deine Zeitungen, heb Stecknadeln auf, sei emsig und sparsam, du willst doch Millionär werden.

Dick: Nein, ich will Detektiv werden, Kriminologe meine ich.

vanDusen: Sieh an, so wie ich mein lieber junger Freund.

Dick: Oh nein Prof das geht nicht, sie sind einmalig, aber ich will von ihnen lernen, vielleicht werde ich dann eines Tages ein bißchen wie sie.

Hatch: Hau ab du störst.

vanDusen: Nein mein lieber Hatch warum so abweisend, lassen sie den jungen Mann gewähren, er ist strebsam, respektvoll, und weiß seine Worte wohl zu setzen.

Hatch: Sie meinen er kriecht ihnen.

vanDusen: Hatch.

Dick: Hurra, hurra für Prof van Dusen.

Hatch: Das Pottergebäude steht an der Park Row zwischen Beekman und Nassau Street, ein Hochhaus, 11 Stockwerke, 4 Fahrstühle, 200 Büros, Büros für Kaufleute, Anwälte, Makler, Versicherungsvertreter, hier herrscht ständiges kommen und gehen, hier kennt keiner den andern, Büro E12 lag im 5. Stock, wir nahmen den Lift, stiegen aus, sahen uns um.

Dick: Hier gehts lang Prof, kommen sie.

Hatch: Sag mal du Rübe wie heißt du eigentlich.

Dick: Tracy, Richard Livingston Tracy.

Hatch: Gewaltig.

Dick: Sie dürfen Dick zu mir sagen, Prof.

Hatch: Zu gütig.

Dick: Sie nicht Mr Hatch.

Hatch: Was.

Dick: Für sie bin ich Mr Tracy, sie sind kein Genie Mr Hatch sie sind bloß ein Kollege.

Hatch: Ach was.

Dick: Sie sind bei der Zeitung, ich bin bei der Zeitung.

Hatch: Du bist ein Scherzkeks, Dick Tracy.

Caruso: Öffnen sie.

Hatch: Wir waren da, E12 stand über der Tür, darunter klebte ein Pappschild mit der Aufschrift Robert Macintosh RA, vor der Tür strapazierten die Herren Caruso und Donovan Fäuste und Stimmbänder.

Caruso: Ich fordere sie zum letzten mal auf, machen sie die Tür auf polizei.

vanDusen: Ruhe, haben sie die Güte ihr nutzloses Spektakel einzustellen meine Herren.

Donovan: Prof van Dusen.

Caruso: Und Mr Hatch, schon wieder.

Hatch: Wie er sich freut, der liebe Caruso, rührend.

Donovan: Da stöhnt was Detective Sergeant, da drin.

Caruso: Was sie haben recht Donovan kommen sie wir brechen die Tür auf zugleich, au.

Dick: Quatsch schade um die Tür, das geht auch anders.

Caruso: Wer ist denn das, haben sie sich einen zweiten Hatch zugelegt.

Dick: Ich bin der neue Assistent von Prof van Dusen.

Hatch: Bist du nicht, der neue Laufbursche bestenfalls.

Dick: Und sie sind nur der Chauffeur, Mr Hatch.

Hatch: Werd nicht frech.

vanDusen: Mein lieber Hatch, mein lieber junger Freund, ich muß doch bitten, ja unterlassen sie gefälligst ihre kleinliche Streiterei, es gilt einen Fall zu lösen, Dick.

Dick: Prof.

vanDusen: Wenn ich recht gesehen habe und dies dürfte wohl außer Zweifel stehen, befindet sich das Büro des Hausverwalters im Erdgeschoß, unmittelbar neben dem Haupteingang.

Dick: Hab schon kapiert, Prof bin gleich wieder da.

Hatch: 5 min später kam er zurück, im Schlepptau eine spitznasige bekneiferte Lady unbestimmten alters, Mrs Biggot von der Verwaltung des Pottergebäudes, ihr Hauptschlüssel öffnete uns die Tür zum Büro E12, ein großer heller Raum, rechts ein Wandschrank, links ein Waschbecken, in der Mitte ein Schreibtisch und zwei Sessel, auf dem Schreibtisch eine offene Champagnerflasche und zwei Gläser, auf einem der Sessel ein Mann, der stöhne, blinzelte und versuchte sich aufzurichten, offensichtlich kam er gerade zu sich.

Caruso: Sie da, wer sind sie.

Moody: Was, was ist los, wer sind sie.

Caruso: Kriminalpolizei was tun sie hier, wie heißen sie.

Moody: Moody, Calvin Moody.

Caruso: Aha, wo haben sie das Geld.

Moody: Geld, was für Geld.

Caruso: Die 300000 Dollar von der Bank.

Moody: Ich, ich weiß nicht, was sie meinen.

Caruso: Ach und wo ist ihre Geldtasche.

Moody: In der Bank natürlich.

Caruso: So meinen sie, Donovan.

Donovan: Sir.

Caruso: Durchsuchen.

Donovan: Das Büro hier.

Caruso: Was denn sonst, aber gründlich.

Donovan: Jawohl Sir.

Caruso: Waren sie heute morgen in der Bank von New York.

Donovan: Ich Sir.

Caruso: Sie doch nicht Donovan, Moody mein ich.

Moody: Heute, was ist heute.

Dick: Freitag, Freitag der 5 Oktober.

Moody: Wirklich.

Caruso: Also was ist Moody waren sie heute in der Bank.

Moody: Nein, heute nicht.

Caruso: Bestimmt nicht.

Moody: Nein bestimmt nicht, wie spät ist es.

Hatch: Während Caruso sich mit dem dösigen Moody beschäftigte, wanderte van Dusen im Raum herum, scheinbar ziellos und geistesabwesend wie es so seine art ist, er hielt die noch recht volle Flasche gegen das Licht, sah sich die beiden Gläser an, das volle und das leere, schnüffelte am Waschbecken, unterdessen wurde Moody allmählich klarer, er erzähle wie er hier hereingekommen war, und was er erzählte entsprach haargenau dem, was seine Frau am morgen ausgesagt hat.

Caruso: Haben sie diesen Brief bei sich.

Moody: Oh ja detective sergeant, ich hatte ihn eingesteckt gestern, nicht da, der Brief ist nicht da, er muß ihn mir weggenommen haben.

Caruso: Also nochmal Moody, sie haben dieses Büro gestern abend betreten.

Moody: Baldmöglichst, das stand in dem Brief wegen der Erbschaft, RA Robert Mcintosch, Pottergebäude, Büro E12.

Caruso: Wann genau.

Moody: Warten sie mal, Dienstschluß ist um 5, ich bin zu Fuß gegangen ist ja nicht weit, halb sechs würde ich sagen.

Caruso: So und was geschah dann.

Moody: Ja ich klopfte, trat ein, sagte meinen Namen und da holte Mr Mackintosh gleich eine Flasche aus dem Schrank, sie sind ein Glückspilz, Mr Moody hat er gesagt, das muß gefeiert werden, ich wollte nicht, ich nehme niemals Alkohol zu mir mit gottes hilfe.

Hatch: Ein Fehler, mein lieber Moody.

Moody: Aber Mr Mcintosh war so beharrlich daß ich schließlich doch ein Glas austrank und dann wurde mir plötzlich ganz komisch, mehr weiß ich nicht.

Hatch: Sagen sie mal Prof, wollen sie den ganzen Fall Caruso überlassen, fragen sie doch auch mal was.

vanDusen: Warum nicht, pflegen sie einen Hut zu tragen, Moody.

Moody: Selbstverständlich trage ich einen Hut, die Bank von Newyork besteht darauf daß ihre Angestellten korrekt gekleidet sind.

vanDusen: Lobenswert, wo befindet sich ihr Hut.

Moody: Ich weiß es nicht, ich hatte ihn abgelegt, er ist nicht da, vielleicht hat Mcintosh ihn mitgenommen.

Caruso: Der Hut ist nicht da, na und, das Geld ist nicht da, das ist wichtig und die Tasche Donovan.

Donovan: Ist auch nicht da, Sir.

Caruso: Aha dann wollen wir mal wieder Donovan, sie kommen mit, Moody sie sind vorläufig festgenommen bis der Fall geklärt ist.

Moody: Aber wieso denn Detective Sergeant, ich hab nichts getan mit gottes hilfe.

Caruso: Wird sich rausstellen, Moody.

Hatch: Der Prof ging noch nicht, er hatte ein paar Fragen, an Mrs Biggot.

vanDusen: Mrs Biggot, haben sie RA Mckintosh dies Büro vermietet.

Biggot: So ist es, Prof.

vanDusen: Wann.

Biggot: Vor etwa vier Wochen, ich kann unten nachsehen wenn sie das genaue Datum brauchen.

vanDusen: Erinnern sie sich noch wie er aussah, Miss Bigott.

Biggot: Macintosh, mittelgroß stämmig, unauffällig um die 50.

vanDusen: Statur und Alter wie sagen wir Mr Moody.

Biggot: Ganz genau Prof aber Mckintosh trug einen Schnurrbart und eine Brille.

vanDusen: Hat er Referenzen vorgelegt.

Biggot: Nicht direkt, er hat für ein viertel Jahr im voraus bezahlt.

vanDusen: So, noch eine Frage Mrs Biggot.

Hatch: Worum es dabei ging, meine Damen und Herren, das werden sie später erfahren, jetzt folgen sie uns bitte in die Wallstreet. Van Dusen wollte die Bank von New York besuchen, eine kurze fahrt durch die Nassau Street, Dick Tracy war wieder dabei, diesmal direkt auf dem hinteren Klappsitz meines Winton, aber nicht mal das konnte mir die Laune verderben.

Hatch: Ich bewundere ihre Zurückhaltung Prof, sieht ihnen gar nicht ähnlich oder sind sie ganz besonders raffiniert um nicht zu sagen hinterhältig.

Dick: Reden sie nicht so rotzig über Prof van Dusen.

Hatch: Ruhe da hinten auf den billigen Plätzen.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen, mein lieber Hatch.

Hatch: Daß sie Caruso diesen Dämlack in sein Unglück rennen lassen und keinen Finger rühren um ihn zu retten, das steht doch mal fest, Caruso bellt am falschen Baum, Moody hat die 300000 Dollar nicht geklaut.

vanDusen: Glauben sie.

Hatch: Der Fall ist klar, der Täter ist RA Macintosh, nur daß er kein RA ist und Mcintosh heißt er wahrscheinlich auch nicht, mit dem Brief hat er Moody ins Pottergebäude gelockt, und aus dem Weg geschafft, er hat ihn betäubt, hat heute morgen in der Bank seine Stelle eingenommen, verkleidet natürlich und dann ist er mit dem Geld getürmt, clever gemacht, ich seh schon die Schlagzeile, morgen im Daily New Yorker, ein kühnes Gangsterstück.

vanDusen: Eine kühne Theorie, bravo mein lieber Hatch.

Hatch: Ach wissen sie Prof 2einhalb jahre vandusen Assistent, da bleibt was hängen.

Dick: Haha.

Hatch: Ruhe.

vanDusen: Durchaus möglich und wie steht es mit ihren Beweisen.

Hatch: Kein Problem, erstens ist Moody betäubt worden und gesternabend nicht nach Hause gekommen und zweitens hat er sich heute früh in der Bank irgendwie seltsam aufgeführt, sagt Chefkassier Everett, paßt doch alles zusammen oder was meinen sie.

vanDusen: Nur dies, zwei plus zwei gibt vier.

Dick: Immer und überall, merken sie sich das.

Hatch: Misch du dich nicht ein, Dick.

Dick: Mr Tracy.

Hatch: Das möchtest du wohl, du halbe Hose.

Dick: Mr Hatch.

Hatch: Sagen sie doch mal klipp und klar Prof glauben sie daß sie stimmt meine Theorie.

vanDusen: Das wird sich herausstellen, wie unser Freund Caruso so richtig sagt, wir sind angelangt.

Hatch: Eifersüchtig wenn sie mich fragen, knitschig, weil ich vor ihm durchs Ziel gegangen bin, das kann er partout nicht vertragen der große Mann, in der Bank stand Chefkassierer Everett bereitwillig rede und antwort, schließlich hat er ein Namen van Dusen meine ich und ein gar nicht so kleines Konto bei der Bank von ny.

vanDusen: Nach ihrer Aussage Mr Evert hat sich der Bankbote Calvin Moody heute morgen ungewöhnlich anders als sonst verhalten.

Everett: Ja Prof das hab ich gesagt aber Detective Sergeant Caruso war nicht interessiert, wahrscheinlich ist es nicht von belang.

vanDusen: Nun Mr Everett vor ihnen steht nicht Detective Sergeant Caruso sondern.

Dick: Prof DrDrDr Augustus van Dusen, die Denkmaschine, der größte Detektiv, Amateurkriminologe der Welt, trara hoch soll er leben.

vanDusen: Ja schon gut, schon gut, mein lieber junger Freund, ob ihre Aussagen von belang sind oder nicht, Mr Everett, dies zu beurteilen überlassen sie bitte mir, inwiefern verhielt Moody sich ungewöhnlich.

Hatch: Er wirkte gedrückt und ängstlich, sagte Everett, er bewegte sich zaghaft, und redete weniger als sonst, und was er sagte war schlecht zu verstehen, er hielt sich nämlich ein Taschentuch vor Mund und Nase.

Everett: Weil stark erkältet war, sagte er.

vanDusen: Recht aufschlußreich.

Everett: Da fällt mir was ein, als ich Moody gute Besserung wünschte, wissen sie, was er mir antwortete, danke Mr Everett.

Hatch: Ja und, das ist doch nur höflich und völlig normal.

Everett: Nicht für Moody, sehen sie, Moody ist dafür bekannt, daß er wo es sich nur irgend machen läßt eine ganz bestimmte Redewendung anbringt.

vanDusen: Mit gottes hilfe.

Everett: Genau, aus diesem Grund nennen ihn seine Kollegen auch Gotthilf Moody, auf meine Genesungswünsche hätte er unbedingt antworten müssen mit gottes hilfe.

Dick: Hat er aber nicht.

Everett: Nein, seltsam, und als ich ihn etwas später am Tor verabschiedete mit kommen sie heil zurück, wie immer, da hat er es auch nicht gesagt.

vanDusen: Sehr aufschlußreich.

Everett: Er hat überhaupt nichts gesagt, er hat sich umgedreht, so abrupt, daß er den Torpfosten gestreift hat, und er hat nicht gemerkt, daß er sich dabei einen Knopf abgerissen hat, unten am rechten Jackenärmel, ich konnte ihn nicht mehr drauf aufmerksam machen, weil er so schnell im Straßengewühl verschwand.

vanDusen: Aufschlußreich, sind sie noch im Besitz des fraglichen Knopfes.

Everett: Sicher, bei der Bank von New York kommt nichts weg, hier ist er.

vanDusen: Überlassen sie ihn mir, danke, wie war Moody gekleidet.

Everett: Heute morgen, wie immer, im Dienst trägt Moody stets denselben braunen Anzug.

Hatch: Richtig, eben im Pottergebäude hat er ihn auch angehabt.

vanDusen: Höchst aufschlußreich, welchen Hut pflegt Moody zu tragen.

Everett: Einen schwarzen Bowler, die Bank kann ihre Boten doch nicht wie Landstreicher herumlaufen lassen.

Hatch: Mehr wollte van Dusen nicht wissen, unsere kriminologische Karawane zog weiter aus der engen Häuserschlucht der Wallstreet zurück nach Norden in die 35. Straße zum Haus des Prof.

Butler: Wenn Herr Prof gestatten.

vanDusen: Ja James was gibt es.

Butler: Während ihrer Abwesenheit ist ein telefonischer Anruf für sie eingegangen, vor einer viertel Stunde von Detective Sergeant Caruso.

vanDusen: Was wollte er.

Butler: Ein Rechtsanwalt Robert Mackintosh sei der hiesigen Anwaltskammer vollständig unbekannt, soll ich ihnen ausrichten.

Hatch: Na bitte, hab ich mir doch gleich gedacht.

vanDusen: Danke James, sie können gehen.

Butler: Sehr wohl, Herr Prof.

Hatch: Lassen sie die Tür offen, James, ich komme gleich mit.

Butler: Bitte Mr. Hatch.

vanDusen: Was haben sie vor, mein lieber Hatch.

Hatch: Lunchzeit Prof, ich habe Hunger.

Dick: Ein kriminologischer Assistent hat niemals Hunger, Mr Hatch.

Hatch: Halt dich raus Dick, du kannst von mir aus machen, was du willst, ich geh was essen.

vanDusen: Wenn es denn unbedingt sein muß, doch versäumen sie keinesfalls sich pünktlich um 16 Uhr im Pottergebäude einzustellen, Büro E12.

Hatch: Wozu.

vanDusen: Um Zeuge der Aufklärung des Falls Moody zu werden.

Hatch: Wenn es denn unbedingt sein muß, aber eigentlich weiß ich schon alles.

vanDusen: Sind sie sicher mein lieber Hatch.

Hatch: Van Dusen rief und alle die er rief, kamen ins Pottergebäude, Caruso und Donovan mit ihrem Opfer Moody, Mrs Moody, Chefkassierer Everett, Miss Bigott von der Hausverwaltung, ich natürlich und leider auch Dick Tracy, der unausstehliche, 8 Figuren ohne den Prof, Verdächtige, Beteiligte, Publikum, vor allem Publikum, vor leerem Haus tritt er nicht auf, der große Kriminologe, für seine Kunststücke braucht er den Beifall der Menge.

Dick: Super der Prof.

vanDusen: Bitte mein Herrschaften, ich fahre fort, als ich heute um die Mittagszeit diesen Raum betrat.

Biggot: Büro E12, es steht übrigens zur zeit leer wenn ich das hier mal kurz anbringen darf, günstige Miete, alle modernen Annehmlichkeiten.

vanDusen: Bitte mich nicht zu unterbrechen, Miss Bigott, als ich diesen Raum betrat, erwachte Calvin Moody soeben aus tiefster Betäubung, so hatte es den Anschein, wie ich mich sowohl durch den Augenschein, als auch durch eine mittels meines rechten Zeigefingers vorgenommene Geschmacksprobe überzeugen konnte, enthielt die nur zu einem kleinen Teil geleerte Flasche Champagner, ein Produkt der Firma wirtkingole in der Tat ein Betäubungsmittel, ein Opiumderivat, höchstwahrscheinlich C17H19NO3, das heißt morphin oder auch morphium, nun führt morphium bei benutzung ua zu kontraktierten Pupillen, Moody wies jedoch normal geweitete Pupillen auf, ferner roch er nicht wie zu erwarten nach Champagner, vielmehr nach Kleister, nach Champagner roch hingegen der Ausguß des Waschbeckens, das bedeutet, der in der Flasche fehlende Inhalt eines Glases wurde nicht wie wir annehmen sollten von Moody konsumiert, sondern.

Dick: Weggekippt, Prof ausgeschüttet.

vanDusen: Sehr richtig mein lieber junger Freund.

Moody: Mein Kevin trinkt nicht, das hab ich ihnen doch gesagt.

Moody: Halts Maul Meggy.

vanDusen: Der nächste Punkt war Moodys Auftritt in der Bank am morgen, dabei legte der Prof erstaunlicherweise besonderen Nachdruck auf die tatsache daß Moody seine sonst übliche Redewendung mit gottes hilfe kein einziges mal benutzt hatte.

Hatch: Na und Prof das konnte er auch gar nicht, weil er eben nicht Moody war sondern jemand der nur so tat also ob.

vanDusen: Gerade ein falscher Moody mein lieber Hatch hätte sich mit ganz speziellem Eifer darum bemüht, wie Moody zu wirken, daß er es nicht tat, daß er die weithin bekannte typische Redensart Moody nicht verwendete, läßt nur einen Schluß zu, der Mann der heute morgen als Moody die Bank von New York bestahl wollte daraufhinweisen, nicht auf überdeutliche wohl aber auf subtil unverkennbare Art, er sei nicht der echte Moody, und dies gibt nur dann Sinn wenn es sich bei ihm doch um den echten Moody handelte, um den echten, der so tat als sei er der falsche, als spiele er lediglich die Rolle des echten.

Caruso: Moment, Prof der echte Moody ist falsch und der falsche tut nur so oder wie oder was, jetzt seh ich überhaupt nicht mehr durch.

Hatch: So leid es mir tut, Caruso mir geht es genauso wie ihnen.

vanDusen: Noch einige Minuten Geduld, dann wird auch ihnen ein Licht aufgehen.

Dick: Ich weiß jetzt schon was los ist Prof.

vanDusen: Davon bin ich überzeugt, mein lieber junger Freund, der Mann in der Bank trug einen brauen Anzug.

Everett: Wie immer Prof.

vanDusen: Ganz recht, Mr Everett und als Moody heute mittag in diesem Büro aufgefunden wurde trug er ebenfalls einen brauen Anzug.

Caruso: Er trägt ihn noch, Prof.

Hatch: Denselben.

vanDusen: Glauben sie mein lieber Hatch.

Hatch: Nein, das geht ja nicht, wenn der angebliche Mcintosh Moody den Anzug abgenommen hätte, um ihn selbst anzuziehen und so in der Bank aufzukreuzen dann hätte Moody vorhin nur Unterhosen tragen dürfen.

Bigott: Pfui Mr Hatch.

Hatch: Na ist doch so.

vanDusen: Und was schließen sie daraus, mein lieber Hatch.

Hatch: Der Gangster hat Moody und die Bank natürlich vor seinem coup ausgiebig studiert und dann hat er sich den gleichen Anzug gekauft, bei Russ oder Macys von der Stange.

vanDusen: Obwohl es für ihn sehr viel einfacher gewesen wäre sein betäubtes Opfer zu entkleiden, doch wie dem auch sei, ihre Annahme so plausibel sie ihnen erscheinen mag, trifft nicht zu, der Mann in der Bank trug nicht einen ähnlichen oder den gleichen Anzug, er trug denselben Anzug welchen sie hier an Moody bewundern können.

Moody: Unsinn, woher wollen sie das wissen, ein Anzug sieht aus wie der andre.

vanDusen: Nicht ganz Moody, der Mann in der Bank verlor ohne es zu bemerken, einen Knopf seines Anzugs, hier ist der Knopf, und hier, hier an ihrem rechten Ärmel Moody ist die Stelle an dem er saß, der Rest des Fadens ist deutlich wahrnehmbar, im Falle Moody gibt es also nur einen braunen Anzug, nicht zwei Anzüge und dasselbe gilt cum grano salis für den echten und den falschen Moody, wir haben es nicht mit einem Opfer und einem Täter zu tun, nicht mit Moody und Anwalt Mcintosh, wir haben es nicht mit zwei Personen zu tun, sondern mit einer einzigen, der Verbrecher welcher mittels einer elaborierten Scharade der Bank von New York 300000 Dollar entwendete, heißt Calvin Moody.

Hatch: Auf diesen Paukenschlag folgte in typischer van Dusen Manier die Rekonstruktion des Verbrechens, der Prof begann mit den Vorbereitungen des Täters, wie er von einem Monat ein Büro im Pottergebäude mietete, verkleidet als RA Mckintosh, wie er kurz vor der Tat zwei Briefe schrieb.

vanDusen: Den ersten als Mcintosh an sich selbst, dh. an Calvin Moody, den zweiten anonym an die Bank von NY, letzten gab er bewußt so spät auf, daß er erst heute mit der Mittagspost zugestellt wurde um 11 Uhr 30 wie ihm wohlbekannt war, gestern abend nach Dienstschluß begab Moody sich ins Pottergebäude, wo er die nacht verbrachte, heute morgen suchte er wie immer seine Arbeitsstelle, die Bank von ny auf, dabei gab er sich Mühe, anders als üblich zu erscheinen, allerdings auf so behutsame Weise, daß die Ansicht er sei nicht Moody gewesen, sondern ein Verbrecher in Moodys Maske sich erst später bilden konnte, Mr Everett durfte keinen Verdacht schöpfen, und das tat er auch nicht, er übergab Moody die für die paritätische Lebensversicherungsgesellschaft bestimmte Summe von 300000 Dollar, Moody verschwand mit dem Geld, und tauchte erst Stunden später wieder auf, in diesem Büro, so wie er es geplant und durch den anonymen Brief sichergestellt hatte, nicht zu früh, nicht zu spät, noch betäubt wirkend, um seinen Schwindel psychologisch zu untermauern, ich habe gesprochen, der Fall ist gelöst.

Caruso: Da haben sie mal wieder den Vogel auf den Kopf getroffen Prof ich mein, den Nagel abgeschossen, wenn ich mir das alles in Ruhe überlegen muß, aber ganz gelöst ist der Fall noch nicht, ok es war Moody, nicht dran zu tippen, aber wo sind denn die Mäuse, Prof die 300000 Dollar.

Donovan: Nicht mal die Tasche hat sich eingefunden.

vanDusen: Ebenso wenig wie Moodys Hut, und dies gab mir zu denken, ich stellte Miss Biggot eine gewisse Frage, bitte berichten sie.

Biggot: Ob vor einem Monat als der sog Mr Macintosh dieses Büro mietete, noch ein Büro im Hause vermietet wurde.

vanDusen: Und zwar das ist wichtig, unter ungewöhnlichen nicht alltäglichen Umständen, ihre Antwort Miss Biggot.

Biggot: Büro H7 im 8 Stock, ein Mr John Smith hatte uns einen Brief geschrieben, eine Jahresmiete in Banknoten beigelegt und darum gebeten, ihm die Schlüssel postlagernd zuzuschicken.

vanDusen: Eine absolut anonyme Prozedur, danke Mrs Biggot, folgen sie mir meine Herrschaften zu einer Exkursion in die 8 Etage.

Hatch: Büro H7 war viel kleiner als E12 und es war völlig leer, mit zwei Ausnahmen, auf dem Boden lag eine offene Aktentasche aus braunen Schweinsleder und an einem Haken neben der Tür hingen ein Hut.

vanDusen: Ein schwarzer Bowler.

Everett: Das ist Moodys Hut.

vanDusen: So ist es, Mr Everett, die Tatsache daß Moody ohne seine Kopfbedeckung aufgefunden wurde, legte mir die Idee nahe, er habe sich im Pottergebäude eine zweite Anlaufstation gesichert, im Hause trägt man keinen Hut, Moody vergaß ihn als er von hier ins 5. Stockwerk ins Büro E12 wechselte.

Caruso: Und wozu dieses zweite Büro Prof.

vanDusen: Natürlich um das gestohlene Geld beiseite zu schaffen, es hier im Haus zu verbergen, lag nahe, auf der kurzen Strecke von der Bank von New York zum Pottergebäude besteht keinerlei Möglichkeit, einen entwendeten Betrag von dieser Höhe sicher und langfristig zu verwahren.

Caruso: Wo ist es denn das Geld, hier ich seh nur die leere Tasche.

vanDusen: Sehen können sie die 300000 Dollar auch nicht bester detective, aber sie können sie riechen, wie sie wissen, Geld stinkt nicht, so lautet ein zweifellos auch ihnen bekanntes dictum des römischen Kaisers Vespasian, jedoch.

Caruso: Kleister, ich riech Kleister.

vanDusen: Tapetenkleister, ein unverkennbarer Geruch, welcher wie sie sich erinnern werden auch Moody anhaftete, und wenn sie die Wände dieses Raumes einer intensiveren Inspektion unterziehen.

Hatch: Frisch tapeziert, Prof, scheußliches Muster.

vanDusen: Kein Zweifel, Moody hat die Zeit vor seiner Auffindung dazu benutzt, Büro H7 neu zu tapezieren.

Caruso: Wenn sie das sagen Prof.

vanDusen: Ja wollen sie denn nicht an die Arbeit gehen, Caruso.

Caruso: Arbeit, was für Arbeit.

Dick: Tapeziert mein lieber Caruso eintapeziert, das Geld hinter den Tapeten kapiert.

Caruso: Ach so, Donovan, Tapeten runter aber mit Volldampf.

Hatch: Die Staatsgewalt rupfte begeistert an den Tapeten und brachte das versteckte Geld ans Tageslicht alles 100 Dollarscheine, nicht sehr sauber, ziemlich klebrig aber Chefkassierer Everett nahm sie trotzdem mit Freuden entgegen, Moody legte ein Geständnis ab und bestätigte den Prof in allen Einzelheiten.

Moody: Ich wollte Geld auch mal ausgeben, wissen sie, nicht immer nur schleppen für andere, aber wenn ich einfach mit der Tasche verschwinde, dann hat mich die Polizei ganz schnell am Kanthaken, mit Gottes Hilfe, das war mir klar, darum hab ich mir diesen komplizierten Plan ausgedacht, ich hatte vor zu warten, Monate, Jahre wenn es sein mußte, so wie ich die Sache eingefädelt hatte, fühlte ich mich ganz sicher, da kommt keiner drauf, hab ich gedacht.

Dick: Ja ja der Mensch denkt, van Dusen lenkt, und so dumm war ihr Plan gar nicht, Mister Moody, Mr. Hatch ist jedenfalls voll draufreingefallen.

Hatch: Paß mal auf du Rübe.

Caruso: Ich nicht, ich wußte von Anfang an, daß Moody das Geld geklaut hatte.

Dick: Da können Sie mal sehen Mr Hatch, sogar Detective Caruso ist schlauer als sie.

Musiker: And we could still do it again…

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Chefkassierer Everett: Christian Brückner
Dick Tracy, ein Zeitungsjunge: Mark Hinrichsen
Calvin Moody, ein Bankbote: Gunter Schoß
Margaret Moody, seine Frau: Jutta Wachowiak
Miss Biggot, Hausverwalterin: Monica Bielenstein
Wachmeister Donovan: Klaus Jepsen
James, van Dusens Diener: Helmut Ahner

Michael Koser: Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992)

Hatch: Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche, und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus.

Hatch: Wie spät ist es Oskar?

Ober: Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch.

Hatch: Um elf wollte sie hier sein Oscar.

Ober: Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nicht eben selten zu verspäten.

Hatch: Mit mir nicht Oscar, der Champagner wird warm, das Essen kalt, mir reichts Oskar ich gehe.

Ober: Aber Mr Hatch was wird aus ihrem erlesenen Mitternachtssoupe zu zweit.

Hatch: Essen sies Oskar oder werfen sies weg, machen sie was sie wollen.

Ober: Schade drum, Mr Hatch, wirklich schade drum.

Hatch: Schade um das soupe und schade um die Dame, Miss Dolli Polaksi, Künstlername Evelin Latorre, sie kennen sie, wenn sie den Fall verfolgt haben, der den Titel trägt Prof van Dusen spielt Weihnachtsmann, Tänzerin im Vaudeville und Revuetheater Vanity Fair, nicht weit vom Timessquare, die dritte von rechts, die mit den besonders langen Beinen, nach dem Fall waren wir uns menschlich näher gekommen, ziemlich nahe und jetzt ließ sie mich sitzen, um 11 hatte sie kommen wollen, gleich nach der Vorstellung, ich war stinksauer und trabte das kurze Stück runter zum Vanity fair, bis es plötzlich nicht weiterging, vor dem Bühneneingang stand eine Barriere in blauer Uniform mit Kupferknöpfen.

Hatch: Wachtmeister Malone.

Malone: Eintritt verboten, gehen sie weiter.

Hatch: Aber Wachtmeister sie kennen mich doch, Hutchinson Hatch, rasender Reporter vom Daily New Yorker, ich bin die Presse, lassen sie mich durch.

Malone: Keiner darf rein Mr Hatch, auch nicht die Presse, und sie schon gar nicht Mr Hatch hat er gesagt.

Hatch: Wer hat das gesagt.

Malone: Detective Sergeant Caruso, aber das soll ich ihnen ja gar nicht sagen.

Hatch: Und was da drin passiert ist, sollen sie mir sicher auch nicht sagen.

Malone: Auf keinen Fall, Mr Hatch, das sagt er der Presse höchstpersönlich der Chef morgen im Präsidium.

Hatch: Was sagt er Malone.

Malone: Der Chef, na daß dieser Zauberkünstler erschossen worden ist auf der Bühne mitten in der Vorstellung von so einer Tänzerin.

Hatch: Tänzerin, aus dem Weg Malone.

Malone: Nicht doch Mr Hatch, halt bleiben sie stehn, kommen sie doch zurück.

Hatch: Ich dachte nicht daran, ich rannte durch Gänge, vorbei an Garderoben und Kulissen, bis auf die Bühne, hier blieb ich stehn, hier war ich richtig.

Pulaski: Hallo Hatchy.

Hatch: Sagt mal Dolly was denkst du dir eigentlich.

Caruso: Sie Mr Hatch das darf doch wohl nicht wahr sein.

Hatch: Kaum traut er seinen Augen unser goldiger Plattfuß, jawohl Caruso ich bins der Traum ihrer schlaflosen Nächte.

Malone: Detective Sergeant, ich kann nichts dafür Detective Sergeant, weggeschubst hat er mich, einfach weggeschubst.

Caruso: Sie sind unfähig, Malone, ein Idiot, ein kompletter Versager.

Hatch: Ihre Schule, Caruso.

Caruso: Halten sie sich zurück Mr Hatch und sie Wachtmeister Malone sie gehen wieder auf ihren Posten.

Malone: Zu Befehl.

Hatch: 5 Personen blieben auf der hellerleuchteten Bühne, meine Wenigkeit, mein alter Kontrahent Detective Sergeant Caruso, meine neue Freundin Dolly Pulsaki übrigens noch in ihrer geschmackvollen und stoffarmen Berufskleidung, ein ältlicher Typ mit grauem Bart und schwarzer Tasche, ein Arzt offenbar und der Patient, um den er sich bemühte, der sah allerdings aus als ob er keinen Doktor mehr brauchte, er lag auf dem Rücken, steif still totenblass, in Frack und schwarzer Pelerine, nur ein häßlicher roter Fleck auf der blütenweißen Hemdbrust störte das schwarzweiße Stilleben.

Pulaski: Er ist tot, Hatchy, deshalb bin ich hier nicht weggekommen, weil dein Freund Caruso mich verhaftet hat.

Caruso: Hören Sie Miss, Mister Hatch ist alles mögliche, ein Stänkerer, ein Schreiberling, ein falscher Fuchziger, weil man ihn nie los wird, aber eins ist er ganz bestimmt nicht, mein Freund.

Hatch: Daccord Caruso und sie sind eins ganz bestimmt, ein Volltrottel, wie kommen sie dazu Dolly zu verhaften.

Caruso: Miss Pulaski steht unter Mordverdacht, Mr Hatch, sie hat Dr. Faustus erschossen.

Pulaski: Hab ich nicht.

Caruso: Haben sie doch, habs doch gesehen und alle anderen Besucher auch, sie haben die Pistole abgedrückt.

Pulaski: Ja schon aber ich konnte doch nicht ahnen.

Padmore: Bitte meine Herrschaften, ein wenig Pietät im Angesichts des Todes.

Caruso: Schon gut Dr Padmore aber Hatch regt mich immer so auf.

Hatch: Von mir aus können sie sich wieder abregen, Caruso, ich bin bereit das Kriegsbeil zu begraben, vorläufig.

Caruso: Soll mir recht sein Mr Hatch.

Hatch: Aber nur wenn sie mich nicht vor die Tür setzen und wenn ich endlich erfahre was hier los ist.

Caruso: OK Mr Hatch, wo sie schon mal hier sind, in Befolgung des an meine Person ergangenen dienstlichen Auftrages begab ich mich in den Abendstunden des heutigen Tages in das an der 43. Straße gelegene Vaudville Theater Vanity Fair.

Pulaski: Das ist ja nicht zum anhören, klappen sie ihr dienstliches Berichtsorgan zu, lassen sie mich erzählen also paß auf Hatchy halb 10 vorletzte Nummer im Programm, unser Hexenballett wo wir auf Besenstielen über den Blocksberg reiten, weißt du, Riesenbeifall wie immer, Licht aus, Tusch, Licht wieder an und er steht auf der Bühne.

Hatch: Wer.

Pulaski: Na er hier Dr Faustus.

Padmore: Der verewigte.

Caruso: Richtiger Name Wiliam Bliss, Beruf Zauberkünstler.

Pulaski: Er steht also da picobello vom Zylinder bis zu den Lackschuhen und fängt an.

Bliss: Was ich ihnen in den kommenden Minuten präsentieren werde, das haben sie in ihrem Leben noch niemals gesehen, vor ihren Augen wird eine Pistole auf mich abgefeuert werden, eine Pistole welche ebenfalls vor ihren Augen mit einer todbringenden Kugel geladen werden wird, doch diese Kugel wird nicht mein Herz durchbohren, ich werde sie ohne Schaden zu nehmen in meiner rechten Hand auffangen, wie ist dies möglich, so werden sie fragen, kein ausgeklügeltes Kunststück kein billiger Trick, sondern wirklich und wahrhaftig schwarze Magie, nichts kann mir zustoßen, ich stehe unter mächtigen Schutz, denn vor zeiten hab ich einen Pakt geschlossen mit dem Herrn und Meister aller schwarzen Magier der da genannt wird Mephistofeles oder auch Luzifer, Belzebub, Satanas, der Fürst der Finsternis, ich bitte um Ruhe und um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, der Behälter welchen sie auf diesem Tisch erblicken, enthält Pistolen und Patronen, befindet sich im Saal ein Experte für Schußwaffen, ein Offizier vielleicht oder Weidmann.

Caruso: Ja hier ich.

Bliss: Sehr gut kommen sie auf die Bühne Mister.

Caruso: Caruso ist mein Name.

Bliss: Treten sie näher, Senior Caruso, prüfen sie Waffe und Ladung.

Hatch: Na so was, sie waren also schon hier, Caruso, bevor was passiert war, im Publikum, während der Vorstellung, wie das, wollten sie sich einen fröhlichen abend machen.

Caruso: Wo denken sie hin, Mr Hatch, ich befand mich an diesem Ort in Befolgung eines dienstlichen Auftrags.

Hatch: Richtig, und wie lautete ihr Auftrag Caruso.

Caruso: William Bliss alias Dr Faustus zu beschatten und nicht aus den Augen zu lassen.

Hatch: Wieso, hat er was ausgefressen.

Caruso: Das kann man wohl sagen Mr Hatch.

Hatch: Ein Bankräuber war unser schwarzer Magier, erzählte Caruso, einer von der ganz gerissenen Sorte, seit 2 Jahren trat er überall in den USA auf, von New Orleans bis Seattle, von San Francisco bis Baltimore, als Dr Faustus, Zauberer und Entfesslungskünstler, und immer dann wenn er in einer Stadt ein Gastspiel gab, wurden in eben dieser Stadt die Tresore der großen Banken ausgeräumt, lautlos, spurlos in nächtlicher Dunkelheit.

Caruso: Der Täter geht durch jede Stahltür, löst nie Alarm aus, jedes Schloß kann er knacken und wieder schließen, ein Zauberer, ein Entfesslungskünstler, einer wie Houdini, und da haben wir 2 und 2 zusammengezählt.

Hatch: Sie Caruso, kann ich mir nicht vorstellen.

Caruso: Kripochef Delamier persönlich hat den Fall an sich gezogen, seit Bliss vor einer Woche nach NewYork kam wird er rund um die Uhr überwacht, tags ist Kollege Murphy dran und nachts.

Hatch: Rigoletto Caruso, Schrecken der Unterwelt und Spezialist für magische Fälle, siehe lady liberty vor gut 2 Wochen, verstehe, und wie gings weiter, sie haben Waffen und Ladung inspiziert.

Bliss: Nun Senior Caruso.

Caruso: Alles einwandfrei, 2 einschüssige Scheibenpistolen Typ luna büchel Kaliber 6mm und 2 passende Patronen Rammington 22 short.

Bliss: Platzpatronen Senior Caruso.

Caruso: Ganz bestimmt nicht, scharfe Ladung, solides Blei.

Bliss: Vielen Dank, treten sie bitte zur Seite, vielleicht ist eine der reizenden Hexen, Verzeihung Damen des Ballets so freundlich eine Pistole auszuwählen und sie mit einer der Patronen zu laden, wie wäre es mit ihnen schöne Frau.

Pulaski: Gott warum nicht, mit Pistolen kann ich umgehen, im Centralpark hinter dem Museum, weißt du noch Hatchy, ich hab also eine Pistole ausgesucht und geladen.

Hatch: Die Patronen Dolly, hast du sie selbst aus dem Kasten genommen.

Pulaski: Nein ich mußte darauf zeigen und Dr Faustus hat sie mir dann in die Hand gegeben.

Hatch: Und dabei hat er sie blitzschnell ausgetauscht, ganz alter Trick gegen eine Patrone mit einer Kugel aus Wismut und Quecksilber die löst sich gleich nach dem Abschuß in Luft auf.

Caruso: Was sie alles wissen Mr Hatch.

Pulaski: Blas dich nicht so auf Hatchy das hat dir doch bestimmt Prof van Dusen gesagt.

Hatch: Na und.

Pulaski: Also ich stand hier mit geladener Pistole, und Dr Faustus ging rüber auf die andere Seite, schlug die Pelerine auseinander, stellte sich in Positur.

Bliss: Und nun Schönste aller Frauen zielen sie, hierher auf mein Herz, sehr gut, sie haben nicht nur eine entzückende, sie haben auch eine feste Hand, drücken sie ab, nur keine Hemmungen.

Pulaski: Wenn sie unbedingt wollen.

Bliss: Ich bitte darum meine schönste, Feuer, ah.

Pulaski: Tja Hatchy so war das, Dr Faustus griff sich an die Brust, fiel um, zuckte nochmal und war dann ganz still, ich dachte vielleicht ist das ein geplanter Gag und wartete, aber als nichts passierte ging ich rüber, Faustus hatte Blut auf der Brust, er atmete nicht, sein Puls stand still, das konnte kein Gag sein, das Publikum wurde immer unruhiger.

Caruso: Ruhe, kein Grund zur Aufregung, alles ist unter Kontrolle, ich bin Polizeibeamter detective seargent, was jetzt.

Pulaski: Arzt.

Caruso: Was.

Pulaski: Arzt, wir brauchen einen Arzt.

Caruso: Richtig, ist ein Arzt im Saal.

Padmore: Hier, ich bin Mediziner.

Caruso: Wunderbar kommen sie rauf Dr.

Padmore: Padmore, Dr. Thomas P Padmore, Pathologe am Bellevue Hospital.

Caruso: Das heißt, sie sind städtischer Angestellter und als solcher befugt die Funktion eines Polizeiarztes auszuüben.

Padmore: So ist es Detective Sergeant.

Caruso: Das trifft sich gut, untersuchen sie den Zauberkünstler, sie meine Herrschaften verhalten sie weiterhin ruhig, und sie Miss, sie sind vorläufig festgenommen.

Pulaski: Ich, warum.

Caruso: Sie haben die Pistole geladen Miss und abgefeuert.

Padmore: Der Mann ist tot Detective Sergeant.

Caruso: Aha, Todesursache Doktor.

Padmore: Ein Schuß auf der linken Brustseite direkt über dem Herzen, genaueres kann ich ihnen natürlich erst nach der Obduktion sagen.

Caruso: Wann wird das sein, Doktor.

Padmore: Morgen, lassen sie den Toten ins städtische Leichenschauhaus schaffen.

Pulaski: Das war so kurz nach 10, seitdem warten wir.

Hatch: Worauf.

Caruso: Auf den städtischen Leichenwagen, das Publikum hab ich natürlich nach hause geschickt, und ich hab mir vom nächsten Revier ein paar Leute kommen lassen zum absperren und so.

Padmore: Wenn sie mich nicht mehr benötigen, werde ich mich empfehlen, es ist spät.

Caruso: Kann man wohl sagen, 5 vor 1, ok Doc.

Padmore: Dann bis morgen früh im Obduktionsraum im Leichenschauhaus.

Hatch: Komm Dolly wir gehen auch.

Caruso: Sie können gern verschwinden, Mr Hatch, meinen Segen haben sie, aber Mrs Pulsaki bleibt im Gewahrsam.

Pulaski: Nein.

Hatch: Gut bleib ich auch, Hutchinson Hatch ist Kavalier.

Pulaski: Krieg dich wieder ein Hatchy.

Hatch: Reporter ist er auch, aus der Geschichte läßt sich was machen, tragischer Tod eines Zauberkünstlers, tödlicher Trick im Theater, Caruso blamiert sich.

Hatch: Zwischen halb zwei und zwei Uhr nachts zottelte eine seltsame Karawane durch Manhattan vom Time Square zum Eastriver, vorneweg gezogen von zwei klapprigen Gäulen der städt. Leichenwagen, Inhalt ein toter Zauberer, ein lebendiger Wachtmeister Malone, zwei dito Kollegen und natürlich der städt. Leichenkutscher, hintendran mein Winton Sport, den ich vor Delmonicos Restaurant geparkt hatte, chauffiert vom Besitzer, Dolly saß neben mir, einen Waschbärmantel über ihrem Hexenkostüm, bewacht von Detective Sergeant Caruso auf dem Klappsitz. Das Leichenschauhaus der Stadt New York ist ein einstöckiger Ziegelbau auf dem Gelände des Bellevue Hospital, zwischen Eastriver und 1.Avenue, alles war ruhig als wir ankamen, ein verschlafener Angestellter machte uns auf und führte uns über eine kurze Treppe nach unten zum Kühlraum im Keller, da wurde der selige Mr Bliss ausgezogen und mit einem Zettel am Zeh in eine Schublade gelegt, Tür zu, Treppe wieder rauf, Kleider im Schrank einschlossen, so das wäre erledigt.

Caruso: Dr. Padmore ist ihnen bekannt.

Angestellter: Klar kenn ich Dr Padmore, hat oft bei uns zu tun, holt sich immer mal wieder ein Arm, ein Bein oder was er sonst so braucht in der Pathologie.

Caruso: Um so besser, morgen früh um 8 ist er hier um den Toten zu obduzieren, also dann kommen sie Miss Pulaski.

Pulaski: Nein.

Caruso: Nein.

Pulaski: Nein ich will nicht, ich bin müde, ich will ins Bett, in mein Bett, nicht in eine Zelle in der Mulberry Street, ich geh nicht mit, freiwillig nicht, da müssen sie mich schon mitschleifen.

Hatch: Bravo Dolly, unglaublicher Fall von Polizeibrutalität macht sich gut morgen im Daily New Yorker, holen sie schon die Handschellen raus, Caruso lassen sie ihre Knechte knüppeln, nur zu Caruso.

Pulaski: Sag mal Hatch bist du noch ganz dicht.

Hatch: Keine Angst Dolly, die Presse steht hinter dir.

Pulaski: Vor mir wäre mir lieber.

Bliss: Ah.

Hatch: Was war das.

Angestellter: Das das kam aus dem Kühlraum, aber da ist keiner.

Caruso: Jedenfalls keiner der noch schreien kann.

Pulaski: Sehen wir doch mal nach.

Hatch: Also wieder die Treppe runter, vorsichtig hintereinander wie weiland die sieben Schwaben, nur daß wir 5 waren, Dolly, ich, der Leichenwart, Wachtmeister Malone und Caruso der nach hinten absichert, Dolly griff nach der Klinke, drückte sie runter, rüttelte, die Tür zum Kühlraum ging nicht auf.

Pulaski: Abgeschlossen.

Angestellter: Was, aber das kann nicht angehen, zu dieser Tür gibts nur einen Schlüssel hier in meiner Tasche und eben als wir unten waren hab ich nicht abgeschlossen, bestimmt nicht.

Caruso: Halten Sie keine Volksreden, Mann schließen sie auf.

Angestellter: Ich versteh das nicht.

Hatch: Ach du dicker Vater, Blut.

Pulaski: Wäh und wie das stinkt.

Hatch: Schwefel und noch was anderes.

Malone: Detective Sergeant sehen sie mal, die Schublade wo wir den Toten reingelegt haben die steht offen.

Caruso: Leer, die Schublade ist leer.

Hatch: Und die Leiche ist weg.

Angestellter: Ich versteh das nicht, so was hatten wir noch nie.

Hatch: Die Leiche lag nicht in ihrer Lade und auch in keiner anderen, der Raum war kahl, es gab kein Versteck, der tote Dr Faustus alias William Bliss war und blieb verschwunden, allerdings nicht spurlos, auf dem Fußboden sahen wir ein paar sehr merkwürdige Dinge, die 10min früher ganz sicher noch nicht dagewesen waren, ein kleines Messingbecken irgendwie orientalisch, in dem was schwefeliges vor sich hinkokelte, ferner ein dunkelgrünes Kraut, das zum Himmel stank, eine Blutlache und eine mit Blut gezeichnete Figur, ein Fünfeck, zwei Spitzen nach oben, von der Lache führten blutige Spuren zur Tür, rechts ein Fuß, ein nackter menschlicher Fuß und links daneben eine Art gespaltener Halbkreis der aussah wie ein Huf.

Pulaski: Ein Pferdefuß.

Caruso: Porca madonna, ildiavolo.

Hatch: Der Teufel, malen sie den bloß nicht an die Wand Caruso.

Schwester: Hilfe der Teufel, hilfe.

Angestellter: Hören sie da draußen.

Hatch: 5 Minuten später brachte uns einer von Carusos Mannen eine verstörte Krankenschwester, nichts böses ahnend war sie zum Frühdienst ins Hospital geeilt, und dabei war ihr in einem Gebüsch zwischen Bellevuehospital und Leichenschauhaus der leibhaftige Teufel begegnet.

Schwester: Der Mond schien hell, und ich hab ihn gesehen, ganz deutlich, es war furchtbar.

Caruso: Wie sah er aus.

Schwester: Gräßlich, ganz schwarz, Hörner hat er gehabt und Blut im Gesicht.

Malone: Der leibhaftige, alle Geister loben gott den herrn.

Caruso: Amen, ich sag ihnen was Malone, das ist kein Fall für die Polizei, wir brauchen einen Priester, einen Exorzisten, einen Teufelsaustreiber.

Hatch: Da bin ich ausnahmsweise ganz ihrer Ansicht Caruso, wir brauchen einen Teufelsaustreiber und ich weiß auch schon wen, gibts hier ein Telefon.

Angestellter: Oh ja Sir drüben am Schreibtisch.

Hatch: Sie wissen natürlich, wen ich anrufen wollte, endlich werden sie sagen, es ist ja schon fast Halbzeit, Magie, Teufelspuk alles gut und schön aber auf die Dauer kein Ersatz für die mentale Brillanz einer Denkmaschine, doch jetzt ist es soweit, jetzt tritt er auf, wenn auch vorerst nur am Telefon, Prof DrDrDr Augustus van Dusen, der größte Wissenschaftler und Amateurkriminologe aller Länder Völker und Zeiten.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Sie.

Hatch: Ja.

vanDusen: Um diese Zeit, sie wissen wie spät es ist.

Hatch: Na klar Prof genau 2 Uhr 49 mitten in der Nacht, sie schlafen doch nicht etwa.

vanDusen: Wo denken sie hin, ich befinde mich inmitten eines überaus wichtigen wenn nicht gar epochalen chemischen Experiments, welches weder Störung noch Aufschub duldet, verschonen sie mich also mit ihren telefonischen Quisquelien, leben sie wohl.

Hatch: Augenblick Prof, Augenblick ein Fall, ich habe einen Fall für sie, einen hochinteressanten wenn nicht gar epochalen kriminologischen Fall.

vanDusen: Und wenn sie mir Jack the Ripper höchstpersönlich offerieren.

Hatch: Jack the Ripper, viel besser, ich offeriere ihnen den Teufel, dazu schwarze Magie und einen hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, ferner biete ich einen zaubernden Bankräuber, der unter höchst mysteriösen Umständen zu tode gekommen und danach von Teufel geholt worden ist, sind sie noch da Prof.

vanDusen: Ja ja, in der Tat, mein lieber Hatch, beinahe könnte ich mich versucht fühlen, ihrem Lockruf zu folgen und der von ihnen so verführerisch dargebotenen Angelegenheit auf den Grund zu gehen.

Hatch: Bitte, hab ich mir doch gedacht, daß sie da nicht widerstehen können Prof, sie kommen also in städt. Leichenschauhaus, stehenden Fußes.

vanDusen: Sobald ich mein Experiment abgeschlossen habe, in genau 3 Stunden 10 Minuten.

Hatch: Und was soll ich Ihnen sagen, Schlag 6 Uhr morgens war er da der große Mann, er ließ sich von uns kurz schildern, was vorgefallen war und machte sich dann gleich daran, das geheimnisvolle Arrangement im Kühlraum in analytischen Augenschein zu nehmen, so wie er das immer macht mit hm aha so und scheinbar geistesabwesendem hin und her spazieren.

vanDusen: Soso, aha ein Pentagramm.

Hatch: Das komische Fünfeck meinen sie.

vanDusen: Ganz recht, es handelt sich jedoch nicht um das in der sog weißen Magie häufig angewendete Pentagramm, sondern um dessen satanische Umkehrung, die beiden nach oben zeigenden Spitzen stehen für die Hörner, welche landläufiger Meinung zufolge Luzifers Haupt zieren.

Hatch: Also tatsächlich der Teufel.

vanDusen: So scheint es, auch die auf die Geruchsnerven wirkenden Materialien weisen eindeutig auf den Herrn der Finsternis hin, Schwefel, Hyoscyamus Niger, schwarzes Bilsenkraut, auch bekannt als Teufelswurz, sein Geruch.

Hatch: Stinkt wie Durchfall im Raubtierhaus.

vanDusen: Sein Geruch gehört zu den in der esoterischen Literatur gemeinhin mit dem Teufel verbundenen Düften, wie auch unter anderem Opium, Alraune, Moschus und Myrrhe, beim letzteren handelt es sich im Gegensatz zu Schwefel und Bilsenkraut um recht rare und entsprechend kostspielige Ingredienzen.

Hatch: Ein sparsamer Teufel.

vanDusen: So könnte man sagen, was nun die blutigen Fußabdrücke betrifft sehe ich keinerlei Mysterien, ein Fuß ist stets zur Hand wenn sie mir das Wortspiel gestatten.

Hatch: Bitte bitte, aber der Huf, Prof.

vanDusen: Läßt sich auf höchst simple weise bewerkstelligen, etwa mittels eines zugeschnittenen Kartons oder auch durch eine geschickt eingesetzte Faust, lassen wir dies vorerst dahingestellt, versprachen sie mir nicht einen hermetisch verschlossenen Raum.

Hatch: Was haben sie daran auszusetzen, kein Fenster, und die Tür nach außen hatten wir ständig im Auge, oben an der Treppe.

vanDusen: Gewiß und diese zweite Tür.

Hatch: Führt in den Obduktionsraum, ja machen sie sich keine Hoffnungen, nur 1 Zugang nämlich diese Tür und auch kein Fenster und vor allem keine Leiche, wir haben nachgeguckt.

vanDusen: Haben sie, verschlossen, wo ist der Schlüssel.

Hatch: Den hat der Leichenwart.

vanDusen: Rufen sie ihn, lassen sie die Tür öffnen.

Hatch: Wie euer Lordschaft befehlen. Ich weiß nicht was van Dusen erwartet hatte, der Obduktionsraum sah aus wie Obduktionsräume eben aussehen, steril, weiß gekachelt, ein großer Tisch in der Mitte, an den Wänden Waschbecken, Kühlbox und ein paar Schränke für Chemikalien, Messer, Sägen usw, wie gesagt kein Fenster.

vanDusen: Wohl aber Wasserleitungen.

Caruso: Soll das ein Witz sein, da paßt doch keine Leiche durch.

vanDusen: Nicht zu vergessen den in die Decke eingelassenen Ventilationsschacht, Durchmesser ca.

Angestellter: 39 cm genau, nach zwei meter knickt der Schacht ab fast rechtwinklig und führt in flacher Steigung an die Oberfläche und da ist er abgedeckt durch ein fest verschraubtes Gitter.

Caruso: Auch da geht keine Leiche durch, höchstens eine ganz kleine, Bliß war zwar nicht der größte, aber ein Zwerg war er auch nicht.

Hatch: Zwerg, Zwerg, ich habe eine Idee.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen.

Hatch: Ein Zwerg, er schraubt oben das Gitter ab, kriecht durch den Schacht, knackt das Schloß zum Kühlraum nebenan, holt den toten Bliss aus der Schublade, zerlegt ihn in kleine Stücke, und bringt ihn so nacheinander raus, das wäre doch möglich.

vanDusen: Glauben sie, in max 10 Minuten ohne Hinterlassung einschlägiger Spuren, ganz zu schweigen vom fehlenden Motiv, von den plötzlich im Kühlraum präsenten satanischen Parafernalien, ihre journalistische Fantasie in ehren.

Hatch: Es muß eine Lösung geben.

vanDusen: Natürlich gibt es eine.

Caruso: Natürlich, sagen sie lieber unnatürlich, Logik, Analyse, dingsbums, das nutzt ihnen bei dem Fall überhaupt nichts, der Teufel hat ihn geholt, diesen Bliss, er hat ja selbst zugegeben, daß er einen Pakt mit Luzifer geschlossen hat und wie so was ausgeht das weiß man doch.

Hatch: Der Prof schnaubte nur verächtlich und begab sich in höhere Regionen, um ein bißchen nachzudenken. Es war ganz gemütlich im Büro des Leichenschau- hauses, Dolly döste im Schreibtischsessel, der Leichenwart kochte uns Kaffee, Ruhe und Frieden rings umher bis kurz nach 7.

Malone: Detective sergeant.

Caruso: Was gibt es Wachtmeister Malone.

Malone: Melde gehorsamt, habe soeben eine Leiche entdeckt.

vanDusen: Wo Wachtmeister.

Malone: Draußen im Gebüsch, gar nicht weit, nur ein paar Meter, ich wollte ein bißchen an die frische luft, und da trete ich auf einmal auf etwas weiches, ich leuchte mit meiner Laterne und denke, na so was eine Leiche, ein Mann, nackt sieht schlimm aus, und wie ich so gucke und denke da fällt mir ein daß sie eine Leiche vermissen.

vanDusen: Führen sie uns zum Fundort Wachtmeister.

Hatch: Es war wirklich William Bliss alias Dr Faustus, um das festzustellen, mußte man allerdings genau hingucken, überall blutige Wunden, Kratzer, Beulen, irgend jemand, irgendetwas hatte den Toten auf unerklärliche Weise aus dem Kühlraum entführt, schrecklich zugerichtet und im Gebüsch deponiert, wer oder was der Teufel, auf der Brust über der Schußwunde war jedenfalls ein satanisches Pentagramm eingeschnitten und als Malone und Kollegen die Leiche hochhoben um sie wieder ins Schauhaus zu bringen tauchte im Schein der polizeilichen Blendlaterne was weißes auf.

Caruso: Was ist das.

Hatch: Stück Papier wie es aussieht.

vanDusen: Schriftstück, sieh da, sehr interessant, lesen sie vor Hatch.

Hatch: Bitte sehr, bitte gleich, oben drüber steht Vertrag, und darunter hiermit bestätige ich daß ich Satan den erhabenen und allmächtigen als mein Herrn und Meister anerkenne, ich werde ihm dienen und gehorchen und ihm zu gefallen sämtliche Gebote gottes wie auch staatliche Gesetze und die Prinzipien der Moral mit Füßen treten, als Gegenleistung sagt Satan mir Reichtum Lust und Wohlergehen für einen Zeitraum von 10 in Worten 10 Jahren fest zu, nach Ablauf dieser Frist gehen meine Seele und mein Leib in das alleinige Eigentum Satans über, 6. Januar 1891 gez William Bliss, das ganze in Handschrift, rote Tinte.

Caruso: Rote Tinte, das ist ein Teufelspakt, und einen Teufelspakt schreibt man mit Blut Mr Hatch.

vanDusen: Datiert auf den 6. Januar 1891, vor 10 Jahren und einem Tag.

Caruso: Und gestern Abend hat ihn der Teufel geholt, mit Leib und Seele wies da steht, heiliger Genaro von Neapel steh mir bei.

Hatch: Caruso schlug ein kreuz nach dem anderen, und auch ich war innerlich leicht daneben, ein bißchen viel Teufelei, wenn sie mich fragen. Zurück ins Leichenschauhaus, Dolly hatte inzwischen gesellschaft bekommen, Doctor Padmore.

Padmore: 8 Uhr, meine Herrschaften, die Obduktion kann beginnen, das heißt sofern es etwas zu obduzieren gibt, wie mir Miss Pulaski berichtet ist die fragliche Leiche aus dem Kühlraum verschwunden und hat sich später an anderer stelle wieder eingefunden unter ungewöhnlichen, unheimlichen ja unnatürlichen Umständen, was ist geschehen.

Hatch: Dr. Padmore wurde informiert und war hocherfreut, richtig begeistert, sein würdevoller Bart wippte vor Wonne.

Padmore: Wunderbar, ein authentischer unanfechtbar verifizierter Fall einer genuin satanischen Manifestation, ich werde sogleich einen Bericht für die okkulte Rundschau verfassen.

vanDusen: Ah sie sind der Dr Padmore, der Okkultist, Spiritist.

Padmore: Und esoterische Hermetiker, Autor von das Geheimwissen der orientalische Fakire, Vampirismus in Transsylvanien, okkulte Praktiken unter den Naturvölkern etc etc, und mit wem habe ich die Ehre.

vanDusen: Van Dusen.

Hatch: Prof Dr.Dr.Dr. etc etc.

Padmore: Prof van Dusen der bekannte Naturwissenschaftler, der militante Skeptiker und Agnostiker.

vanDusen: Wenn sie meine Person so zu definieren wünschen Dr Padmore.

Padmore: Was sagen sie jetzt, sie ungläubiger Thomas, es dürfte ihnen schwerfallen, für die Phänomene dieser Nacht eine sog. natürliche Erklärung zu finden, eine derart intensive Demonstration jenseitiger Mächte muß selbst den großen Prof van Dusen zum verstummen bringen.

vanDusen: Keineswegs Dr Padmore, was sie für eine satanische Manifestation halten, bringt mich zum forschen, zum untersuchen, kommen sie.

Padmore: Wohin.

vanDusen: In den Obduktionsraum, deshalb sind sie doch hier, wir werden die Obduktion des toten William Bliss gemeinsam durchführen.

Hatch: So geschah es, wieder senkte sich Stille über das Leichenschauhaus, gelegentlich drangen makabere Geräusche gedämpft aus den unteren Regionen, nach einer knappen Stunde erschien der Prof an der Treppe, zwischen Daumen und Zeigefinger seiner blutigen rechten Hand hielt er ein kleines ovales Objekt.

vanDusen: Ein Bleigeschoß und wenn ich nicht irre.

Hatch: Sie doch nicht Prof.

vanDusen: Die Spitze einer Remington Patrone, Kaliber 22 short.

Pulaski: Ja so eine Patrone hab ich in die Pistole getan vorhin im Theater.

vanDusen: Apropos wo befindet sich die von Miss Pulaski geladene und abgefeuerte Waffe.

Caruso: Hier Prof die Tatwaffe, Beweisstück a polizeilich eingezogen und sichergestellt.

vanDusen: So und wo befindet sich die zweite.

Caruso: Die was.

vanDusen: Miss Pulaski hatte die Wahl zwischen zwei typgleichen Scheibenpistolen, ich frage sie Caruso, wo befindet sich die zweite Pistole.

Caruso: Was weiß ich, im Theater wahrscheinlich.

vanDusen: Schicken sie einen ihrer Männer ins Vanity fair lassen sie das feststellen.

Hatch: Caruso grummelte, aber nur leise und scheuchte Wachtmeister Malone los, Prof van Dusen hatte aber noch was auf dem Herzen.

vanDusen: Ein höchst kurioser pathologischer Tatbestand.

Hatch: Glaub ich ihnen aufs Wort, so wie der arme Kerl zugerichtet ist.

vanDusen: Davon rede ich nicht, die ins Auge fallenden Verletzungen der Leiche sind lediglich oberflächlicher Natur, Nebensache, drum und dran wie sie sich ausdrücken würden, ich meine etwas anderes, nach ihren Angaben wurde Bliss gestern abend gegen 9 Uhr 45 erschossen das heißt vor mehr als 11 Stunden, nun beginnt die leichenstarre rigor mortis wie wir Fachleute sagen bekanntlich 5 Stunden nach eintritt des Todes, und weitere 7 Stunden später ihre volle Wirkung zu entfalten, das bedeutet.

Hatch: Bliss müßte jetzt praktisch durch und durch steif sein vom Kopf bis zu den Füßen.

vanDusen: Richtig, er müßte, rigor mortis hat jedoch erst Augenlider und Kiefer erfaßt, ein wichtiger, ein entscheidender Hinweis.

Hatch: Soll sein Prof.

vanDusen: Ein weiteren, den letzten bedeutungsvollen Hinweis muß und wird uns das professionelle Vorleben des Toten liefern, vor 2 Jahren so hat Caruso mich informiert, ist Bliss in Amerika aufgetaucht und aufgetreten als Illusionist, Entfesslungskünstler und als Bankräuber, was hat er vorher getrieben, Miss Pulaski wissen sie ob Bliss alias Dr Faustus sich eines Agenten bediente.

Pulaski: Nein Prof, dh. ja ich meine ja ich weiß.

vanDusen: Ja aber.

Pulaski: Nein, er hatte kein Agenten, Auftrittsverhandlungen hat er immer selbst geführt, aber warten sie mal, Prof mir fällt was ein, wer besser gesagt, Prinzessin Pastrami.

vanDusen: Erklären sie sich näher Miss Pulaski.

Pulaski: Prinzessin Pastrami ist eine alte Artistin, uralt 90 Jahre oder mehr, sie ist im Zirkus geboren, hat im Zirkus gelebt und weiß alles über jeden Artisten.

vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo pflegen Hoheit Hof zu halten.

Pulaski: Hier Prof in New York, im fliegenden Trapez, das ist die Artistenkneipe in der 44. Straße nicht weit vom vanity fair.

vanDusen: In einem Lokal, auch zu dieser recht frühen Tageszeit.

Pulaski: Zu jeder Tages- und Nachtzeit Prof.

vanDusen: Danke Miss Pulaski, mein lieber Hatch, sie werden sich stehenden Fußes in besagte Lokalität begeben die fragliche Person aufsuchen und sie über Bliss befragen vor allem wünsche ich folgendes zu erfahren.

Hatch: was das war wird erst später enthüllt, schreckliche Angewohnheit ich weiß aber nützlich für den Spannungsbogen, wie wir Fachleute sagen, trotz der frühen Stunde war das fliegende Trapez gut besucht, der Barkeeper zeigte mir Prinzessin Pastrami, sie saß an einem kleinen Tisch vor einem großen Glas, eine ganz alte winzige Frau verschrumpelt zerknittert kontaktfreudig und sehr gesprächig.

Pastrami: Alles erzähl ich ihnen junger Mann alles was sie wollen, wenn sie Öl ranschaffen.

Hatch: Öl.

Pastrami: Schmieröl junger Mann für Zunge und Kehlkopf.

Hatch: Verstehe, was trinken sie.

Pastrami: Gin.

Hatch: Und.

Pastrami: Nichts und, junger Mann, Gin, nur Gin, solo.

Hatch: Kein Soda.

Pastrami: Wäh krieg ich Blähungen von.

Hatch: Und Wermut.

Pastrami: Macht Kopfschmerzen, junger Mann, Gin nur Gin.

Hatch: Von mir aus, es war ihr Kopf und ihr Magen, ich bestellte Gin und sie erzählte.

Pastrami: Bliss, klar kenn ich den, kannte ihn schon als er noch nicht Bliss hieß.

Hatch: Ach und wie hieß er.

Pastrami: Blissek, Willem Blissek, er ist nämlich drüben geboren in Europa auf dem Balkan, Ruritanien, Kravonien, Transylvanien in dem dreh.

Hatch: Transylvanien wo die Vampire hausen.

Pastrami: Keine Ahnung junger Mann, im Zirkus gibs kein Vampire, und Blissek war beim Zirkus, Wandercircus, kleine Klitsche.

Hatch: Was er da gemacht.

Pastrami: Was so anlag, junger Mann, angefangen hat er als Akrobat, dann war er Clown, Schlangenmensch, Jongleur, schließlich Zauberer, viel verdient hat er nicht, darum hat er Nebenjobs, Taschendiebstahl, Einbruch und dabei haben sie ihn erwischt und Blissek mußte sitzen ja und als er rauskam ging er übern großen Teich, vor gut 2 Jahren war das und hier fing er noch mal an neuer Name neues Programm, Dr Faustus schwarzer Magier und Entfesslungskünstler ala Houdini, neues Glück.

Hatch: Na würd ich nicht unbedingt sagen, ja ich muß gehen.

Pastrami: Bleiben sie sitzen, was wollen sie mit Bliss, kleiner Fisch, nichts dran lassen sie sich was erzählen über Prinzessin Pastrami, die große Pastrami überall bin ich gewesen junger Mann, altern foss, barnum und baily, alles hab ich gemacht, Dame ohne unterleib, Dame mit vollbart, größte Frau der Welt, können sie sich das vorstellen, junger Mann, zersägte Frau, Seiltänzerin, Madam Zora mit der magischen Kristallkugel, als Aushilfe auch mal Elefantenboy.

Hatch: Als ich wieder ins Leichenschauhaus kam war es 11, ich wurde erwartet, alle saßen sie aufgereiht im Büro Dolly Caruso mit Gefolge, Dr Padmore, der Leichenwart der seinen Platz hinter dem Schreibtisch an van Dusen abgetreten hatte, dem sagte ich leise was ich im fliegenden Trapez erfahren hatte, er nickte zufrieden, stand auf hob die Hand, ich wußte was jetzt kam, die große Aufklärungsarie, der Fall war gelöst oder.

vanDusen: Selbstverständlich, nehmen sie Platz, verhalten sie sich bitte ruhig, lassen sie mich beginnen, meine Herrschaften, heute nacht um 2 Uhr wurde William Bliss im Kühlraum dieses Hauses verwahrt, sie Caruso, Wachtmeister Malone nebst Genossen, mein lieber Hatch, und natürlich auch sie Miss Pulaski schlossen danach die Tür und stiegen die Treppe empor, noch während sie dies taten, geschah im Kühlraum folgendes, die vermeintliche Leiche.

Caruso: Vermeintlich.

vanDusen: Erhob sich.

Caruso: Der Kerl war tot, Prof, tot wie ein Türnagel.

vanDusen: Sie irren Caruso, Bliss war nicht tot, er wirkte lediglich wie ein toter, er hatte sich vermutlich mittels Autohypnose in ein selbstinduziertes kataleptisches Koma versetzt.

Caruso: So und was heißt das.

vanDusen: Starrkrampf, Caruso, Scheintod, ein unter orientalischen Fakiren gebräuchliches Verfahren welches jedoch auch Illusionisten unserer breiten nicht gänzlich unbekannt ist.

Pulaski: Aber der Mann ist doch erschossen worden Prof ich war dabei, ich habs gesehen.

Caruso: Sie habens getan meinen sie.

Pulaski: Jetzt fangen sie nicht wieder damit an.

vanDusen: Ich ersuche sie um Ruhe, natürlich wurde Bliss nicht erschossen, was sich auf der Bühne des Vanity fair abspielte war eine Illusion, ein Trick, bevor sie abdrückten, Miss Pulaski hatte Bliss die Patrone vertauscht.

Hatch: Die Hand ist schneller als das Auge.

vanDusen: Wie ich höre haben sie bei unserem letzten Fall gut aufgepaßt, die Kugel die den Lauf verließ war ein unschädliches Geschoß möglicherweise eine Kombination von Wismut und Quecksilber.

Hatch: Na was hab ich gesagt.

vanDusen: Vielleicht aber auch eine schlichte Wachskugel wie sie der bekannte franz Magier Robert Houdin bei einem ähnlichen Trick zu verwenden pflegte, das Blut hat Bliss sich selbst auf die Brust appliziert aus einem Beutel in der linken unbeachtet da alle Augen auf die die rechte die angebliche Kugelfanghand gerichtet waren, wie gesagt Bliss löste sich im Kühlraum aus seiner kataleptischen trance, um ungestört zu bleiben verschloß er zunächst die zur Treppe führende Tür.

Pulaski: Wie denn Prof er hatte doch keinen Schlüssel.

Caruso: Er hatte überhaupt nichts, nackt war er splitternackt.

vanDusen: Dennoch trug er ein höchst sinnreiches Objekt bei sich, ein kleines zusammengelegtes Ein- und Ausbruchswerkzeug.

Caruso: Und wo Prof.

vanDusen: In seinem Magen, Caruso, er hatte es verschluckt.

Pulaski: Wie Harry Houdini.

vanDusen: Sein großes Vorbild, ganz recht Miss Pulaski.

Hatch: Und im Kühlraum hat ers rausgewürgt.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch.

Hatch: Igitt.

vanDusen: Mit eben diesem Werkzeug öffnete Bliss sodann die Tür zum Obduktionsraum wo in einer der Schränke und in der Kühlbox das uns bekannte satanische brimborium für ihn bereitgestellt war, Becken Blut und Binsenkraut, Schwefel, ferner gehörnter Kopfschmuck und ein schwarzer Umhang.

Caruso: Bereitgestellt, wann.

vanDusen: Wahrscheinlich schon am freitag abend, über das Wochenende wird der Obduktionsraum nicht frequentiert.

Caruso: Und von wem, von Bliss selbst.

Angestellter: Unmöglich hier kommt kein fremder rein.

vanDusen: Darüber später mehr, im Kühlraum inszenierte Bliss wie es seinem Plan entsprach das teuflische tableu welches ihnen und mir später so krass in die Augen sprang.

Hatch: Und in die Nase.

vanDusen: Auch das, nach Beendigung dieser Arbeit stieß Bliss einen Schrei aus, begab sich in den Obduktionsraum, verschloß die die Türe hinter sich.

Pulaski: Und Prof was machte er dann.

vanDusen: Dann wand er sich durch den Ventilationsschacht ins freie, ein schwieriges aber keinesfalls unmögliches Unterfangen für einen früheren Schlangenmenschen.

Hatch: Aha daher die Vorgeschichte.

Angestellter: Entschuldigen sie Prof aber das geht nicht, durch das Gitter oben paßt nicht mal ein Regenwurm.

vanDusen: Die das Gitter haltenden Schrauben waren selbstverständlich vorher gelöst worden, Bliss zog sie wieder fest an, einen Schraubenzieher hatte er wie auch den schwarzen Umhang und Teufelshörner von unten mitgebracht, mit Blut verschmiertem Gesicht satanisch gewandet und gehörnt begab er sich sodann zum vereinbaren Treffpunkt.

Caruso: Augenblick Prof ehe sie hier weiter.

vanDusen: Analysieren.

Caruso: Analysieren phantasieren, ganz egal ehe sie weiter machen, sagen sie mir eins, wozu hat Bliss dieses ganze komplizierte Theater veranstaltet.

vanDusen: Das Motiv meinen sie Caruso, aber kennen sie doch, Bliss hat sich ein gewaltiges Vermögen zusammengestohlen, welches er in Zukunft unbehelligt zu genießen gedachte, sein Ziel war es mitsamt dem illegal erwoben Reichtum endgültig und spurlos zu verschwinden, zu diesem Zweck starb er auf der Bühne vor zahllosen Zeugen, er ließ sich ins städtische Leichenschauhaus schaffen und hier holte ihn, wir wissen es der Teufel, die Polizei sollte sich in abergläubigen Schrecken vergeblich den Kopf verbrechen.

Hatch: Und das hat sie auch prompt getan nicht wahr Caruso.

vanDusen: Während Bliss sich auf den Weg nach Tahiti oder Rio de Janeiro machte mit falschem Pass und einem Koffer voller Geld, das war der Plan.

Caruso: Aber Bliss ist nicht unterwegs nach Rio, Prof er liegt hier im Keller und ist tot wirklich tot, mausetod oder nicht.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen Caruso, der Plan ist, um einen Ausdruck meines Freundes Hatch zu gebrauchen schiefgelaufen, Bliss ist tot, er starb heute nacht, todeszeit etwa 2 Uhr 30, er wurde erschossen.

Hatch: Mit der zweiten Pistole Prof und einer echten scharfen Patrone.

vanDusen: Bravo mein lieber Hatch, sie sind ja heute richtig gut.

Pulaski: Schön für dich Hatchy ich verstehe überhaupt nichts mehr, und der detective sergeant guckt auch nicht gerade schlau aus der wäsche.

vanDusen: Ein Wort nur, und auch ihnen Miss Pulaski, Caruso wird es wie Schuppen von den geistigen Augen fallen.

Caruso: Ein Wort.

vanDusen: Ein Wort, Komplize.

Caruso: Komplize.

vanDusen: Er hat Bliss getötet als dieser sich nach seiner artistischen Flucht aus dem Kühlraum vereinbarungsgemäß bei ihm einstellte, um Kleidung und Geldkoffer zu übernehmen, weil er sich nicht mit einem relativ geringen Anteil zufrieden geben sondern sich die gesamte Beute aneignen wollte, erschoß er Bliss, verunstaltete ihn der teuflischen Aura wegen und schaffte ihn versehen mit dem präparierten Teufelspakt in jenes Gebüsch, wo Wachtmeister Malone später die Leiche entdeckte, ich bin am Ende.

Caruso: Sie haben was vergessen, Prof wer ist dieser Komplize.

Pulaski: Ja Prof wie heißt er.

vanDusen: Ist es ihnen wirklich ernst mit ihren Fragen.

Ja.

vanDusen: Sie wissen nicht, um wen es sich beim Komplizen handelt.

Nein.

vanDusen: Denken sie nach, wer unter den beteiligten Personen ist im Besitz einer Arbeitsstätte welche sich in unmittelbarer Nähe des Leichenschauhauses befindet, wer hatte hinreichend Gelegenheit das Gitter über dem Ventilationsschacht zu lösen und die satanischen Requisiten im Obduktionsraum zu deponieren, wer besaß ferner die Möglichkeit, die zweite Pistole im Theater zu entwenden und schließlich die reduzierte Atmung, der minimale Puls, der Katalepsie vermögen lediglich Laien wie unsere Miss Pulaski zu täuschen, wer hätte also als Mediziner die kataleptischen Symptome an Bliss als das erkennen müssen was sie waren.

Padmore: Was ist, warum sehen sie mich an.

vanDusen: Sie, Dr. Padmore, nur Sie können der Komplize gewesen sein, sie kannten Bliss seit geraumer Zeit, wie ich annehme, gemeinsame Interessen, Fakire und dergleichen, sie haben gemeinsam mit ihm jenen von mir skizzierten Plan ausgearbeitet, sie haben mitgespielt und sie haben ihn zum bösen Schluß um ihre eigene teuflische Variante erweitert.

Padmore: Spekulation, Prof, Mutmaßungen, sie haben keine Beweise.

vanDusen: Für handfeste Beweise, werter Dr Padmore ist die Polizei zuständig, Wachtmeister Malone.

Malone: Herr Prof.

vanDusen: Detektiv Seargent Caruso hat sie ins Vanity Fair geschickt um nach der 2. Pistole zu suchen.

Malone: Jawohl Herr Prof ich hab sie aber nicht gefunden.

vanDusen: Als sie zurückkehrten gab ich ihnen einen neuen Auftrag, ich schickte sie wohin.

Malone: Ins Bellevuehospital Herr Prof, ins Zimmer von Dr Padmore.

vanDusen: Zeigen sie uns, was sie dort entdeckt haben, Wachtmeister.

Malone: Jawohl Herr Prof, eine einschüssige Scheibenpistole Typ Luna Büchel.

vanDusen: Die zweite Pistole.

Malone: Ein Sofakissen, durchlöchert und angesengt.

vanDusen: Schalldämpfer.

Malone: Und diesen Koffer, Inhalt Banknoten, Wertpapiere, Diamanten.

vanDusen: Etcetera, danke Wachtmeister, wünschen Sie noch weitere Beweise, Dr. Padmore.

Padmore: Luzifer, höre mich, Luzifer mein Herr und Meister, dein treuer Diener schwebt in großer Gefahr, hilf mir, erscheine, Luzifer erscheine.

Caruso: Seien sie still.

Hatch: Lassen sie ihn doch, Caruso, soll er rufen bis er schwarz wird.

Caruso: Aber Mr Hatch, wenn nun wirklich Luzifer.

Hatch: Hier aufkreuzt, machen sie sich nicht ins Hemd, Caruso, Prof van Dusen treibt jeden Teufel aus, was Prof.

vanDusen: Mit Vergnügen, mein lieber Hatch, und mit der magischen Formel des kriminologischen Exorzisten, welche da lautet, nun.

Hatch: Zwei plus zwei gibt vier.

vanDusen: Immer und überall.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Dolly Pulaski, Tänzerin: Christiane Leuchtmann
William Bliss alias Doctor Faustus, Zauberer: Jürgen Thormann
Dr. Thomas B. Padmore: Rainer Pigulla
Prinzessin Pastrami, eine alte Artistin: Ruth Pipho
Wachtmeister Malone: Norbert Schwarz
Schwester im Bellevue-Hospital: Dorothea Hanke
Angestellter im Leichenschauhaus: Klaus Jepsen
Ober bei Delmonico: Heinz Welzel

Michael Koser: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992)

Hatch: Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat, New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof.

vanDusen: Wie bitte Hatch?

Hatch: Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan.

vanDusen: Mein lieber Hatch, wir befinden uns im Bundesstaate Nebraska, zweieinhalb tausend km von New York entfernt, und wenn sie sich noch so weit aus dem Abteilfenster lehnen, hier sehen sie nichts anderes als Prärie.

Hatch: Und Rindvieh, Rindvieh über Rindvieh, soweit das Auge reicht, überall steht was rum, sogar direkt vor uns auf den Gleisen, moment mal auf den Gleisen, ah.

vanDusen: Um gottes willen Hatch.

Hatch: Langsam ganz langsam kam ich wieder zu mir, ich schlug die Augen auf, wo war ich, ich lag in einem Bett, und ein wunderschönes weibliches Wesen beugte sich über mich, ein Engel.

Bobby: Sie übertreiben Mr Hatch.

Hatch: Bin ich im Himmel.

Bobby: Sie sind in Flatfoot, Mr Hatch.

Hatch: Ach und wer oder was ist Flatfood.

vanDusen: Ein Ort in Nebraska, ein sehr kleiner Ort, praktisch nicht mehr als ein Verladebahnhof für Rinder, und weil Flatfoot weder ein Hospital noch ein Hotel aufzuweisen hat, war Mr Benteen so freundlich, sie bei sich aufzunehmen.

Benteen: Das bin ich, Jessy Benteen, Sheriff von Flatfoot County.

Hatch: Angenehm.

Benteen: Freut mich daß sie wieder an Deck sind, Mr Hatch, ein paar Stunden waren sie total abgetreten, Bobby hat sich richtig Sorgen um sie gemacht.

Hatch: Bobby.

Benteen: Meine Tochter, Roberta Benteen.

Hatch: Mein Engel.

Bobby: Sagen sie Bobby zu mir, das tun alle.

Hatch: Mit Vergnügen Bobby, und sie nennen mich Hutchinson, darauf sollten wir was trinken, Bobby mein Engel sie haben doch bestimmt einen Schluck Whiskey.

vanDusen: Mein lieber Hatch, das kommt überhaupt nicht in frage, kein Alkohol, kein Nikotin, 24 Stunden strengste Bettruhe.

Hatch: Sie meinen doch nicht etwa mich, Prof.

vanDusen: Wen sonst mein lieber Hatch.

Hatch: Aber warum denn, kann mir jemand mal erzählen was eigentlich passiert ist, wir saßen im Zug, es hat plötzlich gekracht und dann weiß ich nichts mehr.

Benteen: Ihr Zug ist mit einem Ochsen zusammengestoßen, Mr Hatch, sowas kommt bei uns immer wieder mal vor.

vanDusen: Dabei sind sie mit dem Kopf gegen das Gepäcknetz geprallt und haben sich so eine leichte commotio cerebri zugezogen, Gehirnerschütterung, freuen sie sich.

Hatch: Warum sollte ich.

vanDusen: Weil wir nunmehr mit Sicherheit davon ausgehen können, daß sie ein Gehirn ihr eigen nennen, allem gegenteiligen Anschein zu trotz.

Hatch: Vielen dank Prof zu gütig.

Bobby: Ich möchte ihnen etwas zeigen Hutchinson, sie sind doch Fachmann, was sagen sie dazu.

Hatch: Bobby druckte mir ein bedrucktes Blatt Papier in die Hand, eine Zeitung, naja was man hier draußen so Zeitung nennt, die Flatfootfanfare, Schlagzeile Kollision auf den Schienen zwei Opfer, ein Ochse tot, ein Reisender verletzt, nicht schlecht, ganz pfiffig.

Bobby: Finden sie, Hutchinson, wirklich, das freut mich.

Hatch: Haben sie die Schlagzeile gemacht Bobby.

Benteen: Nicht nur die Schlagzeile, Bobby macht die ganze Fanfare, sie schreibt, sie setzt, sie druckt, Bobby macht alles.

Hatch: Dann sind wir ja Kollegen, Bobby mein Engel.

Bobby: Sie übertreiben schon wieder, ich bin nur eine kleine Zeitungsmacherin in der Prärie, und sie sind der große Hutchinson Hatch, Starreporter des Daily New Yorker.

Hatch: Vielen Dank, was ist das.

Bobby: Das Telefon Hutchinson.

Hatch: Telefon hier.

Benteen: Jawohl Mr Hatch, hier in Flatfoot mitten in der Prärie von Nebraska, hätten sie nicht gedacht, was ich wette, da staunt sogar der Prof.

vanDusen: Keineswegs, Mr Benteen, bereits beim Betreten ihres Hauses fielen mir die Drähte ins Auge, welche von Dachstuhl hinaus in die Prärie führen.

Benteen: Geh schon ran, Bobby, frag ihn, was er will.

Bobby: Hallo, wie gehts Mr Stetson-Fillmore.

Benteen: Ja, unser Erfinder, er hat die Telefonleitung gelegt, von seiner Ranch bis zu mir, weil er ab und zu Ärger mit den Cowboys hat.

Bobby: Gratuliere, aber ja natürlich schreib ich was in der Fanfare, das ist die Meldung des Jahres, wann soll ich, noch heute abend, aber gern, Mr Stetson- Fillmore, warten sie, jetzt ist es 10 min nach 7, um 8 kann ich bei ihnen auf der Longhornranch sein, gut bis dann, sie habens geschafft, Daddy der Motorflieger ist fertig, der erste Motorflieger der wirklich fliegen kann, nicht an der Ostküste, nicht in Europa, nein bei uns in Flatfoot, Nebraska, hurra.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Miss Benteen, bisher war ich der Meinung über die aktuelle Entwicklung der Aeronautik insbesondere auf dem Gebiet des Motorflugs aufs genaueste und vollständigste informiert zu sein, ich weiß von den Gebrüdern Wright in Carolina, von Lilienthal in Deutschland, Levavasseur in Frankreich, ich kenne den Österreicher Kress, den Engländer Hinkler doch von wie war der Name.

Benteen: Stetson-Fillmore, Prof, Marmaduke Stetson-Fillmore mit Bindestrich.

Bobby: Sie entschuldigen mich, ich muß mein Notizbuch holen und Smoky anspannen.

Hatch: Smoky.

Bobby: Unser alten Apfelschimmel, Hutchinson.

vanDusen: Die aeronautischen Verdienste eines Marmaduke Stetson-Fillmore in Nebraska mit oder ohne Bindestrich sind mir, ich muß es gestehen bis dato gänzlich unbekannt.

Hatch: Das will was heißen, Prof DrDrDr Augustus van Dusen die Denkmaschine ist ja nicht nur Wissenschaftler und Amateurkriminologe von internationalem Ruf, er gehört auch in die erlauchte Runde der großen Erfinder unserer Zeit, gerade in der Aeronautik hat er bekanntlich epochales geleistet.

vanDusen: Was die Details betrifft, verweise ich auf mein grundlegendes Werk Studien zur aerodynamischen Theorie der Aeronautik.

Benteen: Nie was von gehört Prof tut mir leid, aber wer Marmaduke Stetson-Fillmore ist, das kann ich ihnen sagen.

vanDusen: Tun sie das Mr Benteen in aller gebotenen kürze wenn ich bitten darf.

Hatch: Und von Anfang an.

Benteen: Von Anfang an, tja das wäre von etwa 50 Jahren, damals waren die Stetson-Fillmores die reichste und mächtigste Viehzüchterfamilie in der ganzen Gegend, heute ist der Besitz zum größten Teil verkauft und von den Stetson-Fillmore ist nur noch einer übrig, Marmaduke, ein merkwürdiger Vogel, meine Herren, ganz und gar aus der Art geschlagen.

Hatch: Und warum, weil der gute Marmaduke Stetson-Fillmore sich für Rindvieh überhaupt nicht interessierte, außer in Form von Steaks nehm ich an, stattdessen hantierte er mit Rechenschieber, Zeichenstift, Hammer und Draht und erfand auf Teufel komm raus, bisher hatte er damit allerdings wenig Glück gehabt, entweder waren seine Erfindungen schon erfunden, das Telefon z.B. oder der Phonograf, oder sie funktionierten nicht, schließlich hatte er sich auf die Fliegerei geworfen, den Motorflieger, den Aeroplan, das Flugzeug.

Benteen: Seit 2 Jahren arbeitet er daran, draußen auf der Longhornranch, 12km südwestlich von Flatfoot.

vanDusen: Allein.

Benteen: Mit einem Gehilfen, Don Adams heißt er, tüchtiger Bursche, übrigens guter Freund von Bobby.

Hatch: Aha.

vanDusen: Der Aeroplan, die motorgetriebene Flugmaschine, ein kühnes Unterfangen, womöglich zu kühn, Mr Edison der weitbekannte, wenn auch stark überschätzte Mechaniker, ist der Ansicht, diese Erfindung müsse einem späten Jahrhundert vorbehalten bleiben, wie dem auch sei.

Bobby: Wie dem auch sei, es sieht so aus, als ob Mr Edison sich geirrt hat, der Motorflieger ist erfunden von Marmaduke StetsonFillmore und Don Adams, ich fahre.

vanDusen: Ich werde sie begleiten, Miss Benteen, der legitime Wissensdurst des Aeronautikers duldet keinen Aufschub, mit eigenen Augen will ich sehen, was ihr Erfinder zustande gebracht hat.

Bobby: Sie können gerne mitkommen Prof, allerdings müssen sie mit einem harten Sitz im Einspänner vorlieb nehmen.

vanDusen: Für die Wissenschaft Miss Benteen bin ich zu jedem Opfer bereit.

Bobby: Fein, dann wollen wir mal Prof.

Hatch: Ja und ich.

vanDusen: Sie mein lieber Hatch, sie bleiben im Bett.

Hatch: Aber Prof.

vanDusen: Keine Widerrede, behalten sie ihn im Auge Sheriff, achten sie darauf, daß er die von mir verhängte absolute Alkohol- und Nikotinprohibition unbedingt einhält.

Benteen: Wenn sie meinen, Prof.

vanDusen: Ich meine, ich kenne Mr Hatch kommen sie Miss Benteen.

Hatch: Schöne Bescherung, mysteriöser Erfinder, Motorflugzeug, da wartete eine Superstory direkt vor der Haustür, und ich war lahmgelegt und festgenagelt, Sheriff Benteen erwies sich als absolut unbestechlich, außerdem und das war schlimmer als ein ungeheurer Langweiler, um mich aufzuheitern, gab er mir ausgewählte Abschnitte aus der offiziellen Statistik des Staats zum besten, wußten sie daß Nebraska im Jahr 1900 3,2 Mio Rinder aufzuweisen hatte, ich nicht, und ich wollte es auch gar nicht wissen, Benteen dröhnte, ich war sauer und so verging die Zeit.

Bobby: Da Hutchinson vorläufig ausgefallen ist, liegt es wohl an mir meine Damen und Herren ihnen zu berichten, wie die Geschichte weiterging, natürlich kann Bobby Benteen von der Flatfood Fanfare nicht Hutchinson Hatch ersetzen, den berühmten rasenden Reporter des Daily New Yorker, den durch jahrelange Erfahrung gestählten Begleiter, Assistenten und Chronisten von Prof van Dusen, aber ich werde mein bestes tun, also, wir zuckelten durch die Prärie, Prof van Dusen und ich, direkt nach Südwesten, Richtung Longhornranch, Old Smoky trabte fürbaß, ich hielt sowohl die Zügel als auch Ausschau nach Verkehrshindernissen wie Rinder oder Bauten von Präriehunden, ab und zu warf ich einen Blick auf meinen Begleiter der neben mir hockte, schweigend in Gedanken vertieft, ein nobles vergeistigtes Profil, eigentlich ein ganz gutaussehender Mann dachte ich wenn er ein bißchen größer wäre und ein paar Jahrzehnte jünger, doch ich schweife ab.

vanDusen: In der Tat, Miss Benteen, da sie nun einmal Mr Hatch Rolle einzunehmen versuchen, haben sie die Güte sich strikt ihrer Chronistenpflicht zu widmen.

Bobby: Zu Befehl Prof und was soll ich.

vanDusen: Das Wetter, Miss Benteen, die meteorologische Situation hat wie sie wissen für den vorliegenden Fall eine nicht unerhebliche Bedeutung.

Bobby: Fall, der hat doch noch gar nicht richtig angefangen Prof.

vanDusen: Aber er wird Miss Benteen er wird und zwar in kürze, wenn ich bitten darf, das Wetter.

Bobby: Aye aye, Sir Prof wollte ich sagen, wir fuhren also durch die Prärie, es war kurz nach halb 8 und schon ziemlich dunkel, weil der Himmel ganz und gar mit einer tiefhängenden Wolkendecke überzogen war, ein kräftiger Wind blies aus Südwest uns direkt ins Gesicht, gut so.

vanDusen: Es geht an, jenes trübe flackernde Licht rechts von uns handelt es hier bereits um unser Ziel, die Longhornranch.

Bobby: Soweit sind wir noch nicht, das ist das Blockhaus des alten Bat Masterson, seit ein paar Jahren wohnt er da mit seiner Frau Pearl, die beiden sollten sie mal kennenlernen, ein uriges Paar, zwei echte Fossilien aus dem westen, als er noch richtig wild war, sie hat Postkutschen überfallen, in ihrer Jugend Maienblüte, das behauptet sie jedenfalls, und er war alles, was sie sich nur vorstellen können, Trapper, Goldsucher, Cowboy, Scout bei der Kavallerie, später hatte er einen Salon in Dodge City.

vanDusen: Moment bitte.

Bobby: Da war er übrigens auch mal Marshall noch vor Wyat Earp.

vanDusen: Schweigen sie Miss Benteen.

Bobby: Aber wieso.

vanDusen: Pst, halten sie an.

Bobby: Brh Smoky, was haben sie denn Prof.

vanDusen: Hören sie nichts.

Bobby: Doch Prof, da ist was, oben am Himmel vor uns, es wird lauter.

vanDusen: Ein Geräusch aus Südwest, dessen Quellen sich nach Nordost bewegt, das heißt auf uns zu.

Bobby: Und was ist das, Prof.

vanDusen: Ganz unverkennbar das Geräusch eines Benzinmotors Miss Benteen.

Bobby: Benzinmotor, am Himmel, der Flieger Prof, Stetson-Fillmores Motorflieger.

vanDusen: So scheint es, Mrs Benteen.

Bobby: Er ist in der Luft, er fliegt, jetzt, jetzt ist er direkt über uns, schade, daß wir ihn nicht sehen können, die dicken Wolken, er wird leiser Prof.

vanDusen: Die Maschine hat, wie zu vermuten steht, gewendet, und fliegt nunmehr zurück nach Südwest.

Bobby: Zur Longhornranch, Prof er wird landen wollen der Aeroplan, gleich neben seinem großen Schuppen hat Mr Stetson-Fillmore eine Start- und Landebahn bauen lassen.

vanDusen: Ein Flugversuch zu dieser Tageszeit, bei diesem Wetter, merkwürdig, höchst merkwürdig.

Bobby: Prof was war das.

vanDusen: Eine Explosion, Miss Benteen.

Bobby: Und jetzt, sehen sie doch Prof, Feuer, es brennt.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Bobby: Der Flieger er muß bei der Landung verunglückt sein.

vanDusen: Das wird sich zeigen, hüh Smoky.

Bobby: Für die rund 2 km bis zur Ranch brauchten wir praktisch nur Sekunden, noch nie war der alte Smoky so schnell gewesen wie an diesem Abend, immer schärfer trat unser Ziel aus dem grauen Dämmerlicht, das Wohnhaus, der Schuppen, der dunkle Streifen der Landebahn und direkt daneben ein bizarres Gewirr verkohlter rotglühender Trümmer, wir hielten, stiegen aus, das Feuer war ausgebrannt, unheimliche Stille lag über dem Unglücksort, und sie wurde noch unheimlicher, als ich in den Trümmern auf dem Rest des Sitzes einen schwarzen Schatten sah, eine Gestalt, ein Mensch, ich ging näher ran.

vanDusen: Eine Leiche Miss Benteen.

Bobby: Ogott das ist Don.

vanDusen: Meine liebe Miss Benteen ich darf sie darauf hinweisen daß sie Mr Hatch Platz einnehmen, sie sind meine Chronisten, und im Falle eines Falles meine Assistentin, sie haben keine Zeit sich ihrem Schmerz hinzugeben, konzentrieren sie sich auf den Fall.

Bobby: Fall, was für ein Fall, das war ein Unfall, Prof wir haben es doch miterlebt, der Aeroplan ist kurz vor der Landung abgestürzt, das Benzin hat sich entzündet und, der arme Don.

vanDusen: Wie ich annehme Miss Benteen haben sie den toten als Don Adams Stetson-Fillmores Gehilfen identifiziert.

Bobby: Ja Prof wieso hat er eigentlich das Flugzeug geflogen, warum nicht Stetson-Fillmore selbst und wo steckt Mr Stetson-Fillmore, hören sie Prof, da stöhnt jemand, ob er das ist.

vanDusen: Sehen wir nach, Miss Benteen, holen sie die Laterne vom Wagen.

Bobby: Es war Mr Stetson-Fillmore, er lag hinter dem Schuppen bewußtlos, der Prof sah ihn sich kurz an.

vanDusen: Nichts ernstes, ein leichtes Hämatom am Kinn, offenbar wurde er niedergeschlagen, nehmen sie sich seiner an, Miss Benteen, lockern sie seinen Kragen, legen sie ihm etwas unter den Kopf, holen sie Wasser von der Pumpe.

Bobby: Soll ich ihm auch noch ein Schlaflied singen Prof.

vanDusen: Interessant, eine typische Hatch Reaktion.

Bobby: So und was werden sie tun während ich die barmherzige Schwester spiele.

vanDusen: Ich bin Kriminologe, ich untersuche.

Bobby: Und so geschah es, van Dusen untersuchte, ich kümmerte mich um Stetson-Fillmore, und ärgerte mich über den Prof und seine art, wie hielt Hutchinson das bloß aus, außerdem grämte ich mich um Don, das will ich allerdings gleich klarstellen, Don und ich waren gute freunde gewesen, mehr nicht, natürlich war ich bestürzt über seinen tod auch sehr traurig, aber total überwältigt war ich nicht, dazu hatte ich auch keine Gelegenheit, weil ich den großen Amateurkriminologen beobachten mußte, was er untersuchen nannte, sah so aus, er wanderte mit der Laterne um das Flugzeugwrack, stocherte vorsichtig darin herum, beugte sich vor, begutachtete den Boden um die Aufschlagstelle, blieb stehen, ging weiter, murmelte so vor sich hin aha, oho, soso, das dauerte etwa 10 min, dann schüttelte er sich und wurde wieder normal, war das alles.

vanDusen: Meine Untersuchung ist vorerst beendet.

Bobby: Und was haben sie rausgekriegt.

vanDusen: Darüber später, wie geht es ihrem Schutzbefohlenen.

Bobby: Danke der Nachfrage, er kommt zu sich.

Stetson: Was ist passiert.

vanDusen: Das wünsche ich von ihnen zu erfahren, Mister Stetson-Fillmore.

Stetson: Wer sind sie, was ist hier überhaupt los.

Bobby: Nicht aufregen, Mister Stetson-Fillmore ganz ruhig.

Stetson: Ach Bobby, Booby Benteen, wie kommen sie hierher.

Bobby: Sie haben mich angerufen.

Stetson: Richtig, um gotteswillen mein Aeroplan ist er abgestützt, und Don.

Bobby: Nachdem ich Mr Stetson-Fillmore informiert und er seinen ersten Schrecken überwunden hatte gab er mir und dem Prof einen kurzen Bericht über das, was auf der Ranch vorgefallen war, nach dem Anruf bei mir hatte er den Probeflug vorbereitet, mit Don Adams hatte er den Aeroplan aus dem Schuppen auf die Startbahn gerollt, er hatte den Tank mit Benzin gefüllt, die Instrumente und den Motor überprüft.

Stetson: Alles war in Ordnung, ich wollte gerade einsteigen da hielt Don mich zurück, er erklärte mir er wolle die Maschine fliegen, ich war wie vor den Kopf geschlagen, und natürlich sagte ich nein, ich konnte und durfte das nicht zulassen, der aeroplan ist mein Werk, ich hab ihn erdacht und gebaut, sicher, Don hat dabei geholfen, aber nur in untergeordneter Position, doch was für mich viel wichtiger war, der Flug war für Don viel zu gefährlich, er hat keine, hatte keinerlei Erfahrung als Aeronaut, und das Flugwetter war auch nicht ideal, nicht sehr hell, ziemlich windig, aber Don ließ sich nicht überzeugen, und als ich bei meiner Weigerung bleib da hat er mich kurzerhand niedergeschlagen, ja und dann mußte er mit dem Aeroplan aufgestiegen und später bei der Landung verunglückt sein, ich hatte ihn gewarnt.

Bobby: So was sieht Don gar nicht ähnlich, warum meinen sie hat es das getan.

Stetson: Er hat gewußt, daß sie kommen, Bobby ich nehme an, er wollte sie beeindrucken, ihnen imponieren.

vanDusen: Erstaunlich.

Stetson: Was meinen sie Prof.

vanDusen: Ich meine daß Don Adams den Start des Aeroplan gegen jede aeronautische Regel mit dem Wind durchführte.

Stetson: Was verstehen sie denn davon, wer sind sie überhaupt.

vanDusen: Ich bin Prof van Dusen.

Bobby: Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine.

vanDusen: Und Aeronautikexperte unter anderem.

Stetson: So, wie gesagt Don war unerfahren.

vanDusen: Gerade aus diesem Grund, sehen sie mich erstaunt, ein Start mit dem Wind sofern er überhaupt möglich ist, erfordert profunde aeronautische Praxis, befindet sich auf ihrer Ranch ein Kühlraum.

Stetson: Ja ein Eiskeller hinter dem Wohnhaus.

vanDusen: Helfen sie mir die Leiche ihres Gehilfen aus dem Wrack zu bergen und dorthin zu schaffen, zu einem späteren Zeitpunkt, sagen wir morgen nachmittag werde ich eine Obduktion vornehmen.

Bobby: Wir fuhren zurück, Prof van Dusen und ich, Mr Stetson-Fillmore der sich besser fühlte, blieb auf der Ranch, es war gegen 10 als wir in Flatfoot ankamen, ich zog mich gleich auf mein Zimmer zurück, um einen Artikel für die nächste Ausgabe der flatfoot fanfare zu schreiben, Schlagzeile schwarzer Tag für Flatfoot und die Welt, Motorflieger erfunden und gleich darauf abgestürzt, ein toter.

Hatch: Damit wäre ich wieder dran, meine Damen und Herren, falls sie wissen wollen, wie es mir in der Zwischenzeit ergangen war, ich hatte mich entsetzlich gelangweilt, die Tiraden des Sheriff über mich ergehen lassen, ein bißchen geschlafen, was gegessen, nicht das Steak das ich haben wollte, sondern auf Anordnung des Prof eine Schale Milchbrei igitt, aber jetzt, jetzt wurde es interessanter, ein Fall war am Horizont aufgetaucht im wahrsten Sinne des Wortes und ich lag im Bett und konnte nicht mehr tun als dem Prof zuzuhören, das mißfiel mir und auch Sheriff hatte was zu meckern.

Benteen: Ich bin der Sheriff von Flatfoot County, Prof die zuständige Behörde, sie hätten mich sofort verständigen sollen, per Telefon, das ist ganz einfach, sie nehmen nur den Hörer ab, dann klingelts.

vanDusen: Ich weiß wie ein Telefon funktioniert, Mr Benteen, sie zu bemühen war völlig unnötig, alle relevanten Untersuchungen wurden von mir durchgeführt.

Benteen: Aber ich muß doch ein Protokoll aufnehmen Prof.

vanDusen: Tun sie das, Mr Benteen ich werde ihnen die wichtigsten Details in die Feder diktieren, schreiben sie, erstens.

Benteen: Augenblick Prof nicht so schnell Papier Feder Tintenfaß so schießen sie los

vanDusen: Erstens Don Adams wurde erschossen.

Benteen: Erschossen, erschossen.

vanDusen: Fragen stellen können sie später, schreiben sie weiter, da in folge der relativ geringen Menge an Benzin der Körper nur recht unvollkommen verbrannt ist läßt sich eine Schußwunde auf der linken Brustseite deutlich wahrnehmen, deutlich das versteht sich für das geschulte Augen des forensisch geschulten Mediziners oder auch Pathologen.

Benteen: Fo fo foren wie schreibt man das Prof.

vanDusen: Gar nicht, Mr Benteen, gar nicht, lassen sie es weg, es handelt sich lediglich um eine Bemerkung in parentese.

Benteen: Ach so in pare ja.

vanDusen: Halten sie uns bitte nicht auf, zweitens obgleich Adams durch einen Sicherheitsgurt auf dem Sitz des Aeroplan festgehalten wurde, wies sein Körper an den vom Gurt bedeckten Flächen keinerlei Hämatome bzw Läsionen auf, drittens unter den zum teil verbrannten Holz- und Metallresten des Aeroplan fanden sich eindeutige Spuren geschmolzenen Wachses, viertens zu erwartender Aufschlag und Schleifspuren am Boden.

Benteen: Langsam Prof, langsam ich komm nicht mit.

vanDusen: Diktiere ich zu schnell für sie.

Benteen: Das auch aber ich meine das was sie da sagen daß muß doch erst mal in Ruhe durchdacht werden.

Hatch: Nur zu Sheriff denken sie durch.

Benteen: Sehen sie mal, sie behaupten, Don Adams wurde erschossen, das heißt es war kein Unfall, es war Mord.

Hatch: Sehr gut Sheriff, eine brillante Schlußfolgerung.

Benteen: Danke Mr Hatch, wenn das stimmt.

Hatch: Was soll das heißen, was Prof van Dusen sagt stimmt immer und überall.

Benteen: Schon gut Mr Hatch ich wollte ja nur sagen, ich kann mir denken wer es war, wer Don erschoßen hat meine ich.

vanDusen: Was sie nicht sagen und auf welche Person richtet sich ihr verdacht.

Benteen: Auf den alten Bat Masterson, ein uriger Typ und seine alte, richtige Überbleibsel die beiden, Re wie sagt man Reliquien.

vanDusen: Sie meinen vermutlich Relikte, ihre Tochter hat mich über das Paar bereits informiert, ja welchen Grund haben sie für ihren Verdacht.

Benteen: Der alte Bat wohnt ganz in der nähe der Ranch, von seinem Blockhaus aus hätte er den Flieger mit Leichtigkeit abschießen können, er hat oft genug gesagt daß er das tun will, neumodisches Teufelszeug hat er gesagt, wenn das ding wirklich mal fliegt, dann knall ichs runter, hat er gesagt, sicher er war nicht der einzige, aber der lauteste.

vanDusen: Erklären sie sich näher.

Benteen: Na alle Cowboys hier in der Gegend haben was gegen Mr Stetson-Fillmore und seine Erfindungen.

Hatch: Warum denn.

Benteen: Wegen dem Krach, das Vieh wird verschreckt, und die Milch wird sauer, sagen die Cowboys, darum hat Mr Stetson-Fillmore ja die Telefonleitung zu meinem Haus gelegt, damit er mich zuhilfe rufen kann, wenn ihm die Cowboys mal nachts auf die Bude rücken.

vanDusen: Bude, Blockhaus, nahe der Longhorn Ranch, Mr Benteen, ich hege die Absicht gleich morgen früh Mr Masterson nebst Gattin einen besuch abzustatten.

Benteen: Gut Prof ich komme mit.

vanDusen: Besser nicht, Mr Benteen, sie haben hier zu tun.

Benteen: Ach und was.

vanDusen: Sie werden Stetson-Fillmore vernehmen, rufen sie ihn gleich an, bestellen sie ihn für morgen vormittag zu sich.

Benteen: Wenn sie das für richtig halten, Prof.

vanDusen: Ja bitte.

Hatch: Und ich Prof morgen darf ich doch bestimmt wieder aufstehen.

vanDusen: Sie halten Bettruhe bis morgen abend, Mrs Benteen wird sie weiterhin vertreten, bisher das muß ich zugeben hat sie ihre Sache ausgezeichnet gemacht.

Benteen: Über Nacht hatten sich die Wolken verzogen, der Himmel war klar und leuchtend blau, die Sonne schien, es war ein wunderschöner Präriemorgen, deshalb fanden wir Bat und Pearl Masterson vor ihrem Blockhaus auf der Veranda, sie waren gerade bei ihrem üblichen frühstück selbstgebrannter whisky ohne wasser oder soda.

Masterson: Was, mein Bat soll den Flieger runtergeschossen haben, quatsch der sieht doch nichts mehr, der alte Zausel, ein Scheunentor trifft er nicht mal wenn man ihn dran lehnt.

Masterson: Treff ich wohl alte Schabrake.

Masterson: Triffst du nicht du Blindgänger.

Masterson: Und beim großen wettschießen in Tuston wer hat da den ersten Preis gewonnen.

Masterson: Du Bat, aber das war 1860.

Masterson: 1860, haäh schöne Zeit war das, Pearl, altes Wrack du hast die Goldtransporte überfallen.

Masterson: Und du hast alles wieder verspielt, du Weihnachtsmann.

Masterson: Hab ich nicht, alte Fregatte.

Masterson: Hast du wohl, aber den Flieger hast du nicht runtergeschossen, gestern abend hast du wie eine Mumie in der Koje gelegen und geschnarcht, nach nur 3 Flaschen Whisky, vertragen tust du auch nichts mehr du Weichei.

Masterson: Tu ich wohl du alte Haubitze, wer war denn der beste beim Wetttrinken in Larami und damals in Whitita.

vanDusen: Darf ich sie bitten meine Herrschaften ihre zweifellos hochinteressanten Reminizenzen kurz zu unterbrechen und mir zuzuhören, daß sie Don Adams nicht erschossen haben, war mir bereits klar, bevor ich sie aufsuchte, wir Mrs Benteen und ich hätten als Ohrenzeugen ihren Schuß hören müssen, da dies nicht der fall war.

Benteen: Schon richtig Prof aber dann versteh ich nicht was sie hier eigentlich wollen.

vanDusen: Ich beabsichtige Mr und Mrs Masterson ein Frage zu stellen.

Masterson: Von mir aus.

Masterson: Nichts dagegen, fragen sie.

vanDusen: Haben sie im Verlauf des gestrigen Tages auf dem nahen Gelände der Longhornranch etwas ungewöhnliches wahrgenommen.

Masterson: Was ungewöhnliches, ja hab ich.

Masterson: Du, du willst was gesehen haben du Blindschleiche.

Masterson: Nicht gesehen, alte Rakete, gehört.

vanDusen: Interessant und was haben sie gehört.

Masterson: Krach, Mordsradau, als ob was kaputt geschlagen wird, wie holzhacken bloß lauter.

vanDusen: Sehr interessant.

Masterson: Aber alles hast du doch nicht gehört, du taube Nuß, da war nämlich noch was vorher, da ist der Motor von diesem Flieger gelaufen, ganz lange.

vanDusen: Äußerst interessant, seien sie so freundlich Miss Benteen mir ihren Wagen inklusiv Smoky für kurze zeit auszuleihen.

Benteen: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Ich gedenke eine kleine Exkursion zu unternehmen.

Benteen: Ohne ihre Chronistin und Assistentin.

vanDusen: Ja allein, warten sie hier auf mich in 1, 2 Stunden werde ich zurück sein.

vanDusen: In der voluminösen van Dusen Chronik stellt der Mordfall Don Adams eine höchst kuriose in gewisser weise sogar einmalige Episode dar, nicht in kriminologischer Hinsicht, handelt es sich hier doch um einen eher schlichten Fall, obgleich er durchaus eine finessen kriminologischer und mehr noch aeronautischer Komplexität aufzuweisen hat, kurios und einmalig nenne ich die Affäre, weil ich obschon ausnahmsweise mit 2 Chronisten versehen oder auch geschlagen, mich nichts desto trotz gezwungen sehe, ein wichtiges, ja entscheidendes Kapitel höchstpersönlich als mein eigener Chronist vorzutragen, auch und gerade dem Meisterkriminologen obliegt es gelegentlich in erhabener Isolation fortzuschreiten, so auch hier, dazu bewogen mich nicht etwa Eitelkeit und Selbstglorifizierung, Eigenschaften welche meinem Charakter ohnehin fremd sind, vielmehr das durchaus menschenfreundliche bestreben, Mrs Benteen nicht in Gefahr zu bringen, ich begab mich, sie werden es erraten haben, zur Longhornranch, hier erwartete ich die noch fehlenden Mosaiksteine, die letzten Glieder der logischen Indizienkette aufzuspüren, im Prinzip war der Fall gelöst, ich wußte alles, ich wußte wer Don Adams ermordet hatte und vor allem auf welche Weise die Tat ausgeführt worden war, nunmehr galt es fundierte Spekulation durch solide Beweise und fundiertere Fakten umzuwandeln, auf der Ranch hatte ich freie Hand, da der Hausherr Marmaduke Stetson-Fillmore sich dank meiner vorsorglichen Intervention in Flatfoot bei Sheriff Benteen aufhielt, erwartungsgemäß wurde ich fündig sowohl im Schuppen welcher dem Erfinder als Werkstatt und Hangar diente, als auch im Wohnhaus, hier unterzog ich gerade Stetson-Fillmores aeronautische Aufzeichnungen, Berechnungen, Pläne und Entwürfe für seinen Aeroplan einer kursorischen Durchsicht, als plötzlich.

Stetson: Prof van Dusen, hab ichs mir doch gedacht.

vanDusen: Sie kommen ungelegen, Mr Stetson-Fillmore.

Stetson: Im Gegenteil Prof, ich komme gelegen und vor allem komme ich noch zur rechten Zeit, sie sind doch wohl nicht bewaffnet.

vanDusen: Mit der Wehe des Geistes.

Stetson: Wenns weiter nichts ist, die wird gegen meinen Revolver wenig ausrichten können, legen sie die Papiere aus der Hand, heben sie Arme, treten sie zurück an die Wand, ja so.

vanDusen: Unter uns, wenn ich auch nicht unbedingt mit stetson fillmores Erscheinen gerechnet hatte, traf es mich andererseits doch nicht völlig unvorbereitet, ich hatte gewisse prophylaktische Maßnahmen getroffen, hier auf der Ranch und im Hause des Sheriffs, und war nun darauf angewiesen, daß sie in meinem Sinne zur Geltung kamen, meine ganze Hoffnung ruhte auf dem guten Hatch, keine stabile Basis was die Intelligenz betrifft jedoch ansonsten wie mir wohl bewußt war, durchaus loyal und zuverlässig, also wartete ich ab, ich hielt Stetson-Fillmore hin und versuchte ihn zum reden bringen, ein nicht eben schwieriges Unterfangen.

Stetson: Ein wunderschöner Plan, das müssen sie zugeben, detailliert, durchdacht.

vanDusen: Dilettantisch und durchlöchert, nicht einen Augenblick haben sie mich in die Irre führen können.

Stetson: Aber bester Prof van Dusen, auf einen Experten ihres Kalibers war ich nicht eingestellt, ich rechnete mit Bobby Benteen, sie war als Zeugin meiner Inszenierung vorgesehen, deshalb hatte ich sie ja angerufen und mich hier mit ihr verabredet, daß sie Prof sich gerade zum diesem Zeitpunkt in Flatfoot aufhalten mußten, sagen sie, was hat sie auf die richtige Spur gebracht.

vanDusen: Fragen sie besser was nicht, unter anderem die Tatsache, daß Adams Leiche unter dem Gurt nicht jene Hautverletzungen aufwies welche bei einem Absturz durch Reibung und Druck des Gurtes unbedingt hätten auftreten müssen, Fazit ein Absturz hatte nicht stattgefunden, ferner haben sie den vermeintlichen Aufschlag der Maschine nur höchst oberflächlich und laienhaft simuliert, die Grasnarbe war nicht eingedrückt und in Aufschlagsrichtung verschoben sondern mit dem Spaten ausgestochen, einen weiteren deutlichen Hinweis gab mir sodann die gestern abend vorherrschende Witterung, Wind aus Südwest, dichte Wolken.

Stetson: Unabdingbare Voraussetzungen, auf die ich lange warten mußte Prof.

vanDusen: Versteht sich, bei klarem Himmel wäre Miss Benteen Ohren- und Augenzeugin gewesen, sie durfte jedoch auf keinen Fall sehen, was sich da Fluggeräusche von sich gebend über ihr bewegte.

Stetson: Und was war das, Prof wissen sies.

vanDusen: Selbstverständlich.

Stetson: Wissen sies wirklich.

vanDusen: Als ich mich vor wenigen Minuten in ihrem Schuppen umsah fielen mir einige äußerst interessante Dinge ins Auge, eine gutausgerüstete meteorologische Station zB oder eine Anlage zur Aufnahme phonografischer Wachsplatten, gestern hatte ich unter den Trümmern an der Landebahn einige Objekte ausgemacht welche mit Sicherheit nicht zu einem Aeroplan gehörten, Reste von Ballonseide, Teile eines phonografischen Apparates, Spuren von Wachs, und als ich schließlich hinter ihrem Schuppen ein flüchtig zusammengelegtes Seil fand, ein dünnes aber festes Seil von extremer Länge, 3 km würde ich schätzen, da war alles klar, ich zählte 2 und 2 zusammen.

Stetson: Und was ist dabei rausgekommen, Prof.

vanDusen: Das wissen sie so gut wie ich.

Stetson: Sagen sies, Prof sagen sie mir.

vanDusen: Dank ihres Revolvers sind sie Herr der Situation, wenn sie es denn wünschen bitte sehr, irgendwann im verlauf des gestrigen Tages haben sie Don Adams erschossen, sie haben das Geräusch eines laufenden Aeroplanmotors auf eine Wachsplatte übertragen, dabei wurden sie übrigens belauscht, wie auch bei der Zerstörung der in Anführungszeichen abgestürzten Maschine, die Leiche des ermordeten schnallten sie auf dem Sitz fest, dann verständigten sie Mrs Benteen, sie kennen die länge des Weges von Flatfoot zur Longhornranch, wie auch die für seine Zurücklegung benötige zeit, zusätzlich berechneten sie die Windgeschwindigkeit und zum für sie günstigsten Zeitpunkt ließen sie ihren Pseudo-aeroplan steigen.

Stetson: Bravo Prof genau so wars, weiter, wie sah er aus mein Pseudoaeroplan.

vanDusen: Ein Wetterballon, am welchem ein Phonograf befestigt war auf einer hölzernen Plattform wie ich vermute, diese akustische Attrappe ließen sie wie gesagt am langen Seil über die Wolken steigen, nachdem sie den Phonograf aufgezogen und gestartet hatten, der Wind trieb den Apparat nach Nordost auf Miss Benteens Einspänner zu, nach Ablauf der kalkulierten Zeitspanne holten sie ihn am Seil wieder ein, entzündeten das benzingetränkte Wrack, warfen Ballon und Phonografen nebst Wachsplatte ins Feuer, brachten sich eine leichte Verletzung am Knie bei und harrten der Dinge die da kommen sollten.

Stetson: Bravissimo, exzellent, unübertrefflich, sie wissen alles, Prof bis ins kleinste detail.

vanDusen: Danke, die letzte Lücke, das will ich nicht verschweigen, konnte ich erst schließen nachdem ich einen Blick in ihre Aufzeichnung geworfen hatte, ich meine das Motiv, warum haben sie Don Adams getötet, jetzt weiß ich es, ich weiß, wessen Ideen und Berechnungen haupt- und ursächlich zur Konstruktion ihres aeroplan beigetragen haben, ich weiß wer in Wahrheit der Erfinder und wer lediglich der Gehilfe war.

Stetson: Sagen sie selbst Prof, konnte ich zulassen daß ein Hinterwäldler ein ungebildeter Cowboy sich der Öffentlichkeit als Erfinder und Konstrukteur des ersten Motorfliegers der Welt präsentierte, das mußte ich verhindern.

vanDusen: Und dabei mein bester haben sie ihren Aeroplan geopfert.

Stetson: Das tut mir nicht weh Prof, das Wrack war die Stetson Fillmore1 meine erste Maschine, überholt, veraltet, sie sind in mein Schuppen eingedrungen, Prof da haben sie doch sicher die Stetson Fillmore 2 gesehen.

vanDusen: Gewiß ein ebenfalls noch unausgereiftes Model, wie sich bereits bei flüchtiger Inspektion unschwer feststellen ließ.

Stetson: Nur kein Neid, verehrter Prof, ob die SF2 ausgereift ist oder nicht, das werden sie selbst überprüfen können, sie werden sie nämlich als erster fliegen, zumindest wird es so aussehen.

vanDusen: Ich verstehe, Sie planen ein zweiten Flugzeugunfall.

Stetson: Ganz recht, Prof der weltberühmte Wissenschaftler, Erfinder und aeronautische Experte hat die Maschine bei mir entdeckt und konnte der Versuchung nicht widerstehen sie in Person zu erproben, da jedoch ein großer Theoretiker nicht unbedingt auch ein guter Praktiker sein muß, hat er bei seinem Testflug leider, leider Bruch gemacht, schon beim Start, fürchte ich.

vanDusen: Ich nehme an sie wollen wie im Fall Adams vorgehen, den Aeroplan auf die Landebahn rollen, zerschlagen, mit Benzin übergießen.

Stetson: Sie erschießen, reinsetzen, Streichholz und bumm, so ist es, Prof schade um die SF2 aber was solls, bauen wir eben eine neue Maschine die SF3, kommen sie sie müssen mir zur hand gehen, übrigens schade auch um sie, Prof aber es ist ganz allein ihre schuld, was mußten sie sich einmischen, los.

Hatch: So jetzt ist Schluß mit dem hin und her, jetzt übernimmt Hutchinson Hatch wieder das Kommando, und er wird es nicht mehr abgeben, bis der Fall zu einem guten ende gebracht ist, fangen wir damit an daß wir die Uhr um etwa ein stunde zurückdrehen, 12 Uhr mittag, high noon, wie man im wilden westen sagt, ich lag in Benteens guter Stube im Bett, ich war allein, der Sheriff hatte sich zurück gezogen um ein Mittagschläfchen zu halten, und auch ich döste ein bißchen vor mich hin, plötzlich drangen geisterhafte stimmen an mein Ohr.

Stetson: Auf die ich lange warten muß, bei klarem Himmel wäre.

Hatch: Was ist Prof, sind sie das, Prof, wo stecken sie, keiner da, stimmen, wo kommen die her, von dahinten von der Wand, wo das Telefon ist, Telefon richtig das Telefon, mir fiel was ein, bevor van Dusen mit Bobby Benteen aufbrach, hatte er den Telefonhörer von der Gabel genommen und neben den Apparat gelegt, warum hatte ich gefragt und er hatte gesagt, ich habe meine Gründe, lassen sie den Hörer auf jeden Fall liegen.

vanDusen: Ich muß mich noch einmal ganz kurz einschalten, es handelte sich hier um eine der bereits erwähnten prophylaktische Maßnahmen meinerseits, eine zweite derartige Maßnahme hatte ich im Wohnhaus der Longhornranch getroffen in dem ich auch dort den Hörer des Telefons abgenommen hatte, so bestand nun zwischen beiden punkten eine offene telefonische Verbindung, nach Stetson-Fillmores Erscheinen hatte ich meinen Standort mit Bedacht in der nähe des Telefon gewählt, und darüberhinaus bemüht möglichst laut sprechen, sie dürfen in ihrem Bericht fortfahren.

Hatch: Wenn sie fertig sind.

vanDusen: Ja, ja.

Hatch: Also ich sprang aus dem Bett, lief ans Telefon, hörte zu und schon nach wenigen Sekunden war mir die Situation klar, Prof van Dusen schwebte in größter Gefahr, ich mußte was unternehmen, und zwar auf der stelle, natürlich hätte ich Bettruhe halten sollen aber darauf konnte ich jetzt keine Rücksicht nehmen, es ging um wichtigeres als das Gehirn von Hutchinson Hatch, es ging um das leben der Denkmaschine, ich zog mich an, was trägt der stilsichere Mann der Tat wenn er im wilden Westen aktiv wird, richtig, die Cowboykluft, die ich mir ein paar wochen vorher in Santa Fee zugelegt hatte einschließlich Silbersporen und Beinschützer aus Bärenfell, so ausgerüstet, trommelte ich Sheriff Benteen raus, und als der mitgekriegt hatte was los war, holte er seine Leute zusammen, dann gings hoch zu Roß im Galopp durch die Prärie, unterwegs sammelten wir noch Bobby ein und die beiden Altchen, die sich partout nicht abschütteln ließen, jipehi, dann sofort weiter, jede Sekunde zählte, und was werden sie fragen, was geschah indessen auf der Longhornranch.

Stetson: Gut so, da bleibt sie stehen, die Maschine, da will ich sie haben, danke für ihre Mitarbeit, Prof jetzt werde ich sie erschießen müssen.

vanDusen: Das glaub ich nicht mein lieber Stetson-Fillmore.

Stetson: Machen sie doch keine Schwierigkeiten Prof.

vanDusen: Schwierigkeiten werden ihnen andere machen, Stetson-Fillmore, drehen sie sich um, sehen sie dorthin.

Stetson: Reiter, sie kommen hierher.

vanDusen: Allem anschein nach ein Aufgebot geführt wenn ich recht sehe vom Sheriff und von meinen Freund Mr Hatch.

Stetson: Gehen sie zur Seite Prof.

vanDusen: Sie beabsichtigen den Aeroplan zu starten.

Stetson: Der Tank ist voll, der Himmel steht mir offen, ich könnte sie noch immer erschießen Prof.

vanDusen: Was würde ihnen das nutzen.

Stetson: Da haben sie recht, leben sie wohl Prof van Dusen.

vanDusen: Ich warne sie, Stetson-Fillmore, ihr Aeroplan ist nur bedingt flugtauglich.

Stetson: Wir werden ja sehen, Prof.

Hatch: Die Flugmaschine mit Stetson-Fillmore im Sitz rollte immer schneller die Startbahn entlang, direkt auf uns zu, was sollten wir machen, wir spritzten auseinander, alle nur nicht unsere beiden Wildwestfossilien auf ihren klapprigen Maultieren, Bat Masterson zog seelenruhig einen vorsintflutlichen Revolver aus dem Gürtel, Pearl nahm gelassen ihr Lasso vom Sattelknopf.

Masterson: Feuer.

Masterson: Worauf schieß du denn du blindes Huhn.

Masterson: Auf den Flieger, du alte Granate.

Masterson: Das denkst du, du hast mir ein loch in den Hut geschossen, du Dösbakel.

Masterson: Hab ich nicht.

Masterson: Hast du wohl, dann muß ich wohl das teufelsding stoppen, duck dich Bat.

Hatch: Pearl Masterson warf ihr Lasso, die schlinge legte sich um die rechte Flügelspitze und rieß den aeroplan herum, er kam von der Startbahn ab, rollte auf das Wohnhaus zu, krachte gegen die Wand, die Stetson Fillmore II war ein brennendes Wrack.

vanDusen: Sie wäre ohnehin nicht weit gekommen.

Benteen: Stetson-Fillmore ist tot.

Bobby: Wie der arme Don Adams.

Hatch: Und wer erfindet jetzt den Motorflug, sie Prof.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich denke nicht daran, theoretisch ist der gesamte Komplex bereits geklärt, die Lösung der verbleibenden minimalen technischen Probleme liegt tief unter der Würde eines Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Tja meine Damen und Herren, so kam es daß der Ruhm des Flugzeugerfinders nicht Prof van Dusen zufiel, nicht Don Adams und erst recht nicht Marmaduke Stetson-Fillmore, sondern ein gutes Jahr später den Gebrüdern Wright, den Namen kann man sich auch viel besser merken.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Roberta (Bobby) Benteen: Therese Hämer
Sheriff Benteen: Dietrich Körner
Marmaduke Stetson-Fillmore: Wolfgang Condrus
Bat Masterson: Herbert Weißbach
Pearl Masterson: Steffi Spira

Michael Koser: Prof. van Dusen Augustus im Wunderland (RIAS 1992)

Horrocks: Wer sind Sie?

vanDusen: Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen…

Jellypot: Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten.

vanDusen: Wie bitte.

Jellypot: Und die Mohm-Ralben krotzten.

vanDusen: Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot.

Jellypot: Wie kommen Sie darauf, Kollege van Dusen.

vanDusen: Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren.

Jellypot: Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem.

Hatch: Jabberwocky von Lewis Carroll.

Jellypot: Ah Sie kennen Jabberwocky Mr.

Hatch: Hatch Hutchinson Hatch Begleiter Assistent und Chronist von Prof.van Dusen.

Jellypot: Nun Mr. Hatch da Sie Jabberwocky kennen ist ihnen zweifellos auch bewußt daß es mit dem Datum des heutigen Tages eine ganz besondere Bewandtnis hat.

Hatch: 4 Juli 1903, klar unser Nationalfeiertag, Unabhängigkeitserklärung, George Washington, Konfetti, Pappnasen, Feuerwerk, allgemeines Besäufnis.

Jellypot: Ihr transatlantischer Patriotismus in ehren, doch ich meine etwas anderes, der 4. Juli ist ein historischer Meilenstein in der Entwicklung von Fantasie und Kreativität, denn am 4. Juli 1862 vor 41 Jahren wurde sie zum ersten Male erzählt, die unsterbliche Geschichte von Alice im Wunderland, erzählt von ihrem Schöpfer Charles Ludwig Dowson, der sich als Autor Lewis Carroll nannte und zwar hier, meine Herren, an diesem Ort, sie wissen doch, ein goldener Sommernachmittag, geruhsam treibt das Boot.

Hatch: Jetzt war es Vormittag, aber sonst stimmte alles, der Sommer, das Boot und auch der Fluß war derselbe, nämlich die Themse, nur daß sie hier in der Gegend von Oxford nicht Themse hieß sondern Isis, am Vorabend hatte Prof van Dusen vor auserwählten Lehrkörpern der Universität einen Vortrag gehalten über die atomare Strukturtheorie der Elemente und ihre Bedeutung für den Fortschritt der Wissenschaft, oder so ähnlich, unser Gastgeber Dekan Jellypot war davon offenbar so angetan gewesen, daß er uns für den nächsten Vormittag zu einer traditionellen oxforder Bootsparty eingeladen hatte, Sektfrühstück am Ufer inklusive, wir landeten an einem stillen Seitenarm, Diener arrangierten Decken, Kissen und Klappstühle, richteten den Imbiß her, öffneten Champagnerflaschen.

Jellypot: Du hast gefällt den jaberwok, umarme mich, mein Sohn und Held, o quarlich tag, heisa halop so strohlt er stolzgeschwelt.

Hatch: Bravo Dekan, schönes Plätzchen genau richtig für ein Picknick, da hinten der graue Turm über den Bäumen.

Jellypot: Schloß Twickenham, Mr Hatch, seit Jahrhunderten im Besitz der Familie, ein hochinteressantes Stück normannischer Architektur.

Diener: Wenn sie gestatten Sir, es ist angerichtet.

Jellypot: Sehr schön Blackstock, so lassen sie uns denn der improvisierten Tafel zusprechen meine Herren.

vanDusen: Dodgson, Dodgson, vor Jahren ein mittelmäßiger Mathematiker zu Oxford wenn ich nicht irre.

Jellypot: Und ein begnadeter Schriftsteller, Kollege van Dusen.

vanDusen: Doch wohl eher ein müßiger Produzent kindlichen Unsinn, Kollege Jellypot, eine Aktivität welche mit dem profunden Streben des seriösen Wissenschaftlers schlichterdings nicht in Einklang zu bringen ist.

Jellypot: Meinen sie, werter Kollege, nun wie dem auch sei, ist an der Zeit, das Walroß sprach meine Herren, ich erhebe mein Glas auf den Geburtstag der vereinigten Staaten von Amerika.

Hatch: Hipp Hipp Hurra und auf den großen Lewis Carroll.

Jellypot: Ehre seinem Andenken.

Hatch: Komischer Nachgeschmack, ich weiß nicht, ich bin auf einmal so müde, die Augen, kann sie nicht mehr aufhalten.

vanDusen: Auch ich mein lieber Hatch vermag mich einer gewissen Somnolenz nicht zu erwehren.

Hatch: Der Champagner, Prof.

Jellypot: Nimm dich vor Jabberrok in acht.

Hatch: Da war was darin.

Jellypot: Es schnappt der Zahn.

vanDusen: Veronal.

Jellypot: Die Klaue kratzt.

vanDusen: Chloralhydrat.

Jellypot: Hüt dich vorm Jupjup in der Nacht und vor dem Wanderschnatz.

Hatch: Die Augen fielen mir zu, die Sinne schwanden, ich hatte das Gefühl zu fallen, zu stürzen, tiefer immer tiefer in die Erde durch die Erde, dann nichts mehr, ich kam zu mir, schlug die Augen auf, sah mich um, die Uferwiese an der Themse war verschwunden, ich lag auf einer kleinen Waldlichtung, verschwunden waren auch der Dekan, sein Diener, sein Picknick und sein einschläfernder Champagner, van Dusen war zum glück noch da, er lag neben mir im Tiefschlaf und säuselte durch die Nase, sonst kein Geräusch, doch schnelle Schritte aus der ferne, eine Stimme murmelte, da kam jemand, ich richtete mich auf.

Lord: Oje oje ich komm zu spät, o meine armen Pfoten, o mein Pelz, o meine Schnurhaare, zu spät, ich komm zu spät.

Hatch: Hallo sie da Augenblick mal, warten sie, es hörte nicht auf mich, es raste vorbei und war weg, es, ja sie haben richtig gehört, es, ein weißes Kaninchen fast so groß wie ich, in Weste und karierter Jacke, eine mächtige Zwiebel von Uhr in der Hand, ich starrte ihm nach aber ehe ich überhaupt anfangen konnte mich zu wundern, räusperte sich wer oder was hinter mir, ich drehte mich um, auf einem riesengroßen Fliegenpilz saß eine riesengroße Raupe, rauchte eine riesengroße Wasserpfeife und sah mich kritisch an.

Horrocks: Wer sind sie.

Hatch: Tja wer bin ich, heute früh war ich noch Hutchinson Hatch, alles klar, keine Probleme, aber inzwischen ist so viel passiert, wissen sie.

Horrocks: Ich weiß nicht, erklären sie sich.

Hatch: Das ist gar nicht so leicht.

vanDusen: Hatch was ist geschehen, wo befinden wir uns.

Hatch: Keine Ahnung Prof, gut geschlafen, wie fühlen sie sich.

vanDusen: Leidlich danke, nach dem Stand der Sonne haben wir mittag.

Hatch: 3 nach 12 sagt meine Uhr.

vanDusen: Das heißt ich befand mich für ca 2 Stunden im zustand der Bewußtlosigkeit, mein gott was ist das.

Horrocks: Wer sind sie.

vanDusen: Ich bin Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Die Denkmaschine, Wissenschaftler und Amateurkriminologe von Weltruf, und jetzt ist es wohl an der zeit, daß sie sich vorstellen.

Horrocks: Warum.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Sehen sie dasselbe was ich sehe, eine Raupe, etwa 1m70 groß.

Horrocks: 1,72.

vanDusen: Eine Raupe welche spricht und Wasserpfeife raucht.

Hatch: Und wenn man genauer hinsieht große Ähnlichkeit mit einem älteren Herrn in einem Raupenkostüm hat.

vanDusen: Finden sie, mein lieber Hatch, was geschieht mit mir, halten sie es für möglich daß ich der das Genie stets bedrohenden Gefahr erlegen bin und ohne es wahrzunehmen die Schwelle zum, zum Wahnsinn überschritten habe.

Hatch: Nicht doch, Prof, machen sie sich keine Sorgen, mir gehts genau wie ihnen, und daß ich kein Genie bin, das wissen sie.

vanDusen: Niemand besser als ich, wenn nicht Wahnsinn was dann, ein Traum.

Hatch: In diesem Fall erhebt sich die Frage, bin ich in ihrem oder sind sie in meinem Traum.

vanDusen: Ich bitte sie, ein Prof van Dusen hat es wohl kaum nötig die Träume anderer zu frequentieren.

Hatch: Ist ja gut Prof und total unnötig, ich weiß jetzt was hier los ist, wir sind nicht in einem Traum, wir sind in einem Buch.

vanDusen: In der Tat, mein lieber Hatch.

Hatch: Bei mir war der Groschen gefallen, endlich, wir waren im Wunderland, im Wunderland von Alice, in Lewis Carrolls Wunderland am 4. Juli am Lewis Carroll Tag, wieso warum weswegen das wußte ich natürlich nicht, aber ich machte mir deshalb auch keine Sorgen, die Sache war nicht ernst und schon gar nicht gefährlich, vermutlich eine Art Spiel.

vanDusen: Und was sollen wir tun mein lieber Hatch.

Hatch: Mitspielen Prof.

vanDusen: Ich denke nicht dran.

Hatch: Seien sie kein Spielverderber, Prof machen sie mit, und wenn das Spiel zu Ende ist, wird sich alles in wohlgefallen auflösen und dann verehrter Meister Mr Raupe werden wir auch erfahren wer sie sind.

Horrocks: Durchaus denkbar.

Hatch: Ganz netten Pilz haben sie hier.

Horrocks: Finger weg, machen sie nichts kaputt.

Hatch: Eine Holzkonstruktion mit Stoff bespannt, kommen sie Prof.

vanDusen: Wohin mein lieber Hatch.

Hatch: Sehen sie, das kommt davon, wenn man das Buch Alice im Wunderland nicht kennt, hätten sie sich ein bißchen mehr mit wie haben sie gesagt kindischen Unsinn abgegeben, dann wären sie jetzt nicht drauf angewiesen daß ich sie führe, na seien sie froh daß sie mich haben, Prof, kommen sie hier gehts lang.

vanDusen: Wie sie meinen mein lieber Hatch.

Hatch: Ich war der Chef, ich sagte wos langging und van Dusen war zahm und parierte aufs Wort, verkehrte Welt, wenn sie wissen, wie der Prof sonst mit mir umgeht, dann können sie sich vorstellen, wie mir zumute war, wunderbar, ganz wunderbar, und so ging ich denn wie auf rosa Wolken voran durchs Wunderland und hielt Ausschau nach dem Haus der Herzogin, aber das hatten sie in dieser Wunderlandausgabe anscheinend eingespart, jedenfalls ging es gleich weiter mit der Chesshirekatze, sie hockte an einem Baum am Wegesrand und grinste über ihr ganzes rundes Mondgesicht.

vanDusen: Die Gesichtszüge dieser Kreatur erfreuen sich sofern dies der korrekte Ausdruck ist einer geradezu erstaunlichen Übereinstimmung mit denen meines werten Kollegen Dekan Jellypot.

Hatch: Ganz ihrer Meinung Prof, wenn man den Dekan in ein Katzenkostüm steckt, ihm Schnurrhaare verpaßt und ihn auf einen Ast setzt, moment wie war denn das noch, aja, verehrteste Chesshirekatze, können sie uns sagen welchen Weg wir einschlagen sollen.

vanDusen: Aber Hatch es gibt doch nur diesen einen Weg.

Jellypot: Das hängt davon ab, wohin sie gehen wollen, auf einen Seite wohnt ein Hutmacher und auf der anderen Seite wohnt ein Märzhase, ob sie den einen oder den anderen besuchen, sie sind beide verrückt, wir sind alle verrückt hier, ich bin verrückt, sie sind verrückt, sie auch Kollege van Dusen.

vanDusen: Ich verbitte mir ihre Verbalinjurien Kollege Jellypot, steigen sie herunter von ihrem Ast und erklären sie mir gefälligst.

Hatch: Immer mit der Ruhe Prof, nicht so verbiestert, mitspielen heißt die Parole, wie kommen sie darauf, daß wir verrückt sind.

Jellypot: Sie müssen verrückt sein, sonst wären sie nicht hier.

Hatch: Ok das reicht, denke ich, weiter Prof, nächste Station sollte die verrückte Teegesellschaft sein beim Märzhasen, wird auch Zeit nach dem abgebrochenen Picknick und dem ausgefallenen Lunch daß wir was in den Magen kriegen, bleiben sie nur dicht bei mir.

vanDusen: Sie sind der Führer, mein lieber Hatch.

Hatch: Unterwegs begegneten wir zum zweiten mal dem weißen Kaninchen, es wetzte wieder vorbei ohne uns zu beachten, und dann waren wir auch schon am Haus des Märzhasen, auf der Wiese davor stand ein langer Tisch mit vielen Gedecken, Teetassen, Tellern, Teekannen, an einem Ende saßen drei Personen dicht beieinander, der Hutmacher, ein älterer Mann mit Hakennase und Schnauzbart unter seinem hohen Zylinder, der Märzhase mit langen Ohren in einem lila Samt- anzug und zwischen den beiden die Haselmaus in einem altmodischen schwarzen Seidenkleid und einer braunen Kappe mit spitzen Mauseohren, viel sah man nicht von ihr, sie hatte die Arme auf dem Tisch und den Kopf auf den Armen, sie schlief dachte ich, alles so wie es sein sollte.

Roselli: Kein Platz.

Tiptoe: Alles besetzt.

Hatch: Ach was, Platz genug, setzen sie sich Prof.

vanDusen: Wenn sie das für richtig halten mein lieber Hatch.

Roselli: Nehmen sie einen Schluck Champagner meine Herren.

Hatch: Ich kann mich beherrschen, außerdem ich sehe hier keinen.

Tiptoe: Ist ja auch keiner da, bloß Tee.

Hatch: Gestatten daß wir uns bedienen, naja kein Whisky aber besser als gar nichts.

Tiptoe: Können sie mir vielleicht sagen, welchen Tag wir heute haben.

Hatch: Den 4.

Tiptoe: Ah, ich muß meine Uhr stellen, die geht 2 Tage nach, ich hab ihnen gesagt Butter ist nicht gut fürs Werk.

Roselli: Es war beste Butter.

Tiptoe: Ja aber es müssen auch ein paar Krumen reingeraten sein, sie hätten die Butter nicht mit dem Brotmesser in die Uhr tun sollen.

Hatch: Um die Sache ein bißchen abzukürzen schlage ich vor daß sie jetzt die Haselmaus wecken damit sie uns die Geschichte von den drei Schwestern im Sirupbrunnen erzählt.

Tiptoe: Einverstanden, wachen sie auf, Haselmaus.

Roselli: Los, los Haselmaus aufwachen.

Tiptoe: Sie rührt sich nicht, Märzhase.

Roselli: Geben sie ihr einen Stoß Hutmacher, stups.

Hatch: Die Haselmaus fiel um mit ihrem Stuhl, blieb liegen und rührte sich nicht, das stand nicht im Buch, ich starrte, der Hutmacher starrte, der Märzhase starrte, van Dusen starrte auch aber nicht verdutzt oder erschrocken wie wir übrigen sondern interessiert, angeregt, fast erfreut, er beugte sich über die reglose Haselmaus.

vanDusen: Die Frau ist tot, gestorben von einer halben Stunde.

Hatch: Zehn nach 1 weniger 30 Minuten, zwanzig vor 1 Prof.

vanDusen: Ganz recht, mein lieber Hatch 12 Uhr 40, kommen sie her Hatch.

Hatch: Gewiß doch.

vanDusen: Bücken sie sich tiefer, tiefer, so was riechen sie.

Hatch: Bittere Mandeln.

vanDusen: Sehr richtig und das heißt.

Hatch: Zyankali.

vanDusen: Sehr gut, auf welche weise hat die Frau das todbringende Gift zu sich genommen, aha bringen sie ihre Nase in Kontakt mit dieser Teetasse.

Hatch: Zyankali und noch was.

vanDusen: Jene hellbraune Flüssigkeit von der sich noch ein Rest am Boden der Tasse befindet.

Hatch: Sieht aus wie Tee, Sherry, eindeutig Sherry medium dry.

vanDusen: Sehr schön, die Teetasse der toten enthielt mit Zyankali versetzten Sherry, ein Fall, womöglich ein Mord, ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet.

Hatch: Prof van Dusen vor wenigen Minuten noch gedrückt und ziemlich durcheinander hatte sich bekrabbelt, ein bißchen Zyankali, eine Leiche und schon war er wieder der alte, während er die Tote untersuchte, mußte ich ihr die Kappe mit den Mauseohren abnehmen, und die dicke braune Schminke aus dem Gesicht wischen, zum Vorschein kam eine Frau etwa mitte 30 gepflegt, gutaussehend, und da wurden Märzhase und Hutmacher, die uns bisher stumm und wie gelähmt zugeschaut hatten plötzlich munter.

Roselli: Das das das ist noch nicht Mrs Marshmellow.

Tiptoe: Das ist Lady Twickenham.

Roselli: Aber das ist doch gar nicht möglich, Lady Twickenham ist nicht die Haselmaus.

Tiptoe: Die Haselmaus spielt Mrs Marshmellow.

Roselli: Und wieso.

vanDusen: Bitte meine Herren, sie werden später hinreichend Gelegenheit zu ausführlichen Erklärungen erhalten, sehen sie her, dies Blatt Papier habe ich im ausschnitt der toten entdeckt, übrigens von ihrer Kleidung abgesehen das einzige was sie bei sich trug, ein bedeutsamer Hinweis.

Hatch: Das Papier.

vanDusen: Gewiß auch das, doch von erheblich größerer Bedeutung ist das was ich nicht bei der Leiche fand, lesen sie.

Hatch: Aye aye Sir, Vorleser vom Dienst Hutchinson Hatch waltet seines Amtes, es war stets mein brennender Wunsch einmal, ein einziges mal im Wunderland mitzuwirken, doch man erwies sich allen meinen Bitten gegenüber als unzugänglich, mein Verlangen wurde übermächtig, ich tötete Mrs Marshmellow, um ihren Platz und ihre Rolle im Wunderland einzunehmen, mein gott was habe ich getan, als Mörderin kann und will ich nicht weiterleben, Unterschrift, soweit zu entziffern, Gertrud Twickenham, ja Selbstmord also.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Was denn sonst, sie hat sich selbst vergiftet diese Gertrud Twickenham klarer Fall.

Roselli: Seine Lordschaft, Tiptoe, da kommt seine Lordschaft.

Hatch: Lordschaft, meinen sie das weiße Kaninchen.

Tiptoe: Das weiße Kaninchen ist Lord Twickenham.

Hatch: Ach was.

Roselli: Wir müssen es ihm sagen Tiptoe, das mit seiner Frau.

Tiptoe: Ja Roselli das müssen wir wohl, Milord, Lord Twickenham hallo.

Lord: Was soll das, Tiptoe, sie fallen aus der Rolle.

Roselli: Es muß sein, Milord, kommen sie, es ist was passiert.

Tiptoe: Was furchtbares Milord.

Hatch: Lord Twickenham kam sah und wurde informiert und war konsterniert, verständlich, aber mit Tee und guten Worten kriegten wir ihn soweit hin, daß er van Dusen eine Frage beantworten konnte.

Lord: Ja Prof das ist die Handschrift meiner Frau, kein Zweifel, sie hat den Brief geschrieben.

vanDusen: Danke Milord, und nun meine Herren ist es wohl an der Zeit, daß sie mir Aufklärung zuteil werden lassen.

Hatch: Und mir bitte auch.

vanDusen: Was geht hier vor, was wird gespielt, ich höre.

Tiptoe: Also wenn sie gestatten Milord werde ich das übernehmen, sie sind wohl kaum in der Lage, verehrte anwesende ich beginne.

vanDusen: Am besten damit daß sie sich vorstellen.

Tiptoe: Ja gewiß Tiptoe, Oberst Tiptoe, Chiefconstable dieses Bezirks und mein Partner der Märzhase ist Mr Rafael Roselli.

Hatch: Der Dichter.

Roselli: Der weltberühmte Poet Mr Hatch.

vanDusen: Was sie nicht sagen und was veranlaßt einen Polizeichef, einen namhaften Lyriker, und ein Mitglied des Hochadels sich in kurioser Maskerade ausgefallenen Spielen hinzugeben.

Tiptoe: Das will ich ihnen ja gerade erklären Prof und dazu muß ich wenig ausholen, meine Herren, als anno domini 1898 vor 5 Jahren Lewis Carroll alias Prof Dodgson diese Welt verließ, da fand sich eine kleine erlesene Schar von Verehrern und Bewunderern des dahingeschiedenen zusammen und beschloß dem Andenken jenes ungewöhnlichen Menschen und Autors auf eine Weise ehre zu zollen die ihm angemessen, die seiner würdig sei.

Hatch: Hört, hört.

Tiptoe: Am 4. Juli jeden Jahres sollte so der feierliche Beschluß, Carrolls bedeutendste Schöpfung, das Wunderland mitsamt seinen Bewohnern den Bereich der Fiktion verlassen und für kurze Zeit Gestalt in der Realität annehmen, zu diesem zwecke stellte unser Mitglied der ehrenwerte Lord Twickenham großzügigerweise ein Grundstück zu Verfügung, das Grundstück auf welchem wir uns befinden.

Lord: Früher mal ein Fanasengehege wissen sie Prof.

Tiptoe: Es ist von einer hohen Mauer umgeben, und diese wie auch das einzige Tor wird von den Dienern seiner Lordschaft auf strengste bewacht.

Lord: Wir wollen nämlich nicht gestört werden.

Tiptoe: Und legen großen Wert darauf unter uns zu bleiben.

Hatch: Das konnte ich mir denken, jedes Mitglied des exklusiven Kreises spielte am 4. Juli eine Figur aus Alice im Wunderland, Hutmacher, Märzhase weißes Kaninchen usw die qualmende Raupe hieß Dr. Horrox weiland Leibarzt ihrer Majestät Königin Viktoria gott hab sie selig und die Chesshirekatze war tatsächlich Dekan Jellypot.

vanDusen: Ein Wissenschaftler von seinem Ruf auf einem Baum, angetan mit Katzenohren und einem geringelten Katzenschwanz, es ist unfaßbar.

Tiptoe: Der Bischof von Snodbury spielt die Herzkönigin und wie ich seine ehrwürden kenne wird er es sehr bedauern, daß er dieses mal nicht zum Einsatz kommt.

Roselli: Er kann zwar nicht herumlaufen weil er ein steifes Bein hat, aber das macht er wett durch Lautstärke und eine unglaublich blutdürstige Mimik.

Hatch: Runter mit den Köpfen.

Tiptoe: Ganz recht und dann wäre da noch Mrs Marshmellow.

vanDusen: Richtig Mrs Marshmellow und wer ist Mrs Marshmellow.

Tiptoe: Mrs Marshmellow ist ein Sonderfall, das einzige weibliche Mitglied unser Runde, an sich sind wir ein reiner Herrenclub, Damen sind bei uns nicht willkommen grundsätzlich nicht.

Hatch: Find ich altmodisch und langweilig, sie sind ein bißchen hinter dem Mond alter Freund.

Tiptoe: Sie als Amerikaner und Journalist haben wohl kaum das rechte Gespür für historische Werte und Traditionen, Mr Hatch, nicht einmal Lady Twickenham haben wir in unseren Kreis aufgenommen, obwohl sie in ihrer Kindheit mit Lewis Carroll gut bekannt war.

Lord: Immer wieder hat sie uns bekniet, aber daß sie so versessen drauf war, das haben wir nicht gewußt.

vanDusen: Und warum haben sie bei Mrs Marshmellow eine Ausnahme gemacht.

Tiptoe: Wie gesagt Prof ein Sonderfall, Mrs Marshmellow hat Carroll jahrelang die Wirtschaft geführt, in Eastbourne, wo der Meister sich nach seiner Emeritierung vorzugsweise aufgehalten hat, er hat sie sehr geschätzt so sehr daß er sie zu seiner alleinigen Testamentvollstreckerin einsetzte.

Hatch: Und sie ist also die Haselmaus in ihrem Wunderland.

Tiptoe: So ist es aber dieses mal.

vanDusen: Dazu später Oberst, vorher wünsche ich Antwort auf eine Frage, welche mich bereits seit geraumer zeit beschäftigt, was haben meine Person und die meines Freundes Mr Hatch mit ihrer kindischen Komödie zu schaffen.

Roselli: Sie sind unsere Ehrengäste Prof.

Hatch: Sieh mal an, ohne daß wir was davon wissen.

Tiptoe: Ja aber das ist es doch gerade Mr Hatch, sehen sie.

Hatch: Jedes Jahr sagte Oberst Tiptoe, guckte der Lewis Carroll Club sich einen prominenten Ehrengast aus, der wurde dann ohne daß er ahnte wie ihm geschah am 4 Juli im Wunderland ausgesetzt, in der Rolle von Alice sozusagen, wenn der Gast sich gut aus der Affäre gezogen hatte, trug man ihm nach der Demaskierung beim großen Festbankett auf Schloß Twickenham die Ehrenmitgliedschaft im exklusiven Kreis der Carroll Fans an.

Tiptoe: Ja und in diesem Jahr Prof sind sie unser Ehrengast, mit Mr Hatch natürlich bekanntlich bilden sie beide ein unzertrennliches Duo, der Vorschlag kam übrigens von Jellypot, und Jellypot hat es auch übernommen für ihre wie soll ich sagen Überstellung ins Wunderland sorge zu tragen.

vanDusen: Ich verstehe, sobald der Fall abgeschlossen ist, beabsichtige ich mit dem werten Kollegen Jellypot einige ernsthafte Worte zu wechseln, bleiben wir beim Geschehen des heutigen Tages, wann haben sie und Genossen dieses Gelände betreten.

Tiptoe: Das Wunderland, halb 12 wie immer, wir sind zusammengekommen zu fuß, von Schloß Twickenham.

Lord: Nur ein paar hundert Meter, Prof.

Tiptoe: Wir haben uns schon gestern abend auf dem Schloß getroffen wie immer und die meisten von uns haben da übernachtet.

vanDusen: Auch Mrs Marshmellow.

Lord: Ja Prof.

vanDusen: Als sie alle sich um 11 Uhr 30 an diesem Ort begaben, da waren sie wie ich vermute bereits kostümiert.

Tiptoe: Natürlich wie immer.

Roselli: Darum ist uns ja an der Haselmaus nichts aufgefallen, daß sie nicht Mrs Marshmellow war sondern Lady Twickenham meine ich oder haben sie was gemerkt Tiptoe.

Tiptoe: Nicht das geringste, Roselli.

vanDusen: Sie nahmen dann ihre Plätze ein.

Tiptoe: Ja wir drei, Mrs Mars äh ich meine die Haselmaus, Roselli und ich sind gleich hierhergekommen.

vanDusen: Wann war das.

Tiptoe: Viertel vor 12 ungefähr und dann haben wir gewartet.

Hatch: Auf uns.

Tiptoe: Natürlich.

vanDusen: Wie hat sich die Haselmaus in dieser Zeit verhalten.

Tiptoe: Wie immer, Prof, sie hat kein Wort gesagt und vor sich hin gedöst.

vanDusen: So und bis zum erscheinen von mir und Hatch saßen sie zu dritt an diesem Tisch zusammen.

Tiptoe: So ist es Prof.

vanDusen: Die ganze Zeit, jede Sekunde.

Roselli: Moment, einmal haben wir uns kurz verabsentiert, Tiptoe und ich, ins Haus.

vanDusen: Ah, wann war das.

Tiptoe: Muß so kurz nach halb 1 gewesen sein.

vanDusen: Aha, aus welchem Grund haben sie sich entfernt meine Herren.

Tiptoe: Ja wissen sie Prof bevor es losging wollten wir uns noch schnell einen Schluck genehmigen, einen richtigen.

Roselli: Tee müssen wir später genug trinken.

vanDusen: Was genau haben sie zu sich genommen.

Tiptoe: Whisky natürlich.

Hatch: Natürlich.

Tiptoe: Aus meiner Taschenflasche.

vanDusen: Sehr interessant, aus ihrer Taschenflasche, Milord Twickenham, Mr Roselli, gehen sie, informieren sie ihre Mitakteure, bringen sie sie hierher, die Komödie ist zu ende.

Tiptoe: Leider Prof für dieses Jahr.

vanDusen: Sie bleiben Oberst Tiptoe.

Hatch: Ich blieb auch, sie wissen ja ein unzertrennliches Duo, und als Lord und Dichter verschwunden waren, stellte van Dusen an Tiptoe ein etwas ungewöhnliches Ansinnen.

Tiptoe: Meine Taschenflasche, wenn sie meinen Prof bitte.

vanDusen: Mein lieber Hatch, prüfen sie den Inhalt.

Hatch: Mit Vergnügen.

vanDusen: Nicht trinken, riechen.

Hatch: Okay, allerfeinster schottischer Maltwhisky.

Tiptoe: Das will ich meinen Mr Hatch.

vanDusen: Kein Sherry.

Hatch: Niemals Prof.

vanDusen: Ist Mr. Roselli ebenfalls im Besitz einer solchen Taschenflasche Oberst.

Tiptoe: Wissen sie, Prof wir haben alles was zur Stärkung bei uns, wenn wir Wunderland spielen, bloß Roselli nicht, der ist ein typischer Mittrinker.

vanDusen: Und wie ich mich überzeugen konnte enthalten die Gefäße auf dem Tisch lediglich Tee, damit steht es fest, Lady Twickenham wurde ermordet.

Tiptoe: Ja aber der Brief.

vanDusen: Richtig der Brief, falls sein Inhalt zutrifft haben wir es mit 2 Morden zu tun.

Tiptoe: Mrs Marshmellow, meinen sie Prof ob sie wirklich tot ist.

vanDusen: Dies werden wir auf Schloß Twickenham zu verifizieren haben.

Hatch: Und das taten wir auch, allerdings nicht sofort, wir mußten erst auf die andern warten, auf Dr Horrox die Raupe, auf die Chessarketze Dekan Jellypot, den der Prof keines Blickes würdigte, und auf lord twickenham nebst roselli, die den hochwürdigen aber steifbeinigen Bischof von Snodbury auf einem Karren vor sich herschoben, als Herzkönigin trug Eminenz eine voluminöse rotschwarz gemusterte Robe, fuchtelte mit einem herzförmigen Fächer herum und schrie ab und zu um nicht aus der Übung zu kommen Kopf ab, gemeinsam machten wir uns auf den kurzen Weg nach Schloß Twickenham, unterwegs stellte ich fest daß das Wunderland sprich lord twickenhams Fasanengehege tatsächlich ein höchst privates Gelände darstellte, die Mauer ringsum war 5 m hoch und trug eine Krone aus Stacheldraht, in engen Abständen waren Wachen postiert, was das hieß wußte auch ein bescheidener kriminologischer Assistent, Lady Twickenhams Mörder konnte nicht von außen gekommen sein, auf Schloß Twickenham zogen sich Jellypot, Roselli, Dr Horrox und der Bischof zurück, das abgebrochene Wunderlandtheater hatte offenbar an ihren Nerven gezerrt, der Prof gönnte sich keine Ruhe, er ließ sich sofort von Lord Twickenham in Mrs Marshmellows Zimmer führen, ich mußte natürlich mit und Oberst Tiptoe als verantwortlicher polizeimensch auch, seine Lordschaft öffnete die Tür, wir traten ein und van Dusen steuerte gleich auf den Kamin zu.

vanDusen: Asche, noch warm, vor nicht allzulanger Zeit brannte in diesem Kamin ein Feuer.

Tiptoe: Im Juli.

vanDusen: Ganz offensichtlich sollte etwas verbrannt werden aber was Papier Karton ah scheint sich um die Reste photografischer Aufnahmen gehandelt zu haben.

Hach: Fotos, sie meinen jemand hat im Kamin Fotos verbrannt Prof.

vanDusen: Abzüge von fotografischen Platten, ganz recht, mein lieber Hatch, was darauf dargestellt war, läßt sich leider nicht mehr feststellen, wir sind was dies betrifft auf Konjekturen angewiesen, Fotografien, Fotografien, interessant, sehr interessant, nanu was haben wir hier denn.

Hatch: Ein kleiner Koffer würde ich sagen offen.

Lord: Mrs Marshmellows Schmuckschatulle.

vanDusen: Mhm, Gold, Perlen, Brillanten, echte Steine, kein Imitationen, ein beachtlicher Besitz für eine Wirtschafterin.

Lord: Oh Mrs Marshmellow ist eine recht wohlhabende Person, sie besitzt mehrere Hotels in Eastbourne.

Tiptoe: In den letzten Jahren gekauft Prof.

vanDusen: Soso sehr aufschlußreich sehr aufschlußreich.

Lord: Sagen sie mal Prof.

vanDusen: Ja bitte.

Lord: Eigentlich wollten wir doch nachsehen was aus Mrs Marshmellow geworden ist, ob sie noch lebt oder, ich seh sie nicht.

Tiptoe: Ich auch nicht Milord.

vanDusen: Wir werden sie suchen, meine Herren, Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Sehen sie unter dem Bett nach.

Hatch: Ach immer ich.

Tiptoe: Sie suchten mit Flicken, sie suchten mit Fleiß.

Hatch: Lewis Carroll die Jagd nach dem Schnarch.

vanDusen: Mein lieber Hatch widmen sie sich ihre Aufgabe, was sehen sie.

Hatch: Nichts, jedenfalls keine Leiche, nur Staub, sie sollten mal mit ihrem Butler reden, Milord.

vanDusen: Der Wandschrank, mein lieber Hatch, öffnen sie ihn.

Hatch: Ja und da war sie, eine alte Frau im Unterrock, tot oder was haben sie erwartet, meine Damen und Herren ermordet, vergiftet.

vanDusen: Und diese Karaffe auf dem oberen Bord enthält, mein lieber Hatch, ihr Riechorgan ist gefragt.

Hatch: Sherry mit Zyankali.

vanDusen: Danke, mein lieber Hatch, wie spät ist es.

Hatch: 5 vor 4 Prof.

vanDusen: Der Tod trat vor 17 Stunden ein das heißt.

Tiptoe: Gestern abend gegen elf.

vanDusen: Wo hielt sich ihre Frau um diese Zeit auf Milord.

Lord: Das kann ich ihnen nicht sagen, Prof wir sind ein modernes Ehepaar, wir haben getrennte Schlafzimmer.

vanDusen: Und heute vormittag.

Lord: Hab ich sie auch nicht gesehen, mein gott warum hat sie das getan, sie muß wahnsinnig worden sein.

vanDusen: Sieht ganz so aus, Milord, Tiptoe.

Tiptoe: Ja Prof.

vanDusen: Ein Wort im Vertrauen.

Hatch: Was van Dusen dem Oberst in der Ecke neben dem Kamin zu sagen hatte, konnte ich nicht hören, aber ich sah daß Tiptoe verdutzt wirkte, fast bestürzt, daß er offenbar Einwände machte, schließlich aber nickte, dann führte ein dienstbarer Geist uns den Prof und mich in ein freundliches Zimmer und versorgte uns mit Speis und Trank, leider kam ich kaum dazu dem gebotenen die gebührende Ehre zu erweisen, van Dusen fragte mir Löcher in den Bauch, stundenlang über Lewis Carroll, sein Leben, sein Werk, seine Vorlieben und Eigenheiten, nicht daß ihn das alles interessierte an sich meine ich, es ging ihm wie immer um den Fall und seine Lösung, pünktlich um 7 begann im großen Saal auf Schloß Twickenham das Bankett, auch durch 2 plötzliche Todesfälle ließen sich die Carrolljünger nicht von der traditionellen Feier zum Abschluß ihres Ehrentags abhalten, am Kopf der Tafel hatte der Präsident der Festivität seinen Platz, Dekan Jellypot, zu seiner rechten saßen die Ehrengäste Prof van Dusen, und meine Wenigkeit, zur linken saß der Gastgeber Lord Twickenham, dann folgten Oberst Tiptoe, der Bischof von Snodbury, Dr Horrox, und Roselli, zwischen Roselli und mir blieb ein Platz frei, davor auf dem Tisch lag die mit einer Schleife verzierte Kappe der Haselmaus, nach den Regeln ihres Clubs trugen alle noch ihre Wunderlandkostüme.

Jellypot: Meine Herren, erlauben sie mir der Festlichkeit ein kurzes Wort des Gedenkens vorauszuschicken, wie sie wissen, hat die Haselmaus, unsere geschätzte Mrs Marshmellow uns für immer verlassen, wir werden ihr Gedächtnis in Ehren halten, gleichzeitig nehme ich die Gelegenheit wahr, unserem Mitglied, unserem Freund, unserem Gastgeber Lord Twickenham unser aller beileid zum jähen ableben seiner Gattin, und damit sei der Pietät genüge getan, meine Herren das Fest mag beginnen.

vanDusen: Einen Augenblick, Kollege Jellypot seit gestern abend sind am und im Schloß zwei Menschen auf gewaltsame Weise zu tode gekommen, sind sie denn überhaupt nicht interessiert daran, aus welchem Grund, durch wessen Hand, auf welche Weise.

Jellypot: Aber Kollege van Dusen, das alles ist doch längst bereinigt, Dr Horrox hat zwei amtliche Totenscheine ausgestellt.

Horrox: Jawohl, für Lady Twickenham und für Lady Marshmellow.

vanDusen: In der Tat und welche Todesursache haben sie angegeben, Doktor.

Horrox: Herzversagen.

vanDusen: Was.

Horrox: In beiden Fällen.

Hatch: Alles klar, Prof die wollen die Sache vertuschen, unter den Teppich kehren.

Jellypot: Kollege van Dusen Mr Hatch, Sie müssen das verstehen, auf gar keinen Fall darf es zu einem öffentlichen Skandal kommen, Lord Twickenham wenn ich das hier erwähnen darf, hat berechtigte Aussichten demnächst zum Minister berufen zu werden, und auch wir übrigen bekleiden nicht ganz unwichtige Positionen im öffentlichen Leben.

vanDusen: Ja aber ich hab den Fall gelöst.

Jellypot: Schön für sie, Kollege, das wäre also geklärt und damit meine Herren.

vanDusen: Und ich werde ihnen die Resultate meiner Untersuchungen vortragen.

Jellypot: Muß das denn jetzt sein Kollege van Dusen.

vanDusen: Ich bestehe darauf, widrigenfalls sehe ich mich veranlaßt Mr Hatch zu ersuchen über die erstaunlichen Vorgänge dieses 4. Juli 1903 einen Artikel für den dailynewyorker zu verfassen, und dieser Artikel dessen bin ich sicher wird trotz oder gerade wegen seiner sensationellen Aufmachung auch hier in Großbritannien für Furore sorgen.

Hatch: Das wirkte, nach kurzer Debatte durfte der Prof seine Aufklärungsarie vorsingen, wäre ja auch jammerschade gewesen wo er sich schon so draufgefreut hatte.

vanDusen: Meine Herren, die erste Frage welche es zu lösen gilt lautet, aus welchem Grund wurde Mrs Marshmellow vergiftet.

Lord: Aber das wissen wir doch, der Brief meiner Frau.

vanDusen: Ist eine Fälschung.

Jellypot: Was.

vanDusen: Rekapitulieren wir folgende Fakten, erstens Prof Dodgson alias Lewis Carroll huldigte einer ausgefallenen um nicht zu sagen anrüchigen Passion, er suchte die Bekanntschaft junger sehr junger Mädchen um sie zu fotografieren, mit vorliebe im gänzlich unbekleideten Zustand, zweitens diese Fotografien so bestimmte er in seinem Testament sollten nach seinem Tod vernichtet werden.

Jellypot: Muß denn das sein.

vanDusen: Drittens Mrs Marsmellow war Dodgsons Testamentsvollstreckerin, viertens seit einigen Jahren, Dodgson starb 1898 erfreut sich Marshmellow eines beträchtlichen Vermögens, fünftens in ihrem Zimmer wurden Fotografien verbrannt, sechstens Lady Twickenham geborene Gertrud Schaterway war als Kind gut bekannt mit Dodgson, Fazit meine Herren.

Tiptoe: Erpressung.

vanDusen: So ist es, Oberst, Mrs Marshmellow hat entgegen Dodgens Anweisungen seine Aktfotografien nicht beseitigt, sondern zurückbehalten, um die dargestellten zu erpressen.

Lord: Meine Frau.

vanDusen: Jawohl Milord, vermutlich drohte die Marshmellow Lady Twickenhams Fotografien, sofern sie nicht zahlte, in Umlauf zu bringen.

Lord: Deshalb hat sie ihr Zyankali gegeben.

vanDusen: Ohne Frage, wenden wir uns nun dem Mord an Lady Twickenham zu.

Lord: Sie meinen Selbstmord, Prof.

vanDusen: Ich sagte Mord Milord und ich meinte Mord.

Jellypot: Was.

vanDusen: Lady Twickenham trank mit Zyankali versetzten Sherry, aus ihrer Teetasse, woher stammte diese tödliche Mixtur, Lady Twickenham hatte sie nicht mitgebracht, an ihrer Person und in weiterem umkreis um ihre Person fand sich keinerlei Behälter, der Sherry enthielt oder enthalten hatte, von Zyankali ganz zu schweigen, jemand hatte ihr den giftigen Sherry eingegossen, aus einem Gefäß, daß dieser jemand dann wieder an sich genommen haben mußte, unbedachterweise, denn dadurch hat er sich als Mörder decuvriert, wer ist der Mörder, mit Sicherheit eine Person, welche sich zur Tatzeit 12 Uhr 40 im sog. Wunderland aufhielt, und das heißt da wir einen unbekannten Außenseiter ebenso ausschließen dürfen wie mich oder Mr Hatch, einer von ihnen, meine Herren, wer ist es, wer, sie Kollege Jellypot.

Jellypot: Erlauben sie Kollege van Dusen.

vanDusen: Regen sie sich nicht auf Kollege Jellypot, sie haben ein Alibi, um 12.40 führten sie ein von ihrer Seite übrigens äußerst törichtes Gespräch mit mir und Mr Hatch.

vanDusen: Dr Horrox.

Horrox: Was ich.

vanDusen: Auch sie stehen nicht unter Verdacht, ein Mann in ihren Jahren besitzt nicht mehr die Schnelligkeit die erforderlich gewesen wäre, mich und Mr Hatch auf unserem Weg zu überholen, der Bischof von Snodbury ist ohne fremde Hilfe gänzlich unbeweglich, Oberst Tiptoe.

Tiptoe: Ich.

vanDusen: Mr Roselli.

Roselli: Also.

vanDusen: Entlasten sich gegenseitig, wer bleibt.

Roselli: Lord Twickenham.

vanDusen: Das weiße Kaninchen, dessen Rolle wie Mr Hatch mich informierte, permanente Bewegung vorschreibt und das uns kurz nach der Tatzeit vom Tatort her entgegen kam, sie haben ihre Frau ermordet Milord und am Mord an Mrs Marshmellow waren sie gleichfalls beteiligt.

Roselli: Was, Mrs Marshmellow auch, woher wollen sie das wissen Prof.

vanDusen: Aus dem falschen Abschiedsbrief, den der Mörder Lady Twickenham unterschob, gehen zwei Tatsachen ganz klar hervor, der Mörder wußte daß Lady Twickenham nicht wie zu erwarten war, Mrs Marshmellow die Rolle der Haselmaus verkörperte und er wußte daß Mrs Marshmellow in der vorangegangen Nacht ermordet worden war, dh. er war an der Tat beteiligt, ich rekonstruiere.

Hatch: Und ich übernehme, damit es etwas schneller geht, also Mrs Marshmellow erpresst Lady, Lady informiert Gatten, beide wissen Erpresser kriegen den Hals nie voll, Beschluß Mrs Marshmellow wird umgebracht, in der Nacht vom 3. zum 4. Juli, wenn sie auf Schloß Twickenham ist mit Zyankali im Schlaftrunk, die Sache klappt, Mrs Marshmellow ist tot, Aktfotos werden verbrannt, dann sagt lord zu lady, du gehst morgen mit ins Wunderland als Mrs Marshmellow dh. als Haselmaus, ich hole dich im richtigen Moment ab und bring dich zurück ins Schloß durch einen Geheimgang oder so, es soll aussehen als ob Mrs Marshmellow am 4. Juli im Wunderland spurlos verschwindet, für die polizei ein unlösbares Rätsel, die Leiche graben wir später heimlich ein, lady ist einverstanden, sie weiß nicht, daß lord ihr die hucke vollgelogen hat, in Wahrheit will er lady auch umbringen, warum weil sie ihm lästig ist, weil er Angst hat daß es noch mehr verfängliche Foto gibt, weil er denkt keine Frau mehr, kein Skandal, weil er so das Problem der toten Marshmellow am besten los wird.

vanDusen: Und als heute gegen 12 Uhr 40 wie jedem Jahr Tiptoe und Roselli die Haselmaus allein ließen um unter sich dem Alkohol zu frönen war Lord Twickenham sogleich zur stelle, bevor er sie zum natürlich nicht existenten geheimen Ausgang bringe, sagte er möge sie ihre Nerven beruhigen, er goß ihr Sherry ein, sie trank, sie starb, der Mörder schob ihr den präparierten Abschiedsbrief in den Ausschnitt und eilte auf schnellstem Weg von dannen, wobei er mich und Mr Hatch passierte, er ahnte ja nicht, der unglückselige, daß es sich beim diesjährigen sog. Ehrengast nicht nur um einen Wissenschaftler von hohem Grade handelte sondern auch um einen nicht völlig unbekannten Amateurkriminologen, sie hätten es ihm und ihren übrigen Genossen mitteilen sollen, Kollege Jellypot.

Jellypot: Mag sein, Kollege van Dusen, ich hielt es nicht für wichtig.

Lord: Sind sie fertig, Prof, sie haben viel geredet, aber nur wenig gesagt, haltlose Indizien, an den Haaren herbeigezogene Hypothesen, das ist alles was sie zu bieten haben, wo sind ihre Beweise, wenn sie welche haben legen sie sie vor hier und jetzt auf den Tisch.

vanDusen: Nicht ich, Milord sie werden ihn auf den Tisch legen, den einen, den endgültigen, den letzten Beweis ihrer Schuld, sie tragen ihn bei sich Milord, in der Tasche ihrer karierten Jacke, ich sehe sie wissen worauf ich hinaus will, legen sie sie auf den Tisch Milord ihre Taschenflasche, nach dem Mord an ihrer Frau steckten sie sie wieder zu sich und danach konnten sie auch wenn sie es gewollt hätten sich ihrer nicht entledigen, sie waren niemals allein, zunächst behielt ich sie im Auge, später tat dies auf meine Anweisung Oberst Tiptoe.

Lord: Sie haben gewonnen Prof, hier ist die Flasche.

Jellypot: Er trinkt.

vanDusen: Fallen sie ihm in den Arm, Tiptoe.

Tiptoe: Zu spät, seine Lordschaft ist verschieden.

Hatch: Sherry plus Zyankali.

Jellypot: Dabei war seine Lordschaft Whiskytrinker, na werden sie wohl einen dritten Totenschein ausstellen müssen Dr Horrox.

Hatch: Wieder Herzversagen.

Horrox: Nein Mr Hatch, Selbstmord mittels Zyankali aus unstillbaren Gram um den Tod der geliebten Gattin.

Hatch: Lord Twickenhams Leiche wurde weggeschafft, dann konnte es endlich losgehen, das große Festbankett, trotz der geschrumpften Teilnehmerzahl wurde es das muß ich sagen ganz lustig, besonders zum Schluß, es gab Portwein, Zigarren und Dekan Jellypot klopfte zum letzen mal an sein Glas.

Jellypot: Meine Herren, bevor wir an diesem denkwürdigen 4. Juli auseinandergehen wollen wir uns wie in jedem Jahr unseren Ehrengästen widmen, Prof van Dusen.

vanDusen: Passen sie auf, mein lieber Hatch, man wird mir nunmehr die Ehrenmitgliedschaft dieses kindischen Vereins offerieren und es wird mir ein Vergnügen sein, sie höflich aber bestimmt auszuschlagen.

Jellypot: Durch ihre amateurkriminologischen Fähigkeiten haben sie in erheblichen Maße dazu beigetragen unseren diesjährigen Gedenktag auf recht spezielle Weise unvergeßlich zu machen, nehmen sie dafür unsern Dank, und nun zu ihnen Mr Hatch, sie haben sich als ein wahrer Kenner der Werke unsere großen Lewis Carroll erwiesen und mehr noch, als ein Mann von echtem rechten Lewis Carroll Geist, deshalb sind stolz und glücklich ihnen Mr Hutchinson Hatch die Ehrenmitgliedschaft in unserer exklusiven Gemeinschaft zu verleihen.

Hatch: Das ist ja.

Roselli: Eine Rede, eine Rede Mr Hatch.

Hatch: Ja danke meine Herren ich danke ihnen von Herzen für diese große und ganz unerwartete Ehre, wenn sie gestatten, will ich versuchen mich dafür auf bescheidene Weise zu revanchieren, in dem ich ihnen ein paar Zeilen vortrage natürlich aus einem Gedicht von Lewis Carroll, aus seinem unsterblichen Lied des Gärtners.

vanDusen: Mein lieber Hatch, was soll das.

Hatch: Ihm deucht er säh nen wilden Stier auf einer hohen Fichte, er schaut noch mal und fand es sei des eigenen Schwagers Nichte, verschwinde sprach er, anderenfalls bemühe ich die Gerichte.

vanDusen: Das ist doch kindischer Unfug.

Hatch: Ihm deucht, er sah ein Känguru ne Kaffeemühle drehen, er schaut noch mal und fand es sei ein Brötchen mit Arsen.

vanDusen: Sind sie von allen guten Geistern verlassen.

Hatch: Sag er wird es mir schlecht ergehen, ihm deucht er sei ein Axiom, das zog sich an den Haaren, er schaut noch mal und fand es sei ein Korb von Seifenwaren, wie schrecklich sprach er vor sich hin, laß alle Hoffnung fahren.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Dekan Jellypot (Chesshire-Katze): Lothar Blumhagen
Oberst Tiptoe (Hutmacher): Christian Rode
Lord Twickenham (Weißes Kaninchen): Horst Bollmann
Dr. Horrocks (Raupe): Helmut Kraus
Raphael Roselli (Märzhase): Moritz Milar
Diener: Klaus Jepsen

Michael Koser: Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992)

Hatch: Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen, den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun?

vanDusen: Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person.

Hatch: War schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks Frühschoppen und weil ich ein bißchen über unsere letzten Fälle reden wollte, vor allem über die sensationelle, unglaubliche, einmalige Affäre der verschwundenen Millionäre, die erst von ein paar Wochen zuende gegangen war, ein Glück daß ich gerade jetzt beim Prof war sonst hätte ich nämlich den Fall um den Opernsänger und das mörderische Gespenst im verschlossenen Raum verpaßt, der war womöglich noch sensationeller, noch unglaublicher, noch einmaliger, gleich fängt er an, und zwar damit daß ein uns allen nicht unbekannter Mensch auf großen Füßen in van Dusens Salon stolpert.

Caruso: Hoppla.

Hatch: Hals und Beinbruch, Caruso.

vanDusen: Hatch, treten sie nur näher, Detective Sergeant, was verschafft mir das unverhoffte Vergnügen, bitte nehmen sie doch Platz.

Caruso: Tut mir leid Prof, daß ich so früh bei ihnen reinschneie meine ich und das auch noch am Sonntag.

Hatch: Pfingstsonntag, Caruso.

Caruso: Aber was soll ich machen, ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Hatch: Bei ihnen ist das doch ein ganz normaler Zustand, nicht nur zu Pfingsten, nein auch zur Weihnacht wenn es schneit und Ostern sowieso.

vanDusen: Seien sie nicht albern.

Caruso: Wenn ich gewußt hätte daß sie beim Prof sind, Mr Hatch.

Hatch: Wären sie nicht gekommen was Caruso.

Caruso: Doch ich wäre gekommen, nicht mal sie hätten mich abgehalten, da können sie mal sehen wies mir geht.

Hatch: Ach armer Caruso, fröhliche Pfingsten.

Caruso: Fröhliche Pfingsten, ich hab einen total unmöglichen mordfall am hals und sie wünschen mir fröhliche pfingsten.

vanDusen: Beruhigen sie sich, trinken sie etwas, Hatch, bedienen sie meinen Gast.

Caruso: Danke, danke, lieber nicht, ich brauche einen klaren Kopf, wissen sie, aber vor allem brauche ich ihre Hilfe, was heute nacht in der Elmstreet passiert ist, das ist unfaßbar, ungeheuerlich unmöglich.

Hatch: Nichts ist unmöglich Caruso.

Caruso: So na dann passen sie mal gut auf, ein leerer Raum Tür und Fenster ständig beobachtet von mir und von mehreren zuverlässigen Kollegen, niemand ging rein, niemand kam raus und trotzdem wurde er drinnen erstochen dieser Opernsänger, ich seh da nicht durch, vielleicht wars ja wirklich ein Geist oder einer der sich unsichtbar machen kann.

vanDusen: Reden sie keinen Unsinn, erstatten sie Bericht, detailliert, präzise.

Caruso: Und von Anfang an, ich weiß bescheid Prof.

Hatch: Ganz was neues, Caruso ach und reden sie möglichst wie ein Mensch nicht wie ein Detective Sergeant, sie wissen ja, in strikter Befolgung des an meine Person ergangenen dienstlichen Auftrags begab ich mich eilends usw.

Caruso: Begab, begab ich begab mich überhaupt nicht, Mr Hatch, jedenfalls zuerst nicht, ich saß auf mein Stuhl in meinem Büro im Polizeipräsidium in der Mulberry Street, und da rauschte er plötzlich rein, 1.90m, drei Zentner, Ende 50, dunkelrotes Cape, schwarzer Kalabrese, überlebensgroß wenn sie verstehen was ich meine.

vanDusen: Wann war das.

Caruso: Vorgestern Freitag, 24. Mai 1901 vormittag kurz vor 11.

vanDusen: Sehr gut Caruso, exakt und extensiv, bitte fahren sie fort.

Caruso: Also dieser Mensch kommt in mein Büro, setzt sich, sieht sich um, ganz langsam, ganz ruhig, ganz selbstverständlich, wenn sie verstehen was ich meine.

vanDusen: Ich verstehe Caruso.

Hatch: Ich auch.

vanDusen: Halten sie uns nicht auf Hatch, bitte weiter.

Caruso: Ja und dann holte er ein Zigarettenetui aus der Tasche, ein goldenes mit Monogram, er nimmt ein Zigarre raus, steck sie in den Mund, guckt mich an.

King: Geben sie mir Feuer, guter Mann.

Caruso: Ich bin nicht ihr guter Mann.

King: Dann eben Wachtmeister oder was immer sie sein mögen.

Caruso: Detective Sergeant, Detective Sergeant Rigoletto Caruso.

King: Rigoletto Caruso, sind sie verwandt mit Enrico Caruso dem neapolitanischen Tenor.

Caruso: Kann sein, wir sind eine große Familie, wir Carusos was wollen sie wer sind sie.

King: Mein guter Mann, Sie kennen mich, oder gehen sie etwa nicht in die Oper, ich meine natürlich die richtige Oper, die Met, nicht Klitschen wie das Grand oder das Haus in der Lexington avenue.

Caruso: Viel zu teuer.

King: Was sie nicht sagen, zahlt die Stadt ihnen nicht ein großzügiges Gehalt.

Caruso: Haha.

King: Nun gut, ich bin Lawrence King, Heldenbariton, der Heldenbariton, die Stimme Amerikas, der König der Met, Lawrenco il magnicifco.

Caruso: Ach was.

King: Sie sind erstaunt, was mag einen begnadeten Künstler dieses Ranges veranlassen in die dumpfen Niederungen des gemeinen Alltags hinabzusteigen sprich in die Amtsstube eines detective sergeant der New Yorker Kriminalpolizei das ist die brennende Frage die ihnen auf der Zunge liegt.

Caruso: Genau Mr King.

King: Ich werde es ihnen sagen.

Caruso: Das finde ich riesig nett von ihnen.

King: Ich hab ein Haus erworben.

Caruso: Sehr interessant Mr King aber damit müssen sie zum Grundbuchamt, hier sind sie falsch.

King: Nun hören sie mal zu guter Mann wenn sie so weitermachen kriegen sie Ärger jede Menge mit Mr Delamir, ihrem Chef mit dem bin ich bekannt, sehr gut bekannt, befreundet könnte man sagen.

Caruso: Ach so, das konnte ich nicht ahnen, Mr King was kann ich für sie tun.

King: Das guter Mann wird sich finden, leihen sie mir zunächst ihr Ohr, ich habe wie bereits erwähnt ein Haus erworben in Greenwich Village, Elm street Nr 27.

Caruso: Elmstreet 27 ist das nicht.

Hatch: Genau, ein ganz spezielles Haus, im Volk bekannt als Mordhaus auch als Spukhaus oder Mörderhöhle, vor etwa 10 Jahren hatte hier ein besonders schauderhafter Massenmörder namens Frederick Kruger sein Unwesen getrieben, 17 Menschen hatte er in diesem Haus abgeschlachtet mit seinem scharfen Fleischermesser, bis man ihn erwischt und in Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl vom leben zum tode befördert hatte und jetzt hatte King Krugers Haus gekauft.

King: Erstaunlich preiswert, guter Mann, fast geschenkt.

Caruso: Kann ich mir vorstellen wer kauft so was schon.

King: Lawrence King guter Mann Lawrence King ist furchtlos und unerschrocken jeglicher Aberglaube liegt ihm fern, unter uns guter Mann natürlich lasse mir vor Premieren über die Schulter spucken und um schwarze katzen mach ich einen weiten Bogen

Caruso: Aber Kruger soll in dem Haus umgehen, Mr King, sein Geist meine ich.

King: Lächerlich es gibt keine Geister, doch seit heute nacht, guter Mann bin ich mir nicht mehr ganz so sicher.

Caruso: Heute nacht, was ist heute nacht passiert Mr King.

King: Um ihnen dies zu erklären guter Mann muß ich ein wenig ausholen.

Hatch: In seinem neuen Haus wohnte Mr King vorerst allein, mit einem Diener, seine Frau war in der gemeinsamen Wohnung geblieben am unteren Ende der 5 Avenue.

Hatch: Sehr vernünftig von der Dame.

Caruso: An dem bewußten abend, Donnerstag 23 Mai war Mr King gegen 11 Uhr ins Bett gegangen und bald darauf eingeschlafen.

King: Plötzlich erwachte ich vom Turm der Josefskirche schlug es 12 mal Mitternacht, Geisterstunde, ein unheimliches Gefühl überkam mich, ein Gefühl des Schrecken, ja des Grauen, mein Herz schlug heftig, ich öffnete die Augen, richtete mich auf und was sah ich da im schwachen Schein des Mondes der durch den Vorhang drang.

Caruso: Was Mr King was haben sie gesehen.

King: Eine Gestalt, eine dunkle Gestalt, sie wirkte wie soll ich mich ausdrücken unscharf, undeutlich.

Caruso: Undeutlich Mr King, meinen sie vielleicht unwirklich.

King: Keinesfalls, guter Mann, die Gestalt war wirklich, so wirklich wie ich selbst, sie stand vor meinem Lager, starrte mich aus düsteren Augenhöhlen an, und dann auf einmal streckte sie die rechte Hand nach mir aus, in der Hand hielt sie ein Messer, die Spitze nach oben und auf die Klinge ich sah es ganz deutlich war ein Blatt Papier gespießt, in jähem Schauer schloß ich unwillkürlich die Augen, als ich sie wieder aufschlug, da.

Caruso: Ja, Mr King.

King: Da mein guter Mann war die Gestalt verschwunden und auf meiner Bettdecke lag ein Blatt Papier, dieses Blatt Papier.

Caruso: Hier ist der Zettel Prof, Mr King hat ihn mir gegeben und ich hab ihn gut aufgehoben als Beweisstück.

vanDusen: Ein Durchstich ca 3 cm breit, diverse dunkle Flecken.

Hatch: Sieht aus wie Blut was Prof.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch, es sieht so aus, es sieht aus wie Blut und Moder, durchaus passend und angemessen, handelt es sich doch um eine Botschaft aus dem Grabe, so sieht es aus, lesen sie vor mein lieber Hatch.

Hatch: Wenn sie mich nicht hätten, muß ich mich doch tatsächlich selber bemühen aufgehts, kein Datum keine Anrede, ich beginne, dies ist mein Haus, du wirst verschwinden, sonst werde ich ein zweites mal mit meinem schönen scharfen Messer zu besuch kommen in der Nacht vor Pfingsten zur Geisterstunde und dann werde ich dich abstechen, Unterschrift F. Kruger, schwarze Tinte, zittrige Schrift.

Caruso: Sieht wirklich aus wie Krugers Handschrift, das haben wir überprüft, na Prof was sagen sie.

vanDusen: Ein dummer Streich, Caruso eine törichte Mystifikation, kaum ein Fall für die Polizei und schon gar keiner für Prof van Dusen.

Caruso: Meinen sie Prof und wenn ich ihnen sage, daß Mr King wirklich und wahrhaftig umgebracht wurde, wies da steht, in der Nacht vor Pfingsten, 12 Uhr.

vanDusen: In der Tat Caruso, abgestochen.

Caruso: Jawohl Prof mit Krugers Messer, in einem leeren und rundum bewachten Raum.

vanDusen: Erstaunlich, bitte setzen sie ihren Bericht fort, Caruso.

Caruso: Wo war ich stehengeblieben.

Hatch: Nacht zum Freitag, King hatte gerade diese interessante Epistl gekriegt.

Caruso: Richtig, Mr King klingelte sofort seinen Diener aus dem Bett, beide kämmten das ganze Haus durch, Ergebnis alles in Butter, Türen abgeschlossen, nichts verdächtiges, kein Hinweis auf einen Einbrecher und da sagte Mr King wurde ihm doch etwas mulmig, am nächsten morgen ging er zu seinen Freund Delamir, und der schickte ihn zu mir.

King: Verstehen sie mich nicht falsch, guter Mann, ich habe keine Angst.

Caruso: Natürlich nicht Mr King.

King: Ich werde das Haus keinesfalls aufgeben.

Caruso: Und die Nacht vor Pfingsten Mr King.

King: Werde ich in der Elm street verbringen.

Caruso: Sehr couragiert Mr King.

King: Unter Polizeischutz.

Caruso: Ach so.

King: Sie werden mir Gesellschaft leisten, guter Mann.

Caruso: Ich Mr King.

King: Nebst einigen Kollegen, Anweisung von Mr Delamir.

Caruso: Ja dann Mr King.

King: Sagen sie, guter Mann, sind sie sicher daß dieser Kruger, daß er wirklich, daß er ganz und gar tot ist, meine ich tot und begraben.

Caruso: Ganz sicher, Mr King, Frederick Kruger ist zum Tode verurteilt und auf den elektrischen Stuhl gesetzt worden und das hat er nicht überlebt, glauben sie mir.

King: Wenn ich nur könnte guter Mann.

Caruso: Ich werde es ihnen beweisen, Mr King kommen sie mit.

King: Wohin guter Mann.

Caruso: In den Keller, ins schwarze Museum der Polizei von New York, ich zeigte Mr King Krügers Exekutionsprotokoll, sein handschriftliches Testament und seine Totenmaske, sein Tatwerkzeug das berüchtigte Fleischermesser wollte ich ihm auch zeigen, aber ich kanns nicht finden, Mr King müßte hier sein in diesem Schrank, vermutlich verlegt oder zur Reparatur, werd mich bei Gelegenheit drum kümmern, sie sehen Mr King kein Grund zur Sorge, Kruger ist tot und kann ihnen nichts mehr tun.

King: Ihr Wort in gottes ohr guter Mann, aber auf den zugesagten Polizeischutz bestehe ich dennoch.

Caruso: Ja und darum begab ich mich gestern abend zur Elmstreet in strikter Befolgung.

Hatch: Caruso.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Mit den Wachtmeistern Donovan, Paretzky und Obrien, um 10 Uhr waren wir da wie besprochen, Donovan blieb auf der Straße und behielt Haustür und front im Auge, Paretzky überwachte den Hintereingang.

Hatch: Und sie Caruso.

Caruso: Ich bezog innen Posten Mr Hatch, mit Wachtmeister Obrien, zuerst haben wir das Haus durchsucht, gründlich vom Dach bis zum Keller.

Hatch: Und haben sie einen Geist gefunden.

Caruso: Nix, Mr Hatch, kein Geist, kein Versteck, keine Geheimtür, kein doppelter Boden, gegen halb 12 waren wir damit durch und dann warteten wir, in Mr Kings Salon, er war ein nobler Gastgeber, das muß ich sagen, auf seinem Phonografen spielte er uns Opernmusik vor, sein Diener servierte Whisky und Zigarren, Mr King trank viel, vielleicht wollte er sich Mut machen.

King: Auf zum Fest froh soll es werden leporello, preso, eine neue Flasche von diesem Nektar.

Diener: Sehr wohl Sir.

King: Sie trinken ja gar nicht guter Mann und der andere gute Mann auch nicht.

Caruso: Wir sind im Dienst Mr King.

King: Hinweg mit Bedenken mit kleinlichen Sorgen, was schlägt die Stunde guter Mann.

Caruso: 5 vor 12 Mr King.

King: So mag er denn kommen der steinerne Gast, wir lachen seiner nicht wahr guter Mann.

Caruso: Sie haben Telefon Mr King.

King: Versteht sich, gleich nach Erwerb des Hauses hab ich die Leitung legen lassen, an den Apparat Leporello.

Diener: Sehr wohl Sir.

King: Mein Telefonkabinett liegt gleich neben dem Salon.

Diener: Mr Kings Residenz, ah guten abend Madam, sehr wohl Madam, einen Augenblick Madam, Mrs King wünscht sie zu sprechen Sir.

King: Meine Frau, um diese Zeit.

Caruso: Lassen sie die Tür zum Kabinett geöffnet, Mr King.

King: Erlauben sie, guter Mann, dies ist ein privates Telefongespräch, und Privatgespräche pflege ich privat zu führen, was soll schon passieren, sie haben doch alles unter Kontrolle.

Caruso: Und das hatten wir auch Prof, das Telefonkabinett ist ein kleiner Raum etwa 3mal 3 meter nur eine einzige Tür, davor ich und Wachmeister Obrien, ganz zu schweigen von diesem Leporello, ob er wirklich so heißt.

Hatch: Warum nicht Rigoletto mio.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Nur ein einziges kleines Fenster zur Straße, und da stand Wachtmeister Donovan, wir machten uns also keine Sorgen, ich und Obrien, wir warteten, Mr King telefonierte, die Turmuhr schlug, elf, zwölf.

Diener: Es ist Mitternacht.

King: Hilfe.

Diener: Sir, sir.

Caruso: Abgeschlossen, die Tür ist abgeschlossen, Obrien Leporello Tür aufbrechen.

Diener: Sehr wohl, Sir.

Caruso: Auf mein Kommando eins zwei und drei, ach du lieber Gott, das Telefonkabinett war ein Bild der Verwüstung, Stuhl und Tisch waren umgeworfen, die Seidentapete hing in Fetzen und zwischen dem Wandtelefon und dem Fenster da lag er, Mr Lawrence King, Blut auf der linken Brust und am rechten Bein, kein Puls, keine Atmung, tot, neben ihm auf dem Teppich ein blutiges Messer, sonst nichts, nichts und niemand.

vanDusen: Beleuchtung Caruso.

Caruso: Eine Gaslampe, Prof, an der Wand über dem Telefon nicht sehr hell aber ausreichend, ich sah mich um, kein Mörder, kein Mensch, kein Geist, dann ging ich zum Fenster und riß es auf, Donovan.

Donovan: Ja.

Caruso: Ist jemand durch dieses Fenster gestiegen, Donovan.

Donovan: Nein, weder rein noch raus.

Caruso: Ach haben sie was gesehen hinter dem Fenster.

Donovan: Nichts genaues, bewegung hin und her, undeutlich was ist denn los soll ich kommen.

Caruso: Bleiben sie auf ihrem Posten, Donovan, halten sie die Augen auf.

Donovan: Was ist denn passiert.

Caruso: Ich hörte etwas eine Stimme leise entfernt, wo kam sie her ah aus dem Telefon.

Hatch: Sie machen sich Caruso ein richtig guter Bericht, spannend, dramatisch, wissen sie was, kommen als Volontär zum Daily Newyorker, bei der Kripo sind sie doch sowieso fehl am platz.

vanDusen: Halten sie sich zurück Hatch, und sie Caruso lassen sie sich nicht beirren, fahren sie fort, sie hörten eine Stimme aus dem Telefon.

Caruso: So war es Prof, ich ging hin und nahm den Hörer.

Mrs King: Hallo, Lawrence bitte sag doch was.

Caruso: Mrs King.

Mrs King: Wer sind sie.

Caruso: Kriminalpolizei, Detective Sergeant Caruso spreche ich mit Misses King.

Mrs King: Ja hier ist Senta King, wo ist Lawrence, ich habe mit ihm gesprochen und plötzlich, was ist geschehen.

Caruso: Es tut mir leid Mrs King.

Mrs King: Ist ihm etwas zugestoßen, so reden sie doch Mann.

Caruso: Wo sind sie Mrs King.

Mrs King: In meiner Wohnung natürlich, was ist mit Lawrence, ist er krank.

Caruso: Sie sollten hierherkommen, Mrs King so schnell wie möglich.

Mrs King: O gott Leo, Lawrence ist was passiert, du mußt mich sofort zur Elmstreet fahren, ich komme.

Caruso: Eine halbe Stunde später war sie da, mit einem Freund der Familie, einem gewissen Mr Leo Lyneker.

Hatch: Lyneker, der Opernkritiker.

Caruso: Keine Ahnung was er ist, beide sind noch im Hause, in der Zwischenzeit haben wir natürlich die üblichen Untersuchungen vorgenommen, der Polizeiarzt ist verständigt.

vanDusen: Dr Clanan nehm ich an.

Caruso: So ist es Prof, er muß jeden Augenblick eintreffen, außerdem.

vanDusen: Das von ihnen erwähnte Messer, Caruso haben sie.

Caruso: Ich habe, Prof es ist Krugers Fleischermesser, die Waffe, die aus unserem schwarzen Museum verschwunden ist, bloß daß jetzt die Spitze fehlt, offenbar abgebrochen aber sonst dasselbe Messer, eindeutig.

vanDusen: Was sie nicht sagen.

Hatch: Tolle Story Caruso, toter Massenmörder schlägt zu, Frederick Krugers 18. Opfer, Opernsänger durch Geisterhand getötet, Fragezeichen.

Caruso: Genau das ist die Frage, Mr Hatch vielleicht gibts ja wirklich mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, ja und da hab ich gedacht wenn sie sich in der Elmstreet mal umsehen würden und diesen, diesen Geist.

vanDusen: Beschwören mein guter Caruso, mit Vergnügen.

Caruso: Wo sie doch neulich sogar den Teufel ausgetrieben haben.

Hatch: Fall Bliss alias Dr Faustus Januar 1901, sie erinnern sich.

vanDusen: Caruso, mein lieber Hatch, lassen sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen.

Hatch: Die Elmstreet ist eine ruhige kleine Straße nicht weit vom Washington Square, die Häuser die sich in zwei schnurgeraden Reihen gegenüberstehen sehen absolut gleich aus, alle aus rotem Backstein alle dreistöckig, alle aus der zeit um 1850, damals war die Elmstreet eine gute Adresse.

Caruso: Heute ist die Gegend bißchen runtergekommen, sie sehen ja ein paar Häuser stehen leer.

Hatch: Komisch daß King ausgerechnet Krugers Mörderhöhle gekauft hat, wenn er schon hier wohnen will warum nicht ein anderes Haus zb das direkt gegenüber das steht leer und ist viel besser in Schuß.

Caruso: Das Fenster ganz rechts im ersten Stock, das ist es, Prof.

vanDusen: Das Oberlicht steht offen, war das bereits gestern abend der Fall.

Caruso: Sicher Prof, es war eine warme Nacht.

vanDusen: Interessant.

Caruso: Ach das ist nur eine Luftklappe, ein Loch, sie glauben doch nicht, daß da jemand durchgekrochen ist ganz abgesehen davon daß donovan nichts gesehen hat.

vanDusen: Außer vagen Bewegungen sehr richtig caruso führen sie mich zum Tatort.

Hatch: King hatte sich vorerst nur ein paar Räume eingerichtet, Schlafzimmer, Bad, Salon, Telefonkabinett, alle im 1. Stock, aber wie hatte er sie eingerichtet, alle gleich und alle gleich scheußlich, dunkelrote Teppiche von Wand zu Wand, dunkelrote Seidentapeten, sogar die Lampen hatten bordeauxrote Schirme, auch die im Telefonkabinett.

Caruso: Rot, alles rot, rot wie Blut, wie Mord, Massenmord.

Hatch: Also ich denke dabei eher an große Oper, Kitsch und Kulisse aber davon verstehen sie nichts, Caruso und sie Prof woran denken sie wenn sie des Orgie in rot sehen.

vanDusen: In erster Linie daran, daß vor einem uniform dunkelroten Hintergrund wie ihn dieses Haus sowohl außen als auch im innern darbietet ein dunkelrotes Objekt sich als quasi unsichtbar erweist.

Caruso: Objekt was für ein Objekt, Prof, meinen sie das Messer, das ist nicht rot, das sehen sie doch der Griff ist grün und die Klinge.

vanDusen: Ich meine nicht das Messer, ich meine ua diese dunkelrote Feder.

Caruso: Feder wo.

vanDusen: Auf dem Teppich unmittelbar vor dem Fenster.

Caruso: Richtig ein Feder, die sehe ich zum ersten mal, Prof und wir haben das Kabinett gründlich durchsucht.

vanDusen: Woran ich nicht zweifel, daß sie die Feder dennoch übersahen, unterstreicht auf markanteste meine soeben getroffene Feststellung zum Thema Tarnung und Mimikri.

Caruso: Mimiwas.

vanDusen: Nunja heben sie die Feder auf Caruso und verwahren sie sie gut, sie stammt übrigens aus dem Gefieder eines Puters, mineagris galopaus ein Faktum von erheblicher ich möchte sagen außerordentlicher Relevanz.

Caruso: Ja also ich versteh nicht was ein Truthahn mit dem Mord an King zu tun haben soll.

vanDusen: Das wundert mich nicht im geringsten, apropos ihr sogenanntes schwarzes Museum ist soweit mir bekannt ist für bestimmten zeiten für das allgemeine Publikum geöffnet.

Caruso: Jawohl Prof jeden Mittwoch von 10 bis 4 und da ist was los, kann ich ihnen sagen, Himmel und Menschen und dabei nehmen wir einen halben Dollar pro Nase.

vanDusen: So so, tja dann wollen wir jetzt zum eigentlichen corpus delicti schreiten, die Lage der Leiche haben sie ja wohl nicht verändert Caruso.

Caruso: Was denken sie von mir Prof natürlich nicht.

Clennam: Wochenende, immer am Wochenende, 7 Tage hat die Woche, und wann lassen die Leute sich umbringen, Montag Mittwoch nie, am Sonntag, nur am Sonntag, morgen morgen Caruso, wo ist der Kadaver.

Caruso: Direkt vor ihrer Nase, Doc.

Hatch: Fröhliche Pfingsten Doctor Clennam.

Clennam: Sie mich auch, nanu, Hutchinson Hatch und Prof van Dusen.

vanDusen: Wie sie sehen Herr Kollege.

Clenam: Sagen sie mal Caruso wenn vanDusen schon hier ist warum haben sie mich auch aus dem Bett geholt, am Sonntag morgen vor dem Frühstück, habe die Ehre.

vanDusen: Kollege Clanan, bleiben sie, ich habe lediglich vor eine kursorische Examination der Leiche vorzunehmen wobei sie mir zur hand gehen können, die eigentliche Obduktion bleibt voll und ganz ihnen überlassen.

Clennam: Zu gütig Prof, na dann wollen wir mal.

Hatch: Die beiden Koryphäen gingen ans Werk, sie drückten und zogen, stocherten und bohrten, rollten den unglückseligen Lawrence King auf dem Teppich herum mit Feuereifer und Hingabe.

vanDusen: Der Tod trat ein vor knapp 11 Stunden, genau Mitternacht und zwar durch einen Stich ins herz, durchs herz, wenn sie unbedingt pingelig sein wollen, die Waffe traf schräg von oben in einem Winkel 45 grad auf die linke Brust des Opfers unter dem Schlüsselbein, durchbohrte das herz und blieb in der linken hälfte der hinteren 8 rippe stecken, die spitze blieb stecken und dabei brach sie ab, hier ist sie, zeigen sie mal Doc, ah ja sehen sie her die Spitze paßt haargenau auf die Bruchstelle an Krugers Messer, das heißt Mr King wurde tatsächlich mit diesem Messer erstochen, der Mörder stand vor ihm, die spitze nach unten und stach zu, alles klar.

vanDusen: Sie vergessen die Wunde im rechten Oberschenkel des Opfers Kollege.

Clanan: Ein ganz oberflächlicher Schnitt, Prof vermutlich entstanden als King sich wehrte, ohne Bedeutung, sie scheinen anderer Ansicht zu sein, Prof.

vanDusen: Drei wichtige Tatsachen empfehle ich ihrer Beachtung, der Stichkanal erweist sich als relativ schmal, nur eine schneide des Messers ist mit Blut bedeckt und schließlich an der Bruchstelle der Messerspitze hat bereits der Oxidationsprozeß eingesetzt.

Clanan: Ja und das ändert doch nichts am pathologischen Tatbestand und der ist eindeutig.

Caruso: Augenblick Stichkanal 8. Rippe, Oxidationsprozeß alles gut und schön aber damit weiß ich immer noch nicht wie der Mörder hier rein und wieder raus gekommen ist, das erklären sie mir mal Doc.

Clennam: Ich denke nicht daran, ich bin Polizeiarzt, verantwortlich für die medizinischen Untersuchungen, alles weiter ist ihre Sache Caruso.

Hatch: Ich habe eine Idee, vielleicht gibt es gar keinen Mörder, ich meine könnte King sich nicht selber.

Clennam: Selbstmord ausgeschlossen ein Selbstmörder sticht sich nicht in herz und wenn doch ausnahmsweise dann tut er das zögernd tastend mit mehrmaligem ansetzen, hier aber wurde nur einmal zugestochen, energisch und entschieden, kein Selbstmord, mit sicherheit nicht, einverstanden Prof.

vanDusen: In diesem Punkt Kollege Clanan stimme ich ihnen ohne vorbehalt zu.

Clanan: Wenigstens etwas, also dann meine Herren schicken sie mir Leiche ins Bellevuehospital, Caruso.

Caruso: Wenn sie fertig sind Prof mit der Leiche.

vanDusen: Ja dieser Abschnitt meiner Untersuchung ist abgeschlossen, Caruso wo befinden sich Mrs King und ihr Begleiter.

Caruso: Im Schlafzimmer, unter Aufsicht, wollen sie mit ihnen reden Prof.

vanDusen: Warum eigentlich nicht, vor allem aber wünsche ich ihnen die Hände zu drücken.

Caruso: Im ernst, Prof.

Hatch: Senta King, eine statuarische Blondine um die 30 hatte sich tatsächlich den bekannten Opernkritiker Leo Lyneker mitgebracht, ein geschliffener Kulturmensch vom Scheitel bis zur Sohle, will sagen von den schon leicht ergrauten länglichen locken über loniette und Zigarrenspitze aus Bernstein bis zu den Zugstiefel aus gelben Ziegenleder, aber ich kam kaum dazu mir die beiden genau anzugucken weil ich mich nämlich wundern mußte und zwar über den Prof, der marschierte stracks auf die trauernde Witwe zu, griff sich ihre rechte hand und zog sie an die Lippen, van Dusen beim Handkuss, das hatte die Welt noch nicht gesehen.

vanDusen: Erlauben sie mir Madame ihnen meine tiefempfundene Teilnahme auszudrücken.

Mrs King: Sehr freundlich Prof, ein herber Verlust.

vanDusen: Für sie Madame und für die gesamte Menschheit.

Mrs King: Ach Prof daß Lawrence uns auf so schreckliche weise verlassen mußte, dieses grauenhafte Haus, er hat darauf bestanden, es zu kaufen und darin zu wohnen, obwohl ich ihn immer wieder angefleht habe.

Lyneker: Beruhige dich Senta.

vanDusen: Geben sie mir ihre Hand Lyneker, auch sie standen ihm nahe.

Lyneker: So ist es, Prof ich habe einen Freund verloren.

vanDusen: Ich fühle mit ihnen.

Hatch: Ich auch Kollege beileid.

Lyneker: Kollege Mr.

Hatch: Hatch, Hutchinson Hatch, Kriminalreporter beim Daily NewYorker, sie müßten mich kennen Kollege.

Lyneker: Ach wirklich, Mr Hatch ja, sie schmieren sensationellen Schmutz für ein Revolverblatt zusammen.

Hatch: Ich höre wohl nicht richtig.

Lyneker: Wohingegen ich meine hohe Berufung darin erblicke Operndarbietungen kritisch zu taxieren für die exklusive highbrow review, bei dieser krassen Diskrepanz der Aktivitäten kann von Kollegialität denn doch wohl kaum die Rede sein.

Hatch: Hören sie mal zu Lyneker, wenn wir nicht in einem Trauerhaus wären dann würde ich ihnen ihre affige Brille.

vanDusen: Hatch, bewahren sie contenance, gestatten sie mir eine Frage, Mrs King.

Mrs King: Bitte, Prof.

vanDusen: Wie haben sie den gestrigen abend verbracht.

Mrs King: In der Met natürlich, gestern war Don Giovanni.

Lyneker: Senta singt die Zerlina.

vanDusen: Jaja ich verstehe Mr King war nicht besetzt ich hätte vermutet die titelrolle

Lyneker: Das war früher, Prof heute singt den Don Giovanni Antonio Scotti.

vanDusen: Ahja sie befanden sich also im Metropolitanoperahaus Madam bis wann.

Mrs King: Um 11 war die Vorstellung zu ende, abschminken bis etwa halb 12 dann hat Leo mich nachhause gefahren.

Lyneker: Ich habe der Aufführung beigewohnt Prof in meiner Loge.

Mrs King: Und dabei hat Leo mir von dem Brief an Lawrence erzählt, von diesem, diesem entsetzlichen Krüger.

Lyneker: Ein lapsus linguae, Prof unabsichtlich und unwillkürlich.

vanDusen: Sie waren also informiert, Lyneker.

Lyneker: Lawrence King hat mir vertraut, Prof.

vanDusen: Ah ja.

Mrs King: Ich war natürlich außer mir von Sorge, und hab Lawrence sofort angerufen, kaum hatten wir ein paar Worte gewechselt da, da.

vanDusen: Bitte Mrs King.

Mrs King: Da ließ Lawrence plötzlich den Hörer fallen, ich hörte wie er sagte, Kruger da ist er, und wie er um hilfe rief, dann irgendwelche Geräusche und schließlich Stille, totenstille.

Lyneker: Da ich mich zum Glück noch in Sentas Wohnung aufhielt, konnte ich sie auf der Stelle hierherbringen in meinem Automobil, seitdem hält man uns fest, wann werden sie uns freilassen.

Hatch: Bald sagte Caruso, nachdem er in einer Ecke leise mit dem Prof konferiert hatte, der war damit in der Elmstreet erst einmal fertig, ihn zog es zum Broadway, zur Met und ich mußte ihn hinfahren, in meinem Automobil, wenn er mich nicht hätte, der große Mann müßte er nicht nur selber lesen, er müßte auch laufen, was wollte van Dusen in der Oper, Kunstgenuß, innere Erhebung durch Musik, keine Spur, er suchte Lawrence Kings Garderobiere, eine gewisse Mrs Kaplan und er fand sie natürlich in Lawrence Kings Garderobe.

Caplan: Nicht nur seine Prof, er muß sie teilen mit Mrs King, früher hätten sie das nicht gewagt.

vanDusen: Wer Mrs Caplan.

Caplan: Die Intendanz, die hat Mr King die halbe Garderobe weggenommen, früher häts das nicht gegeben, oh da war er ein Star.

vanDusen: Und jetzt ist er nicht mehr, Mrs Caplan.

Caplan: Machen sie doch die Augen auf, besser gesagt die Ohren, was hat Mr King vor 2-3 Jahren gesungen, Don Giovanni, Graf Luna, Rigoletto, Hans Sachs, und was gibt man ihm heute, den Herrufer in Lohengrin, den Bretine im Manon, den Sprecher aus der Zauberflöte, in den Meistersingern den Nachtwächter, kleine Partien, alles kleine Partien, die großen singt seit der letzten Saison Senior Scotti.

vanDusen: Eine Entwicklung, welcher Mr King wohl kaum freudig zustimmte.

Caplan: Das können sie laut sagen, Prof.

vanDusen: War er sehr niedergeschlagen, Mrs Caplan, so sehr daß ein Selbstmord im Bereich des möglichen gelegen hätte.

Caplan: Selbstmord, Mr King, niemals, Mr King war eine Kämpfernatur, der hat sich nicht abgefunden, der hat sich angelegt mit allen, mit der Intendanz, mit Scotty, mit dem ganzen Ensemble, mit dem Chor, mit dem Orchester, mit jedem im Haus hat er sich gestritten.

vanDusen: Auch mit Mrs King.

Caplan: Ja wie mans nimmt, sie hat schon zu gehalten ja meistens.

vanDusen: Aber, Mrs Caplan.

Caplan: Ja manchmal da, da hat sie ihm Vorwürfe gemacht, sie wollte die großen Wagnerpartien singen und sie hat sie nicht gekriegt, seinetwegen weil er sich mit der Intendanz überworfen hat.

vanDusen: So, und Mr Lyneker, sie kennen doch Mr Lyneker.

Caplan: Klar kenn ich Mr Lyneker, Mr Kings bester Freund, wenn sie sich nicht gerade in der Wolle hatten.

vanDusen: In der Wolle, Mrs Caplan weshalb.

Caplan: Mr King hat verlangt, daß Mr Lyneker über ihn schreibt, daß er immer noch der größe und beste Heldenbariton ist, aber Mr Lyneker wollte nicht, er kann es mit seinem künstlerischen Gewissen nicht vereinbaren, hat er gesagt.

vanDusen: Aha, sagen sie, wie würden sie Mr Kings Gemütszustand in den letzten Tagen einschätzen, Mrs Caplan, hat er sich verändert.

Caplan: Oh ja Prof, Mr King hatte richtig gute Laune, seit er dieses, dieses Spukhaus gekauft hat, er war munter, optimistisch, passen sie auf Mrs Caplan, hat er gesagt, es dauert nicht mehr lange, dann singt den Don Giovanni wieder Lawrence King, wie in alten zeiten.

Hatch: Zurück zur Elmstreet, wo wir sehnlichst erwarten wurden, 2 Uhr war es inzwischen geworden, Prof van Dusen hatte sich jetzt fast 5 Stunden mit dem Fall beschäftigt, mehr Zeit brauchte er nicht, der Fall war gelöst, van Dusen wußte, wer King ermordet hatte und vor allem wie der Mord vor sich gegangen war, er wußte alles, und weil er sein Licht bekanntlich nicht unter den Scheffel zu stellen pflegt, beeilte er sich, sein Wissen kund zu tun, das heißt er schritt zum Aufklärungsvortrag und wir, Mrs King, Lyneker, Detectivsergeant Caruso und meine Wenigkeit, wir hörten zu.

Caruso: Also kein Geist, Prof.

vanDusen: Natürlich nicht, Caruso, was immer der verblichene Kruger begangen haben mag, an diesem Mord ist er völlig unschuldig.

Caruso: So und wie ist der Mörder ins Telefonkabinett rein und nach dem Mord wieder rausgekommen Prof.

vanDusen: Eine ganz und gar irrelevante Frage Caruso.

Caruso: Unwichtig, meinen sie, Prof.

vanDusen: Ja völlig unwichtig.

Caruso: Das verstehe ich nicht.

vanDusen: Natürlich nicht Caruso, lassen sie es mich so sagen, zum Zeitpunkt der Tat hat der Täter sich nicht im Kabinett aufgehalten.

Caruso: Er war gar nicht drin also das.

Hatch: Verstehen sie auch nicht Caruso was.

Caruso: Sie etwa, Mr Hatch.

Hatch: Von mir erwartet das auch niemand Caruso.

Caruso: Von mir erst recht nicht.

Hatch: Da haben sie recht und wo sie recht haben.

vanDusen: Bitte bitte meine Herren ich habe das Wort, ich werde ihnen und natürlich auch unseren beiden schweigsamen Gästen Mrs King und Mr Lyneker präzise rekonstruieren, was sich um Mitternacht im Telefonkabinett dieses Hause zu trug.

Caruso: Da bin ich gespannt Prof.

vanDusen: Meine Herrschaften, wie ihnen bekannt ist, begab Lawrence King sich in der vergangenen nacht etwa 3 min vor 12 Uhr in seinen Telefonraum, um einen für diese zeit verabredeten Anruf seiner Gattin entgegen zu nehmen, er zog die Tür hinter sich ins Schloß, drehte leise den Schlüssel.

Caruso: Was King hat sich selbst eingeschlossen.

vanDusen: Wer sonst Caruso, sodann schritt King zum Telefonapparat an der Wand um mit ihnen, Mrs King einige Worte zu wechseln, als es Mitternacht schlug, brach der das Telefonat ab, er lief im Kabinett hin und her, stieß die Möbel um, rief um Hilfe, kurz er verhielt sich so, als sei der brieflich annoncierte Geist des Massenmörders Kruger tatsächlich erschienen, um ihn zu töten, zur Verstärkung dieser Illusion fügte King sich mit dem Messer welches er in seiner Kleidung verborgen bei sich trug eine geringfügige Schnittverletzung am Oberschenkel zu.

Caruso: Das ist doch verrückt, Prof, warum hat er so was gemacht.

Mrs King: Lawrence war doch nicht wahnsinnig oder.

Lyneker: Kaum, ein wenig impulsiv, das Temperament eines Künstlers.

vanDusen: Nein meine Herrschaften King war nicht von sinnen, im Gegenteil, seinem scheinbar irrationalen tun lag eine durchaus rationale Absicht zugrunde, sein künstlerischer Stern wir wissen es, war im sinken begriffen, um ihn wieder zum strahlen zu bringen, um seinen Namen einer vergeßlichen Öffentlichkeit in die Erinnerung zurück zu rufen, und zwar auf möglichst nachhaltige eindringliche weise, unternahm King eine sorgsam vorbereitete und detailgenau inszenierte Aktion, mein Freund Hatch hat mir versichert, daß solche wie sagten sie Hatch.

Hatch: Stunts, Prof, publicity stunts.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, solche stunts scheinen heutzutage in gewissen Kreisen durchaus üblich zu sein, ich fahre fort, vor wenigen Wochen erstand King dieses Gebäude, die frühere Behausung eines hingerichteten Massenmörders, welchem der abergläubische Volksmund nachsagt, er pflege an der Stätte seines Wirkens umzugehen, zu spuken, so lauten ja wohl die einschlägigen Begriffe, als nächstes beschaffte King sich Krugers Messer aus dem schwarzen Museum der Polizei und schrieb in Krugers Handschrift jenen makabren Drohbrief welchen er ihnen Caruso präsentierte, samt einer selbstverständlich fingierten Horrorgeschichte von der nächtlichen Heimsuchung durch einen gespenstischen Briefträger, den Höhepunkt der Inszenierung sollte die Geistererscheinung im Telefonkabinett darstellen, ohne Zweifel hatte King geplant, nach dem Aufbrechen der Tür durch die zu diesem zwecke bemühte Polizei dieser eine zweite Gespenstergeschichte zu erzählen, Krugers Geist sei plötzlich aufgetaucht mit geschwungenem Messer und nach heftigem Kampf ebenso plötzlich wieder verschwunden, später hätte King die Presse informiert.

Hatch: Das wäre was gewesen, Prof ganz New York hätte darüber geredet, eine unbezahlbare Reklame für Lawrence King.

Caruso: Aber.

vanDusen: Ganz recht Caruso, aber, King wurde ermordet.

Hatch: Mord ist auch gute publicity aber das kann King ja wohl nicht gewollt haben.

vanDusen: Kaum, kein zweifel, Kings Plan schlug fehl.

Caruso: Das klingt ganz plausibel, Prof aber viel weiter sind wir damit nicht, wie wurde King ermordet, das ist doch die frage, wie.

vanDusen: Durch ein Geschoß Caruso, genauer durch einen von außen abgeschossenen Pfeil.

Caruso: Pfeil, was für ein Pfeil, ich hab keinen gefunden.

vanDusen: Das konnten sie auch nicht, Caruso, weil der Pfeil zum Schützen zurückschnellte, wie zu vermuten steht durch ein an ihm befestigtes schmales Kautschukband selbstverständlich nachdem King tödlich getroffen und die Pfeilspitze dh. die abgebrochene Spitze von Krugers Messer in seiner Rippe stecken geblieben war, letzteres war für den Mörder und seinen Plan von primärer Bedeutung, die Spitze war daher mit dem Schaft des Pfeils lediglich locker verbunden und es versteht sich von selbst daß Pfeilschaft und Band von dunkler Farbe und daher von Wachtmeister Donovan nicht wahrgenommen konnte.

Caruso: Eine fantastische Geschichte Prof.

vanDusen: Fantastisch, Caruso wäre ein mordender Geist akzeptabler für sie.

Caruso: Kompliziert meine ich, weit hergeholt, irgendwie ich weiß nicht.

Hatch: Wenn ich mal dolmetschen darf, Prof, Caruso wünscht zu erfahren wie sie das alles rausgekriegt haben, 2 plus 2 und so.

Caruso: Genau Mr Hatch.

vanDusen: Ich werde es ihn erklären, Caruso und auch ihnen mein lieber Hatch, der sie fraglos nicht weniger neugierig sind als ihr Dauerkontrahent von der Kriminal polizei, wie sie zweifellos wissen, werden Pfeile am unteren Teil des Schaftes mit Federn versehen zur Gewährleistung eines gleichmäßigen Fluges, erfahrene Sportschützen verwenden hierfür in der Regel Truthahnfedern.

Hatch: Aha.

vanDusen: Des weiteren verweise ich auf das offene Oberlicht im Telefonkabinett.

Caruso: Da kam er rein der Pfeil ok, aber wo kam er her.

vanDusen: Von höherer Warte, schräg von oben, wie der verlauf des Schußkanal eindeutig beweist, ich schlage vor Caruso daß sie dem leerstehenden Haus gegenüber einen Besuch abstatten, an einem der Fenster im Dachboden werden sie deutliche Hinweise finden, Spuren im Staub und dergleichen, Hinweise darauf daß sich dort jemand kürzlich aufgehalten hat.

Caruso: Also gut Prof.

vanDusen: Aber doch nicht jetzt, Caruso warten sie gefälligst bis ich meine Vorlesung beendet habe, setzen.

Caruso: Wie sie wollen Prof, setzen.

vanDusen: Gestern abend kurz vor 12 Uhr begab sich der Mörder bewaffnet mit Pfeil und Bogen in das erwähnte Haus, durch den hinteren Eingang welcher durch einen schmalen Weg von der zur Elmstreet parallel laufenden Christopherstreet zugänglich ist, Lyneker wußte, daß King sich um Mitternacht im Telefonkabinett aufhalten würde.

Hatch: Lyneker.

vanDusen: Leo Lyneker der Mörder.

Lyneker: Unfug ich bin im Besitz eines Alibi, so nennt man das doch in Krimi kreisen.

Caruso: Er hat recht Prof, ich kanns bestätigen.

Lyneker: Na bitte.

Caruso: Heute nacht habe ich am Telefon.

vanDusen: Wen haben sie gehört Caruso, Lyneker.

Caruso: Ja.

vanDusen: Nein, sie hörten Mrs King.

Mrs King: Aber.

Caruso: Sie hat doch mit Lyneker gesprochen während er.

vanDusen: Sie sprach nicht mit Lyneker, sie sprach zu ihm, zu einem abwesenden, und versuchte so ihm ein Alibi zu verschaffen.

Caruso: Ja wenn sie das sagen Prof.

vanDusen: Leo Lyneker hat Lawrence King ermordet, als Vertrauter des Opfers war er Mitwisser, womöglich gar Initiator der publicity action, er betreibt den Sport des Bogenschießens.

Lyneker: Woher wollen sie denn das wissen Prof.

vanDusen: Ihre Hand hat es verraten, Lyneker, präziser die typische Schwielen am Daumen und am unteren Glied des Zeigefinger, sie besitzen ein Automobil welches sie in kurzer zeit von Mrs King Wohnung in der 5 Avenue zur Christopher Street und nach dem Mord wieder zu Mrs King zurück brachte.

Mrs King: Aber ich hab doch.

vanDusen: Mrs King ist Lynekers Komplizin, beide waren dran interessiert Lawrence King zu beseitigen aus beruflichen Gründen und wohl auch aus anderen privaten.

Hatch: Da war mal was, Prof vor einem halben Jahr in den Klatschspalten, in welcher Belcanto-Ehe würde Kritiker gern den dritten im Bunde spielen, so etwa war das.

vanDusen: Senta King, Leo Lyneker, sie beide waren in Kings Aktion eingeweiht und haben beschlossen, sie ohne sein wissen zu einem Kapitalverbrechen umzufunktionieren, sie sind überführt.

Caruso: Und sie werden gestehen, Donovan, Paretzky, Obrien abführen die beiden, aber eins hab ich noch nicht verstanden Prof die Sache mit dem oxi.

vanDusen: Oxidationsprozeß Caruso.

Caruso: Ja so hieß das.

vanDusen: Passen sie auf, der Oxidationprozeß welcher wie die leichte Verfärbung erkennen ließ an beiden Bruchstellen bereits eingesetzt hatte verriet mir, daß der Bruch nicht wie es den Anschein hatte vor Stunden erfolgte sondern vor etwa 10 Tagen, vermutlich hatte Lyneker am Mittwoch dem 15. Mai das schwarze Museum aufgesucht, das Messer entwendet und bevor er es an King weitergab die spitze abgebrochen, um sie als Mordwerkzeug zu benutzen.

Caruso: Ach so.

Hatch: Auf der Heimfahrt wirkte van Dusen etwas mitgenommen, kein Wunder er ist nicht mehr der jüngste und das dauernde lösen kriminologischer Probleme das schlaucht ungemein, aber am Fall King hatte ihn was ganz spezielles irritiert.

vanDusen: Ich meine die den Fall bestimmende theatralische, genauer musik-theatralische Atmosphäre, mein lieber Hatch, die Aura des Irrealen, Irrationalen, des so tun als ob, des eher Schein als Sein, wenn sie verstehen was ich meine.

Hatch: Ja…

vanDusen: Äußerlichkeiten, Kulissen, Inszenierungen, Reklame, Publicity, große Opern, kleine Partien, nicht das rechte Milieu für Prof van Dusen, von derartigen Fällen werde ich mich in Zukunft strikt fernzuhalten wissen.

Hatch: Bekanntlich kommt es manchmal anders, als man denkt, ein knappes Jahr später legte sich der Professor mit dem Phantom der Oper an, und das sollte einer seiner größten Triumphe werden doch davon meine Damen und Herren erzähle ich ihnen vielleicht ein andermal.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Lawrence King, Helden-Bariton: Otto Mellies
Senta King, Sopran, seine Frau: Susanna Bonaséwicz
Dr. Clennam, Polizei-Arzt: Wolfgang Condrus
Mrs. Caplan, Kings Garderobiere: Ruth Pipho
Leo Lyneker, Opern-Kritiker: Peter Matic
Leporello, Kings Diener: Hans Teuscher
Wachtmeister Donovan: Klaus Jepsen

Michael Koser: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993)

Hatch: 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer um den Bombencountdown im Luxushotel, Prof van Dusen fährt zur Uni wie jeden Tag was ist daran unglaublich so werden sie fragen, haben sie noch einen ganz kleinen Moment Geduld, die Droschke biegt links ab in die 5. Avenue und sie wird schneller, der Kutscher schlägt auf seinen Gaul ein, der Gaul geht über in Galopp, van Dusen sieht aus dem Fenster, ein Ausdruck der Verwunderung tritt in seine durchgeistigten Züge.

vanDusen: Dies ist nie und nimmer die Madison Avenue, he da guter Mann sie verfehlen den rechten Weg, zur Universität wünsche ich verbracht zu werden, Madison Avenue nicht 5 Avenue, biegen sie rechts ab, halt guter Mann, halten sie ihre Gefährt an, lassen sie mich aussteigen, halt, halten sie an, ich will aussteigen, ich will zur Universität.

Hatch: Türen und Fenster sind verriegelt, immer schneller rast die Droschke die 5 avenue entlang, nicht weit vom Central park kommt sie abrupt zum stillstand, vor einem hochherrschaftlichen Gebäude an der Ecke der 58 Straße.

Butler: Prof van Dusen wie ich vermute.

vanDusen: In der Tat.

Butler: Sie werden erwartet, Herr Prof, würden sie mir bitte ins Haus folgen.

vanDusen: Nein ich würde nicht, was geht hier vor, wo bin ich.

Butler: Helft dem Herrn Prof, achtet darauf, daß er den Weg nicht verfehlt.

vanDusen: Lassen sie mich los, auf der Stelle.

Butler: Wir wollen doch kein Aufsehen, folgen sie mir.

vanDusen: Hilfe, ich werde entführt.

Hatch: Höflich aber sehr bestimmt wird der Prof ins Haus geleitet, durch ein prunkvolles Foyer in einen noch prunkvollen Salon, hier sitzen drei Personen, die ihm erwartungsvoll entgegensehen, ein stattlicher älterer Mann umgeben von der Aura des Erfolgs, neben ihm eine etwa gleichaltrige Frau, kleiner eher unfällig, und meine Wenigkeit, falls sie mich noch nicht kennen, Hatch heiße ich, Hutchinson Hatch Reporter von Beruf und aus Berufung Begleiter und Chronist von Prof van Dusen.

Butler: Meine Herrschaften, Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Der größte Wissenschaftler und Amateurkriminologe unserer Zeit.

vanDusen: Hatch, sie hier.

Hatch: Wie sie sehen, Prof.

vanDusen: War es etwa ihre Idee mich entführen zu lassen, ein exerzitium ihres beklagenswerten Sinnes für Humor oder was sie dafür halten.

Morgan: Ich muß Mr Hatch in Schutz nehmen, Prof ich bin der Übeltäter, willkommen in meinem Haus.

vanDusen: So, und wer sind sie.

Morgan: John Pierpont Morgan, schon von mir gehört.

Hatch: Mr Morgan ist einer der reichsten Männer der Welt, ein Multimillionär, einer aus dem Club der Astor, Vanderbild, Rockefeller, nicht zu vergessen meinen verehrten Papa.

Morgan: Sie sehen, Prof sie sind nicht unter die Räuber gefallen.

Dotty: John würdest du.

Morgan: Machen wir, Dotty, Prof van Dusen, meine Gattin Dorothy.

Dotty: Liebster Prof endlich, wie oft hab ich mir gewünscht sie leibhaftig kennenzulernen, doch da sie Gesellschaften niemals zu besuchen pflegen.

vanDusen: Aus gutem Grund, Mrs Morgan, man trifft dort so unerfreuliche Zeitgenossen, Mr Morgan, was geht hier vor, erklären sie sich, rechtfertigen sie soweit dies überhaupt möglich ist ihr skandalöses Verhalten.

Morgan: Nicht die feine Art Prof, muß ich zugeben, aber was hätte ich sonst tun sollen, ich habe alles versucht, ans Telefon sind sie nicht gegangen, und meine Boten hat ihr Diener an der Haustür abgewimmelt, weil sie gerade in einer wichtigen wissenschaftlichen Arbeit stecken.

Hatch: Radium, Prof.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch.

Morgan: Also hab ich ihren Droschkenkutscher geschmiert und ich hab Mr Hatch zu mir bestellt und ihm kurz erzählt was los ist weil sie ohne ihren Schlappenschamies nichts tun, Prof, hab ich mir sagen lassen.

Hatch: Assistent, heißt das Mr Morgan, Assistent.

Morgan: Ja und genau das sollen sie, Prof was tun, für mich, ich engagiere sie, nennen sie ihren Preis, ich zahle was sie wollen, gutes Geld für gute Ware, mein Motto, oder wenn ihnen ein Blankoscheck lieber ist, setzen sie jede Summe ein, na ist das ein Angebot Prof.

vanDusen: Ersparen sie sich weitere Worte Mr Morgan, ich wünsche zu gehen.

Hatch: Mr Morgan sie machen das falsch, lassen sie mich mal, ein Fall Prof, ein wunderschöner, ein sensationeller Fall, ein bizarrer, ein hochkomplizierter Fall, ach was ein Fall, drei Fälle mindestens, und einer immer ausgefallener als der andere.

vanDusen: Ich bin nicht interessiert.

Hatch: Da hätten wir erstens die mysteriöse Affäre um den üblen Geruch in der Fürstensuite, zweitens die kuriose Episode des geschmorten Mopses, drittens das Rätsel des spurlos verschwundenen Detektivs.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch.

Morgan: Und viertens wird in meinem Hotel eine Bombe hochgehen wenn sie das nicht verhindern Prof.

vanDusen: Tja, unter diesen Umständen, berichten sie, Mr Morgan.

Hatch: Knapp präzise etc, sie kennen das, meine Damen und Herren, nicht das man John Pierpont Morgan sowas extra ans Herz legen mußte, time ist money, so lautete sein Motto, und entsprechend fiel sein Bericht aus.

Morgan: Hotel Galaxy kennen sie bestimmt Prof.

vanDusen: Notgedrungen sofern sie das monströse Bauwerk südlich des central park meinen.

Morgan: Zwei Blocks von hier gleich um die Ecke, genau Prof, 100m hoch, 24 Stockwerke, das größte höchste, schönste, feinste, teuerste Luxushotel in New York, in Amerika, in der ganzen Welt.

Hatch: Moment das Waldorf Astoria.

Morgan: Ne Hütte, Mr Hatch, nichts als ne schäbige Hütte, gehört mir.

Hatch: Das Waldorf.

Morgan: Ne quatsch das Galaxy.

vanDusen: Ich gratuliere Mr Morgan.

Morgan: Vor einem Jahr hab ich es übernommen vom Bauherrn und Vorbesitzer Philip T Smart, kennen sie sicher auch Prof.

Hatch: Kannte er nicht, woher auch, Philip T Smart war kein unübersehbarer Wolkenkratzer, Philip T Smart war Unternehmer, und von Geschäften, Finanzen und dergleichen hat der Prof keinen Schimmer, Morgan mußte ihn aufklären, Smart hatte sich aus der Gosse hochgearbeitet und noch in jungen Jahren durch Finanz-spekulation ein ganz anständiges Vermögen zusammengekratzt, dann hatte er ganz hoch gegriffen und das Galaxy gebaut, ein Superhotel wie es die Welt noch nicht gesehen hat, dabei ging ihm das Kapital aus, er mußte sich was pumpen.

Morgan: Meine Bank hat den Bau finanziert, Prof das Haus Draxel und Morgan Wallstreet, Smart kriegte soviel wie er brauchte bis das Hotel stand, tja und dann.

Hatch: Dann haben sie die Klappe zugemacht, Mr Morgan.

Morgan: Wie das so läuft, keine neue Kredite bewilligt, die laufenden gekündigt, die Smart ging pleite, ich erbte die Konkursmasse, sprich das Galaxy, ein Hotel wollte ich schon immer mal haben.

Hatch: Kein schlechtes Geschäft, moralisch vielleicht nicht ganz astrein, aber.

Morgan: Aber legal, Mr Hatch, nicht dran zu tippen, von nichts kommt nichts, mein Motto, jeder ist sich selbst der nächste, der bessere gewinnt.

Hatch: Geschäft ist Geschäft.

Morgan: So ist es, Mr Hatch, eine ganz normale Transaktion, aber Smart sah das anders, nach der pleite war er total aus dem Gleis, hier oben meine ich im kopf, verleumdet hat er mich, beschimpft, sogar bedroht an leib und leben, richtig gemeingefährlich ist er geworden, was sollte ich machen, ich hab dafür gesorgt daß er untersucht und in ein Irrenhaus eingewiesen wurde.

vanDusen: In welches Mr Morgan.

Morgan: Happy Valley, drüben in Osweg, eine geschlossene Anstalt, nicht gerade billig, aber sicher, überall Gitter, kräftige Wärter, da kommt er nie raus, hab ich jedenfalls gedacht, bis vor 5 Tagen, letzten Sonntag.

vanDusen: Was geschah am letzten Sonntag Mr Morgan.

Morgan: Das Telefon klingelte in meinem Büro im Galaxy, das Hotelmanagement hab ich nämlich selbst übernommen, als Hobby sozusagen, interessante arbeit, viel interessanter als das Bankgeschäft.

Dotty: Deshalb hält sich mein Gatte auch so oft im Galaxy auf, nicht wahr John.

Morgan: Was du tust tue ganz oder gar nicht, mein Motto.

vanDusen: Ihr Telefon klingelte, Mr Morgan.

Morgan: Richtig, Sonntag 9 November kurz nach 2 Uhr nachmittag, ja hier Morgan fassen sie sich kurz.

Smart: Das hab ich vor, Morgan sie wissen, wer ich bin, erkennen sie meine Stimme.

Morgan: Smart.

Smart: Smart, Smart, den sie in den Ruin getrieben und ins Irrenhaus gebracht haben, aber ich bin nicht mehr in happy valley, Morgan, ich bin frei und ich werde mich rächen, an ihrem gestohlenen Hotel werden sie nicht mehr lange Freude haben, Morgan, das versprech ich ihnen, bis bald.

Morgan: Vermittlung, der Anruf eben, stellen sie fest woher er kam.

Morgan: Und woher kam er, nicht von draußen, sondern über die Hausleitung.

vanDusen: Aus dem Hotel, woher genau.

Morgan: Das war nicht zu klären, im Galaxy haben wir nämlich ein ganz modernes Vermittlungssystem, teilautomatisch.

vanDusen: Ich verstehe Mr Morgan, fahren sie fort.

Morgan: Ich ließ mich sofort mit happy valley verbinden, mit dem Direktor Dr. Daffy.

Daffy: Smart, den haben wir heute morgen entlassen, aber das wissen sie doch, Mr Morgan.

Morgan: Entlassen, sind sie noch zu retten.

Daffy: Aber das war ihr ausdrücklicher Wunsch Mr Morgan.

Morgan: Mein Wunsch, wie kommen sie denn auf die Idee.

Daffy: Ihr Brief, Mr Morgan, ihr Brief, darin haben sie mich angewiesen, Smart zu entlassen und weil sie doch die Rechnung für ihn bezahlen, Mr Morgan.

Morgan: Haben sies getan, sie sind ein Idiot, Daffy, so einen Brief hab ich nie geschrieben.

Daffy: Ich versteh das nicht, Mr Morgan, die Dame hat ihn mir heute morgen vorgelegt und dann hat sie Smart gleich mitgenommen.

Morgan: Dame, welche Dame.

Daffy: Die Dame, die Smart seit Wochen besucht, seine Cousine.

Morgan: Blödsinn, Smart hat keine Cousine, keine Schwester, keine Tante, keine Großmutter, überhaupt keine verwandten, smart ist ein Findelkind und im Waisenhaus aufgewachsen.

Morgan: Viermal war sie bei Smart gewesen seit September, beim ersten mal hatte sie auch schon einen Brief von mir angeblich, sie darf Smart besuchen, stand drin.

Dotty: Anscheinend eine Komplizin, so sagt man wohl.

vanDusen: Wie sah die Frau aus, Mr Morgan haben sie sich eine Beschreibung gegeben lassen.

Morgan: Aber klar Prof, tief verschleiert, unauffällig gekleidet, nicht sehr groß, gebildete Sprechweise, nicht gerade viel.

vanDusen: Und der Brief, Mr Morgan.

Morgan: Mein Briefpapier, mein privater Briefkopf, meine Handschrift, sah jedenfalls aus wie meine, haargenau.

vanDusen: Weiter Mr Morgan.

Morgan: Sonntag abend hatten wir was vor, irgendsoeine Wohltätigkeitsabfütterung bei Delmonico, Dotty macht viel in Wohltätigkeit.

Dotty: Verbringe dein leben sinnvoll, mein Motto.

Morgan: Beim umziehen hab ich Lotty die Sache erzählt.

Dotty: Ich war entsetzt, schockiert, dieser Wahnsinnige in Freiheit, was konnte er nicht alles anstellen.

Morgan: Ein Luxushotel ist ein empfindlicher Organismus, sehr anfällig für Störungen, ich machte mir Sorgen, irgendwas mußte ich unternehmen, frage was, die Antwort ergab sich beim essen.

Dotty: Du meinst Collinson.

Morgan: Genau Dotty, Peter Collinson saß bei uns am Tisch, interessanter Typ Sicherheitsexperte von Beruf, spezialisiert auf große Hotels, kam gerade aus London, da hatte er im Savoy gearbeitet.

Morgan: Und womit beschäftigen sie sich zurzeit Mr Collinson.

Collinson: Ich spanne ein wenig aus, ich muß nicht arbeiten, ich bin finanziell unabhängig, wenn sich eine neue reizvolle Aufgabe bietet.

Dotty: John.

Morgan: Ja Dotty.

Dotty: Greif zu.

Morgan: Wo was.

Dotty: Collinson für dein Hotel.

Morgan: Als Hausdetektiv, aber ich hab doch schon einen.

Dotty: Simpsons, der wird mit Smart nicht fertig, du brauchst einen neuen, einen echten Experten, dynamisch, energisch.

Morgan: Meinst du, sagen sie mal, Collinson.

Collinson: Ja.

Morgan: Hör auf deine Frau, mein Motto, ich habe Simpson gefeuert und Collinson eingestellt, montag früh gleich am nächsten Morgen fing er an, er kriegte alle Schlüssel, ein Büro unten gleich am Empfang, ein Zimmer in den oberen Regionen, wo das Personal untergebracht ist.

vanDusen: Zur Sache Mr Morgan.

Hatch: Zeit ist Geld.

Morgan: Ist recht, Prof also Smart.

vanDusen: Ja Mr Morgan was war mit Smart.

Morgan: Nichts, keine Störung, kein Anruf, nix am montag nix, am dienstag nix, mittwoch nix, ich dachte Smart tut nix, hat wohl angst vor meinen neuen Hoteldetektiv, aber dann am donnerstag.

Hatch: Gestern.

vanDusen: Was ereignete sich am donnertag Mr Morgan.

Morgan: Das Telefon klingelte in meinen Büro morgens gegen 9.

vanDusen: Smart.

Morgan: Nein Prof nicht Smart, der Anruf kam aus unserer Fürstensuite im 5. Stock, zufällig wohnt da gerade ein echter Fürst aus Deutschland der regierende Herzog von Sonderbar-Schwarzhausen, Hoheit war persönlich am Apparat, Hoheit war sauer, stinksauer im wahrsten Sinne des Wortes.

Fürst: Unerhört, stinkt im Badezimmer, wollte Bad nehmen, unmöglich, infernalischer Gestank, nicht auszuhalten, Kammerdiener ohnmächtig.

Morgan: Tut mir leid das zu hören, Hoheit werde mich sofort drum kümmern.

Fürst: Kümmern, abstellen den Gestank, aber dalli, sonst unverzüglicher Umzug ins Waldorf Astoria, verstanden.

Morgan: Ich hab gleich den neuen Detektiv hingeschickt, der durchsuchte das Bad mit zugehaltener Nase und zusammengebissenen Zähnen und was fand er schließlich hinter der Wandtäfelung, einen Fasan schon lange tot sehr lange, der Küchenchef hatte ihn schon vermißt.

vanDusen: Und Sie meinen Smart haben besagten Vogel hinter die Täfelung praktiziert.

Morgan: Ich meine nicht, Prof ich weiß, Collinson hat nämlich nicht nur den vergammelten Fasan gefunden, sondern auch das hier.

vanDusen: Ein beschriebenes Stück Papier, mein lieber Hatch würden sie.

Hatch: Weiß schon, Prof vorlesen, nur ein Satz, dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich, Unterschrift Philip T Smart.

Morgan: Und tatsächlich der zweite Streich folgte noch am gleichen Tag abends in Suite Nr 7, bewohnt von Lady Ribbondale, reiche Witwe aus England, gestern abend hatte sie sich ein Spanferkel auf die suite bestellt, der Etagenkellner nahm die Platte aus dem Serviceaufzug und trug sie in Lady Ribbondales Speisezimmer, oben drüber war natürlich so ein gewölbter Metalldeckel zum warmhalten.

Kellner: Darf ich servieren Milady.

Lady: Noch nicht Kellner, Wini, Wini, Liebling komm zu Frauchen, komm Fresschen, lecker, lecker Spanferkel, Wili wo steckst du denn, Kellner haben sie meinen Wili gesehen.

Kellner: Euer lady Schoßmops leider nein milady.

Lady: Wo mag er sich herumtreiben, der kleine Strolch, da muß ich wohl ohne meinen Wilielein anfangen, legen sie mir vor Kellner.

Kellner: Sehr wohl Milady.

Lady: Ah, Willie mein Willie, mein kleiner Wili, will was hat man dir angetan, oh.

Morgan: Auf der Platte der Mops, statt Spanferkel.

vanDusen: Tot.

Morgan: Mausetot.

Dotty: Arme Lady Ribbondale.

Morgan: Allerdings nicht geschmort wie Mr Hatch vorhin meinte.

Hatch: Schade das wäre das itüpfelchen gewesen journalistisch gesehen aber doch wohl mit einem Zettel im Schnabel von Smart einen Gruß.

Morgan: Diesmal kein Zettel, Mr Hatch, Smart rief mich an eine Stunde später, Lady Ribbondale war knall auf fall ausgezogen, Collinson hatte gewühlt und das gebratene Spanferkel im Keller entdeckt, in einem Abfalleimer bei der Küche.

vanDusen: Der Austausch fand demnach nicht auf der Etage oder im Servicelift statt vielmehr im Küchenbereich, interessant, was hatte Smart ihnen mitzuteilen Mr Morgan.

Smart: Bisher habe ich gescherzt, Morgan, Verwesungsgeruch im Bad, ein Schoßhund zum Soupe, gewiß nicht angenehm für sie und das Galaxy, aber doch eher Nadelstiche denn Katastrophen, es wird Zeit die Schraube anzuziehen, in dieser Nacht werde ich zuschlagen, Morgan ich werde ein Mitglied ein wichtiges Mitglied des Hotelpersonals töten.

Morgan: Hören sie Smart, wenn sie Geld wollen.

Smart: Ich will Rache, Morgan, ich will sie ruinieren.

vanDusen: Wie ich vermute kam dieser Anruf ebenfalls aus dem Hotel.

Morgan: So ist es Prof, ich habe sofort Collinson informiert, und der versprach die Augen offenzuhalten, besonders achten wollte er auf den Küchenchef und den maiter de hotel, aber die hatte Smart gar nicht gemeint, heute früh erscheint Collinson nicht in seinem Büro, ich rufe in seinem Zimmer an, niemand geht ran, ich lasse die Tür aufbrechen, das Zimmer ist leer, und auf Collinson Bett finden wir.

vanDusen: Doch wohl nicht seine Leiche.

Morgan: Leiche, ne, großen Blutfleck und diesen Zettel.

Hatch: Geben sie mal her ich schreite zur Verlesung, an Morgan den Schuft und Betrüger, ihr neuer Hoteldetektiv sollte mich erwischen, ich habe ihn erwischt, Collinson ist tot, sie werden ihn niemals wieder sehen, ich führe meine Drohungen aus, das habe ich bewiesen, jetzt mache ernst, ein für alle mal, heute freitag 14. November 1902 wird im Galaxy eine Bombe detonieren, um Mitternacht mit dem Glockenschlag wird ihr Hotel zur Ruine werden, wer zuletzt lacht, lacht am besten, mein Motto, haha, steht hier, haha.

vanDusen: Hatch, nach Empfang der Epistel haben sie doch wohl sogleich.

Morgan: Klar hab ich Prof mich hingesetzt und scharf nachgedacht.

vanDusen: Nachgedacht nun gut Mr Morgan und des weiteren.

Morgan: Des weiteren, was denn zum Beispiel.

vanDusen: Z.B. hätten sie das Hotel Galaxy gründlich durchsuchen lassen sollen.

Morgan: Hunderte von Räumen, über 30.000 qm wie stellen sie sich das vor.

vanDusen: Aber die polizei haben sie doch wohl verständigt.

Morgan: Eher weniger Prof.

vanDusen: Was soll das heißen Mr Morgan.

Morgan: Ehrlich gesagt nein.

vanDusen: Nicht.

Morgan: Sehen sie Prof, es geht um ein Hotel ein Luxushotel, voll mit hochkarätigen Gästen, Fürsten, Ladys, Millionären, wenn die erfahren, daß ein irrer Killer mit einer Bombe im Galaxy herumgeistert, was meinen sie, was dann los ist, Panik, Chaos.

Hatch: Finanzieller Ausfall.

Morgan: Auch das Mr Hatch und sie glauben doch wohl nicht, daß ich die Geschichte unterm Deckel halten kann wenn Horden von Plattfüßen durch die Fluren trampeln, nein Prof, die Polizei ist fehl am Platz zu laut, zu indiskret.

vanDusen: Andererseits ist es ihre Pflicht als Staatsbürger.

Morgan: Und was das wichtigste ist, die Polizei ist einfach nicht gut genug oder trauen sie ihr zu, Smart zu fangen.

vanDusen: Wenn sie mich so direkt fragen Mr Morgan.

Hatch: Caruso würde ein Bombe nur finden, wenn sie ihm unterm Hintern losgeht, und vielleicht nicht mal dann.

vanDusen: Hatch.

Morgan: Also keine Polizei, für John Pierpont Morgan ist das beste gerade gut genug, mein Motto.

Dotty: Der beste John.

Morgan: Genau Dotty und wer ist der beste.

Hatch: Wer wohl Prof van Dusen, der größte Amateurkriminologe der Welt.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen, mein lieber Hatch.

Dotty: Ich denke an den Vampir von Brooklyn, an den Mann der seinen Kopf verlor und was sie erst kürzlich im wilden Westen geleistet haben, Prof brillant, genial.

Morgan: Und darum bin ich ganz sicher Prof, sie werden die Bombe finden und unschädlich machen, sie werden Philip T Smart stellen.

vanDusen: Nicht nur ihn, Mr Morgan, haben sie die Frau vergessen, welche Smart aus der Anstalt befreite.

Dotty: Die verschleierte Komplizin.

vanDusen: Eben diese Misses Morgan.

Hatch: Die kriegt er auch der Prof, darauf können sie wetten.

Dotty: Hoffentlich.

Hatch: Ja und wie ich ihn kenne hat er schon die eine oder andere Spur, was Prof.

vanDusen: Durchaus möglich, und vielleicht auch den einen oder anderen Verdacht.

Hatch: 5 Uhr nachmittags, der countdown lief, nur noch 7 Stunden bis zur angekündigten Explosion, es wurde Zeit, in Aktion zu treten, Prof van Dusen trat in Aktion, indem er die Operationsbasis ins Galaxy verlegte, Morgan begleitet uns, unterwegs ließ van Dusen sich den gesuchten Bombenleger beschreiben, Smart war um die 30, sagte Morgan, mittelgroß, mausblond, unscheinbar ohne besondere Kennzeichen.

vanDusen: Und ihr verschwundener Hausdetektiv Collinson, Mr Morgan.

Morgan: Collinson, ach sie meinen, falls sie zufällig über seine Leiche stolpern, Ende 30, Glatze, Schnurrbart, Kneifer, 7. Stock steigen sie aus meine Herren, nehmen sie sich Suite 7 die ist frei.

Hatch: Von wegen der Lady mit dem Mops, und sie Mr Morgan.

Morgan: Ich fahr weiter, mein Büro liegt ganz oben im 24. Stock, da finden sie mich, wenn sie mich brauchen.

Hatch: Im Salon von Suite 7 hing noch ein leichter Hauch von Mops, der Prof achtete nicht darauf, er wanderte und dachte nach, leicht geistesabwesend wie immer, ich hatte die Füße auf dem Tisch, einen doppelten Whisky vor mir, und sah zu, nicht lange, nach ein paar Minuten gings weiter in den obersten Stock wo die Wohnräume des Personals lagen, ein paar billige Gästezimmer und Morgans Managerbüro, seltsam warum hier oben in eher ärmlicher Umgebung, na seine Sache, Collinsons Zimmer war klein, kahl und leer, abgesehen von der nötigsten Möblierung, Bett, Nachttisch, Stuhl, Schrank, van Dusen machte sich wieder ans wandern, er dachte, suchte, bückte sich ab und zu, wanderte weiter, das übliche, der dicke braunrote Blutfleck auf dem Kopfkissen interessierte ihn überhaupt nicht, merkwürdig, warum wollte er ihn nicht untersuchen.

vanDusen: Ich könnte es tun, mein lieber Hatch, ich könnte den erst kürzlich von meinem deutschen Kollegen Uhlenhuth entwickelten Präzipitintest durchführen, doch wozu, es wäre Zeitverschwendung.

Hatch: Wie sie wollen Prof.

vanDusen: Von weit erheblicher kriminologischer Relevanz als jener lächerlicher Fleck ist das was wir im Schrank vorfinden.

Hatch: Im Schrank aber da ist nichts.

vanDusen: Eben dies meine ich, und auf dem Nachttisch.

Hatch: Auch nichts, kein Bild, keine Uhr, gar nichts.

vanDusen: Keinerlei persönliche Habseligkeiten, keine Kleidung.

Hatch: Als ob hier niemand gewohnt hat.

vanDusen: Sehr gut und sehr richtig.

Hatch: Aber hier hat doch jemand gewohnt, Hausdetektiv Collinson.

vanDusen: Collinson ist und war nicht existent, ein Phantom, besser gesagt ein alias.

Hatch: Alias, sie meinen Collinson war in Wirklichkeit jemand anders, wer denn.

vanDusen: Wer wohl, Smart natürlich.

Hatch: Smart, der entsprungene Irre, der Stänker, der Mopskiller, der Bombenleger, wie kommen sie darauf.

vanDusen: Dies habe ich unter dem Schrank entdeckt.

Hatch: Ein rundes Stück Glas aus einer Brille oder.

vanDusen: Oder aus einem Kneifer.

Hatch: Richtig Collinson trug einen Kneifer.

vanDusen: Warum trug Collinson einen Kneifer.

Hatch: Warum, blöde frage, würde ich sagen, damit er besser sehen konnte.

vanDusen: Keineswegs, Collinson trug einen Kneifer um sich besser sehen lassen zu können, um nicht erkannt zu werden, das Glas ist nicht geschliffen, ordinäres Fensterglas, der Kneifer war Bestandteil einer Maskerade, wie übrigens auch dies Objekt, auf welches ich ebenfalls unter dem Schrank stieß.

Hatch: Ein Büschel schwarze Haare.

vanDusen: Längst abgestorben, mit Spuren von Leim an den Wurzeln.

Hatch: Aber Collinson war kahl, hat Morgan gesagt.

vanDusen: Wie so oft denken sie auch hier zu kurz.

Hatch: Und wie so oft werden sie mir den verstand schon lang ziehen.

vanDusen: Später, später lassen sie uns zunächst folgendes festhalten, Collinson trug eine Maske, Collinson war Smart, sie scheinen nicht völlig überzeugt zu sein.

Hatch: Wenn sie mir ein bißchen erklären würden Prof.

vanDusen: Also passen sie auf, der angebliche Collinson, ein angeblicher Sicherheitsexperte für Luxushotels taucht gerade zu jedem Zeitpunkt auf, da der entkommene Smart das Galaxy bedroht, Zufall.

Hatch: Unwahrscheinlich.

vanDusen: Er bietet sich Morgan an, läßt sich einstellen, kann sich als Detektiv ungehindert im Hotel bewegen.

Hatch: Tote Fasane verstecken, Möpse anrichten, und wenns soweit ist, sich problemlos umbringen lassen.

vanDusen: Indem er unter Hinterlassung eines falschen Blutflecks verschwindet.

Hatch: Einverstanden, aber viel weiter sind wir damit auch nicht, wo steckt der Kerl.

vanDusen: Im Galaxy ohne jeden zweifel.

Hatch: Ja aber wo und wo ist die Bombe.

vanDusen: Nehmen sie sich des Telefons an, mein lieber Hatch.

Hatch: Sehr wohl, Prof, ja.

Morgan: Prof van Dusen.

Hatch: Der ist hier, Mr Morgan, wollen sie ihn sprechen.

Morgan: Er soll sofort runterkommen in den Keller.

Hatch: Ist was passiert.

Morgan: Die Bombe, Mr Hatch, die Bombe ist gefunden.

Hatch: Morgan schickte uns einen Pagen als Führer und den hatten wir auch nötig, unter dem Hotel erstreckte sich ein unübersehbares Labyrinth zahlloser niedriger Gänge, nur spärlich erhellt, sie verzweigten und kreuzen sich, kamen aus der Dunkelheit, führen ins nichts, dazwischen düstere Lagerräume, verschimmelte Weinkeller, dunkle Katakomben mit rostigen Spülbecken, überall Schmutz, Dunst, Gestank, und armselige graue Gestalten die schattenhaft vorüberhuschten, in der Mitte wie eine Spinne im Netz die Küche, ein gewaltiges dröhnendes Inferno aus überdimensionalen Öfen und Herden schlugen rote Flammen, warfen zuckende Lichter auf Kessel, Kasserollen und auf die armen Teufel die in dieser Hölle schufteten, muß auch mal sein, gehobene Prosa, bildhafte Sprache, schöner Stil, wozu ist man Starreporter beim Daily New Yorker, aber keine Angst jetzt geht ganz normal weiter, Morgan erwartete uns mit seinem Küchenchef, dem unter Feinschmeckern weithin gerühmten Missio Anatole hinter der Küche in kleinem Raum voller schmaler Wandschränke.

Morgan: Der Umkleideraum für Küchenpersonal.

Hatch: Na die Fürstensuite ist es gerade nicht, Mr Morgan.

Morgan: Wissen sie Mr Hatch, ich sag immer ein großes Hotel ist wie die Welt, oben sind die, die es geschafft haben, es geht ihnen gut, sie werden bedient, leben im luxus, und unten im Dreck da sind die anderen, die meisten, die sich für die oben abarbeiten müssen, so ist das.

Anatole: Sie halten Vortrag monsieur, sie philosophieren, la bomb, sie machen tick tack tick tack.

vanDusen: In der Tat.

Anatole: Missio sil vous plait, Missio Anatole.

vanDusen: Die Bombe, in diesem offenen Wandschrank.

Anatole: Oui missio.

Morgan: Hören sie doch auf mit dem französischen Getue, sie Anatole, uns brauchen sie nichts vorzumachen, Brown, heißt er, James A Brown.

Anatole: A wie Anatole.

Morgan: Geboren und aufgewachsen in Jouplin, Missouri, Paris haben sie nicht mal von weitem gesehen.

Anatole: Missio, ok aber behalten sies für sich, meine Herren, ein guter Küchenchef muß Franzose sein, die Kundschaft besteht darauf, sonst schmeckts ihr nicht.

Hatch: Wer angibt, hat mehr vom leben, ihr Motto, Anatole Brown und nicht nur ihrs.

vanDusen: Ich ersuche um Ruhe, aha beim corpus delicti handelt es sich nicht im eigentlichen Sinn um eine Bombe das heißt um einen mit Sprengstoff gefüllten Hohl-körper vielmehr könnte man von einer Höllenmaschine primitivster Konstruktion sprechen bestehend aus 2 Stangen Dynamit, einer kupfernen Zündkapsel und einer Uhr.

Morgan: Höllenmaschine Bombe seien sie nicht pingelig Prof wenn das Ding hoch geht, ist es egal wie es heißt, dann ist das Galaxy ein Trümmerhaufen so oder so.

vanDusen: Nicht doch Mr Morgan, zwei kleine Dynamitstangen dürften kaum im Stande sein nennenswerten Schaden anzurichten.

Anatole: Mondieu ich meine verflixt noch mal, können sie das Ding nicht trotzdem lieber abstellen.

vanDusen: Entschärfen meinen sie, Anatole, gewiß kann ich das.

Anatole: Dann tuns sies doch endlich, macht einen ganz nervös dieses ticken.

vanDusen: Beruhigen sie sich, der Alarm der Weckuhr welcher über die Zündkapsel die detonation des dynamit auslöst wird erst um mitternacht einsetzen, wie spät ist es.

Hatch: Fünf vor 7.

vanDusen: Wir haben also noch gut 5 Stunden Zeit, meine Herren, wer hat die Bombe entdeckt.

Anatole: Eine von unseren Küchenhelferinnen.

vanDusen: Holen sie sie.

Hatch: Während der falsche Franzose sich nach der Helferin umsah, machte van Dusen die Bombe unschädlich, indem er die Kapsel vom Wecker und Dynamit trennte mit ruhiger Hand und einem silbernen Tafelmesser.

Anatole: Tut mir leid Prof, die Frau ist nirgends zu finden, seltsam.

vanDusen: Wie ich vermute, arbeitet die Betreffende erst seit kurzem in ihrer Küche.

Anatole: Das stimmt Prof, 2, 3 Tage.

vanDusen: Klein, unauffällig.

Anatole: Woher wissen sie das.

Morgan: Smarts Komplizin meinen sie Prof.

vanDusen: Nicht jetzt, diese Botschaft befand sich unter der Höllenmaschine.

Morgan: Wenn sie diesen Zettel finden, Morgan haben sie meine Bombe rechtzeitig entdeckt, Glückwunsch diese Runde gewinnen sie, aber der Kampf geht weiter, sie hören von mir Smart, also fürs erste haben wir Ruhe oder wie sehen sie das Prof.

vanDusen: Vielleicht.

Anatole: Bleibt es beim erlesenen soupe zu zweit, das sie für heute nacht bestellt.

Morgan: Aber sicher Anatole, jetzt wo wir uns um Smarts Bombe kein Sorgen mehr machen müssen, um Mitternacht, im Penthouse, geben sie sich Mühe.

Hatch: Worum gehts denn Mr Morgan.

Morgan: Nichts für sie, Mr Hatch, na Prof gönnen sie sich auch ne Pause, machen sie Feierabend, morgen können sie ja weiter nach Smart suchen, wie wärs mit einem guten Abendessen.

Hatch: Prima Idee, ich fürchte nur der Prof.

vanDusen: Der Prof ist einverstanden, schicken sie uns das Menu in die Suite.

Hatch: Erstaunlich, wenn er in einem Fall steckt, hält er von Speis und Trank nämlich überhaupt nichts, als das essen kam, 6 Gänge vom feinsten, erstklassige Weine, da rührte er es nicht an, ich muß also für den Meister mitessen, dachte ich aber da dachte ich falsch, wie so oft, der Meister hatte anderes mit mir vor.

vanDusen: Sie werden 2 Aufträge für mich erledigen.

Hatch: Wenn es sein muß.

vanDusen: Selbstverständlich muß es sein, der Fall verlangt es.

Hatch: Ja dann was befehlen Prof.

vanDusen: Zunächst suchen sie ein zweites mal die kulinarischen Niederungen des Galaxy auf.

Hatch: Die Küche meinen sie.

vanDusen: Was denn sonst und dort werden sie einige Fragen an Mr Anatole richten.

Hatch: Und wenn er nicht antworten will.

vanDusen: Sie werden ihn dazu überreden.

Anatole: Und wie gedenken sie das anzustellen.

Hatch: Ganz einfach, ich werde einen Artikel über sie schreiben im Daily New Yorker mit ihrem vollen Namen, ihrem Geburtsort.

Anatole: Alles nur das nicht.

Hatch: Also.

Anatole: Im Penthouse oben auf dem Dach wohnt eine Miss Maria Lankton.

Hatch: Lankton schon mal gehört.

Anatole: Eine junge Dame, sehr vertraulich mit Morgan, vom Theater.

Hatch: Schauspielerin, jetzt weiß ich Mary Lankton alias Mimi Lamuset, Schlangen- und Schleiertanz nur für Erwachsene, ich habe sie längere Zeit nicht gesehen, ein Jahr oder so.

Anatole: Tanzt nur noch für Mr Morgan im Penthouse.

Hatch: Deshalb hat er sich sein Büro im obersten Stock eingerichtet der alte Sünder, damit er in unauffällig in sein Liebesnest flattern kann, wenn Mrs Morgan wüßte, was ihren Mann so am Hotelbetrieb fasziniert.

Anatole: Ohne Mr Morgans ausdrückliche Erlaubnis darf niemand aufs Dach, im Sommer haben sie da mal einen Privatdetektiv erwischt.

Hatch: Und achtkantig rausgeschmissen.

vanDusen: Im Sommer, sehr interessant, und höchst aufschlußreich.

Hatch: Morgen hat die Dame Lantkon Geburtstag, heut nacht um 12 fängt sie an zu feiern, in trauter Zweisamkeit mit Morgan.

vanDusen: Mitternachtssoupe im Penthouse, ich verstehe, mein lieber Hatch der Fall.

Hatch: Ist klar.

vanDusen: Ist weitgehend aufgeklärt, zur endgültigen Lösung fehlt nur noch ein kleiner Mosaikstein, sie werden ihn mir beschaffen.

Hatch: Machen wir Prof und wie.

vanDusen: In dem sie sich stehenden Fußes ins Erdgeschoß begeben zum Empfang, wo sie sich folgende Frage beantworten lassen.

Empfang: Letzten Sonntag.

Hatch: Ja.

Empfang: Vor 2 Uhr mittag, lassen sie sehen, Sonntag 9. November viele Gäste, wir sind ein großes Haus von internationalem Rang.

Hatch: Geschenkt, ich brauch nur einen Gast, männlich vermutlich mit Bart, hat höchstwahrscheinlich eins von den billigen Zimmern ganz oben bezogen.

Empfangsdame: Ah ja ich erinnere mich, ein bärtiger Ausländer, dunkle Brille, sehr schwerer Koffer, der Page hat sich darüber beschwert, hier ist er, Igor Bolonski aus Kravonien, Zimmer 367 im 24. Stock.

Hatch: Und Zimmer 367 liegt direkt unter dem Penthouse.

vanDusen: Sieh an, damit ist der Fall gelöst.

Hatch: Wenn sie meinen Prof, jetzt müssen wir bloß noch Smart finden.

vanDusen: Wir haben ihn gefunden.

Hatch: Igor Bolonski.

vanDusen: Alias Peter Collinson alias Philip T Smart, ein vielseitiger Zeitgenosse und begabter Schauspieler, wie es den Anschein hat, wir kennen seinen Schlupfwinkel.

Hatch: Zimmer 367.

vanDusen: Und wir kennen seine Komplizin.

Hatch: So.

vanDusen: Korrektur ich kenne sie, nunmehr gilt es dem nächsten Zug unserer Kontrahenten zuvorzukommen.

Hatch: Zug was für ein Zug.

vanDusen: Der letzte Spielzug, der Zug der zum Schachmatt führt sofern wir ihn nicht verhindern.

Hatch: Schachtmatt für wen oder was.

vanDusen: Für Mr Morgan und seine Geliebte Miss Lankton, ich spreche von der angekündigten Bombenexplosion um Mitternacht.

Hatch: Aber das ist doch schon längt abgehakt, die Bombe im Keller.

vanDusen: War ein bewußtes Ablenkungsmanöver, dazu bestimmt um uns ins Sicherheit zu wiegen, schauen sie auf die Uhr.

Hatch: Mach ich Prof, 9 Uhr 48, 12 min vor 10.

vanDusen: 2 Stunden und 12 Minuten bis Mitternacht.

Hatch: Na und was tun wir solange, Prof.

vanDusen: Wir verlassen das Hotel, offiziell, inoffiziell jedoch.

Hatch: Bleiben wir.

vanDusen: Sehr gut, verschließen sie die Tür, löschen das Licht.

Hatch: Was dagegen wenn ich im dunkeln was esse.

vanDusen: Wenn sie sich dabei ruhig verhalten.

Hatch: Zwei Stunden später, zehn Minuten vor Mitternacht, zwei Männer, einer groß, einer kleiner, stehen vor Zimmer 367, sie sehen sich um, alles ruhig, der kleine zeigt auf die Tür, der große nickt und klopft, Pause, niemand da.

vanDusen: Klopfen sie nochmal, Hatch.

Hatch: Zimmerservice, Mr Bolonski nix, Tür aufbrechen Prof.

vanDusen: Wozu, die Tür ist offen.

Hatch: Und jetzt.

vanDusen: Wir treten ein, nach ihnen.

Hatch: Hannemann geh du voran, altbekanntes Motto.

vanDusen: Machen sie Licht.

Hatch: Ach du dicker Vater.

Hatch: Mitten im Zimmer auf dem Teppich hatte jemand eine Menge Dynamitstangen zu einer eindrucksvollen Konstruktion aufgestapelt inklusive Zündkapsel und Wecker, daneben lag ein Mann auf dem Rücken, regungslos, ein mittelgroßer Mann, unscheinbar, abgesehen von einem gewaltigen schwarzen Rauschebart, van Dusen bückte sich, packte den Bart und.

vanDusen: Der Bart ist ab, mein lieber Hatch, darf ich vorstellen, Mr Philip T Smart.

Hatch: Ist er tot Prof.

vanDusen: Ohne jeden zweifel, eine interessante, nicht unbedingt zu erwartende wenn auch kaum überraschende Entwicklung.

Hatch: Ermordet.

vanDusen: Was erblicken sie auf dem Tisch.

Hatch: Eine Flasche Sherry Brandy pfui und zwei Gläser, eins voll, eins leer.

vanDusen: Riechen sie.

Hatch: Bittere Mandel, Zyankali.

vanDusen: Zyankali und 2 Gläser das heißt Mord und wenn sie mich nach dem Mörder fragen.

Hatch: Sehrgern aber vielleicht lieber später es ist 11 Uhr 58 und in zwei Min. knallts.

vanDusen: In der tat, der Alarmzeiger steht auf 12 Uhr.

Hatch: Sollten sie da nicht besser.

vanDusen: Die Sprengladung unschädlich machen.

Hatch: Ja natürlich.

vanDusen: Wenn es sie beruhigt geben sie mir ihr Taschenmesser ganz ruhig danke, so.

Hatch: Das wars.

vanDusen: Das wars, die Zündkapsel nehm ich tunlichst an mich und den Wecker.

Hatch: Ah, das war höchste Zeit, nichts zu trinken da außer Sherry Brandy mit Zyankali, wie gehts weiter.

vanDusen: Sie werden sich an den Telefonapparat verfügen und einer gewissen Person eine gewisse Mitteilung machen sodann.

Hatch: Viertel nach 12 klopfen wir an die Tür zum Penthouse, Morgan war nicht gerade erfreut, ließ uns aber rein, Mary Lankton alias Mimi Lanuset hatte ich zuletzt im Junggesellenclub gesehen, auf dem Tisch, jetzt hatte sie ein bißchen mehr an als damals, aber viels wars auch nicht, ein interessanter Anblick, allerdings nicht für van Dusen, unbeeindruckt sang er seine bekannte und beliebte Aufklärungsarie.

vanDusen: Als Bronski bezog Smart am Sonntag ein Zimmer im Galaxy, mit einem Koffer voller Dynamit, verwandelte sich in Collinson, ließ sich als Detektiv anstellen, beging als solcher diverse Anschläge.

Hatch: Siehe Fasan, siehe Mops.

vanDusen: Um nach seiner scheinbaren Ermordung von neuem in die Bolonskirolle zu schlüpfen, bei alledem agierte Smart nicht allein, er hatte Hilfe.

Morgan: Klar die Komplizin.

vanDusen: Ganz recht Mr Morgan, sie befreite Smart aus der geschlossenen Anstalt, sie schlich sich als angebliche Küchenhilfe ins Hotel ein, ein Kinderspiel bei 100en von Angestellten und unterstützte Smart tatkräftig bei seinen Missetaten, indem sie etwa den Fasan entwendete, das Spanferkel gegen den Mops austauschte.

Morgan: Und so weiter, wer ist diese Frau, wo steckt sie, das will ich wissen Prof.

vanDusen: Sie ahnen es nicht, Mr Morgan, selbst dann nicht, wenn ich ihnen verrate, daß besagte Person sich ganz in ihrer Nähe befindet.

Morgan: In meiner Nähe.

Frau: Ich.

Morgan: Sie wollen doch nicht sagen.

Dotty: Mein Mann, was ist mit ihm, ist er tot.

Morgan: Dotty, wie kommst du hierher.

Dotty: Du lebst John, aber Mr Hatch doch am Telefon gesagt.

vanDusen: Mr Morgan sei das Opfer einer gewaltigen Explosion in der oberen Region des Galaxy geworden, eine Fiktion, Mrs Morgan, ein Kunstgriff um sie zu veranlassen sich hierher zu bemühen.

Hatch: Sie ist Smarts Komplizin.

vanDusen: Selbstverständlich.

Morgan: Dotty, Unsinn, sie müssen sich irren Prof.

vanDusen: Ich irre nie, Mr Morgan, hören sie zu.

Hatch: Weil ihr Mann sich so oft und so lange in seinem neuen Hotel aufhielt sagte der Prof, wurde Dotty Morgan mißtrauisch, sie schickte einen Privatdetektiv aus, der entdeckte das Geheimnis des Penthouse, und Mrs Morgan schwor Rache, sie plante, sie traf Vorbereitungen, sie tat sich zusammen mit Philip T Smart und holte ihn raus, mit gefälschten Briefen ihres Mannes, sie half Smart bei seinem Rachefeldzug und arbeitete gleichzeitig auf ihr eigenes Ziel hin, nämlich Morgan und seine Geliebte beim gemeinsamen Geburtstagssoupe in die Luft zu sprengen.

vanDusen: Zur Feier des bevorstehenden Bombenerfolgs wenn ich mich so ausdrücken darf, kredenzte Mrs Morgan ihrem ahnungslosen Verbündeten ein Zyankalicocktail.

Hatch: Aus welchem Grund.

vanDusen: Um sich des Mitwissers zu entledigen und um selbst nicht verdächtigt zu werden, nach der Detonation so ihre Kalkulation würde man Smarts Überreste finden und identifizieren, man würde annehmen, der Täter sei versehentlich ein Opfer des eigenen Bombenanschlag geworden, man würde den Fall als gelöst ad acta legen.

Hatch: Raffiniert.

Morgan: Ist das alles wahr, Dotty.

Dotty: Und wenn, sie können mir nichts beweisen, Prof van Dusen, wer soll gegen mich aussagen, Smart.

vanDusen: Sie selbst, Mrs Morgan, ihre kleine Statur und ihre Hände, vor allem sie sprechen eine deutliche Sprache, bereits vorhin in ihrem Salon sind sie mir aufgefallen, rot rauh abgearbeitet, nicht die Hände einer Dame der Gesellschaft, die Hände einer Küchenmagd.

Hatch: Mrs Morgan kam nicht vor Gericht, in Multimillionärskreisen ist das nicht üblich, sie kam in eine Anstalt nach happy valley, durch Smarts Tod war glücklicherweise gerade ein Platz freigeworden und Mr Morgan, auf dringende Einladung des Prof tauchte er am nächsten abend in der 35. Straße west auf.

Morgan: Haben sie es sich anders überlegt mit dem Scheck meine ich, hier ist er, welche Summe soll ich einsetzen 1000 Dollar, 2000.

vanDusen: 50.000 Dollar, Mr Morgan.

Morgan: Ihr Ernst.

vanDusen: Meine Exkursion in die Unterwelt ihres Hotel hat mir auf krasse Weise die harten um nicht zu sagen unmenschlichen Arbeits- und Existenzbedingungen ihrer Angestellten vor Augen geführt, das Geld wird helfen ihr Los zu verbessern.

Morgan: 50000 Dollar für Tellerwäscher, ich denke nicht daran.

Hatch: Apropos Mr Morgan, wissen Sie woran ich denke, ob ich ihren Fall nicht groß in der Presse rausbringe, mit allen hochinteressanten Einzelheiten, ihre Frau, ihre Geliebte, ihr Penthouse, ihre Geschäftsmethoden.

Morgan: Das ist Erpressung, Mr. Hatch.

Hatch: Naja vielleicht nicht ganz astrein, Mr Morgan, aber legal und gerechtfertigt.

Morgan: Also gut, 50.000, welchen Empfänger soll ich schreiben.

vanDusen: Die Stiftung für unterbezahlte Hotelbedienstete.

Morgan: So eine Stiftung gibts überhaupt nicht.

vanDusen: Dann gründen sie sie gefälligst.

Hatch: Unter dem Motto, tue gutes und setze es von der Steuer ab.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
John Pierpont Morgan: Hans Teuscher
Dorothy Morgan, seine Frau: Jutta Wachowiak
Anatole, Küchenchef: Dieter Ranspach
Philip T. Smart: Max-Volkert Martens
Peter Collinson: Max-Volkert Martens
Dr. Daffy: Klaus Jepsen
Herzog von Sonderbar-Schwarzhausen: Lothar Blumhagen
Lady Ribbondale: Barbara Witte
Empfangsdame: Helga Lehner
Butler: Helmut Ahner
Kellner: Rainer Clute

Hörspiel

Michael Koser:
Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978)
Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag

Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978)
Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaft intelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch

Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978)
Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge

Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979)
Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un

Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979)
Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler

Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979)
Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die

Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979)
Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens

Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979)
Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon

Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979)
London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben

Prof. van Dusen: Lebende Bilder – toter Mann (RIAS 1979)
Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind

Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979)
Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr.

Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980)
Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die

Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980)
Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf

Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980)
Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie

Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980)
Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht

Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980)
In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging

Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980)
Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita

Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981)
Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof

Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981)
Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er

Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981)
Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord

Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981)
Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe

Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981)
Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster

Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981)
Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip

Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982)
Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig

Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982)
Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn

Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982)
März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb

Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982)
Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen

Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983)
Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin

Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983)
Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht

Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983)
Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli

Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983)
Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen

Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984)
Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht

Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984)
Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und

Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984)
Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer

Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984)
Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn

Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985)
Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat… Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine

Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985)
Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu… Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in

Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985)
Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen

Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985)
Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein

Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986)
Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den

Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986)
Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert

Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986)
Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie

Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986)
Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei

Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986)
Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen

Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987)
Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod

Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987)
Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des

Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987)
Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro

Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987)
Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont

Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987)
Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv

Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988)
Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs

Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988)
Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente

Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988)
Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie

Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989)
Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom

Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989)
Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie

Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989)
Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe

Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989)
Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver

Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990)
Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen

Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990)
In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche

Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990)
Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und

Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990)
Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist

Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991)
Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen

Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991)
Und was soll ich Ihnen sagen, Prof, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den

Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992)
Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm

Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992)
Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im

Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992)
Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen

Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992)
Auf Ihr Wohl, Prof, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks

Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993)
14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer

Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993)
Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man

Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993)
Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort

Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994)
Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist

Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994)
In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück

Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994)
Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir

Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994)
Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von

Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994)
Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er

Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995)
Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und

Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995)
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst

Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996)
In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ

Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997)
Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt

Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998)
Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker

Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009)
Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz

Prof. van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015)
Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben

Prof. van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015)
Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang

Michael Koser:
Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984)
Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur

Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984)
Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen

Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984)
Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln

Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984)
So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr

Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985)
Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge

Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985)
Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn

Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985)
Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin

Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985)
Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam

Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986)
Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu

Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986)
Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen

Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986)
Hallo… Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das sagen wir verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin

Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986)
Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich… Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be

Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989)
Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen

Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989)
Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit

Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989)
Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein

Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989)
Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber

Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990)
Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern… Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas

Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990)
Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex

Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990)
Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach

Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990)
Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih

Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991)
August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer… Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten

Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991)
Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt

Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991)
Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein

Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991)
Zwei Knaben gingen durch das Korn… Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie

Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993)
Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals

Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993)
Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später

Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993)
Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv

Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993)
Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus

Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995)
Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon

Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995)
Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf, und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle

Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995)
Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata… Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird

Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995)
Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh

Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998)
Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem

Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998)
Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computerdesign, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das

Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998)
Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante

Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998)
Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte

Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001)
Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me… Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und

Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001)
Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör

Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001)
Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel

Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001)
Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanzgeschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz

Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008)
Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sondermodell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht

Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008)
Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren

Michael Koser:
Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998)
Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die

Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998)
Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun

Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998)
An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge

Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998)
Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und

Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999)
Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist

Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999)
Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem

Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999)
Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt

Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999)
Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist

Michael Koser: (Sonstige Hörspiele):
Einmal Utopia – hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai)
(Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll)

Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man)
(Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu)

Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels)
Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht

(Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der “Institution” sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den “Plan”, die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen – die Gesellschaft “draußen” aber hat sich dadurch auf “humane” Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der “repressiven Toleranz” ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. – Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song “Gates of Eden” von Bob Dylan)

Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)
Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war

John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971)
(Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen – die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen)

Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972)

Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel)
(Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv)

Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel)
(Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit)

Ach und Krach (RIAS 1973)
(Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen – trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?)

Müllschlucker (SWF 1973)
(Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die “gute alte Zeit” verherrlichen. “Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst”, ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto “Durch Müll zum Sieg” fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus)

Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973)
(Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch “Mein Auto ist meine Burg” haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz – temporärer! – Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen)

Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973)
(Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)

Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)
Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn

Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974)
(Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope – Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. “Kult AG”, computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der “Kult AG” tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß “Kult AG” für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen)

Heil im Siegerkranz – Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975)
(Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde)

Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars – Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975)
(Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser)

Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)
Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun… steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war

Loch Ness (RIAS 1977)
(Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)

Ufos (RIAS 1978)
(Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben)

Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine L. Pirkis: The Murder at Troytes Hill)
Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann

Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle)
Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen

Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Prof. van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com)
Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie

Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982)
Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden

Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)
(Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder “Report vor Ort” – mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung “Festgemauert in der Erden” einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation)

Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort – Sensationen von gestern für Leute von heute)

Film Noir (DLR 2000)
Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz… Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend

Die Alzheimergang (DLR 2002)
Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein

Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip)
Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich

Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984)
Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend

Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979)
Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit

Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969)
Um drei Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab… Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner

Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970)
Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihre Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen

Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971)
Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der Leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene

Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972)
Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen, nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja

Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972)
Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles was

Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973)
Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus

Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976)
NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr Whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja danke, ich war eine weile weggetreten

Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978)
Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der Länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können

Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980)
Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und

Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983)
Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen

Raymond Chandler: Ein Schriftstellerpaar (DLF/WDR 1984)
Sei still Phoebus. Gleichgültig wie betrunken Hank Bruton am Abend vorher gewesen war, er stand immer sehr früh auf, ging barfuß im Haus herum und wartete darauf daß das Kaffeewasser kochte, er schloß die Tür zu Marions Zimmer, hielt einen Finger gegen die Kante um sie abzufangen und ließ die Klinke sehr behutsam los damit sie kein Geräusch machte, es kam ihm ziemlich merkwürdig vor daß er das fertig brachte und seine Hände dabei völlig ruhig blieben, während die Muskeln seiner Beine und Oberschenkel so heftig zitterten und er die Zähne fest zusammenbiß gegen dies scheußliche Gefühl in der Magengrube, auf seine Hände schien es sich nie im geringsten auszuwirken, eine Eigentümlichkeit die sonderbar war und angenehm zugleich. Zum Teufel

Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986)
Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die 500 tun

Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986)
Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne, als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug

Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988)
Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand… Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt Besuch wenn es schellt. Ich bin Dr. Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja, ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die

Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990)
Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne… Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn

Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991)
Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr

Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992)
Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und

Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993)
Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Carlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft

Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996)
Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift… Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen stehen

Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999)
Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue

Raymond Chandler: Der lange Abschied (NDR 1997)
Mein Name ist Philip Marlow, ich bin Privatdetektiv, ich möchte ihnen eine Geschichte erzählen über einen Freund Terry Lennox, als ich ihn zum ersten Mal sah lag er betrunken auf der Straße drei Blocks von meinem Büro entfernt, es war kurz nach dem Krieg irgendwann im Oktober 1951, sein Gesicht wirkte jung doch sein Haar war schlohweiß, seine rechte Gesichtshälfte schien wie gefroren, sie war kreideweiß und mit dünnen feinen Narben gesäumt, eine plastische Operation und zwar eine ziemlich drastische, ich stolperte im Dunkeln über ihn. Oh Verzeihung. Britania. Kommen sie, sie können hier nicht liegen bleiben, wo wohnen Sie. Kein Geld, keine Frau, keine Wohnung, ich bin frei wie ein Vogel, komm wir fliegen, wir fliegen weg. Ja erstmal kommen Sie

Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975)
Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die Rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street

Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974)
Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder

Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976)

Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983)
Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe

Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.)
Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der Schublade, Scotch, ah, ist kein guter Scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden

Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990)
Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte, indem er mit seinem schwieligen Zeigefinger wiederholt auf die Zeitung pochte, die er eben gelesen hatte, daß die Gerichte es im Würgegriff haben, Gesetz, es gibt kein Gesetz, es gibt Gerichte und Richter, und was man das Gesetz nennt, ist eine Waffe, die sie benutzen, um den menschlichen Unternehmungsgeist abzuwürgen, der Selbständigkeit und dem Fortschritt den Mut zu nehmen. Der Teil der Morgenzeitung, gegen den sich der Angriff des alten Mannes richtete, wie ich mit Mühe sah, enthielt den Bericht über eine Entscheidung des obersten Gerichtshofes im Zusammenhang mit irgendwelchen Gewerkschaftsproblemen im Westen

Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.)
Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als

Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990)
Continental Detective Agency San Francisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück Ecke Hydestreet Eddystreet mitten im dicksten Schlamm, am späten Abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein Freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den

Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.)
Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus Vanity Fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte, daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei, mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen

Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991)
Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100.000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern

Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991)
Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein Süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die Alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann

Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993)
Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war

Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle)
Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich

Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle)
Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ließ

Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle)
Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder, und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen

Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995)
Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehen wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 80 Cent. Sagen Sie Ormsby bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich

Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997)
Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstorben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha, also. Ich lebe noch ja Sir. Kriegsveteran, ihr solltet euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja Sir… Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, Sir. Anziehen. Doktor, Sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein Sir, Sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit

Dashiell Hammett: Der Malteser Falke (SWF/HR/NDR 1996)
Spade&Archer. Ja mein Schatz. Draußen ist ein Mädchen, das möchte sie sprechen, Wonderly heißt sie. Eine Kundin. Sieht so aus, sie werden sie sehen wollen, die reißt sie vom Stuhl. Immer herein mit ihr mein Engel immer herein… Was kann ich für sie tun Miss Wonderly. Könnten Sie ich ich dachte, ich, das heißt ich. Wie wärs wenn sie alles von Anfang an erzählen. Das war in New York. Ja. Ich weiß nicht wo sie ihn kennengelernt hat, ich mein ich weiß nicht wo in New York, sie ist 5 Jahre jünger als ich und wir haben nicht die selben Freunde, ich glaub wir haben uns nie so nahegestanden wie Schwestern das eigentlich sollten, Mama und Papa sind in Europa, es bringt sie um, ich muß sie zurückholen ehe sie nach Hause kommen, sie kommen am 1. Dann haben wir

Dashiell Hammett: Der gläserne Schlüssel (SWF/HR 1996)
Herein. Ah da bist du ja Ned, pump mir ein bißchen Geld Paul. Was willst du haben. 200. Würfel. Danke ja. Ziemlich lange her daß du was gewonnen hast stimmts. Nicht unbedingt, so ein Monat oder 6 Wochen. Für eine Pechsträhne ist das ganz schön lange. Bei mir nicht, geht hoch her heute abend, was. Kleine Fische, darf ich mal, hallo Bernie hier ist Ned, wie hoch liegt Peggy OToole, ist das alles, na schön dann geben sie mir 500 von jedem, aber sicher ich wette wir kriegen Regen und wenn das hinhaut, schlägt sie ihn Senator, also gut dann machen sie mir einen besseren Preis, in Ordnung. Warum versuchst du es nicht mal mit einer kleinen Pause wenn du eine von deinen Pechsträhnen erwischst hast. Hat keinen Zweck, ziehts bloß in die Länge

Dashiell Hammett: Rote Ernte (SWF/HR 1997)
Der erste, von dem ichs hörte, war ein rothaariger Strolch namens Hikey Dewey im Großen Schiff in Butte gewesen, bei dem hieß Personville stur immer nur Poisonville, da er aber statt Fusel auch Fussel sagte, habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, was er dem Namen der Stadt angetan hatte, später fiel mir bei anderen, die es nicht so eilig mit ihren Silben hatten, die gleiche Aussprache auf, ich sah immer noch nichts weiter darin als jene umwerfende Art von Humor, die aus einem Professor einen Brotfresser macht, erst ein paar Jahre später, als ich selbst nach Peaceville kam, ging mir ein Licht auf, vom Bahnhof aus rief ich beim Herald an, verlangte Donald Willsson und meldete mich zur Stelle. Kommen Sie doch heut abend um zehn raus zu mir

Dashiell Hammett: Der dünne Mann (SWF/HR 1997)
Ich lehnte am Tresen eines Speakeasy an der 52.Street und wartete darauf daß Nora ihre Weihnachtseinkäufe beendete. Sie sind doch Nick Charles der Detektiv. Ja. Ich bin Dorothy Wynant, sie kennen mich nicht mehr aber an meinen Vater Clyde Wynant müssen sie sich noch erinnern. Ja ja natürlich wie gehts ihrem Vater. Mama hat sich von ihm scheiden lassen, wir hören nie von ihm. Sie war zierlich und blond und ob man ihr Gesicht betrachtet oder ihre Gestalt in dem rauchblauen Sportkostüm, das Ergebnis war gleichermaßen zufriedenstellend. Sehen sie ihn denn überhaupt nicht. Nein ich lebe in San Francisco, mein Glas ist leer, wollen sie was trinken. Scotch mit Soda. Äh Scotch mit Soda. Ich möchte ihn sehen, Mama würde Stunk machen wenn sie es

Dashiell Hammett: Der Fluch des Hauses Dain (SWF/HR 1998)
Tatsächlich ein Diamant, zwei Schritte vor mir im Gras, dann wollen wir mal, ist Mr Leggett zu Hause. Ja, sie möchten ihn sprechen. Ja. Sie sind auch wieder ein Detektiv, stimmts. Stimmt. Kommen Sie rein… Es tut mir leid daß ich sie habe warten lassen, aber ich konnte nicht eher abbrechen, haben sie etwas in Erfahrung gebracht. Noch nicht, ich bin nicht von der Polizei, von der Continental Agency und ich fange gerade erst an. Kein Polizist. Versicherungs-gesellschaft. Ja, wußten sie nicht daß. Natürlich sie müssen ja versichert gewesen sein, ich hatte nicht daran gedacht, die Diamanten haben nicht mir gehört sondern Halstead. Halstead & Beauchamp, Einzelheiten habe ich von der Versicherungsgesellschaft nicht bekommen, sie hatten die

Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993)
(An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des)

Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989)
Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin – Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins

Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991)
Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang

Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993)
Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das. Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns

Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993)
Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer. Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er

Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994)
Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Cafe Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen

Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996)
Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war

Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997)
Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude

Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998)
Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der Rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen

Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998)
Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie

Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996)
…Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen

Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993)
Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein paar

Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992)
Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute

James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994)
Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef, ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir, Cora, nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen. Tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee… Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen, Chef

Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den Stuhl mit der

Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955)
Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen

Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957)
Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen, der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag

Rolf und Alexandra Becker: Gestatten, mein Name ist Cox (BR 1977)
Gestatten, mein Name ist Cox. Mr Wallings, Mr Wallings, ah. Mr Peacock, Mr Peacock. Was ist denn los. So kommen sie doch, oh wie schrecklich, sehen sie doch Mr Wallings, da umgebracht. Mord, Mord. Mord. Ja, Mord schrien die Leute, und wie sie schrien, also ich hab ja schon viele Leute schreien gehört so, beim Fußball oder im Hydepark oder so, aber was die für ein Lärm geschlagen haben, bloß weil da ein Toter lag, er lag mit dem Bauch auf seinem Schreibtisch, ein Messer im Kreuz, ja wenn ich ihnen jetzt verrate, daß das mein Messer war, dann werden sie bestimmt glauben, ich hätte den Kerl umgebracht, was na sehen sie, ne ne, meine Situation war nicht angenehm, schon gar nicht, da stand ich, in so ner Duschkabine versteckt

Rolf und Alexandra Becker: Die Experten (BR 1980)
Meine Damen und Herren, sie haben ihr Radio eingeschaltet und sie hören die 1. Episode der Sendereihe Die Experten. Wir informieren sie über die haarsträubende Geschichte einer deutschen Durchschnittsfamilie in dieser unserer Zeit. Verehrte Hörerinnen und Hörer, wir stellen vor die Familie Robinson. Angenehm. Sehr erfreut. Hallo. Hi. Servus. In ihrem schmucken Einfamilienhaus mit dem hübschen gepflegten Garten ist die Welt noch heil, eine intakte Familie wie die Soziologen sagen, die Robinsons teilen Freud und Leid miteinander, sie treffen sich pünktlich zu den Mahlzeiten, halten die Feiertage heilig und die Familientradition hoch, sie putzen regelmäßig Schuhe und Zähne und sind nett zueinander. Es ist 11 Uhr vormittags

Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner… Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung… Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin… Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net

Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John, sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal

Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992)
Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf

Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)
Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und

Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992)
Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst

Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965)
Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala… Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida…badadada… Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen

Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989)
Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der

Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript)

Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus).
At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden.
Eins zwei drei (Musik).
Dieser Ort zerstört mich.
Es gibt kein oben und unten mehr.
Das Wort darf nicht Fleisch werden.
Es ist, als ob nichts geschehen wäre.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben.
Wer fliehen will, fesselt sich selbst.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Das Gefängnis wird unendlich groß.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken.
Ganz sicher.
Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören.
Mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Die Form genügt sich selbst.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Sie hat die falsche Perspektive.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber.
Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet.
Aber wir müssen ihn benutzen.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht.
Zumindest in seiner offiziellen Kurzform.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach.
Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet.
Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden.
Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit.
Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen.
Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt.
Ich musste ihn begleiten.
Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann.
Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun.
Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte.
Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen.
Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden.
Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei.
Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde.
Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden.
Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung.
Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden.
Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen.
Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten.
So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung.
Grund genug, sie zu eliminieren.
Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies.
Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein.
Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten.
Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde.
Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte.
Die anderen sprechen nicht gern davon.
Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution.
Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist.
Sie ist neu.
Sie meint, wir wissen nicht, was los ist.
Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende.
Gerade deshalb fühlen wir uns sicher.
Sie sagt, wir können nicht raus.
Sie hat die falsche Perspektive.
Es heißt, die können nicht rein.
Fette Idioten, Schweine.
Krank, häßlich, verkrüppelt.
Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Maschinen zum Geld verdienen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass.
Roboter, irre, alte Weiber.
Die stehen draußen und wollen rein.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Unsere Blumen abschneiden und verkaufen.
Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln.
Uns die Haare ausreißen.
Uns die Knochen brechen.
Und wenn wir nicht werden wie sie.
Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter.
Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas.
Sie können nicht rein, wir sind sicher.
Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt.
Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist.
Eine dicke Glasscheibe.
Wie im Aquarium.
Und dahinter klotzen sie.
Mit großen runden Augen und offenen Mäulern.
Ich weiß nichts davon.
Ich will auch nicht wissen.
Vielleicht bin ich ein Fisch.
Vielleicht sind wir die Fische, die Fische.
Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen.
Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen.
Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung.
Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt.
Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten.
Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh.
Die da draußen kannst du doch nicht bekehren.
Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen.
Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich.
Hier sind wir schließlich unter uns.
Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe.
Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt.
Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf.
Auf wessen Kosten leben wir?
Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler.
Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung.
Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Oder bilde ich mir das nur ein?
Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste.
Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein?
Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen.
Illusionen interessieren mich nicht.
Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen.
Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun.
Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe.
Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution.
Wie es gelegentlich geschieht.
Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat.
Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen.
Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen.
Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an.
Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr.
Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution.
Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung.
Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist.
Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte.
Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe.
Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke.
Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten.
Ich habe Freunde gefunden.
Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen.
Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Es liebe die Ästhetik.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Gemälde der Befreiung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Buch der Gerechtigkeit.
Die neue Gesellschaft ist ein Wort.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Und das Wort darf nicht Fleisch werden.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Form genügt sich selbst.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen.
Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben.
Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung.
Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen.
Die sie hassen und ablehnen.
Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird.
Ich weiß nicht.
Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst.
Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden.
Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden.
Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet.
Ich bin müde.
Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr.
Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen.
Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).

Sprecher:
Ernst Schröder
Helga Anders
Klaus Herm
Cordula Hubrich
Klaus Jepsen
Christoph Quest
Erika Eller
Erwin Schastok
Uwe Paulsen
Barbara Tietze
Ulrich Pleitgen
Weitere Mitwirkende:
Hans-Ulrich Minke
Hans Boche
Klaus Dieter Mäurich
Klaus Wampfler
Mike Wiegand

Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)

Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand.

Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt.
Marlin: Bourbon on the rocks.
Waterson: Bitte?
Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol?
Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt.
Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht?
Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren.
Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre.
Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto.
Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei.
Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde.
Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf.
Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles.
Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen.
Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren.

Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207.
Marlin: Danke.
Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf…
Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer.

Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja?

Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt.
Marlin: Hören Sie mal gut zu…
Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson!
Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin?
Violet: Niemand, warum fragen Sie.
Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson?
Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun.
Marlin: Muß das sein.
Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin.
Marlin: Ich habe einen Job.
Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich.

Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson.
Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini.
Kellner: Trocken, Sir?
Marlin: Wie die Sahara.
Kellner: Sehr wohl.

Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann?
Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv?
Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder?
Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.
Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Nennen Sie mich Violet.
Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich.
Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt?
Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen.

Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski.

Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Marlin: Wie war das?
Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt.
Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich?
Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie…

Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging.

Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Empfangschef: Verzeihung, Sir?
Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was?
Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir.
Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts?
Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann.
Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt.

Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor.

Marlin: Ja?
Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch!
Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet.
Piet: Au!
Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht.
Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus.
Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch.
Marlin: Ja, das werden wir ja sehen.

Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt.

Guru: Wie war der Name?
Marlin: Chain, William Chain.
Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma?
Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt.
Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen.
Marlin: Das zieht bei mir nicht.
Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin?
Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen.
Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma.
Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert.
Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment.
Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags.
Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin.
Marlin: Wo ist Chain?
Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache!

Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen.

Violet: Phil. Wie sieht er aus?
Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er?
Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt.
Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie?
Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum?

Radio: …der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein…

Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick.
Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen?
Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister!
Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild?
Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen!
Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen!

Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte…

Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke.

Polizist: Chef, er wird wach.
Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern.

Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte.

Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac.
Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben?
Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben.
Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen.
Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts?
Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt.
Polizist: Da hat er recht, Chef.
Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis.
Marlin: Gute Arbeit.
Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben.
Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich… auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an…
Polizist: Ein Witzbold, Chef.
Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen.
Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber?
Polizeichef: Sie haben es erfaßt.

Marlin: Kann ich… kann ich jetzt eine Zigarette haben?
Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin.
Marlin: Endstation Sehnsucht.
Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen.

Piet: Ha-ha-ha-hallo?
Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg.
Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden… wohin?
Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha…

Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke.
Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin?
Marlin: Ja.
Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir.
Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand?
Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert.
Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen?
Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte.
Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen.
Guru: Sehr gut, Mister Marlin.
Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen.
Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt.
Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden.
Toni: OK, Boss.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich.

Polizeichef: Hände hoch!
Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide.
Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson?
Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise…
Guru: Nein, nicht!
Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel.
Polizeichef: Mister Waterson!
Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet.
Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen.

Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft.

Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen.
Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter.
Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig.
Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel.
Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie.
Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin.
Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht.
Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und… Violet!

Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig.

Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver.
Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen.
Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt.
Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch.

Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte.

Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen.
Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen.
Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das?
Marlin: Hm, vielleicht.
Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise.

Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause.

Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis
Mr. Waterson: Gerd Martienzen
Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne
Polizeichef: Klaus Sonnenschein
Gangster Pete: Norbert Langer
Gangster Toni: Joachim Pukasz
Der Guru: Moritz Milar
Maggie Pulaski: Eva Manhardt
Polizist Mac: Andreas Berg
Empfangschef: Georg Braun

Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)

Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt.
Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch.
Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn.
Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf.
Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein.
Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker.
Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht.

Varney: Das ist alles?
Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden.
Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen?
Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste.
Varney: Wann?
Carter: Am 18. Mai.
Varney: Wohin?
Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor.
Varney: Sie wollen ihn suchen?
Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Prof. Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen.

Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen… Amsterdam… Coffee or tea…
Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt.
Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor.
Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept.
Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht.
Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl.
Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist.
Prof.V: Aber natürlich, mein Freund.
Carter: Wohin?
Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört.
Carter: Von wem?
Prof.V: Ist nicht von Bedeutung.
Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten.
Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck.

Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame.
Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen?
Frau: Nein.
Carter: Danke.
Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren.
Mann: Losungswort?
Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen.
Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht.
Frau: Satan.
Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet.
Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe.
Frau: Meister.
Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten.
Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters.
Frau: Ah.
Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert.

Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur… O Champs Elysees. Kaffee, Tee?
Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia?
Carter: Hallo?
Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde.
Carter: Mit einem Tonband?
Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben.
Carter: Wer sind Sie?
Carmelia: Ich heiße Carmelia.
Carter: Können wir uns treffen?

Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas.
Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön?
Broker: Sehr schön.
Kellner: Was darf ich bringen?
Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker?
Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen.
Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm.
Broker: Pink Gin.
Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter.
Broker: Sicher, und heute?
Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker.
Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals?
Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary.
Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen?
Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt.
Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück?
Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien.

Carter: New Transsylvania Californien, USA.
Mann: Rezeption?
Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea?
Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche.
Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte.
Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla.
Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen?
Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar.
Frau: Wonderful!
Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden.
Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula?
Carmelia: Vielleicht.
Carter: Wonderful.

Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend.
Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet.
Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin.
Mann: Folgen Sie mir.
Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia!
Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben.
Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne.
Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut.
Broker: Carmelia!
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit.
Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen.
Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird.
Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten.
Carter: Tut mir leid, was jetzt?
Carmelia: Kommen Sie mit.
Carter: Wohin?
Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus.

Carter: Mr. Varney.
Varney: Mr. Carter.
Carter: Sie sind doch in London.
Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen.
Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma.
Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire?
Broker: Flüchtig.
Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie.
Broker: Danke.
Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir.
Broker: Und sicher nicht schlecht.
Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir.
Carter: Wie hat Broker sich entschieden?
Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen?
Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt.
Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw.
Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht.
Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl.
Carter: Sie lassen mich gehen?
Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie.
Carmelia: Gute Reise.

Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board.

Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte.
Varney: Gut gemacht, Carmelia.
Carmelia: Armer Mister Carter.
Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit.

Stan Broker: Martin Hirthe
Michel Carter: Michael Degen
Varney: Sigmar Schneider
Prof. Vandenborg: Gerd Martienzen
Graf Dracul: Georg Braun
Carmelia: Christine Merthan
Stewardeß: Iris Hahnemann
Pförtner: Paul Hubschmid
Ordog: Dietrich Frauboes
Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child – The Four Horsemen

Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)

Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong?
Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt:
Ping-Pong zur Ming-Zeit – Erotische Erzählungen aus dem alten China
Das Manuskript schrieb Michael Koser

Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun… Steht und fällt mit dem Text, dem Wort.

Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab.

Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen.

Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte.

Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne.

In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten.

Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen.

Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden.

Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen.

Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen.

Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche.

Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach.

Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen,

frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen.

Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe.

Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob.

Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis.

Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten.

Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt,

sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied.

Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt.

Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister.

Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren.

Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt.

Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt:

Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen.

Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte.

Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber:

Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen.

Die lustige Witwe:

Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug.

Die jungen unerfahren Liebenden:

Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander.

Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches.

Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht.

Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet.

Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert.

Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig.

Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können.

Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach:

Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten.

Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen:

Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten.

Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane.

Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten.

Verbringt den Abend bei mir junger Herr.

Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen.

Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang.

Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte:

Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten.

Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen.

Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte:

Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen.

Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht.

Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt:

Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen.

Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte:

Wir werden auf immer getrennt werden.

Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang:

Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen.

Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf.

Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen.

Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen.

Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden.

Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977.

Michael Koser: Professor van Dusen – Eine Unze Radium (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Lost Radium)

Dexter: Wie sie wahrscheinlich wissen, Mister Hatch, ist Radium ein rätselhaftes, praktisch noch unerforschtes Element.
Hatch: Rätselhaft, praktisch unerforscht.
Dexter: Warum, Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus.
Hatch: Ja warum.
Dexter: Und welche Wirkungen haben diese Strahlen.
Hatch: Wirkungen Strahlen.
Dexter: Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten, Mr Hatch.

Hatch: Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Professor Dexter von physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Professor Dexter, ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag und ich hörte zu und schrieb mit.

Dexter: Und diese Fragen Mr Hatch werden in kürze beantwortet werden.
Hatch: In kürze beantwortet.
Dexter: Und wo Mr Hatch, in New York, Mr Hatch, in der Universität, in diesem Labor.
Hatch: New York Universität Labor.
Dexter: Denn hier ist es uns in Monaten voller Mühen und harter Arbeit gelungen, die größte Menge Radium zusammenzutragen, die die Welt je gesehen hat, seit meine verehrte Kollegin Madame Curie dieses geheimnisvolle Element vor nunmehr gut einem Jahr entdeckt hat.
Hatch: Madame Curie vor einem Jahr.
Dexter: Eine ganze Unze Radium, Mr Hatch, fast 30 Gramm und wissen sie auch welchen Wert diese Menge repräsentiert, Mr Hatch.
Hatch: Keine Ahnung Professor.
Dexter: Fast drei Millionen Dollar, Mr Hatch.

Hatch: Glauben sie nun bitte nicht, daß Professor Dexter die Hauptperson in dem rätselhaften Radiumfall darstellte und auch ich hatte lediglich eine Nebenrolle in der ich mich ab und zu auf bescheidene weise nützlich machen konnte, die Hauptperson, der Star, wenn sie wollen war niemand anders als mein hoch geschätzter Freund, der große Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen, allgemein bekannt als die Denkmaschine.

Dexter: Professor van Dusen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mir bei den bevorstehenden Experimenten mit seinem immensen physikalischen Wissen zur Hand zu gehen, vor allem aus diesem Grunde bin ich fest davon überzeugt, daß diesmal das Radium uns alle seine Geheimnisse preisgeben wird.
Hatch: Alle seine Geheimnisse.
Dexter: Und dann Mr Hatch dann wird es sich erweisen, daß unser junges zwanzigstes Jahrhundert das Jahrhundert des Radium sein wird, ja und was heißt das, Mr Hatch.
Hatch: Ja was wohl.
Dexter: Daß es ein Jahrhundert der Gesundheit sein wird, der Lebens- und der Schöpferkraft, eine große wunderbare Zeit, Mr Hatch, in der es weder Kriege noch Krankheit oder Alter geben wird, in der die Menschheit emporgehoben wird zur Höhe der Vollendung.

Hatch: Großartig, so was lesen die Leute immer gerne und deshalb stand es denn auch am nächsten Tag auf Seite eins, direkt neben der Schlagzeile, die da lautete Leiche im Hafen, schöne Unbekannte erstochen, daß zwischen der Schlagzeile und meinem Artikel über Professor Dexters Radiumexperiment ein Zusammenhang bestand, das konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen, ebenso wenig, daß die Unze Radium in Dexters Besitz gestohlen werden würde, doch ich greife den Ereignissen vor, Professor Dexter, noch glücklich da er nicht wußte was bevorstand, traf im Labor seine letzten Vorbereitungen und wartete auf seinen Kollegen van Dusen, um mit den Versuchen zu beginnen.

Dexter: Ja, ja was ist.
Labordiener: Verzeihung, Herr Professor, eine Dame möchte sie sprechen.
Dexter: Eine Dame, wie was, das geht jetzt nicht, bestellen sie ihr.
Labordiener: Sie sagt, es ist dringend und es hat was mit Radium zu tun.
Dexter: Mit Radium so und dringend, ja dann bitten sie die Dame in den Vorraum, ich komme gleich, hoppla was steht denn.
Madame: Oh wie ungeschickt von mir, da habe ich doch meinen großen lästigen Koffer mitten in die Tür gestellt, sie Ärmster, haben sie sich wehgetan.
Dexter: Nein nein, es ist nicht der rede wert, bemühen sie sich nicht, lassen sie den Koffer nur da stehen.
Madame: Danke.
Dexter: Es ist niemand sonst im Labor, der heraus kommen und über ihn fallen könnte, ja.
Madame: Sie sind Professor Dexter, sie müssen Professor Dexter sein, sie sind genauso, wie Madame Curie sie mir beschrieben hat, jung, gut aussehend.
Dexter: Aber ich bitte sie.
Madame: Ja ja.
Dexter: Und mit wem habe ich die Ehre, ich meine das Vergnügen.
Madame: Meine Karte.
Dexter: Madame du Chateauneuf, aha sie kommen aus Frankreich.
Madame: Aus Paris oder genauer aus Le Havre mit der Campania.
Dexter: Dann sind sie ja erst gestern gelandet.
Madame: Ganz recht, gestern Abend, nur weil ich mit ihnen reden wollte, Professor Dexter, habe ich die beschwerliche Überfahrt gewagt.

Hatch: Madame du Chateauneuf war eine große kräftige aber durchaus wohl proportionierte junge Frau von etwa 30 Jahren, sehr hübsch, sehr elegant gekleidet, umgeben vom Duft eines Parfums, das Professor Dexter die Sinne zu verwirren drohte und ihm die überraschende Erkenntnis nahe brachte, daß es außer physikalischen Experimenten noch andere interessante Dinge auf der Welt gebe.

Madame: Darf ich ihnen, bevor ich den eigentlichen Gegenstand meines Besuchs berühre, diesen Brief überreichen.
Dexter: Aha.
Madame: Kommen sie doch zu mir ans Fenster, das Licht ist hier sehr viel besser.
Dexter: Wie sie wünschen, Madame.
Madame: Hust, hust.
Dexter: Sind sie leidend Madame.
Madame: Eine kleine Affektion der Atemwege, nichts weiter, die scharfe Seeluft hat.
Dexter: Von Madame Curie, das ist eine Überraschung, werter Kollege, darf ich ihnen eine Freundin, Madame du Chateauneuf anempfehlen und hoffen, daß sie ihrer Bitte Gehör schenken, sie würden.
Madame: Dadurch sehr verpflichten.
Dexter: Ihre ergebene Madame Curie, ich stehe ihnen voll und ganz zur verfügung Madame, bei einer solchen Empfehlung, nicht daß sie nötig gewesen wäre, schon ihre Erscheinung Madame, wenn ich so sagen darf, ihr Charme, nunja was kann ich für sie tun.
Madame: Um ihnen mein Anliegen vorzutragen, lieber Professor Dexter, muß ich ein wenig ausholen.
Dexter: Bitte Madame verfügen sie über mich und meine Zeit.
Madame: Nun denn ich bin Witwe.
Dexter: Das tut mir leid Madame.
Madame: Mein seliger Gatte Monsieur du Chateauneuf, er war übrigens erheblich älter als ich, hatte sich der Physik gewidmet.
Dexter: Ah der Physik.
Madame: Allerdings glaube ich kaum, daß sie seinen Namen kennen.
Dexter: Leider Madame ich muß gestehen daß.
Madame: Er war nämlich keiner Universität verbunden, sondern konnte dank seines Vermögens als Privatgelehrter seinen Neigungen nachgehen, sein Forschungsgebiet war das Radium.

Hatch: Ihr Mann, so erzählte Madame du Chateauneuf dem gebannt lauschenden Professor, ihr Mann hatte eine neue Methode der Radiumgewinnung entdeckt und in kurzer zeit etwa eine Unze des seltenen Elements hergestellt, dann war er gestorben und da er bedauerlicherweise den gesamten Besitz seiner wissenschaftlichen Experimentierlust geopfert hatte, war der trauernden Witwe nichts geblieben als seine unleserlichen Notizen und besagte Unze Radium, auf den Rat von Madame Curie, so erzählte sie weiter, die sie auf Professor Dexters bevorstehende Versuche hingewiesen hatte, war sie kurz entschlossen nach New York gereist.

Madame: Nun bin ich also hier und biete ihnen meine Unze Radium zum kauf an.
Dexter: Madame.
Madame: Für eine Million Dollar.
Dexter: Unglaublich Madame, noch eine Unze, eine ganze Unze Radium für meine Experimente, nicht zu fassen.
Madame: Sie sind also interessiert.
Dexter: Wie können sie fragen, natürlich bin ich interessiert, nur ihr Preis, Madame, ihr Preis.
Madame: Aber weit unter dem tatsächlichen Wert Professor.
Dexter: Ohne Frage Madame, aber eine Million Dollar.
Madame: Ich bitte sie Professor.
Dexter: Ich muß mit dem Präsidenten der Universität sprechen, mit unseren Geldgebern, Mr Carnegie, Mr Rockefeller.
Madame: Tun sie das Professor, ich mache ihnen ein Vorschlag, hust hust hust hust, also ich gebe ihnen zeit bis morgen Abend und werde mich um ja sagen wir um sieben Uhr hier wieder einfinden, falls sie mich in der Zwischenzeit zu sprechen wünschen, ich logiere im Hotel Paris.
Dexter: Ihr Koffer, darf ich, gestatten Sie.
Madame: Danke, vielen Dank, Herr Professor, das ist nicht nötig, der Koffer ist nicht schwer, trotz seiner Größe, also.
Dexter: Also.
Madame: Leben sie wohl bis morgen.
Dexter: Bis morgen Madame.

Hatch: Minuten vergingen bis Dexter sich aus der Verwirrung gelöst hatte, in die er durch das Parfum der schönen Besucherin und vor allem durch ihr ungewöhnliches Angebot gestürzt worden war, noch wie im Traum ging er zurück ins Labor an seinen Arbeitsplatz und sah sich auf eine sehr plötzliche und sehr unangenehme weise in die Wirklichkeit zurück versetzt.

Dexter: Das Radium, ist es nicht mehr da, es ist weg, verschwunden, gestohlen, eine Unze Radium gestohlen, 3 Millionen Dollar.
vanDusen: Sie machen ja ein Geschrei, daß man sie durchs ganze Institut hört, werter Kollege, was ist denn geschehen.
Dexter: Diebstahl, van Dusen, Raub.
vanDusen: Na na na.
Dexter: Ein Millionenraub, das Radium, unser Radium, van Dusen, was soll jetzt aus unseren Versuchen werden, unseren schönen Versuchen.
vanDusen: Nehmen sie sich zusammen, Herr Kollege, kommen sie, setzen sie sich hin, so und atmen sie tief durch.
Dexter: Da drüben auf dem Tisch hat es gelegen, in seinem Stahlkästchen, wo ich es hingelegt habe, als Madame du Chateauneuf kam.
vanDusen: Ah, es war also jemand hier, sagen sie mir was geschehen ist, aber bitte ruhig und von anfang an.

Hatch: Professor Dexter beruhigte sich ein wenig und erzählte van Dusen was er wissen wollte, daß er durch Madame du Chateauneuf bei der Arbeit unterbrochen worden war, das Radium auf den Tisch im Labor gelegt und die Dame im Vorraum empfangen hatte, dann berichtete er, ohne sich weiter mit dem Eindruck aufzuhalten, den seine Besucherin auf ihn gemacht hatte, von dem Angebot, das er von ihr erhalten und von der Verabredung die er mit ihr getroffen hatte, van Dusen hörte aufmerksam zu.

vanDusen: Wie lange war sie hier.
Dexter: Etwa eine viertelstunde würde ich sagen.
vanDusen: Kommen sie ins Vorzimmer, zeigen sie mir, wo sie gesessen hat.
Dexter: Ja.
vanDusen: Sind sie übrigens ganz sicher Herr Kollege daß sie das Radium auf ihren Tisch gelegt haben.
Dexter: So sicher wie man nur sein kann, hier hat sie gesessen auf dem Sofa.
vanDusen: Aha, der Labortür genau gegenüber.
Dexter: Ja.
vanDusen: Und sie.
Dexter: Auf dem Sessel.
vanDusen: Mit dem Rücken zum Labor, interessant, die Tür stand offen nehm ich an.
Dexter: Ja ja ich glaube, richtig, ich vergaß sie zu schließen, weil ich über den Koffer stolperte.
vanDusen: Sie stolperten über einen Koffer.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat ihn direkt vor die Tür gestellt.
vanDusen: Wie groß.
Dexter: Bitte.
vanDusen: Wie groß war der Koffer.
Dexter: Ganz normal eben ein Koffer.
vanDusen: In der Tür zum Labor, hat Madame du Chateauneuf wie soll ich sagen, etwas Unvorhergesehenes von sich gegeben.
Dexter: Ich verstehe nicht.
vanDusen: Ich meine plötzlich laut geschrien zum Beispiel oder gesungen, gepfiffen, gelacht.
Dexter: Aber Herr Kollege, Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oder vielleicht auch gehustet.
Dexter: Gehustet, ja, aber ja, woher wissen sie.
vanDusen: Zweimal, zu Beginn ihrer Unterhaltung und gegen Ende habe ich recht.
Dexter: Wie haben sie das nur erraten Herr Kollege.

Hatch: Ohne darauf eine Antwort zu geben wie es seine irritierenden Gewohnheit entsprach, ging van Dusen zurück ins Labor und begann den großen Raum aufs sorgfältigste zu untersuchen, sein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf die Tür und die hohen Fenster, die er etwa eine Stunde lang gründlich inspizierte, bevor er sich wieder seinem geknickten Kollegen zuwandte.

vanDusen: Die Fenster sind mit Sicherheit heute nicht geöffnet worden.
Dexter: Dann bliebe also nur die Tür.
vanDusen: Ja die Tür, die Tür zum Vorraum, die einzige Tür und der einzige Zugang für den Dieb.
Dexter: Aber in der fraglichen Zeit hat niemand das Labor betreten, außer mir selbst natürlich.
vanDusen: Wirklich niemand, auch nicht der Diener.
Dexter: Der hat nur kurz seinen Kopf durch die Tür gesteckt, um Madame anzumelden.
vanDusen: Und.
Dexter: Was und.
vanDusen: Madame selbst.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat zu keiner Zeit ihren Fuß ins Labor gesetzt, das kann ich beschwören.
vanDusen: Ich glaube ihnen Dexter und trotzdem muß Madame das Radium entwendet haben.
Dexter: Unmöglich, eine Dame aus den besten Kreisen.
vanDusen: Ich weiß sogar schon, wie sie vorgegangen ist, nur habe ich leider auch nicht den kleinsten Beweis.
Dexter: Empfohlen von Madame Curie persönlich.
vanDusen: Gut daß sie mich erinnern, Herr Kollege, lassen sie sofort dieses Kabel aufgeben.
Dexter: An Madame Curie, Paris, haben sie Madame du Chateauneuf Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben, schnelle Antworten erbeten.
vanDusen: Van Dusen.
Dexter: Sie halten den Brief also für eine Fälschung.
vanDusen: Ich möchte es fast annehmen und wenn Madame Curie wie ich erwarte mit nein antwortet, dann haben wir etwas gegen die Diebin in der Hand.
Dexter: Das dürfte aber kaum ausreichen, Herr Kollege, immer angenommen sie haben mit ihrer Anschuldigung recht, wovon ich durchaus noch nicht überzeugt bin.
vanDusen: Ich habe da noch gewisse andere Pläne Dexter, hat Madame übrigens in irgendeinem Zusammenhang ein Kind oder Kinder erwähnt.
Dexter: Kinder, ganz bestimmt nicht.
vanDusen: Schade.
Dexter: Wie kommen sie darauf.
vanDusen: Morgen Herr Kollege, es ist spät geworden.

Hatch: Was die Arbeit mit den kleinen grauen Zellen betraf war Professor van Dusen nicht zu schlagen, Beinarbeit aber, herumlaufen nachforschen Leute ausfragen, das hielt er im allgemeinen für unter seiner Würde und wenn im Verlauf seiner kriminalistischen Untersuchungen derartiges nötig wurde, an wen wandte er sich dann, richtig an seinen alten Freund Hutchinson Hatch, so auch diesmal, einen Tag nach dem rätselhaften Radiumdiebstahl klingelte gegen 10 Uhr vormittags in der Lokalredaktion des Daily New Yorker das Telefon, Professor van Dusen unterrichtete mich kurz von den Ereignissen im physikalischen Labor der Universität und beschied mich zu sich in seine Wohnung, wo ich, als ich nach kurzer Zeit eintraf, zu meiner Überraschung einen alten bekannten vorfand, Freund kann man ihn beim besten Willen nicht nennen, Detective Sergeant Caruso von der New Yorker Polizei.

vanDusen: Ah Hatch, ich bin gleich so weit, setzen sie sich, nehmen sie sich ein Whisky wenn sie wollen.
Hatch: Ja vielen dank.
vanDusen: Sie auch Caruso.
Caruso: Nicht im Dienst, aber lassen sie sich nicht abhalten.
vanDusen: Ich, sie sollten allmählich wissen, daß ich fast niemals trinke.
Hatch: Zum wohl.
Caruso: Ihre Antwort Professor.
vanDusen: Wissen sie Hatch, Caruso versucht mich für den Fall der Toten im Hafen zu interessieren, die junge Frau die gestern Morgen bei Dock E erstochen aufgefunden wurde.
Hatch: Ah die schöne Unbekannte.
vanDusen: Die Polizei steht wie so oft vor einem Rätsel und ersucht mich um Mitarbeit.
Caruso: Der Fall ist genau ihre Kragenweite Professor, kein Hinweis auf die Identität der Toten, keine Anhaltspunkte.
Hatch: Oh doch, ein teures Pariser Modellkleid und ein ungewöhnlich geformtes Messer, breite klinge, schmaler griff, direkt im herzen der zierlichen schönen.
Caruso: Woher wissen sie das.
Hatch: Steht alles in der Zeitung von heute verehrter Gesetzeshüter neben meinem epochalen Artikel über Professor Dexter und das Radium apropos van Dusen.
vanDusen: Gleich, es tut mir leid Caruso, ich muß ablehnen, ein anderer äußerst wichtiger Fall erfordert zurzeit meine volle Aufmerksamkeit, es geht um ein für die Wissenschaft bedeutsames Problem und die Wissenschaft, mein lieber Caruso, die Wissenschaft geht vor, bedauerlich.
Caruso: Ja vielleicht überlegen sie sich noch Professor, wir bleiben auf jeden Fall in Verbindung.
vanDusen: Warum nicht, James wird sie hinausbringen.
Hatch: Viel Erfolg.
Caruso: Danke.
Hatch: Nicht das es was nützt, ohne ihre Hilfe fängt Caruso nicht mal einen Karnickeldieb, auf unsere polizei.
vanDusen: Zu uns Hatch, ihre Droschke wartet doch noch, gut dann steigen sie wieder ein und fahren zur Eastside.

Hatch: Wenn sie jemals in New York ein mittelmäßiges Mittelklassehotel brauchen, dann kann ich ihnen das Hotel Paris auf der Eastside wärmstens empfehlen, minimaler Service, maximale Preise und ein wortkarger Portier, der Dollarscheine sammelt.

Hotelportier: Keine Auskunft über Gäste.
Hatch: Zwei Dollar, 3,4,5 mein letztes Wort.
Hotelportier: Okay fragen sie.
Hatch: Wohnt bei ihnen eine Madame du Chateauneuf.
Hotelportier: Ja.
Hatch: Mit Mann.
Hotelportier: Mann ne.
Hatch: Kind dabei.
Hotelportier: Ne.
Hatch: Sie ist also allein.
Hotelportier: Jaja.
Hatch: Aha, wie sieht sie aus.
Hotelportier: Toll, sonst noch was.

Hatch: Fehlanzeige, meine nächste Station war das Büro der Bluestar Schifffahrts-gesellschaft wo man mir verbindlich versicherte, Madame du Chateauneuf sei allein ohne Begleitung und ganz bestimmt nicht mit einem Kind auf der Campania über den großen Teich gesprungen, ich fuhr zurück zu van Dusen.

vanDusen: Kein Kind, sind sie sicher.
Hatch: Ganz sicher Professor, dieses Kind, das sie mit zu großem Eifer suchen, gibt es nicht, hat es nie gegeben.
vanDusen: Das kann nicht sein, das kann einfach nicht sein, sollte ich Professor van Dusen, die Denkmaschine, eine falsche Spur verfolgt haben, unmöglich.
Labordiener: Ein Telegramm Sir.
vanDusen: Danke James, aus Paris, Hatch, die Antwort von Madame Curie.
Hatch: Schon.
vanDusen: Was, ja, Hatch, Madame Curie telegrafiert mir ja, sie hat Madame du Chateauneuf tatsächlich ein Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben.
Hatch: Unglaublich.
vanDusen: Sie sagen es.
Hatch: Das würde heißen, daß Madame du Chateauneuf unschuldig wäre.
vanDusen: Nicht zu fassen.
Hatch: Und das wiederum würde heißen, daß nur eine einzige Person das Radium gestohlen haben kann, Dexter selbst.
vanDusen: Ganz und gar unmöglich, ich kenne ihn seit Jahren, warum sollte er so etwas tun und außerdem, er weiß ganz genau, daß er das Radium keinem Forscher, keinem Institut anbieten kann, ohne daß die gesamte wissenschaftliche Welt davon erfährt, nein, Dexter scheidet aus.
Hatch: Dann war.
vanDusen: Ich muß nachdenken, ich muß sehr konzentriert nachdenken, alleine und in Ruhe, haben sie nicht irgendwo dringend etwas zu tun Hatch.
Hatch: Ja warum nicht, ich könnte mich mal wieder in der Redaktion sehen lassen.
vanDusen: Dann will ich sie nicht länger aufhalten, ich melde mich, falls ich sie brauche.

Hatch: Was blieb mir übrig, um der Denkmaschine ungestörten Betrieb zu ermöglichen, zog ich mich zurück an meinen Schreibtisch, dachte so an dieses und jenes, an Radium, an die geheimnisvolle Madame du Chateauneuf, an Detektiv Caruso und an die schöne unbekannte Leiche und wartete, es war kurz vor 5 Uhr als Professor van Dusen sich meldete, diesmal nicht über das Telefon, sondern höchst persönlich und ehe ich michs versah, saß ich in einer Droschke.

vanDusen: Wenn mich nicht alles täuscht Hatch, dann werden wir in wenigen Minuten eine äußerst interessante Persönlichkeit treffen.
Hatch: Sie meinen Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oh nein, ich meine die eigentliche Schlüsselfigur im Radiumfall, übrigens, es wird sie interessieren zu hören, daß der Fall praktisch gelöst ist.
Hatch: Was sie nicht sagen.
vanDusen: Und daß ich von anfang an recht hatte oder doch jedenfalls so gut wie.
Hatch: Aber der Brief von Madame Curie und wie hat sie es gemacht, falls es überhaupt war.
vanDusen: Später, mein bester, später, wir haben heute Abend noch eine Verabredung mit Madame du Chateauneuf und Professor Dexter und sie wissen doch daß ich meine Schlussfolgerungen nur höchst ungern mehrmals zum besten gebe, außerdem sind wir gleich da, seien sie auf der hut, halten sie die Augen offen.
Hatch: Warum, erwarten sie etwa schwierigkeiten, ist diese schlüsselfigur gefährlich.
vanDusen: Gefährlich, nein das glaube ich kaum, aber gerissen, gerissen und trickreich, also seien sie wachsam, wir sind da.

Hatch: Verglichen mit unserem Ziel, der Familien- und Artistenpension Salto mortale so stands kaum noch lesbar über der Tür geschrieben, war das Hotel Paris eine art Waldorf Astoria, innen roch es nach Schnaps, nach Schminke und nach schlimmerem und es sah aus, wie es eben in einer billigen Pension aussieht, wo niemand sauber macht, einen Portier schien es auch nicht zugeben.

Hatch: Hallo, hallo, niemand da.
Pensionswirt: Was ist denn, wollen sie ein Zimmer.
Hatch: Nein ein Zimmer wollen wir nicht, wir wollen tja was wollen wir eigentlich Professor.
vanDusen: Guten Tag, wir suchen Monsieur Bertrand, würden sie uns freundlicherweise miteilen, in welchem Zimmer der Herr logiert.
Pensionswirt: Wie heißt er.
vanDusen: Bertrand.
Pensionswirt: Kenne ich nicht.
vanDusen: Aber ich bin sicher, daß er hier wohnt, ein kleiner, ein sehr kleiner Herr, gerade aus Europa gekommen.
Pensionswirt: Ach den meinen sie, Zimmer 11, Treppe rauf, rechts vom Waschraum.
vanDusen: Danke, ist er zu hause.
Pensionswirt: Keine Ahnung, probieren sies mal.
Hatch: Hier, Zimmer elf, probieren wir es mal.
Monsieur: Entree.
vanDusen: Wie gesagt Hatch, halten sie die Augen offen, darf ich vorstellen Hatch, Monsieur Bertrand, der Herr, der Dexters Radium aus dem Labor entwendet hat.
Monsieur: Monsieur, ich muß doch sehr bitten.

Hatch: Und dann sah ich ihn, eine zierliche Gestalt in einem bunten etwas zu auffälligen Schlafrock gehüllt, erhob sich aus einem großen Sessel und fixierte uns mit entrüsteten Blicken, nun zierlich ist übrigens kaum das richtige Wort, Professor van Dusen, ein Riese nur in geistigen Belangen, war um gut einen halben Meter größer, kurz Monsieur Bertrand entpuppte sich als Liliputaner und wie van Dusen behauptete, als der Dieb des Radiums, mir wurde einiges klar.

Monsieur: Ich ein voleur, missio, ein Dieb, sie nicht wissen, wen sie haben vor sich, je suis un artiste, ich seien die berühmte Zwerg, die große sensationelle phänomenale Manfredini.
vanDusen: Geben sie sich keine Mühe, verehrter Monsieur Bertrand oder Manfredini, wenn sie das lieber hören, wir wissen alles, ihre Partnerin hat gestanden.
Monsieur: Oh sie wissen, wir haben gemacht die Trick.
vanDusen: Ganz genau.
Monsieur: Eine gute Trick, nest pas, mit den valise, die Koffer, wie in Variete, nur ich können das, ich die große berühmte.
vanDusen: Sind sie da nicht ein bißchen ungerecht gegen ihre Partnerin, Mademoiselle vonJean.
Hatch: VonJean, ich verstehe überhaupt nichts mehr.
Monsieur: Aber sie nur porteuse, wie sagt man.
vanDusen: Gepäckträgerin.
Monsieur: Wie Gepäck äh Trägerin.
vanDusen: Und jetzt geben sie uns bitte, was sie im Labor gestohlen haben.
Monsieur: Monsieur, gestohlen, ein hartes Wort, wir haben nur gemacht ein Scherz, ein Trick, voila.
vanDusen: In diesem unscheinbaren Stahlkästchen, mein lieber Hatch, befindet sich eine Unze des wertvollsten Elements, das es auf der Welt gibt.
Hatch: Ich weiß Professor, drei Millionen Dollar.
Monsieur: 3 Millionen Dollar, ah, sie mich hat belogen, sie hat gesagt nichts wert.
vanDusen: Sie hat ihnen wahrscheinlich auch verschwiegen, daß es nicht nur um einen schlichten Diebstahl geht, sondern um Mord.
Hatch: Mord.
Monsieur: Meurtre, assassiner, sacrebleu.
vanDusen: Achtung Hatch, halten sie ihn fest.

Hatch: Ich griff sofort zu und Bertrand, der mit affenartiger Geschwindigkeit fast schon den Korridor erreicht hatte, ergab sich nach kurzem Zappeln in sein Schicksal, er sagte kein Wort mehr, zog sich an und folgte uns zur Droschke, wir fuhren zum physikalischen Institut der Universität, wo Professor Dexter und der von van Dusen alarmierte Caruso auf uns warteten, es wurde schon dunkel.

vanDusen: Das Radium Herr Kollege, passen sie in zukunft ein bißchen besser darauf auf.
Dexter: Tatsächlich, das Radium, mein Radium, noch alles da, wie haben sie das gemacht van Dusen.
vanDusen: Fragen sie doch unseren kleinen Freund hier, Monsieur Bertrand alias Manfredini oder ihre Besucherin von gestern, die jeden moment hier sein muß.
Dexter: Achja Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Ja die.
Dexter: Wie spät ist es.
Hatch: Fünf vor sieben.
Dexter: Hören sie van Dusen, das Radium ist ja nun wieder da, unsere Versuche können wie geplant morgen früh anfangen, wollen wir es nicht dabei belassen, ich meine was haben wir davon, wenn Madame ins Gefängnis muß, seien wir großmütig.
vanDusen: Warum nicht, jedenfalls.
Caruso: Wozu haben sie mich herbestellt wenn sie ihn doch laufen lassen wollen.
vanDusen: Jedenfalls wollte ich sagen, als ich von unserem ungeduldigen kriminalistischen Freund hier unterbrochen wurde, jedenfalls soweit es den Diebstahl betrifft, andererseits.
Labordiener: Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Noch einen Moment Miller, schließen sie die Tür, Caruso, sie gehen mit Bertrand nach nebenan ins Labor und warten auf ihr Stichwort.
Caruso: Aber ich.
vanDusen: Pst, gehen sie, die Verhandlung mit der Dame überlassen sie bitte mir, Dexter.
Dexter: Ok.
vanDusen: Und sie Hatch.
Hatch: Ich setze mich ganz still in eine Ecke und schreibe fleißig mit.
vanDusen: Ja tun sie das, Miller wir lassen bitten.
Madame: Oh Professor Dexter, ich bin erstaunt, hier eine ganze Gesellschaft anzutreffen, ich hatte gehofft wir beide, allein.
Dexter: Professor van Dusen, der mich bei den Radiumversuchen unterstützen wird, Mister Hatch, ein gemeinsamer Freund, Madame du Chateauneuf.
Hatch: Sehr erfreut.
vanDusen: Setzen sie sich Madame, wie mir mein Kollege Professor Dexter mitgeteilt hat, wollen sie uns eine Unze Radium verkaufen.
Madame: So ist es.
vanDusen: Tragen sie die Ware bei sich.
Madame: Wo denken sie hin Herr.
vanDusen: Van Dusen.
Madame: Van Dusen, oh nein das Radium ist an einem sicheren Ort bis wir uns geeinigt haben.
vanDusen: Erstaunlich nicht wahr.
Madame: Pardon Herr van Dusen ich verstehe nicht.
vanDusen: Daß es noch eine ganze Unze diese so seltenen Stoffes auf der Welt gibt, ohne daß die Wissenschaft bisher davon wußte.
Madame: Aber ich habe doch Professor Dexter genau.
vanDusen: Sind sie ganz sicher, daß sich auch wirklich eine Unze Radium in ihrem Besitz befindet.
Madame: Selbstverständlich.
vanDusen: Ich meine natürlich außer jener Unze, die sie gestern hier im Labor gestohlen haben.
Madame: Erlauben sie, ich bin nicht hierher gekommen, um mich insultieren zu lassen, unter diesen Umständen Professor Dexter bin ich nicht gewillt, mein Angebot aufrecht zu erhalten, gestatten sie, daß ich mich verabschiede.
vanDusen: Wir gestatten nicht Madame und bitten sie weiterhin um das Vergnügen ihre Anwesenheit.
Madame: Sie sind unverschämt mein Herr, au revoir.
vanDusen: In diesem Fall sehe ich mich gezwungen, sie ein wenig drängender zu ersuchen Mademoiselle vonJean, Caruso.
Caruso: Professor.
vanDusen: Kommen sie und bringen sie unseren kleinen Ehrengast.
Madame: Manfredini.
vanDusen: Darf ich ihnen ein weiteres Mitglied unsere kleinen gesellschaft vorstellen, Detektiv Caruso von der new yorker polizei, den anderen Herrn kennen sie ja bereits.
Monsieur: Menteur Lügnerin Verräterin, sie nichts haben gesagt von die drei Millionen Dollar, sie wollten betrügen, ihr Partner die große sensationelle Manfredini, ich verachte sie.
vanDusen: Und da wir gerade so schön beim vorstellen sind, darf ich sie, meine Herren mit dieser Dame bekannt machen, die sich nicht ganz zurecht fürchte ich, Madame du Chateauneuf genannt hat, Mademoiselle vonJean alias, wie lautet ihr Bühnenname Mademoiselle.
Madame: Äh ich.
vanDusen: Sie wollen es uns nicht sagen.
Monsieur: Evita, so heißt sie in Variete, olala Evita et Manfredini die große Nummer der phänomenale Succes, der Publikum hat immer sehr gelacht, überall.
vanDusen: Und sie wollen uns sicher auch nicht gestehen, wie sie den Diebstahl ausgeführt haben, das macht nichts, wir wissen es nämlich schon und brauchen uns damit nicht mehr aufzuhalten, also.
Hatch: Moment mal, van Dusen.
Dexter: Herr Kollege, ich muß gestehen.
Caruso: Packen sie aus, Professor.
vanDusen: Ach, sie wissen es immer noch nicht, dann da Mademoiselle Evita sich offenbar ungnädig zeigt, werde ich es ihnen wohl erzählen müssen, sie Caruso behalten solange unsere artistischen Freunde im Auge.
Caruso: Eisern Professor schießen sie los.
Dexter: Ich bin ganz Ohr Herr Kollege.
Hatch: Und ich ganz Bleistift.
vanDusen: Nun denn, von vornherein war klar daß die Besucherin die sich Madame du Chateauneuf nannte, die Unze Radium aus dem Labor gestohlen haben mußte, die Frage war, wie hatte sie es angestellt, ohne das Labor zu betreten, den ersten und wichtigsten Hinweis auf die Methode des Verbrechens gab der Koffer, eine Dame die aus geschäftlichen oder anderen Gründen einen Besuch abzustatten hat, pflegt sich dabei nicht mit einem Koffer zu belasten, falls sie es doch tun muß, läßt sie ihn in der Droschke und bringt ihn nicht mit ins Zimmer, so weit so gut, das eröffnete mir eine gewisse Spekulation, in die ich zwei weitere Tatsachen einbezog, daß nämlich Madame, wir wollen sie der kürze halber auch ferner so nennen daß also Madame ihren Koffer direkt an die Tür zwischen Labor und Vorzimmer gestellt hat und daß sie während des Gesprächs mit Professor Dexter zweimal von einem lauten Hustenanfall heimgesucht wurde, ich schloß daraus folgendes, im Koffer befand sich ein Wesen, das auf ein Signal hin, den ersten Hustenanfall, sein ungewöhnliches Versteck verließ, sich ins Labor schlich, während Professor Dexter von Madame abgelenkt wurde, das Radium suchte, fand und an sich nahm, dann auf das zweite Signal von Madame wieder in den Koffer zurückkehrte.
Monsieur: Bravo bravo Professor, sie haben erzählt exactement wie wir haben gemacht die Trick, sie sind eine phänomenale Detektiv, Professor.
vanDusen: Danke mein bester danke, ich ziehe es allerdings vor mich Amateur-kriminologe zu nennen, ich fahre fort, was für ein Wesen so fragte ich mich nun was für ein Wesen, paßt in einen Koffer, ein Affe gewiß, aber der Diebstahl des Radiums unter so vielen Gegenständen im Labor erfordert ein gewisses logisches Denken, ein Tier kam also nicht in frage, was gab es noch, ein Kind, das war möglich und ich ging daran diese Hypothese zu untersuchen, leider ohne Erfolg, wie mir Mister Hatch bestätigen wird, was nun, ich dachte noch einmal nach, sehr konzentriert, sehr diszipliniert und kam auch prompt auf eine dritte Möglichkeit, daß sich nämlich im Koffer auch ein kleinwüchsiger Erwachsener, ein sogenannter Zwerg oder Liliputaner befunden haben können, daraufhin fuhr ich persönlich.
Hatch: Donnerwetter Professor, ganz was neues.
vanDusen: Persönlich zum Büro der Bluestarlinie und hier wurde meine Vermutung bestätigt, zu den Passagieren der Campania hatte ein Liliputaner gehört, ein Franzose namens Bertrand, und noch etwas anderes fiel mir bei der Durchsicht der Passagierliste auf, doch davon später, durch eine Umfrage bei den Droschken-kutschern im Hafen erhielt ich dann schnell die Adresse, zu der sich Monsieur Bertrand vom Schiff aus hatte fahren lassen, er ist nun einmal eine auffällige Persönlichkeit.
Monsieur: Auffällig, die ganze Welt kennt Manfredini.
vanDusen: Der Rest ist schnell erzählt, mit Mister Hatch stattete ich Bertrand einen Besuch ab und brachte ihn nebst dem gestohlenen Radium hierher.
Dexter: So also.
vanDusen: Ja Herr Kollege, so wurde das Radium gestohlen, direkt unter ihrer Nase.
Monsieur: Wie in variete, justement, sie haben gesehen Evita et Manfredini, große Nummer Professor.
vanDusen: Leider gehe ich nur sehr selten in solche Etablissements.
Monsieur: Oh cest dommage, Evita sie kommen heraus, mit Koffer stellen ihn hin so und dann sie jonglieren mit den Ball allezhop, und die große Manfredini kriecht heraus aus Koffer, tout doucement, ganz leise und schleicht hinter Evita tout doucement und zieht aus ihre Rock tout doucement und Evita, sie steht da, nur mit ihre Trikots, surprise, der Publikum immer sehr gelacht, dann Evita ganz böse auf Bühne, nestpa, fangen Manfredini.
Madame: Sei still.
vanDusen: Aber nicht doch, wir sind sehr interessiert, Monsieur Bertrand, erzählen sie weiter.
Monsieur: Ja Monsieur, Evita fangen Manfredini, bind ihn auf große runde Brett und dann zur Strafe sie werfen auf ihn couteau, mit Messer, denn Evita sie ist nicht nur Jongleuse, sie ist auch, wie sagt man, Messerwerferin.
vanDusen: Aha und würden sie uns bitte auch beschreiben wie diese Messer aussehen mit denen Evita auf sie wirft.
Madame: Sei still.
Monsieur: Lügnerin pokerawa Professor diese Messer sind trickjuli, haben kleine schmale griff und große breite klinge.
vanDusen: Surprise ich wollte sagen surprise.
Caruso: Moment mal Professor.
vanDusen: Gehe ich recht in der Annahme daß diese Art Messer sie irgendwie an irgendwas erinnert.
Caruso: Na und wie.
Hatch: Ja richtig.
Dexter: Ich dachte der Fall ist erledigt und ausgestanden, will mir nicht mal jemand erklären.
vanDusen: Mit Vergnügen Herr Kollege, diese Dame hat nämlich nicht nur den Diebstahl ihres Radiums auf dem Gewissen, sondern auch einen Mord, den Mord an der sogenannten schönen Unbekannten, die man wenn ich mich recht erinnere am Hafen gefunden hat, dicht bei Dock E wo die Passagierschiffe aus Europa anlegen.
Dexter: Mord, ich verstehe immer noch nicht.
Madame: Helfen sie mir, Professor Dexter, schützen sie mich, dieser Mann dieser van Dusen ist wahnsinnig, sie werden doch ihm und dem lächerlichen Zwerg da nicht glauben.
Monsieur: Lächerlich, ich, der große phänomenale Manfredini, eine lächerliche Zwerg sacreno.
vanDusen: Darf ich um Ruhe bitten, auch wenn Kollege Dexter den Radiumfall für aufgeklärt und ausgestanden hält, er ist es mitnichten, einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung.
Dexter: Zum Beispiel.
vanDusen: Z.B. das ohne Frage authentische Empfehlungsschreiben der Madame Curie, wie kommt unsere Besucherin an dieses Schreiben oder anders allgemeiner ausgedrückt, wer ist sie eigentlich, diese Frau, die sich Madame du Chateauneuf nennt, eine Antwort darauf gab mir die Passagierliste der Campania, Monsieur.
Monsieur: Ja.
vanDusen: War in Begleitung einer Dame, seiner Partnerin gereist einer gewissen Mademoiselle vonJean, ein vager Verdacht begann in mir Gestalt anzunehmen, ich schickte ein zweites Kabel an Madame Curie, worin ich nach der äußeren Erscheinung von Madame du Chateauneuf und nach dem Zweck ihres Aufenthalts in New York fragte, hier ist die Antwort, Fragen unverständlich, was ist los bei ihnen, Madame du Chateauneuf ist klein, zierlich, will sich an ihren Radiumversuchen beteiligen, eine Beschreibung von Mademoiselle vonJean.
Madame: Warum sehen sie mich dabei so an.
vanDusen: Von Mademoiselle vonJean lieferte mir freundlicherweise ein Stewart der Campania, nun bestand für mich kein Zweifel mehr, diese Dame hier ist Mademoiselle vonJean, Begleiterin und Partnerin von Bertrand alias Manfredini.
Monsieur: Die große phänomenale Manfredini.
vanDusen: Wo aber befand sich die echte Madame du Chateauneuf, die wie ich feststellte, ebenfalls in der Passagierliste der Campania verzeichnet war, unter normalen Umständen wäre sie doch sogleich zu Professor Dexter geeilt, um ihre Assistenz bei den Versuchen anzubieten.
Dexter: Wahrscheinlich.
vanDusen: Da sie das aber nicht tat, war sie allem anschein nach davon abgehalten worden.
Dexter: Aber wie.
vanDusen: Ja richtig, war sie vielleicht gefangen möglich ebenso gut konnte sie tot sein ermordet, es ging immerhin um eine Million Dollar, da erinnerte ich mich an die unbekannte Tote, von der mir Caruso erzählt hatte, sie war klein, zierlich, war bei Dock E gefunden worden, trug ein Pariser Modellkleid und als ich dann noch erfuhr, daß Mademoiselle vonJean sich als Messerwerferin zu betätigen pflegt, da war der Fall klar für mich.
Hatch: Und die schöne Unbekannte.
vanDusen: Ist oder besser war die echte Madame du Chateauneuf, die vonJean hat sie ermordet und ihr den Empfehlungsbrief abgenommen, um sich mit seiner Hilfe die Unze Radium zu ergaunern, dieselbe Unze Radium, die sie uns für eine Million Dollar verkaufen wollte.
Dexter: Entsetzlich.
vanDusen: Sehen sie sie doch an, die Schuld steht ihr ja im Gesicht geschrieben.
Caruso: Kommen sie Miss vonJean oder Evita oder wie sie heißen, und du auch, kleiner.
Monsieur: Was, ich der große Manfredini in die prison, die Gefängnis, impossible, was soll werden aus Evita et Manfredini, die phänomenale Nummer, die sensationelle Succes.
vanDusen: Tja ja damit ist es jetzt fürchte ich aus und vorbei.
Monsieur: Cest dommage, republic, der Publikum hat immer so sehr gelacht.

Hatch: Mademoiselle vonJean wurde zum tode verurteilt, dann aber zu lebenslangem Zuchthaus begnadigt, falls man das so nennen kann, Missio Bertrand alias der große Manfredini konnte für seine Beihilfe zum Diebstahl nicht bestraft werden, da er sich schon in der ersten nacht zwischen den Gitterstäben der Zelle heraus drehte und auf nimmerwiedersehen verschwand, so also ging der höchst merkwürdige Fall der gestohlenen Unze Radium zu ende.

Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch
Otto Sander Professor Dexter
Lieselotte Rau Madame du Chateauneuf
Klaus Miedel Monsieur Bertrand
Rolf Marnitz Detektiv Caruso
Franz Georg Stegers Labordiener
Kurt Pratsch-Kaufmann Hotelportier
Herbert Weissbach Pensionswirt

Michael Koser: Professor van Dusen – Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Problem of Cell 13)

vanDusen: Ich meine Herrschaften, ich Professor Augustus van Dusen, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, ich erkläre hiermit feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts, wohlgemerkt nichts unmöglich ist.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Ich habe gesprochen.
Ransome: Mit dem wahrhaft intelligenten Menschen meinen sie ja wohl in erster Linie sich selbst, nicht wahr Professor.
vanDusen: Selbstverständlich mein bester, kenne dich selbst, Solon, sechstes Jahrhundert vor christus.
vanDusen: Darauf muß ich was trinken, Ober, noch eine Flasche Champagner.

Hatch: Die Geschichte, die ich ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der Fifth avenue, wo sich eine kleine aber erlesene Gesellschaft zum dinner zusammen gefunden hatte, da war zunächst mein alter Freund, der berühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, neben ihm saß Mister Thomas Ransome, Lokalpolitiker und Gefängnisdirektor, und dann gab es noch last aber natürlich nicht least Ransoms charmante Gattin Vivian, die wohlbekannte Zierde der eleganten New Yorker Welt, das Gespräch, das anfangs Themen des Tages gestreift hatte, die kommende Wahl des Oberbürgermeisters, die Gefängnisreform, die neuesten Pariser Modelle, wandte sich nach dem Dessert einem Problem zu, das vor allem den Professor aufs höchste interessierte, der Frage nämlich, was wohl von den Voraussagen fantasievoller Schriftsteller über die Zukunft der Menschheit tatsächlich eintreffen würde, man sprach über Jules Verne und Herbert George Wells, über Luftschiffe und Unterseeboote und in der Hitze der Debatte legte es Ransome, für einen Mann seines Berufs ansonsten eine Seele von Mensch, offensichtlich darauf, an den Professor zu reizen.

Oberkellner: Bitte sehr, die Herrschaften.
Ransome: Danke sie glauben also wirklich daß der Mensch fliegenwird wie ein vogel.
Vivian: Daß er durch den Weltraum schweben und andere Planeten besuchen wird.
Ransome: Daß er fähig ist das Atom zu spalten und dadurch ungeheure Kräfte freizusetzen.
vanDusen: Ohne jeden Zweifel meine Freunde und ich würde die Möglichkeiten dazu sogar selbst erfinden, wenn ich die Zeit dazu hätte.
Ransome: Na gut zugegeben, denken kann man sich viel und erfinden von mir aus auch, zum wohle, prost, davon verstehe ich nichts, aber sehen wir doch einmal die Sache anders herum, können sie wie soll ich mich ausdrücken, können sie Dinge, Sachen wegdenken, die schon da sind.
vanDusen: Zum Beispiel.
Ransome: Tja zum Beispiel.
Vivian: Zum Beispiel Gefängnismauern.
Ransome: Gute Idee Vivian, können sie Gefängnismauern so einfach wegdenken, Professor.
vanDusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein guter.
Vivian: Hört hört.

Hatch: Gestatten sie daß ich mich vorstelle, Hutchinson Hatch mein Name, Beruf Journalist Reporter beim Daily NewYorker, Leute die mich nicht leiden können und davon gibt es eine ganze Menge, behaupten für eine Exklusivstory würde ich praktisch alles tun und damit haben sie gar nicht mal so unrecht, Beweis unter anderem diese Geschichte hier, ich bin übrigens nicht nur ihr Erzähler, ich bin auch einer der Mitspieler, sie werden es hören, als sie anfing war ich allerdings noch nicht dabei, ich habe mir deshalb von den beteiligten Herrschaften sehr genau berichten lassen, was damals in Chiricos elegantem Restaurant und später im Chisholm-gefängnis vor sich ging.

Ransome: Sagen sie was sie wollen, aus meinem Gefängnis würden sie sich nicht heraus denken können.
Vivian: Chisholm ist das sicherste Gefängnis der Welt, Professor, da ist noch nie jemand ausgebrochen.
vanDusen: So, ich will ihnen was sagen, Ransome, wenn ich was der Himmel verhüten möge, bei ihnen einsäße, wäre ich nach wenigen Tagen wieder in Freiheit.
Ransome: Bei mir nicht.
vanDusen: So sicher wie zweimal 2 mal 2 4 ist.
Ransome: Das sagen sie immer Professor, es wird Zeit, daß man sie einmal beim Wort nimmt.
vanDusen: Bitte sehr.
Vivian: Wollen wir nicht eine Wette daraus machen.
Ransome: Gute Idee Vivian, einverstanden Professor.

Hatch: So also kam es zu jener historischen Wette, die dem Professor eine Kiste Champagner einbrachte, Ransome ein paar schlaflose Nächte, Vivian einen neuen Gesprächsstoff und mir eine tolle Story.

Ransome: Verschärfte Bedingungen.
vanDusen: Von mir aus.
Vivian: Einzelhaft.
vanDusen: Herzlich gerne.
Ransome: Kein Kontakt.
vanDusen: Auch das.
Ransome: Todeszelle.
vanDusen: Was immer sie wollen, behandeln sie mich wie einen x-beliebigen Gefangenen, durchsuchen sie mich, bewachen sie mich, es wird ihnen nichts nützen, Ober.
Oberkellner: Sie wünschen, mein Herr.
vanDusen: Welches Datum haben wie heute.
Oberkellner: Den 17. April mein Herr, 1899.
vanDusen: Gut, wir treffen uns wieder in einer Woche am 24. April 1899 in diesen Lokal, sagen wir um 9 Uhr.
Ransome: Ja.
vanDusen: Ober, reservieren sie uns den Tisch hier und halten sie eine Kiste Champagner bereit.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Und damit darf ich mich wohl entschuldigen, morgen früh lieber Ransome bin ich in ihrem Büro, dann können sie mich nach herzenslust einsperren.
Ransome: Oh nein Prof, damit sie heute abend ihre Vorbereitungen treffen Maschinchen, Spiesgesellen was weiß ich, kommt gar nicht in frage, betrachten sie sich von diesem augenblick an als verhaftet.
Vivian: Ich werde sie persönlich im auge behalten lieber Professor.
vanDusen: Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein gnädige Frau.
Ransome: Ober, die Rechnung und lassen sie eine Droschke vorfahren, auf nach Chisholm.

Hatch: Das Chisholmgefängnis bei New York kennen sie wahrscheinlich nicht aus eigenem Augenschein, was für eine gewaltige Aufgabe Professor van Dusen übernommen hatte, wäre ihnen ohne weiteres klar, wenn sie es jemals gesehen hätten, das finstere Granitgebäude mit den schmalen vergitterten Fenstern, isoliert nur von einer unübersteigbaren Mauer umgeben und davor von einem engen Hof, in dem tag und nacht bewaffnete Wächter patrouillierten und der bei dunkelheit taghell erleuchtet wurde, als er die Tore passierte, den Hof und die bewachten Korridore nahm van Dusen dies alles und noch mehr zur Kenntnis und in Ransoms Büro schien er seiner Sache bei weitem nicht mehr so sicher zu sein wie vorher bei Chirico, vermutlich war es ihn jetzt erst aufgegangen, daß Chisholm wie Misses Ransome so richtig bemerkt hatte, das sicherste Gefängnis der Welt war.

Vivian: Sie sind ein bißchen blaß um die Nase, Professorchen, eine Woche bei Wasser und Brot wollen sie das wirklich durchhalten.
vanDusen: Nicht unbedingt gnädigste, bin sofort bereit auf die Wette zu verzichten wenn sie und ihr Gatte sich für geschlagen erklären.
Ransome: Was nie im leben.
vanDusen: Tja dann.
Ransome: Werden sie wohl sitzen müssen, ohne Gnade und Barmherzigkeit.
Vivian: Armer Professor.
vanDusen: Ach Ransome, ich hätte eine Bitte oder genauer zwei.
Ransome: Schießen sie los.
vanDusen: Ich würde mir gern noch einmal die Schuhe putzen lassen.
Ransome: Immer nobel, was Professor, ich werde es veranlassen, zweitens.
vanDusen: Etwas bargeld, sagen wir 25 Dollar in einer 5 Dollar und zwei 10 Dollarnoten.
Ransome: Das dürfte ich eigentlich nicht erlauben.
vanDusen: Dann lassen sie es, es ist nicht wichtig.
Vivian: Ach Tom.
Ransome: Also gut, hier mein lieber, mit 25 Dollar können sie sowieso nichts anfangen, nicht mal mit 25.000, meine Beamten sind nämlich unbestechlich, falls sie an sowas denken, herein.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: O obrian sie kommen auf Stichwort, dieser Herr ist Professor van Dusen, er wird für eine Woche unser Gast sein in Zelle 13.
OBrien: Gefährlicher Bursche, was Herr Direktor.
Ransome: Das kann man wohl sagen, passen sie besonders gut auf ihn auf.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Er wird wahrscheinlich versuchen zu fliehen.
OBrien: Soll er, ich wünsche ihm viel Spaß.
Ransome: Durchsuchen sie ihn, Vivian würdest du bitte raus.
Vivian: Alles gute Professorchen.
Ransome: Sie wissen ja bescheid OBrien, nehmen sie ihm alles ab, was nicht hier rein gehört und dann ab in die Zelle.

Hatch: So geschah es daß etwa eine halbe stunde später der Professor vor seinem neuen Domizil stand, vor Zelle 13, der Todeszelle im Chisholmgefängnis, die glücklicherweise gerade frei stand, er trug lediglich seine Unterwäsche, ein weißes Hemd, Hosen, Strümpfe und frisch geputzte schwarze Schuhe, außer den erbetenen 25 Dollar in drei Scheinen hatte er das kann ich ihnen verbindlich versichern, nichts weiter bei sich als sein geniales Gehirn, in dem ein Fluchtplan allmählich Gestalt anzunehmen begann.

OBrien: Bitte sehr, fühlen sie sich wie zu hause.
vanDusen: Was ist denn das.
OBrien: Na was schon Ratten.
vanDusen: Ratten.
OBrien: Klar, ihretwegen hätten wir wohl den Kammerjäger bestellen sollen was, also dann.

vanDusen: Tja, Zement, massiv, die Wände auch, da ist nichts zu machen, die Tür, stark, aussichtslos, da hatten wir noch das Fenster, steigen wir also auf das Bett, apropros Bett, Stahlrahmen, hart aber gesund, naja bißchen klein das Fenster, würde aber gehen mit Mühe wenn das Gitter nicht wäre, festgemauert in der Erden beziehungsweise in der Wand, wie neu, kein Rost sieh mal an, eine elektrische Bogenlampe draußen im Hof, das allerneueste, hell wie der lichte Tag, fast, wo elektrisches Licht ist da ist noch eine Leitung und die geht wo aha müßte in der Nähe meines Fensters verlaufen, das sollte man sich merken, mal überlegen, von draußen bis hier in die Zelle muß man durch ja durch sieben Türen, alle verschlossen, verriegelt und bis auf die Zellentür ständig bewacht, schlechte Aussichten, die Zelle liegt günstig im Hochparterre aber was nutzt mir das, naja warten aha diese verflixten Ratten, hoffentlich geht das nicht die ganze Nacht so, moment mal, Ratten, das eröffnet gewisse Möglichkeiten, immer mit der Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag.

Hatch: Und damit legte sich Professor van Dusen auf sein hartes Gefängnisbett um in der Todeszelle den Schlaf des gerechten und schuldlosen zu schlafen, so ging der erste Tag seiner freiwilligen Haft vorbei und als er am morgen des zweiten erwachte, ein bißchen steif aber unverändert beweglichen Geistes, dann nahm er seine Überlegungen dort wieder auf, wo er sie am vorigen abend abgebrochen hatte.

vanDusen: Wo kommt ihr her ihr lieben Tierchen, wo ist denn euer Loch, alles fest, alles dicht, durchs Fenster, geht nicht, die Außenwand ist zu glatt, ha was ist denn das, na bitte, da hätten wir ja das Rattenloch, unterm Bett, schwer zu finden, scheint der Ausgang eines alten Abwasserrohrs zu sein, Durchmesser etwa 5 cm, knochentrocken, lange nicht mehr benutzt offenbar, geht schräg nach unten, wohin, vermutlich nach draußen, so so, sehr interessant und jetzt wird es Zeit daß meine Mitbewohner sich mit mir bekannt machen, na also, dann laß dich doch mal ansehen, aha wie mein geschultes Zoologenauge an gewissen Merkmalen sofort erkennt, handelt es sich bei dir nicht wie erwartet um die gewöhnliche oder auch gemeine Hausratte Rattus rattus sondern um eine im freien lebende Wasser- oder Wanderratte, Rattus norwegicas, äußerst interessant, verschwinde, weg schnell schnell wir sprechen uns noch.

OBrien: Morgen Prof.
vanDusen: Morgen.
OBrien: Frühstück.
vanDusen: Stellen sies hin, ich esse es später.
OBrien: Nix, sie essen jetzt, ich paß auf und nehm Geschirr und Besteck wieder mit, Vorschrift.
vanDusen: Wenns sein muß, hm, sagen sie mal OBrien so heißen sie doch.
OBrien: Ja.
vanDusen: Wie lange sind sie schon im Chisholmgefängnis.
OBrien: Na gut 20 Jahre so lange wie der alte Kasten steht.
vanDusen: 20 Jahre so so, ist in dieser zeit mal irgendwas erneuert oder umgebaut worden.
OBrien: Warten sie mal, neue Außenmauer vor vier Jahren und das elektrische Licht im Hof, ach ja und neue Wasserleitungen, das muß so vor sechs sieben Jahren gewesen sein.
vanDusen: Aha, was ist eigentlich da hinter der Mauer.
OBrien: Baseballplatz für die Jungs aus der Stadt zum üben, und dann natürlich der Fluß.
vanDusen: Natürlich, wie weit entfernt.
OBrien: Der Fluß, na ungefähr 100 meter, fertig.
vanDusen: Fertig, bringen sie es zurück in die Küche mit Komplimenten für den Chef, das beste Gefängnisfrühstück meines Lebens.
OBrien: Ein Witz was.
vanDusen: Äh übrigens OBrien ich leide tagsüber oft unter starkem Durst, können sie mir nicht den Wassernapf dalassen ausnahmsweise.
OBrien: Ich weiß nicht.
vanDusen: Was soll denn passieren, mit so einer Schale kann mich doch wohl kaum durch die Mauer graben.
OBrien: Da haben sie auch recht, von mir aus, behalten sie das Ding.
vanDusen: Danke.
OBrien: Aber keine Dummheiten.

Hatch: Viermal am Tag besuchte der Wärter den Professor, er brachte ihm essen und sah sich dabei sorgfältig um, Zelle 13 galt als so sicher, daß Ransome eine Dauerbeobachtung für unnötig hielt, ganz zu schweigen von der unwürdigen situation die er seinem freiwilligen Häftling damit zugemutet hätte, so hatte Prof. van Dusen reichlich gelegenheit, ungesehen nachzudenken und zu handeln, das erste Resultat seiner heimlichen Tätigkeit kam dem Direktor am späten nachmittag vor Augen.

OBrien: Jetzt gehts los Herr Direktor, jetzt hat er angefangen.
Ransome: So, wer denn.
OBrien: Na ihr Ehrengast, Herr Direktor, der Professor in Zelle 13.
Ransome: Ach, und was hat er angefangen.
OBrien: Sehen sie mal, das hat Miller eben auf dem Hof gefunden vor seinem Fenster.
Ransome: So, anscheinend ein Kassiber.
OBrien: Sieht ganz so aus, Herr Direktor.
Ransome: Papier ist das aber nicht.
OBrien: Stoff würde ich sagen, Leinen oder sowas, ein 5 Dollarschein war darin eingewickelt.
Ransome: Ach was, und was steht da, neheilf thcin hci edrew tra eid fua, was soll denn das heißen.
OBrien: Fragen sie mich nicht, ich hab doch nicht studiert, Herr Direktor.
Ransome: Und überhaupt für wen ist dieser Kassiber bestimmt und woher hat der Professor den Stoff und die Tinte, sie haben wohl geschlafen OBrien was, durchsuchen aber gründlich, den Mann, die Zelle alles.

Hatch: Obrein stellte zuerst den Professor auf den Kopf, dann die Zelle und er entdeckte sogar etwas, die Tatsache nämlich, daß unten am weißem Leinenhemd des Gefangenen ein Streifen abgerissen war, das erklärte den Kassiber zum teil, womit die merkwürdige Botschaft geschrieben worden war und was sie bedeuten sollte, dazu fand Obrien keinen Hinweis und der Professor verweigerte hartnäckig die Aussage, OBrien ärgerte sich, Ransome begann sich Sorgen zu machen und wenn er geahnt hätte, was an weiteren seltsamen Ereignissen auf ihn und sein Gefängnis in den nächsten Tagen zukommen würde, wären seine sorgen mit sicherheit noch gestiegen, der Professor mußte seine Sachen ausziehen und wurde in die bekannte gestreifte Anstaltskleidung gesteckt, was ihn nicht abhielt am folgenden Tag, dem dritten seiner Haft, einen neuen Fluchtplan in die Wege zu leiten.

vanDusen: Man hat ihnen doch wohl gesagt, daß ich kein Verbrecher bin.
OBrien: Hat man.
vanDusen: Und daß ich eigentlich gar nicht hier hergehöre.
OBrien: Klar.
vanDusen: Sagen sie mal OBrien, wieviel kriegen sie so im Monat.
OBrien: Fünfzig Dollar und die Dienstwohnung natürlich.
vanDusen: Ja nicht gerade viel, was, haben sie Familie.
OBrien: Drei kinder.
vanDusen: Wie wäre es mit einem netten kleinen Nebenverdienst, ihre Kinder.
OBrien: Tja kommt darauf an wofür.
vanDusen: Sehen sie OBrien, ich bin freiwillig ins Gefängnis gegangen, um auszubrechen.
OBrien: Weiß ich.
vanDusen: Aber jetzt merk ich daß das nicht so einfach ist wie es mir vorgestellt hab.
OBrien: Kann ich mir denken.
vanDusen: Wollen sie mir nicht dabei helfen.
OBrien: Wobei.
vanDusen: Beim ausbrechen.
OBrien: Sie sind wohl nicht ganz.
vanDusen: Fünfhundert Dollar, denken sie an ihre Kinder.
OBrien: Kommt nicht in frage.
vanDusen: 1000 Dollar, sie tun nichts unrechtes, ich bin kein Verbrecher.
OBrien: Nein.
vanDusen: 2000.
OBrien: Auch nicht für 100 000 schluß jetzt.

Hatch: Und damit ging OBrien, stolz geschwellt ob seiner Unbestechlichkeit und er erzählte dem Direktor, wie der Professor ihn in Versuchung hatte führen wollen, dieser begann sogleich unermüdlich und unerschrocken mit Fluchtplan nummer drei, als OBrien ein paar Stunden später wieder nach ihm sehen wollte, hörte er noch auf dem Gang ungewöhnliche Geräusche aus Zelle 13 dringen, er schlich an die Tür, spähte durchs Guckloch, schlicht zurück und holte Ransome.

OBrien: Hören sies.
Ransome: Ja. Schließen sie auf. Und wenn sie auch noch so unschuldig aussehen lieber Professor eben standen sie noch auf ihrem Bett und waren sehr beschäftigt an ihren Fenstergitter wies aussah.
OBrien: Gefeilt hat er, ist doch klar.
Ransome: Und womit hat er gefeilt, zeigen sie mir doch mal, was sie da gerade in ihre Hosentasche gesteckt haben Professor.
vanDusen: Nein.
Ransome: Seien sie vernünftig, sonst lasse ich sie durchsuchen, na also, zwei Metall beschläge von ihren Schuhabsätzen nehm ich an und damit wollten sie das Fenstergitter durchfeilen, sehen sie sich einmal an, was er geschafft OBrien.
OBrien: Nichts zu sehen, Herr Direktor, an einer Stelle ist der Stahl bißchen poliert, das ist alles, so wären sie nie durchgekommen Professor.
vanDusen: O doch.
Ransome: Vielleicht in einem halben Jahr, aber so viel Zeit haben sie nicht, wollen sie nicht aufgeben, Professor, sie haben es jetzt drei mal versucht und jedes mal haben wir sie erwischt, geben sie doch zu, daß sie verloren haben.
vanDusen: Ich denke nicht daran, ich bin noch lange nicht am ende.

Hatch: So ging auch der dritte Tag in Zelle 13 vorüber, ohne daß Professor van Dusen auch nur der Ansatz einer erfolgversprechenden Ausbruchmethode geglückt wäre, so schien es jedenfalls, an der Oberfläche, darunter geschah jedoch so manches, wovon weder Ransome noch OBrien etwas ahnten, zum beispiel daß ich an diesem Tage als aktiver Mitspieler in die Geschichte eintrat, am nachmittag war ein Junge in der Redaktion aufgetaucht mit einer Botschaft, die ich für unsinnig gehalten hätte, wäre sie nicht in der wohlbekannten Handschrift van Dusens abgefaßt gewesen, doch davon später mehr, kehren wir jetzt in die Zelle zum Professor zurück, der vierte Tag ist angebrochen.

vanDusen: OBrien, welches Datum haben wir heute.
OBrien: 20ten.
vanDusen: Den zwanzigsten April, nur noch vier Tage, wer kümmert sich eigentlich um die elektrische Beleuchtung.
OBrien: Kümmert wieso.
vanDusen: Wenn sie mal kaputt ist.
OBrien: Achso, jemand von der Stromgesellschaft.
vanDusen: Hier im Gefängnis gibt es kein Elektriker.
OBrien: Nein, würde sich nicht lohnen.
vanDusen: Ja natürlich, interessant.

Hatch: Am nachmittag hatte Direktor Ransome wieder einmal Veranlassung, höchst aufgeregt in Zelle 13 zu erscheinen, wie immer begleitet vom getreuen OBrien.

Ransome: Streiten sie es nur nicht ab Professor, sie haben eben dem Wächter auf dem Hof einen 5 Dollarschein zugeworfen aus dem Fenster, einen 5 Dollarschein.
vanDusen: Ja ja mag sein.
Ransome: Aber sie haben gar keinen 5 Dollarschein mehr, nur noch zwei 10er.
vanDusen: So.
Ransome: Durchsuchen OBrien, aber gründlich, den Mann, die Zelle, alles.
OBrien: Befehl Herr Direktor, was haben wir denn hier, 12345 fünf Eindollarscheine.
Ransome: Eindollarnoten, das ist doch gar nicht möglich, sonst noch was.
OBrien: Geld meinen sie, ne Herr Direktor.
Ransome: Die Zelle OBrien, bewegen sie sich, Mann, stecken sie ihre Nase in jede Ecke.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Und jetzt zu unser Professor, zwei 10 Dollarscheine müßten sie noch haben und was haben sie, einen 5er und 5 einzelne Dollarnoten.
OBrien: Richtig unheimlich, was Herr Direktor.
Ransome: Suchen sie weiter, finden sie endlich was, wie kommen sie an das Geld Professor.
vanDusen: Das ist meine Sache.
Ransome: Hat vielleicht OBrien.
OBrien: Aber Herr Direktor.
Ransome: Auf Ehre und Gewissen Professor, hat einer meiner Leute ihnen das Geld gewechselt.
vanDusen: Nein.
Ransome: Ja Himmeldonnerwetter.
OBrien: Äh igitt, Verzeihung Herr Direktor, ich faßte gerade in dieses alte Abwasserrohr unterm Bett rein weil ich denk sicher ist sicher, und was finde ich da, eine tote Ratte, so fertig, Herr Direktor.
Ransome: Und außer der toten Ratte haben sie nichts gefunden.
OBrien: Nein Herr Direktor.
Ransome: So, wie sie das alles machen Professor das weiß ich nicht, aber das eine kann ich ihnen sagen, wenn sie als echter Gefangener hier wären, hätten wir das sehr schnell aus ihnen rausgeholt, was OBrien.
OBrien: Klar Herr Direktor dritter grad und er singt wie ne Nachtigall.
Ransome: Und noch eins will ich ihnen sagen Professor, zaubern sie ruhig weiter mit ihren Geldscheinen, Kassibern und was sonst noch, raus kommen sie auf diese weise nicht, dafür werde ich sorgen, kommen sie OBrien.

Hatch: Und als der vierte Hafttag des Professors in den fünften überging, wurde der wohlverdiente, in letzter Zeit sowieso etwas unruhige Schlaf des Gefängnisdirektors gestört ja erschüttert durch einen langgezogenen entsetzlichen Schrei.

Ballard: Neeeiiin.

Hatch: Wie sofort angestellte Nachforschungen ergaben, stammte der Schrei von einem Untersuchungsgefangenen namens Ballard, der unter Mordverdacht einsaß übrigens genau zwei Stockwerke über Zelle 13.

Ballard: Laßt mich raus, laßt mich raus, ja ja ja ich hab sie umgebracht, ich hab ihr Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, ich gestehe, ich gestehe alles, aber laßt mich raus, laßt mich bloß hier raus.
OBrien: Regen sie sich ab Ballard.
Ransome: Was ist denn passiert.
Ballard: Die Stimme, ihre Stimme, ich habe sie gehört, dumpf wie aus dem grab, sie hat nach mir gerufen, Säure, Säure hat sie gesagt, Säure ganz deutlich.
Ransome: Säure.
Ballard: Ja und dann hat sie noch mehr gesagt, aber das meiste davon habe ich nicht verstanden.
Ransome: So was denn.
Ballard: Es hörte sich an wie Kopfgröße 60.
Ransome: Kopfgröße 60.
OBrien: Der spinnt doch Herr Direktor.
Ballard: Und dann wieder Säure, bringen sie mich hier raus.
OBrien: Komische Geschichte, ob unser Professor damit irgendetwas zu tun hat.
Ransome: Ich weiß es nicht OBrien, ich weiß überhaupt nichts mehr.

Hatch: Ansonsten verlief der fünfte Tag ohne Zwischenfälle und der sechste ebenfalls, Professor van Dusen hielt sich vorzugsweise am Fenster seiner Zelle auf und sah, wie es schien, mit sehnsüchtiger Melancholie hinaus in die Freiheit, sein Spezialgefangener habe alle Ausbruchsversuche aufgegeben meinte OBrien, Ransome war davon noch nicht so recht überzeugt, als aber auch der größte Teil der sieben Tages vorüber gegangen war, ohne daß etwas unvorhergesehenes passierte, kam auch er allmählich zur Ruhe, zur Ruhe vor dem Sturm wie sich herausstellte, denn nach Sonnenuntergang überschlugen sich die Ereignisse im Chisholmgefängnis und vor allem im Büro seines Direktors.

Ransome: Ja.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: OBrien, was ist los.
OBrien: Eine von unseren Bogenlampen auf dem Hof tuts nicht mehr Herr Direktor, eben ist der Wächter zu mir gekommen und hats gemeldet.
Ransome: Auf welcher Seite.
OBrien: Zum Fluß hin.
Ransome: Also wo Zelle 13 liegt.
OBrien: Genau Herr Direktor, seit dieser Prof. bei uns ist passiert doch immerzu was.
Ransome: Ach unsinn OBrien, hallo hallo Fräulein, geben sie mir die vereinigte Licht und Stromgesellschaft, nur die Nerven behalten OBrien, hallo, ja hier Ransome, Chisholmgefängnis, bei uns ist eine Lampe ausgefallen, eine von den elektrischen Bogenlampen auf dem Hof, können sie uns so schnell wie möglich irgendjemand zum reparieren herschicken, gut ich sage am Haupttor bescheid, da kommt gleich ein Arbeitstrupp vom Elektrizitätswerk OBrien.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian, ich habe jetzt absolut keine Zeit.
Vivian: Vielleicht siehst du dir aber trotzdem mal diesen Brief an, Expreßeinschreiben gerade gekommen.
Ransome: Na gibs schon her, lieber Ransome nicht vergessen heute abend 9 Uhr bei Chirico bis dann ihr van Dusen, ja das ist doch.
Vivian: Das ist seine Handschrift Tom, ich kenne sie.
Ransome: Heute vormittag im Hauptpostamt New York abgestempelt, was stehen sie hier noch rum OBrien, los los Zelle 13 aber dalli.
OBrien: Bin schon weg Herr Direktor.
Vivian: Wie gehts ihm übrigens dem armen Professor.
Ransome: Wie gehts ihm dem armen Professor, wie gehts ihm, wies ihm geht, was weiß ich wie es ihm geht, entschuldige Vivian ich bin wohl ein bißchen überarbeitet störe mich bitte jetzt nicht mehr.

Hatch: Zehn minuten lang kaute Ransome nervös auf seinen Fingernägeln herum und starrte durchs Fenster auf den Gefängnishof und das Haupttor, dann war OBrien wieder zur stelle.

OBrien: Machen sie sich keine Sorgen Herr Direktor, alles in ordnung in Zelle 13, der Professor ist noch da, hat sich hingelegt, jetzt möchte ich aber doch gerne wissen.
Ransome: Wenn sie fragen wollen, OBrien wie der Professor in der Zelle sitzen und gleichzeitig im Hauptpostamt einen Brief aufgeben kann, dann tun sie es ruhig aber draußen, verstehen sie draußen.
OBrien: Verzeihung Herr Direktor.
Ransome: Was wollen sie denn schon wieder.
OBrien: Ganz vergessen Herr Direktor, Haupttor hat angerufen die Elektriker sind da.
Ransome: So wie viele sinds denn.
OBrien: Fünf Figuren Herr Direktor.
Ransome: Passen sie auf, daß auch nur fünf wieder rausgehen wenn sie fertig sind.
OBrien: Keine Angst Herr Direktor, wir wissen doch bescheid, wir haben ihre Pässe gekriegt wie immer und geben sie nachher wieder ab, Routine Herr Direktor.
Ransome: Routine routine gibts bei uns nicht obrien immer wachsam bleiben.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.

Hatch: OBrien blieb wachsam im Vorzimmer, Ransome grübelte hinter seinem Schreibtisch und die Elektriker arbeiteten im Hof, die zeit verging, es schlug acht Uhr.

OBrien: Schon wieder das Haupttor Herr Direktor, zwei Herren wollen sie sprechen.
Ransome: Um diese Zeit, wer ist es denn.
OBrien: Ein Mister Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker mit einem Kollegen.
Ransome: Achso, merken sie sich ein für allemal OBrien, Journalisten sind keine Herren, andererseits.
OBrien: Rausschmeißen Herr Direktor.
Ransome: Andererseits wollte ich sagen, vertreten sie die Öffentlichkeit und ein bescheidener Diener eben dieser Öffentlichkeit hat der Presse immer und überall rede zu stehen, vor allem wenn demnächst Bürgermeister und Stadträte gewählt werden, dann lassen sie also rauf kommen Obrien.
OBrien: In Ordnung Herr Direktor.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian schon wieder.
Vivian: Auf die gefahr hin dich wieder zu stören, hast du daran gedacht daß wir heute abend eingeladen sind, in einer knappen Stunde wollten wir bei die Chirico sein und du bist noch nicht mal angezogen, soll John dir den Frack heraus.
Ransome: Dafür habe ich jetzt beim besten willen keine Zeit Vivian, außerdem glaube ich kaum daß unser Gastgeber heute abend erscheinen kann, also sei so gut.
OBrien: Hier sind sie Herr Direktor, die Journalisten.
Ransome: Guten abend Mr Hatch wir kennen uns ja wohl.
Hatch: Und meinen sogenannten Kollegen kennen sie auch Mister Ransome.
vanDusen: Sie sind noch hier Ransome, waren wir nicht verabredet, 9 Uhr bei chirico.
Vivian: Der Professor.

Hatch: Und dann, ohne ein einziges weiteres Wort raste Ransome los richtung Zelle 13, seine Frau und OBrien folgten ihm auf dem fuße, wir, der Professor und ich ließen es ruhiger angehen, schließlich wußten wir, was uns in Zelle 13 erwartete.

Ransome: Schlagen sie das Bett auf, OBrien, machen sie schon.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.
Ransome: Eine Attrappe.
vanDusen: Hahahahaha die einfachste Sache von der Welt lieber Ransome, eine zusammengerollte Decke, dazu eine geschickt applizierte Perücke.
Ransome: Perücke, wie um alles in der Welt.
Vivian: Und dieses häßliche gelbe Ding haben sie für den markanten Haarschopf unseres Professor gehalten, schämen sie sich OBrien.
vanDusen: Ja schämen sie sich, aber vorher rütteln sie bitte mal am Fenstergitter.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: Los los rütteln sie.
OBrien: Durchgefeilt.
Ransome: Durchgefeilt jawohl die sache wird für sie noch ein nachspiel haben obrien.
OBrien: Aber Herr Direktor ich habe doch alles getan.
vanDusen: Lassen sie den armen OBrien in Ruhe Ransome, gratulieren sie mir lieber, die Wette ist gewonnen.
Vivian: Wie haben sie das gemacht Professorchen, kommen sie, erzählen sies uns.
vanDusen: Sehr gerne gnädigste, aber bitte nicht hier, auch wenn mir die Zelle 13 fast ein bißchen ans Herz gewachsen ist, könnte ich mir trotzdem eine angenehmere Umgebung vorstellen.
Hatch: Unsere Droschke wartet doch vor dem Haupttor.
vanDusen: Also auf zu Chirico.

Hatch: Nach einem vorzüglichen dinner, das Mister und Misses Ransome in ihrer Ungeduld allerdings kaum zu würdigen wußten, war es dann endlich soweit, der Professor machte sich bereit mit meiner Assistenz das Geheimnis von Zelle 13 zu lüften.

vanDusen: Ober.
Oberkellner: Mein Herr.
vanDusen: Sie können abräumen, und wenn sie damit fertig sind, servieren sie uns den Champagner, denken sie aber daran, ihn Mr Ransome in Rechnung zu stellen.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Vorher bringen sie den Herrn von ihren besten kubanischen Importen, sie gestatten gnädige Frau.
Vivian: Ich gestatte ihnen fast alles Professor, wenn sie mir jetzt endlich erzählen wie sie das Ding gedreht haben.
Ransome: Vivian.
Vivian: So sagt man doch wohl in Verbrecherkreisen, wie sind sie plötzlich mit Mr Hatch am Tor aufgetaucht, wenn sie eben noch in ihrer Zelle waren.
vanDusen: Alles schön der Reihe nach gnädige Frau, lassen sie mich die Geschichte auf meine Art erzählen.

Hatch: Und das tat er denn auch, er erzählte von ersten vagen Fluchtplänen noch bevor er die Zelle gesehen hatte, er berichtete wie er Zelle 13 sorgfältig untersucht und dabei das Rattenloch, den Ausgang des nicht mehr benutzten Abwasserrohrs entdeckt hatte, das nach seiner Vermutung und gewissermaßen nach Auskunft der Wasserratten in der Nähe des Flußes enden mußte, wahrscheinlich auf dem Baseballplatz, er erzählte weiter von seinen Schlußfolgerungen, daß nämlich der einzige erfolgversprechende Fluchtweg aus der Zelle durch das Fenster ging und daß er versuchen mußte, durch die alte Wasserleitung einen Helfershelfer draußen anzulernen.

vanDusen: Dies zu bewerkstelligen meine Herrschaften, erwies sich als nicht allzu schwierig, zunächst einmal brauchte ich einen langen Faden, den erhielt ich, indem ich meine Strümpfe aufreufelte, dann schrieb ich einen Brief.
Ransome: Worauf.
vanDusen: Ganz einfach, auf einem Stück Leinen, bevor sie mir mein weißes Hemd wegnehmen ließen hatte ich ein zweites Stück abgerissen und während der Durchsuchung im Mund versteckt, ich schrieb also einen Brief.
Ransome: Womit, sie hatten doch keine Tinte.
vanDusen: Aber natürlich hatte ich Tinte, sie haben sogar selbst dafür gesorgt Ransome, indem sie freundlicherweise meine Schuhe putzen ließen, schwarze Schuhwichse in Wasser aufgelöst ist ein hervorragender Tintenersatz.
Vivian: Genial.
vanDusen: Als Feder benutzte ich die Metallspitze meines Schnürsenkels.
Ransome: Damit haben sie also auch dem Kassiber geschrieben.
vanDusen: Natürlich.
Vivian: Und was.
vanDusen: Später gnädigste alles zu seiner Zeit, ich schrieb also den Brief und dann fing ich eine Ratte.
Vivian: Ih.
vanDusen: An ihr linkes Hinterbein wenn ich mich recht erinnere, band ich den Brief nebst einer 10 Dollarnote, an das rechte Bein den langen Seidenfaden, dessen anderen Ende ich in der hand behielt, nachdem ich dies alles vorgenommen hatte, jagte ich das Tier durch die Leitung, da mir die Verhaltensweise von Ratten sehr genau bekannt ist ging ich davon aus, daß mein unfreiwilliger Kurier unter freiem Himmel angekommen sich sogleich durch Nagen von dem lästigen Brief sowie vom Faden befreien würde.

Hatch: So geschah es und es geschah auch was der Professor weiter vermutet hatte, ein baseballspielender aufgeweckter Knabe entdeckte den Brief und da ihm darin noch einmal zehn Dollar versprochen wurden, wenn er die Botschaft an mich ablieferte, tat er dies auch, ich witterte gleich eine story, ließ mich von dem Jungen zum baseballplatz führen und fand dort nach längerem Suchen den Ausgang des Abwasserrohrs und das Ende des Fadens, die Verbindung war hergestellt, wie der Professor es mir aufgeschrieben hatte, band ich ans Ende zuerst einen Bindfaden und daran wieder eine starken Draht, damit hatten der Professor und ich eine Art Seilbahn installiert, über die ich ihm alles zukommen lassen konnte, was er wünschte und was durch das Rohr paßte.

vanDusen: Das alles ging in der nacht vom dritten zum vierten Hafttag vor sich, schon vorher hatte ich damit begonnen, von meiner eigentlichen Aktivitäten abzulenken, ich bot OBrien Geld an.
Ransome: Ach so der Bestechungsversuch und das Sägen am Gitter.
vanDusen: Reines Ablenkungsmanöver, ich wundere mich übrigens, lieber Ransome daß sie mir so viel Plumpheit zugetraut hatten.
Vivian: Dieser berühmte Kassiber war natürlich auch nur Tarnung, nicht wahr.
vanDusen: Sie haben es erraten Gnädigste.
Vivian: Und was darauf stand, sollte das überhaupt was bedeuten, zeigt doch mal her Tom, nehe ilf thcin hciedrew traese id fua, das ist doch Unsinn.
vanDusen: Oh nein, lesen sie es doch einfach einmal andersherum von hinten nach vorne.
Vivian: Auf die art werde ich nicht fliehen, auf diese art werde ich nicht fliehen, achso.
vanDusen: Ein kleiner Scherz nichts weiter, zurück zum wesentlichen, meine Herrschaften, Mister Hatch schickte mir über unsere Rohrpost was ich bestellt hatte, vor allem Geld und Schreibmaterial, die Schuhwichse konnte ja nicht ewig reichen, vorher versuchten wir allerdings uns akustisch zu verständigen, ich rief Hatch zu, daß ich Säure brauchte, Salpetersäure und eine Perücke möglichst Kopfgröße 60.
Ransome: Ah, das war also Ballards Geisterstimme, die ihm aus dem grab ins gewissen redete.
vanDusen: Davon weiß ich nichts, ich weiß nur daß irgendwo im Gefängnis jemand laut zu schreien anfing, daraufhin gaben wir das Rufen auf und verkehrten in Zukunft nur noch schriftlich, mit gutem Erfolg.

Hatch: Und der Professor erzählte weiter wie er die Dinge die ich ihm nachts in die Zelle schickte, hinten im Rohr verbarg da wo er auch das Ende des Drahtes befestigt hatte und zwar so daß er es gerade noch mit seinen langen Fingern erreichen konnte und wie er zu allem Überfluß noch eine tote Ratte davor legte, er erzählte wie er am fünften sechsten und siebten Tag während er scheinbar geistesabwesend aus dem Fenster starrte, ätzende Salpetersäure auf die Nahtstellen zwischen Gitter und Wand auftrug, wie er am abend des siebten Tages das gelöste Gitter herausnahm und die elektrische Leitung der Bogenlampe neben dem Fenster ebenfalls mit Salpetersäure behandelte, wie er nach Ausfall der Lampe aus dem Fenster kletterte, das Gitter vorsichtig wieder einsetzte und sich dann in der Dunkelheit versteckte.

Hatch: Dann kam ich nach Chisholm im Arbeitsanzug mit den Elektrikern, das war kein Problem, mein vater ist ein wichtiger aktionär der gesellschaft, ich fand den Professor im dunklen Hof, gab ihm den mitgebrachten Overall und den Paß eines unserer Leute und ging dann mit ihm durchs Tor, um wie wir der Wache sagten, Handwerkszeug aus dem Wagen zu holen, meine Droschke stand in der nähe, wir zogen uns um, wobei der Professor so vorsichtig war den Kragen hochzuschlagen und den Hut in die Stirn zu ziehen, dann gingen wir zurück zum Tor, ließen uns melden, überquerten den Hof, traten in ihr Büro Ransome.
vanDusen: Und voila da war ich dann also nach sieben Tagen aus der Todeszelle.
Vivian: Bravo.
Ransome: Eigentlich ganz einfach.
Hatch: Wenn mans weiß.
vanDusen: Und gewußt wie, darauf kommts an.
Ransome: Aber wenn nun zufällig kein Rattenloch da gewesen wäre.
Vivian: Tja und wenn sie Mister Hatch nicht erreicht hätten.
vanDusen: Dann liebe freunde säßen wir jetzt nicht minder fröhlich beisammen, ich hätte nämlich noch zwei weitere bombensichere Ausbruchsmethoden.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Und somit erkläre ich Professor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin und so weiter und so weiter, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften noch einmal feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist, ich habe es bewiesen.
Ransome: Zum Wohl.
Vivian: Auf Professor van Dusen.
Hatch: Auf Celle 13.
vanDusen: Und auf das sicherste Gefängnis der Welt.
Ransome: Ober, die Rechnung.

Hatch: Und so endete die Geschichte von der Denkmaschine und der Todeszelle wie es sich für eine gute Geschichte gehört in allgemeinem Wohlgefallen.

Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Georg Corten Thomas Ransome, Gefängnisdirektor
Eva Manhardt Vivian Ransome, seine Frau
Dieter Ranspach OBrien, Gefängniswärter
Ortwin Speer Oberkellner/Ballard, Gefangener

Michael Koser: Professor van Dusen – Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Scarlet Thread)

Hatch: Ja Moment, ich muß erst den Satz zu ende schreiben, ja bitte.
Henley: Hallo.
Hatch: Ja.
Henley: Spreche ich mit Mister Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker.
Hatch: Ja und wer sind sie.
Henley: Oh natürlich verzeihen sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern sie sich noch an mich.
Hatch: Oh ja ich erinnerte mich an ihn, aus den guten alten Zeiten als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange, und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtspartys und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mister Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten aber aufgefallen war er mir, ein flotter junger Mann, der mehr Geld ausgab als gut für ihn war und mehr Whisky trank als er vertragen konnte, Junggeselle Tennisspieler Schürzenjäger und weil ein Mensch von heute auch ein zeitgemäßes Hobby haben muß Amateurfotograf, später als ich Gerichtsreporter beim daily new yorker geworden war, hatte ich Henley aus den augen verloren, dicke freunde waren wir sowieso nie gewesen und jetzt nach gut drei jahren meldete er sich wieder, was wollte er von mir.

Henley: Was ich von ihnen will, das ist nicht so leicht zu erklären.
Hatch: Ja vielleicht versuchen sie es trotzdem.
Henley: Ja also.
Hatch: Ja.
Henley: Sie haben doch viel mit Verbrechen zu tun nicht wahr, sie schreiben doch immer diese Artikel über Räuber und Mörder.
Hatch: Völlig richtig alter Freund, was ist los.
Henley: Ich weiß nicht.
Hatch: Dahinter steckt doch eine story, zieren sie sich nicht mann, packen sie aus.
Henley: Nein nein so geht das nicht, sie müssen mir versprechen daß nichts von dem was ich ihnen sage, in die Zeitung kommt, ich halte sie für einen gentleman auch wenn sie Journalist sind.
Hatch: Danke sehr.
Henley: Tschuldigung so war das nicht gemeint.
Hatch: Schon gut.
Henley: Also geben sie mir ihr Ehrenwort.
Hatch: Ja wenn es unbedingt sein muß, bitte sehr ich werde schweigen wie das sprichwörtliche grab, so und was haben sie jetzt auf dem herzen.
Henley: Ja kurzgesagt ich habe grund zu der annahme daß ich ermordet werden soll.
Hatch: Was sie nicht sagen, ja waren sie schon bei der polizei.
Henley: Polizei nein auf keinen Fall, die Sache ist wie soll ich mich ausdrücken, ein bißchen merkwürdig, ich bin mir auch nicht ganz sicher.
Hatch: So naja wie sie wollen, es ist ihre beerdigung, das heißt hoffentlich nicht, aber mir ist immer noch nicht klar, was ich dabei für sie tun kann.
Henley: Ja ja ja ich dachte.
Hatch: Sie dachten.
Henley: Kennen sie nicht diesen Professor, ich meine den Privatdetektiv, der die schwierigen Mordfälle löst.
Hatch: Falls sie Professor van Dusen meinen, ja den kenne ich, ziemlich gut sogar, lassen sie sich übrigens einen guten Rat geben, Henley, nennen sie ihn niemals Privatdetektiv, Professor Doktor Doktor Doktor van Dusen genannt die denkmaschine legt großen wert auf die Bezeichnung Amateurkriminologe.
Henley: Ist das nicht dasselbe.
Hatch: Würde ich nicht sagen, außerdem übernimmt Professor van Dusen nur ganz besonders interessante und komplizierte Fälle.
Henley: Eben, deshalb wende ich mich an sie Hatch, würden sie mich bei van Dusen einführen.
Hatch: Ich weiß nicht recht.
Henley: Ach bitte.
Hatch: Ich kann ja mal versuchen einen Termin zu bekommen.

Hatch: Gutmütig wie ich bin, sagte ich ja und setzte damit ohne es zu ahnen eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die sich zu einem der merkwürdigsten und undurchsichtigsten Fälle in der Laufbahn des Professors entwickeln sollte, zu dem geheimnisvollen Fall des roten Fadens, wie er selbst ihn später nannte, ich für meinen teil ziehe den Titel Mord bei Gaslicht vor, das klingt mehr nach Schlagzeile und auf Schlagzeilen verstehe ich mich ausnahmsweise besser als van Dusen, doch dies nur nebenbei, ich setzte mich wie versprochen mit dem Professor in verbindung, machte noch für diesen abend einen Termin für einen Besuch mit ihm aus und stellte mich pünktlich um 8 Uhr bei ihm ein, mit Mister Weldon Henley im schlepptau.

vanDusen: Man hat also einen Anschlag auf ihr leben ausgeführt.
Henley: Einen, drei Anschläge Professor van Dusen, dreimal hat jemand versucht mich umzubringen.
vanDusen: Gleich dreimal, interessant, das zeugt von einer gewißen Beharrlichkeit des unbekannten Täters, wann.
Hatch: Und von seinem Pech, entschuldigung.
vanDusen: Wann und wo haben diese Anschläge stattgefunden, Mr Henley.
Henley: In den letzten zwei Wochen Professor, in meinem apartment.
vanDusen: In ihrem appartement so, und wo befindet sich ihr apartment.
Henley: Park avenue im sogenannten Drohnenhaus, kennen sie es.

Hatch: Natürlich kannten wir das Drohnenhaus, ein hypermoderner fünfstöckiger Wohnblock in der besten Gegend der Stadt, aufgeteilt in apartements, welche jungen Ehepaaren und alleinstehenden Herren mit gehobenen Ansprüchen für einen angemessenen Mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung boten, desgleichen himmlische Ruhe sowie allen Komfort unseres jungen zwanzigsten Jahrhunderts, zentrale Heizung, Lift, Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, so ungefähr stand es im Prospekt und hier wohnte also Mister Weldon Henley in einem kleinen bescheidenen Junggesellenapartment von fünf Zimmern wie er sagte.

Henley: Naja, ein Zimmer benutze ich übrigens als Dunkelkammer für meine fotografischen Arbeiten, denen ich einen teil meiner zeit widme.
vanDusen: Ach das ist interessant aber um auf die mordanschläge zurückzukommen.
Henley: Ja natürlich, es fing alles damit an, daß ich eines nachts im Bett lag und das Gaslicht in meinem Schlafzimmer brennen ließ, wie ich es gewöhnlich zu tun pflegen, ich bin nämlich einwenig nervös und ich kann bei völliger dunkelheit nicht einschlafen
vanDusen: Ach ja und.
Henley: Ja mitten in der nacht wachte ich auf, es war finster, die Lampe war ausgegangen, im Zimmer roch es durchdringend nach Gas, entsetzt sprang ich aus dem Bett, ich konnte gerade noch das Fenster erreichen und weit aufreißen, sonst wäre ich mit Sicherheit umgekommen, ja das war das erste mal.
vanDusen: So die flamme war erloschen das gas strömteaus und wann geschah das.
Henley: Vor ja vor genau 14 Tagen, am 17 juni 1902.
vanDusen: Es fällt mir schwer Mr Henley in dem Vorfall einen bewußten Mordversuch zu sehen, ein plötzlicher Luftzug oder auch eine vorübergehende Verminderung des Gasdrucks kann das Licht gelöscht und das Gas zum ausströmen gebracht haben, ein Zufall, Mr Henley, unangenehm für sie, vielleicht sogar gefährlich aber kaum ein regelrechter Mordanschlag.
Henley: Ein Zufall ja, das dachte ich anfangs auch Professor, aber dann zwei Tage später geschah genau dasselbe.

Hatch: Und da sagte uns Henley wurde er denn doch unruhig und die unruhe steigerte sich zur besorgnis als er in der nacht zu gestern zum dritten mal fast ein opfer des gaslichtattentäters geworden wäre, wieder war die Flamme der Nachtbeleuchtung auf mysteriöse weise erloschen, wieder strömte giftiges Gas ins Zimmer und nur die Tatsache daß er spätnachts noch von einem Freund angerufen wurde rettete Henley vor dem sicheren Tod, jetzt sagte Henley bekam er Angst, das konnten wir ihm nicht verdenken.

Henley: Letzte nacht habe ich kein Auge zugetan, Professor.
vanDusen: Durchaus verständlich, und.
Henley: Nichts, nichts ist passiert, kein Mordversuch, gar nichts, genau wie vor ein paar Tagen als ich mich wach hielt, um das Gaslicht zu beobachten, es blieb die ganze nacht brennen, ruhig und ohne Störungen.
vanDusen: Erstaunlich, ihre Wohnungstür.
Henley: Fest verriegelt und verschlossen jede nacht.
vanDusen: Wer hat einen Schlüssel außer ihnen.
Henley: Niemand Professor, nicht einmal meine Verlobte.
vanDusen: Ach sie sind verlobt.
Hatch: Cherchez la femme.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Excusement.
Henley: Das heißt ich bin noch nicht offiziell verlobt, Miss Delarue und ich, wir wollen unsere Verbindung in den nächsten Tagen bekannt geben.
vanDusen: Ich versteh, ich verstehe, ihr Schlafzimmerfenster war ebenfalls geschlossen.
Henley: Wie.
vanDusen: Ihr Schlafzimmerfenster.
Henley: Das Fenster wird nachts nie geöffnet bei Zug kann ich nämlich nicht schlafen.
vanDusen: Ah ja und die Gasleitungen im hause.
Henley: Ich glaube, die werden regelmäßig überprüft.
vanDusen: Wie schön.
Henley: Ich kann mir das alles nicht erklären Prof, die Sache ist einfach unmöglich.
Hatch: Ach, also das hätten sie nicht sagen sollen Mr Henley.
vanDusen: Unmöglich, nichts ist unmöglich Mr Henley, es gibt für alles eine Erklärung, auch für die merkwürdigen Vorfälle in ihrem apartment und diese Erklärung läßt sich finden Mr Henley, so sicher wie 2 + 2 4 ist, wenn es nach mir ginge, Mr Henley, würde das Wort unmöglich ersatzlos gestrichen und aus unserem Sprachschatz verbannt werden, verstehen sie mich Mr Henley.
Henley: Ja schon sozusagen aber ich.
vanDusen: Gut gut, ihr Problem interessiert mich, ich Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, fühle mich herausgefordert, nein nicht von ihnen Mr Henley, von jenem unbekannten, der sich offenbar in den Kopf gesetzt hat, sie mittels ihrer Gasbeleuchtung ins jenseits zu befördern, ich werde mich seiner annehmen, das verspreche ich ihnen, vorerst empfehle ich ihnen des nachts ihre Finger vom Gaslicht zulassen und falls es ihnen unmöglich ist bei völliger Dunkelheit zu schlafen, kaufen sie sich eine Petroleumlampe, sobald es meine zeit erlaubt werde ich ihr apartment einer durchsicht unterziehen, vielleicht schon morgen und ich werde über den Fall nachdenken.

Hatch: Wie es sich ergab, hatte der Professor nicht allzu viel Zeit um über den Fall nachzudenken, schon am nächsten vormittag flatterte mir nämlich eine hochinteressante Agenturmeldung auf den Schreibtisch, moment, ja hier ist sie, mysteriöser Todesfall im Drohnenhaus, Gasvergiftung, Zofe tot aufgefunden, ich rief sofort Professor van Dusen an, obwohl er es bekanntlich gar nicht schätzte andere Organe als sein phänomenales Gehirn zu strapazieren, hielt er die Sache doch für merkwürdig genug, um sich mit mir gleich zum Schauplatz des Geschehens zu begeben, vielleicht fühlte er sich auch verantwortlich für Henley, der sich schließlich an ihn um Hilfe gewandt hatte, denn daß zwischen dem mysteriösen Todesfall im Drohnenhaus und den Anschlägen auf Henley am gleichen Ort ein Zusammenhang bestand, daran konnte man wohl nicht zweifeln.

Caruso: Zuerst machen wir eine Aufnahme vom Zimmer, klar und dann die Leiche, erst von hier, ungefähr so, moment mal, was hat sie denn hierher verschlagen, Professor, seit wann interessiert sich die Denkmaschine für Routinefälle.
vanDusen: Immer dann wenn sie den Verdacht hat es handele sich eigentlich gar nicht um einen Routinefall.
Caruso: Ach Unsinn Professor, kein problem, kein geheimnis, alles sonnenklar.
Hatch: Kann ich das zitieren Caruso.
Caruso: Klar können sie.
Hatch: Sonnenklar so nennt Detektiv Sergeant Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei den Todesfall, der sich in der nacht zum 2 Juli 1902 in einem Luxus-apartment des sogenannten Drohnenhauses ereignet hat, bei der Toten handelt es sich um wen, Caruso.
Caruso: Ellis Briggs, Engländerin, 26 Jahre, Zofe bei der Familie Kortline, war allein in der Wohnung, ihre Herrschaft ist in Europa.
Hatch: Aha und Todesursache.
Caruso: Gasvergiftung, ganz eindeutig, Gaslicht aufgedreht aber nicht entzündet, türen und fenster von innen verschlossen, und das mr hatch kann nur bedeuten daß.
Hatch: Und daß meint Caruso kann nur bedeuten.
Caruso: Selbstmord, ohne jeden zweifel und damit hat Detective Sergeant Caruso.
Hatch: Detective Sergeant Caruso.
Caruso: Wieder einmal.
Hatch: Wieder einmal, ja weiter.
Caruso: Und so weiter und so weiter, sie wissen ja wie man sowas schreibt.
Hatch: Ja natürlich, und damit hat detektive sergeant caruso ohne rast und ruh tätig im dienste der bürger seinen allseits bekannten scharfsinn wieder einmal unter beweis gestellt, so etwa.
Caruso: Prima Mr Hatch, sie sehen Prof, der Fall ist gelöst, sie werden nicht gebraucht.
vanDusen: Meinen sie, haben sie etwas dagegen, wenn ich mich trotzdem ein bißchen umsehe.
Caruso: Nein, natürlich nicht.

Hatch: Der ebenso unermüdliche wie scharfsinnige Detective Sergeant Caruso hatte natürlich nichts dagegen, schließlich wußte er genau, was er dem Professor zu verdanken hatte, wie oft war van Dusen ihm zu hilfe gekommen, wenn wieder einmal die wackere new yorker polizei mit eifer aber ohne jeden Erfolg einem geheimnisvollen Mörder nachgespürt hatte, Eifer zeigten Caruso und seine Mannen übrigens auch jetzt, sie suchten, sie vermaßen, sie fotografierten, sie ackerten ohne rast und ruh und vergaßen dabei nur eins, das nachdenken, das besorgte an ihrer Stelle Professor van Dusen, er wandelte im Apartement auf und ab, ziellos wie es schien, stöberte hier und da ein bißchen herum, sah sich die Düsen der Gasbeleuchtung an und macht bei alledem einen uninteressierten fast gelangweilten Eindruck, Caruso, der den Professor anfangs mißtrauisch im Auge behalten hatte, achtete bald nicht weiter auf ihn, aber ich kannte den Prof. besser und wußte daß er gerade dann hellwach und höchst konzentriert war wenn er wie ein Schlafwandler wirkte.

vanDusen: Caruso.
Caruso: Ja Prof.
vanDusen: Ich vermisse einen Abschiedsbrief der Toten.
Caruso: Abschiedsbrief.
vanDusen: Ja.
Caruso: Keiner da Prof.
vanDusen: Was denn, kein Abschiedsbrief.
Caruso: Nein.
vanDusen: Soso, an ihrem sonnenklaren Fall ist einiges merkwürdig, finden sie nicht auch.
Caruso: Ach was, alles deutet auf Selbstmord, das ist die einzig mögliche Erklärung, machen sie doch nicht aus jeder Kleinigkeit ein Geheimnis.
vanDusen: Wie es scheint, irritieren wir die Herren von der Kriminalpolizei, kommen sie Hatch, gehen wir.
Hatch: Ja wohin denn Professor.
vanDusen: Ich möchte dem Hausverwalter einige Fragen stellen.

Hatch: Wir fuhren mit dem Lift ins Erdgeschoß, wo sich gleich links von der großen Eingangshalle das moderne Büro der Hausverwaltung befand und darin hinter seinem modernen Schreibtisch befand sich der Hausverwalter, ein moderner wenn auch nicht mehr ganz junger Mann, modern gekleidet vom Gummikragen bis zu den gelben Zugstiefeln, die er uns auf der Schreibtischplatte präsentierte, obwohl er durch die Pflichten moderner Hausverwaltung natürlich voll und ganz in Anspruch genommen war, ließ er sich doch herab uns ein paar seiner kostbaren Zeit zu opfern.

Crippen: Sagen sie nichts, meine Herren, ich sehe es ihnen an, sie suchen eine Wohnung, ich gratuliere, sie sind an die richtige stelle gekommen, sie sind Menschen von heute, moderne Menschen, ich sage immer, moderne Menschen sollen auch modern wohnen und wo, meine herren wohnt man modern, in den apartments dieses Hauses, welches jungen Ehepaaren und alleinstehende Herren mit gehobenen ansprüchen für einen angemessenen mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung bietet, desgleichen himmlische Ruhe, sowie allen modernen komfort, zentralheizung.
Hatch: Jetzt halten sie mal die luft an und hören uns einen moment zu, der Herr hier ist Professor van Dusen, der berühmte Prof.van Dusen, er hat ein paar fragen an sie.
vanDusen: Im zusammenhang mit dem Tod von Alice Brix in apartment 34.
Crippen: Ah die Zofe von Mr Kordland, böse Geschichte, schlecht fürs Geschäft, ich sage immer, leiche im haus treibt mieter raus, ist gut was.
vanDusen: Wenn sie mir jetzt freundlicherweise meine fragen beantworten würden.
Crippen: Selbstredend, Professor, fragen sie nur, fragen sie flott drauf los, ich sage immer frisch gefragt ist halb.
vanDusen: In ihrem Prospekt Mr.
Crippen: Mr Crippen, sagen sie ruhig Pete zu mir.
vanDusen: In ihrem Prospekt, Mr Crippen steht Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, nun nehm ich doch an, daß die meisten ihrer Mieter als moderne Menschen sich für Elektrizität entschieden haben, andererseits benutzt man im apartment der kortlands Gasbeleuchtung.
Crippen: Ein beklagenswerter Rückschritt, sie haben ja so recht, es gibt eben immer einige wenige, die sich den Erfordernissen der modernen Zeit verschließen, die sich vom alten überlebten nicht trennen können, ich sage immer.
vanDusen: Wer noch.
Crippen: Bitte.
vanDusen: Wer außer den Kortlands brennt hier im Hause noch Gas.
Crippen: Warten sie mal, da ist apartment 12a, Mr Bruce Partington, reizender alter Herr übrigens, ja und Mr Henley in 36.
vanDusen: Das wollte ich wissen, 36 sagten sie, Mr Henleys apartment liegt also auch im dritten Stock.
Crippen: So ist es.
vanDusen: Neben dem apartment der Körtlands.
Crippen: Ja und nein, sehen sie Professor bei uns gibt es in jedem Stockwerk eine große Halle, eine Art Foyer, rechts neben dieser Halle im dritten Stock liegt das körpland apartment, links das von Mister Henley, so ist das.
vanDusen: Aha, existiert irgendwo ein Haupthahn für die Gasleitung.
Crippen: Aber sicher im Keller, gleich neben der Heizung.
vanDusen: Es ist also möglich, jedes Gaslicht im Hause zu löschen, indem man den haupthahn abdreht.
Hatch: Ach so also, sie meinen, jemand stellt das gas ab spät in der nacht und wenn die flammen ausgegangen sind, stellt er es wieder an, geniale Idee Professor, das würde die Sache erklären.
Crippen: Ich verstehe kein Wort, wieso soll jemand.
vanDusen: Bitte beantworten sie meine frage.
Crippen: Naja theoretisch ging das schon, aber aber praktisch ist es unmöglich.
vanDusen: Wieso.
Crippen: Ganz und gar unmöglich, wir haben nämlich einen Heizer, das heißt genau genommen zwei, beide machen Dienst rund um die Uhr, jeder zwölf Stunden, der Gashahn steht ständig unter Beobachtung, genau wie die Heizung und die elektrischen Sicherungen, bei uns kann nichts passieren meine Herren, sie brauchen mir ja nicht zu glauben, hier bitteschön, kommen sie mit in den keller, überzeugen sie sich selbst, ich sage immer, vertrauen ist schön, vertrauen ist gut, doch am besten man alles selber tut, kommen sie auch mit, haben sie gehört, vertrauen ist gut.

Hatch: Im Heizungskeller stellten wir fest, daß der flotte Mister Crippen uns die wahrheit, die ganze wahrheit und nichts als die wahrheit gesagt hatte, der diensttuende Heizer hatte den Haupthahn der Gasleitung ständig im auge und daß er seinen Posten nicht verließ oder vielleicht gar ein höchst dienstwidriges Nickerchen machte, dafür sorgte die Stechuhr, die alle halbe Stunde gedrückt werden mußte, was jetzt, Professor van Dusen der sich nur sehr ungern von einer guten idee trennt, war irritiert, er zog die Stirn in Falten, fuhr mit Crippen und mir im Lift rauf und runter, lief ziellos durch die Korridore und erst als er seinen immensen Kopf im vierten Stock aus dem Hallenfenster steckte, schien er wieder einen festen Punkt gefunden zu haben, von dem aus er die Welt oder doch wenigstens den vorliegenden Fall aus den Angeln heben konnte.

vanDusen: Äußerst interessant.
Crippen: Wie meinen.
vanDusen: Ich sagte äußerst interessant Mr Crippen.
Crippen: Was soll denn an unserer fahnenstange so interessant sein, ne ganz normale fahnenstange, an feiertagen vierter juli und so hängen wir das sternenbanner auf.
vanDusen: Wann haben sie zuletzt geflaggt Mister Crippen.
Crippen: Ja zum neuen Jahr, 1. Januar.
vanDusen: Sind sie da ganz sicher.
Crippen: Bombensicher, ich sage immer.
vanDusen: In diesem Fall Mr Crippen, sind es zwei Tatsachen, die ich im Zusammenhang mit ihrer Fahnenstange für äußerst interessant halte, die erste Tatsache ist der Ort, an dem sie sich befindet, in der Mitte des Hauses ausgehend vom Hallenfenster im vierten Stock, etwa vier Meter über die Straße ragend.
Crippen: Vier meter vierzig.
vanDusen: Oh danke sehr freundlich, bei der zweiten interessanten Tatsache, Mr Crippen handelt es sich um dieses corpus delicti hier.
Crippen: Ein roter Faden, na und.
vanDusen: Dieser rote Faden Mr Crippen, hatte sich am Seil ihrer Fahnenstange verfangen, dem Seil das dazu dient, die Flagge zu hissen und wieder einzuziehen, ja wir sind hier vorerst fertig Hatch, wir können gehen.
Hatch: Ja wollten sie sich nicht noch mit Henley sprechen Professor.
Crippen: Oh Mr Henley ist ausgegangen, ich habe ihn heute früh getroffen unten in der Halle, ist erst gegen abend wieder hier, hat er gesagt.
vanDusen: Ja dann müssen wir das Gespräch verschieben, falls es sie übrigens interessiert meine Herren, Alice Briggs hat nicht wie Detective Sergeant Caruso glaubt Selbstmord begangen, sie wurde ermordet.
Crippen: Ist das wahr, von wem denn.
vanDusen: Was den Mörder betrifft Mr Crippen, bin ich mir noch nicht endgültig schlüssig.
Hatch: Und wie.
vanDusen: Die Mordmethode mein lieber Hatch ist so einfach und so sicher, daß ich fast versucht bin, sie genial zu nennen, eine letzte Frage Mr Crippen, sind die beiden großen Lampen von dem Haus nachts immer in Betrieb.
Crippen: Selbstredend Professor, siehe Prospekt, sie tauchen die hochkünstlerisch gestaltete Vorderfront in ein feenhaft helles Licht.

Hatch: Vor dem Drohnenhaus wollte ich mich von Prof. van Dusen verabschieden aber er bestand darauf, daß ich ihn bis in seine Wohnung begleitet, ich kannte das, der große Meister wollte laut nachdenken und brauchte einen geduldigen Zuhörer, da war nichts zu machen, ich setzte mich also bequem hin, versorgte mich mit einem gigantischen Whisky, hörte zu, sagte ab und zu so aha oder sonstwas intelligentes und der Herr Professor hielt mir eine Vorlesung.

vanDusen: Wie ich bereits bemerkte, meine Damen und Herren, ich meine natürlich mein lieber Hatch, wie ich also bereits bemerkte, ist die art und weise mit welcher der Mord ausgeführt wurde, von geradezu genialer Einfachheit, weiteres möchte ich hierzu noch nicht ausführen, ist doch das wie nur ein Teilergebnis und bei all seiner Bedeutung gewiß nicht das wichtigste für die Lösung des vorliegenden Falles, wenn es erst gelungen sein wird, das warum zu klären und das wer, wozu allerdings schon recht deutliche Hinweise vorliegen.
Hatch: Momentmal Professor, soll das heißen sie kennen den Mörder schon.
vanDusen: Nun es gibt wie gesagt deutliche Hinweise, eine ganz bestimmte richtung, mehr will und kann ich zurzeit nicht sagen, sie kennen meine Methode Hatch, keine Teilergebnisse vor der endgültigen Aufklärung, der wahrhaft logische Geist scheut das Verkünden noch unzureichend durchdachter Schlüsse, so viel jedoch steht fest, bei Henleys rätselhaftem Attentäter und dem Mörder der Alice Briggs handelt es sich um ein und dieselbe Person.
Hatch: Dann wäre der Mord so eine Art Betriebsunfall, eigentlich sollte Henley dran glauben, aber es traf irgendwie das Mädchen von nebenan, ja so was kommt vor.
vanDusen: Und noch eins steht fest, der Mörder lebt im Drohnenhaus, um weitere Aussagen machen zu können, brauchen wir zusätzliche Informationen, hat Henley Feinde, nach seinen Angaben ist er so gut wie verlobt mit einer gewissen Miss.
Hatch: Delarue, Isabel Delarue, einzige Tochter eines millionenschweren Reeders aus New Orleans.
vanDusen: Millionenschwer, interessant, hat Henley Nebenbuhler, gibt es Verbindungen zwischen ihm und Alice Briggs oder anderen Hausbewohnern und nicht zu vergessen, woher stammt der rote Faden, diesen Fragen müssen wir nachgehen und das mein lieber Hatch wird ihre Aufgabe sein, trinken sie aus, machen sie sich wie man in ihren Kreisen zu sagen pflegt, auf die Socken.
Hatch: Gut, auf wiedersehen Prof.

Hatch: Manchmal habe ich das dunkle Gefühl daß der Professor in mir eher den Laufburschen sieht als den geistigen Mitarbeiter, aber was solls, ich machte mich befehlsgemäß auf die Socken und besuchte als erstes ein feudales Emporium in der fifth avenue, wo der gentleman Krawatte, Hemd, Hut und Stock zu erstehen pflegt, kurz alles was ihn zum gentleman macht.

Verkäufer: Dieser Faden, dieser rote Faden, Sir.
Hatch: Ganz recht, ich würde gerne wissen, woher er stammt.
Verkäufer: Nun Sir, ich möchte mich zwar nicht festlegen aber nach meiner erfahrung Sir, meiner langjährigen Erfahrung im gehobenen Textilgewerbe dürfte diese rote Faden aus einem Kleidungsstück stammen, welches gemeinhin Morgenrock oder auch Bademantel benannt wird.
Hatch: Männlich oder weiblich.
Mann: Guten Tag.
Verkäufer: Guten Tag gnädige Frau, wie belieben Sir.
Hatch: Aus dem Bademantel eines Herrn oder einer Dame.
Verkäufer: Darüber Sir wage ich kein Urteil abzugeben, wir hier führen nur Bademäntel für Herren, mir ist allerdings bekannt vom hörensagen Sir, daß auch Damen derartiges benutzen.
Hatch: Ich danke ihnen, sie haben mir sehr geholfen, auf wiedersehen.
Verkäufer: Auf wiedersehen, bitte sehr die Dame.
Mann: Ich bin ein Herr.

Hatch: Punkt nummer eins erledigt, meine nächste Station war das Drohnenhaus, wie ich mich telefonisch vergewissert hatte, war Weldon Henley inzwischen wieder in seinem apartment eingetroffen, er hatte natürlich erfahren, was sich nebenan abgespielt hatte und war womöglich noch nervöser als am Vortag.

Henley: O gott gott ich darf gar nicht daran denken, wenn ich nicht den Rat ihres Professors befolgt und in der letzten nacht eine Petroleumlampe benutzt hätte, dann wäre ich jetzt im Leichenschauhaus und nicht diese unglückselige Zofe aus 34, diese Briggs hieß sie ja wohl.
Hatch: Ja Alice Bricks, kannten sie sie.
Henley: Eine zofe, ich bitte sie, was heißt schon kennen, man wohnt im gleichen Haus, man sieht sich ab und zu, das ist alles, aber warum halten sie sich mit diesem Mädchen auf, daß sie umgekommen ist, war doch nur ein zufall, eine, eine panne, für mich sollte sich ihr Professor interessieren.
Hatch: Ja das tut er auch.
Henley: Unsinn, Crippen hat mir erzählt, was er tut, der kriecht hier im Haus herum, guckt sich den Heizungskeller an, sogar die Fahnenstange im vierten Stock, er sammelt kleine rote Fäden und gott weiß was noch alles, ich frage sie.
Hatch: Nein ich frage sie und zwar im Auftrag von Prof. van Dusen haben sie Feinde.
Henley: Noch nicht daß ich wüßte.
Hatch: Jeder Mensch hat Feinde.
Henley: Was heißt Feinde, sicher wenn sie Leute meinen die mich nicht leiden können aber ich wußte wirklich nicht wer mich deshalb umbringen sollte.
Hatch: Vielleicht jemand, der auch gern Miss Delarue heiraten würde.
Henley: Lassen sie meine Verlobte aus dem Spiel, sie hat nichts mit der Sache zu tun, ich wußte es ja, sie sind bloß scharf auf ein Skandal für ihr Käseblatt.
Hatch: Langsamer alter Freund ja, sie haben mein Ehrenwort und Käseblatt will ich nicht gehört haben im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit.
Henley: Ja schon gut.
Hatch: Also gibt es jemand, der an Miss Delarue interessiert war oder noch ist.
Henley: Na ja und wenn sie so fragen, so einen gibts schon, Jugendfreund, aus New Orleans, mit ihr aufgewachsen, sogar schon verlobt und dann kam Miss Delarue nach New York, traf mich und ende der Verlobung, naja der bessere gewinnt eben.
Hatch: Name.
Henley: Reginald Cable, Import Export.
Hatch: Adresse.
Henley: An sich New Orleans aber zurzeit New York, Park avenue, Drohnenhaus apartment 39.
Hatch: Was denn, dieser Cable wohnt hier im Haus, na das wird den Professor sehr interessieren.
Henley: Aber kommen sie jetzt bloß nicht auf die absurde Idee, daß Cable hinter der Sache steckt, och hätte ich doch nur nichts gesagt und jetzt muß ich sie bitten zu gehen, ich möchte.

Hatch: Damit beendete Henley das Gespräch um zur Beruhigung seiner Nerven einen Spaziergang im Centralpark zu machen, ich begleitete ihn allerdings nur bis ins Erdgeschoß, Punkt 3 auf meiner Liste war der redselige mister Crippen, auch ihn fragte ich.

Hatch: Kennen sie Mr Cable.
Crippen: Hmh.
Hatch: Ob sie mr cable kennen.
Crippen: Oh ja, selbstverständlich, das ist ein hochanständiger Mensch, freundlich, liebenswürdig, ich komme rum zu ihnen, er kann einem leid tun, sie wissen vielleicht daß er in der Liebe sehr enttäuscht worden ist, in der Liebe sehr enttäuscht worden, Mr Henley hat ihm die Braut weggeschnappt und er ist nach New York gezogen, um ihr trotzdem nahe zu sein, romantisch nicht finden sie nicht auch, ich sage immer, die liebe, die liebe, die liebe ist eine himmelsmacht, ja andererseits hat mr cable geld wie heu und mr henley könnte einen monatlichen zuschuß vom reichen schwiegervater viel besser gebrauchen, außerdem wird es zeit, daß einmal zur ruhe kommt, er ist hinter jedem Rock her, natürlich nimmt Mr Cable die sache schwer, er nimmt sie sehr sehr schwer, ich sollte ihnen das eigentlich gar nicht alles erzählen, verschwiegenheit ich sage immer verschwiegenheit, verschwiegenheit sage ich immer und diskretion ist a und o im guten ton, außerdem genaugenommen kenne ich Mister Cable kaum, wohnte erst kurze zeit bei uns.
Hatch: Ach was, seit wann denn.
Crippen: Tja, wann ist er eingezogen, vielleicht schon vor drei Wochen, knapp 3 Wochen ist er eingezogen, er wird auch bald wieder ausziehen, nicht etwa weil ihm das apartment nicht gefällt, nein ganz im Gegenteil aber er muß zurück nach New Orleans, geschäftliche Verpflichtungen usw, vielleicht hat er es auch schon überwunden, innerlich überwunden, sie wollen schon gehen.

Hatch: Ja es ist schon spät, es war spät geworden, ich rief van dosen an, teilte ihm mit was ich erfahren hatte und verabredete mich mit ihm für den nächsten vormittag in seiner wohnung, wo ich mich dann auch ausgeschlafen und voller tatendrang pünktlich einstellte.

vanDusen: Schön daß sie sich pünktlich einstellen, die Konturen des Falles, mein lieber Hatch, werden schärfer ich hoffe, oh entschuldigung, ja hier spricht Professor van Dusen, ja er ist hier, ja was, und wo, so nicht erkannt, ja ja, ich werde es ausrichten, eine äußerst überraschende Nachricht, die ihre Redaktion ihnen mitteilen läßt, Hatch, gestern abend gegen 6 Uhr wurde im Central park ein Bewohner des Drohnenhauses angeschossen und zwar.
Hatch: Weldon Henley.
vanDusen: Ganz recht, er ist nur leicht verletzt durch eine Fleischwunde im Oberschenkel, hat aber in folge des Schocks für kurze zeit das Bewußtsein verloren und kann daher keine Angaben über den Täter machen, den er auch vor dem Schuß nicht gesehen hat.
Hatch: Um 6 sagten sie, dann hat Crippen ein Alibi, um die Zeit war ich bei ihm.
vanDusen: Crippen habe ich als Täter ohnehin niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, das ist nicht der entscheidende Punkt, aber wie dem auch sei, ich muß versuchen diese neue Entwicklung in meine fast abgeschlossene Rekonstruktion des Falles einzubeziehen und während ich dies tue, werden sie mein lieber Hatch sich wieder ein bißchen Bewegung machen.

Hatch: Also wieder mal Laufbursche im gehobenen Dienst, aber was tut man nicht alles für ein Genie, vor allem wenn es van Dusen heißt, ich wanderte also wieder zum Drohnenhaus, ließ mich bei Mister Reginald Cable melden und schwindelt ihm die hucke voll.

Cable: Da haben sie ganz richtig gehört Mister äh.
Hatch: Hatch.
Cable: Wie.
Hatch: Schlicht und einfach Hatch.
Cable: Das apartment wird frei, wenn sie wollen können sie morgen früh einziehen, ich bin wie sie sehen schon beim packen, Percival.
Percival: Jawohl sir.
Cable: Habe ich ihn nicht gesagt, sie sollen meine chapeau claque sorgfältig abbürsten bevor sie sie in der hutschachtel verstauen.
Percival: Gewiß Sir, ich bitte um Verzeihung Sir, ich war offenbar nicht ganz bei der Sache Sir.
Cable: Ja das scheint mir auch so.
Percival: Es soll nicht wieder vorkommen Sir.
Cable: Ich will das hoffen, machen sie weiter.
Percival: Gewiß Sir.
Cable: Mein Kammerdiener Percival, habe ich mir aus England kommen lassen, bei Pferden und Dienstboten ist das beste für mich gerade gut genug, leider ist er nicht mehr der alte, hört nicht zu, paßt nicht auf, grübelt vor sich hin, traurige Geschichte ist ihm auf den Magen geschlagen, er hat ein verhältnis angefangen mit einer wie sagt man Landsmännin, Landsfrau jedenfalls mit einem englischen kammerkätzchen, hier im Haus und was macht dieses Mädchen, geht hin und bringt sich um mit Gas und mein Percival kommt aus dem Tritt, ein Jammer.
Hatch: Meinen Sie Alice Bricks bei den Kertlents, appartement 34.
Cable: Briggs, ja so hieß sie glaube ich, die Schuhe doch die Seidenkrawatten, würde ihn rausschmeißen, wenn er nicht schon von sich aus gekündigt hätte.
Hatch: Ach ihr Diener hat gekündigt.
Cable: Ja gestern, er will nicht mit zurück nach New Orleans, sagte er, er möchte in New York bleiben, naja diener sind offenbar auch Menschen, um wieder auf das apartment zu kommen Mr Hatch sie müssen natürlich in meinem mietvertrag einsteigen.
Hatch: Natürlich und wie viel.
Cable: 200 Dollar im monat möbliert alles inklusive, sehen sie sich ruhig um.
Hatch: Gern, übrigens ist das ihr Bademantel.
Cable: Ja warum, was machen sie denn da schon wieder Percival…

Hatch: Während Cable seinen Diener runterputzte zupfte ich unbemerkt aus dem roten Bademantel, der über der Sessellehne hing, einen Faden, damit hatte ich alles erledigt, was van Dusen mir aufgetragen hatte, ich erklärte das mit dem apartment würde ich mir noch überlegen und empfahl mich, meine Beute gab ich beim Professor ab, dann ging ich in die Redaktion, um zur Abwechslung mal wieder einer geregelten Berufsarbeit nachzugehen, aber es blieb beim guten Vorsatz, kaum saß ich hinter meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte.

vanDusen: Hatch.
Hatch: Ja, der Professor schon wieder.
vanDusen: Kein Zweifel, die Fäden sind identisch, unter dem Mikroskop ist kein Unterschied festzustellen.
Hatch: Und das heißt.
vanDusen: Das heißt mein lieber Hatch, daß der Faden am Seil der Fahnenstange und der Faden, den sie von Mr Cable mitgebracht haben, aus ein und demselben Bademantel stammen und das wiederum heißt daß aus Gründen die ich jetzt nicht im einzelnen ausführen kann, der Bademantel, aus dem die Fäden stammen, bei den Anschlägen auf Henley und beim Mord an Alice Briggs eine Rolle spielte oder genauer diesen Bademantel trug der Mann, den wir suchen, der Mörder.
Hatch: Und das heißt der Mörder ist Reginald Cable, sie sehen Professor, auch ich kann zwei und zwei zusammenzählen.
vanDusen: Einen augenblick Hatch.
Hatch: Ja und wenn Cable der Mörder ist, dann muß er verhaftet werden und darum werden wir uns jetzt bemühen.
vanDusen: Seien sie nicht so voreilig.
Hatch: Hallo.
Telefonist: Hier Telefonamt New York Vermittlung.
Hatch: Kriminalpolizei Mulberry street.
Caruso: Hier Kripo New York, Caruso.
Hatch: Hier Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker, Caruso hören sie mal zu, ich muß ihnen eine ganz wichtige Mitteilung machen.
Hatch: In aller Eile instruierte ich den guten Caruso und machte mich dann selbst schnell auf den weg ins Drohnenhaus, um die Verhaftung des Mörders mitzuerleben, vor meinem inneren Auge erschien die erste Seite des Delhi NewYorker von morgen, heimtückischer Gaslichtmörder gefaßt, unser Mitarbeiter Hutchinson Hatch, dem das Hauptverdienst an der Aufklärung des rätselhaften Falles zukommt berichtet exklusiv für unsere Leser und so weiter, was dann tatsächlich in der Zeitung stand, sah leider etwas anders aus, aber so weit sind wir noch nicht, vorerst befinden wir uns in der Eingangshalle des Drohnenhauses wo ich fast mit einem kleinen Mann zusammenstieß der ebenso eilig wie ich dem Lift zustrebte, es war Professor van Dusen.

vanDusen: Ich war mir sicher daß ich sie hier treffen würde Hatch, zum dritten stock bitte, sie halten also Cable für den Mann, den wir suchen.
Hatch: Wer denn sonst Professor, das paßt doch alles, Gelegenheit, Motiv und dann noch der Bademantel, sagen sie was sie wollen Professor, die sache ist klar.
vanDusen: So, dann erklären sie mir bitte wie Cable die Gasflamme in Henleys Schlafzimmer ausgelöst hat.
Hatch: Keine ahnung.
vanDusen: Na bitte, und das Mädchen, wer hat sie umgebracht, auf welche weise warum, sehen sie, sie wissen es nicht, und da sagen sie der fall ist klar, ich ich kann nur hoffen, daß ihre übereilte Handlungsweise nicht zu einem vermeidbaren Fehler geführt hat, na bitte da ist es schon passiert.

Hatch: Auf dem Korridor kam uns eine ganze Karawane entgegen, vorneweg Detective Sergeant Caruso, in einer Hand den Ellbogen des indigniert drein schauenden Reginald Cable, in der anderen den ominösen roten Bademantel, in der zweiten Reihe marschierte Kammerdiener Percival und Crippen, der es vor Neugier im Büro nicht ausgehalten hatte, bildete das Schlußlicht.

vanDusen: Meine Herren, da wir uns hier alle mehr oder weniger zufällig getroffen haben und vor allem da die Entwicklung des Falles es zur Notwendigkeit macht, sehe ich mich veranlaßt sie mit meinen Gedankengängen zu konfrontieren, soweit sie den Mord an Alice Brix und die Mordversuche an Weldon Henley betreffen, doch sie werden Verständnis dafür haben, daß ich diesen Korridor hier nicht für den geeigneten Ort halte, und auch Mister Cables Wohnung erscheint mir in ihrem jetzigen ausgeräumten Zustand als Rahmen meiner Darlegung zu wenig kongenial, warum so frage ich mich, warum sollten wir nicht das apartment benutzen, vor dessen Tür wir uns mehr oder weniger zufällig gerade befinden, Apartment 36, Mr Henleys apartment, ist doch Mr Henley als das Opfer gewissermaßen die Hauptperson des Falles, dessen Ende nunmehr herannaht.

Henley: Ja bitte.
vanDusen: Guten Tag Mr Henley.

Hatch: Der Professor erklärte dem verdutzten wohnungsinhaber, dessen Bewegungsfähigkeit durch die erlittene Schußverletzung nicht mehr allzu sehr beeinträchtigt schien, worum es ging, obwohl er nicht gerade begeistert wirkte, bat Henley uns in seinen Salon, Caruso ließ sich auf einem Sessel neben der Tür nieder und behält Cable im Auge, wir anderen setzten uns wo sich platz fand, nur van Dusen blieb stehen.

vanDusen: Das ist ja wohl der bewußte Bademantel.
Hatch: Ja das ist er Professor.
vanDusen: Sie gestatten doch Caruso.
Caruso: Bitte.
vanDusen: Danke sehr, Henley, würden sie mir freundlicherweise ihr Badezimmer zur verfügung stellen.
Henley: Tja bitte bedienen sie sich, die rechte Tür.
vanDusen: Danke sehr und nun bitte ich sie alle meine Herren sich einen Augenblick zu gedulden.

Hatch: Und damit verschwand er in Henleys Badezimmer mit dem Bademantel und mit seiner kleinen schwarzen Tasche die er sein chemie-physikalisches Miniatur labor zu nennen und auf all seinen wegen mit sich zu führen pflegt, wir warteten unbehaglich während aus dem Bad ab und zu merkwürdige Geräusche drangen, dann tat sich die Tür auf.

vanDusen: Tja meine Herren der Fall ist gelöst, das heißt um ganz genau zu sein der Fall war bereits gelöst, bevor ich mich auf den weg zum Drohnenhaus machte, es fehlte mir jedoch noch ein ganz kleiner Beweis, sozusagen das allerletzte Glied in der Kette, jetzt meine Herren ist die Kette geschlossen, sitzen sie alle bequem, Mister Henley, wollen sie unseren Gästen nicht eine kleine Erfrischung reichen.
Caruso: Nicht im Dienst.
Hatch: So fangen sie endlich an Professor.
vanDusen: Natürlich.

Hatch: Ich kannte den Professor seit Jahren und wußte was jetzt kam, der große Monolog des Mannes, der alles übersah und alles durchschaut, der jedes Rätsel löste, der Ruhe und Klarheit wieder herstellte, wo vorher Wirrniss und Chaos geherrscht hatten, der mit einem wort die welt wieder in ordnung brachte.

vanDusen: Nun gut ich beginne, sehen sie meine Herren, die vom Mörder angewandte Methode ist dasjenige Teilstück des Falles, das als erstes einer Lösung zugeführt werden konnte, wie war es möglich die Gasflammen sowohl im Zimmer der Zofe als auch in Mister Henley Schlafzimmer auszulöschen, ohne die Räume zu betreten, auf die einfachste Weise der welt meine Herren, wie sie sich falls sie es nicht ohnehin wissen durch einen Blick in die einschlägige Literatur leicht überzeugen können, ist die Kraft der menschlichen Lunge größer als der Gasdruck in den Leitungen, wenn man irgendwo hier im Hause von einer gerade nicht benutzten Gasdüse die Sicherheitskappe abzieht und mit aller Macht hinein bläst, wie ich es ihnen hier an Mister Henleys Salonbeleuchtung demonstriere, dann löscht man so alle Gasflammen aus, die an anderer Stelle im Haus gerade brennen, Voraussetzung ist natürlich eine funktionierende nicht stillgelegte Gasleitung.
Caruso: Einleuchtend.
Hatch: Was heißt einleuchtend, genial ist das.
Crippen: Aber woher wußte der Mörder wann sein Opfer eingeschlafen war.
vanDusen: Danke sehr Mr Crippen, genau das war die nächste Frage, die ich mir vorlegte, denn es versteht sich von selbst, daß der Mörder sein heimtückisches Vorhaben nur dann in Angriff nehmen konnte, wenn sein Opfer bei brennender Gasbeleuchtung fest schlief, eben, der Mörder mußte also eine Möglichkeit haben, sein Opfer zu beobachten, wie stellte er dies an, durch die Tür, unmöglich, durchs Fenster, auch dies erschien mir zunächst unmöglich, das Drohnenhaus hat kein gegenüber und von der Straße aus kann man höchstens feststellen, ob hinter einem Fenster im dritten Stock Licht brennt, erst als ich eine gewisse Einrichtung des Hauses in näheren Augenschein nahmen, wußte ich, was geschehen war, ich meine die Fahnenstange im vierten Stock, nehmen sie einen kleinen Spiegel, wie etwa diesen Rasierspiegel, den ich mir ihre Einwilligung vorausgesetzt Mr Henley in ihrem Badezimmer ausgeborgt habe, befestigen sie ihn am Flaggenseil und ziehen sie ihn bis zur Spitze der Fahnenstange, bei richtig eingestelltem Spiegelwinkel können sie dann vom Hallenfenster im vierten Stock genau beobachten, was hinter den Fenstern im dritten Stock vor sich geht, falls diese wie bei Alice Briggs nur mit dünnen durchsichtigen Vorhängen versehen sind.
Henley: Und ich schlafe immer bei geöffneten Vorhängen.
vanDusen: Sehen sie, so also meine Herren spielte sich die Tat ab, mitten in der Nacht begab sich der Mörder in einen Bademantel gehüllt, Beweis der am Flaggenseil gefundene Faden, zur Halle im vierten Stock, mit Hilfe von Spiegel, Seil und Fahnenstange stellte er beim hellen Licht der Straßenlaternen fest, ob sein Opfer eingeschlafen war, begab sich dann zurück in sein apartment, löschte auf die von mir beschriebene weise die Gasflamme im Zimmer des Opfers und wartete in Ruhe auf die Frucht der bösen Tat.
Hatch: Da genauso ist das passiert, da können sie Gift drauf nehmen. Bravo Prof.
vanDusen: Danke meine Herren, hören sie weiter, ich bin noch nicht am Ende meiner Ausführung, allerdings viel bleibt nicht mehr zu erklären, die Person des Mörders ergibt sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit aus den von mir ermittelten Tatbeständen, auch sie, meine Herren sollten jetzt wissen, um wen es sich handelt, na seien sie logisch, addieren sie zwei und zwei, nein, um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort und der Mörder meine Herren, der Mörder ist unter uns.
Percival: Verzeihen Sie Sir, aber ich bitte dies entschieden zurückweisen zu dürfen.
Cable: Sie meinen mich, das weiß ich, aber sie irren sich, ichwars nicht, das habe ich diesem holzkopf von polizisten heute schon erklärt, ich weiß nicht was man von mir will aber ich habe mit der sache nichts zu tun, was der Prof. erzählt ist mir völlig neu.
Caruso: Seien sie still, lassen sie den Professor reden.
vanDusen: Ist Mister Cable der Mörder, es ist wahr, er hat ein Motiv und was noch schlimmer ist, bei ihm fand sich der Bademantel, den der Mörder bei seiner finsteren. Cable: Ach, der Bademantel gehört mir nicht, das hat dieser dieser englische Dorftrottel, dieser, ja ich weiß zuerst habe ich gedacht, es ist meiner, aber dann habe ich gemerkt, daß es nicht stimmt, meiner sieht anders aus, ein bißchen dunkler mit dem breiteren Kragen.
Caruso: So und wo ist ihr Bademantel.
Cable: Das weiß ich doch nicht, ich habe alles abgesucht, aber ich kann ihn nicht finden, er ist verschwunden, Percival wo ist denn.
Caruso: Also verschwunden, ja der Bademantel in ihrem appartement ist nicht ihrer, nein, ein bißchen merkwürdig, finden sie nicht.
vanDusen: Darf ich fortfahren, danke, der Bademantel in Cables Apartment und der Schuß auf Henley im Central park, diese beiden Elemente haben dazu beigetragen, den an sich bereits geklärten Tatbestand von neuem zu verwirren, gehen wir logisch vor, meine Herren, reduzieren wir den Fall auf seine Grundbestandteile, fragen wir uns, was ist wirklich geschehen, die Antwort kann doch nur lauten, eine junge Frau Alice Briggs wurde ermordet.
Henley: Ja und die Anschläge auf mich.
vanDusen: Dazu komme ich noch, lassen sie mich bitte ausreden, also Alice Briggs wurde ermordet, geben wir dieser Tatsache ihr rechtes Gewicht so drängen sich uns folgende Fragen auf, ist vielleicht der Mord an Alice Briggs der eigentliche Sinn und Zweck des ganzen, und nicht wie es anfangs den anfang hatte, lediglich ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, mit wem stand die Zofe in engeren Beziehungen und in diesem Zusammenhang, wer lebte außer Cable in dessen apartment und hatte so die Möglichkeit, den Bademantel zu benutzen.
Percival: Verzeihen Sie Sir, wenn ich mich ungefragt äußere, aber gehe ich recht in der Annahme, daß sie den Mord an Miss Briggs mir zur last legen.
Hatch: Sieht ganz so aus Percival, alter Freund.
Percival: In diesem Fall meine Herren sehe ich mich zu meinem größten bedauern genötigt aus der mir beruflich vorgeschriebenen Rolle zu fallen, auch ein Kammerdiener meine Herren liebt sein leben und seine freiheit, hätten sie daher bitte die Güte ihre Hände über ihre Köpfe.
Cable: Pervical, lassen sie das, tun sie doch was Prof.
vanDusen: Was sie da in der Hand halten, ist doch wohl die Pistole, mit der sie gestern abend im central park auf Mr Henley geschossen haben, geben sie sie her Percival, machen sie keine Dummheiten, ich weiß daß sie Miss Briggs nicht umgebracht haben, auf ihrem Konto stehen bisher nur Körperverletzung, Nicht- anzeige eines Verbrechens und Erpressung, nicht wahr, also machen sie die Sache nicht schlimmer als sie ist und geben sie mir die Waffe.
Percival: Wenn es sich so verhält hier bitte Sir, danke, ich vertraue ihnen, wenn sie mir die Bemerkung gestatten Sir.
vanDusen: Danke sehr, Caruso wären sie wohl so freundlich, bei ihnen ist das Ding wohl am besten aufgehoben.
Crippen: Ach, also Percival kommt nicht infrage, Mister Cable auch nicht, ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder.
vanDusen: Da sie es nicht sind, Mr Crippen, bleibt nur noch einer übrig, Achtung, Caruso, er will zur Tür, halten sie ihn fest.
Caruso: Kein Sorge Professor, an mir kommt er nicht vorbei.
vanDusen: Setzen sie sich wieder Mr Henley und sie auch meine Herren, ja der Mörder ist Weldon Henley.
Henley: Sie können mir nichts beweisen.
vanDusen: Oh da irren sie sich mein bester, die von mir geschmiedete Beweiskette gegen sie ist lückenlos, sie hatten ein Motiv, Alice Briggs zu töten.
Henley: Ich hatte keins.
vanDusen: Eine gut aussehende junge Frau Tür an Tür mit ihnen, die Gelegenheit konnten sie, stadtbekannte Schürzenjäger sich nicht entgehen lassen, sie begannen ein Verhältnis mit ihr, später verlobten sie sich um zu geld zu kommen mit einer reichen erbin und wollten sich deshalb natürlich so schnell wie möglich von Miss Briggs trennen, aber das erwies sich als schwierig und da Mr Henley beschlossen sie das arme Mädchen zu töten, sie fassten einen ungewöhnlich raffinierten plan, um nicht in Verdacht zu geraten, fingierten sie zunächst unter zumteil erheblicher eigener Gefahr Mordanschläge auf sich selbst und unterstrichen so dann gewissermaßen ihre Unschuld, in dem sie in meiner person einen angesehenen Kriminologen zu rate zogen, darauf begingen sie den Mord auf die von mir bereits rekonstruierte Art und Weise, außer im Kertlandapartment und in der Wohnung von Mister Bruce Partington, der mit der Sache nichts zu tun hat, gibt es nur noch bei ihnen eine funktionierende Gasbeleuchtung, das heißt sie Mr Henley hatten nicht nur ein Motiv, sie hatten auch und zwar praktisch als einziger die Möglichkeit den Mord auszuführen, daß sie der Täter waren, wußte unser Freund Percival hier von anfang an, als Landsmann und Freund der Toten war er über die Affäre informiert, leider ging er mit seinem Wissen nicht zur polizei sondern beschloß es in bare Münze umzusetzen und sie Mr Henley damit zu erpressen, um ihnen zu zeigen wie ernst er es meinte, fügte er ihnen gestern eine schmerzhafte aber ungefährliche Schußwunde zu.
Percival: Wenn ich mir erlauben darf, sie zu bestätigen Sir, jedes Wort ist korrekt.
Crippen: Aber der Bademantel.
vanDusen: Auch dafür gibt es eine einfache Erklärung, Henley erfuhr von Mister Crippen übrigens, daß ich die Fahnenstange untersucht und einen roten Faden gefunden hatte, er wußte was das bedeutete und traf Gegenmaßnahmen, seinen Bademantel praktizierte er in ihr apartment Mr Cable und ihren Bademantel nahm er an sich, ich bin sicher daß wir ihn in einem dieser Schränke hier finden werden, dann bemühte er sich den Mordverdacht auf sie Mr Cable zu lenken und bei Hatch und Caruso ist ihm das ja auch gelungen, bodenlose Gemeinheit, ohne zweifel, besitzen sie übrigens eine fotografische Ausrüstung Mr Cable.
Cable: Wieso nein, versteh nichts vom fotografieren, mache mir nichts draus.
vanDusen: Damit steht es absolut fest, daß dieser Bademantel hier der Bademantel des Mörders. keinem anderen als Mister Henley gehört, bei der chemischen Untersuchung, die ich vor wenigen Minuten im Bad vornahm, fand ich nämlich in den Taschen Spuren von Hydrochinon und Kaliumbromid, Substanzen die zusammen nur beim fotografischen Entwicklungsprozeß Anwendung finden, sie Mr Henley sind Amateurfotograf, dieses Untersuchungsergebnis legt ihnen die Schlinge um den Hals und daß sie in der Nacht als Alice Briggs starb angeblich eine Petroleumlampe statt des Gaslichts benutzt haben, zieht die Schlinge endgültig zu, denn ein unbekannter Mörder der ihnen an den Kragen wollte, hätte dies im Spiegel gesehen und sein Vorhaben für diese Nacht aufgegeben, sie sind überführt, Caruso walten sie ihres Amts.
Henley: Lebendig kriegt ihr mich nicht.
O gott, er hat sich tatsächlich aus dem Fenster gestürzt.
Er bewegt sich nicht, er ist tot.
vanDusen: So also meine Herren endet der Fall und so endet Mr Weldon Händel, ein Mörder, der zu klug sein wollte, der versucht hat, mich Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine hinters Licht zu führen und seinen schwarzen Plänen dienstbar zu machen, er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick.

Hatch: Übrigens, ein halbes Jahr später heirateten Mister Reginald Cable und Miss Isabelle Delarue, die reiche Erbin aus New Orleans.

Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Reinhard Kolldehoff Detective-Sergeant Caruso
Wolfgang Condrus Weldon Henley
Jürgen Thormann Crippen, Hausverwalter
Hans Peter Hallwachs Reginald Cable, Mieter
Heinz Spitzner Percival, Kammerdiener
Heinz Welzel Liftboy/Verkäufer/Telefonist

Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine L. Pirkis: The Murder of Troytes Hill)

Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden.

Richter: Und dann sahen Sie die Leiche.
Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf.
Richter: So. Und was taten Sie dann?
Butler: Ich sagte oh!
Richter: Oh?
Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau.
Richter: Und dann?
Butler: Äh, dann dachte ich nach.
Richter: In der Tat. Und?
Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen.

Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort.
Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen.
Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben.
Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem.
Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte.

Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge.
Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird.
Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen.
Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also.
Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte.
Richter: Interessant, und wann.
Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war.

Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können.
Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde?
Craven: Feinde, wer?
Richter: Handerson natürlich.
Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt.
Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre.
Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer.

Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten.

Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können.
Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt.
Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten.
Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor.
Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon.

Miss Brooke: Inspektor Griffin?
Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam.
Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke.
Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee?
Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten?
Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm?
Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson.
Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London.
Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche.
Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet.
Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel.
Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht.
Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen.
Inspektor: Ich muß gestehen.
Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist?
Inspektor: Ich weiß nicht so recht.
Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv.
Inspektor: Ich hoffe es.
Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall.
Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht.
Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte.
Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20.
Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden?
Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten.
Brooke: So, wann abgereist?
Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt.
Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi.
Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen.
Brooke: Danke sehr.
Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint.
Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven.
Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall.
Brooke: Seit wann?
Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September.
Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht.
Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall.
Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt.
Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde.
Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt?
Inspektor: Ja, das nehm ich doch an.
Brooke: Aber sie wissen es nicht genau.
Inspektor: Nein.
Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach.
Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen.
Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi.
Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat.
Brooke: So, und woher weiß er das so genau?
Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte.
Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst.
Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben?
Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales?
Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler.
Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft
Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug.
Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior?
Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da.
Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken.
Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt.
Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen.
Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station.
Brooke: Sehr verlockend.
Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen.
Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden.

Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein.
Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten.
Inspektor: Und die wären?
Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen.
Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall.
Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an.
Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven.
Brooke: Und Walters Krankenlager?
Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich.
Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert.
Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden.
Brooke: Und?
Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens.
Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte.
Inspektor: Richtig, wir sind da.
Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro.

Hales: Inspektor.
Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid.
Hales: Miss äh bitte folgen sie mir.
Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor.
Inspektor: Ja?
Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe.
Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales?
Hales: Sir?
Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde.
Hales: Ja Sir.
Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört?
Hales: Ungewöhnlich Sir?
Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört.
Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte.
Inspektor: Käptain?
Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir.
Inspektor: Ah ja, wann war das?
Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden.
Inspektor: Was sie nicht sagen.
Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor.
Inspektor: Wie meinen.
Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales.
Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir.
Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales.
Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken.
Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst.
Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen.

Inspektor: Zucker, Miss Brooke?
Brooke: Danke Inspektor.
Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke.
Brooke: Ist Celia Craven blond?
Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum?
Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe.
Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und?
Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall.
Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus?
Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen.
Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten.
Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden.
Inspektor: So, was denn noch?
Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand.
Inspektor: Mr. Cravens Kaptain.
Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt.
Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde.
Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6.
Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten.
Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang.
Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt?
Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören.
Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte.
Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe.
Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee?
Brooke: Ja gern.

Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss?
Brooke: Danke Hales.
Craven: Essen sie nur, Miss äh.
Brooke: Brooke, Loveday Brooke.
Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr.
Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich.
Craven: Natürlich. Natürlich.
Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch.
Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen.
Brooke: Leider nein, Mr. Craven.
Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales.
Butler: Sehr wohl, Sir.
Craven: Das gewaltige Werk Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern.
Butler: Sir?
Craven: Jawohl die Jahrhunderte.
Butler: Sir.
Craven: Was? Was, was gibts Hales?
Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute.
Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales.
Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken.
Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York.
Butler: Sir?
Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor.
Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin.
Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke.
Brooke: Ja, Mr. Craven?
Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh.
Brooke: Brooke, Mister Craven.

Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke.

Craven: Was machen Sie denn da?
Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie.
Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein.
Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie.
Craven: Wo waren wir stehengeblieben.
Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven.
Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen?
Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen.
Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem.
Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund.
Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe.
Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven.
Craven: Ja, ja.
Brooke: Der arme Kapitän.
Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer.
Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz?
Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen.
Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden?
Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem.
Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf.
Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen.
Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten?
Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis.
Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster.
Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann.
Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen.
Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen.
Brooke: Mr. Craven.
Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk.
Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke.
Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung.
Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig.
Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie.

Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist.
Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen.
Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen?
Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung.
Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie.
Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal.
Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte.
Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte.
Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer.
Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten.
Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter.
Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte.
Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht.
Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen.
Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge.
Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben.
Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war?
Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft.
Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia.
Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu.
Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales.
Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit.
Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv.
Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor?
Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann.
Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren.
Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über…
Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen.
Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen?
Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg.
Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt.
Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen.
Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt.
Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank.
Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin.
Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt.

Loveday Brooke: Uta Hallant
Inspektor Griffin: Peter Schiff
Richter: Friedrich W. Bauschulte
Craven Sr.: Henning Schlüter
Sein Butler John Hales: Erich Fiedler
Herbert von Boxberger u.a.

Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle)

Melville Abendsen: Tschuang – Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so:
Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin – San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke.
Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags.
Brecker: Zigarette?
Sundmann: Ich rauche nicht, danke.
Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann?
Sundmann: Schwede.
Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder.
Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen.
Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone?
Sundmann: Nein.
Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs?
Sundmann: Ja.
Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf.
Sundmann: Plastprodukte.
Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben.
Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden.
Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker.
Sundmann: Sundmann.
Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein.
Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus.
Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse.
Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen.
Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein.
Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann.
Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15.
Tagomi: Ja.
Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua.
Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro…

(…)

Tagomi: …ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm.
Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben.
Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet.
Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt.
Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück.
Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen.
Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit.
Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit.
Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts.
Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung.
Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag.
Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen.
Melville: War, was ist passiert?
Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht?
Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry?
Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel.
Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert.
Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben.
Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61.
Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren.
Melville: Vielleicht.
Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch.
Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere.
Frink: Ich muß gehen.
Melville: Ich bring sie ans Tor.
Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte.
Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat.
Frink: Nein.
Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse.
Frink: Der mit dem Schmetterling.
Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse.
Frink: Und so weiter.
Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie.
Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen.
Melville: Bitte, ich hab nicht…
Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen.

Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald
Julia Frink: Katharina Lopinski
Frank Frink: Rüdiger Bahr
Joe Cinderella: Horst Sachtleben
Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz
Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann
Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler)
Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens
Bridageführer Blobel: Gerd Eichen
Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker
Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar
Radiosprecher: Axel Wostry
Radiosprecher: Jürgen Jung
Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan
Reinhard Heydrich: Wolf Goldan
Stewart: Gerhard Mohr
Lkw-Fahrer: Bernd Herberger
Charly: Kurt Goldstein
Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert
Sekretär: Hans Peder Hermansen
Polizist: Michael Hoffmann
Telefonistin: Ute Mora

Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000)

Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz…

John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen.

John Garfield: Hallo?
Lana: Jonny Darling, was machst du?
John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv.
Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny.
John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana, nach deinen Händen, kommst du.
Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren.
John: Schade.
Lana: Er will mit dir reden Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du.
John: Ich weiß nicht.
Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an.

John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau, Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures, wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio, Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon.

Lana: Edward ist… tot, ist das wahr, Jonny?
John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde.
Lana: Erschossen, ermordet?
John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen.
Lana: John, die Polizei konnte glauben.
John: Was? Lana.
Lana: Daß du Edward.
John: Daß ich hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn.
Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich.
John: Und was soll ich jetzt tun, Lana?
Lana: Komm zu mir Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich.
John: Ich dich auch Lana, aber Edward.
Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden.
John: Wenn du meinst, Lana.
Lana: Komm Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst, o Jonny.

John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir.

Lana: Jonny, Jonny Darling.
John: Lana, liebste.
Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores.
John: Und wenn, jetzt können es alle wissen.
Lana: Jonny Darling bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit.
John: Lana, ah.
Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum Jonny, warum hätte er das tun sollen.
John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich?
Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir.
John: Wie du willst, Lana.
Lana: Versprich es mir Jonny, du wirst nichts sagen.
John: Versprochen.
Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein.
John: Ja Lana, Lana.
Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen.

John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher… Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob.

John: Hallo?
Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John!
John: Ach Ella, was ist passiert?
Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier.
John: Die Polizei?
Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell.

John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer.

John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen?
Taylor: Miss äh.
Ella: Rains.
Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains.
Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny.
McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind.
Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane.
John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen.
Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield?
John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir.
McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield.
Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield.
John: Zuhause.
McLane: Ach wirklich.
Taylor: Den ganzen Abend Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr?
John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen.
Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield.
John: Nein.
McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht.
John: Geschlafen.
McLane: Ach was, und wo.
John: In meinem Bett, natürlich.
McLane: Natürlich, Zeugen.
John: Natürlich nicht.
Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield?
John: Ja, aber.
McLane: Pistole oder Revolver?
John: Pistole.
McLane: Typ?
John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik.
McLane: Wo ist sie?
John: Hier im Schreibtisch.
Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield?
John: Wenns sein muß.
McLane: Na, Garfield, wo ist sie.
John: Sie muß hier sein, in der Schublade.
McLane: Ist sie aber nicht.
John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben.
McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield.
John: Unsinn, wozu.
Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield?
John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen.
McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke.
John: Was?
McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen?
Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield.

John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain.

Ella: John?
John: Ja, Ella was ist.
Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben?
John: Mord, Arnold ist ermordet worden?
Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John?
John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später.
Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John.
John: Danke, Ella.

John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe.

Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig.
John: Die Polizei war hier, im Büro.
Lana: Du hast doch nichts gesagt?
John: Natürlich nicht.
Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny.
John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden.
Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch.
John: Aber.
Lana: Bleib ruhig Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich.
John: Ich dich auch Lana, ich, Lana?

John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane.

Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield.
McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie?
John: Geht Sie das was an, was wollen Sie.
Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen.
John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht.
McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl.

John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad.

John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant.
McLane: Zum Beispiel das hier.
Taylor: Die Pistole, Sergeant.
McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt.
Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield.
McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können.
John: Ich verstehe nicht, meine Nambug.
McLane: Haarscharf und ganz genau.
John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin?
McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha.
Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke.
McLane: Ich paß schon auf, Leut.
Taylor: Abgefeuert?
McLane: Ja, noch gar nicht lange her.
John: Das ist doch nicht möglich.
McLane: Die Mordwaffe, ganz klar.
John: Nein.
McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield.
John: Nein!
McLane: Geben Sie es doch zu!
John: Nein, nein!
Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie.

John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende.

Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield.
John: Nein, nein.
McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein.
Taylor: Sehen Sie Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen.
McLane: Wir haben noch was gefunden Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon.
Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus.
McLane: Sie waren im Strandhaus Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole.
John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38.
Taylor: Wie kommen Sie denn darauf.
John: Ich war da, im Strandhaus.
McLane: Na also.
John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche.

John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit.

Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield?
John: Das spielt doch keine Rolle.
Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt?
John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat.
McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner.
John: Aber so war es.
Taylor: Nein Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden.
McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist.
Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield.
John: Ja, aber.
Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold.
McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten.
John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür.
Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst.
John: Was, was ist das?
Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender.
McLane: Getippt auf Ihrer Maschine Garfield.
John: Was, aber, aber nicht von mir.
McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu.
Taylor: Feierabend, Serge.
McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield.

John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana.

John: Sie sind es, Ella.
Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt?
John: Sicher.
Ella: Haben Sie einen guten Anwalt?
John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt?
Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln.
John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie.
Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen.

John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt kennengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht.

Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig.
John: Was?
Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit.
John: Aber ich bin unschuldig.
Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield.
John: Sie glauben mir nicht, Carson, Sie sind mein Anwalt.
Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja?

John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein.

John: Leutnant Taylor.
Taylor: Sie wundern sich Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten.
Ella: Wir arbeiten zusammen John, Bob Taylor und ich, für Sie.
Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher.

John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles.

Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig.
Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt.
John: Es ist die Wahrheit Leutnant, ich schwöre es Ihnen.
Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet.
Ella: Dann war es jemand anders.
John: Oder vielleicht doch Selbstmord.
Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord.
Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan.
John: Lana? Niemals!
Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock.
Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield.
John: John. John.
Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen.
John: Das Telefongespräch vom Strandhaus.
Taylor: Sehr richtig John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort.
John: Und die Leiche war noch warm.
Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht.
Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen.
Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke Ella, haben Sie Beweise?
Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen.
John: Worauf?
Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John.
John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella.
Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid.
Taylor: Den Mann auch?
Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich.
John: Sie müssen sich irren.
Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte.
Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt?
Ella: Ein Buick, glaube ich.
Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick.
John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich.

John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte.

Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November.
John: So schnell, das ist gut.
Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert?
John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich.
Carson: Sie machen es mir wirklich schwer Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig.
John: Aber sie ist wahr Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen.
Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich.
John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen?
Carson: Nein, hab ich nicht.
John: Herrgott, warum denn nicht?
Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage.

Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold.
Lana: Ja.
Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Lana: Ich schwöre.
Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield.
Lana: Ja, ich kenne ihn.

John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend.

Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold?
Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde.
Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr?
Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte.
Kruger: Ja, Mrs. Arnold.
Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte.
Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold?
Lana: Nein!
John: Lana!
Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger.
Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht?
Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet.

John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe.

Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold.
Lana: Ja, ich war zu Hause, John rief mich an.
Kruger: Wann war das.
Lana: Etwa 10 Minuten nach 11.
Kruger: Was sagte der Angeklagte.
Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert.
Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold.
Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen.
Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen.
Lana: Ja.
Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold.
Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt.
Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold.
Lana: Daß er Edward erschossen hat.
John: Nein. Das ist nicht wahr!
Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger.
Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen.
Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach.
Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold.
Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen.
Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert?
Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos.
Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold.
Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen.
Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht?
Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte.
Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold.
Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig!
Richter: Ruhe, Ruhe! Entfernen sie die Störerin.

John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren.

Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen.
Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren.
Richter: Wie lautet sie?
Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig.
Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet.

John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor.

John: Sind Sie weitergekommen?
Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft.
John: Ja? Wer ist es, Ella.
Ella: Mister Raft.
John: George Raft, der Schauspieler?
Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein.
Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November.
John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat.
Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde.
John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen.
Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John?
John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment.
Ella: Das ist es Bob, das ist es, der Fall ist gelöst.
Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise.
Ella: Die werden wir beschaffen, Bob.
Taylor: Wir werden es versuchen.
John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage.
Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella.

John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon.

Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich.

John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür.

John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella?
Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt.
John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob?
Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John?
John: Ja sicher, aber die Zeit, jetzt ist es.
Taylor: 3 Uhr zwanzig.
John: Ja, und um vier.
Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie.
John: Lana, Lana Arnold.
Taylor. Brief und Pistole ihm.
John: George Raft.
Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause.
John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen.
Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte.
John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm.
Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe.
John: Natürlich, Fingerabdrücke.
Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen Beständen.
John: Colt Banker Special Kaliber 38.
Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren.
John: Zu Lana, so schnell ich konnte.
Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein.
John: Garfield, Ausrufungszeichen.
Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie?
John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt.
Taylor: Das kann man wohl sagen, John.
John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob.
Taylor: Festgenommen, wen?
John: Wen? Äh, die Täter, Lana und George Raft.
Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John.
John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize.
Taylor: Habe ich das gesagt?
John: Nicht?
Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft.
John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir!
Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department!
John: Sie!?
Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar?
John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird.
Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen.
John: Ella ist tot?
Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt.

Kruger: Mister Garfield, es ist soweit.

John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde.

John Garfield: Max Hopp
Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt
Ella Rains: Judica Albrecht
Robert Taylor: Guntram Brattia
Barton McLane: Uwe Preuss
Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau
Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs
Richter: Udo Kroschwald
Obmann der Geschworenen: Michael Klobe

Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002)

Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay.

Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut.
Harald: Was zu gut? Ja.
Stefan: Der spinnt, der Waldhorn.
Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht.
Harald: Der Sie immer die Karten legen Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn.
Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot.

Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen.

Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung.

Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo.

Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz.
Harald: Bescheidenheit ja, natürlich.
Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren.
Hildchen: Nein.
Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren.
Harald: Schweinerei.
Garbo: Es kommt noch schlimmer.

Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe.

Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn.
Harald: Angemessen, Grundversorgung.
Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir.
Hildchen: In Saus und Braus, Luxus?
Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl.

Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer.

Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand.
Hildchen: Uh, was wird das werden.
Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren?
Harald: Also das ist unverschämt.
Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen?
Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen?
Stefan: Nein also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen.
Hildchen: Vielleicht wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe.

Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase.

Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts.
Stefan: Drucken die gar erst nicht ab.
Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen.
Hildchen: 49.
Garbo: Sehen Sie.
Harald: In saus und braus ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen.
Stefan: Genau.
Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen.
Harald: Ja tun, tja, und was, was denn.
Garbo: Wir entführen, entführen Waldhorn.
Hildchen: Oh.
Garbo: Und behandeln ihn so wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird.
Hildchen: Aber das ist doch kriminell.
Harald: Na und.
Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen.
Stefan: Ja wunderbar, genial.
Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig.
Stefan: Klar, wegen der Presse.
Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen.
Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung.
Harald: Mit Power.
Stefan: Und voll witzig muß er sein.
Garbo: So etwas wie Rentnergang.
Harald: Rentnergang.
Garbo: Ja.
Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht.
Stefan: GAF.
Harald: GAF?
Stefan: Graue Armeefraktion.
Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF.
Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen.
Hildchen: Die die drei Greißlein.
Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit.
Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder.
Harald: Und was soll das heißen.
Stefan: Altengang.
Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise.
Hildchen: Und Greisinnen.
Stefan: Alles grufti.
Garbo: Was halten sie von Alzheimergang.
Hildchen: Oh.
Garbo: Plakativ, ironisch.
Harald: Alzheimergang, ja, das hat was.
Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller.
Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend.
Harald: Ach was und wenn schon.
Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang.
Harald: Gut. Super.
Hildchen: Wenn sie meinen.
Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe.
Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo.
Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro.
Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen.
Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer.
Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt.
Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11.
Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen.
Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo.
Garbo: Ja leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können.
Hildchen: Ja, und Harald?
Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt.
Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben.
Stefan: Klar mach ich doch.

Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös.

Hildchen: Stefan, ich bin nervös.
Stefan: Nur die Ruhe Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid.
Hildchen: Ja ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen.

Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm.

Stefan: Morgen, morgen.
Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet.
Stefan: Stehen sie auf, los.
Sekretärin: Was.
Stefan: Los.
Sekretärin: Was wollen sie, was.

Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich.

Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten?
Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald.
Waldhorn: Was?

Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo.

Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost.

Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar.

Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti.
Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette.
Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven.

Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behindertentransporter vom Wohlfahrtsverband mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon.

Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus.
Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau.
Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was.
Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase.
Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen.

Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf.

Waldhorn: Wo bin ich, was ist los.
Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa.
Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht.
Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er.
Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren.
Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt.
Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt.
Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa.
Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen.
Harald. Kuck mal der Fleck.
Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen.
Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig.
Waldhorn: Machen sie mich sofort los.
Garbo: Vielleicht hat er Hunger.
Stefan: Hier Opa, hau rein.
Waldhorn: Wäh, was ist denn das.
Harald: Gutes Schappi.
Waldhorn: Hundefutter pfui teufel.
Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon.
Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt.
Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen.
Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht.
Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja.
Waldhorn: Also schluß mit lustig meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre.
Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf.
Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen.
Harald: Brechen wir ihm ein Bein damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein.
Waldhorn: Nein.
Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um.
Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald

Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still.

Stefan: Der markiert doch, oder.
Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war.
Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend.
Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert.
Garbo: Er ist entschlafen.
Stefan: Hat den Löffel abgegeben.
Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen.
Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn.
Garbo: Das heißt seine Leiche.
Stefan: Die müssen wir entsorgen.
Harald: Ja das wird nicht einfach.
Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei.
Hildchen: Und uns sucht sie auch.
Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm.
Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof.
Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch.
Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen.
Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht.
Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen.
Harald: Und wo legen wir ihn aus.
Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet.
Hildchen: Am Störkebekerdenkmal.

Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig.

Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht.
Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller.
Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen.

Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal.

Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan.
Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag.
Harald: Weißgott und äh unser Freund stört sie nicht?

Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu.

Peter: Marlies.
Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf.
Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung.
Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen.
Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht.
Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen.
Peter: Telefonisch.
Marlies: Spinnst du.
Peter: Also wir treffen uns, wo.
Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9.
Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut Marlies, mußt du wirklich schon gehen.
Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen.
Peter: Ich liebe dich, Marlies.
Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig.

Stefan: Ich wartete bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1.

Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant.
Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert.
Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen um den toten Waldhorn einzusammeln.
Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo.
Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan?
Stefan: Also ich hab keinem was gesagt.
Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald.
Harald: Also ich kann mein Maul halten.
Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich.

Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal.

Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben.
Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt Hildchen.
Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist.
Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht.
Hildchen: Ja natürlich.
Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren.
Garbo: Marlies hat mitgehört.
Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit.
Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer.
Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen.
Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält.
Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht.
Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt.
Garbo: Aus ideellen Gründen.
Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer.
Garbo: Schnöden Mammon.
Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen.
Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig.
Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit.
Stefan: Wohin denn.
Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt.
Garbo: Und was wollen sie da, Harald.
Harald: Einbrechen meine liebe.

Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt.

Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis.
Stefan: Und unser Bekennerschreiben.
Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus.
Harald: Ach ne.

Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen.

Marlies: Der Brief Peterchen, ist der Brief fertig.
Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt.
Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen.
Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht Marlies.
Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei.
Peter: Hier ist das Ohr Marlies.
Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden.
Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben.
Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich.
Peter: Ach Marlies.
Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten.
Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken.
Marlies: Vielleicht Peterchen.
Peter: Und wie gehts weiter.
Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert.
Peter: Wieder hier.
Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht
Peter: Marlies.
Marlies: Mein Peterchen
Peter: Die alten, diese Alzheimergang.
Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen.
Peter: Ach Marlies.

Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen.

Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben.
Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da.
Harald: Passen sie mal auf Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten.
Hildchen: Harald bitte.
Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück

Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn.
Isolde: Stimmt genau.
Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod.
Isolde: Und um eine Menge Geld.
Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das.
Isolde: Was denn, was sehen Sie.
Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn.
Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann.
Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn.
Isolde: Auch das noch.
Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm.

Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald.

Harald: Meine Karte, gnädige Frau.
Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre.
Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau.
Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie.
Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt.
Isolde: So.
Harald: Ja.
Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so.
Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld.
Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann.
Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich.
Isolde: Eine Million wollen sie haben.
Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau.
Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser.
Harald: Sie sagen es gnä Frau.
Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten.
Harald: Entsetzlich, die Polizei.
Isolde: Bleibt draußen.
Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen.

Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan.

Marlies: Die alte halt angebissen Peterchen.
Peter: Toll, und was ist mit der Polizei.
Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet.
Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen.
Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen.
Peter: Ja aber, aber wie.
Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof.
Peter: Und der Privatdetektiv.
Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken.

Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn.

Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken.
Marlies: Da soll er auch mein Peterchen.
Peter: Versteh ich nicht.
Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag.
Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr.
Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle.
Peter: Eine Stunde vorher.
Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million.
Peter: In 500er unmarkiert.
Marlies: Natürlich, in einer Alditüte.
Peter: Alditüte.
Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen.
Peter: Von wem.
Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld.
Peter: In der Alditüte.
Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin.
Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann.
Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf.
Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder.
Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten.
Peter: Ja aber.
Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast.
Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin.
Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein.
Peter: Ich versteh.

Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke.

Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst Peterchen.
Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro.
Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe.
Peter: Marlies, du bist ein Genie.
Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr.
Peter: Marlies, ich hab eine Idee.
Marlies: Ist es denn die Möglichkeit.
Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden.
Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier.
Peter: Es ist gar kein Papier drin.
Marlies: Sondern.
Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus.
Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen.
Peter: Und wir sind Millionäre.
Harald: Das haben die sich so gedacht.
Stefan: Wir sind die Entführer.
Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen.
Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt.
Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug.
Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck.
Garbo: Das tun wir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro.
Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl.
Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht.
Harald: Das ist doch nur noch Formsache Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit.
Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an Harald.
Harald: Wir brechen wieder ein.
Stefan: Institut Pietät und Takt.
Harald: Haargenau.
Stefan: Um die Wanze abzubauen.
Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel.
Stefan: Für den Schrank.
Hildchen: In der Kapelle.
Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch.

Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr.

Harald: Hat er kein Fragen gestellt.
Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin.
Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer.
Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy.
Marlies: Hab ich.
Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge.
Isolde: Ich auch.
Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau.
Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen.
Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn.
Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes.

Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt.

Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein.
Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle.
Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte.
Isolde: Sie hat das Handy am Ohr.
Harald: Vermutlich schickt man sie weiter.

Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang.

Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr.
Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie.
Isolde: Wo.
Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern.
Isolde: Ja, und was machen wir jetzt.
Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt.

Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange.

Isolde: Die Tüte liegt noch da.
Harald: So ist es gnä Frau
Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache.
Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau.

Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Alditüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde.

Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer.
Isolde: Das gibts doch nicht.
Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.
Isolde: Ich dachte sie sind Experte.
Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe.
Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio.
Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht.
Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie.
Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen.
Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen.
Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken.
Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab.

Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken.

Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen.
Isolde: Das können sie laut sagen.
Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut.
Isolde: Wirklich.
Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben.
Isolde: Mein Geld.
Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person.
Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen.
Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben.
Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater.
Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin.
Isolde: Ich nehm sie mit.

Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches.

Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich.
Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben.
Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden.
Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor.
Peter: Ach, ich lüge.
Marlies: Du willst die ganze Million für dich.
Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben.
Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu.
Peter: Du hast es nicht reingetan.
Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio.
Peter: Nein du.

Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon.

Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit.

Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben.

Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles.

Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang.

Stefan: Matthias Walter
Garbo: Lieselotte Rau
Hildchen: Ingeborg Medschinski
Harald: Werner Rehm
Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall
Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein
Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt
Peter Thode: Uwe Müller
Sekretärin: Shelly Kupferberg

Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004)

Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh.

Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil.

Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell.
Elaine: Meine Tasche.
Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein.

Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend.

Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest.
Polizei: Machen sie auf, Polizei.
Arsene: Wenn sie darauf bestehen, seien sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen sie?
Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche.
Arsene: Bei mir?
Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen?
Arsene: Nein.
Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue.
Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an.
Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung.
Arsene: Bitte.
Elaine: Ist er weg?
Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle.
Elaine: Warum haben Sie mir geholfen?
Arsene: Ein Impuls Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich.
Elaine: Was? Au.
Arsene: Haben Sie sich wehgetan Mademoiselle.
Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie.
Arsene: Beruhigen Sie sich Mademoiselle.
Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben.
Arsene: Was soll ich Ihnen sagen.
Elaine: Wie Sie wirklich heißen.
Arsene: Für wen halten Sie mich Mademoiselle.
Elaine: Sie sind Arsene Lupin.

Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen.

Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt.
Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen.
Arsene: Versteht sich.
Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen.
Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen.
Elaine: Elaine, ein schöner Name.
Arsene: Sie dürfen ihn behalten Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie.

Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß.
Arsene: Ein neues Leben zu beginnen.
Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin.
Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen.
Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof.
Arsene: Den Rest kenne ich Mademoiselle, was haben sie nun vor.
Elaine: Ich will nach Chicago Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der…
Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher.
Elaine: Alkoholschmuggler Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone.
Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel.
Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen.
Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun.

Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben.

Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard.
Elaine: Ganimard.
Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld.
Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf.
Arsene: Wieviel Mademoiselle.
Elaine: Mehr als 9000 Dollar.
Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen.
Elaine: Ein paar Tage.
Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen.
Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken?

Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und.

Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei.
Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen.
Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu.
Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann Elaine.
Elaine: Ja Arsene.
Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet.

Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sog. Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte.

Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer.
Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt.
Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes.
Elaine: Und was Mr Quackenbush.
Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen Marquis?
Arsene: Mit Vergnügen.
Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame.
Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt.
Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit.

Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor.

Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts.
Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island.
Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu…
Arsene: Puejkewitsch.
Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen.
Elaine: Sissi, ist noch Blut dran.
Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin.
Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug.
Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt für 25000 Dollar.
Elaine: Soviel.
Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das.
Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter.
Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend.
Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer.
Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe.
Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot.
Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas.
Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner.
Arsene: Tatsächlich.
Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush.
Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten.
Elaine: Sind das nicht auch Gangster?
Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder.

Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete.

Quackenbush: Freut mich wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett.
Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich obschon kein Sammler eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne.
Quackenbush: Ja, was ist es denn.
Arsene: Ein Messer, das Messer mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde.
Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen?
Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete.
Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit mir das Messer zu verkaufen.
Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel.
Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen.
Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät.
Quackenbush: Ja.

Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte so gut ich konnte.

Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen.
Elaine: Wenn sie mir das zutrauen Arsene.
Arsene: Doch bevor es soweit ist liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln.
Elaine: Basteln.
Arsene: Mit diesen unseren Händen die für besseres geschaffen sind.
Elaine: Monsieur de Marquis.

Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive.

Elaine: Arsene, er hat angebissen.
Arsene: Kein Wunder bei diesem Köder, was schreibt er.
Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927.
Arsene: Übermorgen.
Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße.
Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade.
Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße.

Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken.

Elaine: Shocking.
Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht.
Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear.
Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson.
Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn der Junge.
Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt.
Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern.
Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng.
Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will.
Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt.
Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson.
Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale.
Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht.
Stetson: Ja das will ich meinen.
Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte.
Stetson: Die Lincolnkugel.
Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete.
Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja.
Elaine: Natürlich unter Glas.
Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater.
Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen.
Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat.
Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten.
Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen Mrs Leale.
Elaine: Die Zeiten sind schlecht Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen.
Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden.
Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug.
Stetson: Also gut 3000.
Elaine: Wissen sie Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten.
Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf.
Elaine: 11000 Dollar.
Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore.

Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus.

Arsene: Auf sie Elaine.
Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden Arsene.
Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima.
Elaine: Sie machen mich verlegen.
Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen die des edlen Marquis.
Elaine: Auf sein Wohl.

Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß.

Quackenbush: Gut daß ich sie treffe Marquis, was tun sie.
Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse.
Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da.
Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun mein lieber.
Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte.
Arsene: Wir sprachen darüber.
Quackenbush: Und wollen sie verkaufen.
Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht.
Quackenbush: Kommt nicht in Frage Marquis.
Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet werden selbst Aristokraten zu Krämern.
Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren.
Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen.
Quackenbush: 30000.
Arsene: Ich rufe sie an, au revoir.

Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen.

Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt.
Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen.
Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag.
Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord.

Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten.

Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh.
Elaine: Peanuts, Erdnüsse.
Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten.
Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme.
Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch.
Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen.
Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen.

Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche.

Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More.
Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit.
Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten.
Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten.
Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard.
Ganimard: Bonjour Lupin.
Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen.

Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf.

Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York.
Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri.
Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten.
Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich.
Arsene: In voller Schönheit.
Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge.
Arsene: Pfui Ganimard.
Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt.
Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch.
Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze.
Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago.
Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik.
Quackenbush: Von mir aus Ganimard protestieren sie, aber leise.
Ganimard: Ich ah.
Quackenbush: Halten sie doch die Klappe.

Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten.

Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer.
Quackenbush: Ich brauch den Dieb.
Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber.
Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat.
Arsene: Ist es die Möglichkeit.
Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole.
Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben.
Quackenbush: Ich will die Kugel Lupin, und sie werden sie mir verschaffen.
Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos.
Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus.
Arsene: Schwierig, schwierig.
Ganimard: Mr. Quackenbush das dürfen sie nicht, ich werde.
Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus.
Ganimard: Wagen sie es nicht Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au.
Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush.
Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen.
Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen.
Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche.
Arsene: Versprochen.

Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen.

Arsene: Abwarten Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen.
Elaine: Und dann Arsene.
Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen.
Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht.
Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe.
Elaine: Und ich.
Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird.

Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war.

Elaine: Inspektor Ganimard.
Stenson: Treten sie näher Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist.
Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang.
Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen.
Elaine: Sehr wohl, Madame.
Stenson: Sie haben mir geschrieben Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr.
Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln.
Stenson: Ach was ich wette dahinter steckt Quackenbush.
Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden.
Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen.
Arsene: Gestatten sie mir das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin.
Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze.
Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten.
Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum Helen, schenken sie ein.
Elaine: Sehr wohl Madame.
Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson.
Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an.
Arsene: Merci Monsieur.
Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen bis die Gefahr vorüber ist.
Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur.
Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her.
Elaine: Sehr wohl Madame.

Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht.

Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser.
Elaine: Lupin, Madame.
Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon.

Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorain und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und.

Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin.
Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer.
Arsene: Auh.
Ganimard: War nur angeklebt.
Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen.
Stenson: Er hat mich angerufen um mich zu warnen.
Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so Freund meiner Jugend.
Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben Lupin, das soll ich sein.
Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel.
Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin.
Ganimard: Sie machen gar nichts Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei.
Stenson: In Paris mag das so sein Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und goodby Arsene Lupin bzw. adieu.
Ganimard: Ich glaube nicht daß das.
Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor.
Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere.

Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr.

Franky: Da sind wir.
Arsene: Was du nichts sagst Genosse und wo sind wir.
Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus.

Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand.

Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht.
Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein.

Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten.

Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky.
Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone.
Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha.
Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen.
Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone.
Capone: Laß ihn reden Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht.
Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago.
Capone: Du irrst dich Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier.
Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger.
Capone: Du hast Mut Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iß pasta, trink vino, Franky und Jonny ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid.
Franky: Ok Mr Capone.
Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone.
Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit.
Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen.
Arsene: Loraine, cheri, nein.
Elaine: Doch Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb.
Capone: Aber ihr Mann hat doch.
Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern.
Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen.
Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt haha, bella comedia.
Elaine: Sie sind auch ein Gentleman Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten.
Capone: Nehmen Sie ihn mit Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück.
Franky: Kleine Spazierfahrt Mr. Capone.
Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac.
Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen.
Capone: Si si.
Elaine: Danke Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen.
Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci.
Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber.

Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen.

Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen Freunde.

Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen.

Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit.
Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine.
Franky: Halt, ah.
Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine.
Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war.
Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin.
Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde Arsene, merci.

Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten.

Arsene: Öffnen sie, Elaine.
Elaine: Ach wissen Sie Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen.
Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst Mademoiselle.
Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu.
Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha.

Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen.

Arsene Lupin: Manfred Zapatka
Elaine: Katharina Zapatka
Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann
Joseph Stanson: Gerd Grasse
Lauraine Stanson: Katharina Burowa
Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus
Al Capone: Martin Engler
Frankie / Papagei: Götz Schulte
Polizist: Christian Gaul
Ältere Dame: Ingrid Tribowski
Redaktion: Torsten Enders

Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999)

Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html):

Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten.

Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde.

Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches.

Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors.

Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin.

Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente.

Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung.

Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999.

Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen.
Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema.

Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais
Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis.
Sprecher: Michael Koser.
Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte.
Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht.
Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung
Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi.
Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre.
Sprecher: Rainer Clute
Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Prof. van Dusen, zu produzieren.
Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen.
Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003)
Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute.
Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja.
Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Prof. van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe.
Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen.
Sprecher: Klaus Herm (1925-2014)
Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima.
Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Prof. van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Prof. van Dusen.
Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken.
Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Prof. nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden.
Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne.
Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben.
Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder.
Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden.
Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb.
Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub
Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Prof. van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar.
Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann.
Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet.
Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben.
Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge.
Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen.
Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch.
Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte.
Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Prof. auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte.

14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase wie jeden Tag… (Es tickt bei Prof.v.D.)
London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod… (Mörder bei Madame Tussaud)
Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag… (Zocker…)
Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck… (Graf Dracula)
In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Prof. und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen… (7 Detektive)

Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend.
Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt.
Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Prof. so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen?
Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen.
Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker.
Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei.
Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung.
Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker
Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte.
Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war.
Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller
Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht.
Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon.
Sprecher: Ursula Drews
Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer…
Gemütliches Morden.
Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert.
Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten.
Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach… Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen.
Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla.
Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen.
Herm: Nein, nein.
Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte.
Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan.
Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich.
Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden.
Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist.
Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind.

Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch… (läßt die Sau raus)

Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen.
Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt.

In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateurkriminologie mein lieber Hatch. Ist recht Professor… (Fall Zola)

Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch oder mein lieber Watson, sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war und das tun die großen Detektive ja so rasend gern so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand zu dem sie das sagen können.
Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht.
Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest.

Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof, ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof, ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten… (läßt die Sau raus)

Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte.
Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub.
Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen.
Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken.
Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Prof. weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof. van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Prof.
Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikationsmöglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben.
Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar.
Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Prof. im Prinzip weiß er ja alles.
Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan
Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist.
Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio.
Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind.

Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet.
Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre.
Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten.
Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team.
Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen.
Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie.
Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut.
Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb.
Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten.
Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein.
Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe.

Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur… (rotes Blut u. weißer Käse)

Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis.
Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion.
Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört.
Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch.
Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Prof. van Dusen auf Reisen.

1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab… (Schatz des M.)

Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden.
Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer.
Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion.

Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt.
Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß.
Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet.
Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist.
Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll.
Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser.
Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub.
Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat.

Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht.
Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird.
Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Prof. tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen.
Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte.
Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch.
Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte.
Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert.
Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind.
Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört.
Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon.
Bauschulte: Ja van Dusen, das wars.
Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie.
Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk
Hatch: Prost Professor.
Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch.

Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS):
Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser.
Michael Koser: Guten Abend.
Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also “Dr. Dr. van Dusen”, ein literarisches Vorbild?
Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück.
Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten.
Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht.
Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie?
Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben.
Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren?
Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden.
Horst Wendt: Schreiben Sie noch?
Michael Koser: Ja.
Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe?
Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante.
Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst?
Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten.

Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk):
Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlichrechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße.
Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort.
Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk.
Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist.
Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen.
Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht.
Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist.
Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter.
Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Prof. ausgedacht. Rücksprung.
Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung.
Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit.
Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach Westberlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird.
Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis.
Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel.
Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig.
Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um.
Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder.
Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür.
Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei.
Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail.
Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben.
Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen.
Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick.
Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher.
Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht.
Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen.
Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen.

Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003):
Held einer vergangenen Welt
… oder warum Augustus van Dusen Kult ist
von Ulrich Griebel (MDR-Kultur, Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO)
Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist – seine Zeit, das ist die um 1900 – er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften – außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus – wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm.
Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da?
Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte.
Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall.
Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen – nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war – muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen.
Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real?
Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht.
Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist.
Koser: Ganz sicher.
Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis?
Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache – das habe ich gemerkt – kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist – absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte.
Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen?
Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei – mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen – im positiven Sinne – Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte.
Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben – Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal – obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist – ein bisschen vorauseilen kann?
Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen.
Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen?
Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren – das ist ganz schwer – einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur – und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich – in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet.
Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute?
Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich – und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben – ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. – eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe.
Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft?
Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen.
Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen?
Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde.
Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche.
Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar.
Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit?
Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe – das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden.

Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de):
Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei.
Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit?
Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche.
Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen?
Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun.
Er fällt also nicht in die Schlucht?
Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter.
Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen?
Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird…
Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren.
Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten.
Was mag das für eine Firma sein?
Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst.
Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien?
Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm.
Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher?
Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man.

Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003):
Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in
Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er
hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv.
Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder:
Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen
Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine
Leute und große Interessen.

Dann ist da noch Sam. Jonas’ Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe
und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und
schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme.
Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf
der digitalen Autobahn.

Das ist “Der letzte Detektiv” – Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die
erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der
“Dickie Dick Dickens” – Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi-
Programm in Bayern2Radio.

Der geistige Vater: Michael Koser
Der Autor und seine Ideen

Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter
meiner Reihe “Der letzte Detektiv” steckt. Das ist
sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich’s
auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto,
das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei
Mottos (oder heißt es Motti?).

1. “I’ve seen the future, brother – it is murder!” sang
Leonard Cohen 1992.

2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem “Spiegel”-Interview: “Wir leben in
einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie
wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese
und Themenparks.”

Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine
“Kinder”. Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam
mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern.

Jonas: Ein Auftrag, Sammy. “Michael Koser”. Sagt uns das was?
Sam, ich warte!
Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, – PIEP
“Koser, Michael. Autor.” PIEP
Jonas: Ein Schreiberling?
Sam: PIEP “Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van
Dusen’, 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv” PI…
Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas.
Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei
besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas
handelt, n’est-ce pas?
Jonas: Mein Vater?
Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP “Nachdem sein erstes
Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen
hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß
stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den
letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt
Jonas…” PIEP
Jonas: …und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge.
Sam: Oooooh! Das tut weh!
Jonas: Mein Vater! Ich kann’s nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser
Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch?
Sam: Könnte man sagen.
Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat?
Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt
nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP “Verzeihung” PIEP …in
Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt
erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat
er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht
abgemacht.
Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit.
Sam: Sammy dito. – PIEP “Anmerkung: Michael Koser ist auch ein
Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches
Zahlungsmittel ersonnen!” PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein
Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was
dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren
Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen.
Jonas: Bald.
Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln…

Die Sprecher der beiden Hauptfiguren
Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme?

Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des
Detektivs seit der ersten Folge weg.

Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski
für die Stimme des Computers Sam
verantwortlich. Zuvor wurde Sam von
Joachim Wiechmann gesprochen.

Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert,
daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber
lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und
Jonas über ihre Lebensspender wissen.

Sam: “Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der
Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den
kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und
Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die
die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten.”
Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber
irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy?
Sam: Primus. Bodo Primus.
Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus?
Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie
immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus – der bist
du!
Jonas: Waas?
Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da
genannt wird “Der letzte Detektiv”, durch seine stimmlichen und
schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal,
nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas
sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert – dafür
sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar.
Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. – Ich frag noch mal: Wer ist
Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy.
Daten. Kurzer Lebenslauf.
Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor
allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im
Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im
deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt – einen Tusch, Herr
Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer
das ist?
Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus.
Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler.
Lebensspender. Verkörperer.
Sam: Zweites Ich.
Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein
Computer.
Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du!
Jonas: Glaubst du? – Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten.
Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium.
Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen.
Stichwort “Klimbim” – eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher.
Und – last, but ganz und gar nicht im mindesten least – Sam. Sam der
Große. Der Einmalige.
Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam
verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle
Typen.
Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter.

Die Figur Jonas
Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme
und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem
Rahmen.

Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen
Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt
die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit.
Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität.

“Ich bin Jonas, nur Jonas”
Jonas über sich, seine Vorbilder, seine
Aufträge.

Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21.
Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen.
Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug
falsch – Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht
bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich.

Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv
Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese.
Gutaussehend, aber kein Schönling.
Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder.
Ansonsten eher unauffällig.
Oft melancholisch.
Lacht selten.
Kleidung: Trenchcoat
Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler.
Neurofreezer.

Seine Beziehungen
Viele – am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado.
Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der
Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie
benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als
Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch
Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und
Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös.

“Valerie, kurz Val”
Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu
seiner Beziehung zu ihr.

Seine Gegner
Immer wieder neu. Großer Verschleiß …
Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für
Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt.
Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren.
Mit allen Mitteln.
Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem
alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt.
Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory-
Klauerin.
Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht
sich so an, hat sich so eingerichtet.

Der Computer des letzten Detektivs
Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger
Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem
Rahmen.

Steckbrief: Der Computer Sam
Der Computer des letzten Detektivs. Ein
Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht
auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist.

Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht
wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine,
Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange
und vieles mehr.

In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec-
Puppe.

Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und
um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in
kniffligen Situationen.

“Sam ist mehr als ein Witzbold”
Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare
Hilfe in allen Situationen.

Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig.
Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt
und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu
gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur,
wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn
verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur
und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches
Verhältnis.

“Besser klaren Kopf bewahren”
Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über
deren inniges Verhältnis.

Die Welt des letzten Detektivs

Jonas lebt irgendwann im 21.
Jahrhundert. Sein Büro-Apartment
(22 qm) liegt mitten in Babylon.
Babylon liegt mitten in Europa.
Babylon ist mehr als eine Stadt,
mehr als eine Metropole. Babylon
ist eine urbane Ballung. Ein
unübersehbares Konglomerat.
Eine fast apokalyptische
Wucherung.

Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen
Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den
abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über
Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der
Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem “Armen
Schlucker” und dem “Casablanca” – Jonas Stammkneipe – wölbt sich
ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt.

“Um uns, unter uns – Babylon”
Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas
im 21. Jahrhundert.

“Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat”
Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und
geht auf deren Bewohner ein.

Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte
Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer,
gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren.

Babylons Regierungsform
In Babylon leben viele Millionen
Menschen – zu viele Menschen,
für die es zu wenig Arbeit gibt.
Jeder kriegt die Volksrente, keiner
muß hungern. Aber der soziale
Nutzenstatus, der unter anderem
die Größe des Wohnraums
festlegt, bemißt sich nach Art und
Entlohnung der geleisteten
Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat
nur einen geringen Nutzenstatus.

Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu
effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen
Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von
Industrie und Wirtschaft – und mit der “Korporation”, dem organisierten
Verbrechen.

“Die Korporation, früher mal Mafia”
Der Erzähler beschreibt die Entstehung der
Nachfolgeorganisation der Mafia: “Die Korporation”.

Die Landschaft rund um Babylon
Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis – ausgelaugt, unregierbar,
unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere
Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten
Nordmeer.

Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu
muß er reisen: nach Afrika – ins Niemandsland an der Grenze zur
dritten Welt – nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für
Kokain und Ersatzorganen – in die chaotischen Nahoststaaten
Merdistan und Kusbekistan.

Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich – und
in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer.
Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht
ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt.

Neue Fälle für Jonas und Sam:
Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865)
Bremen (DK) “Machen wir ein Ende.” So klingt das Finale des “Letzten Detektivs”. “Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen”, erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit “Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese” vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole.
Geschwätziger Computer
Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB (“zeitweilige Beziehung”) werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht.
40 Folgen lang klärte “der letzte Detektiv” von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte.
Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, “damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können”, erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele (“Das Canossa Virus” und “Ixplorer 5003”) produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzensprojekt zu gewinnen. “Das war schon wichtig”, sagt Michael Koser. “Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können.”
Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. “Comeback” und “Abgesang” heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind.
Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: “Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben.” Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: “Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird.”
Ein eigenes Universum
War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? “Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit”, gesteht der Autor. “Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen.”
Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen “letzten Detektiv” ausgedacht hat. “Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben.”
Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. “Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga.” Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, “Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe”, der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. “Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird.” Dann unterbricht er sich: “Ich glaube, ich verrate zu viel.”
Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion.
Von Anja Witzke

ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück – ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008):
In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt.

Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert.

Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt.

Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist.

Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene… versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel.

Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden.

„Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“

Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen.

Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz – am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite… herunterladen.

Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm)
Jonas. Nur Jonas. Und Sam.
Zwei neue Hörspiele!
Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de.

Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet.

Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da!
Bis bald!
Ihr/Euer Michael Koser

Hörspiele:
Prof. van Dusen: https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html
Der letzte Detektiv: https://archive.org/details/folge-42-abgesang, https://www.youtube.com/martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/rimebag666/videos

Texte:
Prof. van Dusen: z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1
Der letzte Detektiv: siehe Internet

Musik:
Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0
Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL

Fanseiten (Auswahl):
Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/
Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE

Hörerbewertungen:
Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/dieletztendetektive/videos

Hörspielarchiv: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn—hrdat-jua.de/index.php

Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992)
(Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten)

Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr.

Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht.

Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel.

Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt.

Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das Recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings nun machen sie schon.

Wiggins: Sie haben das Recht.

Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte.

Brannigan: Schau an schau an.

Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir.

Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein.

Brannigan: Ein Spaßvogel.

Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage.

Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger.

Brannigan: Sie haben von ihm gehört.

Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon.

Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der Nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug.

Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch.

Wiggins: Ich werde mich darum kümmern.

Brannigan: Ich versteh nicht woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen sie Trauerweide.

Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich.

Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren.

Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie.

Brannigan: Ja klar.

Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel.

Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter.

Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt.

Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen.

Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger.

Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen.

Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden.

Brannigan: Es waren drei.

Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen.

Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt.

Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier.

Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden.

Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter.

Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks.

Turnbuckle: Ich bitte sie Sir.

Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir.

Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos.

Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor.

Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir.

Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns.

Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv.

Brannigan: Das war mir klar.

Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter.

Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee.

Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte.

Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind.

Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken.

Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen.

Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut.

Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein.

Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat.

Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder.

Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier.

Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort.

Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat.

Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt.

Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry.

Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid.

Ralph: Was wer.

Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein.

Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir.

Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag.

Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210.

Angestellter: Radison Country Club.

Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied.

Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen.

Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny.

Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen.

Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken.

Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr.

Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten.

Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit.

Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte.

Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen.

Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt.

Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky.

Turnbuckle: Aha Nr. vier.

Barkeeper: Was sagte sie.

Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen.

Barkeeper: Oh nein keineswegs.

Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend.

Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf.

Turnbuckle: Im moment auch.

Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry.

Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky.

Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge.

Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf.

Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los.

Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau.

Netterly: Aja.

Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen.

Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht.

Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät.

Netterly: Nanana.

Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen.

Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter.

Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt.

Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst.

Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch.

Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben.

Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht.

Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein.

Turnbuckle: Nein, 50000 in bar.

Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand.

Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer.

Netterly: Ich.

Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir.

Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet.

Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier.

Netterly: Ich werde sie erwarten.

Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest.

Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt.

Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn.

Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit.

Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute.

Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September.

Netterly: Der 15. September 1979.

Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt.

Netterly: Neinnein.

Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen.

Netterly: Ja.

Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben.

Netterly: 50000 sie sagen es.

Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie.

Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly.

Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen.

Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke.

Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden.

Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen.

Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt.

Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser.

Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel.

Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen.

Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst.

Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer.

Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert.

Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war.

Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen.

Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %.

Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren.

Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 %

Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts.

Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen.

Turnbuckle: Henry der killer.

Ralph: Was.

Turnbuckle: Turnbuckle.

Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft.

Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist.

Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert.

Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly.

Ralph: Nein, Ben Casterbridge.

Turnbuckle: Ben Casterbringe.

Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst.

Turnbuckle: Nämlich Barkeeper.

Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er.

Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge.

Ralph: Nein Charly Stevens.

Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge.

Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle.

Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten.

Turnbuckle: Nein nein nein danke.

Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint.

Turnbuckle: Wie bitte.

Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben.

Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst.

Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier.

Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins.

Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist.

Wiggins: Ja wenn das maß voll ist.

Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten.

Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist.

Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft.

Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder.

Turnbuckle: Bitte.

Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie.

Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen.

Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch.

Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf.

Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt.

Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe.

Ralph: Keine.

Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen.

Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da.

Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat.

Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen.

Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen.

Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört.

Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen.

Ralph: Also bitte komm.

Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder.

Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein.

Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können.

Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten.

Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes.

Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs.

Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange.

Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter.

Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf.

Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel.

Henderson: 28, im moment alles Stammgäste.

Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen.

Henderson: Ja.

Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet.

Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät.

Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden.

Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei.

Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag.

Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen.

Ralph: Haben sie was angefaßt.

Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen.

Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel.

Henderson: 22 Jahre.

Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist.

Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt.

Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist.

Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten.

Ralph: Und wo ist dieser Bruder.

Henderson: In der Pension nebenan.

Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier.

Henderson: Wir sind belegt.

Turnbuckle: Nur deshalb.

Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus.

Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet.

Henderson: Das weiß ich nicht.

Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus.

Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock.

Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein.

Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten.

Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist.

Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten.

Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken.

Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein.

Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund.

Turnbuckle: Ralph.

Ralph: Toast mit Butter wäre auch was.

Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher.

Ralph: Kleines Steak, echte Zähne.

Turnbuckle: Davon abgesehen.

Ralph: Ich gebs auf.

Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben.

Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat.

Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt.

Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen.

Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren.

Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche.

Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher.

Ralph: Ich hab Hunger.

Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung.

Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok.

Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist.

Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus.

Latimer: Gar nicht.

Turnbuckle: Sie sind recht offen.

Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet.

Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche.

Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht.

Turnbuckle: Und.

Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen.

Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit.

Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt.

Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet.

Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit.

Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei.

Latimer: Ein oder zweimal.

Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere.

Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören.

Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen.

Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett.

Ralph: Allein.

Latimer: Nein mit Elsie.

Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich.

Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus.

Turnbuckle: Danke Mr Latimer.

Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus.

Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was.

Ralph: Kombination.

Turnbuckle: Intuition.

Ralph: Na prima.

Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig.

Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken.

Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine.

Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den.

Turnbuckle: Mrs Henderson.

Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche.

Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt.

Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen.

Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht.

Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist.

Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser.

Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden.

Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht.

Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte.

Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen.

Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe.

Turnbuckle: Wendy.

Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken.

Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders.

Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf.

Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen.

Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache.

Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie.

Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein.

Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf.

Henderson: Was für ein Geständnis.

Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde.

Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen.

Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich.

Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen.

Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig.

Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen.

Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins.

Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt.

Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen.

Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum.

Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen.

Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben.

Brannigan: Nein.

Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert.

Brannigan: Wollen sie sich beschweren.

Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann.

Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen.

Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten.

Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute.

Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan.

Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir.

Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit.

Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen.

Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen.

Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege.

Turnbuckle: Mein Kopf.

Wiggins: Mr Turnbuckle.

Turnbuckle: O Sergeant Wiggums.

Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen.

Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur.

Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht.

Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein.

Wiggins: Was bitte sir.

Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern.

Wiggins: Was erlauben sie sich.

Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher.

Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra.

Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen.

Brannigan: Sonst noch was Wiggums.

Wiggins: Ja einen Anwalt.

Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren.

Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat.

Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe.

Henry Turnbuckle: Jochen Busse
Ralph: Michael Hinz
Captain Brannigan: Michael Mendl
Sergeant Wiggins: Herbert Weicker
Barkeeper: Michael Schwarzmeier
Netterly: Jochen Striebeck
Maggie Henderson: Ilse Neubauer
Horace Latimer: Hartmut Becker
Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer
An- und Absage: Beate Himmelstoß

Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965)

Sally: Dadadabadada, hu-la…

Hacker: Sally.

Sally: Hu-la, lalala…

Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank.

Sally: Ja, Mr. Hacker.

Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden.

Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker.

Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon.

Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot.

Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden?

Sally: War kein Kunde.

Hacker: Wer wars denn?

Sally: Heizölfirma.

Hacker: Was wollte die denn?

Sally: Öl verkaufen.

Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot.

Sally: Hab ich doch gesagt, hida…badadada…

Hacker: Ein fremder Wagen.

Sally: Häh?

Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen.

Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft.

Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus.

Sally: Auch das noch.

Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun.

Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder.

Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie.

Sally: Was denn, richtig arbeiten.

Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los.

Sally: Jajajajaja…

Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen.

Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft.

Hacker: Ja, na, etwas schneller.

Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker?

Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an.

Sally: OK.

Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller.

Sally: Ja.

Hacker: Ja.

Waterbury: Mr. Hacker?

Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun?

Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden.

Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times.

Waterbury: Soso.

Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr.

Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen.

Hacker: Bitteschön.

Waterbury: Danke.

Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally.

Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker?

Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben.

Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf.

Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter.

Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen.

Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally?

Sally: Ja, Mr. Hacker?

Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf.

Sally: Ja, Mr. Hacker.

Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W…

Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau.

Sally: Ach, das Kühlhaus.

Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer.

Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally.

Sally: Ja, richtig.

Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und.

Waterbury: Ja, es hatte Säulen.

Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus.

Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht.

Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben.

Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef?

Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park.

Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool?

Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd.

Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor.

Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie.

Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir.

Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden.

Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte.

Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr.

Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an.

Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter.

Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75…75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost.

Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert?

Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit.

Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist.

Waterbury: Na was wohl sonst, ja.

Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally.

Sally: Jaja.

Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten.

Sally: Nicht einer.

Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden.

Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich.

Sally: Die Hausbesitzerin.

Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an.

Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar.

Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht.

Sally: Das stimmt, das stimmt.

Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern.

Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern.

Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert.

Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben.

Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt.

Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt.

Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser.

Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne?

Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald.

Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür.

Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist.

Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich.

Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha.

Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden.

Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten.

Waterbury: Meinetwegen, also bis später.

Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das.

Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt.

Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen?

Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen.

Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen.

Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht.

Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes.

Grimes: So, bitte hier herein.

Waterbury: Danke.

Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten.

Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein.

Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft.

Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat.

Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury.

Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu.

Grimes: O wie schön.

Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen.

Grimes: Und.

Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein.

Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür.

Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als.

Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten.

Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes.

Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter.

Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht.

Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen?

Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen.

Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury?

Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden.

Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen.

Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich.

Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas.

Waterbury: Sehr freundlich.

Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen.

Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus.

Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade.

Waterbury: Vielen Dank.

Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan.

Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut.

Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren.

Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus.

Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich.

Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut.

Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie.

Waterbury: Die Jugend.

Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht.

Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen.

Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht.

Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht.

Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht.

Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit.

Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten.

Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten.

Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer.

Waterbury: Ja, ja und.

Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter.

Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen.

Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört.

Waterbury: Ach, der arme arme Junge.

Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war.

Waterbury: Was soll das heißen.

Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen.

Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und?

Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann.

Waterbury: Und dann.

Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war.

Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt.

Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache.

Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden.

Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt.

Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht.

Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel?

Waterbury: Die Limonade…die…die Limo…

Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer
Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks
Mr. Hacker: Alfred Balthoff
Sally: Ursula Langrock

Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989)

Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden.

Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht.

Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß.

Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney.

Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke.

Lydia: Du bist aber spät dran.

Charles: Es ist doch erst fünf nach 6.

Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später.

Charles: Mein Herz Lydia.

Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf.

Charles: Der Doktor sagt aber.

Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig.

Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen.

Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli.

Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf.

Charles: Kuck mal da eine Maus.

Lydia: Hi, wo.

Charles: Guck doch mal hin.

Lydia: Wo Charli.

Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen.

Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat.

Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu.

Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf.

Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht.

Lydia: So wie heißt er denn.

Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt.

Lydia: Gekillt, wirklich.

Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter.

Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt.

Lydia: Ach nein.

Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen.

Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend.

Lydia: Charlie.

Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen.

Lydia: Du.

Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut.

Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt.

Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine.

Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen.

Lydia: Wir.

Charles: Ja wir beide, natürlich oder.

Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen.

Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst.

Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen.

Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia.

Lydia: Wie du meinst Charly.

Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren.

Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon.

Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen.

Lydia: Hier sind die Fahrkarten.

Charles: Du hast aber lange gebraucht.

Lydia: Tut mir leid.

Charles: Mach das nicht noch mal.

Lydia: Es waren zu viel Leute da.

Charles: Und bloß keine Ausreden.

Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe.

Charles: Lydia.

Lydia: Der Bus fährt punkt 9.

Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst.

Lydia: Ja Charly, ja.

Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße.

Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly.

Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen.

Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer.

Lydia: Mr Kelly.

Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch.

Charles: Tag Officier.

Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen.

Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen.

Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht.

Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn.

Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht.

Lydia: Charly er wird uns erschießen.

Kelly: Jetzt aber mal langsam.

Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott.

Kelly: Wovon reden sie eigentlich.

Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan.

Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme.

Kelly: Also Mr Guidney.

Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht.

Kelly: So.

Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz.

Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber.

Charles: Klamotten.

Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego.

Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander.

Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären.

Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden.

Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt.

Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her.

Kelly: Aha.

Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab.

Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen.

Charles: Danke Kelly.

Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe.

Charles: Na klar doch klar.

Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor.

Charles: Was ist.

Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich.

Charles: Na was ist denn nun Kelly.

Kelly: Ach hat er.

Charles: Es ist doch nichts oder.

Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich.

Charles: Was denn Kelly.

Kelly: Er steht direkt neben mir, ok.

Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an.

Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt.

Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus.

Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie.

Charles: Glaubst du.

Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen.

Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück.

Lydia: Und die Busfahrkarten.

Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia.

Lydia: Wo gehst du hin.

Charles: Ich weiß es nicht.

Lydia: Charly komm zurück, Charly.

Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht.

Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben.

Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße.

Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht.

Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an.

Charles: Haben sie irgendwas gesehen.

Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört.

Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen.

Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt.

Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt.

Verkäufer: Achso.

Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann.

Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22.

Händler: Sie machen wohl nen Witz.

Charles: Ich meine es ernst.

Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein.

Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist.

Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau.

Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe.

Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht.

Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort.

Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr.

Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er.

Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat.

Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut.

Charles: Können sie die Person beschreiben.

Händler: Natürlich, natürlich kann ich das.

Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen.

Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder.

Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg.

Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr.

Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast.

Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole.

Kelly: Ah das sind sie ja wieder.

Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly.

Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht.

Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden.

Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen.

Charles: Könnten sie draußen warten Kelly.

Kelly: Gut, Mr Guidney.

Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen.

Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch.

Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan.

Charles: Ich habs gar nicht getan.

Lydia: Was.

Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe.

Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht.

Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin.

Lydia: Ich verstehe nicht Charly.

Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen.

Lydia: Was redest du da.

Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen.

Lydia: Du fantasierst.

Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia.

Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt.

Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt.

Lydia: Du bist ja wahnsinnig.

Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an.

Lydia: Nein Charly.

Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er.

Lydia: Du willst.

Charles: Es ist aus Lydia.

Lydia: Charlie.

Charles: Aus, endgültig aus.

Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte.

Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her.

Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole.

Lydia: Du Schwein, du Miststück.

Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig.

Charles: Balduin Baas
Travis: Adolphos Sowah
Lydia: Evelyn Hamann
Kelly: Franz-Josef Steffens
Mann: Douglas Welbat
Verkäufer: Hans Irle
1. Händler: Gerd Samariter
2. Händler: Gerlach Fiedler

Roter Stern (BR/SFB 1992)
Hörspiel von Simone Schneider

Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen.

Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.

Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen?

Ja bitte?

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Vielen Dank.

Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann.

Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären?

Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich.

Nein.

Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei.

Vielen Dank.

Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück.

Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino.

Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda.

Bitte einen Wodka.

Wir schließen.

Aber all die Leute.

Personal.

Haben Sie sonst noch etwas anzubieten?

Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus.

Vielen Dank.

Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.

Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist.

Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an.

Was verstehen die unter Persönlichkeit.

Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden.

Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht.

Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange.

Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut.

In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen.

Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung.

Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte?

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Vielen Dank.

Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen.

Möchten Sie einen Wodka?

Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs.

O ja bitte.

Man sollte auf Liberta setzen.

Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln.

Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat.

Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme?

Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier.

Nein.

Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie.

Vielen Dank.

Ihr Michael Svoboda.

Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda.

Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert.

Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt.

Na so was.

Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen.

Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda.

Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen.

Wer sind Sie denn?

Wladimir Bombrowitsch.

Horrende Eintrittspreise, denk ich mal.

Ich bin der Heizer.

Sind Sie nicht der Kellner?

Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren.

Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen.

Wie bitte?

Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber.

Ach so.

Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary?

Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale.

Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer.

Träum ich? Wer bist du denn?

Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner.

Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht.

Darf ich Sie ein Stück begleiten?

Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war.

Haben Sie einen Brief für mich?

Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren.

Nein, ich folge Ihnen ganz privat.

Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau.

Warum?

Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht.

Irgendwann muß der Erlöser kommen.

Über die kleinen redet er erst gar nicht.

Das sagten Sie bereits.

Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert.

Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen?

Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief.

Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig.

Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben.

Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen?

Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt.

Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht.

Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte.

Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital.

Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows.

Das ist falsch.

Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste.

Ich begreife es nicht.

Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation.

Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend.

Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden.

Auch ich nehme kein Trinkgeld.

Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden.

Gibt es hier einen Postkasten?

Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen.

Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet.

Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität?

Und was machen Sie hauptberuflich?

Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen.

Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe.

Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist.

Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone?

Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt.

Der Treibstoff, nehm ich an.

Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen.

Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt.

Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen.

So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen.

Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch.

Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert.

Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer.

Ganz im Gegenteil.

Stehen die Denkmäler vergangener Epochen.

Sie verstehen mich.

Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert.

Ich suche einen Postkasten.

Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt.

Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe.

Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp.

Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe.

Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen?

In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe.

Das Leben eines Hundes.

Wie ist er wohl hineingekommen?

Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst.

Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen.

Der echte Chaplin ist um Klassen besser.

Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf.

Aber zu teuer.

An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat.

Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück.

Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig.

Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt.

Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte.

Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch.

Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger.

Vielen Dank.

Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen.

Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen?

Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen.

Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel.

Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen.

Billigste Exportartikel.

Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten.

Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine.

Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda.

Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum.

Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum.

Ach ja, Sie sind der Heizer.

Ich bin Schauspieler.

In welchem Stück?

Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit.

Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor?

Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe.

Moskau in Flammen?

So heißt unser Stück.

Fackeln Sie die Bühne ab?

Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5.

Hipp Hipp Bolschewik.

Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905.

Sie ruft mich. Liberta, Süße.

Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone.

Hipp Hipp, Bolschewik.

Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral.

Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden.

Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda?

Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten.

Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus.

Was sagt sie nur?

Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander.

Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt?

Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still.

Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau…

Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes…

Wladimir endlich im Funkelraum.

Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you.

Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten?

Wer sind Sie?

Die Admiralin.

Ich sehe vier.

Wir sind eins.

Ich suche einen Postkasten.

Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen.

Warum?

Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk.

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann?

Er schwamm.

Verstehe.

Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren.

Schon gut.

Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen.

Das tut mir leid.

Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann.

Was bleibt dann noch zu wünschen übrig?

Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge.

Der Brief.

Still.

Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis.

Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit.

Ich muß zurück nach Moskau.

Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda.

Jetzt können Sie funken.

Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente.

Back in the USSA.

Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange.

Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn.

Ich habe eine Botschaft.

Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze.

Ja, es ist wahr.

Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone.

Mir ist der Heilige Rochus erschienen.

Die Mode von Tschernobyl.

Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater.

In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch.

Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid.

In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal.

Darüber trug er einen goldenen Königsmantel.

Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief.

Schaute ein kleines Hündchen hervor.

Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl.

Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen.

Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen.

Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke.

Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember.

Und ich sah lange Wellen.

Tage später ist es umgekehrt.

Kurze Wellen.

Särge im Überfluß.

Lange Wellen.

Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden.

Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald.

Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer.

Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung.

Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung.

Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs.

70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows.

Bald war er dem Hungertod nahe.

Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg.

Aber dieses Licht.

Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen.

Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich.

Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer.

Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon.

Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen.

Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen.

In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus.

Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg.

Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone.

Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich.

In Estland eine Kundgebung.

So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum.

Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen.

Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften.

Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken.

Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt.

Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst.

Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten.

Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality.

Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig.

Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadtzentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternenstädtchen?

Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor.

Das Kino entführt uns nach anderswo.

Hoch lebe Wladimir Majakowski.

Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr.

Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen.

Wo bin ich?

Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf.

Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen.
Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt.

Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten.

Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief.

In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe.

In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer.

Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen.

Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat.

Aber was passiert mit den Analphabeten?

Laßet uns beten.

Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung.

Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel?

Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens.

Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen.

An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster.

Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub.

Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar.

Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch.

Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes.

Wo ist Dr. Svoboda?

Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys.

Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter.

Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf.

An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen.

Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden.

Hoch hebe Wladimir Majakowski.

Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls.

Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen.

Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpakenkinder im Trockenen.

Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig.

An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei.

Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun.

Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch.

Sie halten Hündchen?

In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp.

Ich suche einen Postkasten.

Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet.

Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial?

Still.

Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden.

Eine Explosion.

Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns.

Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch
Michael König Doktor Michael Svoboda
Krista Posch Die Amerikanerin
Gustl Halenke Die Admiralin
Traudl Haas Nixen
Gunter Berger Der Kellner
Joachim Höppner Der Lautsprecher
Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär
Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär
Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär
Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär
Regie: Ulrich Gerhardt
Redaktion: Herbert Kapfer

Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)

Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren.

Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name.

Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950.

Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir.

Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren.

Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist.

Elinor: Carrie, ich bin 31.

Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten.

Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen.

Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn.

Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich.

Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot.

Schwester: Das ist 20 Jahre her.

Elinor: Ja ich war gerade 12.

Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen.

Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt.

Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist.

Schwester: Das Auto niemals.

Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch.

Schwester: Aber ganze vier Wochen lang.

Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt.

Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto.

Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague.

Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird.

Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf.

Mrs Dudly: Was wollen sie?

Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet.

Mrs Dudly: Von wem.

Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste.

Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste.

Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall.

Mrs Dudly: Was sonst.

Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen.

Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen.

Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten.

Mrs Dudly: Das grüne Zimmer.

Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf.

Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist.

Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein.

Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha.

Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da.

Theo: Danke.

Elinor: Ich bin Elinor Vance.

Theo: Theodora, einfach Teo.

Elinor: Theo.

Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche.

Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben.

Theo: Hrm.

Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem.

Mrs Dudly: Das blaue Zimmer.

Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle.

Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat.

Theo: Oh wie lecker.

Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür.

Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht.

Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.

Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen.

Elinor: Nachts wenn es dunkel ist.

Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen.

Elinor: So ist es.

Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde.

Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden.

Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital.

Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen.

Theo: Du haßt deine Arbeit.

Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei.

Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich.

Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt.

Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag.

Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden.

Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite.

Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue.

Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick.

Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote.

Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen.

Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher.

Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden.

Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen.

Theo: Ein Werwolf was sonst.

Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns.

Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz.

Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden.

Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %.

Elinor: Und.

Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände.

Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt.

Theo: Hübsch.

Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder.

Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an.

Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder.

Theo: Er ist schief.

Elinor: Er ist schief nicht.

Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren.

Elinor: Wo.

Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures.

Elinor: Jede Wette.

Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt.

Elinor: Theo.

Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe.

Theo: Wie faszinierend.

Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson.

Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommerresidenz zum Beispiel.

Theo: Ein guter Witz.

Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen.

Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer.

Luke: Sie werden es nicht glauben.

Theo: Nun.

Luke: Rosa.

Theo: Hahah.

Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde.

Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly.

Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn.

Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles.

Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague.

Theo: Mit blondem Bart.

Elinor: Und Goldrandbrille.

Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum.

Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen.

Theo: Luke der Lügner, es wird spannend.

Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen.

Theo: Dr. erzählen sie weiter.

Montague: Wo war ich stehen geblieben.

Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter.

Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie.

Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen.

Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden.

Luke: Das wundert mich nicht.

Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich.

Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen.

Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus.

Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson.

Luke: Luke.

Theo: Luke.

Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen.

Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden.

Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt.

Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau.

Elinor: In dem Schiefen Turm.

Montague: Woher wissen sie das.

Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug.

Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor.

Elinor: Ja bitte danke.

Theo: Und, weiter.

Montague: Was bitte weiter.

Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil.

Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem.

Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses.

Theo: Es ist besonders häßlich.

Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber.

Elinor: Mir macht es Angst.

Montague: Angst wovor denn.

Elinor: Ich weiß nicht.

Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo.

Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer.

Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine.

Theo: Ich hole sie.

Montague: Nein.

Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung.

Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber.

Theo: Ich habe keine Angst Dr.

Luke: Oder wir gehen zusammen.

Theo: Haha.

Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns.

Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen.

Montague: Glauben sie an Gespenster.

Elinor: Natürlich nicht.

Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen.

Theo: Nein.

Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer.

Luke: Was ist denn jetzt. Also.

Theo: Elinor. Elinor.

Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal.

Elinor: Das ist kein Hörspiel.

Theo: Elinor, Luke.

Elinor: Theo.

Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie.

Theo: Hier.

Montague: Wo denn.

Theo: Mach die Tür auf.

Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand.

Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum.

Theo: Kommt denn niemand.

Elinor: Theo. Theo.

Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher.

Au.

Theo: Na endlich.

Luke: Alles in Ordnung.

Theo: Na klar mir gehts blendend.

Luke: Gut.

Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist.

Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig.

Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen.

Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht.

Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich.

Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt.

Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es.

Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern.

Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist.

Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen.

Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da.

Luke: Ja gerne.

Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben.

Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und.

Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10.

Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück.

Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet.

Theo: Ja wirklich wunderbar.

Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen.

Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles.

Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung.

Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster.

Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie.

Luke: Hier komme.

Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume.

Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann.

Luke: Verstecken und erschrecken.

Montague: Bitte kommen sie.

Elinor: Was war das.

Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen.

Theo: Da schon wieder, ganz von selbst.

Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen.

Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt.

Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen.

Theo: Elinor.

Montague: Alles in Ordnung mit ihnen.

Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen.

Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus.

Elinor: Ich will hier raus.

Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen.

Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch.

Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht.

Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam.

Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl.

Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz.

Luke: Still hab ich Halluzinationen oder.

Theo: Nein, ich hörs auch.

Luke: Wo kommt denn das her.

Theo: Dr Montague was ist das.

Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu.

Theo: Luke bleiben sie hier.

Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg.

Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet.

Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter.

Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht.

Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor.

Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt.

Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja.

Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief.

Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung.

Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen.

Theo: Elinor, was war denn plötzlich.

Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen.

Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz.

Theo: Elinor bist du noch da.

Elinor: Natürlich.

Theo: Was machst du.

Elinor: Ich denke nach.

Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich.

Elinor: Ja über dich.

Theo: Sehr gut.

Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich.

Theo: Was hast du gesagt.

Elinor: Nichts.

Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot.

Elinor: Nein.

Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift.

Elinor: Nein.

Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen.

Elinor: Hübscher.

Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen.

Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen.

Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch.

Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären.

Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen.

Elinor: Nein Theo.

Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum.

Elinor: Bitte hör auf.

Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich.

Elinor: Warum, mir gefällt es hier.

Theo: Eben, deshalb.

Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht.

Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja.

Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir.

Elinor: Was ist.

Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt.

Elinor: Mir auch.

Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor.

Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein.

Montague: Da war doch Elenors Stimme.

Luke: Ja aber aus Teos Zimmer.

Montague: Hallo wir sinds.

Theo: Doctor, Luke, gott sei dank.

Luke: Ist alles in Ordnung.

Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren.

Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer.

Montague: Wir haben einen Hund gejagt.

Theo: Einen Hund hier im Haus.

Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg.

Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört.

Montague: Keinen Laut.

Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten.

Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein.

Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag.

Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor.

Montague: Nein.

Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat.

Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden.

Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen.

Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt.

Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich.

Montague: Lassen sie sich überraschen.

Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft.

Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück.

Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm.

Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung.

Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung.

Montague: Ja das sagte ich ja.

Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden.

Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen.

Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen.

Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer.

Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen.

Montague: Selbstverständlich.

Elinor: Praktische Vernunft.

Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht.

Luke: Ich werde mein bestes tun.

Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten.

Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun.

Montague: Gehen sie raus aus der Kälte.

Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat.

Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt.

Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten.

Montague: Luke alleine, wo ist Theorora.

Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie.

Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei.

Luke: Was ist das Dr, Blut.

Montague: Das glaube ich nicht.

Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen.

Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten.

Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es.

Elinor: Du bist ja verrückt.

Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder.

Luke: Ich glaube schon.

Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus.

Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama.

Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches.

Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier.

Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E.

Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke.

Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor.

Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar.

Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen.

Montague: Es kennt die Namen von uns allen.

Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor.

Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus.

Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben.

Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln.

Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen.

Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst.

Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das.

Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung.

Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine.

Luke: Diese Bilder, ein kranker.

Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater.

Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere.

Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter.

Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht.

Elinor: Ich brauche Luft.

Luke: Halt warten sie doch.

Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry.

Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang.

Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen.

Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür.

Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben.

Theo: Allerdings.

Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen.

Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue.

Luke: Ach Elinor soll nicht ich.

Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus.

Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern.

Theo: Nicht von jedem.

Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben.

Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke.

Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche.

Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da.

Mrs Dudly: Da steht sie.

Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen.

Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen.

Elinor: Ich.

Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht.

Elinor: Nein.

Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr.

Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie.

Mrs Dudly: Sie sollten gehen.

Elinor: Warum.

Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht.

Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder.

Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben.

Montague: Halt warten Sie Luke.

Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten.

Luke: Scheiß Kasten.

Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung.

Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein.

Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht.

Elinor: Nein.

Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley.

Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme.

Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken.

Radio: Elenor Rigby.

Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor.

Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können.

Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen.

Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir.

Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service.

Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich.

Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee.

Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und.

Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse.

Elinor: Ein Auto ist vorgefahren.

Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses.

Montague: Ah das wird meine Frau sein.

Luke: Ihre Frau.

Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein.

Frau: John wo bist du.

Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe.

Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen.

Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson.

Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da.

Montague: Ich bring es gleich nach oben.

Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben.

Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein.

Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben.

Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft.

Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten.

Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich.

Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt.

Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen.

Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig.

Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh.

Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern.

Montague: Danke Elinor.

Theo: Luke sie machen mich nervös.

Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt.

Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment.

Frau: Was willst du, was willst du.

Frau: Sie antworten nicht immer gleich.

Frau: Was willst du.

Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich.

Frau: Leidest du und worunter, leidest du.

Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding.

Frau: Können wir dir helfen.

Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena.

Montague: Nicht das ich wüßte.

Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly.

Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt.

Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her.

Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial.

Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett.

Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du.

Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren.

Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde.

Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das.

Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie.

Theo: Bald sprengt es die Tür.

Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten.

Elinor: Es will mich, es will nur mich.

Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke.

Luke: Besser so.

Theo: Nein.

Montague: Ganz ruhig.

Theo: Das Haus spielt verrückt.

Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service.

Elinor: Ich halts nicht mehr aus.

Montague: Nicht nachgeben, Elinor.

Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor.

Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke.

Theo: Und bitte für Theo.

Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei.

Theo: Was heute noch.

Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor.

Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm.

Frau: Gibt es noch Kaffee.

Montague: Ja hier meine liebste.

Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill.

Theo: Hahah.

Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen.

Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen.

Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden.

Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden.

Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da.

Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn.

Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne.

Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier.

Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause.

Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie.

Theo: Dann zieh doch aus.

Elinor: Wie denn.

Theo: Du hast doch ein Beruf.

Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit.

Theo: Das geht nicht.

Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester.

Theo: Elenor.

Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern.

Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick.

Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren.

Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen.

Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote.

Theo: Schokoladenkuchen.

Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher.

Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt.

Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague.

Theo: Eleonor ist weg.

Montague: Da da ist sie.

Luke: Im schiefen Turm natürlich.

Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben.

Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme.

Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen.

Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter.

Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig.

Theo: Du mußt sie holen Luke.

Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie.

Theo: Luke bitte.

Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das.

Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen.

Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig.

Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja.

Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können.

Luke: Der Koffer ist im Auto.

Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance.

Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken.

Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos.

Elinor: Dr Montague.

Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr.

Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken.

Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr.

Theo: Du brauchst Abstand.

Elinor: Nein.

Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann.

Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen.

Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten.

Elinor: Aber wohin.

Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause.

Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke.

Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen.

Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht.

Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder.

Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus.

Mrs Dudly: Nach Hause.

Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert…

Elinor: Esther Hausmann
Theodora: Renan Demirkan
Dr. Montague: Rudolf Wessely
Mrs. Montague: Doris Schade
Luke: Ingo Hülsmann
Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister
Elinors Schwester: Sibylle Nicolai

Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer

Higgins: Guten Morgen, Ann.

Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor?

Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da?

Ann Pattison: Allerdings.

Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da?

Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen.

Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein.

Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune.

Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir.

Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard?

Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir.

Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet.

Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch?

Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten.

Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren?

Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache.

Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen.

Sir John: Was soll das heißen?

Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen?

Sir John: Nein, nein, nein.

Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall.

Sir John: Und?

Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast.

Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag.

Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage.

Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich.

Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen.

Sir John: Ja, ja, und?

Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen.

Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie.

Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das.

Sir John: Was ist das?

Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John?

Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit?

Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford.

Sir John: Überfahren.

Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung.

Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie.

Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich?

Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie.

Higgins: Einen Assistenten.

Lane: Hallo.

Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane.

Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor?

Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London.

Lane: Danke.

Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen.

Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun.

Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat?

Lane: Genau den.

Higgins: Mein Kompliment.

Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet?

Higgins: Danke Sir.

Ann Pattison: Sir John.

Sir John: Ja?

Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte.

Sir John: Wer denn?

Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds.

Higgins: Etwa Billy Reynolds?

Ann Pattison: Ja.

Higgins: Rein mit ihm.

Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen.

Reynolds: Inspektor?

Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds.

Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern.

Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an.

Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup?

Lane: Serapju-Coup?

Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen.

Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte.

Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder?

Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor.

Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John?

Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J.

Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten?

Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamantending etwa mit Pelford gedreht?

Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach.

Ann Pattison: Aber Sir John.

Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten?

Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt.

Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu?

Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter…

Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.

Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen.

Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es?

Reynolds: Tja, er weiß es eben.

Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier.

Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste!

Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte?

Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar.

Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen?

Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte.

Higgins: Wo wohnen Sie?

Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet.

Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir.

Reynolds: Was haben Sie vor?

Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns.

Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird?

Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören.

Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren?

Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich.

Reynolds: Nein, aber der Joker…

Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie.

Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an.

Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet!

Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden.

Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird.

Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert.

Sir John: Dieser Joker… was ist?

Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein.

Ann Pattison: Sir John.

Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel.

Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln.

Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat.

Sir John: Reynolds ist tot.

Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant.

Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden.

Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John.

Lane: Sir.

Kellner: Was darfs sein?

Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte.

Higgins: Für mich einen doppelten Scotch.

Kellner: Jawohl Sir.

Higgins: Rauchen Sie?

Lane: Danke nein.

Higgins: Aber ich doch.

Lane: Ganz schön was los hier.

Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen.

Lane: Oh wie beruhigend.

Kellner: Ihre Getränke.

Higgins: Danke.

Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen.

Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem.

Lane: Ist was?

Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn?

Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor.

Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner.

Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn?

Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach.

Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre?

Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig.

Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden.

Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst?

Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus.

Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf?

Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch.

Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken.

Lane: Tatsächlich.

Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken.

Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor.

Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw.

Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief.

Higgins: Oh, keine Ursache.

Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte.

Sir John: Wer ist das denn?

Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras.

Higgins: Kenn ich nicht.

Sir John: Ja, soll hereinkommen.

Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras.

Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen.

Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington.

Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras.

Harras: Dankeschön.

Sir John: Was führt Sie zu uns?

Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte.

Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras.

Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt.

Higgins: Wann was das?

Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort.

Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte?

Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen.

Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben.

Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei.

Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ.

Higgins: Namen fielen keine?

Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor.

Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen.

Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel.

Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen.

Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag.

Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium?

Harras: In West Kensington, nahe der North End Road.

Sir John: Das ist eine noble Gegend.

Harras: Allerdings.

Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith?

Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite.

Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns.

Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir.

Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins.

Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher.

Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins.

Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden.

Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet.

Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu.

Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was?

Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre.

Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser…

Higgins: Silkwood.

Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch.

Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl.

Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen?

Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers.

Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel.

Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen…

Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen.

Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren.

Sir John: Wie meinen Sie?

Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend.

Sir John: Ja wohin wollen Sie?

Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen.

Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus?

Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle.

Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften?

Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte.

Lane: Noch nie?

Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich.

Lane: Chiefinspektor…

Higgins: Higgins für Sie.

Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht.

Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi.

Lane: Und Ihre Intimfreunde?

Higgins: Higgi.

Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus.

Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten.

Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker?

Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden.

Lane: Von denen Sie gar nichts wissen.

Higgins: Noch nichts.

Lane: Und wie gehts also weiter?

Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras.

Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim.

Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen.

Lane: Bleibt also nur das Montmartre.

Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen?

Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals.

Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig.

Lane: Vielleicht will er Personal sparen.

Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden.

Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor?

Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art.

Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt.

Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen?

Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun.

Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann… Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal… Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett?

Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern.

Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis.

Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi.

Higgins: Jaja.

Lane: Möchten Sie einen Drink?

Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben.

Lane: Auf den Joker.

Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers.

Lane: Cheers.

Higgins: Es gibt Neuigkeiten.

Lane: Hm, da bin ich aber gespannt.

Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab.

Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut.

Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß.

Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker.

Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse.

Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt?

Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist?

Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten?

Lane: Welche?

Higgins: Den Abend zu verlängern.

Lane: Hm.

Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen.

Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling?

Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace.

Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet.

Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach.

Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht.

Higgins: Ich danke dir, Profi.

Lane: Also machs gut, bis später… Ah!

Higgins: Barbara, Barbara, was ist los?

Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen.

Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser.

Lane: Steht da irgend etwas drauf?

Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig.

Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint?

Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist.

Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter…

Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie?

Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter.

Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen?

Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür.

Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein.

Lane: Ja was wirst du jetzt tun?

Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen.

Lane: OK.

Lady Smith: Was kann ich für Sie tun?

Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig?

Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht.

Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte.

Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben.

Higgins: So ist es.

Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen?

Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an.

Lady Smith: Ja.

Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady?

Lady Smith: Nein, Inspektor.

Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium.

Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen?

Higgins: Natürlich.

Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut.

Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie.

Lady Smith: Bitte?

Higgins: Ja.

Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind.

Higgins: Ich verstehe.

Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht.

Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen.

Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag.

Higgins: Achso.

Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben.

Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte?

Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen.

Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das?

Lady Smith: Ja, ja, äh Miller?

Miller: Ja?

Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen.

Miller: Ja.

Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns.

Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins.

Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann.

Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie.

Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun?

Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden?

Goldmann: Ja, den einen kenn ich.

Higgins: Den mit der Narbe?

Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille.

Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford?

Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus.

Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady?

Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben.

Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben.

Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich.

Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen.

Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor?

Higgins: Milady?

Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen?

Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady.

Lady Smith: Auf Wiedersehen.

Sir John: Ja.

Higgins: Hallo, Sir John?

Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn?

Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen.

Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck?

Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen?

Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren…

Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung!

Hooper: Hände hoch, keine Bewegung!

Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs.

Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor.

Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus.

Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12.

Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park.

Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen.

Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen.

Sir John: Higgins, was war denn los?

Higgins: Sitzen Sie?

Sir John: Ja.

Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart.

Sir John: Der Joker?

Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben.

Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch?

Higgins: Silkwood, Sir.

Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt.

Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard.

Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4.

Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. – Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott!

Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe?

Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady?

Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache.

Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus.

Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich?

Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt.

Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich.

Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind.

Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen.

Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert?

Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton.

Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith.

Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens.

Lady Smith: Na also, sehen Sie.

Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat.

Lady Smith: Wer hat das denn behauptet?

Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste.

Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten.

Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen.

Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist.

Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune.

Sir John: Higgins.

Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott.

Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen?

Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist.

Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden.

Lane: Eine temperamentvolle Lady.

Higgins: Blöde Kuh.

Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen.

Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall?

Sir John: Nein, aber… Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins.

Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins?

Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können.

Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter.

Sir John: Wer war das?

Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten.

Sir John: Bin ich allwissend?

Higgins: Unser Freund.

Sir John: Doch nicht etwa der Joker?

Higgins: Doch.

Sir John: Und was wollte er?

Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht.

Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander.

Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig?

Sir John: Was soll ich merkwürdig finden?

Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch.

Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann?

Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren.

Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich.

Higgins: Ich höre doch.

Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung.

Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Aber jetzt nicht.

Ann Pattison: Sir John.

Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich.

Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken?

Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden.

Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht?

Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John?

Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt.

Higgins: Barbara.

Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen.

Higgins: Danke, Profi.

Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt… ja hier Higgins, was gibts?

Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper.

Higgins: Ja?

Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover.

Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende.

Higgins: Ja, Higgins hier.

Hooper: Hier Seargent Hooper.

Higgins: Was gibts neues?

Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da.

Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen.

Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen.

Higgins: Können Sie die Marke erkennen?

Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster.

Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende.

Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor.

Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren.

Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen.

Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen.

Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor.

Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen.

Tankwirtin: Guten Morgen Sir.

Higgins: Guten Morgen.

Tankwirtin: Was soll’s sein?

Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll.

Tankwirtin: Ja.

Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht.

Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt.

Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt?

Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich.

Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt?

Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen.

Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist?

Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage.

Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen.

Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut.

Higgins: Hoffen wirs.

Tanner: Ja.

Higgins: Mr. Tanner?

Tanner: Sie wünschen?

Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard.

Tanner: Was wollen Sie?

Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte.

Tanner: Worüber?

Higgins: Ich suche ein Auto.

Tanner: Soso.

Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert.

Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler.

Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung?

Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier.

Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört.

Tanner: Nein, wer soll das sein?

Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt?

Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen.

Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann?

Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage.

Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen.

Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente.

Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar.

Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war.

Higgins: Er lebt im Ausland?

Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann…

Higgins: Wie heißt er mit Vornamen?

Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles.

Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann?

Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann.

Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen.

Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine.

Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt.

Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede…

Higgins: Ich…Mister…

Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?

Higgins: Noch nicht.

Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor?

Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John.

Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers?

Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte.

Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist.

Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt.

Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist?

Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte.

Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins.

Higgins: Danke, Sir.

Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen.

Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal.

Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand.

Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht.

Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner?

Higgins: Einiges über 70, Sir.

Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Ja, aber nicht jetzt.

Ann Pattison: Sir John, bitte.

Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns.

Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser…

Higgins: Silkwood.

Sir John: Ja.

Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind.

Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde.

Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen?

Sir John: Ja, ich bitte darum.

Higgins: Sie auch?

Sir John: Ja, aber ohne Eis.

Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist?

Sir John: Nein.

Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann.

Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich?

Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann.

Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann.

Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor.

Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen?

Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm.

Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium?

Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste.

Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen.

Higgins: Cheers.

Sir John: Ja, zum Wohl.

Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John?

Sir John: Kann doch Zufall sein.

Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Lane: Hallo Darling.

Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace?

Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs.

Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name.

Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht?

Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt.

Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt.

Higgins: A ja, wer hat gewonnen?

Lane: Remi.

Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft?

Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort.

Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen?

Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf.

Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte.

Lane: Hm, ich werds für dich versuchen.

Higgins: Aber Darling, ich bitte dich.

Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig.

Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern.

Lane: Tu das, Higgi.

Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut.

Higgins: Sei vorsichtig, Profi.

Lane: Du auch, Profi.

Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort.

Higgins: Das darf doch nicht wahr sein.

Sir John: Ah, Tag Higgins.

Higgins: Sir John.

Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer.

Short: Guten Tag.

Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal.

Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen.

Higgins: Wie sahen die Kerle aus?

Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen.

Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert.

Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund.

Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind?

Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor.

Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen.

Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short.

Short: Aber bitte schön.

Sir John: Nun?

Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise.

Sir John: Und was wollen Sie unternehmen?

Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers.

Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation.

Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden.

Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins.

Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John.

Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin.

Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig.

Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief.

Ann Pattison: Welcher, Sir John?

Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen.

Higgins: Guten Abend, Sir John.

Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues?

Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong.

Sir John: Telex? Hongkong?

Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm.

Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen.

Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John.

Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar.

Higgins: Ja, und das ist sein Foto.

Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro?

Higgins: Zweifellos, das ist er.

Sir John: Na sehen Sie.

Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir.

Sir John: Danke.

Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins.

Higgins: Danke.

Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben.

Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation.

Sir John: Ja und?

Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo.

Sir John: Guliano Montaldo?

Higgins: Geboren 1931 in Neapel.

Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins?

Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers.

Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen.

Higgins: Schießen Sie los, Rogers.

Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt.

Sir John: Ist ja grauenhaft.

Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde?

Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet.

Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart.

Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam.

Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail?

Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde.

Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte?

Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte.

Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was?

Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich.

Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen?

Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep.

Higgins: Vielleicht ein Range Rover?

Rogers: Durchaus möglich.

Higgins: Und der andere?

Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen.

Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein?

Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen.

Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben.

Rogers: OK, Sir.

Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon?

Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben.

Sir John: Das ist ja unglaublich.

Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht.

Sir John: Wie meinen Sie das?

Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit.

Sir John: Carpenter wird doch überwacht.

Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert.

Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins?

Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen.

Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus.

Rogers: Inspektor Higgins.

Higgins: Rogers?

Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane.

Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara?

Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt…

Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers.

Rogers: Ja, Sir?

Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung.

Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier.

Higgins: Leise.

Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht.

Higgins: Sir John.

Lady Smith: Na los.

Higgins: Barbara?

Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe.

Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen.

Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto.

Miller: Is gut.

Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen?

Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor.

Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker?

Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt.

Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort.

Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte… Ah!

Lane: Mein Gott, Lady Smith!

Sir John: Wer hat denn da geschossen?

Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto.

Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr.

Rogers: Wie gehts jetzt weiter?

Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre.

Nick: Polizei. Polizei.

Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter?

Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll.

Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro.

Nick: Ja und?

Higgins: Aufsperren.

Nick: Ja bitte sehr.

Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins?

Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab.

Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal.

Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen?

Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal.

Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins?

Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch.

Sir John: Das ist ja interessant.

Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung.

Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor.

Higgins: Hier also ist es.

Sir John: Aber das ist ja…

Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht.

Sir John: Das ist ja allerhand.

Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben.

Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser…

Higgins: Silkwood, Sir.

Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet.

Hooper: Chiefinspektor?

Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier?

Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien.

Higgins: Ich habe was?

Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig.

Sir John: Was ist merkwürdig?

Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein.

Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins?

Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen.

Sir John: Jajaja. Und?

Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir.

Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht.

Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen.

Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner.

Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor.

Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner?

Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden.

Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner.

Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen?

Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner.

Tanner: Was ist das?

Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte.

Tanner: Was soll das?

Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein.

Tanner: Bald fertig, Inspektor?

Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungstreife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging.

Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt?

Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch?

Tanner: Was wollen Sie eigentlich?

Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter…

Tanner: Wer ist das?

Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin.

Tanner: Sie fantasieren.

Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood…

Tanner: Kenn ich nicht.

Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann.

Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun?

Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand.

Tanner: Was meinen Sie?

Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel.

Tanner: Sie sind ja verrückt!

Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen.

Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.

Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden… – Sie also, Sie sind der Joker…

Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet?

Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann.

Sir John: Na, Higgins?

Higgins: Sir?

Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier.

Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor.

Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben.

Goldmann: Ganz recht.

Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen?

Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen.

Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein?

Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten.

Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist.

Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist.

Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können.

Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben?

Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen.

Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial.

Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann.

Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen…pardon…frauchen von Scotland Yard.

Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt.

Higgins: Nach Harvard?

Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension.

Higgins: Entzückend.

Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände?

Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John.

Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins.

Goldmann: Ja, viel Glück.

Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten.

Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt?

Chefinspektor Higgins: Horst Frank
Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank
Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch
Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark
Billy Reynolds: Frank Scholze
Josua Harras: Willi Schneider
Sergeant Hooper: Berth Wesselmann
Lady Smith: Ingeborg Steiert
Theodor Goldmann: Walter Laugwitz
Tankwirtin: Helene Elcka
Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen
Mr. Short: Klaus Spürkel
Lieutenant Rogers: Gerd Andresen
Nick: Andreas Szerda

Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)

Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe.

Dexter: Ihr Bier bitte.

Marlowe: Danke.

Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt.

Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr.

Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht.

Marlowe: Ja stimmt.

Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend.

Marlowe: Gleich gegenüber.

Dexter: Im Berglundhaus.

Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe.

Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter.

Marlowe: Freut mich.

Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank.

Dexter: Kennen sie den.

Marlowe: Nein.

Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche.

Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch.

Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun.

Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky.

Dexter: Soll ich.

Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht.

Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht.

Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht.

Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert.

Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky.

Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke.

Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen.

Dexter: Eine Dame.

Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband.

Dexter: Nein, die Dame war nicht hier.

Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte.

Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier.

Waldo: Ah.

Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen.

Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher.

Marlowe: Verdammt.

Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um.

Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot.

Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen.

Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon.

Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls.

Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war.

Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus.

Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis.

Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische.

ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie.

Marlowe: Philip Marlowe.

ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller.

Marlowe: Hier ist meine Karte.

ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier.

Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus.

ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist.

Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach.

ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen.

Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen.

ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte.

Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß.

ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen.

Marlowe: Nur dieser.

ORyan: Was.

Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp.

ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein.

Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband.

Lola: Was glotzen sie mich denn so an.

Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke.

Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig.

Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße.

Lola: Was erlauben sie sich.

Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus.

Lola: Ich verstehe sie nicht.

Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles.

Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß.

Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus.

Lola: Tja und wohin damit.

Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42.

Lola: Sucht man denn nach mir.

Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist.

Lola: Waldo.

Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht.

Lola: Nein.

Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter.

Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken.

Lola: Ich weiß nicht.

Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe.

Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle.

Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv.

Lola: Ach.

Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben.

Lola: Beweisen sie es.

Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser.

Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch.

Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert.

Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte.

Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten.

Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden.

Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm.

Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend.

Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls.

Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt.

Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall.

Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung.

Lola: Wer war denn noch in dem Lokal.

Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot.

Lola: Hahaha.

Marlowe: Was soll das, warum lachen sie.

Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph.

Marlowe: Er heißt also Joseph.

Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker.

Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen.

Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen.

Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran.

Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will.

Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet.

Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment.

Marlowe: Joseph Bakers.

Lola: Ja.

Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph.

Lola: Ja.

Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt.

Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles.

Marlowe: Und wo ist ihr Mann.

Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung.

Marlowe: Aha.

Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen.

Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst.

Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt.

Marlowe: Ja.

Lola: Da kommt jemand zu ihnen.

Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon.

Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit.

Marlowe: Oh.

Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie.

Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit.

Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei.

Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an.

Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts.

Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein.

Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was.

Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan.

Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin.

Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind.

Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund.

Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen.

Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist.

Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern.

Al Tessilore: Angst wie.

Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten.

Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht.

Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu.

Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch.

Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich.

Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission.

ORyan: Inspektor ORyan.

Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe.

ORyan: Ah, sie, Marlowe.

Marlowe: Ja.

ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist.

Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist.

ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen.

Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab.

ORyan: Wen.

Marlowe: Den Killer.

ORyan: Was.

Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln.

ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe.

Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen.

ORyan: Und wer ist noch bei ihnen.

Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein.

ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr.

Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42.

ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen.

Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden.

ORyan: Sind sie sicher, daß er es war.

Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller.

ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen.

Marlowe: Ja.

ORyan: Schlüssel.

Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu.

Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie.

Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht.

ORyan: Handtuch Marlowe.

Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf.

ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie.

Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas.

ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen.

Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr.

ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus.

Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen.

ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan?

Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte.

ORyan: Welcher andere?

Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer.

ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich?

Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus.

ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor?

Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt.

ORyan: Wieso ich?

Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar.

ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben.

Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können.

ORyan: Okay.

Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat.

ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid.

Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme.

Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein.

Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig?

Lola: Steigen Sie ein, bitte.

Marlowe: Aber schnell weg von hier.

Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte.

Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie?

Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen.

Lola: Und was geschah weiter?

Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich.

Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt?

Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind.

Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin.

Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen.

Lola: Ich will auch meine Perlen.

Marlowe: Perlen?

Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen.

Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden.

Lola: Ach.

Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen.

Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben.

Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien.

Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel.

Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?

Lola: Lola.

Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola.

Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph.

Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja.

Lola: Ja.

Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus.

Lola: Ja.

Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren.

Lola: Ja.

Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei.

Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte.

Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie?

Lola: Ja.

Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen.

Lola: Das ist lieb von Ihnen.

Marlowe: Dritte Etage.

Lola: Apartment 31, ich werde hier warten.

Marlowe: Ist gut.

Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive.

Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden?

Marlowe: Nicht eine einzige.

Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden.

Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen.

Lola: Ich fände es bedauerlich.

Marlowe: Viel Glück, Lola.

Lola: Good bye.

Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street.

Marlowe: Guten Abend.

Anja: Sie wünschen.

Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko.

Anja: Nein, Miss Kolchenko.

Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht.

Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht?

Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst?

Anja: Wer sind Sie?

Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte.

Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung.

Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte.

Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist?

Marlowe: Er ist tot.

Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein.

Frank: Was ist los mein Schatz?

Anja: Hier, der Mann ist Detektiv.

Marlowe: Guten Abend.

Anja: Bitte mach Musik aus.

Frank: Na und?

Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen.

Frank: Was ist mit dem Wagen?

Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen.

Frank: Und warum nicht? Warum nicht?

Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat.

Frank: Verdammt noch mal.

Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte.

Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es.

Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse.

Frank: Und im Headquarter?

Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen.

Frank: Und wonach suchten Sie?

Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten.

Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung?

Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug.

Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch?

Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde.

Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz.

Anja: Hier habt ihr.

Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko.

Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug.

Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg?

Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten.

Frank: Wie viel?

Marlowe: Sagen wir noch mal 500.

Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe.

Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür?

Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt.

Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen.

Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus?

Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen.

Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen.

Frank: Ja.

Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat.

Frank: Verdammt.

Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na.

Frank: Frank Barsaly.

Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart.

ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her?

Marlowe: Sie gehören einer Dame.

ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht.

Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen.

ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr.

Marlowe: Wer war er denn?

Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen.

Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat.

Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen.

Marlowe: Danke Inspektor.

ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie?

Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte.

ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe.

Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein.

Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch.

Marlowe: Falsch?

Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch.

Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten?

Miller: Wenn nicht mehr.

Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden.

Miller: Ja.

Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden?

Miller: Papiere? Keine.

ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie?

Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe.

ORyan: Und was die Dame anbelangt.

Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen.

ORyan: Ah, schon etwas.

Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker.

ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame?

Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen.

ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren?

Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen.

ORyan: Ja, möglich.

Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau.

ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter.

Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte.

Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher.

Marlowe: Eben.

Miller: Ist das alles?

Marlowe: Ja.

Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür?

Marlowe: Ich.

ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht.

Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe?

Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen.

ORyan: So.

Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel?

ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten.

Miller: Sam.

ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe.

Miller: Steck die Waffe weg, Sam.

ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können.

Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden.

Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn.

Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg.

Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken.

Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir.

Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand.

Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun.

Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club.

Miller: Danke. Komm Sam gehen wir.

Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen.

Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen.

Marlowe: Okay.

Miller: Komm schon.

Lola: Hallo.

Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola?

Lola: Ja, ich bin allein.

Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden.

Lola: Was denn?

Marlowe: Die Perlen.

Lola: Ja.

Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft.

Lola: Oh nein.

Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen.

Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden?

Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen.

Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen?

Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden?

Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung.

Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf.

Lola: Also um vier.

Mann: Ja. Was solls?

Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500.

Mann: Okay, Mr. Marlowe.

Marlowe: Danke.

Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen.

Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit?

Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell.

Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden.

Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben.

Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig.

Marlowe: Danke.

Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs.

Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben.

Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung.

Lola: Danke.

Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen?

Lola: Ja.

Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat.

Lola: Natürlich.

Marlowe: Er muß den Mund halten.

Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan.

Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen.

Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben.

Marlowe: Allerdings.

Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen.

Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war.

John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen
Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar
Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya
Frank Barsaly: Dietrich Thoms
Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer
Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski
Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel
Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß
Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven
Juwelier: Alexander Malachovsky

Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974)

Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf.

Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy.

Frau: Und sie wünschen.

Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt.

Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus.

Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.

Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen.

Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern.

Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich.

Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber.

Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein.

Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange.

Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten.

Spade: Ja, das sehe ich ein.

Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen.

Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau.

Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber.

Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr.

Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen.

Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen.

Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas.

Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande.

Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee.

Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.

Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch.

Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe.

Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch.

Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird.

Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme.

Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um.

Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst.

Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt.

Spade: Ich dachte.

Hook: Na was denn.

Spade: Ich dachte ich hätte geträumt.

Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich.

Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte.

Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer.

Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich.

Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben.

Hook: Ach was du nicht sagst.

Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird.

Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf.

Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch.

Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest.

Hook: Was denn, was soll das heißen.

Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen.

Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht.

Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte.

Tai: Was ist denn hier los, Hook.

Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur.

Tai: Woraus schließt du das.

Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich.

Tai: Bist du ganz sicher.

Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so.

Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus.

Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt.

Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen.

Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen.

Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen.

Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte.

Tai: Zeig mal her.

Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr.

Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung.

Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas.

Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef.

Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental.

Hook: Was hab ich gesagt.

Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm.

Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was.

Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann.

Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht.

Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast.

Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler.

Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie.

Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her.

Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen.

Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen.

Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kollegen werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg.

Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann.

Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann.

Elvira: Hook sei doch vernünftig.

Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden.

Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter.

Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können.

Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben.

Hook: Elvira, komm doch mal her.

Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will.

Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her.

Elvira: Was willst du denn von mir.

Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide.

Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse.

Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen.

Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook.

Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren.

Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein.

Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann.

Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe.

Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit.

Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen.

Elvira: Pst ich glaube er kommt.

Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst.

Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um deinen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist.

Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman.

Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook.

Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt.

Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr.

Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will.

Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen.

Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei.

Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen.

Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt.

Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen.

Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook.

Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen.

Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen.

Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr.

Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen.

Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reisetasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig.

Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler.

Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver.

Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn.

Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt.

Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten.

Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner.

Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen.

Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht.

Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen.

Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind.

Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen.

Tai: Was soll das heißen.

Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte.

Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt.

Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen.

Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was.

Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her.

Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest

Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere.

Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie.

Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund.

Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken.

Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt.

Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen.

Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie.

Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen.

Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon.

Spade: Hm, das Mädchen.

Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann.

Tai: Was dann.

Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich.

Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr.

Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern.

Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt.

Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben.

Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her.

Elvira: Was willst du von mir.

Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade.

Elvira: Ja hier sind Sie.

Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln.

Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt.

Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand.

Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst.

Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß.

Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt.

Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck.

Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas.

Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen.

Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann.

Mr Quarre: Gut wie du meinst.

Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt.

Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte.

Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen.

Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um.

Tai: Wo ist Elvira.

Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig.

Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand.

Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun.

Tai: Was denn, was für einen Gefallen.

Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht.

Tai: Warum es geht.

Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung.

Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier.

Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht.

Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen.

Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch.

Tracy (Detektiv): Michael Thomas
Mrs Quarre: Käthe Haack
Mr Quarre: Walter Bluhm
Hook: Horst Michael Neutze
Elvira: Eva Garg
Tai: Erik Schumann
Eine Frau: Annelie Jansen

Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989)

Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin – Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief.

Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit.

Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarzschimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch.

Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts.

Burma: Ja, und sie.

Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst.

Burma: Wohin soll ich nicht gehen.

Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr.

Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase.

Belita: Er ist tot.

Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz.

Belita: Wie meinen sie das.

Burma: Nur so, weiter.

Belita: Das ist alles.

Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben.

Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht.

Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt.

Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater.

Burma: Was wollte er von mir.

Belita: Weiß ich nicht.

Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt.

Belita: Ja.

Burma: Was.

Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen.

Burma: Und, vertrauen sie mir.

Belita: Weiß ich nicht.

Burma: Viel wissen sie wirklich nicht.

Belita: Nur daß er tot ist.

Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das.

Belita: Glauben sie mir nicht.

Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen.

Belita: Belita, Belita Morales.

Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig.

Belita: Ich weiß.

Burma: Ach endlich wissen sie mal was.

Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt.

Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit.

Belita: Nein.

Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme.

Belita: Das würde ich ihnen nicht raten.

Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden.

Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie.

Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma.

Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten.

Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen.

Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale.

Burma: Ich bin kein Kommunist.

Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins.

Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe.

Fabre: Verdammte Anarchisten.

Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört.

Fabre: Der Tiger.

Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf.

Fabre: Das hat er gesagt der Tiger.

Burma: Jawohl mein lieber.

Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich.

Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben.

Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit.

Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet.

Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich.

Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht.

Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt.

Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an.

Fabre: Na Monsieur Burma.

Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht.

Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus.

Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen.

Fabre: Lenantais.

Burma: Lenantais, der aus Nord.

Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel.

Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn.

Fabre: Wann und wo.

Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier.

Fabre: Falsch.

Burma: Wieso falsch.

Fabre: Vegetarier.

Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren.

Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter.

Burma: Ein bißchen.

Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach.

Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten.

Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte.

Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken.

Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich.

Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen.

Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird.

Faroux: Gehen wir in ein Bistro.

Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck.

Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank.

Burma: Er war tolerant.

Faroux: Was trinken sie.

Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er.

Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen.

Burma: Und was machte er so.

Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt.

Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele.

Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf.

Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem.

Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick.

Frau: Redaktion Le Crepuscule.

Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet.

Frau: Ich verbinde.

Covet: Hallo.

Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird.

Covet: Ist das der anfang von was.

Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit.

Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität.

Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener.

Covet: Also mißachtest du seinen Willen.

Burma: Kann schon sein.

Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf.

Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit.

Mann: Am ende vom hof links.

Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand.

Burma: Hallo Belita.

Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure.

Burma: Ich schlafe immer allein.

Frau: Und du, du Hurenbock.

Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs.

Belita: Danke.

Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag.

Belita: Ich hab die flics gesehen.

Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln.

Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus.

Belita: Ich kümmer mich drum.

Burma: Na legen sie sich hin.

Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm.

Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt.

Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin.

Belita: Wofür halten sie mich.

Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe.

Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte.

Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr.

Belita: Er hat mich gekauft.

Burma: Gekauft.

Belita: Ja.

Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin.

Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich.

Burma: Und wieso gekauft.

Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen.

Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter.

Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet.

Burma: Was.

Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte.

Burma: Und.

Belita: Er hat mich nie angerührt und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv.

Burma: Wir.

Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen.

Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann.

Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an.

Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum.

Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat.

Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt.

Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare.

Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück.

Belita: Jetzt hast du mich geduzt.

Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell.

Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit.

Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen.

Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe.

Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist.

Lacorre: Allerdings.

Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist.

Lacorre: Hätte noch gefehlt.

Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes.

Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut.

Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten.

Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen.

Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle.

Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen.

Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen.

Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen.

Belita: Wie alt warst du da.

Burma: 17.

Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre.

Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen.

Belita: Abel mochte dich wohl besonders.

Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen.

Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall.

Burma: Ich sollte gehen.

Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest.

Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt.

Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht.

Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador.

Salvador: Los, mitkommen.

Burma: Wer ich.

Salvador: Die da.

Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab.

Salvador: Vor dir.

Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen.

Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an.

Salvador: Ich hau ja schon ab.

Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam.

Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist.

Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte.

Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich.

Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei.

Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir.

Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen.

Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen.

Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend.

Helene: Agentur Fiat Lux.

Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues.

Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe.

Burma: Und mein Freund Florimond Faroux.

Helene: Nichts Chef.

Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht.

Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin.

Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene.

Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag.

Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten.

Belita: Madre dios, der Arzt.

Burma: Was ist mit dem Arzt.

Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das.

Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er.

Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen.

Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert.

Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel.

Belita: Schon wieder ein toter.

Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den.

Belita: Nie gesehen.

Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken.

Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen.

Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert.

Belita: Was machen wir jetzt.

Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen.

Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte.

Belita: Rue de tolbiac.

Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz.

Belita: Sei vorsichtig.

Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen.

Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten.

Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest.

Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket.

Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch.

Belita: Ich hab Angst, cheri.

Burma: Ach was, mon amour.

Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte.

Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst.

Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf.

Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück.

Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung.

Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das.

Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht.

Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet.

Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn.

Burma: Nein nie gehört.

Helene: Aber er kennt sie.

Burma: Und woher wissen sie das.

Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie.

Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären.

Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung.

Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot.

Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen.

Burma: Warum.

Mann: Hören sie die Säge, Monsieur.

Burma: Jetzt nicht mehr.

Mann: Eben, die Stunde x, Streik.

Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte.

Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben.

Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt.

Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno.

Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni.

Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es.

Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird.

Baurenot: Aha, versteh ich nicht.

Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen.

Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht.

Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast.

Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt.

Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert.

Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine.

Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon.

Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal.

Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen.

Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien.

Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr.

Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen.

Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich.

Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los.

Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück.

Burma: Hat er den Geldboten überfallen.

Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier.

Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts.

Baurenot: Du jetzt reichts aber.

Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher.

Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre.

Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen.

Baurenot: Aha, ist aber schade.

Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft.

Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte.

Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage.

Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet.

Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi.

Burma: Belita, Belita.

Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser wenn ich gehe.

Belita: Es ist besser wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet.

Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen.

Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm.

Burma: Ja sieht so aus.

Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau.

Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse.

Covet: Wie verstehe ich denn das.

Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee.

Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen.

Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten.

Covet: Ja, mach ich.

Mann: gott ist mit dir.

Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagnosträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen.

Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit.

Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar.

Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere.

Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken.

Mann: Das bekommt die polizei Monsieur.

Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre.

Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden.

Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich.

Covet: Wer wars.

Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten.

Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen.

Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser.

Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld.

Burma: Was, der Mord an Lacorre.

Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein.

Burma: So ungefähr.

Baurenot: Delong hat den Kopf verloren.

Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde.

Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht.

Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch.

Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte.

Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner
Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel
Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler
Inspektor Fabre: Jürgen Andreas
Belita: Manuela Romberg
Marc Covet: Andreas Mannkopff
Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler
Joachim Bartels
Manfred Boehm
Ernst Konarek
Wolfgang Reinsch
Margarete Salbach
Willi Schneider
Andreas Szerda
Iris Werlin

Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993)

Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst.

Helene: Noch was zu trinken, Chef?

Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten.

Helene: Agentur Fiat Lux.

Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das?

Ferrand: Nestor Burma.

Burma: Höchstpersönlich.

Ferrand: Hier ist Ferrand.

Burma: Ferrand.

Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen.

Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen.

Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar?

Helene: Wer war das?

Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen.

Helene: Das ist wiederum nicht unüblich.

Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen.

Helene: Und, gehen Sie hin?

Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen, Helene.

Helene: Agentur Fiat Lux.

Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf.

Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris.

Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen.

Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma.

Frau: Würden Sie bitte hier warten.

Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus.

Henriette: Oh, ich wußte nicht.

Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an.

Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich.

Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen.

Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung.

Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht.

Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick.

Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch.

Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei?

Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen.

Burma: Im Palais Justice.

Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert.

Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab.

Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden.

Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum?

Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören.

Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten.

Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken.

Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit.

Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen.

Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten.

Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix.

Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch.

Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen.

Burma: Aber doch nicht hier Ferrand, da kommt jemand.

Ferrand: Sie haben recht.

Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen.

Ferrand: Gehen wir zu mir.

Burma: Du machst es aber sehr wichtig.

Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen.

Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame.

Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer.

Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte.

Ferrand: Gehen wir rauf. Gut.

Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven.

Frau: Oh, wen haben wir denn da?

Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen.

Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach.

Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück.

Burma: Was war das für eine Frau?

Ferrand: Keine Ahnung.

Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher.

Ferrand: Meinen sie, ich gehöre hierher?

Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne.

Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört?

Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire.

Ferrand: Und ich bin einer von denen.

Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen?

Ferrand: Wofür halten sie mich?

Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn.

Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen.

Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen.

Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles.

Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert.

Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe sie an, spätestens morgen.

Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, nein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel.

Burma: Ja.

Helene: Ich wollte nur wissen Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro?

Burma: Bin spät ins Bett gegangen.

Helene: Keine Details, bitte.

Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da.

Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein.

Helene: Erzählen Sie Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter.

Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht.

Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet.

Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein.

Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt.

Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen.

Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist.

Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht.

Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden.

Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen?

Burma: So kann man es auch sagen.

Covet: Blond.

Burma: Rot.

Covet: Umso besser, ist was im Busch?

Burma: Vielleicht.

Covet: Fällt was für mich ab?

Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen?

Covet: Ah, kam sie aus dem Haus?

Burma: Aus welchem Haus?

Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein.

Burma: Ja, danke, Covet.

Covet: Salut.

Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen.

Helene: Laden Sie mich ein?

Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt.

Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja.

Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen.

Burma: Dauerts lange?

Mann: Kann man vorher schlecht sagen.

Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne?

Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame.

Helene: Und wer ist Gilo?

Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame.

Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig.

Mann: Erstklassig.

Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu.

Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen?

Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker.

Helene: Wie furchtbar.

Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein.

Helene: Wir sind wohl allein hier, was?

Burma: Gehen wir nach oben.

Helene: Verlassen das Nest.

Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden.

Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren?

Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an.

Helene: Muß das sein?

Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung.

Helene: Lassen Sie das hängen.

Burma: Ich nahm sie trotzdem ab, ein Foto, 6 × 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett.

Helene: Nein sowas.

Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote.

Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto.

Burma: Kennst du die hier zufällig?

Mann: Wollen sie mich verarschen?

Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen?

Mann: Die ist was ganz anderes.

Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land.

Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais.

Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt.

Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen?

Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an.

Helene: Und dann.

Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei.

Helene: Dem Kunstkritiker.

Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt.

Helene: Und dann gehen wir aber essen.

Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch.

Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben.

Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte.

Jakowski: Kommen Sie ruhig rein.

Helene: Danke.

Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden.

Helene: Wer ist das?

Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir.

Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder.

Jakowski: Was möchten sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags.

Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen sie die?

Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an.

Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit.

Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr?

Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist.

Jakowski: Warum nicht, glaube schon.

Burma: Was anderes, sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay?

Jakowski: Das glaube ich nicht.

Burma: Ich danke Ihnen, wir werden sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle.

Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen.

Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen.

Helene: Aber gerne.

Jakowski: Vom Flohmarkt.

Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt.

Helene: Unglaublich.

Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt.

Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein.

Courtenay: Kommen sie, ich habe mit ihnen zu reden.

Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus.

Courtenay: Also, wie viel.

Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause?

Courtenay: Geht sie nichts an.

Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich.

Courtenay: Was meinen sie?

Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen.

Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen.

Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken.

Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht?

Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht.

Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig.

Burma: Aber Sie halten sie für schuldig.

Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr.

Burma: Sie lieben ihre Frau.

Courtenay: Warum schleichen sie um mein Haus herum?

Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht.

Courtenay: Lassen sie ihr etwas Ruhe, ich habe sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten.

Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, dem Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts.

Helene: Ja.

Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern.

Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen.

Burma: Sie hatte Komplizen.

Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr.

Burma: Eine gute Idee mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen.

Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also.

Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt.

Helene: Wieso da?

Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein.

Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit.

Zavatter: Hallo.

Burma: Zavatter.

Zavatter: Chef.

Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sich eine Erpressung lohnt.

Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer?

Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia.

Zavatter: Bis morgen dann.

Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen.

Dr: Hallo.

Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche?

Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie?

Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv.

Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick.

Burma: So lala.

Dr: Nicht überarbeitet vielleicht.

Burma: Na ja.

Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig.

Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel.

Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz.

Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen.

Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz.

Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin.

Dr: Bedaure, woher haben sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register.

Burma: Sie stand auf einem Zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat.

Dr: Ja, und.

Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft, war überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt.

Kuh: Muh.

Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja.

Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten.

Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma.

Henriette: Ah ja.

Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering.

Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen.

Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte.

Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden.

Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute.

Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann.

Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken.

Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen sie, ich bring sie hinaus.

Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay.

Courtenay: Ich wollte sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden.

Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau?

Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer.

Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit.

Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat.

Burma: Haben sie ihr von mir erzählt.

Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, blutverschmiert.

Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie?

Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt.

Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt.

Courtenay: Es gibt Regen.

Burma: Es donnert schon.

Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen.

Burma: Was war das?

Courtenay: Offensichtlich ein Unfall.

Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan.

Courtenay: Das ist alles ihre Schuld.

Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau.

Courtenay: Sie ist tot.

Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen.

Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat.

Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich.

Courtenay: Dr. Delanglad.

Burma: Delanglad oder Dalalück?

Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück?

Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft.

Courtenay: Verschwinden Sie.

Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte, das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken.

Faroux: Salü Nestor, haben sie meinen Anruf erwartet.

Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden.

Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris.

Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben.

Faroux: Ja, warum nicht?

Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib.

Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten.

Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen.

Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal?

Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris.

Helene: Im Park?

Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See.

Helene: Wars tatsächlich Selbstmord?

Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt.

Helene: Wie denn?

Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch.

Helene: Nichts als Vermutung, oder?

Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber.

Helene: Alle Männer sind Schweine.

Burma: Ich bin anders als alle.

Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat.

Burma: Sie rumgekriegt, mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische.

Helene: Das ist doch verrückt.

Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet.

Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt.

Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden.

Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag.

Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder.

Burma: Die Ratten von Montsouris.

Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer.

Burma: Ach ja, die Liste.

Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben.

Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder?

Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren.

Burma: Mhm, und weiter?

Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da.

Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten.

Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr.

Helene: Was haben sie denn rausgekriegt?

Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von.

Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte.

Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr.

Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden.

Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt.

Burma: Nicht ungewöhnlich.

Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau.

Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten.

Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt.

Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung.

Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef?

Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert.

Helene: Ich komme mit.

Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienstmädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück.

Frau: Na ja, bei dem Wetter.

Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden.

Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich.

Burma: Hatten Sie Angst?

Frau: Ich hatte meinen freien Tag Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau.

Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause?

Frau: Ich glaube nicht, Monsieur.

Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer.

Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour, Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie.

Burma: Los, öffnen Sie.

Mann: Moment, ich komm ja schon.

Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein.

Mann: Was kann ich für sie tun?

Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas.

Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere.

Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können.

Helene: Machen sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder.

Burma: War der Mörder, lassen sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt.

Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß?

Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen.

Helene: Chef, wenn sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon.

Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde.

Burma: Was wollte der Araber?

Mann: Mich erpressen wegen der Bilder.

Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja.

Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand.

Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft.

Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich.

Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich.

Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe.

Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen sie?

Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten.

Henriette: Ach ja, der Erpresser.

Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand.

Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich.

Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam.

Gaudebert: Monsieur Burma.

Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand.

Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen.

Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen.

Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt.

Burma: Das erzählten sie, ja.

Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht.

Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte.

Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung, Monsieur Burma.

Burma: Was wollen sie damit sagen?

Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat.

Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken.

Dr: Sie erinnern sich noch an mich.

Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch.

Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht.

Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks.

Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte.

Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen.

Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet.

Burma: Wie bitte?

Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie Sainte Anne vollkommen verrückt.

Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort.

Dr: Er schreibt Gedichte, ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Castellenot Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte.

Burma: Nicht so richtig.

Dr: Wollen sie seine Texte lesen?

Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren.

Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden.

Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens?

Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie.

Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand.

Dr: Tja, so geht das meistens weiter.

Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse.

Helene: Was wurde denn erbeutet?

Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden.

Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen?

Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst.

Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen?

Burma: Nein, noch nicht.

Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat.

Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden?

Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur?

Burma: Steht die Prämie noch?

Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie sie.

Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen.

Helene: Ein großer Wirrwarr Chef, sie schwimmen immer noch.

Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin.

Jakowski: Sie schon wieder, Burma.

Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben, schon mal was von Jeff Harrison gehört?

Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben.

Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert?

Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun?

Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat.

Jakowski: Ach und sie meinen, kommen sie, schauen wir nach.

Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung.

Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang.

Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren?

Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat.

Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert.

Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben, auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise, ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste.

Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann.

Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert.

Gaudebert: Reden Sie, Burma.

Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat, wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse.

Gaudebert: Aber wie wie sind Sie?

Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen, woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden.

Helene: Agentur Fiat Lux.

Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen.

Helene: Ganz allein, haben sie keine Angst?

Burma: Nö.

Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse.

Gaudebert: Gehen wir.

Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser.

Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma.

Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen.

Burma: Wovor haben sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen?

Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier.

Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver.

Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter.

Henriette: Hahaha.

Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus.

Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können.

Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich.

Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und Sie sich auch nicht.

Henriette: Mir ist das doch scheißegal.

Gaudebert: Keine Bewegung, Burma.

Burma: Was wollen Sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war?

Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen.

Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da.

Gaudebert: Was?

Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen?

Gaudebert: Das ist nicht wahr.

Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht?

Henriette: Vollkommen.

Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen.

Gaudebert: Hure.

Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her.

Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig.

Gaudebert: Sie Dreckskerl.

Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache.

Faroux: Hallo Nestor.

Burma: Hallo.

Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen.

Burma: Nein, diesmal nicht.

Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen?

Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen.

Christian Brückner Nestor Burma
Sabine Postel Helene Chatelet
Matthias Ponnier Ferrand (Freund von Raoul Castellenot)
Aljoscha Sebald Armand Gaudebert
Katja Teichmann Henriette Castellenot
Dieter Eppler Florimond Faroux
Ernst Konarek Monsieur Jakowski
Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay
Peter Panhans Zavatter

Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992)
(Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby)

Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen.

Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen.

Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten.

Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch.

Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen.

Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.

Sprecherin: Der aber auch anders kann.

Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar.

Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold.

Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe.

Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella.

Carella: Seid doch mal still.

Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you.

Radio: Only you…

Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20.

Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel.

Proctor: Holy shit.

Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache.

Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür.

Shirley: Ah.

Proctor: Schnauze.

Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn.

Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um.

Shirley: Tony.

Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze.

Tony: Komm laß doch, mach nicht so.

Proctor: Ab ins Bad mit euch.

Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch.

Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola…

Hodding: Ah ah…

Proctor: Fucking bastards.

Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das.

Lorraine: Pst.

Scott: Ich dachte schon.

Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott.

Scott: Ich.

Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding.

Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern.

Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten.

Hodding: Einen was.

Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding.

Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns.

Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor.

Hammond: Oh shit.

Baby: Ah.

Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah.

Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola.

Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein.

Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür.

Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie.

Gayle: Polizei, polizei, polizei.

Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding.

Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust.

Mann: Sie ist tot.

Meyer: Erschossen ja.

Mann: Arschloch.

Carella: Mr Hodding.

Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren.

Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner.

Hodding: Darf ich mir eine anzünden.

Meyer: Jetzt das Baby, hast du es.

Carella: Ja bitte Mr Hodding.

Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve.

Carella: Moment ja, also Mr Hodding.

Hodding: Wir kamen.

Carella: Ja.

Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück.

Carella: Wo.

Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover.

Carella: Und die Wohnungstür.

Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle.

Carella: Und dann.

Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust.

Meyer: Steve.

Hodding: Und dann.

Carella: Ja.

Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau.

Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding.

Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie.

Frau: Ah ah.

Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten.

Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen.

Kling: Ich kündige.

Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world.

Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen.

Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre.

Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter.

Kling: Ok Detective Kling auf 3.

Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln.

Kling: Na wer sagts denn.

Radio: What a wonderful world…

Mann: Ah ah.

Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg.

Mann: Oh.

Kling: Hank schmeiß das ding weg.

Mann: Hey laß los, laß das.

Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen.

Herrera: Gracias pornada.

Carella: Polizei aufmachen, Polizei.

Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt.

Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt.

Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar.

Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen.

Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so.

Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier.

Shirley: Was.

Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen.

Radio: Bleibt sauber.

Carella: Nein.

Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve.

Carella: Und erzähl schon.

Meyer: Moment.

Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie.

Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein.

Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist.

Weeks: Ich sage das.

Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch.

Carella: Was sagt uns das.

Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein.

Carella: Jaja.

Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen.

Carella: Komm weiter.

Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden.

Carella: Und Sperma.

Meyer: Auch das, warte mal.

Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt.

Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie.

Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer.

Kling: Na Stevie, Meyer.

Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden.

Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du.

Carella: Was machst du für ne scheiße.

Kling: Was heißt hier scheiße.

Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner.

Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder.

Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker.

Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok.

Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch.

Carella: Also was weiter.

Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet.

Carella: Das heißt.

Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern.

Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler.

Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft.

Carella: Annies Vater steht zu der Aussage.

Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz.

Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke.

Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe.

Carella: Gut gut gut gut.

Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier.

Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert.

Carella: Und wer ist es.

Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer.

Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein.

Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig.

Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer.

Meyer: Hier.

Donner: Danke.

Meyer: Und wo find ich ihn.

Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel.

Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar.

Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen.

Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfischsandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts.

Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling.

Kling: Ja du sitzt ja schon.

Herrera: Eh Kaffee.

Frau: Ok.

Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier.

Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir.

Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen.

Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen.

Kling: Super super.

Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben.

Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen.

Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler.

Kling: Na klar.

Herrera: Größer, kennst du Schauer.

Kling: Hm.

Herrera: Noch größer.

Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys.

Herrera: Hey langsam.

Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar.

Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar.

Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir.

Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz.

Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby.

Herrera: Scheiß bulle.

Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten.

Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn.

Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes.

Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn.

Carella: Was.

Hodding: Wir haben Susan adoptiert.

Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern.

Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben.

Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord.

Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet.

Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.

Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln.

Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler.

Lorraine: Kenn ich nicht.

Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde.

Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun.

Meyer: Wenn er ein Alibi hätte.

Lorraine: Für wann.

Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht.

Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr.

Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider.

Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve.

Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph.

Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten.

Bobby: Hi.

Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn.

Bobby: Irgendwelche Fortschritte.

Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok.

Bobby: Bullshit.

Carella: Ich versteh Bobby so schlecht.

Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve.

Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen.

Bobby: Er soll sich verpissen.

Carella: Noch mal Bobby.

Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist.

Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte.

Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich.

Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da.

Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche.

Carella: Ich brauch sie jetzt.

Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve.

Carella: Fickt euch ins Knie.

Mann: Ich stell Fats Donner durch.

Carella: Wichser.

Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja.

Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts.

Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar.

Meyer: Aufmachen Proctor, polizei.

Proctor: Oh scheiße.

Meyer: Polizei.

Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme.

Meyer: Tritt sie ein Bert.

Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt.

Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann.

Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs.

Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir.

Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand.

Proctor: Ihr meint es ernst was.

Carella: Bitterernst, Snake.

Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch.

Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe.

Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt.

Carella: Noch mal von vorn.

Proctor: Oh mann.

Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter.

Proctor: Ja die Feuerleiter runter.

Carella: Was siehst du, was hörst du.

Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt.

Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie.

Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin.

Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte.

Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er.

Weeks: Kanal 5.

Carella: Schau mich an Snake.

Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte.

Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf.

Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn.

Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen.

Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling.

Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie.

Weeks: Bin ich taub.

Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby.

Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie.

Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu.

Mann: Bidubidu.

Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder.

Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch.

Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich.

Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung.

Hodding: Ich, ja.

Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding.

Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen.

Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt.

Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal.

Meyer: Du gottverdammter Drecksack du.

Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt.

Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel.

Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund.

Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen.

Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh.

Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist.

Carella: Wo finde ich Joyce Chapman.

Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen.

Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es.

Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum.

Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum.

Carella: Und der Vater.

Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen.

Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich.

Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt.

Carella: Wer wußte von dem Kind.

Quist: Wußte.

Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also.

Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft.

Carella: Und wer sonst.

Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater.

Carella: Gut, und wo ist Joyce.

Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs.

Carella: Telefon.

Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk.

Richard Hammond: Joyce, joyce.

Joyce: Ah.

Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce.

Joyce: Ah ah.

Mann: Hey Bert.

Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte.

Weeks: Herrera ist weg.

Kling: Was sagst du.

Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben.

Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst.

Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop.

Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir.

Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell.

Meyer: Ja ich komme.

Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte.

Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden.

Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr.

Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet.

Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln.

Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind.

Herrera: 5 kg.

Mann: 50000, ok.

Herrera: Bueno.

Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen.

Meyer: Komm Hamond.

Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage.

Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer.

Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa.

Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa.

Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby.

Carella: Warum.

Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben.

Carella: Ahja.

Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat.

Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben.

Melissa: Sie hätte Dick hingehängt.

Carella: Jetzt tun wirs.

Chinese: Alles glatt gegangen.

Mann: Hä.

Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh.

Mann: Ah.

Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe.

Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen.

Mann: Oh.

Radio: And when I got to America, I say it blew my mind…

Steve Carella: Peter Voss
Meyer Meyer: Jochen Striebeck
Bert Kling: Michael Mendl
Ollie Weeks: Ralf Wolter
Discjockey: Jim Sampson
Shirley Unger: Saskia Vester
Tony Unger: Robert Flörke
Martin Proctor: Rufus Beck
Peter Hodding: Hubert Mulzer
Gayle Hodding: Barbara Zahn
Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau
Scott Handler: Marc Schulze
José Herrera: Jockel Tschiersch
Fats Donner: Mogens von Gadow
Nellie: Ilse Neubauer
Angela Quist: Esther Hausmann
Richard Allen Hammond: Peter Kremer
Melissa Hammond: Bettina von Websky
Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner
Al / Bobby: Bruno W. Pantel
Annie: Julika Blum
Arzt: Detlef Kügow
Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner
Ralph: Fred Maire
Chinesin: Marina Dietz
Chinese: Hubert Mulzer
1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner
2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen
4. Frauenstimme: Veronika von Quast
1. Männerstimme: Christoph Lindert
2. Männerstimme: Detlef Kügow
3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter
1. Polizist: Bernd Dechamps
Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer
Komparse: Olaf Danner
Komparse: Stefan Wilkening

Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
(Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman)

Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift.

Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür.

Pat: Dort drin, Mike.

Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte.

Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat.

Pat: Nein warum.

Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett.

Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte.

Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach.

Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch.

Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich.

Pat: Du bist mit von der Partie.

Mike: Darauf kannst du Gift nehmen.

Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen.

Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe.

Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres.

Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft.

Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen.

Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden.

Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten.

Mike: Hat jemand einen Schuß gehört.

Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv.

Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten.

Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst.

Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat.

Velda: Ach du bist es.

Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef.

Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann.

Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte.

Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte.

Mike: Häh, wie bitte.

Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung.

Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren.

Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB.

Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen.

Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat.

Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand.

Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki.

Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen.

Velda: Die Nr 2, Myrna.

Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen.

Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern.

Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat.

Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber.

Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus.

Mike: Wer, ist das.

Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse.

Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat.

Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike.

Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch.

Manning: Hallo Mr Hammer.

Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus.

Mike: Hallo Mrs Manning.

Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden.

Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams.

Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen.

Manning: Nur zu.

Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen.

Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen.

Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen.

Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam.

Mike: Kann das jemand bezeugen.

Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was.

Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt.

Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden.

Mike: Ja, das wars dann wohl für erste.

Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau.

Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem.

Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten.

Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig.

Mike: Ja, das werde ich.

Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete.

Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald.

Manning: Sehr bald, hoffe ich.

Hubabuba.

Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte.

Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht.

Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen.

Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus.

Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen.

Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du.

Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen.

Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George.

Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung.

Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht.

Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel.

Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen.

Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren.

Mike: Hast du ein Alibi.

Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden.

Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich.

Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt.

Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig.

Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein.

Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht.

Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können.

Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch.

Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber.

Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer.

Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich.

Mike: Sie kennen mich.

Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet.

Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe.

Bellemy: Ich bin Marry Bellemy.

Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen.

Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein.

Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann.

Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen.

Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte.

Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden.

Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber.

Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht.

Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen.

Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren.

Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte.

Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz.

Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimmingpool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen.

Mike: Klar, jederzeit.

Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen.

Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden.

Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden.

Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte.

Mike: Ah, und wer von beiden.

Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach.

Mike: Mann o mann.

Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir.

Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder.

Bellemy: Oh, sei nicht feige.

Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnengebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür.

Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag.

Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist.

Mike: Ist was.

Velda: Du hast noch was am Ohr.

Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau.

Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich.

Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen.

Pat: Willst du einen.

Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache.

Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin.

Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen.

Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte.

Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan.

Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte.

Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten.

Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet.

Mike: Was sagt Myrna.

Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen.

Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben.

Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt.

Mike: Das hättest du also beinahe vergessen.

Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es.

Mike: Du glaubst es nicht.

Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe.

Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch.

Mike: Hallo Velda.

Velda: Hallo Mike.

Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall.

Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt.

Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe.

Velda: Was ist das.

Mike: Jacks Notizbuch.

Velda: Und, ist was drin.

Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten.

Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod.

Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen.

Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich.

Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605.

Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal.

Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus.

Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605.

Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff.

Velda: Na, du mußt es ja wissen.

Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte.

Frau: The red baron, hallo.

Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen.

Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause.

Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen.

Mike: Kann ich.

Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren.

Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte.

Manning: Hallo, Mr Hammer.

Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt.

Manning: Was ist.

Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an.

Manning: Gefällt ihnen das Kleid.

Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch.

Manning: Ich hab es extra für sie angezogen.

Mike: Wie darf ich das verstehen.

Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt.

Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen.

Mike: Charlotte.

Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten.

Mike: Wie hab ich das verdient.

Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet.

Mike: Danke für die Blumen.

Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand.

Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen.

Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich.

Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert.

Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen.

Manning: Darum.

Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr.

Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike.

Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam.

Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45.

Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden.

Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen.

Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert.

Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen.

Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat.

Pat: Sie sagt nein.

Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen.

Pat: Erraten.

Mike: Soll ich sie mir vornehmen.

Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden.

Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu.

Mike: Hallo, kleines.

Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte.

Mike: Magst du kinder.

Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben.

Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen.

Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer.

Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich.

Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen.

Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein.

Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde.

Mike: Bist du ganz sicher.

Pat: Vollkommen.

Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen.

Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt.

Mike: Verdammt.

Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen.

Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war.

Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen.

Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab.

Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe.

Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte.

Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen.

Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen.

Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht.

Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte.

Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen.

Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann.

Mike: Mach dir keine Gedanken.

Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um.

Mike: Gute Idee.

Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor.

Manning: Dein drink ist fertig Liebling.

Mike: Bring ihn mir.

Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen.

Manning: Mike, ich will dich.

Mike: Nein, nein.

Manning: Aber warum nicht.

Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen.

Manning: Sag es mir Mike.

Mike: Ich liebe dich.

Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen.

Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten.

Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür.

Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein.

Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden.

Velda: So früh schon auf.

Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung.

Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen.

Mike: Wiebitte.

Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen.

Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen.

Mike: Ach ja.

Velda: Ach ja.

Mike: Sonst noch was.

Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen.

Velda: Viel spaß, baby.

Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte.

Bellemy: Hallo Feigling.

Mike: Hallo Marry.

Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert.

Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen.

Manning: Aber natürlich.

Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen.

Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer.

Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt.

Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen.

Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben.

Mike: Das läßt sich ja nachholen.

Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte.

Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung.

Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen.

Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf.

Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht.

Mike: Das sieht man.

Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen.

Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen.

Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau.

Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen.

Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen.

Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen.

Mike: Warum.

Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen.

Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry.

Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt.

Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal.

Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen.

Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er.

Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen.

Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase.

Mike: Es war passiert während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt.

Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe.

Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte.

Manning: Es ist Heroin.

Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat.

Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen.

Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht.

Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen.

Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um.

Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen.

Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie.

Mike: Ja, Charlotte, warum nicht.

Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich.

Mike: Es hat kein Zweck mehr, Charlotte, ich weiß alles.

Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte.

Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen.

Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen, wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn.

Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel.

Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg.

Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt.

Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen.

Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen.

Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen.

Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch.

Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip.

Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja.

Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips.

Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben.

Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine.

Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt.

Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu.

Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode.

Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an.

Manning: Wie konntest du nur.

Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch.

Mike: Es war leicht.

Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw
Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler
Charlotte Manning: Caroline Schreiber
Marry Bellemy: Myriam Gurland
Pat Chambers: Justus Fritzsche
George Kalecki: Horst Mendroch
Bobo Hopper: Steffen Schult

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I’ve been attempting to expand my wine business in my hometown in White Plains. For the past 7 years, I do play the lottery in my spare time, but on this blessed day I came across an article about Lord Meduza spell to win the lottery. I contacted Lord Meduza to see if it would work and after I agreed to his terms and conditions for completing the task for me, he performed his magical powers for me and within 48 hours he provided me with the numbers I needed to play the lottery, and I followed his directions. I found out at the store that I was the winner of a $105 million jackpot. For a moment I felt uncertain but I looked again and I saw it was real. As I speak to you, My level has been elevated from grass to grace and I’ve come to know that life is more spiritual and with the Lord Meduza spell you can actually win the lottery. Lord Meduza contacts are listed as follows

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Nora Jackson

Telling lies to someone who is being real with you will come back and hunt you, you can not eat your cake and still have it, it is either you stay real who is being real with you or you loose the person for not being real back, my spouse lied to me, cheated on me and she made it look like i was the fault of the marriage but the signs were clear i was the one fighting for the marriage, coming across Macquiod and his team via macprivateinvestigators@gmail.com through the help of my brother and they exposed all her activities, she begged but it was too late the damage was already done, now i live with a clear and focused mind.

Bright Shelvey

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